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Serienkritik: South Park Staffel 18

"South Park" läuft aktuell mit der bereits 19. Staffel, und wie bei allen Serien die auf so eine lange Laufzeit zurückblicken können stellt sich häufig mal Routine ein. "South Park" umgeht dieses Problem zwar weitestgehend mit nahezu tagesaktueller Umsetzung aktueller Themen, doch wir alle wissen wie gerne Fans meckern. So gehört es mittlerweile zum guten Ton bestimmte Serien ab einer gewissen Staffel als merklich schlechter abzustempeln, prominentes Beispiel hierfür sind die "Simpsons". Die werden nach einstimmiger Meinung des Internets seit Staffel zehn nämlich immer schlechter. Nun will ich gar nicht bestreiten dass manche Konzepte sich über die Zeit abnutzen. Die gute Nachricht ist aber: wem es mit "South Park" in den letzten Staffeln so oder so ähnlich ging, der dürfte Staffel 18 mögen. Nicht nur wagt man sich hier nämlich an neue Konzepte, man findet auch wieder die perfekte Mischung aus absolut flachem Humor und punktgenauer Satire, welche die Serie so beliebt gemacht hat. Aber lest selbst:
© Paramount
Story: Diesmal stecken Cartman, Kenny, Stan und Kyle in einer virtuellen Welt fest, gehen im Keller piephahnmagischen Aktivitäten nach, lüften das schockierende Geheimnis eines Superstars und erreichen Trends­Gender­Status durch Cartmans Internet­Persona.

Disc 1:
01 Leckt euch Selbst
02 Glutenfreies Ebola
03 Die Cissy
04 Handicar
05 Der Magische Busch

Disc 2:
06 Freemium gibt's nicht umsonst
07 Die Hausarrest-Schleife
08 Piep-Hahn-Magic
09 #Hashtag "Aufwärmen"
10 #Fröhliche Hologramme 

Kritik: Besonders zu Beginn der Staffel müssen sich Fans wohl erstmal ein wenig umorientieren. Kontinuität war bisher selten ein Thema bei "South Park", höchstens Kennys Tod in Staffel 5 und ein paar Folgen die inhaltlich lose zusammenhingen gab es bisher. Doch nun gibt es ein übergreifendes Thema und Handlungsstränge die sich durch die ganze Staffel ziehen. Das ist neu, aber auch ziemlich erfrischend. Besonders die Geschichte um Lorde setzt hier neue Maßstäbe, greift sie doch verschiedenste Themen auf. Auch gibt es zwischendurch Episoden die für sich alleine stehen können, es bleibt also abwechslungsreich. Löblich ist auch dass es zwar ein übergreifendes Thema gibt, dieses aber nicht so dominant ist das themenfremde Zuschauer abgeschreckt werden.

© Paramount
Fans von Randy kommen in dieser Staffel auch auf ihre Kosten. Es ist ja immer toll zu beobachten wie Figuren sich entwickeln, und Randy ist von einer absoluten Nebenfigur zum garantierten Humor-Lieferanten geworden. Auch Butters sorgt mit seiner stetigen Anwesenheit wieder für Lacher. Aber auch in Sachen Gaststars überzeugt die Staffel. Scheinbar ist die Zeit gekommen in der man sich über Michael Jackson wieder amüsieren darf. Wer sich im amerikanischen Alltagsgeschehen auskennt dürfte seine Freude am Umgang mit den Washington Redskins gehabt haben. Wie Cartman mit deren Besitzer, Dan Snyder, umgeht und dabei die gleiche, also nicht existente, Form von Respekt aufweist die das Team den amerikanischen Ureinwohnern entgegenbringt ist herrlich skurril. Auch der Umgang der Polizei mit farbigen Mitbürgern kriegt sein Fett ab. Hier zeigt sich auch wieder wie effektiv es ist dass die Serie so zeitnah produziert wird, manche Themen sind beinahe tagesaktuell in ihrer Verarbeitung.

Die Folgen einzeln durchzukritisieren würde der Serie als solche vermutlich nicht gerecht werden. "Handicar" fällt im Gesamtvergleich vermutlich ein wenig ab, "Die Cissy" gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten der Staffel. Der zweifache Fokus auf Cartman, der in der Schule den Protest gegen die Toiletten für Jungs auf eine ganz neue Ebene hebt und auf Randy, dessen Lorde-Storybogen hier voll zum Tragen kommt und es schafft die Gender-Thematik wirklich effektiv auszuleuchten funktioniert wirklich wunderbar. "Die Hausarrest-Schleife" geht die Virtual-Reality Thematik an und im Finale sind es beinahe schon die ruhigeren Töne, wie die Tatsache dass Kyle mit seinem Bruder Ike Computerspiele spielen will statt irgendwelchen Let's Plays zuzusehen, die so richtig in schwarze treffen. Wie bei allen anderen Serien auch war die Qualität also nicht immer gleichbleibend hoch, doch im Gesamtvergleich sind hier 9 von 10 Folgen mindestens überdurchschnittlich gut gewesen. Muss man auch erst mal schaffen.

Fazit: Mit Staffel 18 geht "South Park" neue Wege und lässt die Folgen staffelübergreifend zusammenhängen. Das Konzept geht trotz ein paar Handlungssträngen, die sich irgendwann verlieren, auf und weiß zu begeistern. Mit der bissigen Kritik an sozialen Medien, Freemium-Games und dem Internet generell legen Parker und Stone in gewohnter Manier erneut den Finger in die Wunde. Wer bisher den Eindruck hatte das die Serie an Qualität verloren hatte darf sich hier über einen erneuten Aufschwung freuen, für alle anderen wird nochmals eine Schippe draufgelegt. So macht "South Park" wirklich Spaß.


Die DVD: Die Doppel-DVD kommt im schicken Digipack daher, welches in einem stabilen Pappschuber sitzt. Auf mattem Hintergrund sind die einzelnen Figuren glänzend durch Prägung hervorgehoben. Sieht auf jeden Fall schick aus und macht im Regal gut was her! Im Inneren befinden sich jeweils an den Seiten kurze Inhaltsangaben zu den jeweils fünf Folgen, die auf eine DVD gepackt wurden. Besonders gut gelungen ist das Bild, die Farben sind satt und kommen selbst auf DVD prima zur Geltung. Der englische Ton kommt in 5.1 daher, die deutsche Tonspur in 2.0. Es gibt zahlreiche Untertitel und ein paar Extras, die das Gesamtpaket schön abrunden. So kann man sich die teilweise herrlich bissigen Audiokommentare von den Serienschöpfern Matt Stone und Trey Parker zu allen Folgen anhören und es gibt ein paar deftige entfernte Szenen. 



Infos zur Serie

Originaltitel: South Park
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Animation, Komödie, Satire
FSK: 16
Laufzeit: ~ 214 Minuten
Regie:Trey Parker, Matt Stone
Drehbuch: Trey Parker, Matt Stone
Darsteller:Trey Parker, Matt Stone, Isaac Hayes, Spril Stewart, Mona Marshall

Trailer


Serienkritik: Outlander Staffel 1

© Starz
Um "Outlander" habe ich lange Zeit einen Bogen gemacht. Einen weiten Bogen. Die Buchvorlage war mir zwar bekannt, gelesen habe ich aber bisher kein einziges Buch aus der ganzen Reihe. "Outlander" kämpfte bei mir gegen Windmühlen, denn so sehr ich auch Schottland liebe, ich hatte keine Lust auf eine lahme, kitschige Liebesgeschichte vor romantischer Kulisse. Oh man, wie falsch ich doch lag. Als ein Kollege nur positives über die erste Staffel zu sagen hatte und mir das Ganze mit den Worten "das wird dir sicher gefallen, nachdem du dich so über "Game of Thrones" aufgeregt hast" nochmal mit aller Deutlichkeit nahelegte ergab ich mich also meinem Schicksal. Nachdem ich also die komplette erste Staffel in einer Woche verschlungen habe ist es Zeit für ein Plädoyer in Sachen "Outlander".





Story: Die britische Kriegskrankenschwester Claire Randall wird nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder mit ihrem Ehemann vereint. Auf ihrer zweiten Hochzeitsreise geht sie durch einen alten Steinkreis und befindet sich plötzlich im Jahre 1743 im kriegszerrütteten Schottland der Highland-Clans. Welche Mächte sie auf diese Zeitreise voller Intrigen und Gefahren geschickt haben, weiß Claire nicht. Sie wird als Spionin bezichtigt und muss einen verfolgten Highlander heiraten, in den sie sich auch noch verliebt. Claire ist zwischen zwei Männern, der Vergangenheit und ihrer Zukunft hin- und hergerissen. Dabei stehen ihr Leben und ihr Herz auf dem Spiel.
© Starz
Kritik: Als Zuschauer muss man sich natürlich zunächst einmal damit auseinandersetzen dass es hier um Zeitreisen geht. Die Serie beginnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, Claire (Caitriona Balfe) und ihr Mann sehen sich nach Jahren zum ersten Mal wieder. Auch hier hatte ich Angst, aber Frank (Tobias Menzies) ist einfach ein richtig netter Kerl. Vielleicht ist er ein bisschen langweilig, aber verdammt, die beiden lieben sich, keiner benimmt sich wie ein Arsch. Die zweiten Flitterwochen werden in Schottland verbracht und eigentlich könnte alles prima sein. Doch dann sehen die beiden zu Samhain (Halloween) ein altes Ritual an einem Steinkreis. Als Claire am nächsten Tag den Steinkreis allein besucht wird sie in der Zeit zurückgeworfen. Es gibt keine direkte Erklärung dafür und Claire geht auch verdächtig entspannt damit um. Frank ist natürlich außer sich und sucht nach seiner Frau. Hier hätte man den Kitsch so richtig aufdrehen können, doch die Serie bleibt bodenständig und zeigt uns ein Paar, dass nichts will außer wieder zusammenzufinden. Es ist unheimlich leicht sich für die beiden zu begeistern und die Serie nimmt sich auch angemessen viel Zeit bis Claire sich dann für Jamie (Sam Heughan) interessieren "darf".

Jamie kommt dann auch zunächst daher wie das personifizierte Cover jedes Highlander-Liebesromans der je geschrieben wurde. Er ist groß, er ist männlich und bestimmt, er kann kämpfen, er hat eine dunkle Vergangenheit, hört zu, ist freundlich und schreitet dazwischen wenn Frauen ungerecht behandelt werden. Ich müsste lügen wenn ich sagen würde dass ich Jamie nicht innerhalb weniger Folgen verfallen bin. Doch "Outlander" spielt mit dieser scheinbaren Perfektion, denn auch Jamie gerät in Momente, in denen eine ganz andere Seite zum Vorschein kommt. Einige davon sind gut gehandhabt, andere (nachdem er eine Meinungsverschiedenheit mit Claire hatte und sie züchtigt) sind weniger gut gehandhabt. Alles in allem ist er aber eine komplexe Figur mit der man schnell mitfiebern kann. Ihm gegenüber steht Claire, die vermutlich selbst für 1945 sehr fortschrittliche Ansichten hatte. 1743 eckt sie damit häufiger mal an. Durch ihre Arbeit als Krankenschwester im Krieg besitzt sie ein breites medizinisches Wissen, und sie ist gleichzeitig willensstark, aber auch verletzlich. Wie auch Jamie ist sie vielschichtig und extrem sympathisch. Tobias Menzies hat hier eine fulminante Doppelrolle, denn er darf in der 1743 spielenden Geschichte den Bösen geben. Captain Black Jack Randall ist, soviel kann man guten Gewissens sagen, mit das fieseste was ich je in einer Serie gesehen habe. Sein Verhalten ist grausam, sadistisch und einfach nur brutal, und besonders in den späteren Folgen zog sich alles in mir zusammen sobald er zu sehen war. Menzies hängt sich in diese Rolle so richtig rein und haucht der Figur ein erschreckendes Leben ein. Dafür kann man ihn wirklich nicht genug loben. Zartbesaitete Zuschauer dürften allerdings hier an ihre Grenzen stoßen, denn spätestens mit den letzten beiden Folgen fährt die erste Staffel Geschütze auf, die man nur als drastisch bezeichnen kann. Und auch davor gibt es einige heftige Szenen zu sehen. So gibt es, der Zeit angemessen, zahlreiche Verwundete, man darf von Peitschenhieben zerfetzte Rücken begutachten und es wird auch recht explizit in Sachen Sex.
© Starz
Auch die Nebenfiguren wissen zu gefallen. Graham McTavish als Dougal MacKenzie ist wunderbar intrigant, Gary Lewis als Colum MacKenzie überzeugt ebenfalls. Doch wo "Outlander" so richtig brilliert sind die weiblichen Nebenrollen. Da wäre Laura Donelly als Jenny Fraser. Sie liefert eine Performance ab bei der sofort klar ist: mit der Frau legt man sich nicht an. Sie hält das Haus zusammen, hat aber auch kein Problem damit die Dinge außerhalb in die Hand zu nehmen. Es wäre so leicht gewesen sie und Claire gegeneinander auszuspielen, doch "Outlander" geht den erhabenen Weg und lässt die weiblichen Figuren mindestens respektvoll, oft aber auch freundschaftlich miteinander agieren. Zickenkriege sucht man hier vergeblich. Lotte Verbeek spielt Geillis Duncan als gleichzeitig verschlagene, aber auch resolute und sympathische Figur. Es wäre darüber hinaus ein leichtes, die schottische Landschaft als weiteren Darsteller aufzulisten. Wer bereits einmal selbst vor Ort war wird das sicherlich bestätigen können: Schottland ist ein verdammt hübsches Fleckchen Erde. Gedreht wurde dann auch an richtigen Schauplätzen (wenn ihr mal in der Nähe von Inverness sein solltet tut euch den Gefallen und besucht das Culloden Battlefield, es setzt Maßstäbe in der Funktionsweise eines Museums!). Auch die Kostümdesigner gehören gelobt für die vielseitigen, detailreichen und wunderschönen Kleider. Ein großer Pluspunkt ist auch die Verwendung des Gälischen. Viele Figuren sprechen zwischendurch gälisch, und es gibt keine Untertitel dazu. Manchmal übersetzen andere Figuren dann das Wesentliche, oft bleiben dem Zuschauer aber nur der Tonfall und die Mimik als Anhaltspunkte. Es kommen aber zu keiner Zeit Probleme auf zu verstehen, um was es gerade geht. Diese Mischung aus fantastischen Figuren und immersiven Kulissen, gepaart mit wundervoller Musik, komponiert von Bear McCreary, und dieser wundervollen, speziellen Sprache macht "Outlander" dann auch zu einem richtigen Erlebnis. Die Geschichte steht auch niemals still, es wird nie lange an einem Ort verweilt. Man kriegt also viel zu sehen und die Geschichte entwickelt sich ständig in eine neue Richtung.
© Starz
Womit "Outlander" mich dann aber vollends überzeugen konnte war der reflektierte Umgang mit Gewalt. Nach diesem einen, unschönen Ereignis in der fünften Staffel von "Game of Thrones" schrieb ich diesen Artikel, der sich mittlerweile zum meistgelesenen Artikel auf diesem Blog gemausert hat. Als jemand der sich immer stark für den Umgang mit (vor allem) sexueller Gewalt in Film und Serien interessiert hat, hatte ich natürlich meine Bedenken wegen "Outlander". Doch die Macher der Serie haben ein geschicktes Händchen bewiesen. Gewalt ist natürlich vorhanden, und auch historisch gut verankert innerhalb der Geschichte. Aber der Umgang damit ist reflektierter als vieles, was sonst im TV zu sehen ist. Im Falle einer Vergewaltigung wird sich danach mit dem Befinden des Opfers und auch der Angehörigen beschäftigt, und ein solches Trauma hat in der Serie Konsequenzen für die Figur. Man verzichtet darüber hinaus größtenteils auf das voyeuristische Zeigen von zu viel nackter Haut. Das gibt all den Szenen die Möglichkeit, uneingeschränkt den Horror einer solchen Situation zu zeigen. Auch gibt es eine Szene in der Jamie ausgepeitscht wird. Hier gilt das gleiche: es gibt einiges zu sehen, nichts davon ist leicht zu ertragen. Doch es wird sich danach damit auseinandergesetzt, es ist nicht einfach nur schmuckes Beiwerk um den Zuschauer aus seiner Lethargie zu reißen. Im Gegenzug dazu sind Szenen, in denen einvernehmlicher Sex stattfindet durchaus freizügig, allerdings wird sich hier mehr auf Claire konzentriert. Es ist erfreulich in einer Serie einer Frau zu begegnen die selbstbestimmten Sex genießen darf und auch keine Probleme damit hat, Wünsche zu äußern und einzufordern.

Fazit: "Outlander" begeistert mit einer abwechslungsreichen Geschichte, tollen Kulissen und vor allem mit seinen vielschichtigen und komplexen Figuren. Man sollte sich von der Werbung nicht täuschen lassen, statt endlosem Kitsch in den schottischen Highlands gibt es hier Drama, Action und ein überraschend hohes Level von Brutalität. Sympathische und talentierte Darsteller runden das Gesamtpaket ab und machen die erste Staffel von "Outlander" zu einer meiner neuen Lieblingsserien.

Infos zur Serie

Originaltitel: Outlander
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Drama, Sci-Fi, Romantik, Abenteuer,
FSK: 16
Laufzeit: ~ 880 Minuten (16 Folgen mit je rund 50-60 Minuten Laufzeit)
Regie: Anna Foerster, Richard Clark, Brian Kelly, John Dahl
Drehbuch: Ronald D. Moore, Ira Steven Behr, Diana Gabaldon
Darsteller: Caitriona Balfe, Sam Heughan, Tobias Menzies, Graham McTavish, Gary Lewis, Lotte Verbeek, Duncan Lacroix, Bill Paterson



Serienkritik: Blutsbande


© Edel:Motion
Dass die Skandinavier ein Händchen für mitreissend erzähltes Kino besitzen ist nichts neues. Doch was für das Kino funktioniert klappt im Norden auch für den Serienmarkt erstaunlich gut. Zuletzt begeisterte neben den beinahe schon als Klassikern geltenden "Wallander" Krimis und "Komissarin Lund" vor allem "Real Humans" die Zuschauer. Kurze Zeit nach der Ausstrahlung im schwedischen Fernsehen lief letztere Serie auch bei uns auf Arte, da legen die Schweden schon nach. Mit "Blutsbande" zeigte Arte im Juli die zehn Folgen der ersten Staffel jeweils im Doppelpack aus. Und seit einer Weile kann man sich die mehrfach ausgezeichnete Serie, deren zweite Staffel schon in der Vorbereitung steckt, dank der Verleihfirma Edel:Motion auch ins Regal stellen. Ob die schwedische Dramaserie, deren korrekter Titel "Tjockare än vatten" sich mit "dicker als Wasser" übersetzten lässt, aber tatsächlich überzeugen kann?  




Story: Auf einer wunderschönen Insel in den schwedischen Schären betreibt Anna-Lisa Waldemar zusammen mit ihrem Sohn Oscar und dessen Familie ein altes Gästehaus. Als sie pünktlich zum Beginn der Sommersaison Oscars Geschwister Lasse und Jonna auf die Insel einlädt, hält sich seine Begeisterung mehr als in Grenzen. Doch bald erschüttert ein noch größerer Schock Oscars Welt: Anna-Lisa wird tot aufgefunden. Und damit nicht genug. In ihrem Testament verfügt sie, dass ihre Kinder nur dann erben, wenn sie die Pension eine Saison lang gemeinsam betreiben.

Der letzte Wille der Mutter ist ein verzweifelter Versuch, die Geschwister wieder zusammenzuführen und miteinander zu versöhnen. Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Denn das Wiedersehen von Oscar, Lasse und Jonna bringt jede Menge verborgene Wahrheiten und dunkle Familiengeheimnisse ans Tageslicht, die ihre Leben für immer verändern. Sie müssen sich den verdrängten Konflikten der Vergangenheit ebenso stellen, wie den aufgewühlten Emotionen der Gegenwart. Und alle werden herausfinden, ob Blut wirklich dicker als Wasser ist.
© Edel:Motion
Kritik: Mehr über die Geschichte von "Blutsbande" zu verraten wäre vermutlich ein gigantischer Spoiler. Soviel sei aber gesagt: wer auf Charakterdrama steht, der kommt hier voll auf seine Kosten. Gestaltet sich der Anfang noch recht zahm und nett, wird schnell klar, dass hier einige Geheimnisse begraben liegen. Natürlich versuchen die Kinder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sich für den einen Sommer zusammenzuraufen. Doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr Geheimnisse kommen an Tageslicht, wollen aufgearbeitet werden. Alle drei Geschwister haben ihre eigene Vergangenheit, die sie einfach nicht loslassen will.

Den speziellen visuellen Stil der Skandinavier findet man auch hier vor. Die Farben scheinen ihrer Leuchtkraft beraubt, dunkle Töne dominieren. Das passt natürlich zur rauen Landschaft, und man erwischt sich beim Anschauen vermutlich das ein oder andere Mal beim Gedanken, doch mal Urlaub hoch oben in Schweden machen zu wollen. Dem passt sich der Soundtrack an, der die dramatischen Momente gekonnt untermalt und maßgeblich zum Spannungsaufbau beiträgt. 

Letzten Endes wird ein Drama aber zu großen Teilen von den Darstellern getragen. Johanna Ringbom als Nachbarin bereitet diebische Freude beim Zuschauen. Auch die anderen Darsteller sind gut gewählt und überzeugen. Ab der Mitte der Staffel leiden die Darsteller dann unter dem Drehbuch, welches sich zu gerne in irrelevanten Nebenschauplätzen verläuft. Die Spannung kippt zwar nie ganz, doch das anfangs hohe Tempo wird ein ums andere Mal arg gedrosselt. Wer mit ruhigem Erzähltempo keine Schwierigkeiten hat, der dürfte sich hier wohlfühlen. Wer auf schnell und effizient erzählte Geschichten steht, der dürfte sich an der einen oder anderen Stelle ein wenig langweilen. Doch an sich sind genug Wendungen vorhanden, und mittels Rückblenden wird vieles aufgearbeitet was die Figuren in ihrer heutigen Zeit beschäftigt.
© Edel:Motion
Fazit: "Blutsbande" ist eine schöne Abwechslung von den durchaus stylischen und packenden Thrillern und Krimis, welche die Skandinavier wie am Fließband liefern. Hie erwartet den Zuschauer ein Familiendrama, welches seine Sogwirkung langsam entwickelt, um dann umso fester zupacken zu können. Die Darsteller überzeugen im Rahmen des Möglichen, die raue Landschaft lädt zum Verweilen ein und die Musik tut ihr Übriges um eine rundum stimmige, mitreißende Serie zu erschaffen. Wer gerne seine Zeit damit verbringt, eine Handvoll komplexer Figuren immer besser kennen zu lernen und sich nicht daran stört dass das Tempo nach hinten heraus bisweilen arg verlangsamt wird, der ist hier goldrichtig und sollte der Serie eine Chance geben.

Infos zum Film

Originaltitel:Tjockare än vatten
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama
FSK: 12
Laufzeit: 583 Minuten
Regie: Erik Leijonborg, Molly Hartleb, Anders Engström
Drehbuch: Niklas Rockström, Morgan Jensen, Henrik Jansson-Schweizer, Charlotte Lesche
Darsteller: Joel Spira, Björn Bengtsson, Aliette Opheim, Jessica Grabowsky, Molly Nutley, Tanja Lorentzon, Johanna Ringbom, Conrad Stenberg

Die DVD: Die 10 Folgen, die mit knapp 583 Minuten Laufzeit angegeben werden, kommen auf vier DVDs verteilt an. Leider gibt es kein Wendecover. Die Extras fallen arg mau aus, außer 3 Trailern ist leider nichts zu finden. Neben der deutschen Synchronisation gibt es auch den schwedischen Originalton, Untertitel fehlen allerdings. In beiden Sprachfassungen ist der Ton in Dolby Digital 2.0 zu hören, die Abmischung von Musik und Dialogen ist dabei gut ausgewogen. Das im 16:9 Format vorliegende Bild besticht durch gute Kontraste und überzeugt mit guter Qualität. Generell sehr schön ist die Option im Menü auszuwählen, alle Folgen einer DVD hintereinander abzuspielen.

Serienkritik: Penny Dreadful Staffel 1

© Showtime
Alle Jahre wieder erblickt etwas Seltenes das Licht der Welt, und oft passiert dies unbemerkt. Und während man trefflich darüber debattieren kann, ob das Horrorgenre als solches seinen Zenit überschritten hat, oder Serien wie "Hannibal" die rühmliche Ausnahme darstellen, ist "Penny Dreadful" im letzten Jahr still und heimlich auf der Bühne erschienen. Während es im populären Horrorfilm scheinbar nur noch darum geht, entweder den Ekelfaktor hochzuschrauben oder Jumpscares an den unnötigsten Stellen einzubringen, bis der Zuschauer sich am Ende erschreckt wenn ausnahmsweise etwas nicht passiert, bemüht sich diese Serie vorrangig um die ruhigen Töne, ohne dabei jedoch auf wohldosierte Action zu verzichten. Produziert wird "Penny Dreadful" von Sam Mendes (American Beauty) und geschrieben von John Logan (Gladiator, Skyfall). Pünktlich zum Start der zweiten Staffel könnt ihr nun herausfinden, ob die erste Staffel einen genaueren Blick wert ist. Seit Anfang April ist Staffel 1 auch in Deutschland auf DVD und Blu-Ray erhältlich, die Serie läuft hierzulande außerdem bei Netflix. In den USA läuft sie beim Sender Showtime.


Penny Dreadful, dahinter steckt keine Person. Vielmehr handelt es sich dabei um gruselige Groschenromane, die im viktorianischen London äußerst populär waren. Darin wurden aktuelle Ereignisse, gerne auch blutige Verbrechen, aufgearbeitet oder mysteriöse Geschichten um Monster erzählt. Wohliger Grusel mit Garantie für Gänsehaut in Literaturform sozusagen. Wie schon bei "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" (Die Comics, nicht der doch eher mittelmäßige Film) mischt "Penny Dreadful" zahlreiche berühmte Figuren der britischen Horrorliteratur zu einem äußerst reizvollen Ganzen zusammen und lässt sie in verschiedenen Konstellationen aufeinandertreffen.
© Showtime
Da wäre die geheimnisvolle Vanessa Ives (Eva Green), die ihr eigenes Geheimnis mit sich herumträgt und scheinbar übernatürliche Fähigkeiten besitzt. Gemeinsam mit Malcolm Murray (Timothy Dalton), einem Forscher, sucht sie nach dessen Tochter Mina. Ihnen zur Seite stehen der amerikanische Revolverheld Ethan Chandler (Josh Hartnett), der ebenfalls das ein oder andere Geheimnis versteckt. Ethan lässt sich mit Brona Croft (Billie Piper) ein, die mit einer schweren Krankheit kämpft. Wie gut, dass sich auch ein junger Arzt (Harry Treadaway) der Gruppe anschließt. Dieser verbringt auffällig viel Zeit mit seinen eigenen Forschungen. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Dorian Gray, der sich in den erlesensten Kreisen der Gesellschaft bewegt und ein Auge auf Vanessa geworfen hat...

Bereits ab der ersten Sekunde fällt auf, mit wie viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde. Die Kostüme sind atemberaubend, die Kulissen stimmig und detailliert. Das viktorianische London entsteht zwar in Dublin, doch auffällig ist das nicht. Die Stadt ist düster, dreckig, faszinierend. Voll mit kleinen, verwinkelten Gassen, alten Häusern und bedrohlichen Ecken. Die Gefahr könnte hinter jeder Ecke lauern. Und Gefahren gibt es in London definitiv. So wird nach der verschwundenen Mina gesucht, und schnell wird klar: Wesen, die man nicht benennen kann, die aber eindeutig nicht menschlich sind, haben das Mädchen entführt. Als die Gruppe eines dieser Wesen fangen kann, erfahren sie eine Wahrheit, die zunächst schwer zu glauben ist und die das Weltbild der Figuren auf den Kopf stellt. 

Während "True Detective" zuletzt bewiesen hat wie gut ein einziger Regisseur für eine ganze Staffel funktioniert, fährt "Penny Dreadful" das Modell "ein Regisseur für je zwei Folgen". Insgesamt umfasst die erste Staffel nur 8 Episoden, große Möglichkeiten für Ausreisser sind also von vorherein nicht gegeben. So liegen die Folgen alle auf einem recht hohen visuellen Niveau, und Brüche in der Darstellung gibt es keine. Durchaus ein Modell, an dem sich viele weitere Serien orientieren könnten.

Neben den wunderschönen Kulissen sind es natürlich vor allem die Schauspieler, die im Fokus stehen. Allen voran beweist hier Eva Green, wie gut sie eigentlich ist. Sie verleiht Vanessa Ives Tiefe, portraitiert den inneren Konflikt auf wirklich mitreissende Weise. Ihr zur Seite steht Veteran Timothy Dalton, der als Paradebeispiel für den weisen älteren Mentor durchgeht. Josh Hartnett schlägt sich als planlos wirkender Amerikaner souverän. Doch auch die Neuentdeckungen wissen zu gefallen. Harry Treadaway liefert einen innerlich zerrissenen, von seiner Forschung heimgesuchten Doktor. Reeve Carney als Dorian Gray ist gleichzeitig wunderbar unschuldig und unglaublich lasziv, und seine Szenen mit Eva Green knistern geradezu vor Erotik, die Spannung zwischen den beiden schafft es mühelos, den ganzen Raum für sich zu vereinnahmen. Und dann ist da noch Rory Kinnear, der als Caliban seine ganz eigene Show außerhalb jeder Konkurrenz durchzieht. Selten hat eine Figur in einer Serie mich so in ihren Bann gezogen, mich so mitfühlen lassen. Wer für das Casting in dieser Serie verantwortlich war, hat wahrlich ein goldenes Händchen und ein sehr gutes Gespür für Talent.
© Showtime
Doch neben diesen Schauwerten bietet "Penny Dreadful" ein ausgewogenes Maß zwischen Storytelling und Action. Die Serie nimmt sich alle Zeit der Welt, ihre Figuren vorzustellen und genau zu erforschen. Man scheut sich auch nicht, wichtige Szenen wirklich als solche zu positionieren. So findet in der zweiten Folge eine Séance statt, die gute 10 Minuten der knapp 50 Minuten Laufzeit pro Folge in Anspruch nimmt. Die Vorbereitungen und das "Danach" sind von dieser Zeit wohlgemerkt ausgenommen. Nicht nur läuft hier Eva Green zur Höchstleistung auf, spielt sich im wahrsten Sinne des Wortes die Seele aus dem Leib. Als Zuschauer sitzt man unweigerlich davor und wagt es kaum zu blinzeln, um nur ja keine Sekunde dieser Performance zu verpassen. Auch eine gute Prise Erotik darf nicht fehlen, hierfür ist vor allem Dorian Gray verantwortlich. Eine Figur, der man kaum wiederstehen kann, besser man versucht es erst gar nicht. Und dann sind da noch die schicken Actionszenen, die durchaus auch mal blutig ausfallen dürfen.

"Penny Dreadful" begeistert mit mitreissender Optik und grandiosen Schauspielern. Dichte Atmosphäre ergänzt sich mit Szenen die stellenweise direkt aus ihren berühmten literarischen Vorlagen entnommen sind. Diese Nähe zur Literatur ist erfreulich. Die gekonnte Umsetzung verhindert, dass die Serie ins Kitschige abrutscht, die Figuren werden zu keinem Moment der Lächerlichkeit preisgegeben. Unterschwellig finden sich dann zahlreiche weitere Themen, wie der Umgang mit dem Unausweichlichem, dem sich alle Figuren gegenüber sehen. Auch der Wandel vom rationalen hin zum mystischen ist präsent. Eine packende erste Staffel, die Appetit auf mehr macht und für Fans von Horrorgeschichten, dem Übernatürlichen und ausführlichen Charakterisierungen wie geschaffen scheint. Riskiert einen Blick, aber lasst euch nicht zu tief in die Abgründe der Demimonde ziehen.