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Media Monday #220


Und schon wieder starten wir in eine neue Woche. Die Zeit fliegt aber auch wirklich an einem vorbei momentan. Wenn ich wollte, dann könnte ich mir hier schon einen gemütlichen Abend mit Lebkuchen bereiten. Aber für gewöhnlich halte ich mich mit Weihnachtsfressalien bis zur Adventszeit zurück. Ganz früher hab ich allerdings eine andere Taktik betrieben und einfach alles durcheinander gefuttert als es frisch in den Läden war. Pünktlich zur Adventszeit hatte ich dann so dermaßen die Nase voll von Süßkram dass ich den ganzen September ohne Naschen klarkam. Wie handhabt ihr das so? 

Aber fangen wir die Woche doch erstmal mit den sieben neuen Fragen von Wulf und seinem Medienjournal an. 

1. Die Serienepisode "Cairo", die achte Folge der ersten Staffel von "The Leftovers", wird mich vermutlich noch lange beschäftigen, denn die beschäftigt mich seit fast einem Jahr schon in ihrer Vielschichtigkeit. Gnadenlos unterschätzte Serie, ich hoffe im Oktober werden ein paar Leute sich an die DVD/BD ranwagen um der Sache eine Chance zu geben. 

2. Keanu Reeves kann ja wirklich nicht gerade herausragend schauspielern, aber Mensch, teilt der in "John Wick" aus. Die Kritik dazu gibt's diese Woche noch, aber verdammich, der Film war klasse.
© Studiocanal
3. Als Fan der ersten Stunde lasse ich nur ungern schlechte Worte über die "Herr der Ringe" Trilogie durchgehen. Da stecken einfach zu viele gute Erinnerungen drin. An die netten Leute, die ich dadurch kennengelernt hab, an den ein oder anderen lustigen Moment vergangener Ring*Cons, als die noch nicht total überlaufen waren und zum ersten Mal stattfanden...hach ja. Da werd ich ganz sentimental :D 

4. Fernsehen kann man ja dank Streaming etc. mittlerweile quasi überall, doch muss ich sagen, dass ich das eigentlich sehr praktisch finde. Also, Filme schau ich immernoch am liebsten auf dem TV, und...wie nennt man das jetzt, lineares Fernsehen (?) verfolg ich eh nicht. Aber so eine Serienepisode kann ich auch gut mal auf dem Smartphone anschauen, wenn ich unterwegs bin. Da geht die Zeit auch viel schneller vorbei und ich schlag zwei Fliegen mit einer Klappe. 

5. Bei der Lektüre von "Fight Club", "American Psycho" und all den anderen großartigen Vorlagen zu Filmen muss ich immer grinsen, denn dank der Filme hab ich beim Lesen immer die Gesicher der entsprechenden Schauspieler im Kopf.

6. Von ___ hätte ich mir ja doch deutlich mehr erwartet, denn Ja, nee. Eigentlich informier ich mich mittlerweile wirklich wenigstens grob über alles, was ich mir anschaue. In letzter Zeit haben Erwartungshaltung und tatsächliches Ergebnis immer recht gut überein gestimmt. 
© Fox
7. Zuletzt habe ich endlich mal "Fantastic 4" nachgeholt und das war ganz anders als ich erwartet habe , weil der Film zwar echt nicht so der Knaller ist, man aber an allen Ecken und Enden durchschimmern sieht, wie gut der hätte werden können. Massiv verschenktes Potential ist das, und dabei sind einige Elemente wirklich richtig gut gelungen. 

Blogparade: Die 10 legendärsten Serienepisoden

© Fox
Miss Boolena hat eine ganz wunderbare Blogparade zum Thema "legendäre Serienepisoden" ins Leben gerufen. Und weil sich an meiner Vorliebe für Listen noch immer nichts geändert hat, präsentiere ich euch jetzt meine 10 liebsten Serienepisoden, die mich entweder zutiefst erfreuten oder tränenüberströmt in der hinterletzten Ecke meines Bettes zurückließen. Nie war es hier im Blog so angebracht wie zuvor, aber: Spoiler. Ich hab euch jeweils direkt im Namen der Episode auch die Staffel mit angegeben, ihr könnt also auch nur die Texte lesen, zu denen ihr die Folgen schon kennt.

Nochmal, deutlicher: Spoiler

This article is dark and full of spoilers!

Also, legen wir los.

Lost - The Constant (Season 4, Episode 5)

Ohh, right in the feels. Lost war die erste Serie, die ich so richtig durchgesuchtet habe. Kurz vor der letzten Staffel bin ich eingestiegen, und weil ich mich zwischen zwei Jobs befand, habe ich eine ganze Woche genutzt um ALLES nachzuholen. "The Constant" wird für mich auf ewig einen ganz besonderen Platz im Seriengedächtnis haben. Einfach, weil es grandios gespielt und grandios geschrieben war. Weil es so viel Belohung für die Figuren war. Und weil ich zum ersten Mal so richtig mit Figuren mitgeweint habe.



Parks and Recreation - One last Ride (Season 7, Episode 12)

Parks and Recreation habe ich erst entdeckt, als die sechste Staffel bereits gelaufen war. In Windeseile habe ich also alle Folgen angeschaut, und dann auf die finale Staffel gewartet. Und was soll ich sagen? Selten habe ich eine letzte Staffel von irgendwas erlebt, die so aus allen Kanonen feuert. Die all ihren Figuren ein wunderschönes Ende beschert. Die sich so viel Mühe gibt, allen gerecht zu werden. Parks and Recreation war für eine Weile wie ein guter Freund. Mit Figuren, in denen man sich wiedererkennen kann. Mit einer tollen Botschaft. Und natürlich mit Leslie Knope, einer der besten Frauen im Fernsehen. Ich vermisse diese Freunde. Statt eines Clips aus der letzten Folge gibt es ein überall einsehbares Best-of Video von meiner heimlichen Seelenschwester April Ludgate. Bedankt euch bei Youtbe.





Breaking Bad - Ozymandias (Season 5, Episode 14)

Statt einer Szene aus der Episode möchte ich hier lieber den Trailer zeigen. Bryan Cranston liest das gleichnamige Gedicht von Percy B. Shelley. Und weil ich Gedichte mag, vor allem wenn sie aus der britischen Romantik stammen, gibt es an dieser Stelle das Gedicht für euch:
I met a traveller from an antique land 
Who said: — Two vast and trunkless legs of stone 
Stand in the desert... Near them, on the sand, 
Half sunk, a shattered visage lies, whose frown, 
And wrinkled lip, and sneer of cold command, 
Tell that its sculptor well those passions read 
Which yet survive, stamped on these lifeless things, 
The hand that mocked them, and the heart that fed: 
And on the pedestal these words appear: 
‚My name is Ozymandias, king of kings: 
Look on my works, ye Mighty, and despair!‘ 
Nothing beside remains. Round the decay 
Of that colossal wreck, boundless and bare 
The lone and level sands stretch far away.



True Detective - Who goes there? (Season 1 Episode 4)

In dieser Episode wird das Doppelleben von Hart aufgedeckt. Und True Detective hat in der ganzen ersten Staffel sowieso keinerlei Schwachpunkte. Nachdem ich also fast vier Folgen lang gaaaaanz langsam in die tiefen Abgründe dieser Serie hineingezogen wurde, endet die vierte Folge. Und nicht nur irgendwie, nein. Sie endet mit einem fast sechs Minuten langen One-Take Tracking-Shot. Was bedeutet das? Sechs gottverdammte Minuten ist die Kamera an Matthew McConaughey dran, es gibt keinen einzigen Schnitt. Das war der Moment in dem ich wusste: ich werde Zeugin von absoluter Ultrakunst. Am Ende saß ich auf der Bettkante und war sprachlos. 



Leftovers -The Prodigal Son Returns (Season 1, Episode 10) 

"Leftovers" spaltete die Serienzuschauer. Einige (so auch ich) sind begeistert und haben das Geschehen Woche um Woche mitverfolgt. Andere haben sich zu Tode gelangweilt. Die in meinen Augen treffendste Auseinandersetzung mit Depression und Verlust, die ich je in einer Serie erlebt habe, gipfelte in einem fulminanten Ende. in der Katharsis für die Figuren. Ich bin jetzt schon auf eine zweite Staffel gespannt.



Buffy - Once More with Feeling (season 6, Episode 7)

Joss Whedon, die erste. Dass der Meister aller Serien hier vertreten sein *muss*, ist ja klar. Buffy wird für mich immer einen besonderen Platz im Herzen haben, und "Once more with Feeling", die Musical-Episode, ist mit Abstand meine liebste Folge. Ich hab euch den Song von Spike, "rest in peace" herausgesucht. Die Beziehung zwischen Buffy und Spike war alles andere als einfach, das ist in diesem Song perfekt herausgearbeitet. Nebenbei ist James Marsters ein wirklich toller Sänger. Wer noch nie in dieser Hinsicht gesucht hat: Sucht bei Youtube nach "Ghost of the Robot".



Firefly - Out of Gas (Season 1, Episode 8)

Und Joss Whedon, die zweite. Firefly habe ich erst kürzlich entdeckt, aber die Liebe entwickelte sich wie ein Waldbrand. Fox bewies hier vermutlich am deutlichsten, wie kurzsichtig sie sind. Die erste Staffel wurde nicht einmal zu Ende ausgestrahlt. Und trotzdem werden auch nach 10 Jahren noch immer Neulinge zum Fan der wundervollen Crew um Captain Mal Reynolds. Episode 8 fällt aus dem restlichen Rahmen der Serie durchaus raus, denn hier gibt es vor allem eines: Hintergrundgeschichte. So ist die Crew der Serenity in der Gegenwart in einen Unfall verwickelt. Flashbacks erzählen dann, wie es zu diesem Unfall kam. In einem weiteren Rahmen erzählen andere Flashbacks, wie die Crew zusammenkam. Nicht dass die komplette Crew nicht vorher schon liebenswert gewesen wäre. Aber diese Folge zeigt das ganze Potential, welches "Firefly" gehabt hätte, wenn Fox nicht wieder dumm gewesen wäre. Curse you and your sudden but inevitable betrayal, Fox!



Doctor Who - Vincent and the Doctor (Season 5, Episode 10)

Nicht-Whovians Doctor Who nahe zu bringen ist eine Herausforderung. Normalerweise wird bei "ein 900 Jahre altes Alien in Menschengestalt, dass in einer Telefonzelle durch Raum und Zeit...." ihr wisst schon. Meine Episode um Neulinge zu überzeugen ist "Vincent and the Doctor". Nicht nur ist mit Amy Pond mein liebster Companion dabei, die Geschichte hat alles, was Doctor Who so großartig macht. Eine spannende Zeit, in der sie spielt. Ein faszinierendes Alien. So unendlich viel Herz. Und Vincent van Gogh. Und verdammt nochmal, Bill Nighy. Mit Abstand einer meiner liebsten Momente in der ganzen Serie ist das Ende der Folge. Denn zwischen all den Aliens, den verrückten Reisen und den Eigenartigkeiten des Doctors ist es das Herz, was die Serie besitzt. Dieses unendlich große Herz (manche sagen, es sind zwei), in dem Platz für jeden ist.



House of Cards - Chapter 14 (Season 2, Episode 1)

Mit House of Cards bin ich momentan noch beschäftigt und am Ende der dritten Staffel. Nachdem ich Staffel 1 schon grandios fand und mich fröhlich-motiviert auf die zweite Staffel stürzte, erlebte ich den bis dato größten "wtf-Moment" meines Serienlebens zu Beginn von Staffel 2. Franks unschöne Auseinandersetzung mit Zoe verfrachtete mich in eine Schockstarre. Als ich dann dort saß, ein kleiner Haufen Elend, wollte ich nichts weiter, als dass Frank mit mir spricht. So schrecklich dieser Mensch auch ist, ich wollte tröstende Worte. Doch es kam nichts, Frank schwieg mich an. Enttäuscht und allein gelassen saß ich also dort, um in letzter Minute doch erlöst zu werden. Und ich war Frank so dankbar. Dankbar, dass er mich nicht vergessen hat. Doch ich schämte mich auch. Für die Aufmerksamkeit, die ich von diesem Menschen haben wollte. Für mein beleidigt-sein, weil er mich eine ganze Stunde ignoriert hat. Ich hoffe, er wird mich nie wieder ignorieren. 



Game of Thrones - Mountain vs. Viper (Season 4, Episode 8)

Als Buchleser wusste ich ja, was kommt. Ich hatte allerdings zu Beginn der Staffel nicht damit gerechnet, dass mir Oberyn so sympathisch werden würde. So hatte ich dann also bis zum Ende des Kampfes noch einen Restfunken Hoffnung, dass irgendjemand sich erbarmen würde und hier die Serie vom Buch abweichen lassen würde. Aber keine Chance. Als ich die Folge angesehen habe, konnte ich am Ende nicht mehr hinsehen. Zwei Wochen später überraschte mich jemand mit einem Bild von Oberyn nach dem Kampf, und ich brach auf der Stelle in Tränen aus.


Recap: The Leftovers Season 1 Episode 10: The Prodigal Son returns

Am Sonntag Abend gingen die Leftovers in ihr erstes Staffelfinale. Und verdammich noch eins, was für ein Finale! Kommt also ein vorerst letztes Mal mit nach Mapleton, dieser kleinen Stadt die sich in dieser Folge zuerst im Kleinen, und am Ende im Großen, dem Chaos stellen muss.

Zuerst einmal gibt es natürlich die Bestätigung dessen, was wir alle schon vorher wussten: Antworten, jedenfalls im Sinne des großen Ganzen, gibt es keine. Wir wissen noch immer nicht, wieso die Menschen verschwunden sind. Zahlreiche Fragen bleiben ungeklärt. Stresst mich persönlich das? Kein bisschen. Einerseits natürlich, weil es vorher angekündigt wurde. Andererseits, und das ist viel wichtiger, weil es darum nie ging. Das Verschwinden ist der Auslöser für das, was wir in der Serie sehen. Menschen, die mit ihrem Alltag, ihrem Überleben kämpfen, wenn etwas wichtiges fehlt. Selbst in dieser Zeit, in der sich Serien wie Breaking Bad, True Detective und Game of Thrones, um nur ein paar zu nennen, die Klinke praktisch in die Hand geben, ist das Konzept, welches Leftovers verfolgt, anders. Eine Stunde pro Woche gelangt man in eine Parallelwelt, in der man sich daran machen darf, die Abgründe der menschlichen Seele zu erkunden. Vieles, was in der Serie passiert, entspricht dem Zustand der menschlichen Depression. Dass viele Zuschauer ihre Probleme mit dieser Serie haben, ist nur nachvollziehbar. Vielleicht braucht es ein gutes Stück Berührung mit der eigenen, inneren Dunkelheit, um sehen und vor allem schätzen zu können, was diese Serie leistet.

© HBO
Reduziert auf die Figuren war dieses Finale im wahrsten Sinne des Wortes befriedigend. Wenn wir uns anschauen, wer in dieser ersten Staffel wirklich wichtig war, dann ist es logisch das Finale um die Garveys, Matt und Nora, Wayne und die Guilty Remnant aufzubauen. Letztere haben scheinbar allen Anstand über Bord geworfen und tatsächlich Repliken der Verschwundenen anfertigen lassen. Diese wurden dann nachts in die Häuser der restlichen Anwohner gebracht. In gewisser Weise bringt dies die Katharsis für die Stadt in Bewegung. Noras Reaktion (wie genial war bitte dieser stumme Schrei?), ihre geplante Flucht und ihr letztendliches Verbleiben in Mapleton, weil sie endlich einen Sinn in etwas erkennen kann, bringen die Figur an einen Punkt, an dem ein wirklicher Neustart gemacht werden kann. Vorher fand nur Verdrängung statt, doch dieser eine Moment legt den inneren Konflikt offen und sorgt für eine mögliche Verarbeitung. So dramatisch es ausgesehen haben mag, und ich bin sicher nicht die einzige die zunächst dachte, dass Nora sich umbringen will und ihr Brief ein Abschiedsbrief aus diesem Leben war, für Nora eröffnet sich nun sicherlich die Möglichkeit, das Trauma zu verarbeiten.

Auch Laurie macht einen gewaltigen Schritt. Die Ankunft ihrer Tochter bei den GR dürfte sie als Mutter in einen ziemlichen Schockzustand versetzt haben. So warnt sie Jill auch, bittet sie, wenigstens im Haus zu bleiben da sie weiß, dass es draußen gefährlich werden wird. Jills Ankunft hat für einen Wechsel gesorgt, Meg scheint plötzlich die treibende Kraft im Haus zu sein. So ist es am Ende Meg, die an eine Laterne gefesselt, blutig geschlagen, Kevin ein selbstgefälliges Grinsen entgegenschmettert, auf das die gute Patti sicher stolz gewesen wäre. Lauries großer Moment kommt, wenn sie Kevin den Namen ihrer Tochter entgegenbrüllt. Oder es zumindest versucht, denn nach der langen Zeit der Schweigsamkeit sind ihre Stimmbänder arg in Mitleidenschaft gezogen. Es ist die Erkenntnis, dass ihre Familie am Ende wichtiger ist als alles, was ein kettenrauchender Kult ihr bieten kann. Wenn sie dann später am Wasser auf Tom, den verlorenen Sohn, trifft, scheint auch hier der Weg in eine andere Zukunft offen. Auch für Jill scheint es vorerst ein gutes Ende zu nehmen. Wenn Nora das Baby in ihrem Arm hält wird klar, dass zunächst einmal Nora nun eine Aufgabe gefunden hat. Ebenso wichtig scheint aber auch, dass Jill sieht, dass Nora eine liebende Mutter sein kann, wenn man sie lässt. Und nach dem wortlosen Empfang, den ihre eigene Mutter ihr bereitet hat, ist es vielleicht genau diese Aussicht, die Jill Halt geben kann. Diese vier könnten eine Familie werden, wenn man ihnen Zeit dafür zugesteht. Und vermutlich ist es genau das, was sich Kevin von Wayne gewünscht hat. 

Auch Matt befindet sich auf einem für ihn guten Weg. Seine Abwendung von den Verschwundenen hin zu den Mitgliedern der GR war eine Verbesserung. Wenn er Kevin hilft, ihn dann aber mehr oder weniger zwingt, aus der Bibel vorzulesen, wird klar dass er Macht ausüben will. Zeitgleich sorgt er sich aber auch und will helfen. Vermutlich ist er auch nicht allzu traurig darüber dass die Frau, die ihm seine Kirche weggenommen hat, nun tot ist. Es kommt sicher nicht von ungefähr dass eine gewisse Parallele zur christlichen Taufe aufkommt, wenn Kevin sich mit dem mitgebrachten Wasser reinigt. 

Kommen wir kurz auf Wayne zurück. Mehrmals in der ersten Staffel kamen Zweifel auf, ob er wirklich übersinnliche Kräfte besitzt, oder einfach nur mit dem Leid der Menschen Geld verdient und eine Art Placebo anbietet. Die letzten Minuten vor seinem Tod (im Radio war vorher zu hören dass ein gesuchter Verbrecher angeschossen wurde, es ist wahrscheinlich dass es sich dabei um Wayne handelt) verbringt er mit Kevin. Dem legt er seine Zweifel dar und fordert Kevin auf, sich etwas zu wünschen. Erfüllt sich der Wunsch weiß wenigstens Kevin, dass Wayne tatsächlich Kräfte besitzt. Und in gewisser Weise erfüllt sich Kevins Wunsch nach einer Familie auch. Seine Tochter kehrt zurück, Nora findet ein Baby vor seiner Tür und sogar der Hund, den er gefangen hatte, kommt wieder zu ihm. Sicher, das ist nicht seine eigentliche Familie, aber es ist eine Familie und es könnte funktionieren. Es ist eine zweite Chance. Doch Waynes Kräfte müssen weiter in Frage gestellt werden, denn seine magische Umarmung, die er Nora gab, wurde durch das auftauchen der Puppen in ihrem Haus und ihre Reaktion darauf zunichte gemacht. In Sachen Wayne wissen wir also, dass wir nichts wissen. 

Bleibt Kevin. Der weiß jetzt vermutlich, dass er langsam durchdreht. Ich bin aber mal optimistisch un behaupte, dass seine neue Familie den Prozess wenigstens verlangsamen kann. Im Gespräch, zuerst mit den Figuren in seinem Traum und später mit Matt, wird ersichtlich dass Kevin sich mit der Frage quält, wieso er und seine Familie geblieben sind. Matt und seine Flugzettel haben schon klar gemacht, dass es keine Frage von gut und böse sein kann. In dieser Folge lässt Matt Kevin aus dem Buch Hiob lesen. Hiob war ein äußerst gläubiger Mensch, und Gott nutze ihn aus, um dem Teufel etwas zu beweisen. Er nahm ihm alles, und Hiob behielt stets seinen Glauben. Vielleicht ist dies ein Hinweis darauf, dass irgendein höheres Wesen dahintersteckt. Es ist auf jeden Fall ein weiterer Beweis dafür, dass gut und böse als Grundlage nicht ausreichen. Und auch Kevins Traum war zwar verstörend, aber nicht sinnlos. Beide Geschichten ergänzen sich, und vielleicht war dies die Möglichkeit für Kevin, mit den Wesen die seinen Vater heimsuchen in Kontakt zu treten. So oder so ermöglicht die Szene, Kevins inneren Konflikt auszuleuchten. 

© HBO
Gut ausgeleuchtet war auch die Rückkehr nach Mapleton. Während Matt und Kevin sich auf dem Heimweg befinden, bricht die Hölle in der Heimat los. Die Aktion der GR zum Memorial Day sorgt dafür, dass niemand mehr davor zurückschreckt, Jagd auf die Mitglieder zu machen. Die aufgezwungene Konfrontation mit der Departure scheint einen Knoten zu lösen, Wut und Hilflosigkeit brechen über die Stadt herein. Noras Brief leistet einen Teil der notwendigen Erklärung, die Geschehnisse am Ende leisten den Rest. Die Bilder sind verstörend in ihrer Kompromisslosigkeit. Doch für die wichtigsten Figuren endet diese erste Staffel trotzdem positiv. Dem emotionalen Ausbruch folgt die innere Reinigung, und auch sonst gibt es noch viele Dinge, die in einer zweiten Staffel erläutert werden könnten. Und selbst wenn es keine zweite Staffel geben würde, dies wäre ein perfektes Ende für die Geschichte.

The Leftovers gehört fraglos zu meinen absoluten Highlights in diesem Jahr. Folge um Folge zwang mich dazu, mir ein mögliches Abbild der eigenen Gesellschaft anzuschauen. Mich mit dem inneren Leid und Konflikt der Protagonisten auseinanderzusetzen. 10 Folgen, die viel Zeit in Anspruch nahmen, die teilweise wirklich schwer zu reviewen waren. Die Rätsel aufgaben, die nie gelöst wurden, aber mal ehrlich, wer findet ein gutes Rätsel nicht spannend und herausfordernd? Einfach zu schauen war keine der Folgen, mitreissend waren sie alle. Ich hoffe, wir lesen uns zur zweiten Staffel wieder.


Wahllose Gedanken zum Schluss
  • Matt und Kevin befinden sich im gleichen Diner wie damals Patti und Laurie. Die Verknüpfung zwischen diesen beiden Szenen wirkt so wirklich großartig. Im Diner läuft außerdem ein Song mit dem Titel "Sleepwalk".
  • Nothing else matters von Metallica. In superkitschig, und es hat die Szene nicht ruiniert.
  • Man kann nicht oft genug loben, welche großartige Arbeit die Regisseure hier geleistet haben. Gleiches gilt für diejenigen, die den Soundtrack machen und aussuchen. 
  • Mir ist erst in dieser Folge aufgefallen, dass Patti auch bei True Detective zu sehen war. In der letzten oder vorletzten Folge, ihr verstörendster Satz war "let's make flowers".
  • Geoffrey Owens von der Bill Cosby Show spielte den Priester, der Tom seine Hilfe anbot. 
  • Perfect Strangers ist die Show, die Kevin Senior sich in der Traumsequenz anschaut. 
  • Matts Gesichtsausdruck, als Kevin ihm erzählt dass die Frau, mit der er Sex hatte, währenddessen verschwunden ist. So in etwa hab ich auch geschaut, als das in einer der vorherigen Folgen passiert ist. 







Recap: The Leftovers Season 1 Episode 9: The Garveys at their Best

Die schlechte Nachricht gleich zum Anfang: Nächstes Wochenende ist Labor Day in den USA, die Leftovers machen also eine Pause und kommen erst am 7.9. wieder zu uns, und zwar direkt nach dem Start der letzten Staffel Boardwalk Empire. Ich schlage vor die Zeit bis dahin zu nutzen und die ersten acht Folgen nochmal anzusehen, nach der letzten Folge dürfte das recht unterhaltsam werden.Kommen wir also zum Recap, in dem, und wer hätte das gedacht, so viele Fragen beantwortet werden wie in keiner Folge zuvor. Es ist also Zeit für die wöchentliche Tiefenanalyse auf dem bequemen Sofa. Also, lehnt euch zurück, schließt die Augen und erzählt...ich meine natürlich: macht es euch bequem und lest, was so passiert ist. 

Erstmal bitte: Hände hoch wer noch gedacht hat, dass der Titel der Episode nur ironisch gemeint sein kann? Dann bitte Hände hoch wer dachte, dass Kevin einen Weg gefunden hat, Pattis Tod zu verschleiern. Ich jedenfalls bin den Leftovers am Anfang dieser Folge voll ins Netz gegangen. Stattdessen ist alles ganz anders und wir erleben die letzten zwei Tage vor dem großen Verschwinden.
© HBO
Zunächst begleiten wir Kevin wieder einmal beim joggen. Aber er wirkt ungewöhnlich unbelastet. Unter einer Mailbox hat er Zigaretten versteckt, und im Wald bemerkt er ein seltsames Leuchten. Als er in ein riesiges Haus zurückkehrt und im Hintergrund eine brünette, verschwommene Frau zu sehen ist, besteht aller Grund zur Annahme dass die Serie einen Sprung nach vorn gemacht hat und Kevin jetzt mit Nora zusammenlebt und es irgendwie geschafft hat, Pattis Tod zu verbergen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Kevin lebt mit Laurie zusammen und die beiden scheinen glücklich. Am Abend steht eine Party an für die noch ein Kuchen geholt werden soll, außerdem wollen sich Laurie und Kevin bei einem Hundezüchter treffen um einen Welpen anzuschauen. Als dann noch eine Zahnspange tragende, fröhlich vor sich hinsingende Jill die Szene betritt, scheint die Idylle perfekt.

Auch auf der Arbeit läuft es ein wenig besser als es aktuell der Fall ist. Sein Vater ist Polizeichef und es entsteht der Eindruck, dass Kevin nur geduldet wird weil sein Vater Everbody's Darling ist. Aber Kevin scheint sich wenigstens selbst im Griff zu haben. Was auffällt: Lou ist schon vor der Departure ein Idiot gewesen. Er macht Witze über Kevin, wo es nur geht. Falls ihr euch fragt, wer zur Hölle der Typ ist: Er hat in der dritten Folge Matt zusammengeschlagen, ruft trotz Kevins Ansage auf eigene Faust das FBI hinzu und ist auch einfach so irgendwie ein Idiot. Wahrscheinlich wird er mal Chef von irgendwas.

Nora kämpft indes mit ihrem Leben als Vollzeitmutter. Ihr Mann ist geistig abwesend, ihre Kinder terrorisieren sich gegenseitig und sie hat scheinbar keine ruhige Minute. Wenn Doug sich am Morgen nicht daran erinnern kann dass er die Kinder zur Schule bringen soll, vergisst dass seine Frau ein Vorstellungsgespräch hat und am Abend viel zu spät nach Hause kommt und sich für seine Familie kaum interessiert, ist es nicht schwer nachzuvollziehen wieso Nora etwas eigenes haben will. Ihre Ehrlichkeit bringt ihr Pluspunkte bei Lucy, die gerade ihre Kampagne vorbereitet um Bürgermeisterin zu werden. Auch, wenn jeder davon ausgeht dass sie keine Chance hat. Lucy scheint darüber hinaus irgendetwas mit Kevins Vater am laufen zu haben, die enge Vertrautheit der beiden impliziert dies jedenfalls. Doch obwohl es ihr scheinbar zuviel ist, bleibt Nora ruhig und gibt sich Mühe, die perfekte Hausfrau und Mutter zu spielen. Doch wenn sie zu Lucy sagt, dass sie, falls sie den Job bekommt, in den nächsten vier Wochen bis zur Wahl faktisch keine Familie hat, wird deutlich wie sehr sie sich nach einem anderen Sinn und Zweck in ihrem Leben sehnt.

Tommy, der bisher anscheinend nur unterfordert war, fügt sich ebenfalls ins Familienbild mit ein. Kevin muss ihn abholen, nachdem er zum wiederholten Male seinen leiblichen Vater besucht hat. Dieser will mit seinem Sohn nichts zu tun haben und wurde scheinbar sogar handgreiflich. Kevin stellt ihn kurzerhand zur Rede, verpasst ihm einen Denkzettel und rät Tommy dann dazu, manche Dinge einfach besser zu verdrängen, damit man sich nicht damit auseinandersetzen muss. Laurie allerdings rät ihrem Sohn zum genauen Gegenteil, nämlich einer detaillierten Auseinandersetzung. Da sie, dem großen Haus nach zu urteilen, sehr erfolgreich in ihrem Job als Psychologin ist, scheint Tommy ihr ein wenig mehr zu glauben. Klar wird auch, das Tommy scheinbar der perfekte große Bruder für Jill ist, die beiden wirken absolut glücklich als Geschwister. Auch wenn Jill weiß, dass etwas mit ihren Eltern nicht in Ordnung ist, für sie scheint die Verdrängungstaktik zu funktionieren.

Schon in dieser ersten Hälfte der Folge machen sich aber einige sonderbare Situationen bemerkbar. So ist Patti eine Patientin von Laurie. Nicht nur ist sie traumatisiert da ihr Ex-Ehemann ihr anscheinend etwas angetan hat und sie sich selbst die Schuld gibt und Dinge, die ihr Mann zu ihr sagt, glaubt, sie hat auch das ungute Gefühl dass etwas passieren wird. Laurie scheint dieses Gefühl von ihr schon zu kennen und bittet sie, damit aufzuhören sich die Schuld an ihrem Schicksal zu geben. Kevin wird im Wald zuerst von einem unerklärlichen Leuchten, dann von einem Wagen voller Fremder und schließlich von einer explodierenden Gasleitung heimgesucht. Und dann ist da noch das Reh, dass verwirrt in Häuser einbricht und sich nicht fangen lässt. Die Lösung für all diese Mysterien wird in der zweiten Hälfte der Folge geliefert. Doch zunächst gibt es eine Party für Kevins Vater, der scheinbar Mapleton Man of the Year geworden ist. 

Und diese Party markiert den Wendepunkt in vielerlei Hinsicht. Nachdem Matt eine sehr ergreifende Rede hält, richtet auch Kevin einige Worte an seinen Vater. Als die beiden wenig später die Gelegenheit haben, sich unter vier Augen zu unterhalten, wird schnell deutlich, dass Kevin nicht erst seit dem Verschwinden der Menschen innerlich kaputt ist. Wenn er seinem Vater gesteht dass er keine Ahnung hat, wieso ihm ein Job, ein Haus und seine Familie nicht genug sind, und sein Vater ihn dafür in die Schranken weist ist klar, wieso Kevin auch nach dem Verschwinden so getrieben wird. Wer schon vor einem solchen Ereignis den Sinn nicht sieht, wie soll das funktionieren wenn die Dinge, die Sinn stiften sollen, zerschlagen werden? Dass es in ihm brodelt merken wir im späteren Gespräch mit Laurie. Die riecht den kalten Rauch der morgendlichen Zigaretten und stellt Kevin zur Rede. Ihr ist egal ob er raucht oder nicht, sie will nur nicht angelogen werden. Kevin nutzt die Gelegenheit direkt und macht deutlich, dass er keinen Hund will und der Sache nur zugestimmt hat, weil Laurie den Hund wollte. Er verabschiedet sich überaus freundlich mit einem "fuck you". 
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Als dann das verwirrte Reh erneut auftaucht und Kevin es sich zum Ziel gemacht hat, das Tier vor dem Tod durch die anderen Polizisten zu bewahren, trifft er auf die Frau, die das Reh letzten Endes überfährt. Und mit der er, nach einem kurzen Moment des Zögerns, im Bett landet. In einem Motel. Laurie ist derweil beim Arzt und trifft dort auf Mary. Die wiederrum wartet auf Matt, der mit erneutem Krebsverdacht beim Arzt ist. Als der Verdacht sich nicht bewahrheitet, wollen die beiden feiern gehen. Laurie ist allerdings zur Untersuchung gekommen, weil sie schwanger ist. Tommy und Jill sind bei einer Schulveranstaltung von Jill und haben dort eine Menge Spaß während sie mit anderen Schülern zusammen ein Experiment durchführen. Und Nora wartet auf den Rückruf zu ihrem Bewerbungsgspräch, während ihre Familie sie an ihre nervliche Grenze treibt. Es sind Momentaufnahmen in zahlreichen Leben, so divers wie das Leben selbst. All diese Figuren stehen an so unterschiedlichen Orten, sind in so unterschiedlichen Situationen gefangen, versuchen auszubrechen, den Sinn zu finden der sie leiten soll. Es ist die Musik, welche diese Serie eröffnete, die den Zuschauer aus dieser Momentaufnahme reisst, nur wenige Sekunden bevor sich das Leben der Menschen innerhalb der Serie für immer verändern wird. Und es ist wie ein Tritt in die Magengrube, wenn man erkennt, was die plötzliche Stille, die Hand die ins Leere greift, der Orangensaft der vom Tisch tropft, die Tatsache dass man auf einmal allein im Bett ist und der leere Blick in Lauries Augen zu bedeuten haben. Kaputt waren all diese Figuren vorher schon, jede auf ihre Weise. Das Verschwinden lastet auf diese geschundenen Schultern mehr auf, als sie tragen können. 

Ich denke, diese Folge liefert einiges an Erklärungen für das Verhalten der Figuren nach dem Verschwinden. Laurie ist im Begriff, ihre Ehe zu verlieren, und dann verliert sie ihr ungeborenes Kind. Es ist nahezu unvorstellbar wie schrecklich eine Fehl- oder Totgeburt sein muss, wie es sich anfühlt wenn das eigene Kind einfach so verschwindet...ich jedenfalls kann und will das garnicht nachvollziehen, es muss brutal sein. Denn für eine Fehlgeburt im klassischen Sinne gibt es meistens ja wenigstens noch eine medizinische Erklärung. In diesem Fall aber gibt es nichts, nur Leere. Das Laurie sich also den GR anschließt, zumal Patti ja zuvor mit ihrem Gerede davon, dass etwas passieren wird, sicherlich eine Art Vorhersehung getroffen hat, ist nachvollziehbar. Auch wenn fraglich ist, ob Patti wirklich wusste, was passieren wird. Denken wir nur mal an die Leute auf dem Jahrmarkt, die einem aus der Hand lesen wollen. So wirklich recht haben die mit ihren generellen, auf guter Menschenkenntnis basierenden Aussagen auch nie. Doch wir haben auch gesehen, wie sehr Laurie ihre Kinder liebt, und wie sie sich ein besseres Leben für die beiden wünscht, ein glückliches Leben. Ist es nicht auch irgendwo dieser Leitgedanke, der wirklich gute Eltern ausmacht? Vielleicht gelingt es Jill und Tommy gemeinsam, ihre Mutter wieder ins Leben zu holen. Denn wie Laurie selbst sagt, verdrängen funktioniert auf Dauer nicht. Und die Kettenraucherei soll zwar als lebendige Erinnerung an das Ereignis dienen, im Grunde ist es aber auch nur Stillstand und keine aktive Bewältigung des Traumas. Es wird ebenfalls deutlich, dass die Teilnehmer der GR allesamt Menschen sind, die im Grundverständnis des Verschwindens niemanden verloren haben. Gladys hatte nur ihre Welpen, Patti wurde bereits aus ihrem eigenen Haus geworfen, Meg hat noch einen Verlobten und auch Laurie hat eigentlich noch ihre Familie intakt.
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Klar wird auch, das Kevin schon vorher Probleme hatte. Er schläft schlecht und ist unruhig, und er ist unzufrieden mit seinem Leben. Um dies zu untermauern tauchen unerklärliche Risse in der Hauswand auf, außerdem scheint seine Kaffeetasse kaputt zu sein. Macht es ihm zu schaffen, das Laurie das meiste Geld nach Hause bringt? Dass er seinen Job einem eindeutigen Fall von Nepotismus verdankt? Klar wird, dass er und Laurie völlig verschiedene Menschen sind. Dies wird an ihren unterschiedlichen Verarbeitungsmechanismen deutlich gemacht, es wird aber in der Retrospektive noch deutlicher wenn es Kevin ist, der bleibt, weil er die Vergangenheit verdrängt, während Laurie den aktiven Umgang mit dem Ereignis im Beitritt der GR sieht. Klar ist auch, dass das Reh eine eindeutige Parallele zu Kevin ist. Es ist verwirrt, eingesperrt, scheinbar ziellos. Reagiert Kevin deswegen so harsch, wenn Laurie in spöttischem Ton darauf hinweist, dass er das Reh besser retten sollte? Ist es wieder ein klarer Fall von Foreshadowing, wenn Kevin das Reh einfach betäuben und in den Wald bringen will? Erkennt Kevin die Parallele zwischen ihm und dem Tier und landet deshalb mit der Fremden im Bett? Weil ihm klar wird, dass er sich selbst nicht retten kann? Klar ist, dass das Verschwinden ihn als Menschen eigentlich nicht geändert hat. Sowohl davor als auch danach ist er auf der Suche nach dem Sinn hinter der ganzen Sache.

Kommen wir noch zu Nora die besonders im Bezug zu ihrer Aussage, dass sie im Falle einer Zusage keine Familie haben wird, ein klares Beispiel dafür ist wie sehr die beiden Geschwister Jamison die Finger vom Wünschen lassen sollten. Wir alle tragen uns mit dem Gedanken durchs Leben, einen eventuellen Abschied von einer geliebten Person so glatt wie möglich hinzukriegen. Man will, dass die letzten gewechselten Worte liebevolle Worte sind, man möchte Zeit miteinander verbringen, wirklich miteinander und nicht nur zusammen. Noras Erinnerung an den letzten Moment mit ihrer Tochter wird für immer sein, dass sie die Kleine zum weinen gebracht hat. Neben der, nennen wir es mal vorsichtig generellen Schuld, überlebt zu haben, dürfte vor allem dies besonders schwer wiegen. Was sie wollte war ein Moment der Ruhe, ein Moment für sich. Auch hier gilt: sei vorsichtig was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen.

Es wird aber auch mehr als deutlich, dass die Dinge schon davor im Argen lagen. Jeder war auf seine Weise unglücklich und unzufrieden mit etwas. Das Verschwinden gibt dieser Unzufriedenheit ein Ventil, lässt diese Gefühle ungefiltert an die Oberfläche kommen, wo sie sich hinter einem Vorwand verstecken können. Was bleibt ist der gespenstische Gedanke, dass scheinbar auch Menschen verschwunden sind, die in diesem Moment von jemandem als Fehler angesehen wurden. Dies mag sicher nicht auf alle zutreffen, doch im Fall von Nora, Lauries Baby und der Frau, die bei Kevin war, dürfte es sicherlich treffend sein. Erinnern wir uns auch an die Frau auf dem Parkplatz, die auch eher genervt von ihrem schreienden Baby war. Es wäre so viel einfacher, wenn es nicht solchen Spaß machen würde, solche Theorien aufzustellen. 

The Garveys at their Best ist eine eindrucksvolle Folge, die sich kurz vor dem Finale die Zeit für eine Rückblende nimmt, unter deren Einfluss man getrost die ganze Serie noch einmal von Anfang an schauen kann. Die Handlungsweisen der Hauptfiguren werden nachvollziehbarer, und zwischendrin tauchen sogar ein oder zwei scheinbar unbeschwerte Momente auf. Dieses Luftholen vor dem Finale ist wohltuend und gibt alle Zeit der Welt, sich gebührend vorzubereiten auf die Dinge, die da noch kommen werden.

 
Wahllose Gedanken zum Schluss
  • Nun wissen wir also, dass Patti tatsächlich eine Papiertüte voller Exkremente vor der Tür ihres Ex abgestellt hat. Auf Lauries Rat hin.
  • Die älteren Leute, in deren Haus das Reh eingebrochen ist, sind die Eltern des geistig behinderten Jungen, die Nora in der zweiten Folgen interviewt hat. 
  • Mary hat das Auto also nur gefahren, weil Matt feiern wollte dass er keinen Krebs hat. Das dürfte zu seiner eigenen, aktuellen Misere einiges beitragen.
  • Das Gedicht, aus dem Kevin zitiert: "A Man said to the Universe" von Stephen Crane. Der Song, den er morgens beim joggen hört: "The Girl from King Marie" von Jody Reynolds.
  • Jill hat sich The Naked and Famous mit "Young Blood"angehört und mitgesungen. Ihr kennt den Song vermutlich aus einem von gefühlt hundert Werbespots für diverse, sehr innovative Produkte die euer Leben besser machen.
  • Macht auch absolut Sinn, sein Cardiotraining mit ner Kippenpause zu unterbrechen, Kevin. 
  • "The foot feels the foot when it feels the ground" ist mal wieder deeper shit. Ein Fuß ist erst dann ein Fuß, wenn er eine Erfahrung mit seinem Ich gemacht hat, also beispielsweise den Boden berührt hat und somit weiß, dass und wie er existiert und seinen natürlichen Zweck erfüllt hat. Nimm das, du eines Semester Philosophie im Nebenfach!
  • Postboxen, Rehe und Hunde waren allgegenwärtig in dieser Folge.
  • Ob Gladys den GR beigetreten ist, weil ihre Hunde durchgedreht sind? Sie schien die Tiere so zu lieben, wundern würde es mich nicht.
  • Es ist eine beruhigenden Konstante, dass Kevin schon vor dem Verschwinden Probleme mit dem Essen auf der Arbeit hatte.
  • Lost, die 29747392ste: Kevins Musik jeden Morgen hat mich an Desmond und "play our own kind of music" erinnert. Wer gerne in süßer Erinnerung schwelgen will: *klick*

Recap: The Leftovers Season 1 Episode 8: Cairo

Gute News: Die Leftovers kehren für eine zweite Staffel zurück. Noch bessere News: "Cairo" wurde von Michelle MacLaren umgesetzt. Wer ab und an meine Recaps von Game of Thrones gelesen hat dürfte schon wissen, dass ich diese Frau vergöttere. Und in dieser Leftovers-Folge liefert sie eine wahrliche Glanzleistung ab. Was genau in der Folge passiert ist, und es war eine ganze Menge (Das Wort "Clusterfuck" scheint angemessen, danke Patti), könnt ihr wie gehabt hier nun in aller Ruhe nachlesen. Und oh my, das war wohl eine der besten Stunden TV, die ich in den letzten Jahren sehen durfte. Randvoll mit Emotionen, Ereignissen und sogar ein paar Antworten. Zwar nur auf scheinbar kleinere Fragen (wo sind Kevins Hemden hin?), aber sie fügen sich in ein großes Ganzes ein, dessen Ausmaß langsam greifbar wird. Außerdem gibt's am Ende eine Gedichtanalyse, die ihr nur durchlesen solltet wenn ihr auf einen astreinen Mindfuck vorbereitet seit, oder sonstwie auf das Zeug steht.
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Beginnen wir mit dem wohl härtesten Fall von foreshadowing (wtf Wikipedia, "Epische Vorausdeutung?) seit mindestens Ewig. Nora rät Kevin, nicht zu seiner Tochter zu gehen um mit ihr zu streiten, denn dass sei was sie erreichen will. Und man, wie das Thema gegen Ende aufgegriffen wird. Zuvor eröffnet die Folge mit einer wunderschön inszenierten Parallelmontage, in der Kevin sich auf ein Abendessen und Patti sich auf den bis dato wohl abgefucktesten Plan aller Zeiten vorbereitet. Das Essen mit Kevin, Nora, Jill und Aimee läuft dann aber alles andere als erfreulich. Jill spricht Nora auf die Waffe an, die sie zu einem früheren Zeitpunkt in ihrer Handtasche gefunden hat. Nora reagiert gewohnt gelassen und lässt Kevin's Tochter seelenruhig in ihrer Tasche wühlen. Wie erwartet findet sich keine Waffe darin, der Abend ist aber trotzdem ruiniert. Später kommt es dann zur Aussprache zwischen Jill und Aimee. Aimee, darauf angesprochen ob sie eine Affäre mit Kevin hat, reagiert in typischer Manier: zynisch erklärt sie Jill, wie genau es mit Kevin so läuft, nämlich auf einem Berg von Schusswaffen. Der Bruch zwischen den beiden Mädchen resultiert in Aimees Auszug aus dem Haus der Garveys. Jill bricht zwischenzeitlich bei Nora ein und findet die gesuchte Pistole unter dem Bett eines verschwundenen Kindes, eingepackt in eine Spielverpackung. So sehr wie selten zuvor wird deutlich, dass Jill eigentlich nur ein verlassener, haltloser Teenager ist. Ihr Verhalten mag bisweilen seltsam anmuten, aber die Erklärung dahinter ist solide. Nora, die sich ebenfalls mit Verlust auseinander setzen muss, scheint damit klarzukommen. Ihr Leben geht weiter, während Jill auf der Stelle tritt. Von außen kommt keine Hilfe, denn selbst ihre Freundin Aimee scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie allein ist. Zuflucht vor der Leere sucht sie am aktuell wohl denkbar ungeeignetsten Ort überhaupt, nämlich bei den GR. 

Dort geht es in dieser Folge ebenfalls drunter und drüber. Patti ist verschwunden und Laurie übernimmt die Organisation. Reverend Matt verfolgt indes eigene Ziele. Wenn die GR es sich zum Ziel gemacht hat, zu einer anonymen, weißen Masse zu verkommen, dann ist auch klar, wieso seine Taktik so gut aufgeht. In bewährter Flyer-Manier setzt er sich mit den Mitgliedern auseinander und treibt in dieser Folge Meg in den Wahnsinn. Diese bricht kurzerhand ihr Schweigegelübde und geht laut brüllend und mit beherztem Einsatz ihrer Fäuste auf Matt los. In einer Art bizarren Rollentausch bleibt dieser mehr oder weniger indifferent und lässt Meg einfach machen. Erst Laurie ist es möglich, Meg wenigstens halbwegs zur Vernunft zu bringen. Zwar entschuldigt sie sich später bei Matt, die Klappe kann sie allerdings für die restliche Folge nicht mehr halten, sehr zum Missfallen von Laurie. Hier wird eines klar: Die GR scheinen zwar eine Lösung für ein Problem zu bieten, allerdings scheint diese Lösung nicht so simpel erreichbar zu sein, wie zunächst gedacht. Meg hat offensichtlich ihre Probleme und ist ihrem alten Leben immernoch verbunden, und auch Laurie haderte im Verlauf der Serie damit. Doch ihr Grinsen gegen Ende der Folge, welches geradezu aus Pattis Gesicht kopiert scheint, wischt diese Zweifel zunächst beiseite. Erst als Jill eines Abends vor der Tür steht verschwindet diese Selbstsicherheit in Sekundenbruchteilen. Geht man davon aus dass Laurie über die höheren Absichten der GR informiert ist, dann sollte dies der letzte Ort auf Erden sein, an dem sie ihre Tochter haben will.
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Und überhaupt, bevor wir zum Highlight der Folge kommen, was ist da in der Kirche los? Haben die GR die Fotos gestohlen, um dann die sogenannten "Loved Ones" zu den Bildern produzieren zu lassen? Und dann die Kleidung von den Bildern nachgekauft, um der Stadt am Memorial Day mal so richtig kollektiv in die Eier zu treten? Oder befanden sich, und nun wird es makaber, in dem LKW echte Leichen? Meg hat im TV ja einen Bericht über ein leeres Massengrab gesehen, könnte es mit dem Plan der GR zu tun haben? Es katapultiert den ganzen Verein jedenfalls auf der "Gemeine Menschen"-Skala ganz schön weit nach oben, so oder so. Als eine stille Erinnerung herhalten wollen, schön und gut. Aber in letzter Zeit scheinen die Aufgaben der GR nurnoch daraus zu bestehen, Menschen zu traumatisieren. Sollte sich die Vermutung bestätigen, dann riskieren die GR mit diesem, nennen wir es mal Anschlag, ihre Sympathien die ihnen der Mord an Gladys (der ja aus der Gruppe selbst kam) brachte zu verlieren, und darüber hinaus dürfte sich dann wirklich niemand mehr auf ihrer Seite befinden.

So, kommen wir also zu Kevin. Der, und ich glaube damit lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, auf keinen Fall mehr alle Frösche in seinem geistigen Teich beisammen hat. Nachdem seine Blackouts immer wieder angeteasert wurden, bekommen wir mit ihm zusammen in dieser Folge nun die Bestätigung: der gute Polizeichef führt ein aufregendes Doppelleben. Sogar eine Antwort auf die Frage, was nun mit seinen weißen Shirts los ist, bekommen wir: die hängen in Cairo, NY, im Wald verteilt. Gesellschaft leisten ihnen die vermissten Schuhe. Kevin befindet sich jedenfalls im Wald, bei einer Hütte die er in seiner Kindheit oft besucht hat. Gesellschaft leisten ihm Dean, der Hundemörder und Patti, die Anführerin der GR. Letztere ist allerdings unfreiwillig dort, denn, so erzählt es jedenfalls Dean, hat Kevin mit ihm gemeinsam nach ein paar Bierchen beschlossen, Patti zu entführen. So befindet sie sich also gefesselt in der abgelegenen Hütte und Dean ist hocherfreut, wittert er doch die Chance endlich mal jemanden umbringen zu können. Kevin steht am Rande des Nervenzusammenbruchs, da er sich an nichts erinnern kann und Patti ihm deutlich macht, dass sie ihn bei den Behörden anzeigen wird und sie so sein Leben zerstören wird. Kevin flüchtet aus der Hütte in den Wald, nur um dort seine vermissten Schuhe und seine weißen Hemden an den Bäumen zu finden. Als er zur Hütte zurückkehrt, hat sich Dean verselbstständigt und Patti mit einer Plastiktüte versorgt. Kurz bevor sie ersticken kann rettet Kevin sie, und Dean verlässt enttäuscht die Hütte.
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Markanterweise führt er kurz zuvor eine Art Selbstgespräch, ganz so wie es auch Kevins Vater gerne macht. Patti ist trotz ihrer Rettung immernoch entschlossen, Kevin das Leben zur Hölle zu machen. Und hier werden die außerordentlichen Fähigkeiten einer Regisseurin wie MacLaren deutlich. Das Gespräch zwischen Kevin und Patty in der Hütte gleicht optisch einem Spiegelkabinett direkt aus der Hölle. Zerbrochene Fenster werden zu Rahmen, innerhalb derer die Handlung stattfindet und der geistige Verfall beobachtet werden kann. Verschachtelungen, verschwommene Stellen, farbliche Kontraste erzeugen Kevins ganz persönliche Hölle, in der die Realität entschwindet und nur der nackte Wahnsinn noch übrig ist. Justin Theroux und Ann Dowd liefern Meisterleistungen ab und übertrumpfen sich im Sekundentakt gegenseitig. Patti legt alles für Kevin offen. Sie gesteht den gemeinsam geplanten und von Gladys auch akzeptierten Mord an eben dieser. Erklärt, dass auch die anderen früher oder später dran sind. Dass Laurie von Kevins Affäre weiß. Dass sie sich scheiden lässt, weil Kevin es nicht schafft, ihr einen Grund zum weitermachen zu geben. Wenn Kevin sie letztendlich doch befreit, dann tun sich Parallelen zum gefangenen Hund auf. Wir erfahren zuvor von Dean, dass Kevin den Hund gefangen hat um zu beweisen, dass sein Zustand geändert werden kann. Das verwilderte Tier kann wieder ruhig werden, wenn sich nur richtig darum gekümmert wird. Ebenso unterhält er sich mit Patti, obwohl er vermutlich selbst weiß dass dort keine Spur von Vernunft mehr vorhanden ist. Der Hund allerdings war interessanterweise am Ende scheinbar ruhiger. Ein Beweis dafür, dass Kevin Recht hat? Patti jedenfalls will er nicht umbringen. Also nimmt sie die Sache kurzerhand selbst in die Hand. Nachdem sie Kevin mit Hilfe eines Gedichtes versucht klarzumachen, was der Sinn hinter der ganzen Sache ist ("That's all any of us want now, every single one of us. Not answers. Not love. Just a reason to exist. Something to live for. Something to die for."), packt sie eine Glasscherbe und schneidet sich selbst die Kehle durch. Ihre Sache beendet sie genauso überzeugt wie eh und je, Kevin bleibt nur der Absturz in die Verzweiflung. Wenn er nach Hause kommt und feststellt, dass seine Tochter bei ihrer Mutter Zuflucht gefunden hat, dürfte es weiter abwärts gehen. 

Zusammenfassend war diese Folge unglaublich stark. Die Emotionen, die bisher in dieser Form vor allem in den Einzelfolgen um Matt und Nora spürbar waren, werden hier auf die große Fläche ausgebreitet. Die Schauspieler fahren zur Höchstleistung auf, Michelle MacLaren regiert mit gewohnt souveräner Hand und erzeugt ungeahnten Horror durch ihre gekonnt eingefangenen Bilder. Wer jetzt noch Lust auf ein bisschen wirre Theorie bezüglich Dean, Patti und dem zitierten Gedicht hat, der ist herzlich eingeladen hier noch weiterzulesen. Der Trailer für die finalen beiden Folgen verspricht zudem eine absolute Eskalation der Gegebenheiten. Zu bestaunen ist er hier:


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So, betreiben wir doch mal ein bisschen Gedichtinterpretation. Ich weiß, die meisten von euch (mich eingeschlossen) haben unter dem Thema in der Schule arg gelitten. Dass es auch anders geht, will ich hier demonstrieren. Befassen wir uns also mit dem Gedicht von Yeats, vor allem mit der zitierten zweiten Strophe. Relevant ist erstmal nur, dass Patti zu Beginn der Folge, vermutlich sogar schon länger, wusste dass sie sterben wird. Die Pferde, auf die in beiden Strophen Bezug genommen wird, können sowohl aus der irischen Sagenerzählung (wer mag kann ja mal Manannán mac Lir googlen) als auch aus der Bibel (Apokalyptische Reiter) stammen. So oder so, sie weisen auf ein welterschütternden Ereignis hin. Der Sprecher des Gedichtes, Michael Robartes, verabschiedet sich im Wissen um dieses Ereignis also von seinen Geliebten. So wie sich auch Patti in dieser Folge, mit diesen Zeilen verabschieden will. Doch von wem? Ihr Kult ist weit weg. Den ominösen Neill haben wir bisher nicht zu sehen bekommen. Dean macht ja bisher ganz gerne einen auf Tyler Durden. Zwar findet minimale Interaktion mit anderen Bewohnern von Mapleton statt, aber selbst Patti bezeichnet ihn als Geist. Dass er Selbstgespräche führt und sich als Schutzengel sieht wirkt ebenfalls seltsam. 
Ich lehne mich also mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass sowohl Patti als auch Dean nicht exisitieren. Beziehungsweise nur innerhalb von Kevins Kopf und Vorstellung existieren. Während Dean dann sozusagen der Mr. Hyde zu Kevins Dr. Jekyll ist, könnte Patti eine Art fiese Version von Laurie sein. Was Sinn machen würde, da Kevin so eine Möglichkeit hätte, mit dem verschwinden seiner Frau umzugehen. Wenn die zweite Strophe des Gedichtes ein Abschied ist, dann vielleicht einer zwischen Kevin und Laurie?

Dass es sich bei den beiden um Einbildungen handelt, wird durch einige Hinweise und Unstimmigkeiten in der Serie durchaus untermauert. Zunächst einmal existiert zumindest Dean nicht im Buch und Patti hat eine deutlich kleinere Rolle. Auch die Hemden, die im Wald hängen, sind eine Unstimmigkeit. Wie kommen sie dort hin? Entweder Kevin ist andauernd nicht zurechnungsfähig und unternimmt dann jedes Mal eine stundenlange Autofahrt. Denn Cairo, NY liegt 5 Stunden Fahrt von Mapleton, NY entfernt. Oder es handelt sich bei Mapleton um eine nicht real existierende Stadt. Außerdem müsste ihm aufgefallen sein, dass die Hemden die er aus der Reinigung mitgenommen hat, garnicht seine Hemden waren, da das Logo gefehlt hat. Oder er bekam seine Hemden zurück, dann wären die Hemden im Wald nur Einbildung. Außerdem waren die nun wirklich komisch an die Bäume gehängt. Auch ist die Nachricht auf Noras Anrufbeantworter unverständlich. Ich bezweifle ganz arg, dass man in den USA im Wald keinen Empfang mit dem Handy hat. Auch die Wahl der Hütte als Austragungsort macht Sinn, denn Kevin kennt die Hütte und verbindet positives mit ihr. Und zuletzt könnte der Song "I've got Dreams to remember" auch ein Hinweis sein. 

Natürlich könnte dies hochgradiger Unsinn sein. Zumindest Patti hat eine Menge Kontakt zu anderen Menschen gehabt, und ihre Gruppe vermisst sie auch. Vielleicht sind sie beide trotzdem ein Stück der Einbildung von Kevin, sozusagen eine Art Engel und Teufel auf der Schulter. Patti bezeichnet Dean immerhin als Geist, sie erkennt an dass er existiert, aber sie findet keinerlei Informationen über ihn. Und wir dürfen auch nicht vergessen, dass Kevin bis vor kurzem Medikamente genommen hat wie andere Leute Smarties essen. Selbst wenn man solche Medikamente absetzt, hat man noch eine ganze Weile mit Nebenwirkungen zu tun. Und so sehr ich auf Stilmittel wie unzuverlässige Erzähler (und das ist Kevin auf jeden Fall) stehe, wäre es vielleicht doch zu weit gegriffen zu behaupten, dass Patti und Dean nur Einbildung sind. Denn daraus würde unweigerlich folgen, dass man sich bei niemandem in der Serie sicher sein kann, dass sie existieren. In diesem Fall wäre ein Szenario ähnlich dem von Shutter Island denkbar. Dann würde Kevin sich allerdings wirklich seine gesammte Umwelt ausdenken. Ich bin mir nicht sicher ob ich davon genervt wäre, oder es clever finden würde. So oder so, es bleibt alles ein übler Mindfuck. Einer, den ich in vollen Zügen genieße.

Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Musik in dieser Episode: "I've been Buked" von Alvin Ailey zum Beginn der Episode. "I've got dreams to remember" von Otis Redding, wenn Nora bei den Garveys zum Essen eingeladen ist. Max Richters "The Twins" wenn Jill den Hund freilässt und "All my trials" von Odetta in den Credits am Ende.
  • Patti zitiert ein Gedicht von W.B. Yeats, "Michael Robartes bids his beloved be at peace". Und weil ich Gedichte mag, könnt ihr es hier lesen: 
I hear the Shadowy Horses, their long manes a-shake,
Their hoofs heavy with tumult, their eyes glimmering white;
The North unfolds above them clinging, creeping night, 
The East her hidden joy before the morning break, 
The Wet weeps in pale dew and sighs passing away, 
The South is pouring down roses of crimson fire:

O vanity of Sleep, Hope, Dream, endless Desire,
The Horses of Disaster plunge in the heavy clay:
Beloved, let your eyes half close, and your heart beat
Over my heart, and your hair fall over my breast, 
Drowning love's lonely hour in deep twilight of rest, 
And hiding their tossing manes and their tumultuous feet.




























Recap: The Leftovers Season 1 Episode 7: Solace for tired feet

Nachdem sich die verdammt gute Folge der letzten Woche um Nora Durst drehte und damit endete, dass sie auf Wayne traf und sich umarmen lies, geht es diese Woche weiter in Sachen Garvey-Drama. Zeitgleich werden alle vorhandenen Handlungsstränge vorangetrieben, da alle bisherigen Gruppierungen einen Auftritt haben. Es gab auch eine Menge Hinweise, die vor allem die Anhänger von "Lost" in helle Aufregung versetzt haben dürften, die gleichzeitig aber vermutlich besser ignoriert werden, denn: Antworten bekommen wir ja eh keine. Außerdem war es wohl niemals so schwer, das Geschehen einer Folge zusammen zu fassen. Ich entschuldige mich also schonmal im Voraus für das eventuell etwas wirre Recap. Aber lest selbst.

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Wir feiern dir Rückkehr von Opa Garvey. Der Mann, der sich selbst einweisen lies weil er unter anderem eine Bibliothek anzündete. Während ich mich also fragte, wieso man seine Wut gerade an einer Bibliothek auslassen muss, verprügelt Kevin Senior munter Polizeibeamte. Zwischendrin rettet er noch seine Enkelin aus einem Kühlschrank und sorgt für allerhand Verwirrung. Ach ja, der Kühlschrank. In einem weiteren, seltsamen Versuch, die "Jugend von Heute" zu charakterisieren, verbringt unsere Teenagergruppe ihre Zeit im Wald bei einem alten Kühlschrank. In diesem war am 14. Oktober ein Mobbingopfer eingesperrt, welches dann verschwand. Jill fühlt sich genötigt, den traurigen Rekord zu brechen. Das gelingt ihr auch, doch dann bricht der Türgriff ab und sie droht zu ersticken. Als das weiße Licht Überhand zu nehmen droht, öffnet ein mit Bademantel bekleideter Opa Garvey die Kühlschranktür mit den Worten "Don't tell your father about this", und so schnell wie er aufgetaucht ist, verschwindet er auch wieder.

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Kevin setzt es sich natürlich zum Ziel, seinen Vater zu finden und wieder in die Anstalt zu bringen. Doch er hat nebenbei noch alle Hände voll zu tun. In Momenten ungewohnter Leichtigkeit verbringt er Zeit mit Nora, die in einem Gartenschlauch ein patentes Mittel zur GR-Abwehr gefunden hat. Doch in den eigenen vier Wänden wartet neben einer ganzen Apotheke voller fragwürdiger Medikamente auch noch die Tatsache, dass er seinen Verstand scheinbar verliert. Angekettet im Hinterhof befindet sich eines Morgens ein Hund. Kevin selbst hat nur Erinnerungsfetzen, durchzogen mit seinen eigenen Halluzinationen. Auf der Ladefläche von Deans Truck sieht er nichtmehr nur tote Hunde, sondern tote GR-Mitglieder, darunter seine Frau. Und der Biss, den er auf dem Handrücken trägt, ist eindeutig nicht von einem Hund, sondern von einem Menschen. Aimee, die mittlerweile scheinbar im Haus der Garveys lebt, scheint zu wissen was passiert ist, doch Kevin weicht der Konfrontation mit seinen nächtlichen Aussetzern zunächst lieber aus.

Kevin trifft sich dann doch mit seinem Vater, der zwischenzeitlich bei Reverend Matt untergekommen ist. In einem gut besuchten Diner unterhalten sich Vater und Sohn. Grandpa Garvey will seinem Sohn eine alte Ausgabe der National Geographic schenken, in der sich angeblich die Antworten auf Alles befinden. Die Zeitschrift ist eine Einladung, ähnlich der roten Pille aus der Matrix. Doch Kevin will keine Stimmen hören, will nicht wahnsinnig werden. Er bringt seinen Vater zurück in die Anstalt, schmettert den Versuch von Matt, mit Bibelzitaten die Lage zu klären, ab. Doch so ganz wehren kann er sich nicht, denn als er nach Hause kommt, liegt die besagte Ausgabe auf dem Küchentisch. 

Tom stellt derweil fest, dass er sich in einer recht miesen Lage befindet. Nicht nur hat er eine kranke, hochschwangere Christine bei sich, Wayne ruft an und weiß zunächst nicht, mit wem er eigentlich redet. Er fordert eine Geldübergabe, und Tom wird neugierig. Den Empfänger des Geldes verfolgt er, nur um festzustellen dass er nicht der einzige ist, der eine schwangere, asiatische Frau zum Aufpassen bekommen hat. Christines Ebenbild sieht sich allerdings bedroht ("mein Baby ist das Einzige", reiss dich zusammen, Lady) und schießt auf Tom. Wenigstens trifft sie ihn nur an der Hand. Tom flüchtet in sein provisorisches Zuhause und findet Christine mit ihrer neugeborenen Tochter in der Badewanne. Das Handy, welches Wayne ihm gegeben hat, zerstört er und alles deutet darauf hin, dass Tom die Verbindungen zu Wayne kappen wird.

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Die Parallelen zwischen Kevin und Tom sind zahlreich in dieser Folge. Beide haben eine Verletzung an der gleichen Hand, beide brechen in andere Häuser ein, haben Probleme mit einem Briefkasten und beide zerstören ein Telefon. Auch das Gefühl, vom Vater verlassen worden zu sein, ist vorhanden, ebenso wie eine gewisse Antriebslosigkeit. Ich weiß ja, dass wir uns alle zusammenreissen müssen weil wir ja eh keine Antworten auf garnichts erwarten dürfen, aber holy! Diese Folge hat so richtig Spaß gemacht mit all ihren Parallelen, Hinweisen und neuen Rätseln. Ich schätze, ich sollte mich beruhigen gehen. Mal sehen, ob das bis zur nächsten Folge klappen wird.

In einem weiterem Nebenplot befindet sich Matt auf einem ganz eigenen Kreuzzug. Den Tod von Gladys nutzt er geschickt, um Kampagne gegen die GR zu machen. Überall in der Stadt tauchen Plakate von Gladys auf, versehen mit dem Schriftzug "Save Them". Den GR bleibt nichts anderes übrig, als ihre Haltung aufzugeben und eine Gegendemo zu starten. Wenn sie dort auf der Straße stehen, die Plakate mit einem "Don't" ergänzt hochhalten, kann man sich sicher sein, dass Matt dieses Scharmützel gewonnen hat. Sein Plan für das große Ganze bleibt allerdings weiterhin verborgen. Meg berichtet Laurie außerdem, dass Kevin nun eine Beziehung mit Nora aufbaut, doch Laurie scheint das egal zu sein. Dennoch sieht sie jedes Mal reichlich betroffen aus, wenn sie ihre Tochter sieht.
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Es ist sicherlich erfreulich, dass Kevin beschlossen hat seinem eigenen Wahnsinn nun ohne die Hilfe zahlreicher Medikamente entgegenzutreten. Auch hat er mit Nora wohl die perfekte Unterstützung gefunden, um klarzukommen. Die beiden passen wirklich gut zusammen und scheinen sich zu ergänzen. Wohin diese Serie, die sich von Woche zu Woche mehr zu einer Charakterstudie in Sachen verworrener Psyche entwickelt, letzten Endes gehen wird, bleibt abzuwarten.


Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Parallelen, überall. Wenn Kevin durch die Gruppe GR rennt erinnert es an die Szene in der Christine zwischen all den Puppen steht. Beide waten praktisch durch ein weiß gekleidetes Meer von Toten.
  • Befassen wir uns nur so zum Spaß mal mit dieser Ausgabe der National Geographic aus dem Jahr 1972 (oh Internet, wie ich dich liebe für deine endlosen Möglichkeiten, Dinge zu finden). Die Titelthemen der Ausgabe sind diese hier: Der Hundertste Geburtstag des Yellowstone National Parks, Kairo, Leben in einem japanischen Dorf, ein Minoisches Rätsel und eine Spinne, die unter Wasser lebt. Die Folge der nächsten Woche wird "Cairo" heißen, Cairo war in dieser Folge auch über die Walkie-Talkies in der Traumszene zu hören. Das Rätsel um das verschwinden der Minoischen Kultur, bei der niemand etwas genaues weiß, ähnlich wie bei unseren Departed hier. Viel interessanter finde ich allerdings die Sache mit der Spinne, die unter Wasser lebt. Denn genau darüber spricht Christine in ihrem Fieberwahn. Es scheint recht offensichtlich, dass es sich dabei um Wayne handeln muss. Doch wie das nun alles zusammenhängt bleibt ein Rätsel. Es sei denn, Grandpa Garvey hört Waynes Stimme in seinem Kopf.
  • Matt's Zitat findet sich in der Bibel und im Koran in den Geschichten um Josef. Im Ganzen liest es sich so: "My son, relate not thy vision to thy brothers, lest they concoct a plot against thee: for Satan is a clear enemy to humanity.". Eindeutig ein Hinweis von Matt darauf, dass Kevin seinen wachsenden Wahnsinn für sich behalten sollte, würde ich meinen. 
  • Hätte die "Bridge", also das Baby, ein Junge sein sollen? Christine scheint niedergeschlagen über die Tatsache, dass sie eine Tochter hat. Fühlt Tom sich vielleicht bestraft? Wenn er die Verbindung zu Wayne abbricht und Christines Baby nun wirklich "wertlos" ist...hach ja, Rätsel. Andererseits könnte die Tatsache, dass es sich um ein Mädchen handelt, auch einfach dafür sprechen dass Wayne ein zwielichtiger Typ ist, der gerne mit vermutlich minderjährigen Asiatinnen Sex hat. Wer weiß? 
  • Bisher sind die Leftovers noch nicht für eine zweite Staffel erneuert worden. HBO, mach keine Mist, ich will mehr davon.


Recap: The Leftovers Season 1 Episode 5: Gladys

Wir alle kennen Gladys. Die Frau bei den GR, die vermutlich den bösesten Blick drauf hat. Die am längsten vor fremden Häusern steht, und die selbst noch der Hilfsbereitschaft des Reverend ihr eisiges Schweigen entgegensetzt. Während ich mich also, hauptsächlich wegen des Episodentitels, mächtig darauf gefreut habe mehr Backgroundstory zu bekommen, musste ich mir auch schon ansehen, wie Gladys nach einer kurzen Visite in Pattis Büro, in dem Tränen flossen, stirbt. Oder vielmehr: ermordet wird. Oder vielmehr: gesteinigt wird. Als ihre Kollegin kurz die Toilette der Tankstelle aufsucht, wird sie von Unbekannten, maskierten Leuten in den nahen Wald gezerrt, an einen Baum gefesselt und gesteinigt. Immer weiter fliegen die Steine, treffen ihr Gesicht, zerstören es völlig, Blut tropft auf den Boden. Die Steine hören auf zu fliegen als Gladys spricht, darum bittet und fleht, aufzuhören. Nach einer kurzen Pause trifft ein letzter Stein und tötet sie. 
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Was diese Szene beinahe unerträglich macht, ist die Tatsache, dass die Kamera zu keiner Sekunde versucht, etwas auszublenden. Dreizehn Mal hört man das ekelhafte Geräusch von brechenden Knochen und Knorpel. Je weicher Gladys Gesicht wird weil ihm die Struktur der Knochen abgeht, desto widerlicher wird dieses Geräusch. Wir sehen ein Gesicht, dass Steinwurf für Steinwurf seine Menschlichkeit verliert, herausgeprügelt bekommt. Die Nähe der Kamera zu Gladys erweckt beinahe das Gefühl, dass die Steine nicht nur auf sie, sondern auf den Zuschauer geworfen werden. Und obwohl wir als Zuschauer Gladys kaum kannten und das Letzte was wir davor von ihr gesehen haben war, dass sie an einem gefallenen Mann einfach vorbeigeht, fühlt es sich unglaublich falsch an, dass sie stirbt. Und vor allem, auf diese widerliche, entwürdigende, unmenschliche Art. Wer auch immer die Steine geworfen hat, hätte aufhören können als sie angefangen hat zu sprechen, als jedem klar wurde dass sie trotz ihres Verhaltens eben auch ein Mensch ist, der leben will. Wie wir alle. Hätte...

Was uns natürlich zur Frage bringt: wer hat Gladys getötet? Als die halbe Stadt wegen des Mordes zusammenkommt und eine Ausgangssperre verhängt wird, spricht Dean (der also wirklich real ist) an, was sich vermutlich viele dachten: Wenn Gladys am Anfang Tränen in Pattis Büro vergießt und Patti ihr verschwörerisch zunickt, tut sie das, weil sie als Märtyrer auserkoren wurde? Wir erfahren später, dass ihr Sohn im Jemen gestorben ist. Vielleicht weint sie auch deshalb. Auch der Reverend käme in Frage. Zwar hat er ein Alibi und auch sein restliches Verhalten in der Episode wäre unpassend, aber wir wissen ja alle, dass er auch anders kann. Kevin's Gespräch mit der AFTEC lässt noch die Vermutung zu, dass die Regierung damit zu tun haben könnte. Aber ich würde aus dem Bauch heraus den GR oder mindestens mal Patti die Schuld an diesem Verbrechen zuschieben. Mal sehen, ob wir dazu noch etwas erfahren werden. 
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Der Mord an Gladys bringt Kevin jedenfalls in eine für ihn ungewohnte Lage: So ziemlich als einzige Person in der ganzen Stadt will er die GR nun beschützen. Vermutlich hauptsächlich, weil seine Frau Mitglied ist. Er verhängt die Ausgangssperre, und einmal in ihrem Leben kooperiert selbst Patti. Um das Schweigegelübde zu umgehen, verteilt er außerdem Trillerpfeifen, auf welche die Polizei reagieren wird. Laurie, die auch dabei war als Gladys gefunden wurde, erleidet mittlerweile eine handfeste Panikattacke. Patti nimmt sie also kurzerhand mit auf einen Ausflug. Die beiden fahren in ein Motel und leisten sich den Luxus eines eigenen Zimmers. Laurie scheint sich seit ihrem Beitritt in keinem Spiegel mehr gesehen zu haben und genießt auch sonst die Vorzüge eines voll ausgestatteten Zimmers. Am nächsten Morgen liegen normale Klamotten neben ihrem Bett und Patti wartet im Restaurant auf sie. Und sie spricht. Ich meine mich dunkel daran zu erinnern, dass Laurie früher Psychologin war, falls dem so wäre würde ich mein letztes weißes Hemd darauf verwetten dass Patti ihre Patientin war.  

Laurie weigert sich jedoch, mit Patti zu sprechen, also bleibt Patti nur ein langer, verwirrender Monolog. Wir erfahren etwas von ihrer und Gladys Backgroundstory, und es wird deutlich dass selbst eine Anführerin wie Patti noch menschliche Züge in sich trägt. Als die beiden nach diesem langen Tag wieder nach Hause kommen, erwartet sie bereits Meg, die nun ein vollwertiges Mitglied ist und sich ebenfalls in weiß gekleidet hat. 

Kevin kämpft in dieser Folge außerdem mit seinem Kleiderschrank. Seine ganzen weißen Hemden sind verschwunden. Ein Besuch im Waschsalon bringt ihm auch keine neuen Hemden, dafür aber die Konfrontation mit einem sichtlich uninteressierten Mitarbeiter. Ähnlich wie schon in der Folge mit dem verschwundenen Bagel stattet Kevin dem Ladenbesitzer nach Feierabend noch einen angetrunkenen Besuch ab. Der verängstigte Mensch erinnert sich nun doch an die Hemden und gibt Kevin acht weiße Hemden mit nach Hause, die er auch nicht bezahlen muss. Nun haben die Arbeitshemden von Kevin diese Aufnäher an den Schultern, die man bei seinen neuen Errungenschaften nicht gesehen hat. Hat er einfach so fremder Leute Hemden mitgenommen?
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Die Einmischung in den Fall durch die AFTEC liefert ein weiteres Stück an Information zum landesweiten Umgang mit Gruppierungen wie den GR. Nachdem Kevin seinen telefonischen Kontakt ewig und drei Tage lang nicht erreicht und am Ende feststellen muss, dass einmal eingeleitete Prozesse nicht aufzuhalten sind, eröffnet sich die erschreckende Tatsache dass sich um Morde dieser Art niemand kümmern wird. In den Nachrichten, die ganz zu Beginn der Folge im Hintergrund laufen, erfahren wir von einer Art Anschlag der Regierung auf das Haus eines solchen Kults. Als der Agent ihm am Telefon anbietet, ein paar Leute vorbeizuschicken und sich "um das Problem zu kümmern, dass danach garantiert nicht wiederkommen wird", wird Kevin klar, dass er langfristig einen Kampf gegen Windmühlen führen wird, wenn er die GR verteidigen will.

Einziger Schwachpunkt in der Serie bleibt bisher für mich Jill. Wenn sie ihre Hand ins Feuer hält und Aimee fragt, ob das schon alles ist, was sie kann, bleibt mir nur, zuzustimmen. Ich bin mir nicht sicher ob es daran liegt, dass die Autoren nicht so recht zu wissen scheinen, wie man Teenager anständig schreibt, oder ob das so Absicht ist. Wobei ich ihr zugestehen muss dass sie in dieser Folge einen großen Moment hatte. Wenn Kevin in der Schule auftaucht und sie für eine Sekunde annimmt, dass ihre Mutter gestorben ist, nur um dann festzustellen, dass ihre Mutter nicht um sie weinen würde, spürt man kurz den stechenden Schmerz, den ein verlassenes Kind empfinden kann. Als ihr Vater ihr eröffnet, dass er die Scheidungspapiere unterschreiben wird, muss auch Jill feststellen dass ihre Mutter einfach nur eine Person ist, die ihre Familie verlassen hat für ein Konzept, dass vielleicht in den Ansätzen noch irgendwie greifbar ist, dessen Ausführung aber bar jeder Vernunft läuft.

Laurie, die in der ganzen Folge sichtbar unsicherer wurde, demonstriert ihre Entschlossenheit am Ende. Als Reverend Matt mit ein paar anderen vor dem Haus der GR auftaucht und eine Nachrede auf Gladys hält, während die anderen Leute schweigend Kerzen in der Dunkelheit tragen, stürmt sie hinaus. Die kurze Annahme, dass sie wieder in das normale Leben zurückfindet, wird jäh zerstört als sie Matt mit der Trillerpfeife entgegentritt. Es ist ein Duell der besten Schauspieler. Amy Brenneman, die in der ganzen Serie nicht spricht und all ihre Emotionen stillschweigend vermittelt auf der einen Seite, Christopher Eccleston, dem das Entsetzen und die Resignation ins Gesicht geschrieben steht auf der anderen. Lauries Verhalten spiegelt exakt jenes Verhalten dieser fanatisch religiösen Menschen wieder, die nicht in der Lage sind andere Meinungen auch nur anzuhören. Eine unglaublich kraftvolle Szene, die trotz ihres Schweigens am Ende Bände spricht. 
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The Leftovers entwickelt sich zur Staffelhalbzeit zu einer Serie, die den Horror derjenigen, die überlebt haben, greifbar macht. Mir ist selten eine Serie untergekommen, die so deprimierend sein kann, gleichzeitig ist es aber auch eine detaillierte Charakterstudie über den Umgang mit Verlust. Wenn der Reverend sein Bibelgleichnis auspackt wird deutlich, was die GR zu so einer Belästigung macht. Es lässt sich nunmal nicht verleugnen, dass 140 Millionen Menschen einfach so verschwunden sind. Kulte wie die GR erinnern die Hinterbliebenen jeden Tag daran, einfach nur weil es die Wahrheit ist. Und die Wahrheit lässt sich nur schwer verdrängen. Wenn selbst der Apostel Thomas damals schon erkannte, dass es einfacher ist, ruhig zu sein, dann gilt dies uneingeschränkt auch in der Situation, in der die Figuren sich befinden. Doch es wird sich gegen das Schweigen entschieden, scheinbar mit allen daraus folgenden Konsequenzen. Dass selbst die Regierung vor dieser Situation kapitulieren muss, wird ebenfalls deutlich wenn Agent Kilaney anbietet, sich um das Problem zu kümmern. Es wurde schon deutlich im Umgang mit Wayne und seinen Leuten, und am Ende dieser Folge, wenn die Leichen fein säuberlich aufgereiht in der Halle liegen und wir Gladys bis zu ihrer Verbrennung begleiten. Sie werden nicht als Menschen behandelt, sondern als Abfall. Die Kapitulation ist gleichzeitig die Eröffnung eines viel schlimmeren Szenarios: Andersdenkende werden verfolgt, vielleicht noch halbherzig heimlich, aber für wie lange noch? 

Tom Perrotta, der das Buch geschrieben hat, auf dem die Serie basiert, hat selbst erklärt, dass diese Geschichte eine Allegorie auf 9/11 darstellt. Auch damals verschwanden Menschen, musste mit dem plötzlichen Verlust umgegangen werden. In der Serie gibt es scheinbar Krieg im Jemen, wir alle wissen wie es nach 9/11 gelaufen ist mit dem Krieg in anderen Ländern. Konflikte um Religion weiten sich aus. Darin wird auch die letztendliche Lösung dieser Serie liegen. Wir werden ziemlich sicher niemals erfahren, wieso diese Menschen verschwunden sind. Aber wir werden Zeuge der Veränderungen, die ein solcher Einschnitt in das Leben der Hinterbliebenen haben kann. Wir werden sehen, wie eine ganze Gesellschaft dem Abgrund entgegenschlittert im aussichtslosen Kampf um die Wiederherstellung einer Ordnung, die sie selbst geopfert hat. Schon Benjamin Franklin sagte im Jahr 1775: They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.

Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • HBO, irgendwann reicht es auch mal damit, dauernd Leute zu zeigen, deren Köpfe zu Brei verarbeitet werden. 
  • Wer ist Neil? Wieso nimmt die die Tüte mit auf die Toilette? Gehört Patti zu den Leuten die es witzig finden, eine Tüte voller Scheisse vor die Haustür anderer Leute zu stellen? WHAT'S IN THE BAAAG???
  • Coming up on The Leftovers: Was wird als nächstes verschwinden? Erst Menschen, dann Bagel, Baby Jesus und nun Shirts. Außerdem: welche technische Errungenschaft wird Kevin als nächstes das Leben schwer machen?
  • Die Kameraarbeit während Lauries Panikattacke war wirklich grandios. 
  • Was ist das bitte für ein Arzt, der Tabletten verschreibt wie Smarties? Unfassbar.
  • "I say 'fuck', too". Ich mag den Reverend.

Serien-Recap: The Leftovers Season 1, Episode 4: B.J. and the A.C.

Nachdem sich in der letzten Folge auf eine Person außerhalb der Garvey-Familie konzentriert wurde, kehren wir nun zu dieser zurück. Die Folge bringt eine Seltenheit mit sich: es gibt zwei Regisseure, da Lesli Linka Glatter wohl kurzfristig zu ihrer eigentlichen Serie Homeland zurückmusste. Was mächtig in die Hose hätte gehen können, nimmt aber ein gutes Ende. Außerdem geht es in der Serie mit Riesenschritten auf Weihnachten zu. Lest hier noch einmal nach, was sonst so passiert ist. 

Schon in unserer Welt ist Weihnachten für viele keine erfreuliche Angelegenheit. Die Bars und Kneipen haben in diesen Tagen Hochkonjunktur, die Selbstmordrate steigt kurzzeitig auch an. Es sind diese Feiertage, die für die ganze Familie gemacht sind, die einen merken lassen, was einem fehlt. In der Welt, in der Leftovers spielt, hat die hinterlassene Lücke ähnliche Auswirkungen. So besteht ein Großteil der Folge aus dem Versuch, sich mit einem Familienfest zu arrangieren wenn die eigene Familie in Schutt und Asche liegt. Man wäre so kurz davor, ein schönes Fest zu haben. Aber dann fehlt eben doch etwas. 
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Die Folge fängt ungewöhnlich an. Wir begleiten eine Babypuppe durch ihre gesamte Produktion, verbringen eine Zeit mit ihr im Regal des Geschäfts, werden mit ihr gemeinsam gekauft, umgezogen und landen schließlich in der öffentlich ausgestellten Krippe von Mapleton. Nachts bekommen wir Besuch von den GR, tagsüber kommen andere Leute vorbei. Doch plötzlich ist die Krippe leer, Baby Jesus ist verschwunden. 

Kevin Garvey verbringt seine Zeit derweil damit, mehr Infos über die GR zu sammeln. Außerdem will ein Ball vorbereitet werden. Zu diesem Zweck setzt er sich mit Patti, der Anführerin der GR, zusammen. Er bittet sie, dem Ereignis fern zu bleiben, damit die Leute endlich mal wieder wenigstens für einen Tag sorglos sein können. Patti äußert sich natürlich nicht, nichtmal schriftlich. Kevin setzt eine Grenze um das Gebäude in dem der Ball stattfindet und droht mit Haft, falls die GR diese Grenze überschreiten. 
Man weiß in diesem Moment schon genau, dass die GR sich niemals dieser Bitte fügen werden. Patti, die ja nur Stift, Zettel und ihr Gesicht zur Kommunikation besitzt, präsentiert hier ein Pokerface das gleichzeitig alles und nichts sagt.

Kevins andere Aufgabe in dieser Folge ist die Wiederbeschaffung des gestohlenen Jesus. Zuerst mächtig angenervt von dieser Aufgabe, sind es Jill und Aimee die für den Sinneswandel sorgen. Als er ihnen eröffnet, dass einfach ein neues Baby gekauft wird, protestieren die beiden Mädchen. Immerhin ist Jesus heilig und der Sohn Gottes, der kann nicht einfach so ersetzt werden. Was auch immer es ist, Kevin wird vom Ehrgeiz gepackt. Vielleicht weil sein eigener Sohn ebenfalls vermisst wird? Wer weiß. 

Tommy ist derweil immernoch mit der schwangeren Christine unterwegs. Christine freundet sich unterwegs mit seltsamen Menschen an. Einer von diesen, minus seiner Hose und Unterhose, greift sie beim Essen an, schlägt sie und brüllt immer wieder dass er sie im Traum gesehen hat, und dass sie über Leichen gegangen wäre. Außerdem weiß er, was in ihr drin ist. Creepy. Tommy schlägt den Mann zusammen und die beiden hauen ab. In einem Krankenhaus wird Tommy verdächtigt, Christine geschlagen zu haben. Statt sich sachlich mit der Krankenschwester auseinanderzusetzen, haut er kurzerhand ab. An einer Bushaltestelle ist er kurz davor, in den nächsten Bus nach hause zu steigen. Vorher versuchen die GR noch, ihn mit einer ihrer Broschüren zu ködern, vergeblich. Tommy fängt ein Gespräch mit Waynes Telefon an, und, oh Wunder, es klingelt kurz bevor er in den Bus steigt. Am anderen Ende ist aber nur die mittlerweile bekannte Werbung zu hören, die sich an diejenigen richtet die jemanden verloren haben. Tommy macht sich auf den Weg ins Krankenhaus und findet unterwegs eine weitere Randgruppe. Die sind ohne Schuhe unterwegs und tragen das Zeichen der Royal Air Force auf der Stirn, was sie praktisch unsichtbar für die restliche Bevölkerung macht und zeitgleich sicherstellen soll, dass die Träger des Zeichens beim nächsten Mal auch getroffen werden. Tommy und Christine hauen abermals ab. 

Kevin ist derweil unterwegs um Jesus zu retten. Videomaterial hat ergeben, dass seine Tochter und die Zwillinge Verdächtige sind. Die Jungs streiten das natürlich ab, sind aber sichtlich eingeschüchtert und nervös. Jill zieht währenddessen ihren eigenen Plan durch. Zusammen mit ein paar Freunden trifft sie sich abends am See oder Fluss, mit Jesus als besonderem Gast. Die Puppe darf rauchen, wird mit Urin getauft und soll letztendlich, in Alkohol ertränkt, eine Art Wikingerbegräbnis auf dem offenen Wasser finden, stilecht angezündet mit einem brennenden Plastikpfeil. Doch Jill verliert im letzten Moment, aus welchem Grund auch immer, die Nerven. Die restlichen Teenager werden ratlos zurückgelassen. 

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Kevin hat währenddessen zuhause Besuch. Seine Frau Laurie ist dort, zusammen mit Meg. Aber die beiden bringen keine guten Neuigkeiten. Laurie lässt Meg einen Brief vorlesen, in dem sie die Scheidung fordert. Wir erfahren außerdem, dass Tommy garnicht Kevins Sohn ist. Kevin weigert sich, die Papiere zu unterzeichnen und brüllt seine Frau an, verzweifelt weil sie nicht mit ihm spricht. In diesem Moment kommt Jill nach Hause. Nachdem sie ihre Fassung wiedererlangt hat, übergibt sie ihrer Mutter ein kleines Geschenk, denn immerhin ist bald Weihnachten. So schnell wie sie die Szene betreten hat, ist sie auch wieder in ihrem Zimmer verschwunden. Laurie und Meg verlassen das Haus ebenfalls. In dem kleinen Päckchen ist ein Feuerzeug, darauf eingraviert stehen die Worte "Don't forget me". Laurie wirkt indifferent, Meg verspricht nichts zu sagen, wenn sie das Feuerzeug behält. Doch Laurie wirft es in den nächsten Kanal am Straßenrand. 

Für Kevin ist es wohl der ultimative Schritt in Richtung der Erkenntnis, dass seine Ehe gescheitert ist. Vermutlich will er auch deshalb nicht unterzeichnen. Solange die beiden auf dem Papier noch ein Paar sind, besteht die Hoffnung dass seine Frau zu ihm zurückkehrt, dass seine zerstörte Familie wieder ganz wird. Es ist ein unwahrscheinliches Happy End, an dass Kevin sich klammert, mit all seiner Kraft.  Er fragt in meinen Augen außerdem völlig zu Recht, ob Laurie von Patti zu diesem Schritt gezwungen wird. Die GR kaufen sogar Kirchen, vielleicht hätten sie gerne noch ein weiteres Haus? Außerdem ist es ein ziemlich tiefer Schlag gegen Kevin und wird ihn sicher weiter verunsichern und/oder seinen Hass auf die GR schüren. 
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Tommy und Christine sind mit dem Bus unterwegs. Als gerade eine Diskussion im Begriff ist, loszugehen, gibt es beinahe einen Unfall. Niemandem passiert etwas, aber als die Leute aussteigen bietet sich ein seltsames Bild. Da es für die Menschen, die jemanden verloren haben, unmöglich ist eine Beerdigung abzuhalten, werden Puppen nach den Abbildern der Verschwundenen hergestellt. Die Werbung dafür war bereits in der Serie zu sehen. Ein Meer von diesen Plastikleichen, alle in weiß gekleidet, liegt nun auf der Straße. Mittendrin steht Christine und freut sich, denn das sieht genauso aus wie der Traum des hosenlosen Mannes. Ehm, ja. 

In Mapleton findet endlich der Ball statt. Kevin bringt das wiedergefundene Jesuskind mit, nur leider interessiert sich niemand dafür. In einer Welt, in der so dermaßen an Gott gezweifelt wird, scheint Baby Jesus nun wirklich keine wichtige Angelegenheit, selbst wenn er geklaut wird. Kevin macht sich also auf den Weg nach draußen, wo er auf Nora trifft. Die beiden unterhalten sich und wir erfahren, dass auch Kevin Laurie betrogen hat und fremdgegangen ist. Damit wäre das Flashback aus der ersten Folge also auch aufgelöst. Draußen sind mittlerweile ein paar Vertreter der GR aufgetaucht. Zwar befinden sie sich noch außerhalb der festgelegten Grenze, aber die anwesende Polizei einigt sich schnell darauf, dass man sich im Bericht darüber ausschweigen wird, und die GR ja sowieso nichts sagen können. Und wer wird schon Leuten glauben, die alles aufschreiben müssen? Also werden die GR festgenommen. Es sind nur wenige, und Pattis selbstzufriedenes Grinsen lässt keinen Zweifel zu: da ist noch irgendwas im Busch. In ihrer eignen, kaputten, widerlichen Version vom Grinch schleichen die restlichen GRs durch die Straßen und brechen in die Häuser ein. Sie entwenden jedes Foto, dass sie finden können. Zurück bleiben leere Bilderrahmen. Nun ist anzunehmen dass die meisten Fotos irgendwo digital existieren, trotzdem bleibt es eine Szene die schrecklich zu schauen ist. Es ist eine kalte, brutale Tat die dort begangen wird, mit mehr Symbolkraft als tatsächlichem Ausmaß. Sie zeigt uns, zu was die GR fähig sind, wie weit sie gehen um der restlichen Welt ihre Sinnlosigkeit zu demonstrieren. Von einer stummen Erinnerung sind sie diese Woche offiziell verabschiedet worden.

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Als Kevin wenigstens das Baby wieder in die Krippe bringen will, findet er dort Reverend Jamison, der sich eigenhändig um Ersatz gekümmert hat. Kevin fährt also nach Hause mit dem Gefühl, dass der Tag umsonst war. Den Anblick der Puppe auf dem Beifahrersitz kann er nicht ertragen, also fliegt sie kurzerhand aus dem Fenster. Aber auch Laurie ist nicht glücklich. Heimlich versucht sie, das Feuerzeug aus dem Kanal zu fischen, doch sie verfehlt es um wenige Millimeter. Es ist anzunehmen, dass Weihnachten selbst für ganz Mapleton keine erfreuliche Angelegenheit wird. Vielleicht wird Patti ihre Freude haben, aber ganz ehrlich, nach dieser Woche haben sich die GR den offiziellen Arschloch-Titel mehr als verdient. 

Leftovers wird mit jeder Folge ein wenig mehr zu einer Sendung, die auf ganz eigene Art mit dem Thema Verlust umgeht. Auch war es interessant zu sehen, dass in anderen Städten noch andere Gruppierungen neben der GR existieren. In dieser Folge schien sich alles um Inkonsequenz zu drehen. Jill zündet das Baby nicht an, Laurie geht doch noch einmal zurück um das Feuerzeug zu holen, Tommy steigt nicht in den Bus. Auch drehte sich in der Episode vieles um Erinnerungsstücke, Gegenstände denen man eine persönliche Bedeutung beimisst. Die Babypuppe wäre ein Beispiel, die Fotos ein anderes. Auch das Feuerzeug fällt unter diese Gegenstände. Diese Erinnerungen, wie sie durch die Fotos repräsentiert wurde, ist etwas zutiefst menschliches, und die GR haben diese Erinnerungen zerstört. Verdammt, das ist brutal. Auch die "Loved Ones", die Puppen die man beerdigen kann, fallen in gewisser Art in diesen Rahmen. In einer Welt, in der es keinen festen Ort gibt an dem man trauern kann, in der das Ritual der Bestattung ausfällt, fehlt die Möglichkeit, mit der eigenenTrauer in geordneten Bahnen umzugehen. Die Trauerarbeit kann so nie zu einem Abschluss kommen, weil schon die ersten Schritte unmöglich gemacht werden. In einer solchen Welt wirkt es kein bisschen befremdlich, dass Puppen hergestellt werden, die diesen Prozess ermöglichen. 

Auch Laurie, deren Familie ja noch da ist, ist in dieser Folge ein strahlendes Beispiel für die Tatsache, dass auch die GR ein bisschen Hilfe nötig hätten. Denn richtiger Umgang mit der eigenen Trauer würde vermutlich anders aussehen. Wäre sie in Ordnung und würde hinter dem Konzept stehen und wirklich so kaltherzig sein wie sie wirkte, als sie das Geschenk ihrer Tochter in den Kanal warf, dann wäre sie nicht zurückgekommen um es zu holen. The Leftovers befasst sich also weiterhin mit zerstörten Dingen und Personen, auf eine irgendwie undurchschaubare Art. Zeitweise kommt das Gefühl von Stagnation auf, selbst beim Zuschauer. Wohin diese Reise geht, ob die reinigende Katharsis am Ende eintreten wird? Wer weiß. Und wer weiß, ob wir jemals so weit kommen, ob dieses Bedürfnis nach Ordnung und Erlösung, das wir Zuschauer haben, erfüllt wird? Ich verbleibe jedenfalls begeistert. 

Wahllose Gedanken zum Schluss: 
  • Ich wette, Jill wäre ein besserer Schütze gewesen als Edmure Tully bei Game of Thrones. Wir erinnern uns sicher alle an den glorreichen Moment in dem er in der dritten Staffel ums verrecken nicht getroffen hat.
  • Was ist los bei HBO? Keine nackten Brüste, aber schon 2 Penisse? Was hab ich verpasst?
  • Der Titel der Episode ist ausgeschrieben sicher "Baby Jesus and the Antichrist". Das würde Christine zu einer Art Rosemary aus Rosemarys Baby machen. Uh-oh. 
  • Kevins Auto geht kaputt, nachdem er den Namen des Herrn beschmutzt hat? Entweder das Karma hat zugeschlagen, oder die GR haben mit seinem Auto gespielt. Zutrauen würde ich denen das. 
  • So, ist Kevin jetzt so eine Art Josef? Der hat auch nen Sohn gehabt der nicht sein eigener war. 
  • Die Black Keys mit "I'm not the One" zu diesem Prolog mit der Babypuppe...wow.