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Filmkritik: Desierto - Tödliche Hetzjagd

© Ascot Elite
Story: 14 illegale mexikanische Migranten und ein US-Redneck mit Gewehr und Spürhund – diese Einwanderer haben keine Chance! Abgeknallt wie Kaninchen bleiben sie in der staubigen Hitze der Badlands im Grenzgebiet liegen. Nur eine verletzte junge Frau und Moises, der den Weg schon einmal gegangen ist und unbedingt wieder zu seinem kleinen Sohn nach Oakland will, können zunächst entkommen. Zwischen dem Illegalen mit dem Mut des Verzweifelten und dem Menschenjäger beginnt ein brutales Duell auf Leben und Tod.

Kritik: Fast könnte man meinen, die Geschichte zu "Desierto" hat sich irgendein Betrunkener mitten in einer durchzechten Nacht in einer zwielichtigen Kneipe irgendwo in den Südstaaten ausgedacht. Aber in Zeiten, in denen ein US-Präsidentschaftskandidat ernsthaft verspricht, eine Mauer zwischen die USA und Mexiko zu bauen (auf Kosten der Mexikaner, scheissegal was die davon halten), scheint die Hetzjagd eines einzelnen, selbsternannten Grenzschützers inklusive wenig flauschigem Schäferhund fast schon wie ein feuchter Traum eines xenophoben Rednecks. Jonás Curaón inszeniert sein Erstlingswerk als Regisseur dann auch passend zum Wüstensetting: staubtrocken und unerbittlich.
© Ascot Elite
Willkommen in Amerika, so oder so ähnlich schreit es aus jeder verdreckten, staubigen Pore von "Desierto". Die Figuren sind dabei auf ein Minimum beschränkt. Über die meisten Einwanderer erfährt man gar nichts, sie wirken wie aus der Schablonenfabkrik für belanglose Nebenfiguren. Moises sticht mit einer erkennbaren Motivation deutlich aus dieser Gruppe heraus. Gael García Bernal spielt dann auch extrem sympathisch, wer hier ernsthaft auf der Seite des Jägers ist, der dürfte wohl auch sonst eher fragwürdig rüberkommen. Der wiederum wird bitterböse und aufs wesentliche reduziert von einem unterforderten Jeffrey Dean Morgan verkörpert. Lässig und cool in der Aufmachung, mit stylischem Halstuch ist die Sache für ihn und seinen Hund Tracker ganz klar: Die Mexikaner haben nichts auf seiner Seite der Grenze zu suchen, und wenn sie sich doch mal dorthin verirren, dann muss sich jemand darum kümmern.
© Ascot Elite
Treffenderweise trägt der selbsternannte Retter der Wüste dann auch den Namen Sam. Sam hat eine Südstaatenflagge am Auto, mag Bier und billigen Whisky, hört gerne Country und hat ein Faible für billige Tätowierungen. Mehr muss man über ihn nicht wissen, mehr erfährt man auch nicht. Mit etwas mehr Hintergrundgeschichte wäre das hier sicherlich eine vielschichtigere Angelegenheit mit Hang zur Sozialstudie geworden. Doch daran besteht seitens Cuarón gar kein Interesse. Sam wird mit den breitestmöglichen Pinselstrichen gezeichnet, und damit wird die Bühne dann auch rasend schnell freigegeben für das, was Cuarón wirklich interessiert. Und das ist eine gnadenlose Hetzjagd durch die Wüste.

Hier trumpft "Desierto" dann auch vollends auf. Gleich zu Beginn gibt es einen brutalen Rundumschlag, die restliche Laufzeit über gibt es immer wieder Momente, die dem Zuschauer zusetzen. Wer einen empfindlichen Magen hat, dürfte wohl spätestens beim Aufeinandertreffen des extrem gut abgerichteten Hundes mit den Flüchtlingen das Weite suchen. Passend dazu gibt es bedrückend weitwinklige Aufnahmen der kargen Landschaft, in der die Figuren beinahe schon verloren wirken. Abgerundet mit einem angenehm reduzierten, aber dennoch stimmigen Soundtrack von Woodkid wird das Grenzland zu einer Todeszone, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.
© Ascot Elite
Fazit: "Desierto" ist beinahe schon brutal beklemmend und stellenweise furchtbar kompromisslos. Zwar bleiben die Figuren teils schmerzhaft flach, doch besonders in den intensiven Actionszenen beweist Jonás Cuarón ein geschicktes Händchen. Jeffrey Dean Morgan ist mit seiner Rolle ein wenig unterfordert, lässt den treffend benannten Sam aber zu einem dennoch erinnerungswürdigen Bösewicht werden. Dies hauptsächlich auch, weil das übergreifende Thema der illegalen Einwanderer und Flüchtlinge nach wie vor brandaktuell ist. Man darf gespannt sein, wie sich Mexikos Beitrag für die Oscars 2017 schlagen wird.

Die Blu-ray: Die Blu-ray ist seit dem 21. Oktober 2016 im Vertrieb von Ascot Elite im Handel erhältlich. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor, zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, deutschsprachige Untertitel zuzuschalten. Der Ton ist in beiden Sprachversionen gut abgemischt, wobei in der synchronisierten Fassung das Verhältnis von Dialogen zu Hintergrundgeräuschen ein klein wenig besser wirkt. Das Bild ist gestochen scharf, die Kontraste sowie Schwarzwerte sind ebenfalls gut gelungen und tragen maßgeblich zur beklemmenden Atmosphäre bei. Ein Wendecover liegt für die Hülle selbst bei, der mitgelieferte Pappschuber hat allerdings leider ein aufgedrucktes FSK-Logo. Als weitere Extras gibt es noch ein paar Trailer.

Infos zum Film

Originaltitel: Desierto
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Thriller
FSK: 18
Laufzeit: 88 Minuten
Regie: Jonás Cuarón
Drehbuch: Jonás Cuarón, Mateo Garcia
Darsteller: Jeffrey Dean Morgan, Gael García Bernal, Marco Pérez, Oscar Flores, Alondra Hidalgo  u.a.

Trailer


Filmkritik: Don't Breathe

© Sony Pictures
Story: Drei Jugendliche verdienen ihren Lebensunterhalt damit, kleinere Einbrüche durchzuziehen. Bargeld nehmen sie niemals mit, um härteren Strafen zu entgehen, falls sie erwischt werden. Doch ein Raubzug erweist sich als zu verlockend. Ein blinder, namenloser Kriegsveteran (Stephen Lang) hortet in seinem Haus ein stattliches Sümmchen. Rocky (Jane Levy) sieht ihre Chance gekommen, endlich mit ihrer kleinen Schwester aus ihrem kaputten Umfeld zu entkommen. Doch der Raubzug in der menschenleeren Wohngegend erweist sich als Fehler, denn die Kids haben die Rechnung ohne ihr vermeintliches Opfer gemacht.

Kritik: Fede Alvarez lieferte 2013 mit dem Remake von "Evil Dead" einen Film, der generell gut ankam und zu meinen persönlichen Favoriten gehört. Bereits da zeigte sich, dass er etwas von seinem Handwerk versteht und es schafft, unterschwellig Bedrohung aufzubauen, noch bevor dann tatsächlich die Dinge eskalieren. Bis zu einem gewissen Grad schafft er das auch mit seinem Zweitwerk, "Don't Breathe". Doch leider läuft auch so einiges einfach nicht ganz rund. Oder anders formuliert: Zu viele Chancen werden ausgelassen, zu viele Möglichkeiten bleiben ungenutzt.
© Sony Pictures
Doch bleiben wir vorerst beim Positiven. Jane Levy, die bereits die Hauptrolle in "Evil Dead" übernahm, zeigt auch hier wieder, wie man mit wenig Ausgangsmaterial eine Menge erreichen kann. Ihre Rocky zeigt emotionale Tiefe und eine ganze Bandbreite von Angstzuständen, die den Zuschauer unweigerlich mit in die Angelegenheit hineinziehen. Auch ihre Motivation ist zwar sehr einfach gehalten, sie spielt aber überzeugend genug, dass man ihr trotzdem wünscht, mit der Sache durchzukommen. Weniger überzeugend sind hingegen ihre beiden Freunde. Dylan Minette kommt als Alex niemals aus der "Netter Junge ist in unerreichbares Mädchen verliebt" Ecke heraus. Über weite Teile ist dies sein einziger Charakterzug und gleichzeitig seine einzige Motivation, überhaupt irgendwie zu agieren. Daniel Zovatto darf als Money so richtig tief in der Gangsterklischekiste wühlen. Er ist krass drauf, seine Frisur kann das bezeugen. Hier wäre mehr Charaktertiefe dringend nötig gewesen. Gottseidank taucht relativ zügig Stephen Lang auf. Er reißt seine Szenen an sich, füllt die Leinwand mit einer bedrohlichen Präsenz aus und zieht die Faszination des Publikums wie ein Magnet an sich.
© Sony Pictures
Heimlicher Star von "Don't Breathe" ist zweifelsohne Kameramann Pedro Luque. Zu Beginn des Films wird sich enorm viel Zeit genommen, um das Setting gründlich zu erforschen. Detroit darf wieder einmal als Kulisse für den Verfall herhalten, und als Zuschauer bewegt man sich langsam auf das Haus des blinden Veteranen zu. Wenn die Kids einbrechen bleibt die Kamera nah an ihnen und folgt ihnen durch die Räume und Gänge. Der Grundriss des Hauses und die Einrichtung einzelner Räume werden so greifbar, was im späteren Verlauf die Spannung enorm steigert. Hier kann "Don't Breathe" dann seine Stärken voll ausspielen. Enge Gänge und der begrenzte Raum des kleinen Hauses sorgen für klaustrophobische Gefühle. In der ersten Hälfte ist es kein bösartiges Monster, welches die Kids jagt. Stattdessen treffen sich zwei verschiedene Arten von Mensch, die sich beide in einer nachvollziehbaren, moralischen Grauzone bewegen. Als Zuschauer versteht man, dass Rocky mit ihrer kleinen Schwester abhauen will, man versteht aber auch die Trauer eines Mannes, der sein Kind verloren hat. Urängste werden bedient, denn wer will schon gerne gefangen sein, gejagt werden, und all dies in der Dunkelheit? Es sind simple Grundvoraussetzungen, die dann aber effizient umgesetzt werden und den Puls in die Höhe treiben. Wenn der Hausbewohner dann Jagd auf die Einbrecher macht und dabei vor Nichts zurückschreckt, dann werden die sonst geltenden Regeln des Home Invasion Thrillers gekonnt auf den Kopf gestellt.
© Sony Pictures
Im Verlauf der Geschichte tun sich allerdings zwei gravierende Probleme auf. Zunächst einmal bleibt die innere Logik später komplett auf der Strecke. In einem Moment ist der namenlose Veteran in der Lage, anhand zurückgelassener Schuhe zu erschnüffeln, dass weitere Personen im Haus sind, im nächsten riecht er die Leute nicht, die direkt vor ihm stehen? Laute Geräusche beeinflussen ihn manchmal, manchmal aber auch nicht. Unerklärlich taucht er in den verschiedensten Winkeln seines Hauses auf. Dabei wird, überraschenderweise, aber fast gänzlich auf plumpe Jumpscares verzichtet, was man dem Film wirklich anrechnen muss. Doch mit zunehmender Laufzeit wird eine der Figuren aus der moralischen Grauzone herauskatapultiert und entpuppt sich danach als ekelerregend bösartig. Der kurzzeitige Ausrutscher in die dämliche, vom Mottenstaub zerfressene Kiste der hilflosen Frauen, die vom starken Mann vor dem anderen, bösen Mann gerettet werden muss, passt tonal nicht zum restlichen Film. Er tut auch nichts zu irgendeiner wichtigen Entwicklung bei, es geht rein um den Schock. Dieses völlige Stoppen mitten in der rasanten Fahrt lässt "Don't Breathe" auf der Stelle treten, und zum Ende heraus will er dann auch nicht mehr wirklich in Fahrt kommen.
© Sony Pictures
Fazit: "Don't Breathe" ist über weite Teile hinweg spannend, in erster Linie aber packend klaustrophobisch inszeniert. Das tröstet darüber hinweg, dass mit fortschreitender Laufzeit die Logik bisweilen schmerzhaft und nahezu vollkommen auf der Strecke bleibt. Ein Event in der Mitte des Filmes zerstört hingegen das, was vorher so sorgsam aufgebaut wurde, und letzten Endes wird aus dem vielversprechenden Setting nicht annähernd das Maximum herausgeholt. Von einer Enttäuschung kann aber auch da nicht die Rede sein, denn wenn "Don't Breathe" seine guten Momente vor allem in der ersten Hälfte genüsslich ausspielt, dann zeigt er eindrucksvoll, zu welchen Taten das aktuelle Horrorkino bereit ist.

Infos zum Film

Originaltitel: Don't Breathe
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller, Horror
FSK: 16
Laufzeit: 89 Minuten
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch:  Fede Alvarez, Rodo Sayagues
Darsteller: Jane Levy, Stephen Lang, Dylan Minette, Daniel Zovatto u.a.

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Filmkritik: The Model

© Koch Media
Story: Die junge und wunderschöne Dänin Emma (Maria Palm) kämpft um ihren Einstieg ins hart umkämpfte internationale Model-Business. Als sie in Paris auf den charismatischen Fotografen Shane (Ed Skrein) trifft, ist das der Beginn einer gefährlichen Obsession, in deren Folge Emma zum Opfer von Ehrgeiz und einer skrupellosen Industrie zu werden droht.

Kritik: 2016 scheint das Jahr der Models zu sein. Erst lieferte Nicolas Winding Refn mit "The Neon Demon" einen brettharten Horrortrip in die Abgründe der Schönheit, nun liefert Mads Matthiesen für das Heimkino die dänisch-französische Variante. Und doch sollten Vergleiche zwischen beiden Werken an dieser Stelle auch schon aufhören, denn das war es mit Gemeinsamkeiten auch schon. "The Model", das wird schnell klar, schafft es ganz gut, auf eigenen Beinen zu stehen.
© Koch Media
Mit Maria Palm konnte ein richtiges Model für die Hauptrolle gewonnen werden, und sie meistert ihren ersten Schauspieljob dann auch sehr souverän. Ed Skrein, der sich mittlerweile häufiger in kleineren Produktionen sehen lässt, aber durchaus auch im Blockbustersegment (zuletzt beispielsweise in "Deadpool") sehen lässt, darf hier mal eine ruhigere, dafür aber umso hinterlistigere Rolle spielen. Steht ihm ebenfalls gut zu Gesicht. Auch die weiteren Nebenrollen sind passend besetzt. Inszenatorisch ist die Kameraführung an einigen Stellen beinahe schon betörend ruhig, so wird ganz wundervoll ein falsches Gefühl der Sicherheit erzeugt, bevor dann der nächste Knaller in diesem heftig umkämpften Business geboten wird.
© Koch Media
Ein bisschen mehr Drama hätte es hier und da durchaus sein dürfen, denn "The Model" nimmt sich am Ende etwas zuviel Zeit, um seine Figuren einzuführen und lange bei ihnen zu verharren. Das wäre in Ordnung, wenn diese dann wirklich tiefgründig wären und die ihnen gebotene Fläche ausfüllen könnten. Doch das Modelgeschäft ist ein oberflächliches, und allzu viel lernen wir über Emma am Ende doch nicht. Wenn es dann am Ende aber zur Sache geht, dann so richtig. Hier schöpft "The Model", ohne zuviel verraten zu wollen, seine Möglichkeiten optimal aus und liefert einen Einblick in eine Szene, den man vielleicht lieber nicht gehabt hätte. Jedenfalls, wenn man gerne Model-Castingshows anschaut oder selbst von einem eigenen Platz in dieser schillernden Welt träumt. Denn unter all dem Glitzer und Glamour steckt eben doch eine hässliche Fratze.

Fazit: In kühlen Farbtönen wird hier eine alternative Version der "Naivität vom Lande verirrt sich in die Stadt, um Karriere zu machen" Geschichte erzählt. Darstellerisch ist das überzeugend gelungen, und die Prämisse ist ebenfalls hochspannend. Doch bis der Film in Fahrt kommt, vergeht ein klein wenig zu viel Zeit. Dafür knallt es dann am Ende umso mehr. Der Blick auf die Modelwelt ist ungeschönt, und wer sich dafür interessiert, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

Die Blu-ray: "The Model" befindet sich im Vertrieb von Koch Media und ist seit dem 25. August 2016 für das Heimkino zu haben.Bei den Tonspuren kann zwischen Deutsch, Englisch und Dänisch gewählt werden, alle kommen in gut abgemischtem DTS-HD MA 5.1 Sound daher, die Dialoge sind gut verständlich. Das Bild ist kontrastreich, an den Kanten sind stellenweise leichte Unschärfen auszumachen, das zentrale Bildgeschehen ist aber scharf gehalten. Die Farben wirken ein wenig entsättigt, dies passt aber gut zum kühlen Feeling des Filmes. Als Extras gibt es nur ein paar Trailer. Die Blu-ray selbst kommt mit einem Slipcover ins Haus, von dem sich der FSK-Aufkleber entfernen lässt. Wer sich lieber nur die Plastikhülle ins Regal stellt, wird darüber hinaus noch mit einem Wendecover versorgt, was wirklich vorbildlich ist.

Infos zum Film

Originaltitel: The Model
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 101 Minuten
Regie: Mads Matthiesen
Drehbuch: 
Darsteller: Maria Palm, Ed Skrein u.a.

Trailer


Filmkritik: Fast Convoy - Tödlicher Transport


© Ascot Elite
Story: 1.800 Kilometer von Malaga nach Paris liegen vor dem Drogenkonvoi. Das sind 24 risikoreiche Stunden voller Anspannung für die sieben männer in den schnellen Wagen. Mit weit über 1000 Kilo Cannabis und der überraschend hinzugekommenen Tasche voller Koks müssen sie für Polizei und Zollfahndung unsichtbar bleiben. Zwölf Mal haben sie einen solchen Transport schon erfolgreich hinter sich gebracht. Doch diesmal läuft es nicht so glatt. Sie verlieren einen Wagen, es gibt einen Toten und einen Verletzten. Und es ist nicht nur die Polizei, die sich an ihre Fersen heftet. Der Konvoi bekommt es mit einem weiteren Verfolger zu tun, der die Routinefahrt endgültig in einen verzweifelten Kampf ums Überleben verwandelt.

Kritik: Ich hab ja eine Schwäche für Autos. Insofern stand "Fast Convoy" quasi automatisch auf meiner Liste, und französisches Actionkino ist ja auch immer wieder mal für eine Überraschung gut. Nun ist der fixe Konvoi hier auf jeden Fall eine Überraschung, allerdings nicht ganz so, wie ich mir das erhofft hatte. Denn nach einem wirklich eindrucksvollen Auftakt flacht der Film leider erstmal ab.
© Ascot Elite
Das hat gleich zwei Gründe. Keiner davon hat mit den Darstellern zu tun, die liefern durch die Bank weg solide Leistungen. Allerdings lässt das Drehbuch sie beinahe herzergreifend im Stich. Charakterisierung findet kaum statt, grob über einen Kamm geschoren könnte man sagen: "alle Figuren kommen aus einem beliebigen Banlieu, und da sind ja sowieso alle gleich." Was natürlich eine fiese Verallgemeinerung ist, das Problem mit den Figuren aber am effizientesten benennt. Und dann wären da die Dialoge. Recht lahm geschrieben sind sie. Spannung kommt dann auf, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert und die ach so harten Jungs mit der Situation überfordert sind und hysterisch reagieren. Doch diese Ausbrüche sind selten, und so darf man sich als Zuschauer durch gewollt coole, aber leider kaum zündende Dialoge durcharbeiten. Da wäre mehr drin gewesen.
© Ascot Elite
Auch an der Action mangelt es. Der Auftakt sowie das Finale sind wirklich gut und sehr stimmig inszeniert, man schmeckt fast schon die Abgase in der Luft und es wummert ordentlich aus den Boxen. Dazwischen wird das Tempo der Fahrzeuge durchgängig hoch gehalten, was man als Regisseur auch erstmal auf die Beine stellen muss, nur leider passiert eben nicht allzu viel. Bisweilen irritiert auch der heftige Einsatz von Farbfiltern. Tagsüber sieht alles aus wie eine Folge "CSI: Miami", gelb dominiert den Bildschirm vollständig. Nachts erstrahlt dann alles in verschiedenen Blautönen. Das fühlt sich immerhin natürlicher an als der Gelb-Overkill, ist aber immer noch gewöhnungsbedürftig. Mit ein wenig mehr Feintuning an den Dialogen, etwas weniger flachen Figuren und einem kleinen bisschen mehr Action im Mittelteil wäre "Fast Convoy" richtig gut geworden. So allerdings bleibt er ein Film, der sich im breiten Mittelfeld aus "kann man anschauen, muss man aber nicht" ansiedelt.

Fazit: Das Setting klingt vielversprechend, allerdings wäre ein klein wenig mehr Action für einen Film, der sich als Action-Thriller anbiedert, wünschenswert gewesen. Dialoglastig ist der Film zwar, die Dialoge kommen aber durchgängig zahnlos daher. Fans von markanten gelb- und sepiastichigen Farben kommen allerdings voll auf ihre Kosten, und zumindest der Auftakt und die Verfolgungsjagd am Ende sind wirklich ordentlich inszeniert. Auch wird das Tempo der Fahrzeuge über die komplette Laufzeit schön hoch gehalten.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite (Veröffentlichung in Deutschland am 22.7.2016) kommt im Pappschuber mit fest aufgedrucktem FSK-Logo ins Haus. Die Hülle selbst hat dann aber ein Wendecover beiliegen. Bei den Tonspuren kann zwischen einer deutschen und der originalen, französischen Spur gewählt werden. Beide liegen in gut abgemischtem, fehlerfreien DTS-HD MA 5.1 vor. Die Dialoge sind gut verständlich, wenn es dann mal zur Sache geht werden die Boxen auch gut ausgenutzt und satter Klang füllt den Raum. Das Bild ist recht kontrastarm, was vermutlich aber einzig an den heftig eingesetzten Farbfiltern liegt: gelb für den Tag, blau für die Nacht. Dafür ist das Bild aber gestochen scharf. Als Bonus gibt es neben zwei Trailern zum Film noch ein kleines Making-of, mit dem Interessierte einen  Einblick in die Dreharbeiten bekommen.

Infos zum Film

Originaltitel: Le Convoi
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller, Action
FSK: 16
Laufzeit: 103 Minuten
Regie: Frédéric Schoendoerffer
Drehbuch:  Frédéric Schoendoerffer, Yann Brion
Darsteller: Benoît Magimel, Reem Kherici, Tewfik Jallab u.a.

Trailer


Filmkritik: The Neon Demon


© Koch Media/24 Bilder
Story: Los Angeles – Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten, Glamourwelt, Schauplatz zahlloser Träume und Abgründe. Als das junge aufstrebende Model Jesse (Elle Fanning) nach L.A. kommt, kann sie nicht ahnen, dass ihre Jugend und Lebendigkeit schon bald den Neid einer Gruppe schönheitsfanatischer Frauen auf sich ziehen wird. Und die scheuen keinerlei Mittel, um das zu bekommen, was Jesse hat…

Kritik: Nicolas Winding Refn, nach Lars von Trier vermutlich das nächste Enfant Terrible aus Dänemark, liefert mit "The Neon Demon" erneut ein Werk ab, das mehr Erfahrung als reiner Film ist. "Valhalla Rising" ging in eine ähnliche Richtung, und "Drive" lockte seinerzeit die Massen ins Kino, um sich danach in deren Wutausbruch zu ergötzen, weil der Trailer wieder mal all die falschen Versprechungen machte. Nun ist also die glitzernde Welt der Models seine neue Zielscheibe. Und natürlich übertreibt er, überspannt den Bogen und verschiebt vermutlich die Realität soweit ins Alptraumhafte, dass der geneigte Zuschauer sich verarscht vorkommen könnte. Es passiert wenig, das Wenige fühlt sich an wie ein Traum, der ab und an durch Dialoge unterbrochen wird. Doch unter der glänzenden Oberfläche pulsiert es. Nicht schön, sondern wie eine Ansammlung von Maden, etwas abstoßendes, perverses, das sich normalerweise dem Blick entzieht.
© Koch Media/24 Bilder
Nun bezeichnet Refn sein Werk selbst als Horrorfilm. Wer sich davon Gore verspricht, der wird sich 90 von 120 Minuten langweilen. Der Horror hier ist ein anderer. Auf den ersten Blick mag "The Neon Demon" als Rundumschlag gegen die Frau an sich gelten. Konkurrenzkampf, der Körper als Gefahr und Waffe: Der Film suhlt sich in diesen Themen, hat sie an sich kleben wie Jesse das Blut und den Glitter in der Eröffnungsszene. Doch es bringt nichts, darüber zu lamentieren, dass der Umgang, die reine Diskussion mit solchen Themen, schlecht und frauenfeindlich wäre. Nicht, wenn gleichzeitig genau diese Themen das sind, was uns allen von der Jugend an mitgegeben wird.

Jesse, die Hauptfigur, ist im Film erst 16 Jahre alt. Nun kann ich als Frau keine Aussagen darüber machen, wie sich 16 anfühlt, wenn man ein Junge ist. Aber ich kann mich an meine eigene Jugend zurückerinnern. Wie ich mir die Cosmopolitan und andere Blätter am Kiosk kaufte. Mit Bewunderung in den Augen durch die Seiten dieser Hochglanzmagazine blätterte. "25 Wege, Ihn mit Kleidung um den Verstand zu bringen", "Die schönsten Dessous-Sets für den Herbst", "15 Gerichte, die als Vorspiel für grandiosen Sex taugen" und natürlich "wie bringe ich ihn am effektivsten um den Verstand?" Durchgestylt von oben bis unten, nichts an diesen Bildern war echt. Ich lernte früh, dass mein Körper defizitär war, nicht genug um mit dieser fremden Welt mithalten zu können. Ich lernte dafür aber, wie eine Frau zu sein hat. In einer Zeit, in der Diskussionen um Victimg Blaming und Rape Culture nicht präsent waren, auch wenn sie bereits damals dringend gebraucht wurden.
© Koch Media/24 Bilder
Der doppelte Standard, der jungen Frauen noch heute eingetrichtert wird, tat sein Übriges. "Zieh ein anderes Shirt an, man sieht ja deinen Ausschnitt", "Willst du so vor die Tür gehen? Du könntest..." Ja, was? Ich lernte, dass mein Körper eine Gefahr war. In diesem Spannungsfeld zwischen Gefahr und Macht kämpfte ich gegen mich und meinen Körper, erlebte die von der Allgemeinheit propagierten Konsequenzen eines zu lockeren Kleidungsstils. Wollte gesehen werden. Der unerreichbare Traum von der Perfektion entpuppte sich als Minenfeld, in dem ich nicht bestehen konnte, in dem jeder Schritt ein Fehltritt war. Vielleicht spricht "The Neon Demon" mich deshalb so sehr an: Er zeigt mir, was ich kenne, verpackt in Schönheit. Lässt mich teilhaben an dem Traum der mir als Normalität verkauft wurde, bis er unerträglich wird, ich nicht mehr hinsehen will und kann. Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen. 

Mit dem Selbstzweifel geht die Suche nach Bestätigung einher. Jesse weiß, dass sie sonst nicht über viele Talente verfügt. Schönheit, das "gewisse Etwas" ist ihr gegeben. Sie will gesehen werden, spürt, dass sie über eine Form von Macht verfügt. Diese Macht zu nutzen ist schwierig, und sie übertreibt. Alles, was Frauen permanent eingetrichtert wird, kumuliert in den Figuren des Films, zeigt seine hässliche Fratze. Doch niemals wird über sie gewertet, keine einzige Figur im Film wird für ihr Handeln verurteilt. Erfrischend und angenehm, denn wer könnte ihnen Vorwürfe machen? Die beiden anderen Models spüren, wie ihre Schönheit, ihre Macht, mit einem Verfallsdatum markiert ist, sie wollen ihren Status nicht zu Gunsten einer Jüngeren aufgeben. Die Make-Up Artistin steht im Schatten der konventionellen Schönheit, abseits, ungesehen, unbegehrt, mit zu wenig Macht. Es sind rohe Kräfte dort am Werk, das pure Begehren, der Wille, Alles zu geben, die sich in dieser Konstellation gegenseitig ihre hässliche Seite zeigen. Aber können wir jemandem Vorwürfe machen wenn er oder sie das tut, was sozusagen verlangt wird?
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"The Neon Demon" verkörpert dabei eine seltsame Form von Style over Substance. Der Zugang wird leichter, wenn wir Kunst als eigenständige Sache sehen. Nicht jede Form von Kunst muss eine Aussage über Etwas treffen. Sicher, der betörende Soundtrack von Cliff Martinez spinnt sein ganz eigenes Netz um seinen Zuschauer. Und ja, die Bilder sind, wie wir es von Refn gewohnt sind, durchgestylte Perfektion in wunderschön aufeinander abgestimmten Neonfarben. Jede einzelne Kameraeinstellung sitzt und "Neon Demon" ist nicht nur ein Titel, sondern eine Entität, die in beinahe jeder Einstellung spürbar ist, auch wenn sie niemals sichtbar wird, in all den verlassenen Hinterhöfen, abgewrackten Motelzimmern und anderen Hässlichkeiten, die LA so hergibt. In dieser Hinsicht ist der Film klar über Schönheit als Thema, doch er braucht keine kohärente Erzählung, um dieses Thema dem Publikum nahe zu bringen. Selbst wenn man nichts mit dem Werk anfangen kann wird man wohl zugeben müssen, dass "The Neon Demon" spektakulär aussieht. Seine Themen sind hässlich bis aufs Mark, doch Hässlichkeit war nie so wunderschön wie hier.

Schönheit tropft aus jedem Millimeter der Leinwand, wird zu einer sinnlichen Erfahrung, bleibt nicht auf der Ebene eines Gedankenspiels. Jesse erfährt die Schönheit ihres eigenen Körpers in einigen Szenen, beispielsweise auf dem Catwalk, auf dem sie umgeben von rosa-rotem Neonlicht, sich selbst endlich erkennt. Lustvoll gibt sie sich dem eigenen Bild hin. Lässt sich von den vergoldeten Händen des Fotografen anbeten. Die Erkenntnis, die Manifestation des Begehrens Anderer zu sein ist "Alles". Es ist diese, allgemein als verwerflich angesehene Wahrheit, die in so vielen von uns existiert. Nichts ist hässlicher als das versteckte Begehren tief aus dem eigenen Inneren so offensichtlich auf der Leinwand dargestellt zu sehen. Nichts ist erschreckender, als seinem ungeschönten Ich im Spiegel zu begegnen und nicht wegschauen zu können. Es verzehrt einen, und am Ende kann Schönheit in dieser Welt nicht bestehen. Refn als Regisseur versteht das, er ist aber über den Punkt hinaus, an dem er sich noch dafür interessieren könnte, was das Publikum von seinem Werk hält. "The Neon Demon" ist "Suspiria", "Blade Runner", jeder Film von Lynch und die fiesesten Folge "Germanys Next Topmodel", zusammengeschmolzen zu einem Amalgam, betrachtet durch Refns verzerrenden Spiegel hindurch. Aufwühlend, unbequem und ein unvergessliches Erlebnis.
© Koch Media/24 Bilder
Fazit: Die Geschichte von "The Neon Demon" an sich ist rasend schnell erzählt. Und fast könnte man meinen, dass es noch zu viel Dialog gibt, denn hier sprechen die Bilder wirklich für sich selbst. Doch NWRs neuer Geniestreich hat so unendlich viel zu sagen. Darüber, wie wir aufwachsen. Wie unser Selbstbild von außen geformt wird. Wie hässlich die Dinge werden können, wenn ungesundes Konkurrenzdenken die Überhand nimmt. Exzessiv auf die Spitze und darüber hinaus getrieben entsteht ein Blick auf die Modelwelt, ein Haifischbecken, welches auch in unserer Realität seine hässlichen Wurzeln langsam um uns schlingt. Befreit ist davon wohl nur, wer noch nie die Nase, das Sixpack oder die wohlgeformten Schenkel seines Nächsten an den eigenen Körper gewünscht hat. "The Neon Demon" treibt diese Sehnsucht nach Perfektion im Spannungsgefüge zwischen Macht und Schönheit in ungeahnte, hässliche Höhen, garniert mit wunderschönen Bildern und erdrückendem Sound.

Infos zum Film

Originaltitel: The Neon Demon
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 110 Minuten
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch:  Nicolas Winding Refn, Mary Laws, Polly Stenham
Darsteller: Elle Fanning, Jena Malone, Abbey Lee, Bella Heathcote, Christina Hendricks, Desmond Harrington, Keanu Reeves u.a.

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Filmkritik: Spotlight

© Paramount

Story: Im Jahr 2001 erhält Walter „Robby“ Robinson, der Leiter des Investigativ-Teams des Boston Globe, einen besonderen Auftrag. Der neue Chefredakteur Marty Baron setzt ihn auf die Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche an, von denen schon lange hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch als Robby und seine Kollegen Michael Rezendes, Sacha Pfeiffer, Matt Carroll und Ben Bradlee jr. die ersten Opfer interviewen, decken sie Schicht um Schicht einen viel größeren Skandal auf: Seit Jahrzehnten wurden in der Erzdiözese Boston immer wieder Kinder von Priestern missbraucht – und die Taten von höchsten Würdenträgern gedeckt und vertuscht. Die Spuren führen direkt zum Kardinal, doch die Reporter stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Die Opfer schweigen aus Angst, hochbezahlte Anwälte spielen auf Zeit. Die kostspielige Recherche der Zeitung droht zu scheitern.

Kritik: Ich spreche da jetzt mal nur für mich, aber: Ich arbeite als Journalist, in der Lokalpresse. Meine tagtäglichen Highlights sind Vereinsmeldungen, Spatenstiche und Tiere im Tierheim, die ein Zuhause suchen. In erster Linie gebe ich Informationen weiter, filtere ein Zuviel an Eigenwerbung heraus, stelle Informationen leicht aufbereitet zur Verfügung. Hauptsächlich digital, Print ist zu einer Art Best-of verkommen, nicht mehr aktuell ab dem Zeitpunkt, ab dem die Nachricht zum Druck freigegeben wurde. Die Art und Weise, wie wir Nachrichten konsumieren verändert sich, und so ändert sich auch die Art und Weise, wie sie produziert werden. Kommt etwas Neues rein, wird es erst einmal schnell weiterverarbeitet, man könnte die Meldung ja vor allen anderen bringen, die meisten Leser an Bord holen. Korrigieren lässt sich später immernoch. "Spotlight" bringt uns also zurück in eine Zeit, in der für große Geschichten noch ausgiebig recherchiert wurde. Ihr wisst schon, die Art von Geschichte, die heute kaum noch jemand liest, weil alle nach der Überschrift wieder aussteigen um sich weiter unten im Kommentarfeld die Beleidigungen in Form von Buchstaben um die Ohren zu hauen. Aber auch eine Geschichte, deren Ausgang wir alle kennen, wenn wir nicht die letzten zehn Jahre unter einem Stein gehaust haben. Dass sie als Film funktioniert liegt einerseits an dem großartigen Drehbuch, andererseits an den Darstellern, die sich nicht in den Vordergrund spielen, sondern diese dramatische Geschichte mit allem unterstützen, was sie haben.
© Paramount
"Spotlight" bringt mit minimalistischer Charakterisierung seine Figuren in die Geschichte. Als Zuschauer erfahren wir beinahe nur Kleinigkeiten über die einzelnen Journalisten, die Kirchenmänner, die Anwälte und auch die Opfer. Diesen fehlen teilweise die Worte um überhaupt zu beschreiben, was ihnen angetan wurde. Doch diese Herangehensweise funktioniert, denn das wenige, was gesagt wird, spricht Bände. Einzelne Darsteller hier besonders zu loben wäre grundfalsch, denn sie alle tragen ihren Teil zum Gelingen bei. Auch hier sind es die kleinen Gesten, subtile Wandlungen, die alles greifbar machen und einen Konflikt von so unvorstellbarem Ausmaß auf den Boden der Tatsachen holen. Im wahrsten Sinne des Wortes wird hier eine Geschichte erzählt, fügen sich die einzelnen Puzzlestücke zu einem großen Ganzen zusammen. In einem besonderen Geniestreich schafft "Spotlight" es, die Trennung zwischen Glauben und Kirche zu zementieren, den Konflikt zwischen "an Gott glauben" und dem teilweise desaströsen "Bodenpersonal" auszuarbeiten. Dies, ohne respektlos zu werden, während all die richtigen Fragen gestellt werden. Wie kann es angehen, dass die Priester sich alle gegenseitig decken? Wie kann es sein, dass die Kirche als Institution davon weiß und trotzdem ihr Personal deckt? Wie geht es an, dass die missbrauchenden Priester besonders dort zum Einsatz kommen, wo die Lage für Kinder prekär ist, wo es an Vaterfiguren mangelt? Wieso gibt es Anwälte, die Druck auf die Opfer ausüben und sich diese Drecksarbeit auch noch von der Kirche entlohnen lassen? Wie wenig Gewissen haben einige Menschen in Schlüsselpositionen?

Der Erzählton bleibt dabei fast durchgehend ruhig. Die Journalisten fungieren als Ermittler, als Zuhörer, als Anlaufstelle, während sie selbst ihre Wandlungen durchmachen. Obwohl man weiß, wie die Geschichte ausgehen wird, baut sich unterschwellig Spannung auf. Es kommen Zweifel auf: Werden die Journalisten es schaffen, dass ihre Story gedruckt wird? Wer wird ihnen Steine in den Weg legen? Was bringt es, eine solche Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen? Im Abspann wartet eine Liste mit allen Städten, in denen ähnliche Skandale passiert sind. Vermutlich noch immer passieren. "Spotlight" schafft, was viele Filme nicht vollbringen können: er schärft das Bewusstsein für ein Unrecht von gigantischem Ausmaß, das mitten unter uns passierte und passiert. Er zerrt den Horror, den die Opfer durchlebten und durchleben, in den Fokus, ohne sie auszuschlachten. Man könnte dem Film sicher vorwerfen, er wäre emotionslos, doch vielleicht ist gerade diese Nüchternheit die Stärke von "Spotlight".

Fazit: "Spotlight" erzählt ruhig und unaufgeregt, aber dafür umso eindrucksvoller, wie die Geschichte um einen der größten Missbrauchsskandale der Kirche aufgedeckt wurde. Eindringliche, ruhige Leistungen aller Darsteller geben dieser wichtigen Geschichte Raum, sich zu entfalten. "Spotlight" zeigt darüber hinaus, zu welchen wichtigen Leistungen guter Journalisus jenseits von Boulevardpresse und unhinterfragt kopierten Meldungen möglich ist. Ein Film, der all die richtigen Fragen auf genau die richtige Art und Weise stellt.

Infos zum Film

Originaltitel: Spotlight
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Thriller
FSK: 0
Laufzeit: 129 Minuten
Regie: Tom McCarthy
Drehbuch: Tom McCarthy, Josh Singer
Darsteller: Rachel McAdams, Mark Ruffalo, Michael Keaton, Liev Schreiber u.a.

Trailer

Filmkritik: The Forest


© Tobis / Splendid
Story: Schreckliche Dinge erzählen sich die Menschen über Aokigahara, den berüchtigten Selbstmordwald am Fuße des Fuji. Als die junge Amerikanerin Sara (Natalie Dormer) erfährt, dass ihre Zwillingsschwester Jess dort unter mysteriösen Umständen verschwunden ist, fliegt Sara ohne zu zögern nach Japan und begibt sich sofort auf die Suche. Trotz aller Warnungen, keinesfalls vom Waldweg abzukommen, zieht es Sara immer tiefer ins finstere Dickicht. Dort wird sie mit den gequälten Seelen der Toten konfrontiert, die es auf alle abgesehen haben, die ihren Weg kreuzen ...

Kritik: Der Aokigahara-Wald fasziniert die Menschen, soviel lässt sich sicher sagen. Am Fuße des Fuji gelegen ist der Wald eine letzte Zufluchtsstätte für Menschen, die nicht länger weiterleben wollen (wer Lust hat kann sich dazu die wirklich gute Vice-Doku auf Youtube anschauen, lohnt sich!). Eigentlich das optimale Setting für einen Horrorfilm, wenn man mal vom leicht geschmacklosen Ausschlachten der Tatsachen absieht. Denn dass in Japan ein kulturelles Problem besteht, in einer Umgebung in der es eine Schande ist über die eigenen Probleme zu sprechen und in der Suizid eine praktikable Lösung ist, würde den Rahmen dieses Blog sprengen. Aber ihr, liebe Leser, seid kluge Leute, ihr dürft also gerne recherchieren. Aber darum soll es hier nun nicht weiter gehen, zumal nicht im Aokigahara-Wald gedreht wurde, sondern einfach in einem ganz normalen Wald. Also konzentrieren wir uns auf den Film.
© Tobis / Splendid
"The Forest" macht tatsächlich gerade zu Beginn vieles anders und richtig. Statt gleich zu Beginn aus allen Jumpscare-Kanonen zu feuern und den Zuschauer mit lauter Musik zu betäuben wird subtiler vorgegangen. Spannung wird vor allem durch die ruhige Kameraarbeit aufgebaut, Geräusche sind angenehm zurückgehalten. Klar, wenn mal etwas Gruseliges auftaucht macht es natürlich auch laute Geräusche. Aber die ohrenbetäubende Musik, die selbst dem abgestumpftesten Zuschauer signalisiert dass er sich jetzt zu erschrecken hat, die bleibt aus. Leider verläuft sich dieser angenehme Schrittwechsel im Verlauf des Filmes vollständig im Sand. Regisseur Jason Zada, der hier sein Debüt gibt, verlässt sich gegen Ende immer mehr auf die altbekannten und ausgelutschten Tricks, die nun wirklich niemand mehr in einem Horrorfilm sehen möchte. Hier ist das noch eine Spur ärgerlicher, weil der Anfang so vielversprechend war und gezeigt hat, dass es auch anders geht.

So darf dann Nathalie Dormer gegen den restlichen Film ankämpfen. Ihr Charakter entfernt sich dabei zwar vom leidigen "Frauen müssen immer sympathisch sein" Thema, fällt dann aber doch zu sehr ins andere, negative Extrem. Besonders Horrorfilme leben davon dass man mit der Hauptfigur mitfühlt, das ist hier aber nur selten der Fall. Sara ist naiv, viel zu leichtgläubig, stur wie ein Bock und zu sehr auf ihrer eigenen kulturellen Schiene festgefahren. Alles Eigenschaften, die sich in einem japanischen Selbstmordwald nicht besonders gut machen. Dormer holt aus dieser flachen Charakterisierung aber doch noch ein bisschen heraus, und so schaut man zu, ist aber nicht sonderlich mitgerissen. Dazu kommt dann noch ein bisschen hintergründiges Familiendrama, und fertig ist die Mischung. Aufgewogen wird vieles durch das atmosphärische Setting. Nebeldurchzogener Wald, mal in satten Grüntönen, mal in eher unterkühlten Blautönen, wird effektiv mit der Kamera eingefangen. Gespenstisch ziehen sich Seile und Absperrbänder zwischen den Bäumen entlang: es sind Hinweise der Toten, die gefunden werden wollen. Je mehr Zeit Sara im Wald verbringt, desto unklarer wird die Lage. Was ist real, was ist nur Schein? "The Forest" versucht, seine Zuschauer an der Nase herum zu führen, scheitert in den meisten Fällen aber leider recht offensichtlich. So bleibt es bei einem netten Versuch, bei dem das Potential an allen Ecken und Enden durchschimmert, aber nie genutzt wird.
© Tobis / Splendid
Fazit: Nathalie Dormer überzeugt in ihrer Doppelrolle und das Setting ist wunderbar gruselig in Szene gesetzt. Leider verstrickt der Film sich nach einem erfreulichen Auftakt in seiner eigenen Geschichte, setzt zu sehr auf Wiederholungen und kann sich dem klischeemäßigen Ende eines jeden x-beliebigen Horrorfilms nicht entziehen. Richtig eindrucksvolle Szenen werden leider immer wieder durch Belanglosigkeiten abgelöst, so dass am Ende ein wirklich unrunder Film entsteht der so viel mehr hätte sein können. Das macht "The Forest" allerdings bei weitem nicht zu einem schlechten Film, und wer sich im Horrorgenre wohlfühlt dürfte hier einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend verbringen können.

Infos zum Film

Originaltitel: The Forest
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Horror, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Jason Zada
Drehbuch:Ben Ketai, Sarah Cornwell, Nick Antosca
Darsteller: Nathalie Dormer, Taylor Kinney, Yukiyoshi Ozawa, Rina Takasaki u.a.

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Filmkritik: The Trust

© Ascot Elite
Story: Die zwei korrupten Las Vegas Polizisten Jim Stone (Nicolas Cage) und David Waters (Elijah Wood) nehmen es nicht so genau mit dem Gesetz. Als die beiden Polizisten einen von Gangstern geklauten Safe mit wertvollem Inhalt entdecken, wollen sie sich damit aus dem Staub machen. Kurzerhand geraten sie in einen Strudel aus Gewalt und Korruption.

Kritik: Man könnte natürlich tief in der Wortschatzkiste buddeln, um Beschreibungen für "The Trust" zu finden. Da käme man dann vermutlich zu Ergebnissen wie "ein wenig ziellos", "nihilistisch", "etwas schleppend" und Konsorten. Das klingt natürlich, besonders da es sich hier um die Einleitung handelt, erstmal abschreckend. Aber, und das muss festgehalten werden, "The Trust" fetzt dann eben doch anständig.
© Ascot Elite
Das liegt zum einen an der interessanten Wahl der Darsteller. Nicolas Cage ist ja momentan vor allem für genau zwei Dinge bekannt: der gute Mann nimmt jede, aber auch wirklich jede Rolle an, und er tendiert zum schamlosen Übertreiben. Da mutet dieser Film hier fast wie ein Glücksgriff an, denn Cage ist hier erfreulich ruhig. Als Polizist Jim Stone geht er seinem Job gewissenhaft nach. Da wird auch schon mal ein Aschenbecher zum Heiligen Gral erklärt, denn der Teufel ist ja bekanntlich ein Eichhörnchen und steckt im Detail. Er hat diese schrullige, auf Dauer etwas nervige Art von Humor, die in jedem Büro mit mehr als fünf Mitarbeitern irgendwie vertreten ist: ein bisschen dämlich, meistens unpassend, aber irgendwie auf bemitleidenswerte Art niedlich. Doch hinter der Fassade steckt Kalkül, und es sind die kleinen Momente voller Zynismus, in denen Cage sein Potenzial voll ausreizt.
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Dem steht Elijah Wood gegenüber. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber selbst Alexandre Ajas "Maniac", in dem Wood einen derangierten Killer spielte, hat das Frodo-Image für mich persönlich nicht vollkommen wegwischen können. Doch wie auch in "Maniac" überzeugt Wood und geht in der Rolle des desinteressierten jungen Polizisten, der sich mitten in einem Überfall bewusst wird dass die Lage ernst ist, voll auf. Beiden wurde ein Script auf den Leib geschrieben, das wohl mit kaum einem anderen Darsteller funktioniert hatte. Und beide überzeugen in ihren Rollen, auch wenn das Drumherum ganz deutlich eben nicht für die große Leinwand reicht. Unlogisches Handeln der Figuren ist da nicht einmal das Problem, denn bei beiden wird relativ schnell klar, dass sie nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind. Doch die Geschichte ist weitestgehend vorhersehbar und kommt vor allem in der zweiten Hälfte kaum noch vom Fleck. Sicherlich ist das irgendwo auch Absicht, die zutiefst nihilistische Ader des Films verlangt dem Zuschauer dann tatsächlich irgendwie auch Respekt ab. Die Brewer-Brüder erweisen sich als fähige Regisseure, es gibt ein paar effektiv gedrehte Szenen, besonders zu Beginn und am Ende des Films. Die Optik mit ihren kühlen Farben und der stellenweise sehr retro-lastige Soundtrack sind nichts bahnbrechend Neues im Thriller-Genre, werden aber ebenfalls gut umgesetzt.

Fazit: "The Trust" lebt von der spannenden, weil seltsamen Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren. Nicolas Cage ist angenehm zurückhaltend, Elijah Wood ist überzeugend. Visuell ist der Film ebenfalls gelungen, und wer sich hier kein großes Meisterwerk erwartet, der wird vollkommen zufriedengestellt. Freunde des nihilistischen Thrillers hingegen dürften hier eine richtige kleine Perle vorfinden.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite (VÖ am 29. April 2016) kommt im Amaray-Case mit Wendecover daher. Englische und deutsche Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor, der Klang überzeugt in beiden Sprachfassungen. Erfreulich: die Abmischung ist gut gelungen, Hintergrundgeräusche, Musik und Dialoge sind in etwa gleichgestellt. Untertitel liegen in Deutsch vor. Das Bild ist kontrastreich, die Farben wirken (thematisch passend) ein wenig kühl. Extras gibt es natürlich auch, und die sind ziemlich cool und auch recht umfangreich ausgefallen. Es gibt Interviews mit den Darstellern, ein Zeitraffer-Video, eine B-Roll und ein kleines Making-of zu entdecken. 


Infos zum Film

Originaltitel: The Trust
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 87 Minuten
Regie: Alex Brewer, Ben Brewer
Drehbuch: Ben Brewer, Adam Hirsch
Darsteller: Nicolas Cage, Elijah Wood, Jerry Lewis, Sky Ferreira u.a.

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Filmkritik: Kill your Friends

© Ascot Elite
Story: Steven Stelfox ist der Auserwählte! Sein Wille macht aus unbekannten Musikern Bands mit Plattenvertrag. Dabei interessiert sich Steven gar nicht für Musik. Sein einziger Gott ist der Profit. Das Ziel ist immer der nächste große Hit, der die Kassen seines Musiklabels füllt.
Und Steven Stelfox ist ein Riesen-Arschloch! Skrupellos, krank vor Ehrgeiz und zynisch bis zum Abwinken kokst und vögelt sich der junge A&R-Manager durch die Britpop-Szene der 90er Jahre. Aber der Erfolgsdruck steigt. Als Stelfox bei einer Beförderung übergangen wird, greift er zu extremen Maßnahmen und erledigt seinen Rivalen für immer. Zunächst mit Erfolg. Doch neue Hindernisse fordern drastische Maßnahmen und die Blutspuren auf Stevens Karriereleiter werden immer größer…

Kritik: Als "American Psycho" für die aktuelle Generation wird "Kill your Friends" angepriesen. Das ist natürlich ein gewagter Vergleich, und es wundert auch nicht, dass der Film dem großen Vorbild letztendlich nicht standhalten kann. Da dieses Kunststück, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, aber bisher keinem anderen Film gelungen ist besteht keinerlei Grund, sich zu schämen. Einzig die Erwartungen sollten in Anbetracht dieser Lobpreisungen ein klein wenig heruntergeschraubt werden. Denn dann macht "Kill your Friends" richtig Laune. 
© Ascot Elite
John Niven adaptierte hier gleich sein eigenes Buch als Drehbuch. Dabei bliebt leider einiges auf der Strecke, vielleicht wollte man das Publikum auch nicht zu sehr schocken. Das große Vorbild von Bret Easton Ellis litt in der Verfilmung an der gleichen Thematik und auch "Drecksau" mit einem herrlich derangierten James McAvoy in der Hauptrolle kam auf der Leinwand deutlich zahmer daher als es im Buch der Fall war. Irgendwo scheint eine Grenze zu bestehen, wie viel man dem Zuschauer zumuten will. Nicolas Hoult, der sich seit seinem Auftritt als schräges Kind in "About a Boy" richtig gemacht hat und zuletzt in "Mad Max" begeisterte, nimmt hier die Bühne ganz für sich ein. Die vierte Wand wird gleich zu Beginn niedergerissen und wir dürfen direkt teilhaben am Kampf unter den Haien um das saftigste Stück Fleisch, also den Sessel in der Chefetage. Dass im Musikbusiness beinahe nur Menschen arbeiten die nicht wirklich Interesse an Musik, sondern nur am Profit haben, dürfte keinen Newswert haben. Der Einblick in die Szene, in der John Niven selbst eine Weile gearbeitet hat, ist dann aber doch stellenweise ein wenig unangenehm. Die meisten von uns wollen da doch daran glauben, dass Musik zumindest ein paar Beteiligten Freude bereitet, hier wirken die Künstler aber mehr wie ausnehmbare Lämmer auf der Schlachtbank. 
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So kokst, vögelt und mordet sich Steven Stelfox also durch den Film. Sympathie kommt für ihn keine auf, der Typ ist einfach durch und durch ein zynisches, Frauen hassendes (außer er findet sie fickbar), Menschen verabscheuendes Arschloch. Er fällt, steht wieder auf, fällt wieder hin und rappelt sich erneut auf, um zum Gegenschlag auszuholen. Mitfiebern fällt schwer, Regisseur Owen Harris, der hier nach zahlreichen Ausflügen im TV sein Kinodebüt gibt, lässt die Kamera eine sichere Distanz zwischen Steven und dem Publikum wahren, auch wenn er permanent mit uns spricht. Angereichert wird all dies mit einem schicken Soundtrack, der einerseits die 90er mit Songs von Oasis, Radiohead oder Blur zelebriert, auf der anderen Seite dann aber einen eigenständigen Score von Junkie XL mitbringt. Der sorgte zuletzt für die musikalische Untermalung bei "Deadpool" und "Mad Max" und schafft es auch hier, der Sache seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Zur Musik gesellen sich zahlreiche Anspielungen auf die 90er, die einem jüngeren Publikum wohl wenig sagen dürften, für diejenigen die in dieser Zeit aufgewachsen sind aber den ein oder anderen Lacher bereithalten dürften. Die 90er waren auch das letzte große Aufbäumen einer klassischen Musikindustrie, in der aufstrebende Künstler zwangsläufig von der Gnade eines ihnen wohlgesonnenen Labels abhängig waren. Gewissermaßen ist es ein Abschied, eine ewige, dekandete Party, die hier zelebriert wird. Man weiß nie, wann das Ende kommt, aber dass es kommt ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ab der zweiten Hälfte tritt "Kill your Friends" dann auf der Stelle und will mit ein paar Witzen über Aids, Homosexualität und Pädophilie auf zu kindische Art provozieren. Das Musikbusiness der 90er bleibt ein reiner Jungsclub, brutal und infantil gleichermaßen. Der Film kommt an seine offensichtlichen Vorbilder nie so ganz ran, aber für einen unterhaltsamen Abend mit einem Menschen hassendem Psychopathen taugt "Kill your Friends" allemal. Auch wenn der Titel wirklich irreführend ist, denn Freude hat Steven Stelfox nun wirklich keine.

Fazit: Neben dem Soundtrack und der tollen Leistung von Nicolas Hoult überzeugt vor allem der Auftakt von "Kill you Friends". Zynisch, bitterböse und skrupellos zeigt sich der Einblick in die Musikindustrie. Im weiteren Verlauf tritt der Film dann ein wenig auf der Stelle, bleibt aber bis zum Ende hin unterhaltsam. Ein bisschen mehr Exzess hätte es gerne sein dürfen, aber wer gerne zu entspannter Musik aus den 90ern 100 unterhaltsame Minuten mit einem richtig unsympathischen Arschloch verbringen will, der ist hier goldrichtig.

Die Blu-ray: Die Blu-ray von Ascot Elite kommt im schicken Pappschuber nach Hause. Auf dem lässt sich das FSK-Logo leider nicht entfernen, das Blu-ray-Case selbst hat dann aber ein Wendecover. Die deutsche und englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor, das Mischverhältnis von Dialogen zur Musik ist stellenweise arg unausbalanciert. Wer Nachts schaut, sollte die Fernbedienung griffbereit haben. Ansonsten sind die Dialoge aber klar und deutlich und der Sound tönt kristallklar aus den Boxen. Untertitel gibt es nur in Deutsch. Das Bild ist gestochen scharf und wirkt stellenweise wie durch einen Filter aufgenommen, der aber den 90s-Eindruck verstärkt und das Ganze recht atmosphärisch wirken lässt. Als Extras gibt es neben ein paar Trailern noch einige Interviews, eine B-Roll und Aufnahmen von der Filmpremiere am Zürich Film Festival.  

Infos zum Film

Originaltitel: Kill Your Friends
Erscheinungsjahr: 2015
Genre:Komödie, Thriller, Komödie
FSK:16
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Owen Harris
Drehbuch: John Niven
Darsteller: Nicolas Hoult, James Corden, Tom Riley, Craig Roberts, Georgia King, Joseph Mawle, Moritz Bleibtreu u.a.

Trailer

Filmkritik: Hail, Caesar!

© Universal

Story: Eddie Mannix (Josh Brolin) ist ein Fixer. Als PR-Agent agiert er hinter den Kulissen und sorgt dafür dass die Stars ihre weiße Weste behalten, auch wenn sie mal wieder knietief im nächsten Skandal stecken. Im Hollywood der 50er ist er ein wichtiger Mann. Die Klatschkolumnistinnen Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) sind ihm stets auf den Fersen. Als am Filmset der Superstar Baird Whitlock (George Clooney) entführt wird, muss Mannix den Fall lösen. Doch zwischen Stars und Sternchen und all ihren Problemen ist das gar nicht so einfach. DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) ist schwanger, was ihren Wasserballett-Film schwierig umsetzbar macht. Den Vater des Kindes will sie auch nicht heiraten, was ein Skandal wäre. Und Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) soll vom Westerngenre in seichte RomCom-Gefilde wechseln. Das verwirrt Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes), der für solchen Nonsens einfach keine Zeit hat. Eddie Mannix hat einen stressigen Tag vor sich.

Kritik: Mittlerweile dürfte sich herauskristallisiert haben, dass die Coens in ihren Filmen jeweils machen, was sie wollen. Da kommt schon mal die totale Existenzialismuskrise ("Inside Llewyn Davis") oder ein knallharter Western ("True Grit") bei herum. Eine Fanbasis haben sie sich damit geschaffen, "Fargo" hat es sogar auf eine ziemlich gute Serienadaption gebracht. So richtig kommerziell erfolgreich sind ihre Filme aber selten, und auch "Hail, Caesar!" wird beispielsweise auf IMDB mit Hohn und Spott übergossen. Leute brüsten sich damit, den langweiligen Film nach 30 Minuten verlassen zu haben. Aber was ist da los, ist er wirklich so grottenschlecht?
Channing Tatum singt jetzt auch © Universal
Wer so offensichtlich fragt, hat natürlich auch eine Antwort parat. Und die lautet eindeutig: Mitnichten. "Hail, Caesar!" ist vielleicht anders, als man ihn erwartet hätte. Aber schlecht? Auf keinen Fall. Arm dran ist hier, wer sich nie tiefergehend mit Filmgeschichte beschäftigt hat. Wer nie  "Ben Hur" gesehen hat, mit dem Klischee des singenden Cowboys nicht vertraut ist, nie von den komplizierten Auteur-Regisseuren der 50er mit ihren Ballraum-Dramen gehört hat. Wer niemals sah, wie Gene Kelly tanzte und niemals Esther Williams als Meerjungfrau sah. "Hail, Caesar!" nimmt sich all diese Werke zur Brust, persifliert sie auf sanfte Art und Weise, ohne sie jemals in den Dreck zu ziehen. Da spricht eine gewisse Ehrfurcht vor dem Medium Film an sich heraus, und die Coens haben auf diesem Gebiet verdammt viel Ahnung. So versteht sich "Hail, Caesar!" dann vermutlich auch gar nicht als zielgerichtetes Werk mit Lehrauftrag, sondern als Hommage. Und als solche funktioniert der Film einwandfrei. Satte und lebendige Farben entführen uns in diese goldene Ära, die irgendwie so mystisch wirkt. Damals, als die Stars noch wirkliche Stars waren. Die Sorte, die man heute kaum noch findet, mit all ihren Allüren und Skandalen. Roger Deakins beweist einmal mehr seinen Wert als Kameramann wenn er den Stil verschiedener Filme emuliert und atemberaubend schöne Bilder erschafft. Genau wie Komponist Carter Burwell arbeitet er häufig mit den Coens zusammen, und es ist klar dass es sich um ein eingespieltes Team handelt.
"Would that it were so simple" © Universal
Getragen wird das alles auf den Schultern von Josh Brolin, der sich als würdiger Anker für alle um ihn herum erweist. Seine nach außen hin raue Art sorgt dafür dass die Dinge für gewöhnlich ein gutes Ende nehmen, die softere private Seite von Eddie Mannix liefert einen soliden Gegenpol. Channing Tatum beweist nicht nur erneut, dass er tanzen kann, sondern singt auch ziemlich passabel. Das größte Lob sollte aber Alden Ehrenreich gehören. Mit einer "zu gut für diese Welt" Attitüde ausgestattet kämpft er den ganzen Film gegen seinen dicken Akzent, für das Richtige und gegen das generelle Image, welches ihm anhaftet. Eine tolle Performance, die neugierig auf mehr macht. George Clooney bleibt seiner Linie treu und spielt weiterhin den Trottel für die Coens, und was soll man sagen? Er ist richtig gut in seinem Job. "Hail, Caesar!" ist randvoll mit Cameos, einige davon (Jonah Hill, Frances McDormand) verpuffen relativ wirkungslos. Tilda Swinton in einer irrwitzigen Doppelrolle ist genial wie immer, Ralph Fiennes beweist sein Talent und Gespür für Comedy. Würde man nichts an diesem Film mögen, dann wären die Darsteller alleine das Geld für das Ticket wert, Der Film mag nicht immer wirklich auf ein Ziel hinarbeiten, aber der Weg macht dank des speziellen, schrulligen Humors eine Menge Spaß.
Hat keinen leichten Tag: Eddie Mannix © Universal
Nun könnte man natürlich negativ anmerken, dass der Film sich irgendwann im Sande verläuft. Kaum eine der Geschichten findet zu einem abschließenden und für den Zuschauer befriedigenden Ende. Aber letztendlich geht es um einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben einer Person, die mit vielen anderen Personen Kontakt hat. Und mit einem solchen Job sind wohl einfach nicht immer alle Geschichten am Ende des Tages abgeschlossen. Diesen Faktor "Hail, Caesar!" zum Vorwurf machen zu wollen scheint also höchst kurzsichtig und sollte unterlassen werden. Dass diejenigen Zuschauer, die vom Hollywood der 50er keine Ahnung haben, die meisten der Referenzen im Film nicht verstehen werden und darum eine schwere Zeit haben werden ist ebenfalls kein berechtigter Kritikpunkt, sich filmisch auch mal mehr als zehn Jahre zurück in die Vergangenheit bewegen hat noch niemandem geschadet.

Fazit: Mit "Hail, Caesar" gelingt den Coens etwas Ungewöhnliches, etwas Großes. "Hail, Caesar" ist vordergründig witzig und nimmt das Hollywood der goldenen 50s gekonnt und liebevoll auf die Schippe. Die realen Vorbilder für die Figuren sind teilweise überdeutlich, und hier setzt der andere Faktor ein, der den Film so unterhaltbar macht. Denn all diese Stars und Sternchen werden dekonstruiert, all die Arbeit die hinter der endlosen Imagepflege steckte wird deutlich. In der Rekreation legendärer Szenen steckt eine Menge Schönheit und es lohnt sich, auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber auch wenn man von Hollywood keine Ahnung hat findet man hier eine witzige, clever erzählte Geschichte. Nur auf Geradlinigkeit und tieferen Sinn sollte man sich nicht freuen, denn zumindest oberflächlich betrachtet verläuft sich "Hail, Caesar" irgendwann im Sand. Aber erleben wir nicht Tag für Tag exakt das Gleiche?

Infos zum Film

Originaltitel: Hail, Caesar!
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Komödie, Drama, Thriller, Musical
FSK: 0
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Joel und Ethan Coen
Drehbuch:Joel und Ethan Coen
Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Scarlett Johansson, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Channing Tatum, Tilda Swinton u.a.

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Filmkritik: The Hateful Eight

© Universum

Story: Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung der Stadt Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „The Hangman“ Ruth (Kurt Russell), dessen Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) sowie der Anhalter Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), der früher Soldat war und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient, und Chris Mannix (Walton Goggins), ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff der Stadt zu sein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Kleinwarenladen. Sie treffen dort zwar nicht auf Minnie aber dafür auf den mysteriösen Mexikaner Bon (Demian Bichir), auf den verschwiegenen Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), auf den Konföderierten-General Sandford Smithers (Bruce Dern) sowie auf Oswaldo Mobray (Tim Roth). Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden…

Kritik: Groß war die mediale Aufregung um Quentin Tarantinos achten Film. Ein geleaktes Drehbuch verhinderte beinahe die Dreharbeiten. Ein Western sollte es werden, große Teile des Publikums freuten sich im Voraus über einen zweiten "Django Unchained". Weit gefehlt, denn "The Hateful Eight" geht in eine ganz andere Richtung.

© Universum
Beinahe schon gemächlich geht es zu wenn in insgesamt sechs Kapiteln herausgefunden werden will wer im Hintergrund die Strippen zieht. Zwei dieser Kapitel spielen im beengten Raum einer Kutsche, die restlichen in einer abgelegenen Hütte. Tarantino scheut sich nicht mit der Kamera auch mal minutenlang die Landschaft einzufangen. Beinahe hat man das Gefühl vom Weiß des Schnees geblendet zu werden. Der Soundtrack von Altmeister Ennio Morricone ist beinahe schon homöopathisch eingesetzt, trägt aber in seinen wenigen Szenen ungemein zur Atmosphäre bei. Auch die restliche Musik wurde in typischer Tarantino-Manier sorgsam ausgewählt. Das Setdesign ist wie gewohnt liebevoll und es wird erneut deutlich dass Tarantino in seiner ganz eigenen Welt lebt. Seine Version des winterlichen Wilden Westens entstammt zahllosen anderen Filmen. Genauso wie seine Version des Zweiten Weltkrieges eine gefilterte Sicht einer Person lieferte, die von klein auf mit Filmen sozialisiert wurde. Würde man Tarantino nichts, aber auch gar nichts abgewinnen können, so wäre dieser Aspekt seiner Filme immer noch hochgradig interessant. Dementsprechend mutig ist es, den Menschen für die Musik zu engagieren der einem ganzen Genre seinen Stempel aufdrückte, um ihn dann etwas gänzlich anderes vertonen zu lassen. Die Enge, die in der Hütte entsteht erweckt durchaus den Anschein einem Kammerspiel beizuwohnen, ein Theaterstück, lose zusammenhängend inszeniert, mit viel Freiraum für Interpretation. Aber natürlich ist hier nichts interpretiert, alles ist sorgsam kontrolliert von der Hand des Meisters.
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In einer so räumlich beengten Situation tragen die Schauspieler den Film beinahe im Alleingang auf ihren Schultern. Mit Dialogen die ihnen allesamt auf den Leib geschneidert scheinen entfaltet sich ein Kammerspiel, welches Agatha Christie Ehre machen würde. Walton Goggins scheint, genau wie Samuel L. Jackson, die Zeit seines Lebens zu haben. Tim Roth beweist mit einem pointierten englischen Akzent und einer fein manierlichen Art erneut wie großartig er ist. Kurt Russel zieht, genau wie Michael Madsen, einfach sein Ding durch. Die Show allerdings stiehlt ihnen Jennifer Jason Leigh. Während man rein vom Setup des Films her davon ausgehen könnte das Kurt Russels Kopfgeldjäger der Held des Films ist, wird schnell klar dass er das Prädikat "hateful" wirklich verdient hat. Seine Gewaltausbrüche gegenüber Daisy Domergue sind widerwärtig und er hat eindeutig zu viel Spaß an der ganzen Sache. Hier macht sich dann durchaus auch eines meiner größten Probleme mit Tarantino erneut sichtbar: einige Teile seines Publikums sind zu simpel gestrickt. Jedem das seine, doch wer bei einem Werk wie "The Hateful Eight" nur seine Freude hat wenn die Frau beleidigt und misshandelt wird, der hat das Werk nicht verstanden. Jason Leigh liefert eine überirdische Performance ab und sie umarmt die seltsame Art ihrer Figur voll und ganz. Während um sie herum alle damit beschäftigt sind sich nicht aus den Augen zu lassen verharrt sie im Zentrum der Handlung, sie provoziert immer wieder und steckt die Konsequenzen scheinbar mühelos weg. Das bedeutet noch lange nicht dass man sich mit ihr identifizieren kann oder dass sie die Heldin des Films ist. Das Fehlen einer Identifikationsfigur ist ungewohnt, lässt aber Raum zur Entfaltung.

© Universum
"The Hateful Eight" birgt, beinahe nebenbei, einige Überraschungen. Ganz vorne dabei ist die Rolle von Channing Tatum. Ich werde kein Wort darüber verlieren, aber ich will verdammt sein wenn das keine spaßige Angelegenheit war. Es gibt zahlreiche Situationen die ein erneutes Ansehen lohnenswert machen. Natürlich ist der Level an Gewalt von vornherein hoch, und das Kunstblut fließt in der zweiten Hälfte literweise. Sorgsam verwoben mit der Erzählung ist ein sozialer Kommentar über Politik, auch wenn sich bisweilen das Gefühl einschleicht dass die darauf folgende Gewalt auf zu simple Weise gerechtfertigt wird. Die Zeiten waren grausam, also ist es entschuldbar gewisse Dinge zu zeigen? Spätestens wenn auf der Todesszene einer Figur beinahe schon pornografisch verharrt wird stellt sich die Frage ob weniger nicht mehr gewesen wäre. Der Mann, der Figuren wie Beatrice Kiddo geschrieben hat, zeigt seit "Django Unchained" eine bedenkliche Tendenz nach Rückwärts, wenn es um seine Frauenfiguren geht. Daisy Domergue fungiert, ähnlich wie Broomhilda, als plot device, als Motivation für die Männer, als Schablone. Sie hat nichts eigenes, ist keine ausformulierte Figur. Die Tatsache dass so viele Männer im Kino über die an ihr verübte Brutalität herzlich lachen können, jeden Schlag, jeden Tritt, jedes "bitch" mit Applaus honorieren und sich freuen dass die Frau an ihren richtigen Platz verwiesen wird spricht Bände über die Gesellschaft dahinter.  In dieser Hinsicht ist man sich von Tarantino besseres gewohnt, und als Anhängerin seiner Werke missfällt mir diese Tendenz der letzten beiden Filme extrem. In der Gesamtansicht bleibt "The Hateful Eight" aber ein außergewöhnliches filmisches Experiment, für das man einiges an Sitzfleisch mitbringen muss. Mehr "Reservoir Dogs" als alles andere beweist Tarantino mit diesem Film erneut seine Wandelbarkeit. 

Fazit: Quentin Tarantino geht nach "Django Unchained" in eine völlig andere Richtung. Beinahe schon als spiritueller Bruder von "Reservoir Dogs" könnte "The Hateful Eight" durchgehen. Ein blutiges Kammerspiel mit einem grandios aufgelegten Reigen an Darstellern, atemberaubenden Landschaftsaufnahmen, tollen Sets und pointierten Dialogen. Bedenklich ist, dass Tarantino seine unrühmliche Art passiver weiblicher Charaktere weiter voran treibt und Daisy rein um der Gewalt willen misshandeln lässt, ohne dass daraus eine Rechtfertigung für den Verlauf des Filmes entsteht. Gewalt rein um der Gewalt willen, rein für den Entertainment-Faktor, war bisher selten ein Thema bei Tarantino, aber hier übertritt er eine Linie.

Infos zum Film

Originaltitel: The Hateful 8
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 168 Minuten
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Darsteller: Samuel L. Jackson, Jennifer Jason Leigh, Kurt Russel, Tim Roth, Walton Goggins, Michael Madsen, Bruce Dern, Channing Tatum, Zoe Bell, Demián Bichir u.a.

Trailer