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Horrorctober Special #2: Ist der Horrorfilm am Ende?

Ja ok, die Überschrift mag ein bisschen polemisch gewählt sein. Denn wenn man sich umguckt, dann erscheinen ja doch sehr viele Horrorfilme. Manche schaffen es ins Kino, viele landen direkt im Heimkino, aber für gewöhnlich hat man eine doch recht große Auswahl. Diese Woche möchte ich ihm Rahmen des Horrorctober einen Blick auf all die Dinge werfen, die im Horrorfilm meiner Meinung nach falsch laufen. Geht mal kurz in euch und überlegt: wann hat euch ein Film das letzte Mal so richtig schockiert? Wann habt ihr euch zum letzten Mal so richtig gegruselt und wolltet zum Schlafen das Licht anlassen? Wann habt ihr in einer Gruppe im Kino so eine richtig heftige Mini-Massenpanik erlebt? 

Bei mir ist das schon eine Weile her. Ich hab mich letztes Jahr im Kino beim "Babadook" mit der Gruppe gegruselt, und das letzte Mal so richtig erschreckt habe ich mich Anfang des Jahres bei John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt". Klar, wie die meisten falle ich gern auf Jumpscares rein, aber sind wir mal ehrlich: Nur weil die Musik plötzlich bis zum Anschlag aufgedreht ist und irgendeine hässliche Geisterfratze in die Kamera springt bedeutet das noch lange nicht dass man es mit qualitativ hochwertigem Horror zu tun hat. In diesem Special schauen wir uns gemeinsam an, was im Genre momentan so alles schief läuft. Dazu gibt es dieses Mal jede Menge Videos zur Veranschaulichung, aber Vorsicht: sie sind alle gruselig.

Jumpscares

Und da wären wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt an den meisten modernen Horrorfilmen. Die verdammten Jumpscares. Ehrlich, nichts, nicht mal 50 Liter Kunstblut in einer durchtrennten Halsschlagader sind so dermaßen faul und überstrapaziert wie Jumpscares. Nichts daran ist gruselig, man erschreckt sich nur. Man erschreckt sich aber für gewöhnlich nicht weil etwas besonders schlimmes passiert, sondern weil das Schema immer gleich abläuft: Es wird still, der Protagonist begibt sich in eine vorhersehbare Situation, und während die Musik in Sekundenbruchteilen irre laut wird taucht irgendwo ein Geist auf und grinst in die Kamera. Ist der Filmemacher besonders faul gibt es nicht mal einen Geist zu sehen, sondern es war nur ein Kind/Hund/Katze/Vogel. Das Herz schlägt kurz schneller, aber man hat schneller vergessen was passiert ist als man "Candyman" sagen kann. 
Großartiger Film, aber vor Jumpscares nicht sicher: "Evil Dead" © Sony
Das soll natürlich nicht bedeuten dass Jumpscares immer schlecht sind, keinesfalls. Vielleicht habe ich im Absatz vorher ein bisschen übertrieben. Es gibt reihenweise gut ausgeführte Jumpscares, die nachhaltig Eindruck hinterlassen. Aber sie sind super selten. David Fincher zeigt in "Sieben", wie man es richtig macht: Die Szene baut sich langsam auf, man wird in falscher Sicherheit gewogen, so dass der Schock umso tiefer sitzt. Offensichtlich besteht Spoilergefahr, aber hier könnt ihr euch die Szene ansehen: 

Wer gerne nach einem neueren Beispiel suchen will wird im ersten Teil der "Insidious" Reihe fündig. Ein Klick auf den Link bringt euch jeweils zum Video bei Youtube. Die Szene am Esstisch funktioniert so enorm gut, weil die Unterhaltung so lange läuft dass man nicht mehr davon ausgeht, dass nun noch ein Schocker folgt. Außerdem sieht der Dämon einfach verdammt gruselig aus. Auch Martin Scorsese beweist in "Shutter Island" wie man es richtig macht. Als Zuschauer hat man genug Zeit die Spannung aufzubauen, und ein gut ausgeführter Jumpscare lässt diese Anspannung niemals komplett weichen, sondern hält den Adrenalinlevel des Zuschauers erhöht. Erst am Ende des Films kann man sich nach einem letzten, großen Schocker erholen. Zu viele Jumpscares sorgen dafür dass die Zuschauer nach einer Weile abstumpfen und sich irgendwann gar nicht mehr erschrecken. Im schlimmsten Fall verlieren sie das Interesse am Film. Mir ging es zuletzt bei "Die Frau in Schwarz 2" so. Der erste Teil gefiel mir außerordentlich gut, er war atmosphärisch und auch angemessen gruselig. Doch Teil 2 lebt das Motto "laut, lauter, am lautesten" und hält dem Zuschauer alle drei Minuten unter zu lauter Musik eine Geisterfratze ins Gesicht. Um Sherlock zu zitieren: Langweilig!

Mieses Marketing

Machen wir weiter mit Horrorfilmen die ich verdammt gut fand, die aber von vielen anderen Zuschauer mit Enttäuschung aufgenommen wurden. Schauen wir uns schnell den Trailer für "Der Babadook" von 2014 an. Eure Aufgabe: denkt beim Anschauen des Trailers darüber nach, was ihr von dem so beworbenen Film erwartet:


"Der Babadook" wurde, wenn man sich so auf einschlägigen Seiten umschaut, von vielen Zuschauern so nicht erwartet. Über verschenkte Lebenszeit wird gemeckert, der Film ist nicht brutal und blutig genug und sowieso kein Horrorfilm, und die Protagonisten sind unsympathisch. Außerdem gibt es ja gar kein richtiges Monster. Und da offenbart sich das Problem von miesem Marketing. Sei es "der Babadook", Shyamalans "The Village" oder "Oculus" von 2014, all diese Filme wurden in der Werbung als Horrorfilme beworben, in denen mindestens ein Monster vorkommt. Dass "The Village" eher eine Liebesgeschichte ist, dass "Oculus" ganz wunderbar zeigt wie Kinder damit umgehen dass die Eltern komplett durchdrehen (statt den Spiegel einfach munter morden zu lassen) und dass "Der Babadook" ebenso ein psychologisches Portrait einer alleinerziehenden Mutter ist: völlig egal, denn das Publikum kam, um Monstergemetzel zu sehen. 

Weitergeführt wird diese Unart eigentlich nur dann, wenn man im Trailer schon den ganzen Film zu sehen bekommt. Ich gehe mal davon aus dass die Regisseure keinen oder wenig Einfluss darauf haben, was im Trailer zu sehen sein wird. Aber wenn der Trailer mir schon die halbe Geschichte verrät, oder in anderen Fällen sogar schon den Twist eines Films in seinen 2 Minuten unterbringt, wieso sollte ich mir dann überhaupt noch einen Film ansehen? Hier handelt es sich nicht mal um ein Problem, welches exklusiv für Horrorfilme besteht. 

Alternativ kommt es immer wieder vor, dass sich im Trailer Szenen befinden, die absolut ikonisch sind. Im fertigen Film sucht man danach vergeblich. Schauen wir uns den RedBand Trailer, also das explizitere Material, zum Remake von "Evil Dead" an. 

Damit da ja kein Zweifel aufkommt: ich liebe das Remake, es liefert wunderbare neue Ansätze, transportiert das Thema gut in die Neuzeit und es ist verdammt brutal. Doch ein paar Szenen haben es nicht in den Film geschafft, den man sich heute ansehen kann. Mias gruseliges "We're gonna get you" Gesinge fehlt, die Szene in der ihr Bruder mit der Kettensäge losmetzelt ist ebenfalls nicht im Film. Aus ihrem "cut it, cut it!" wurde im Film "Don't cut it". Kleinigkeiten, die spätestens mit dem Extended Cut der aus Versehen im UK lief behoben wurden, doch kaufen kann man den bis heute nicht. Wer sich näher für die satten 4:50 Minuten mehr interessiert darf sich gerne bei Schnittberichte umschauen. 

Zu viel, zu schlechte CGI

© United International Pictures GmbH
Ich will keinesfalls gegen CGI generell wettern. Ich bin im Allgemeinen froh über die technischen Möglichkeiten die dafür sorgen dass ich Dinge wie "Pacific Rim" im Kino erleben darf. Doch CGI kann auch ganz furchtbar daneben gehen. Zuletzt durfte sich beispielsweise Peter Jackson massive Schelte für seine "Hobbit" Reihe anhören, in der zu viele Dinge einfach zu künstlich aussahen. Und auch im Horrorfilm ist das ein Problem. Solang du nicht mit dem durchschnittlichen Budget für einen Porno arbeitest und Filme wie "Piranha 3D" machst, an denen jeder Spaß hat weil sie so besonders trashig sind, lass die Finger von zu viel Computerkram. Niemand braucht das x-te farblich entsättigte, gruselige kleine Mädchen mit langen schwarzen Haaren. Niemand braucht deinen absolut unrealistisch aussehenden Geist, der so abstrus konstruiert ist dass er nur billig wirken kann. Fast niemand braucht deine abertausend Liter blödes Kunstblut. Natürlich muss man hier auch einen Blick auf die Entstehungszeit des Films werfen. Filmen wie "Anaconda" von 1997 eine schlecht aussehende Schlange vorzuwerfen klappt nur bedingt, denn in den letzten 20 Jahren hat die Technik sich einfach enorm weiterentwickelt. Aber schon für die extrem billig aussehenden Viecher in "I am Legend" gibt es keine Entschuldigung mehr. Und 2013 brachte uns "Mama" ein weiteres Filmmonster, das die meisten Zuschauer vermutlich lieber aus ihrem Gedächtnis löschen würden. In den letzten Jahren sind die Möglichkeiten schier unermesslich groß geworden, und scheinbar fühlt sich nun jeder dazu berufen seine eigenen Alpträume am Computer entstehen zu lassen um dann die Zuschauer mit einer grafisch unterwältigenden Vision zu terrorisieren. Bereits "Alien" zeigte 1979 wie gruselig ein Xenomorph sein kann wenn ein Mensch in einem Kostüm steckt, und gegen den Terror den dieses eine, wirkliche Alien inspiriert kommen auch hunderte Aliens aus dem PC in den "Alien VS. Predator" Filmchen nicht an.

Schlagen wir den Bogen zurück zum "Evil Dead" Remake. Groß war die Angst, dass man sich in einem Effektgewitter wiederfinden würde. Und ja, "Evil Dead" ist voller Special Effects. Doch Regisseur Fede Alvarez wurde nie müde zu betonen, dass es sich nicht um computergenerierte Effekte handelt. Stattdessen arbeitete man mit Masken, mit allen möglichen Tricks. Wer sich dafür interessiert darf gerne hier einen Blick riskieren. Nun gibt es keine Garantie dass nicht doch irgendwo CGI im Film vorhanden ist, doch das kurze Video zeigt eindrucksvoll, was man alles ohne Computereffekte auf die Leinwand zaubern kann. 

Und 1982 zeigte John Carpenter eindrucksvoll mit "Das Ding aus einer anderen Welt", wie man ganz ohne Computereinsatz Kreaturen erschafft, die auch heute noch dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen:
Lecker! Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt" © UIP
Kein Wunder dass Rob Bottin, damals erst 23 Jahre jung, nach über einem Jahr Arbeit an den Monstern im Film erstmal eine Pause machte. Vielleicht mögen die Effekte auf CGI-verwöhnte Zuschauer seltsam wirken, ein bisschen zu feucht und zu offensichtlich als cleveren kleine Maschinchen, die sie nun mal sind. Doch es sind handgemachte Effekte, und als solche sind sie eindrucksvoller als alles, was ein Computer erschaffen könnte. 

Auch sonst gibt es natürlich Horrorfilme, die heutzutage produziert wurden und nicht auf Effekte setzen. Zu Recht über alle Maßen gelobt wurde dieses Jahr "It Follows", der nicht nur im Horrorgewand eine ganz wunderbare, angsterfüllte Coming of Age Geschichte erzählt, sondern auch mit minimalem Einsatz einer konkret greifbaren Monstrosität arbeitet. Was uns zum Abschluss des Artikels bringt, denn: 

"Wir sind hier nicht in Vietnam. Es gibt Regeln."

Kann nicht machen was es will: Das Monster in: "It Follows"© Weltkino
Bleiben wir bei "It Follows". Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die ihr großes böses Monster bis zum Ende aufsparen kriegen wir hier schon sehr früh einen Einblick in die Art und Weise wie das Monster funktioniert. Wir lernen schnell wie es übertragen wird, wir wissen was es kann und was es nicht kann. Selbst wenn wir es nicht wollen würden, wir fiebern automatisch mit, überlegen ob die Protagonisten in einer Situation sicher sind und können das sofort abgleichen. Im Gegensatz dazu gibt es zu viele Filme die ihrem Antagonisten einfach keinerlei Regeln auflegen. Monster, die im wahrsten Sinne des Wortes Alles können sind langweilig. Man rechnet permanent mit ihnen, und zu oft resultiert die ganze Chose dann wieder in Jumpscares oder mutmaßlichen Last-Minute-Schockern. Gleichzeitig ist es enorm cool wenn man ein Monster den ganzen Film über beobachten kann, statt es bis zum Ende aufzusparen. Es bietet die Möglichkeit, kreativ zu werden und mit der Prämisse zu spielen, und wenn Horror als Genre eines vertragen kann, dann Kreativität. 

Und wie soll es weitergehen?

Tja, gute Frage. Wünschenswert wären natürlich mehr innovative Horrorfilme. Horrorfilme die nicht nur aus lauter Musik und Geisterfratzen bestehen, die in die Kamera springen. Horrorfilme die mit Sinn und Verstand die Aspekte des Lebens betrachten, die wirklich gruselig sind. Denn kaum ein Genre ist so vielseitig wie Horror, und doch werden gerade hier immer und immer wieder Chancen so richtig in den Sand gesetzt. Doch natürlich kann keine Rede davon sein, dass der Horrorfilm am Ende ist, denn hin und wieder erscheinen ja doch Filme, die innovativ sind, die uns das fürchten lehren und die das Genre mit neuen Impulsen versorgen.

Und jetzt seid ihr dran: Was nervt euch am meisten an Horrorfilmen? Welche Filme umschiffen die größten Fehler des Genres weitläufig und sind so richtig, richtig gruselig? Welchen Aspekt des Genres würdet ihr nächste Woche gerne lesen? Schreibt es in die Kommentare!

Horrorctober Special: Frauen im Horrorfilm

Kreischen, rennen, sterben? Frauenbilder im Horrorfilm

Besonders im englischen Sprachgebrauch ist der Begriff der Trope mittlerweile nicht mehr nur für Literatur, sondern auch für klischeebehaftete, wiederkehrende Rollen in Film und TV geläufig. Sozusagen ein anderes Wort für Stereotyp. Die meisten, wenn nicht alle Film- und Serienfiguren lassen sich in mindestens ein Schema pressen. Sei es der kernige Actionheld, der nur in Einzeilern kommuniziert oder der Komapatient, der nach einer Epidemie im Krankenhaus aufwacht: sie alle kommen in ihrem Grundprinzip aus einem Baukasten, und je nach Kreativität des Schreibers hinter der Figuren erwachen sie mehr oder weniger überzeugend zum Leben.

Nun ist es ja nicht so, dass Männer und ihre vielseitigen Tropen mich nicht interessieren. Aber wenn man nur einen ganz groben Blick über Horrorfilme wirft, dann könnte man schnell mal auf die Idee kommen dass weibliche Figuren nicht besonders gut wegkommen. Entweder rennen sie halbnackt vor einem Killer davon oder sie sind besessen. Welche Möglichkeiten außer Kettensägenfutter und außer Kontrolle geratener Dämonenhülle gibt es für Frauen im Horrorfilm? Nachfolgend stelle ich euch drei der gängigsten Klischees vor, untermauert mit zahlreichen Beispielen. Am Ende widme ich der Mutterrolle im Horrorfilm noch ein oder zwei Absätze, denn die hat sich eine gesonderte Betrachtung durchaus verdient. 

Das "final girl"

  Laurie aus "Halloween" ©Warner-Columbia
Jeder von uns kennt diesen einen Horrorfilm. Eine Gruppe Teenager wird von irgendeinem Killer heimgesucht. Die meisten stellen sich nicht besonders klug an, und das fröhliche Metzeln kann beginnen. Doch am Ende bleibt "sie" übrig. Oft ist sie dunkelhaarig, und sie ist auf jeden Fall klüger als der Rest der Gruppe, wie sich im Verlauf des Films herausstellen wird. Höchstwahrscheinlich ist sie auch moralisch über den Rest der Gruppe erhaben. Sie trinkt nicht, raucht nicht, und im Idealfall ist sie Jungfrau. Jungfräulichkeit ist ein begehrenswertes Attribut im Horrorfilm, denn Killer (meistens männlich) haben unwissentlich irgendwie Respekt davor. Das final girl lehnt sich dann am Ende gegen den Killer auf, konvertiert kurzzeitig vielleicht sogar zur Actionheldin und macht dem messerschwingenden Grobian den Gar aus.

Zum ersten Mal verwendet wurde der Begriff von Carol J. Clover in ihrem 1992 erschienenen Buch "Men, Women, And Chain Saws: Gender In The Modern Horror Film". Gibt es ein Sequel, dann hat das final girl aus dem Vorgänger eine recht hohe Chance darin umzukommen. Das final girl ist eine komplizierte Angelegenheit, denn man kann trefflich darüber streiten ob es sich nun um eine emanzipierte Figur handelt oder um eine männlich geprägte Wunschvorstellung. Abstinenz, Jungfräulichkeit, Bescheidenheit: all das sind Qualitäten die, so macht es zumindest den Anschein, gesellschaftlich geschätzter sind. Andererseits lässt sich nicht leugnen dass man geschärftere Sinne hat, wenn man nicht mit 2 Promille in der Ecke liegt. Indem man der weiblichen Figur Attribute wie Intelligenz und Wachsamkeit, also ganz traditionell männliche Attribute, zuschreibt, findet auch eine gewisse De-Sexualisierung statt.

  Mia aus "Evil Dead" © Sony
Das final girl ist bei genauerer Betrachtung außerdem eine Mischung aus verschiedenen anderen Stereotypen. Sie besitzt Anteile der Heldenfigur, wenn sie sich am Ende gegen den Killer stellt. Sie geht als das niedliche Mitglied der Gruppe durch, das sich oft mit prä-pubertären Themen beschäftigt. Gewissermaßen ist sie stellenweise auch die Jungfrau in Nöten, die am Ende ihre Rettung einfach selbst in die Hand nimmt. 

Komplizierter wird es da schon wenn man das Publikum betrachtet. Aus diversen Gründen scheint man immer noch davon auszugehen dass das Publikum für Horrorfilme größtenteils männlich ist, dementsprechend wird produziert. Nun kann man annehmen dass es dem größtenteils männlichen Publikum absolut nicht zuzumuten ist einen männlichen Mann in einer Gefahrensituation in Panik geraten zu sehen. Panik ist einfach so unmännlich, und Männer wollen dies nicht auf der Leinwand sehen. Andererseits forciert das final girl den Zuschauer, auch den männlichen, sich in eine angsterfüllte Frau hineinzuversetzen und den Terror aus ihrer Perspektive zu erleben. Inwieweit sich in diesem Fall aber vom so genannten "männlichen Blick", dem die Frau sich im Film zu unterwerfen hat, losgelöst wird ist fraglich. Denn das voyeuristische, oftmals unterstützt durch wenig/freizügige Bekleidung der Protagonistin, wird nach wie vor bedient.

 

Das "final girl" in Film und Serie

Direkt vorweg: da es sich um eine Klischeefigur handelt die am Ende des Films vorkommt lassen sich in diese Abschnitt Spoiler nicht vermeiden. Ihr wurdet hiermit gewarnt.
Stellt das Genre auf den Kopf: "Buffy" © The WB
Es gibt mehrere Möglichkeiten für ein final girl. "Halloween" und seine zahlreichen Fortsetzungen beherbergen fast immer ein final girl, Jamie Lee Curtis überlebt in der Rolle der Laurie ziemlich viele Teile. In "House of Wax" entkommt Carly am Ende. "Alien" ist eine Art Sonderfall, denn die Figuren wurden neutral geschrieben, Ripley hätte ebenso gut ein Mann sein können. Im Remake von "Evil Dead" überlebt am Ende Mia dort, wo im Original Ash (Bruce Campbell) die Flucht gelingt. "Buffy" hingegen ist eine lupenreine Subversion des Klischees. Auch wenn sie über gewisse Kräfte verfügt ist sie blond (Killer lieben blonde Frauen!), geht feiern, hat Sex, ist durchaus auch mal mädchenhaft und attraktiv. In der gleichen Serie passt Willow recht gut in die Schablone des klassischen Final Girls. Ebenfalls als Subversion geht "Hostel 2" durch, dort wird die tugendhafte Jungfrau spezifisch wegen dieser Eigenschaften als erste ermordet, während das final girl sich als ebenso skrupellos wie die anderen Killer herausstellt. Tja, der Hölle Rache kocht wohl in so manchem Herzen. Amanda aus der "Saw" Reihe fällt ebenfalls unter die Subversionen.

Der dämonische Wirt

Ein Spezialfall für besonders eifrige Exorzisten. Wie jeder weiß sind Dämonen ganz schön faule Zeitgenossen, die es sich gerne einfach machen. Wie gut dass es das schwache Geschlecht, also Frauen, gibt. Frauen haben scheinbar nicht die gleiche Disziplin und Willenskraft wie viele Männer, deswegen sind sie leichte Beute. Oder könnt ihr spontan eine Handvoll Exorzismusfilmchen aufzählen, in denen die besessene Person männlich ist? Gut, ich nämlich auch nicht, aber falls ihr welche kennt: packt sie bitte in die Kommentare, denn ich bin neugierig. Manche Frauen sind aber nicht nur mal eben so von Dämonen besessen, sondern dürfen auch noch als Brutkasten herhalten und die dämonische Nachkommenschaft austragen. Da wird aus der oftmals seelisch so wie körperlich sowieso schon fordernden Schwangerschaft schnell mal der pure Horror.

Devil's Due © 20th Century Fox
Während es in Sachen Feminismus also deutlich in die Richtung der freien Frau ging schlug eine gewisse Horrorsparte die gegenteilige Richtung ein. Die schwache, zur Hysterie neigende Weiblichkeit öffnet Tür und Tor und somit den Körper für böse Mächte, ist gierig, kopuliert mit Dämonen, bringt Schande über die Sippe und weiß der Geier. Besser, man treibt das fiese Höllengetier schnell mal aus dem Weibe aus. Was seinerzeit die Kirche übernahm ging dann später nahtlos in den Teil der Wissenschaft über, die sich mit der Hysterie auseinandersetzte. Bereits in der Antike nahm man vielerorts an, dass die Gebärmutter bei zu wenig Kontakt mit Sperma Amok läuft, sich auf den Weg durch den Körper macht und schließlich am Gehirn kleben bleibt, wo sie ihre Trägerin in den Wahnsinn treibt. Und nein, es handelt sich bei diesem Satz nicht um einen bösen Scherz. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein verheiratete man junge, hysterische Frauen, um sie zu kurieren. War frau schon unter der Haube, so kümmerte sich ein Arzt darum sie manuell zum Orgasmus zu bringen, damit sie sich entspannt. Da dies bald anstrengend wurde erfand man Hilfswerkzeuge wie Vibratoren. Dass damals auch schlicht kein Konzept des weiblichen Orgasmus bekannt war, oder zumindest medizinisch anerkannt war dürfte nicht verwundern.

 

Der "dämonische Wirt" im Film

Hier kann man eigentlich jeden Film aufzählen in dem ein Exorzismus an einer Frau oder einem Mädchen durchgeführt wird. "Der Exorzist", "Der letzte Exorzismus", "Der Exorzismus der Emily Rose"... ihr merkt worauf ich hinaus will. Filme wie "Das Omen" oder "Rosemary's Baby" präsentieren eindrucksvoll wie Frauenkörper von dämonischen Mächten oder gleich dem Satan persönlich benutzt werden, um fiese, übernatürliche Kinder auszutragen. Im Gegensatz zum final girl, bei dem man wenigstens noch darüber diskutieren kann ob es sich um ein irgendwie feministisch interpretierbares Klischee handelt ist der dämonische Wirt einfach nur ätzend.
"Der Exorzist" © Warner Bros.
Scheinbar reizt der immer wiederkehrende Dämon, der ein möglichst junges und unschuldiges Mädchen für sich in Anspruch nimmt aber entweder das Publikum, oder die Drehbuchautoren haben Freude an dieser immer wiederkehrenden Erzählung. Das Muster in diesen Filmen ist dabei stets das gleiche. Ein junges Mädchen wird in Besitz genommen. Es finden unnatürliche Verrenkungen statt, auf die jeder langjährige Yoga-Praktizierende neidisch blicken darf. Die Sprache wird vulgärer, oft kommt ein überhöhter Sexualtrieb zum Vorschein. Wir alle erinnern uns lebhaft an die Szene aus "Der Exorzist", in dem das Mädchen sich wiederholt ein Kreuz in die Scheide rammt. Ein unschuldiges Mädchen, welches zu abscheulichen Dingen gezwungen wird. Könnte auch die Beschreibung eines Pornos sein. Am Ende wartet die Erlösung von dem Bösen oftmals durch die fachkundige Hand eines Mannes. 

Die "böse, dämonische Verführerin"

  "Jennifer's Body" © 20th Century Fox
Wir alle kennen sie. Sie taucht in einem beliebigen Film auf, und verdammt, die Lady ist heiß! Endlos lange Beine, die Lippen sind leicht geöffnet, sie geht ein bisschen langsamer und jeder ihrer Schritte sagt dir: pass auf, ich bin gefährlich, aber ich will dich! Was man in der normalen Welt als Femme Fatale kategorisieren würde wird in der Welt des Übernatürlichen zur "dämonischen Verführerin". Sei es ein Vampir, ein Cyborg, ein Alien, völlig egal, das Muster ist immer gleich. Sie nutzt gezielt ihre weiblichen Attribute um Männer um den Finger zu wickeln, sie zu benutzen, und meistens endet das für den Mann tödlich. Jetzt werden vermutlich einige sagen "Ja, und? Ist doch cool, die Dame nimmt sich, was sie will, und wenn der Typ so doof ist, selber schuld!". Was ist also an der weiblichen Sexualität als Waffe so gefährlich? Leider ist der Anteil der Zuschauer, die Gesehenes im Film nicht ausreichend reflektieren recht hoch. Schaut man nun in die einschlägigen Boulevardblättchen findet man häufig Geschichte um beliebige Damen, die so dreist sind von ihrem Exmann Unterhalt zu fordern, die eine Stelle nur bekommen haben weil sie Brüste mit sich herumtragen, und so weiter. Frauen werden auf ihre sexuellen Reize reduziert, und die dienen nur dazu Männer zu manipulieren. Mit dieser Klischeerolle schlägt man also gleich zwei Fliegen. Der Zuschauer bekommt eine hübsche Frau, die er begaffen kann. Gleichzeitig kann er sich über sie ärgern, denn sie ist ja so wie alle Frauen in ihrem Inneren sind: manipulativ, verdorben, nur auf ihren Vorteil aus. Auch für weibliche, leicht beeinflussbare Zuschauer tun sich an dieser Stelle Probleme auf, denn wenn man aus allen Ecken eingetrichtert bekommt dass die eigene Sexualität nur als manipulativ wahrgenommen wird könnte man durchaus zu Komplexen gelangen. Denn keine der Figuren, die in dieses Klischee fallen hat Sex aus Spaß an der Sache. Und vom Einfluss der Gesellschaft können sich vermutlich die wenigsten von uns völlig freisprechen. Der häufig bei irgendwelchen Sexskandalen geäußerte Vorwurf der "honeytrap" untermauert dies.
  "Bram Stokers Dracula" © Columbia Tristar

Die "böse, dämonische Verführerin" im Film

In der jüngsten Filmgeschichte dürfte da vor allem Megan Fox in "Jennifer's Body" auffallen.1995 trieb Natasha Henstridge ihr Unwesen in "Species", wo sie das Verhalten der Frauen um sich herum kopierte. Keanu Reeves fällt in "Bram Stokers Dracula" den Bräuten des Vampirfürsten zum Opfer. Selbst bei "Buffy" ist man vor der dämonischen Verführerin nicht sicher, Xander trifft es sogar mehrmals. Immerhin bemerkt er das aber selbst und kann es zynisch kommentieren. Doch auch außerhalb des Horrorfilms kommt diese Figur vor. Die Meerjungfrauen in "Fluch der Karibik 4", aber manchmal auch Mystique aus den "X-Men" Filmen fallen in dieses Schema. 

Eine Sonderrolle - Die Mutter im Horrorfilm

"Carrie" © Sony
Eine ganz eigene, sehr diverse Rolle spielen Mütter im Horrorfilm. Wie auch sonst so oft in der Gesellschaft werden sie meistens extra gezählt, denn für die bisherigen Stereotypen kategorisiert man sie einfach als zu alt ein. Über die Unfairness dahinter könnte man trefflich einen eigenen Artikel füllen. Konzentrieren wir uns also auf den Horrorfilm. Von der alles überschattenden Mutterpräsenz in "Psycho" bis hin zum absoluten Wahnsinn den die Mutter von "Carrie" verkörpert, auch hier finden sich stereotyp angelegte Figuren. Pamela Vorhees beweist in "Freitag der 13." wie man als Mutter mal so richtig ausflippt. Als Beispiel für eine heldenhafte Mutter könnte man Wendy aus "The Shining" heranziehen, eine Mutter die zuerst ihre Kinder in Sicherheit bringt um sich dann dem Bösen zu stellen. Ihr merkt schon, das sind jeweils sehr einseitige Bilder, die entweder stark positiv oder eben sehr stark negativ gefärbt sind. Heldin oder Böse, dazwischen scheint es für Mütter nicht viel zu geben.

Ein komplexeres Bild der Mutterschaft zeichnet Jennifer Kent in "The Babadook". Während heutzutage oftmals von Frauen in der Mutterrolle absolute Perfektion erwartet wird sehen wir hier eine Mutter, die mit dieser Rolle einfach überfordert ist. Anfang des Jahres trendete das Hashtag #RegrettingMotherhood, und zahlreiche Mütter äußerten sich und gaben zu, dass Muttersein eben nicht immer nur zauberhaft und toll und einfach ist. Einige stellten fest dass sie vom heutigen Standpunkt aus keine Kinder mehr haben wollen würden. Der Aufschrei war entsprechend groß, aber wer sind wir, dass wir Müttern vorschreiben wollen wie sie sich zu fühlen haben? 

"The Babadook" © Capelight
Zurück zum Babadook. Mit dem Unfalltod ihres Mannes, der auf den gleichen Tag wie die Geburt ihres Sohnes fällt, hat Amelia schon vor den übernatürlichen Ereignissen rund um ihren Sohn eine Abneigung gegen eben diesen entwickelt. Sam ist darüber hinaus, wie vermutlich die meisten Kinder, nicht rund um die Uhr freundlich, friedlich und leise. Das ist keinesfalls verwerflich, Kinder haben oft eine blühende Fantasie und müssen ein Gespür für das Ticken der Erwachsenenwelt auch erst einmal lernen. "The Babadook" scheut sich nicht, diese Diskrepanz aufzuzeigen, und als Zuschauer ist man zwischen Mutter und Sohn hin und her gerissen, denn man fühlt mit beiden mit. Und eine gute Portion des Horrors, der diesen Film ausmacht kommt von einer Mutterrolle, die so nachvollziehbar ist, uns Zuschauer aber mit unserer überhöhten Erwartung an die Mutterfunktion konfrontiert. Wir erwarten, dass Mütter ihre Kinder bedingungslos lieben, egal wie stressig sie sind, egal wie laut und nervig sie sind, egal was sie anstellen. Hier wird diese Erwartung gebrochen, wird gezeigt dass auch Mütter in erster Linie Menschen sind.

Wer ist eigentlich... Tim Burton?


Tim Burton 

Anlässlich der Ausstellung "The World of Tim Burton" in Brühl bei Köln (hier geht's zum Vorabbericht) dachte ich mir, ich versorge euch mal mit einem Special zu meinem vermutlich liebsten lebenden Regisseur. Tim Burton begleitet mich seit der Kindheit, und wie das so oft ist: Dinge, die man als Kind mochte bleiben bei einem. Sein etwas makabrer Stil, die vielen Monster die das Herz trotzdem am rechten Fleck hatten, sie alle waren ein wichtiger Bestandteil meiner Kindheit und Jugend. Auf neue Filme von ihm freue ich mich schon ewig und drei Tage im Voraus, "The Nightmare before Christmas" ist jedes Jahr zum Winterbeginn Pflichtprogramm. Auf nur einen Punkt könnte ich mich gar nicht festlegen. Seine Filme haben für mich immer auch mit Gefühlen zu tun. Das Gefühl verstanden zu werden. Das wundervolle Gefühl, in eine völlig andere Welt abtauchen zu können. Das abenteuerliche Gefühl, in jedem einzelnen Bild etwas Neues entdecken zu können. Dazu kommt dann noch die wundervolle, märchenhafte Musik. Weniger schöne Erinnerungen gibt es natürlich auch. So saß ich pünktlich zu meinem 12. Geburtstag im Kino, um Sleepy Hollow zu sehen. Irgendwas lief damals falsch, denn der Film ist ja eigentlich ab 16. Ich kam völlig fertig aus dem Saal, hatte eine Woche lang Angst vor Monstern unter meinem Bett und verließ noch Jahre später den Raum, wenn Christopher Walken irgendwo zu sehen war (mittlerweile mag ich ihn wieder). Höchste Zeit also, dem guten Mann hier mal ein Denkmal zu setzen. 

Biografie

Timothy "Tim" Walter Burton erblickte am 25.8.1959 in Burbank, Kalifornien das Licht der Welt. Schon in der Grundschule war er von Horror und Sci-Fi fasziniert, hier drehte er auch seinen ersten Super-8 Film. Von 1977 bis 1979 besuchte er das California Institute of the Arts und ließ sich zum Trickfilmzeichner ausbilden. Sein Abschlussprojekt trug den Namen "The Stalk of the Celery Monster". Danach nahm er einen Job bei Disney an. 

Dort arbeitete er an "Cap und Capper" mit. Sämtliche anderen Disneyprojekte mit seiner Beteiligung wurden allerdings nie fertig gestellt. In diesen vier Jahren bei Disney produzierte er weiterhin auch eigene Filme, darunter die Kurzfilme "Vincent" und "Frankenweenie". Nachdem er Disney verließ drehte er seinen ersten Film, "Pee-wees irres Abenteuer". Der Grundstein für die spätere Karriere war gelegt, es folgten Filme wie "Beetlejuice" (1988) und "Edward mit den Scherenhänden" (1990), der erste seiner Filme in denen Johnny Depp mitspielte. 

Oft gewannen seine Filme den Oscar für Szenenbilder, beispielsweise für "Sleepy Hollow" (1999) oder "Sweeney Todd" (2007). Ebenfalls 2007 wurde ihm bei den Filmfestspielen von Venedig der Goldenen Löwe für sein Lebenswerk verliehen. 2009 eröffnete im New Yorker Museum of Modern Arts die Ausstellung "The World of Tim Burton", in der tausende seiner gezeichneten Bilder erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Für Disney dreht er 2010 "Alice im Wunderland", der Oscars für die besten Kostüme und das beste Szenenbild einfährt. Obwohl der erste in 3D gedrehte Film von Tim Burton als weltweit erst fünfter Film die Grenze von einer Milliarde US-Dollar überschreitet, findet er bei Kritikern wenig Anklang. 2016 startet die Fortsetzung im Kino, allerdings nicht unter der Regie von Tim Burton. Sein letzter Film, "Big Eyes" (2014) beschäftigte sich mit der Künstlerin Margaret Keane, von der er selbst einige Bilder besitzt. Für Disney arbeitet er momentan an der Realverfilmung von "Dumbo", die für 2017 geplant ist. Inwieweit sich sein ganz eigener Stil auch hier durchsetzen wird bleibt abzuwarten.

 

Filmografie

2017: Dumbo
2016: Miss Peregrin's Home for peculiar Children
2014: Big Eyes
2012: Frankenweenie
          Dark Shadows
2010: Alice im Wunderland
2007: Sweeney Todd 
2005: Charlie und die Schokoladenfabrik
          Corpse Bride
2003: Big Fish
2001: Planet der Affen
1999: Sleepy Hollow
1996: Mars Attacks
1994: Ed Wood
1992: Batmans Rückkehr
1989: Batman
1988: Beetlejuice
1985: Pee-wees irres Abenteuer
1984: Frankenweenie (Kurzfilm)
1982: Hansel and Gretel
          Luau
          Vincent
1979: Stalk of the Celery Monster

Veranstaltungstipp: "The World of Tim Burton" in Brühl bei Köln

Das Plakat zur Ausstellung © Max Ernst Museum, Brühl
Am Sonntag wird in Brühl, das liegt zwischen Köln und Bonn, die Ausstellung "The World of Tim Burton" eröffnet. Soweit, so spannend. Ich durfte vorab zur Pressekonferenz und die Ausstellung schon mal besichtigen, und darüber würde ich euch gerne ein wenig erzählen. Außerdem erfahrt ihr, welcher meiner ganz persönlichen Träume an diesem Tag wahr geworden ist. 

Brühl ist ja eher ein beschaulicher Ort. Klar, das Phantasialand ist in der Nähe, und das Schloss ist auch eine recht hübsche Location. Die Innenstadt ist auch klein, aber fein. Doch es gibt ja noch das Max Ernst Museum, und dort wird sich in den kommenden Wochen und Monaten Großes ereignen. 

Vom 16.8.2015 bis zum 3.1.2016 findet im Museum die Ausstellung "The World of Tim Burton" statt. Jetzt sind wir ja hier auf einem Filmblog, die meisten von euch dürften Tim Burton als Regisseur also kennen. So oder so, die Tage wird noch ein Special über ihn online gehen, haltet also die Augen offen. 

Doch Burton ist nicht nur Regisseur, er zeichnet auch sehr gerne. Zahlreiche seiner Werke waren zunächst unter gleichem Namen im Museum of Modern Arts in New York ausgestellt, bevor ausgewählte Stücke dann auf Weltreise gingen. Nach Paris, Prag, Tokyo und Osaka ist nun Brühl an der Reihe. Präsentiert werden dem Besucher etwas mehr als 500 Ausstellungsstücke: Gemälde, Storyboards, Puppen aus Filmen und Zeichnungen auf Notizzetteln und Servietten sind zusammengekommen. 

Die Bandbreite reicht dabei von seinen Filmfiguren über bisher ungezeigtes Material aus seiner kurzen Zeit bei Disney. Auseinandersetzungen mit Feiertagen sind vertreten, und Besucher können einen exklusiven Blick auf die Bücher werfen, die Burton jeweils neben seinen Filmen entwickelt und danach an Cast und Crew verschenkt. Einen 30 Sekunden langen Werbefilm hat das Max Ernst Museum ebenfalls designed: 
© Max Ernst Museum, Brühl

All diese Dinge erfuhr man natürlich auf der Pressekonferenz. Auch über das Rahmenprogramm wurde informiert. So veranstaltet das Filmhauskino in Köln eine Filmreihe mit ausgewählten Werken von Burton, darunter "Beetlejuice" und "Edward mit den Scherenhänden". Für Kindergartengruppen und Schulklassen kann man Workshops buchen, in denen die Kinder (und Erwachsene) lernen wie man einen Stop Motion Film macht oder seine eigene Filmfigur erschafft. Auch Führungen durch die Ausstellung kann man buchen. Überhaupt, man ging kreativ an die Sache heran. Zur Eröffnung der Ausstellung wurden Goldene Tickets verlost, ganz ähnlich wie bei "Charlie und die Schokoladenfabrik".

Aber ich kann euch ja viel erzählen, und sicher wollt ihr wissen wie die Ausstellung überhaupt ist. Leider darf ich euch keine Fotos zeigen, auch keine selbst gemachten, denn das gäbe unter Umständen Probleme mit dem Urheberrecht. Deswegen erzähle ich einfach mal ein bisschen. 

Wie schon gesagt, besteht die Ausstellung hauptsächlich aus Zeichnungen, die Tim Burton in über 40 Jahren selbst angefertigt hat. Zunächst wird man mit einigen Kreaturen konfrontiert, danach lernt man etwas über die Einflüsse von Burton. Im Untergeschoss des Museums wird es dann richtig interessant. 

Einen großen Teil nehmen nicht verwirklichte Projekte ein. In einem kleinen Nebenraum findet man riesige Polaroid-Bilder, bei denen sich genaueres Hinschauen wirklich lohnt. Besonders präsent sind natürlich auch Figuren aus verschiedenen Filmen, die man hier als Modelle, Konzeptzeichnungen oder Skizzen wiedertrifft. Eine zentrale Rolle nimmt hierbei die Figur des missverstandenen Außenseiters ein, die in seinen Filmen immer wieder anzutreffen ist. Erfreulicherweise sind die Bilder nicht mit Infos zugekleistert, stattdessen bekommt man ein kompaktes Heftchen zum Eintritt, in dem sich alle Bilder (mit Nummern versehen) wiederfinden. So kann man sich voll und ganz auf die großen und kleinen Kunstwerke konzentrieren. 
Die Verantwortlichen und Tim Burton bei der Konferenz © Sandra Scholz
Ja, und dann hatte ich ja davon gesprochen, dass sich ein persönlicher Traum für mich erfüllt hat. Ihr seid sicher schon drauf gekommen: Tim Burton war bei der Pressekonferenz anwesend und hat sich tapfer den zahlreichen Fragen der Pressevertreter gestellt. Ich saß in unmittelbarer Nähe zu meinem vermutlich liebsten (lebenden) Regisseur und konnte mein Glück kaum fassen. So erfuhr man, dass sein Lieblingausstellungsstück eindeutig der Ausgang sei. Wie auch der Namensgeber des Museums, Max Ernst, will er sich niemals so richtig selbst finden, stattdessen in Bewegung bleiben und immer Neues entdecken. Monster findet er nicht furchteinflößend, sagt er. Dann schon eher das richtige Leben. Mit der Rolle des missverstandenen Außenseiters kann er sich identifizieren, und auch Hunde scheinen ihm sympathischer als Katzen, die er als "a completely different thing" bezeichnet. 

Aber er findet auch ernste Worte, beispielsweise als er nach Christopher Lee und Vincent Price gefragt wird. Mit beiden verbindet ihn vieles, und er erzählt einige Anekdoten über einen von irgendeinem Kollegen schon vor Jahren als tot erklärten Christopher Lee, der auf wundersame Weise noch "acht Star Wars Filme und neun Herr der Ringe Teile drehte". Oder als er gefragt wird, wie er zu der Ausstellung steht: "Es ist irgendwie erschreckend. So, als würde man seinen Schrank aufmachen und alle Leute sehen deine dreckige Wäsche". Wunderbare, skurrile Wäsche, die in jedem Monster noch eine Spur Menschlichkeit entdeckt. Wenn ihr also bis Ende des Jahres die Gelegenheit habt, besucht die Ausstellung. Sie bietet einen wunderbaren, intimen Eindruck in das Schaffen eines Regisseurs und Künstlers, der das Groteske menschlich macht. Und der, das muss ich jetzt so loswerden, ein verdammt sympathischer Typ zu sein scheint. 

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Infos zur Ausstellung
Eintritt: Erwachsene 9,50€ / ermäßigt 5,50€ (bis 18 Jahre ist der Eintritt frei)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Montags, Heiligabend und 1. Weihnachtstag sind Ruhetage
Anreise: am besten mit der Bahn, Parkplätze sind rar gesät. Der Bahnhof ist nur 2 Minuten Fußweg vom Museum entfernt
Alle Infos findet ihr auch auf der Homepage des Museums.

Blogparade: Best Heroines – Top 10 der besten starken Frauenfiguren in Film und TV

Die singende Lehrerin ruft mal wieder zur Blogparade auf, und selten hat mir ein Thema mehr zugesagt als dieses. Nun hänge ich mich ja unglaublich gerne am Begriff" starke Frauenfigur" auf. Die wenigsten würden auf die Idee kommen, irgendeine männliche Figur als "stark" zu bezeichnen. Sicher, man kann argumentieren dass dahinter nur "gut geschrieben" steckt, aber ist es nicht unfassbas bitter, dass "gut geschrieben" ein Kriterium ist, das eine weibliche Rolle aus dem Einheitsbrei heraushebt? Gut geschrieben Figuren sollten keine Besonderheit sein, sondern etwas selbstverständliches, auf allen Seiten. Ich möchte mehr sehen als "nur" eine "starke" weibliche Figur. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt aber vermutlich noch ein bisschen warten muss, gibt es nun eben meine 10 liebsten, gut geschriebenen Frauenfiguren aus Film und TV. Hier ein Ranking zu veranstalten fällt mir enorm schwer, denn mit einigen dieser Figuren verbinde ich sehr viel persönliches. Andere begeistern mich einfach so, und beides gegeneinander antreten zu lassen ist ja nun nicht ganz fair. Ich präsentiere also mein nicht näher geordnetes Sammelsurium an Frauenfiguren, die ich großartig finde.

Seid jedoch vor milden Spoilern gewarnt!

 Imperator Furiosa - Mad Max: Fury Road
© Warner Bros.

Tja, keine Blogparade über tolle Frauenfiguren ohne die Imperatorin! Charlize Theron als Furiosa hat mich im Kino schlichtweg umgehauen. Furiosa macht ihr Ding und zieht das durch. Allein oder als Teamplayer, aber niemals nur als nettes Anhängsel für irgendwen. Ihr widerspricht man einfach nicht. Sie ist aber nicht so extrem auf "überkrasse Frau die vor lauter Ärsche treten vergisst wie man fühlt" getrimmt. Sie darf Verzweiflung zeigen, aber eben auch Wut. Sie ist vielseitig, und irgendwie fehlen mir da auch einfach ein bisschen die Worte. 

 Brienne of Tarth - Game of Thrones
© HBO

Brienne ist in der schrägen Welt von "Game of Thrones" noch sonderbar. Eine Frau, die einen "Männerjob" machen will. Die darin verdammt gut ist. Die dafür von zahlreichen Kerlen fertig gemacht wird. Doch Brienne lässt sich nicht unterkriegen, sie ist tapfer, loyal, mutig. Sie kämpft für die Dinge, an die sie glaubt, und für die Leute, die sie unterstützenswert findet. Sie macht ihr Ding, und sie ist meine absolute Favoritin innerhalb der Serie.

 Buffy Summers - Buffy the Vampire Slayer
©The WB

Joss Whedon hat die Sache mit den Frauen raus. Mit Buffy präsentierte er uns schon in den 90ern eine Serie, bei der eine weibliche Protagonistin im Fokus stand. Ungewöhnlich. Dann hat Buffy auch noch Vampire und Dämonen gejagt, und manch einer findet ja auch heute noch, dass das eher "Männerarbeit" sei. Hab ich schon erwähnt dass sie zu Beginn der Serie 15 ist? Die meisten Leute haben mit 15 andere Dinge zu tun. Buffy entdeckt ihre Kräfte, rettet mehrmals die Welt und geht nebenbei zur Schule, kümmert sich um ihren vielseitigen Freundeskreis und die Familie. Für mich war sie ein großartiges Vorbild in meiner Jugend, und momentan arbeite ich mich nochmal durch die ganze Serie. Und was soll ich sagen? Es ist immernoch wundervoll, wie das Wiedersehen mit alten Bekannten. 

 Claire Underwood - House of Cards
©Netflix

Zu "House of Cards" kam ich wegen Kevin Spacey. Und ja, er macht einen Wahnsinnsjob, so wie immer. Doch die wirkliche Überraschung kam in Form von Robin Wright als Claire Underwood. Claire steht ihrem Mann in nichts nach. Sie verfolgt ihre eigenen Ziele, und sie zeigt Zähne, wenn es nötig ist. Sie ist Francis völlig ebenbürtig, und wenn er diese Tatsache mal vergisst, dann hat das für ihn Konsequenzen. Und doch verbirgt sich unter dieser stahlharten Schale noch viel mehr. Die Szenen mit Adam zeigen dies, aber auch der Moment in Staffel 2, wo sie auf dieses Monster aus ihrer Vergangenheit trifft und kurzzeitig zusammenbricht.Claire Underwood ist keine Frau, die von irgendeinem Mann besessen wird. Sie macht ihr Ding. Wenn das in einer Partnerschaft am besten funktioniert, dann so. Ansonsten eben anders. Und hab ich schon erwähnt, dass ihr Kleiderschrank unfassbar ist? Gebt dieser Frau Preise für die besten Outfits, bitte!

 Hermine Granger - Harry Potter
© Warner Bros.

Hier aufzuzählen was Hermine alles erreicht hat in ihren sieben Jahren in Hogwarts würde in einer Endlosliste resultieren. Beschränken wir uns also auf das Wesentliche. Hermine ist verdammt clever, und sie spielt das niemals herunter. Da können ihre Mitschüler jahrelang dumme Kommentare raushauen. Sie engagiert sich sozial. Sie steht für Gerechtigkeit ein, und sie ist für ihre Freunde da. Dass Emma Watson selber ganz nach ihrer bisher bekanntesten Rolle kommt macht mich dabei direkt doppelt glücklich. 

 Ellen Ripley - Alien
© 20th Century Fox

Über Ripley muss man nun wirklich kein einziges Wort mehr verlieren. Wenn ihr "Alien" bisher nicht gesehen habt, dann holt diese Bildungslücke (und ich hasse dieses Wort, aber in diesem Fall geht es nicht anders) einfach schnellstmöglich nach und bewundert die Mutter aller grandiosen, Hinterteile tretenden Bossladies. Außerdem half Sigourney Weaver mir mit ihren wundervollen 1,80m Körpergröße durch diese beschissene Phase in der Schule, in der man als Mädchen für so eine Größe gemobbt wird. Wenn Ripley groß sein kann, dann kann ich das verdammt nochmal auch. Mein 13 Jahre altes Ich ist Ripley dafür bis heute dankbar.

 M - James Bond
© Sony Pictures

M leitet einen ganzen Geheimdienst und hat die Sache ziemlich gut im Griff. Dass sie Ärsche treten könnte, wenn sie wollte, bezweifle ich nicht. Doch bei ihr regelt vor allem der Verstand. Ganz davon abgesehen strahlt sie eine unglaubliche Autorität aus. Dafür muss sie niemals herumbrüllen oder so. Ein wunderbares Beispiel für großartige Frauen in Führungspositionen :)

 River Song - Doctor Who
© BBC

River Song hatte mich vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen. In "Silence in the Library" taucht sie auf, und es ist direkt klar: sie kennt den Doctor. Aber er kennt sie nicht. Was war da los? Als Matt Smith dann übernahm tauchte sie häufiger auf. Doch das Ausmaß ihrer Geschichte, das war noch eine ganze Weile lang unbegreiflich. Und als es aufgelöst wurde war es immernoch eine gigantische Angelegenheit. Und tragisch. Oh, so tragisch. 

Aber River ist nicht die Person, die sich runterziehen lässt. Sicher, manche sind genervt von ihrer Flirterei. Ich fand das immer recht amüsant, bringt es den Doctor doch permanent in Verlegenheit. Mit Aliens kommt er wunderbar zurecht, aber diese eine Frau, die überfordert ihn. Doch sie kennt seinen wahren Namen, und sie ist clever. Und mitfühlend. Ziemlich frech. Mit dem Herzen am rechten Fleck. River Song ist wundervoll, und ich würde mir ein Wiedersehen mit ihr wirklich aus tiefstem Herzen wünschen.

 Dana Scully - Akte X
© Fox

Hauptsächlich war sie damals dafür verantwortlich dass ich eine Weile lang Gerichtsmedizinerin werden wollte. Ich glaube, meine Lehrer fanden das damals hochgradig verstörend. Aber Dana Scully hatte mehr zu tun. Aliens, unerklärliche Mysterien und zwischendurch Morde: alles hat sie mit ihrem Kollegen aufgeklärt. Und dann waren da noch die ganzen Normalsterblichen, denen eine Frau beim FBI irgendwie suspekt war. Hat sie alles nicht gestört, und ich persönlich freu mich wie eine Irre darauf, dass momentan an einem befriedigenden Ende für "Akte X" gearbeitet wird. Endlich ein Wiedersehen mit meinen liebsten Agenten!

Sarah Connor - Terminator 2
© Columbia

Landet in einer Kategorie mit Ripley. Terminator sah ich, wie Alien, irgendwann in meiner Jugend zum ersten Mal, und ich war hin und weg. Vorher kannte ich nur diese "netten" Frauen in Filmen, und mal ehrlich, "nett" ist ja ganz nett, aber eben auch irgendwie die kleine Schwester von Scheisse. 
Doch dann tauchte Sarah Connor auf und zeigte mir: Frauen müssen nicht immer nur "nett" sein. Frauen können so viel mehr sein. Sie können stark sein. Sie können kämpferisch sein, für ihre Ziele einstehen. Es muss nicht immer zuckersüß zugehen, es dreht sich nicht immer nur darum wie ein (leider nicht immer nur fiktives) Männerbild sein Weibchen gerne hätte.

Das sind sie also, meine Favoritinnen. Viele andere gehören ebenfalls in diese Liste, aber der Platz hat nicht gereicht. Ist eure Lieblingsfigur mit dabei? Wer hätte eurer Meinung nach noch in die Liste gehört? 

Die Comic-Con kommt nach Deutschland!


Geht es euch in diesen Tagen auch so wie mir? In San Diego steht schon wieder die Comic Con auf dem Plan, und wie jedes Jahr blicke ich sehnsüchtig über den großen Teich und verspreche mir: nächstes Jahr, da fliegst du endlich mal rüber. Für gewöhnlich nehme ich mir dann vor, ganz viel zu sparen, aber bisher ist da nie was draus geworden. 

Doch die Rettung naht, und sie naht bereits im kommenden Jahr. Denn die Comic Con bekommt einen Ableger in Deutschland. In Stuttgart werden vom 25. bis zum 26. Juni 2016 auf dem Messegelände Stars aus Film und Fernsehen, Comiczeichner und zahlreiche andere Highlights anzutreffen sein. Die ersten drei Gäste sind bereits bestätigt, insgesamt sollen um die 30 Stargäste anwesend sein: 
James Marsters, bekannt aus "Buffy"
Nicole de Boer, bekannt aus "Star Trek: Deep Space 9"
Robert Picardo, bekannt aus "Stargate Atlantis"

(nein, ich bin beim Gedanken, James Marsters persönlich gegenübertreten zu können absolut nicht ausgeflippt, auf keinen Fall. Die Nachbarn mussten sich nicht erkundigen ob alles in Ordnung ist!)

Auch die Cosplayer werden voll auf ihre Kosten kommen, es wird Wettbewerbe geben, ein Cosplay-Village wird eingerichtet und am Samstag wird eine große Parade stattfinden. Persönlich finde ich Cosplayer ja immer ganz besonders toll, die Mühe, Arbeit und Detailverliebtheit, mit der viele da zu Gange sind ist echt der Wahnsinn. Ich nehme ja jede Convention mit, die machbar ist, und die Cosplayer sind immer wieder mein absolutes Highlight.

Panini wird mit Comics und Aktionen scheinbar der Hauptvertreter in diesem Bereich sein, macht ja auch Sinn, ist der Verlag doch ein Stuttgarter Urgestein. Messe-exklusive Publikationen, Zeichner und viele verschiedene Aktivitäten locken. Darüber hinaus werden wohl die für Conventions typischen Merchandise-Stände (ich fang besser schonmal mit dem sparen an...), Autogrammstunden, Panels, Ausstellungen und Walking Acts vorhanden sein. 
Immer ein Highlight: Cosplayer
Noch einige persönliche Worte zum Veranstalter: das gleiche Team ist in Deutschland bereits für Events wie die Fed*Con oder auch die Ring*Con verantwortlich, bringt also Erfahrung mit. Als Ring*Con Besucherin der ersten Stunde freue ich mich darüber ganz besonders, denn wenn jemand weiß, wie man ein solches Event auf die Beine stellt, dann ist es dieses Team.

Ja, wenn ihr mehr Infos braucht, dann besucht doch die Homepage: www.comiccon.de. Tickets könnt ihr dort auch schon kaufen, außerdem gibt es natürlich regelmäßige Updates. 

Freut ihr euch auf die Comic Con, und werdet ihr dafür nach Stuttgart fahren? Hinterlasst doch einen Kommentar :)

Blogparade: Die 10 legendärsten Serienepisoden

© Fox
Miss Boolena hat eine ganz wunderbare Blogparade zum Thema "legendäre Serienepisoden" ins Leben gerufen. Und weil sich an meiner Vorliebe für Listen noch immer nichts geändert hat, präsentiere ich euch jetzt meine 10 liebsten Serienepisoden, die mich entweder zutiefst erfreuten oder tränenüberströmt in der hinterletzten Ecke meines Bettes zurückließen. Nie war es hier im Blog so angebracht wie zuvor, aber: Spoiler. Ich hab euch jeweils direkt im Namen der Episode auch die Staffel mit angegeben, ihr könnt also auch nur die Texte lesen, zu denen ihr die Folgen schon kennt.

Nochmal, deutlicher: Spoiler

This article is dark and full of spoilers!

Also, legen wir los.

Lost - The Constant (Season 4, Episode 5)

Ohh, right in the feels. Lost war die erste Serie, die ich so richtig durchgesuchtet habe. Kurz vor der letzten Staffel bin ich eingestiegen, und weil ich mich zwischen zwei Jobs befand, habe ich eine ganze Woche genutzt um ALLES nachzuholen. "The Constant" wird für mich auf ewig einen ganz besonderen Platz im Seriengedächtnis haben. Einfach, weil es grandios gespielt und grandios geschrieben war. Weil es so viel Belohung für die Figuren war. Und weil ich zum ersten Mal so richtig mit Figuren mitgeweint habe.



Parks and Recreation - One last Ride (Season 7, Episode 12)

Parks and Recreation habe ich erst entdeckt, als die sechste Staffel bereits gelaufen war. In Windeseile habe ich also alle Folgen angeschaut, und dann auf die finale Staffel gewartet. Und was soll ich sagen? Selten habe ich eine letzte Staffel von irgendwas erlebt, die so aus allen Kanonen feuert. Die all ihren Figuren ein wunderschönes Ende beschert. Die sich so viel Mühe gibt, allen gerecht zu werden. Parks and Recreation war für eine Weile wie ein guter Freund. Mit Figuren, in denen man sich wiedererkennen kann. Mit einer tollen Botschaft. Und natürlich mit Leslie Knope, einer der besten Frauen im Fernsehen. Ich vermisse diese Freunde. Statt eines Clips aus der letzten Folge gibt es ein überall einsehbares Best-of Video von meiner heimlichen Seelenschwester April Ludgate. Bedankt euch bei Youtbe.





Breaking Bad - Ozymandias (Season 5, Episode 14)

Statt einer Szene aus der Episode möchte ich hier lieber den Trailer zeigen. Bryan Cranston liest das gleichnamige Gedicht von Percy B. Shelley. Und weil ich Gedichte mag, vor allem wenn sie aus der britischen Romantik stammen, gibt es an dieser Stelle das Gedicht für euch:
I met a traveller from an antique land 
Who said: — Two vast and trunkless legs of stone 
Stand in the desert... Near them, on the sand, 
Half sunk, a shattered visage lies, whose frown, 
And wrinkled lip, and sneer of cold command, 
Tell that its sculptor well those passions read 
Which yet survive, stamped on these lifeless things, 
The hand that mocked them, and the heart that fed: 
And on the pedestal these words appear: 
‚My name is Ozymandias, king of kings: 
Look on my works, ye Mighty, and despair!‘ 
Nothing beside remains. Round the decay 
Of that colossal wreck, boundless and bare 
The lone and level sands stretch far away.



True Detective - Who goes there? (Season 1 Episode 4)

In dieser Episode wird das Doppelleben von Hart aufgedeckt. Und True Detective hat in der ganzen ersten Staffel sowieso keinerlei Schwachpunkte. Nachdem ich also fast vier Folgen lang gaaaaanz langsam in die tiefen Abgründe dieser Serie hineingezogen wurde, endet die vierte Folge. Und nicht nur irgendwie, nein. Sie endet mit einem fast sechs Minuten langen One-Take Tracking-Shot. Was bedeutet das? Sechs gottverdammte Minuten ist die Kamera an Matthew McConaughey dran, es gibt keinen einzigen Schnitt. Das war der Moment in dem ich wusste: ich werde Zeugin von absoluter Ultrakunst. Am Ende saß ich auf der Bettkante und war sprachlos. 



Leftovers -The Prodigal Son Returns (Season 1, Episode 10) 

"Leftovers" spaltete die Serienzuschauer. Einige (so auch ich) sind begeistert und haben das Geschehen Woche um Woche mitverfolgt. Andere haben sich zu Tode gelangweilt. Die in meinen Augen treffendste Auseinandersetzung mit Depression und Verlust, die ich je in einer Serie erlebt habe, gipfelte in einem fulminanten Ende. in der Katharsis für die Figuren. Ich bin jetzt schon auf eine zweite Staffel gespannt.



Buffy - Once More with Feeling (season 6, Episode 7)

Joss Whedon, die erste. Dass der Meister aller Serien hier vertreten sein *muss*, ist ja klar. Buffy wird für mich immer einen besonderen Platz im Herzen haben, und "Once more with Feeling", die Musical-Episode, ist mit Abstand meine liebste Folge. Ich hab euch den Song von Spike, "rest in peace" herausgesucht. Die Beziehung zwischen Buffy und Spike war alles andere als einfach, das ist in diesem Song perfekt herausgearbeitet. Nebenbei ist James Marsters ein wirklich toller Sänger. Wer noch nie in dieser Hinsicht gesucht hat: Sucht bei Youtube nach "Ghost of the Robot".



Firefly - Out of Gas (Season 1, Episode 8)

Und Joss Whedon, die zweite. Firefly habe ich erst kürzlich entdeckt, aber die Liebe entwickelte sich wie ein Waldbrand. Fox bewies hier vermutlich am deutlichsten, wie kurzsichtig sie sind. Die erste Staffel wurde nicht einmal zu Ende ausgestrahlt. Und trotzdem werden auch nach 10 Jahren noch immer Neulinge zum Fan der wundervollen Crew um Captain Mal Reynolds. Episode 8 fällt aus dem restlichen Rahmen der Serie durchaus raus, denn hier gibt es vor allem eines: Hintergrundgeschichte. So ist die Crew der Serenity in der Gegenwart in einen Unfall verwickelt. Flashbacks erzählen dann, wie es zu diesem Unfall kam. In einem weiteren Rahmen erzählen andere Flashbacks, wie die Crew zusammenkam. Nicht dass die komplette Crew nicht vorher schon liebenswert gewesen wäre. Aber diese Folge zeigt das ganze Potential, welches "Firefly" gehabt hätte, wenn Fox nicht wieder dumm gewesen wäre. Curse you and your sudden but inevitable betrayal, Fox!



Doctor Who - Vincent and the Doctor (Season 5, Episode 10)

Nicht-Whovians Doctor Who nahe zu bringen ist eine Herausforderung. Normalerweise wird bei "ein 900 Jahre altes Alien in Menschengestalt, dass in einer Telefonzelle durch Raum und Zeit...." ihr wisst schon. Meine Episode um Neulinge zu überzeugen ist "Vincent and the Doctor". Nicht nur ist mit Amy Pond mein liebster Companion dabei, die Geschichte hat alles, was Doctor Who so großartig macht. Eine spannende Zeit, in der sie spielt. Ein faszinierendes Alien. So unendlich viel Herz. Und Vincent van Gogh. Und verdammt nochmal, Bill Nighy. Mit Abstand einer meiner liebsten Momente in der ganzen Serie ist das Ende der Folge. Denn zwischen all den Aliens, den verrückten Reisen und den Eigenartigkeiten des Doctors ist es das Herz, was die Serie besitzt. Dieses unendlich große Herz (manche sagen, es sind zwei), in dem Platz für jeden ist.



House of Cards - Chapter 14 (Season 2, Episode 1)

Mit House of Cards bin ich momentan noch beschäftigt und am Ende der dritten Staffel. Nachdem ich Staffel 1 schon grandios fand und mich fröhlich-motiviert auf die zweite Staffel stürzte, erlebte ich den bis dato größten "wtf-Moment" meines Serienlebens zu Beginn von Staffel 2. Franks unschöne Auseinandersetzung mit Zoe verfrachtete mich in eine Schockstarre. Als ich dann dort saß, ein kleiner Haufen Elend, wollte ich nichts weiter, als dass Frank mit mir spricht. So schrecklich dieser Mensch auch ist, ich wollte tröstende Worte. Doch es kam nichts, Frank schwieg mich an. Enttäuscht und allein gelassen saß ich also dort, um in letzter Minute doch erlöst zu werden. Und ich war Frank so dankbar. Dankbar, dass er mich nicht vergessen hat. Doch ich schämte mich auch. Für die Aufmerksamkeit, die ich von diesem Menschen haben wollte. Für mein beleidigt-sein, weil er mich eine ganze Stunde ignoriert hat. Ich hoffe, er wird mich nie wieder ignorieren. 



Game of Thrones - Mountain vs. Viper (Season 4, Episode 8)

Als Buchleser wusste ich ja, was kommt. Ich hatte allerdings zu Beginn der Staffel nicht damit gerechnet, dass mir Oberyn so sympathisch werden würde. So hatte ich dann also bis zum Ende des Kampfes noch einen Restfunken Hoffnung, dass irgendjemand sich erbarmen würde und hier die Serie vom Buch abweichen lassen würde. Aber keine Chance. Als ich die Folge angesehen habe, konnte ich am Ende nicht mehr hinsehen. Zwei Wochen später überraschte mich jemand mit einem Bild von Oberyn nach dem Kampf, und ich brach auf der Stelle in Tränen aus.


Game of Thrones Season 6: Werft einen Blick auf die neuen Rollen!


© HBO
Die fünfte Staffel ist zwar noch in vollem Gang, aber die Vorbereitungen für Staffel 6 haben bereits begonnen. Die Watchers on the Wall haben die ersten Casting Calls veröffentlicht, also Beschreibungen von neuen Rollen. Ich werde euch die Highlights hier kurz vorstellen und direkt ein paar Vermutungen äußern, wer da gesucht werden könnte. Ich werde nur Namen nennen und keine Buchspoiler vornehmen.

Die erste Rolle wird eindeutig als "Pirat" ausgeschrieben. Es handelt sich um einen Mann irgendwo in seinen 40ern bis 50ern. Ein berüchtigter Pirat, welcher die Weltmeere terrorisiert. Listig, skrupellos, ein bisschen wahnsinnig. Er sieht gefährlich aus und wird in der Staffel eine größere Rolle spielen.

So wie ich das sehe werden die Ironborn in Gestalt von Euron Crowseye also endlich ihren Auftritt bekommen. Euron ist ein Onkel von Theon. Da wäre dann noch Victarion, aber die Beschreibung passt dann doch eher auf Euron.Damit würde auch die Theorie (endlich!) ausgelöscht sein, dass Euron und Daario in der Serie zu einer Person zusammengeschmolzen wurden.

Die nächste Rolle ist eine Vaterfigur zwischen 50 und 60. Es handelt sich um einen der größten Krieger in Westeros. Humorlos, streng, furchteinflößend. Disziplin verlangt er sowohl auf dem Schlachtfeld als auch in seinem Haus. Die Rolle wird als "zentral in eine Storyline eines Protagonisten involviert" beschrieben.

Randyll Tarly scheint also endlich seinen Auftritt zu bekommen. Stannis hatte ihn in einer der letzten Folgen ja bereits erwähnt. Zeitgleich wird nach weiteren Rollen für diese Familie gesucht, ausgeschrieben ist eine Mutter, ein Sohn und eine Tochter. 

Ebenfalls auffällig ist die Suche nach einem Priester. Ebenfalls ein älteres Semester und ein ehemaliger Soldat, der sich nun dem Glauben zugewandt hat und sich vor allem um die ländliche Bevölkerung kümmert. Septon Meribald vielleicht?

Neben weiteren Rollen (die Mercy-Storyline um Arya scheint eine Rolle zu spielen, und ich hoffe immernoch auf Darkstar...) fallen vor allem diese hier in's Auge: drei Jungs. Einer davon muss zu groß für sein Alter sein, gesucht wird also ein Junge zwischen 10 und 12, der in der Serie 7 oder 8 sein wird. Es handelt sich um einen einmaligen Auftritt. Dazu kommt ein 12 Jahre alter Junge, der einen nördlichen Akzent braucht, mit einem Holzschwert kämpfen soll und für eine unbekannte Anzahl Episoden verpflichtet wird. Der dritte im Bunde ist idealerweise 7 Jahre alt, hat dunkelbraunes Haar und grüne Augen. Auch er hat einen nördlichen Akzent und kämpft mit einem Holzschwert.
© HBO
Da wir bereits in der fünften Staffel Flashbacks hatten würde ich vermuten, dass es sich hier um Ned und Brandon Stark sowie Robert Baratheon handelt. Die Altersunterschiede passen, Sean Bean hat grüne Augen, die Verteilung der Akzente macht ebenfalls Sinn. Allerdings wäre es auch möglich, einen jungen Littlefinger zu sehen.

Ebenfalls wurde bestätigt, dass Girona (Spanien) als neuer Drehort hinzukommt und für einige Wochen gebucht wurde. Wofür Girona Modell stehen darf ist allerdings bisher nicht bekannt.


Was haltet ihr von diesen Neuigkeiten? Habt ihr schon Wünsche für die jeweilige Besetzung, oder vielleicht ganz andere Ideen, um wen es sich bei den gesuchten Rollen handeln könnte? Teilt es doch in den Kommentaren mit!


Aus aktuellem Anlass: sexualisierte Gewalt in "Game of Thrones"



Eines der glücklicheren Paare in "Game of Thrones" © HBO

Diejenigen unter euch, die „Game of Thrones“ aktuell mitverfolgen, dürften auch die Diskussion um die letzte Folge irgendwie miterlebt haben. Ohne spoilern zu wollen lässt sich sagen: Die Autoren änderten erneut die Buchvorlage, um eine Vergewaltigung unterzubringen. Dies stieß auf lebhafte Gegenwehr im Internet. Viele Anhänger der Serie haben nicht vergessen, dass bereits in der vierten Staffel eine ähnliche Szene für Kontroversen sorgte. Bei der damaligen Darstellung wurde eine weibliche Hauptfigur gezeigt, die sich wehrte, sowohl verbal als körperlich, und trotzdem zum Sex gezwungen wurde. Dass der Regisseur der betroffenen Folge sich äußerte und felsenfest davon überzeugt war, keine Vergewaltigung inszeniert zu haben, war Wasser auf die Mühlen der Seriengegner. Konsequenzen für die Charakterentwicklung hatte diese Szene übrigens keine. Auch hier handelte es sich um eine Abwandlung vom Buch, dort war die Szene zumindest nach anfänglicher Gegenwehr durchaus einvernehmlich. Kontrovers und problematisch? Sicher. Aber eben am Ende klar aufgelöst. 

Die Diskussion um solche Inhalte ist dabei nicht neu. „Game of Thrones“ ist nicht die einzige Serie, die davon betroffen ist. Eines der Hauptargumente der Befürworter in diesem Fall ist: Die Serie ist brutal, orientiert sich an historischen Gegebenheiten, sich zu diesem Zeitpunkt darüber zu beschweren ist zu spät, und andere Serien sind auch brutal, also reißt euch gefälligst zusammen. 

Nehmen wir „Hannibal“ oder „Sons of Anarchy“ dazu. Beide Serien sind brutal in ihrer Darstellung. Doch es gibt einen deutlichen Unterschied zu „Game of Thrones“. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer von uns mit einem Schwert bewaffnet gegen eine Horde Untoter antritt, ist verschwindend gering. Die Chance, dass ein Drache mein Haus in Flammen aufgehen lässt und meine Familie toastet ist ebenfalls gering. Die Chance, dass jemand uns erschießt, weil wir zu falschen Zeit am falschen Ort sind ist immer noch gering, aber doch deutlich höher als von einem Drachen angegriffen zu werden. Es mag sein, dass der Autor sich an historischen Gegebenheiten orientiert hat. Die Existenz von White Walkern muss mir trotzdem noch jemand nachweisen. Sexualisierte Gewalt hingegen, gegen Frauen wie Männer gleichermaßen, ist bittere, alltägliche Realität. Der unsensible Umgang mit einem Thema, dass viele Zuschauer durchaus traumatisieren kann, ist innerhalb der Serie mehrfach negativ aufgefallen. Nun werden einige argumentieren und sagen, dass die Storyline der weiblichen Figur ja vorangetrieben wird und sie von dem Charakter, der gezwungen wurde zuzusehen, gerettet werden kann. Doch ist es wirklich notwendig, eine weibliche Hauptfigur zu opfern, um eine männliche Nebenfigur zum Handeln zu bringen?  Der Fachbegriff für diesen Vorgang ist übrigens „fridging“, basierend auf einem Green Lantern Comic, in dem eine der Hauptfigur nahestehende Person ermordet in einem Kühlschrank aufgefunden wurde. Bereits dort diente das nur der Entwicklung der Hauptfigur. 
Auch ein glückliches Paar, zumindest für eine Weile © HBO
Ebenfalls hätte uns niemand beibringen müssen, was für ein mieser Kerl der Vergewaltiger war. Dies beweist er seit 2 Staffeln mehr als eindrücklich. Folter, Mord und Psychospielchen stehen den ganzen Tag auf dem Plan. Es hätte keine Vergewaltigung gebraucht um der weiblichen Figur (und dem Zuschauer) klar zu machen, um was für einen Kerl es sich handelt. Seine Familie hat darüber hinaus Teile ihrer Familie ermordet. Braucht man mehr Motivation, um sich rächen zu wollen? 

Bleibt das „Argument“, bisher hätte sich ja auch niemand beschwert, und alle die nun ihre Meinung äußern, sind elende Heuchler. Diese Argumentationsweise kommt vermutlich von Leuten, die nicht sehr viel Zeit damit verbringen, die Berichterstattung zu dieser Serie auch nur oberflächlich zu verfolgen. Die explizite Gewaltdarstellung, besonders aber auch der Umgang mit der sexualisierten Gewalt gegen die weiblichen Figuren stand seit Beginn der Serie in der Kritik. Und spätestens wenn gestresste Zuschauer sich mit „in einer Ehe gibt es sowas wie Vergewaltigung nicht“ oder „nur weil sie weint und schreit heißt das noch lange nicht, dass sie nicht will“  oder auch „stell dich nicht an, man hat ja nicht mal was gesehen“ (gerne in Verbindung mit dem Wunsch nach mehr nackten Brüsten der weiblichen Hauptdarsteller, egal wie jung diese sein mögen) herausreden wollen, sollte man alarmiert sein.

Aus dem tagtäglichen Umgang mit Opfern einer Vergewaltigung wird leider zu oft deutlich, dass dem Opfer häufig zumindest eine Teilschuld zugesprochen wird. Während einerseits oft darauf hingewiesen wird, sich im Falle einer Vergewaltigung nicht zu sehr zu wehren, da der Angreifer nicht noch provoziert werden soll, folgt daraus auf der anderen Seite oft die Anschuldigung, dass man sich ja "besser hätte wehren können, und vielleicht doch nicht so abgeneigt war?". Dieser Eindruck scheint sowohl in der Realität, als auch in der Fiktion, vorrangig zu herrschen, und er ist ein in meinen Augen sehr bedenklicher Teil der kompletten "rape culture". Die Akzeptanz dieses "victim blaming" ist erschreckend, und sie sollte auch von den Serienmachern angemessen adressiert werden. Denn momentan lässt die Reaktion vieler (nicht aller!) Zuschauer sehr, sehr tief blicken.
Kommen wir zurück zur Serie. Während argumentiert werden kann, dass Daenerys sich nach einem anfänglich unfreiwilligen Vollzug ihrer Ehe mit ihrer Situation auseinandersetze, die Zügel in die Hand nahm und sich zu einer selbstbewussten Frau entwickelte, blieb diese Entwicklung schon bei Cersei größtenteils aus. Und selbst wenn sich die letzte Hauptfigur im Bunde nun in einen Racheengel verwandelt und mit Hilfe ihres Bekannten den Laden aufräumt, so wird stets ein negativer Beigeschmack bleiben. Ich bin sicherlich die letzte Person die pauschal sagt, dass kein Mensch sich nach einer Vergewaltigung je erholen kann und als Überlebender gestärkt ins weitere Leben zieht. Doch im Serienkontext ist dies fragwürdig und problematisch, denn es wird niemals adressiert. Es wird abzuwarten bleiben, wie sich dieser Teil der Geschichte entwickelt, doch momentan sehe ich persönlich keine Lösung, die ich als akzeptabel empfinden würde. 
Ebenfalls ein glückliches Paar, bis... ihr bemerkt, es herrscht ein Muster © HBO
Aktuell bleibt so nur der schale und bittere Nachgeschmack, dass erneut einer Figur Gewalt angetan wurde, um den Zuschauer zu schocken. Und die bittere Erkenntnis, dass Gewalt in dieser Form von vielen Zuschauern scheinbar nicht als solche wahrgenommen wird, sondern zum reinen Unterhaltungszweck verkommt. Die Frage ist: wieviel Gewalt brauchen wir als Zuschauer, und wieviel Gewalt kann man verkraften? Brauchen wir solche Darstellungen, damit unser Sonntagabend ein bisschen mehr Pepp bekommt? Ich persönlich würde mir im Falle weiterer Vergewaltigungen innerhalb der Serie eine Triggerwarnung vor der jeweiligen Folge wünschen. Denn wenn man sich erst einmal über das Totschlagargument „wenn dir das bisschen Sex zu viel ist, dann schau halt was anderes“ hinaus ist, dann ist dies durchaus eine Auseinandersetzung mit der eigenen Moral, den eigenen Bedürfnissen, der man sich stellen kann und sollte. Denn so wie es aussieht ist nicht anzunehmen, dass die Schreiber der Serie aus dem bisherigen, unschönen Umgang mit dem Thema etwas lernen werden. Oder schlimmer: sie lernen, entschließen aber im Sinne der Zuschauerzahlen, weiter solch niedere Triebe zu befriedigen. Und so wie ich mich kenne, werde ich, wenn auch mit Magenschmerzen, die Serie weiter verfolgen. Denn wer weiß, vielleicht gibt es eine Überraschung, vielleicht lernt jemand dazu und vielleicht werden die primären Schauwerte irgendwann nicht mehr aus nackter Haut und eindrucksvoller CGI bestehen.