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Filmkritik: Kill your Friends

© Ascot Elite
Story: Steven Stelfox ist der Auserwählte! Sein Wille macht aus unbekannten Musikern Bands mit Plattenvertrag. Dabei interessiert sich Steven gar nicht für Musik. Sein einziger Gott ist der Profit. Das Ziel ist immer der nächste große Hit, der die Kassen seines Musiklabels füllt.
Und Steven Stelfox ist ein Riesen-Arschloch! Skrupellos, krank vor Ehrgeiz und zynisch bis zum Abwinken kokst und vögelt sich der junge A&R-Manager durch die Britpop-Szene der 90er Jahre. Aber der Erfolgsdruck steigt. Als Stelfox bei einer Beförderung übergangen wird, greift er zu extremen Maßnahmen und erledigt seinen Rivalen für immer. Zunächst mit Erfolg. Doch neue Hindernisse fordern drastische Maßnahmen und die Blutspuren auf Stevens Karriereleiter werden immer größer…

Kritik: Als "American Psycho" für die aktuelle Generation wird "Kill your Friends" angepriesen. Das ist natürlich ein gewagter Vergleich, und es wundert auch nicht, dass der Film dem großen Vorbild letztendlich nicht standhalten kann. Da dieses Kunststück, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, aber bisher keinem anderen Film gelungen ist besteht keinerlei Grund, sich zu schämen. Einzig die Erwartungen sollten in Anbetracht dieser Lobpreisungen ein klein wenig heruntergeschraubt werden. Denn dann macht "Kill your Friends" richtig Laune. 
© Ascot Elite
John Niven adaptierte hier gleich sein eigenes Buch als Drehbuch. Dabei bliebt leider einiges auf der Strecke, vielleicht wollte man das Publikum auch nicht zu sehr schocken. Das große Vorbild von Bret Easton Ellis litt in der Verfilmung an der gleichen Thematik und auch "Drecksau" mit einem herrlich derangierten James McAvoy in der Hauptrolle kam auf der Leinwand deutlich zahmer daher als es im Buch der Fall war. Irgendwo scheint eine Grenze zu bestehen, wie viel man dem Zuschauer zumuten will. Nicolas Hoult, der sich seit seinem Auftritt als schräges Kind in "About a Boy" richtig gemacht hat und zuletzt in "Mad Max" begeisterte, nimmt hier die Bühne ganz für sich ein. Die vierte Wand wird gleich zu Beginn niedergerissen und wir dürfen direkt teilhaben am Kampf unter den Haien um das saftigste Stück Fleisch, also den Sessel in der Chefetage. Dass im Musikbusiness beinahe nur Menschen arbeiten die nicht wirklich Interesse an Musik, sondern nur am Profit haben, dürfte keinen Newswert haben. Der Einblick in die Szene, in der John Niven selbst eine Weile gearbeitet hat, ist dann aber doch stellenweise ein wenig unangenehm. Die meisten von uns wollen da doch daran glauben, dass Musik zumindest ein paar Beteiligten Freude bereitet, hier wirken die Künstler aber mehr wie ausnehmbare Lämmer auf der Schlachtbank. 
© Ascot Elite
So kokst, vögelt und mordet sich Steven Stelfox also durch den Film. Sympathie kommt für ihn keine auf, der Typ ist einfach durch und durch ein zynisches, Frauen hassendes (außer er findet sie fickbar), Menschen verabscheuendes Arschloch. Er fällt, steht wieder auf, fällt wieder hin und rappelt sich erneut auf, um zum Gegenschlag auszuholen. Mitfiebern fällt schwer, Regisseur Owen Harris, der hier nach zahlreichen Ausflügen im TV sein Kinodebüt gibt, lässt die Kamera eine sichere Distanz zwischen Steven und dem Publikum wahren, auch wenn er permanent mit uns spricht. Angereichert wird all dies mit einem schicken Soundtrack, der einerseits die 90er mit Songs von Oasis, Radiohead oder Blur zelebriert, auf der anderen Seite dann aber einen eigenständigen Score von Junkie XL mitbringt. Der sorgte zuletzt für die musikalische Untermalung bei "Deadpool" und "Mad Max" und schafft es auch hier, der Sache seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Zur Musik gesellen sich zahlreiche Anspielungen auf die 90er, die einem jüngeren Publikum wohl wenig sagen dürften, für diejenigen die in dieser Zeit aufgewachsen sind aber den ein oder anderen Lacher bereithalten dürften. Die 90er waren auch das letzte große Aufbäumen einer klassischen Musikindustrie, in der aufstrebende Künstler zwangsläufig von der Gnade eines ihnen wohlgesonnenen Labels abhängig waren. Gewissermaßen ist es ein Abschied, eine ewige, dekandete Party, die hier zelebriert wird. Man weiß nie, wann das Ende kommt, aber dass es kommt ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ab der zweiten Hälfte tritt "Kill your Friends" dann auf der Stelle und will mit ein paar Witzen über Aids, Homosexualität und Pädophilie auf zu kindische Art provozieren. Das Musikbusiness der 90er bleibt ein reiner Jungsclub, brutal und infantil gleichermaßen. Der Film kommt an seine offensichtlichen Vorbilder nie so ganz ran, aber für einen unterhaltsamen Abend mit einem Menschen hassendem Psychopathen taugt "Kill your Friends" allemal. Auch wenn der Titel wirklich irreführend ist, denn Freude hat Steven Stelfox nun wirklich keine.

Fazit: Neben dem Soundtrack und der tollen Leistung von Nicolas Hoult überzeugt vor allem der Auftakt von "Kill you Friends". Zynisch, bitterböse und skrupellos zeigt sich der Einblick in die Musikindustrie. Im weiteren Verlauf tritt der Film dann ein wenig auf der Stelle, bleibt aber bis zum Ende hin unterhaltsam. Ein bisschen mehr Exzess hätte es gerne sein dürfen, aber wer gerne zu entspannter Musik aus den 90ern 100 unterhaltsame Minuten mit einem richtig unsympathischen Arschloch verbringen will, der ist hier goldrichtig.

Die Blu-ray: Die Blu-ray von Ascot Elite kommt im schicken Pappschuber nach Hause. Auf dem lässt sich das FSK-Logo leider nicht entfernen, das Blu-ray-Case selbst hat dann aber ein Wendecover. Die deutsche und englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor, das Mischverhältnis von Dialogen zur Musik ist stellenweise arg unausbalanciert. Wer Nachts schaut, sollte die Fernbedienung griffbereit haben. Ansonsten sind die Dialoge aber klar und deutlich und der Sound tönt kristallklar aus den Boxen. Untertitel gibt es nur in Deutsch. Das Bild ist gestochen scharf und wirkt stellenweise wie durch einen Filter aufgenommen, der aber den 90s-Eindruck verstärkt und das Ganze recht atmosphärisch wirken lässt. Als Extras gibt es neben ein paar Trailern noch einige Interviews, eine B-Roll und Aufnahmen von der Filmpremiere am Zürich Film Festival.  

Infos zum Film

Originaltitel: Kill Your Friends
Erscheinungsjahr: 2015
Genre:Komödie, Thriller, Komödie
FSK:16
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Owen Harris
Drehbuch: John Niven
Darsteller: Nicolas Hoult, James Corden, Tom Riley, Craig Roberts, Georgia King, Joseph Mawle, Moritz Bleibtreu u.a.

Trailer

Filmkritik: Hail, Caesar!

© Universal

Story: Eddie Mannix (Josh Brolin) ist ein Fixer. Als PR-Agent agiert er hinter den Kulissen und sorgt dafür dass die Stars ihre weiße Weste behalten, auch wenn sie mal wieder knietief im nächsten Skandal stecken. Im Hollywood der 50er ist er ein wichtiger Mann. Die Klatschkolumnistinnen Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) sind ihm stets auf den Fersen. Als am Filmset der Superstar Baird Whitlock (George Clooney) entführt wird, muss Mannix den Fall lösen. Doch zwischen Stars und Sternchen und all ihren Problemen ist das gar nicht so einfach. DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) ist schwanger, was ihren Wasserballett-Film schwierig umsetzbar macht. Den Vater des Kindes will sie auch nicht heiraten, was ein Skandal wäre. Und Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) soll vom Westerngenre in seichte RomCom-Gefilde wechseln. Das verwirrt Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes), der für solchen Nonsens einfach keine Zeit hat. Eddie Mannix hat einen stressigen Tag vor sich.

Kritik: Mittlerweile dürfte sich herauskristallisiert haben, dass die Coens in ihren Filmen jeweils machen, was sie wollen. Da kommt schon mal die totale Existenzialismuskrise ("Inside Llewyn Davis") oder ein knallharter Western ("True Grit") bei herum. Eine Fanbasis haben sie sich damit geschaffen, "Fargo" hat es sogar auf eine ziemlich gute Serienadaption gebracht. So richtig kommerziell erfolgreich sind ihre Filme aber selten, und auch "Hail, Caesar!" wird beispielsweise auf IMDB mit Hohn und Spott übergossen. Leute brüsten sich damit, den langweiligen Film nach 30 Minuten verlassen zu haben. Aber was ist da los, ist er wirklich so grottenschlecht?
Channing Tatum singt jetzt auch © Universal
Wer so offensichtlich fragt, hat natürlich auch eine Antwort parat. Und die lautet eindeutig: Mitnichten. "Hail, Caesar!" ist vielleicht anders, als man ihn erwartet hätte. Aber schlecht? Auf keinen Fall. Arm dran ist hier, wer sich nie tiefergehend mit Filmgeschichte beschäftigt hat. Wer nie  "Ben Hur" gesehen hat, mit dem Klischee des singenden Cowboys nicht vertraut ist, nie von den komplizierten Auteur-Regisseuren der 50er mit ihren Ballraum-Dramen gehört hat. Wer niemals sah, wie Gene Kelly tanzte und niemals Esther Williams als Meerjungfrau sah. "Hail, Caesar!" nimmt sich all diese Werke zur Brust, persifliert sie auf sanfte Art und Weise, ohne sie jemals in den Dreck zu ziehen. Da spricht eine gewisse Ehrfurcht vor dem Medium Film an sich heraus, und die Coens haben auf diesem Gebiet verdammt viel Ahnung. So versteht sich "Hail, Caesar!" dann vermutlich auch gar nicht als zielgerichtetes Werk mit Lehrauftrag, sondern als Hommage. Und als solche funktioniert der Film einwandfrei. Satte und lebendige Farben entführen uns in diese goldene Ära, die irgendwie so mystisch wirkt. Damals, als die Stars noch wirkliche Stars waren. Die Sorte, die man heute kaum noch findet, mit all ihren Allüren und Skandalen. Roger Deakins beweist einmal mehr seinen Wert als Kameramann wenn er den Stil verschiedener Filme emuliert und atemberaubend schöne Bilder erschafft. Genau wie Komponist Carter Burwell arbeitet er häufig mit den Coens zusammen, und es ist klar dass es sich um ein eingespieltes Team handelt.
"Would that it were so simple" © Universal
Getragen wird das alles auf den Schultern von Josh Brolin, der sich als würdiger Anker für alle um ihn herum erweist. Seine nach außen hin raue Art sorgt dafür dass die Dinge für gewöhnlich ein gutes Ende nehmen, die softere private Seite von Eddie Mannix liefert einen soliden Gegenpol. Channing Tatum beweist nicht nur erneut, dass er tanzen kann, sondern singt auch ziemlich passabel. Das größte Lob sollte aber Alden Ehrenreich gehören. Mit einer "zu gut für diese Welt" Attitüde ausgestattet kämpft er den ganzen Film gegen seinen dicken Akzent, für das Richtige und gegen das generelle Image, welches ihm anhaftet. Eine tolle Performance, die neugierig auf mehr macht. George Clooney bleibt seiner Linie treu und spielt weiterhin den Trottel für die Coens, und was soll man sagen? Er ist richtig gut in seinem Job. "Hail, Caesar!" ist randvoll mit Cameos, einige davon (Jonah Hill, Frances McDormand) verpuffen relativ wirkungslos. Tilda Swinton in einer irrwitzigen Doppelrolle ist genial wie immer, Ralph Fiennes beweist sein Talent und Gespür für Comedy. Würde man nichts an diesem Film mögen, dann wären die Darsteller alleine das Geld für das Ticket wert, Der Film mag nicht immer wirklich auf ein Ziel hinarbeiten, aber der Weg macht dank des speziellen, schrulligen Humors eine Menge Spaß.
Hat keinen leichten Tag: Eddie Mannix © Universal
Nun könnte man natürlich negativ anmerken, dass der Film sich irgendwann im Sande verläuft. Kaum eine der Geschichten findet zu einem abschließenden und für den Zuschauer befriedigenden Ende. Aber letztendlich geht es um einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben einer Person, die mit vielen anderen Personen Kontakt hat. Und mit einem solchen Job sind wohl einfach nicht immer alle Geschichten am Ende des Tages abgeschlossen. Diesen Faktor "Hail, Caesar!" zum Vorwurf machen zu wollen scheint also höchst kurzsichtig und sollte unterlassen werden. Dass diejenigen Zuschauer, die vom Hollywood der 50er keine Ahnung haben, die meisten der Referenzen im Film nicht verstehen werden und darum eine schwere Zeit haben werden ist ebenfalls kein berechtigter Kritikpunkt, sich filmisch auch mal mehr als zehn Jahre zurück in die Vergangenheit bewegen hat noch niemandem geschadet.

Fazit: Mit "Hail, Caesar" gelingt den Coens etwas Ungewöhnliches, etwas Großes. "Hail, Caesar" ist vordergründig witzig und nimmt das Hollywood der goldenen 50s gekonnt und liebevoll auf die Schippe. Die realen Vorbilder für die Figuren sind teilweise überdeutlich, und hier setzt der andere Faktor ein, der den Film so unterhaltbar macht. Denn all diese Stars und Sternchen werden dekonstruiert, all die Arbeit die hinter der endlosen Imagepflege steckte wird deutlich. In der Rekreation legendärer Szenen steckt eine Menge Schönheit und es lohnt sich, auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber auch wenn man von Hollywood keine Ahnung hat findet man hier eine witzige, clever erzählte Geschichte. Nur auf Geradlinigkeit und tieferen Sinn sollte man sich nicht freuen, denn zumindest oberflächlich betrachtet verläuft sich "Hail, Caesar" irgendwann im Sand. Aber erleben wir nicht Tag für Tag exakt das Gleiche?

Infos zum Film

Originaltitel: Hail, Caesar!
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Komödie, Drama, Thriller, Musical
FSK: 0
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Joel und Ethan Coen
Drehbuch:Joel und Ethan Coen
Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Scarlett Johansson, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Channing Tatum, Tilda Swinton u.a.

Trailer


Filmkritik: The Big Short

© Paramount
Story: Jared Vennett (Gosling) ist Aktienhändler bei der Deutschen Bank. Dr. Michael Burry (Bale) ist der Gründer von Scion Capital. Ben Rickert (Pitt) ist Wertpapierhändler bei Cornwall Capital und Mark Baum (Carell) ist Hedgefondsmanager. Was die vier gemeinsam haben? Sie haben den Börsensturz und die Finanzkrise von 2008 kommen sehen - und entsprechend reagiert und sich abgesichert, um von der Krise zu profitieren. Burry entwickelt den "big short": Leerkäufe von Aktien großer Investmentbanken ermöglichen ihm im Angesicht der Krise gegen die Banken zu wetten und von deren Niedergang zu profitieren.

Kritik: Regisseur Adam McKay hat sich bisher eher durch schräge Komödien wie "Talladega Nights" oder auch "Anchorman" ausgezeichnet. Da mutet es auf den ersten Blick doch seltsam an das gerade er sich für die Verfilmung von Michael Lewis gleichnamigen Bestseller aus dem Jahr 2010 verpflichten ließ. Die Finanzkrise ist ja irgendwie nicht gerade ein Thema das für schrägen Humor prädestiniert ist. Aber, und irgendwie überrascht das dann doch wieder nicht, er stellt sich als genau der Richtige für diesen Job heraus. Wer allerdings orgiastische Exzesse im Stile von beispielsweise "Wolf of Wall Street" erwartet (der Trailer geht ein wenig in diese Richtung), der sollte seine Erwartungen noch einmal überdenken.

© Paramount
Die meisten Zuschauer werden vermutlich von den großen Namen angezogen, die auf dem Plakat stehen. Wer schon immer mal sehen wollte wie Christian Bale ein Glasauge in Vollendung method-actet, der ist hier jedenfalls an der richtigen Adresse. Ryan Gosling gibt die perfekte Version eines Wall Street Yuppies, Patrick Bateman hätte jedenfalls seine Freude dran gehabt. Brad Pitt spielt eine Version von sich selbst als Berater der eigentlich aus dem Geschäft ist, gerne aber jüngeren Kollegen hilfreich zur Seite steht. Und Steve Carell darf erneut beweisen dass er nicht nur Comedy kann, sondern auch als moralisch wenigstens nicht ganz so fragwürdiger Typ eine überzeugende Arbeit liefert. Finn Wittrock, der zuletzt wohl durch "American Horror Story" auffiel schafft den Sprung auf die große Leinwand mühelos und in Nebenrollen und Gastauftritten wartet hier die eine oder andere Überraschung. Darstellerisch kann man hier wirklich nicht meckern, alle sind mit ganzem Herzen dabei und liefern Bestleistungen. Zwar erinnert die Optik sowohl der Figuren als auch des Films an sich häufiger mal an die 90er und weniger an die frühen 2000er, aber was soll's.

Wo McKay sich allerdings wirklich austobt ist die Inszenierung. Relativ schnell wird klar dass hier absolut antiklimatische Stimmung herrscht. Wir wissen von Anfang an dass der Markt kollabieren wird, die Figuren wissen dass der Markt kollabieren wird, also beobachtet man sie dabei wie sie sich die Wartezeit vertreiben und daran arbeiten ihren Profit im Krisenfall zu maximieren. Da findet man sich durchaus auch mal auf moralisch fragwürdigen Pfaden, wenn man sich mit der aufstrebenden Jugend über das neueste Schlupfloch freut. Und egal wie man das Thema angeht, egal wie viel Vorwissen man hat, an manchen Stellen dürfte Ärger und Wut hochkommen. Wut darüber dass die Banken so sorglos mit dem ihnen anvertrauten Geld umgehen. Ärger über die Leute, die nur ihren eigenen Profit im Sinn haben und sich auf dem Rücken des vielzitierten Kleinen Mannes bereichern. Die als Sieger und Profiteure aus einer Krise stolzieren können, die so unendlich viel Leid verursacht hat. 

© Paramount
Man darf sich aber auch durchaus über die Naivität einiger Kreditnehmer wundern, denn wer braucht mit einem bescheidenen Gehalt wirklich fünf Häuser und eine Eigentumswohnung, die abbezahlt werden wollen? Gier gegen Gier, aber nur einer kann am Ende gewinnen. Doch kommen wir noch einmal auf die Inszenierung zu sprechen. Es ist, denke ich, nicht zu viel behauptet wenn ich sage dass die wenigsten von uns tatsächlich Ahnung vom Finanzwesen haben. Klar, wir alle wissen wie die Krise 2008 zustande gekommen ist, jedenfalls grob. McKay lässt hier ein Feuerwerk von Begrifflichkeiten auf den Zuschauer los, und im ersten Moment fühlt man sich davon wirklich erschlagen. Immer wenn es zu viel zu werden droht schalten sich aber großartige Gastauftritte ein, die einem auf die Sprünge helfen. Fast alle Figuren brechen mehrmals durch die so genannte Vierte Wand und sprechen direkt mit dem Zuschauer. Manchmal, um Dinge zu erklären, manchmal um uns an der Nase herum zu führen. Nicht nur der Markt, sondern auch der Zuschauer wird manipuliert. Und spätestens wenn eine Erklärung mit Gelächter aus der Konserve unterlegt wird, im glamourösen Las Vegas die letzte Einstellung Obdachlose unter der Brücke zeigt und alles mal wieder wirkt wie ein für MTV produziertes Musikvideo wird klar welcher Anarchismus gleichsam in diesem Film und im Finanzwesen herrscht. So entwickelt sich "The Big Short" schnell zu einer rasanten Achterbahnfahrt geradewegs in die Hölle, garniert mit zahlreichen Spielereien, vielen Loopings, einer Metaebene über die man seitenlange Essays schreiben könnte und der stets unterschwelligen Botschaft dass auch die Zahlen auf dem Papier, die roten und die schwarzen gleichermaßen, am Ende für ein konkretes Menchenleben stehen.

Fazit: Finanzkrise für Dummies? Mitnichten. Adam McKay liefert einen intelligenten Film, der mehr Überraschungen mit sich bringt als eine Wundertüte. Großartige Schauspieler, bissiger Humor, eine wohldosierte Prise Menschlichkeit und ein wahres Feuerwerk an Inszenierungstechniken wird hier auf den Zuschauer losgelassen und es ist sicher nicht verwerflich wenn man hier in eine Art Rausch gelangt. Auch wenn man vom Finanzwesen keinerlei Plan hat dürfte man am Ende dieses Films um einiges klüger sein, der Lerneffekt tritt hier aber beinahe nebenbei und unbemerkt auf. Ein großartiger und wichtiger Beitrag für das Kino und ein weiterer Idikator dafür dass das Filmjahr 2016 unverschämt stark losgeht.



Infos zum Film

Originaltitel: The Big Short
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Komödie
FSK: 6
Laufzeit: 131 Minuten
Regie: Adam McKay
Drehbuch: Adam McKay, Charles Randolph
Darsteller: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt, Finn Wittrock, John Magaro, Marisa Tomei, Melissa Leo, Billy Magnussen, Rafe Spall, Karen Gillan u.a.

Trailer


Filmkritik: Arlo & Spot

© Pixar
Story: Arlo hat es nicht leicht. Der kleine Apatosaurier ist der Nachzügler der Familie, die sich als Farmer betätigt. Nicht einmal den kleinen Menschenjungen, der heimlich die Vorräte der Familie stiehlt kann er vertreiben. Doch beim erneuten Versuch wird Arlo vom Fluß davongetragen und muss, gemeinsam mit dem Menschenkind Spot, den Weg nach Hause finden. Auf der abenteuerlichen Reise treffen sie auf viele andere Dinosaurier und es entwickelt sich eine innige Freunschaft zwischen den beiden ungleichen Wesen. 

Kritik: Pixar hat 2015 wirklich einen Lauf. "Alles steht Kopf" entpuppte sich nicht nur als bester Film des Studios seit langem, sondern als generell großartiges Meisterwerk über den Umgang mit unseren Gefühlen. Nun ist "Arlo & Spot" zu sehen, und der Film kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Der Regisseur wurde ausgetauscht, der Film ging zurück ans Zeichenbrett und kam mit 18 Monaten Verspätung ins Kino. Mit diesem Hintergrundwissen kommt man kaum darum herum sich zu fragen, welche Szenen im Film ausgetauscht wurden, oder wie die Originalfassung ausgesehen hätte. Denn "Arlo & Spot" ist nett. Mehr aber irgendwie auch nicht. Die Kritik enthält vermutlich Spoiler, der Film ist aber tatsächlich so vorhersehbar und ereignislos dass diese vermutlich nicht wirklich zu Buche schlagen. Dennoch, ihr wurdet gewarnt.
© Pixar
Besonders gelobt gehört der Animationsstil. Nicht unbedingt von den Figuren, ich zumindest frage mich wieso  die Dinosaurier so extrem verniedlichen musste. Sicher, zu einem gewissen Anteil müssen sie verniedlicht werden, schon allein damit man ihnen die Emotionen im Gesicht ablesen kann, aber die Kollegen hier sind schon arg überzogen. Arlo, der kleine und besonders ängstliche Apatosaurus ist aber natürlich trotzdem überaus putzig geraten, man gewöhnt sich überraschenderweise doch sehr schnell an die eigenwillige Optik. Aber der heimliche Star sind ganz klar die Landschaften. Was hier aus dem Computer herausgezaubert wurde trotzt einfach jeder Form der Beschreibung, die Landschaften sehen aus wie abfotografiert. Auch der Humor passt größtenteils. Die Slapstickeinlagen sind vermutlich vor allem für die kleineren Zuschauer witzig, treffen aber auch die Erwachsenen. Interessante Nebenfiguren, wie beispielsweise ein Rudel Tyrannosaurier mit einer eigenwilligen Berufswahl, gibt es ebenfalls. Ein wenig schwer zu erklären ist eine kurze, aus dem Nichts kommende Sequenz in der die beiden Hauptfiguren vor sich hin halluzinieren, sie erinnert ein wenig an "Pinocchio". Und zwischendrin wird es dann auch emotional, beispielsweise wenn Dino- und Menschenkind versuchen sich gegenseitig zu erklären wie es dem Rest ihrer jeweiligen Familie ergangen ist. Auch die Idee dass der Meteorit einfach an der Erde vorbeigerauscht ist und die Dinosaurier mit den Menschen gemeinsam auf dem Planeten leben ist witzig, wird aber im Film kaum genutzt.

© Pixar
Leider sind das aber auch beinahe schon alle Höhepunkte, die der Film zu bieten hat. Vor allem für Disneykenner gibt es hier absolut nichts Neues zu entdecken. Schlimmer noch, einige Szenen sind schrecklich offensichtlich aus anderen Filmen geklaut. Besonders der Einfluss von "König der Löwen" ist spürbar. So wie es eigentlich für Disney und weniger für Pixar typisch ist darf man sich zum Beginn des Films von einem Elternteil verabschieden, und hier wurde eine Herde Gnus einfach durch Wassermassen ersetzt. Später gibt es dann eine Stampede, natürlich mit einem Stein, hinter dem sich der verschreckte kleine Dinosaurier verstecken kann. Die Flugsaurier erinnern zu sehr an die Hyänen, vielleicht auch die Geier aus "Robin Hood", obwohl sie netterweise ihre ganz eigenen Spleens mitbringen und ihr Glaube, es handle sich bei schlechtem Wetter um eine anzubetende Gottheit, fast schon niedlich ist, weil sie natürlich keinerlei Sinn ergibt. Und am Ende steht, ganz wie im Dschungelbuch, die Erkenntnis dass Menschen und Tiere besser bei ihren jeweiligen Herden aufgehoben sind. Was sowieso ein wenig verwundert, denn davor ist nicht genug passiert um die starke Bindung zwischen den beiden Figuren zu rechtfertigen. Auch fühlt die Geschichte sich unbefriedigend an, denn mit Arlo passiert einfach zu wenig. Er wird in ein Abenteuer geworfen, er wird ein wenig erwachsener, ist am Ende mutiger und der Dino, den sein Vater in ihm gesehen hat. Was schön und gut ist, wäre da nicht seine Familie. Zu Beginn wird lange davon erzählt wie wenig sie mit der drohenden Hungersnot zurechtkommen, und man erwartet beinahe schon das Arlo unterwegs etwas findet um seiner Familie zu helfen. Dem ist aber nicht so, und seine schlussendliche Heimkehr unterstreicht diese Tatsache beinahe schon schmerzhaft. Nun, wenigstens sind nun alle überlebenden Familienmitglieder beisammen um gemeinsam nicht durch den harten Winter zu kommen. "Arlo & Spot" merkt man an zu vielen Stellen einfach an, dass die Geschichte nicht rundläuft, dass viel mehr Potential da gewesen wäre und man sich am Ende wohl nur darauf geeinigt hat den harmlosesten, weil nichtssagendsten Pixar-Film seit langem zu machen. 

Fazit: Besonders bei der Animation der Landschaften hat Pixar sich hier selbst übertroffen. Teilweise ist kaum noch zu unterscheiden ob man nun ein Panoramafoto anschaut oder eine animierte Landschaft, so realistisch sieht das alles aus. Würde es sich hier um ein reines Projekt handeln in dem gezeigt werden soll was Pixar momentan leisten kann, man müsste Höchstwertungen vergeben. Leider ist dem aber nicht so, und "Arlo & Spot" krankt dann auch an der ganz falschen Stelle. Die Figuren sind zu eindimensional, die Geschichte zu banal erzählt. Entschleunigung ist schön und gut und auch jederzeit willkommen, doch dieser Film lässt sich mit "Dino geht verloren, Dino findet Mensch, Dino geht nach Hause" in einem Satz vollumfänglich erklären. Herzig ist das natürlich trotzdem irgendwie, hier und da sitzt der Humor und wer nahe am Wasser gebaut ist wird hier sicher auch Taschentücher verbrauchen, denn stellenweise ist "Arlo & Spot" traurig. Aber unterm Strich fühlt sich das alles an wie dreimal recycelt und das drücken auf die Tränendrüsen erfolgt so dermaßen berechnet dass man sich hinterher ärgert, darauf hereingefallen zu sein. Ein schön anzusehender, netter Film, aber leider auch nicht mehr als das.


Infos zum Film

Originaltitel: The Good Dinsaur
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie, Animation, Abenteuer
FSK: 6
Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Peter Sohn 
Drehbuch: Meg LeFauve
Sprecher: Raymond Ochoa, Jack Bright, Frances McDormand, Jeffrey Wright, Anna Paquin, Sam Elliott u.a.

Trailer

Filmkritik: Im Rausch der Sterne

© Wild Bunch

Story: Adam Jones ist wie ein Rockstar: Genial, erfolgreich, leidenschaftlich und mit einem äußerst exzessiven Lebensstil. Dieser kostet ihn den Job als Chefkoch in einem der exklusivsten Sternerestaurants in Paris. Ein tiefer Fall, aber nach über zwei Jahren ist Adam Jones clean und zurück in seiner Wahlheimatstadt London. Er taucht bei seinem alten Freund Tony auf und will dessen Restaurant zur neuen Topadresse machen. Tony ist hin und her gerissen, willigt aber schließlich ein und Adam legt los. Er will die Besten im Team für sein bahnbrechendes Restaurant, er will 3 Sterne – und er will Helene, die außergewöhnlich begnadet kocht. Einziges Problem: Helene kann Adam nicht ausstehen. Letztendlich jedoch besitzen beide die gleiche Leidenschaft, brauchen die Hitze, den Druck und die Energie der Küche wie die Luft zum Atmen – aber Adam muss begreifen, dass sie nur im Team die Gourmetwelt Londons wirklich rocken können!
© Wild Bunch
Kritik: Ach, Filme in denen sich alles um die schönste Nebensache der Welt dreht. Die Rede ist natürlich vom Essen. "Kiss the Cook" hatte es dieses Jahr schon vorgemacht und wunderschön aussehendes Essen als heimlichen Hauptdarsteller inszeniert. Unter den wachsamen Augen von hochkaratigen Köchen, welche die feinen Speisen kameratauglich anrichten wird da kredenzt und verspeist, und eigentlich ist das eine ganz lustvolle Angelegenheit. "Im Rausch der Sterne", dessen Titel sich natürlich auf Michelin-Sterne bezieht und nicht etwa eine unterschwellige Liebesgeschichte implizieren soll (obwohl es die natürlich auch gibt), geizt dann auch nicht mit leckerem Essen. Wer also hungrig ins Kino geht dürfte nach dem Film gestresst bis aggressiv sein weil das leckere Futter in unerreichbare Ferne gerückt wird. Aber reicht das aus um einen guten Film zu machen?

Die Antwort ist ja klar. Natürlich reicht das nicht aus, sonst könnte man ja einfach ein paar Kochsendungen im TV anschauen oder sich durch Hochglanzmagazine blättern. Allerdings ist "Im Rausch der Sterne" bis in die kleinsten Nebenrollen prominent besetzt. Bradley Cooper soielt Adam Jones in der vermutlich harmlosesten Version eines ehemaligen Junkies die je auf der Leinwand zu sehen war. Jones ist der typischste Vertreter der Gattung jähzorniger Mistkerl, doch hier werden dieser Figur die Grenzen viel zu eng gesteckt. Cooper spielt toll wenn er ausrastet und auch in den wenigen ruhigen Momenten überzeugt er, doch die Konsequenz fehlt. Er darf nie so richtig ausflippen, nie richtig laut werden. Gleichzeitig wird in endlosen Voice-Over Erzählungen und in inhaltslosen "weißt du noch, damals in..:" Dialogen erzählt was für ein schlimmer Typ er wirklich war. Sogar überzeugte Lesben hat er, sehr zu deren bedauern, ins Bett gekriegt. Was für ein Mann! Immer wieder wird erzählt statt dem Zuschauer mal etwas zu zeigen. So tauchen in einer endlosen Reihe namhafte Darsteller auf um das Puzzle um die Vergangenheit von Adam zu ergänzen, nur wird das nie so richtig interessant. Omar Sy, Uma Thurman, Alicia Vikander, sie alle sind wie ein mittelmäßiges Dessert: nett anzusehen, aber sobald sie von der Bildfläche verschwunden sind hat man sie schon wieder vergessen. Besser ergeht es Daniel Brühl (in der OV mit einem Akzent den man beim besten Willen nicht zuordnen kann) und Sienna Miller, die beide mehr oder weniger auf Autopilot unterwegs sind und wie Cooper gegen das schwache Drehbuch anspielen. Geht besser, passt aber zum Gesamteindruck des Films.
© Wild Bunch
Um das durchaus hektische Treiben in einer Restaurantküche passend einzufangen wird dann übelst heftig geschnitten. Hin und her zwischen den Figuren, dem Essen, den Gästen. Das mag effektiv sein, so richtig zur Geltung kommt dann aber kaum etwas. Das ist schade, denn die Kulisse an sich ist durchaus spannend, und gutes Essen schauen sich die meisten ja nun auch gerne an. Was dann bleibt ist eine recht zahnlose, aber durchaus nette Geschichte um einen Typen der sich von irgendwo weiter unten wieder nach oben kämpft. Den Boden der Misere kriegen wir allerdings nie zu sehen, und dadurch verpufft eine Menge Potential der Geschichte. Alles ist und bleibt irgendwie austauschbar, und das ist besonders dann, wenn es um feinste Küche gehen soll nun wirklich fehl am Platz.

Fazit: "Im Rausch der Sterne" begeistert vor allem mit den Darstellern, bis in die kleinste Nebenrolle tauchen hier reihenweise Hochkaräter auf. Die Hektik, die in einer Küche herrscht wurde gut eingefangen und gegen eine gut erzählte Geschichte von der Läuterung des gefallenen Mannes dürften auch die wenigsten Zuschauer etwas haben. Nur leider schwächelt das Drehbuch, Inkonsequenz macht sich breit und die Figuren reden lieber über die Vergangenheit, statt zu zeigen was passiert ist. Das kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

Infos zum Film

Originaltitel: Burnt
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Komödie
FSK: 6
Laufzeit: 103 Minuten
Regie: John Wells
Drehbuch: Steven Knight
Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Daniel Brühl, Omar Sy, Emma Thompson, Alicia Vikander, Uma Thurman, Lily James, Stephen Campbell Moore u.a.


Trailer

Filmkritik: Ich und Earl und das Mädchen

© 20th Century Fox
"Ich und Earl und das Mädchen" ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jesse Andrews. Dramen über Jugendliche, die sich mit tödlichen Krankheiten im Freundes- und Bekanntenkreis auseinandersetzen sind seit einer ganzen Weile schon Thema, und hier reiht sich "Ich und Earl und das Mädchen" dann auch nahtlos ein. Ob der Film sich lohnt oder ob ihr eure Zeit lieber anders verbringen solltet erfahrt ihr in der Kritik. 

Story: Greg ist ein ganz normaler Schüler an seiner High School. Er versucht so gut es geht nicht aufzufallen und vermeidet es näheren Kontakt oder gar Freundschaften zu Mitschülern aufzubauen. Sogar seinen besten Freund Earl beschreibt er nur als Arbeitskollegen, denn die beiden drehen zusammen kurze Parodien von Filmklassikern. Eines Tages zwingt Gregs Mutter ihn, Zeit mit einer Mitschülerin zu verbringen. Rachel hat eben erst von ihrer Leukämie-Diagnose erfahren und wäre lieber allein, doch langsam freunden sie und Greg sich miteinander an. 


Kritik: Die Prämisse des Films klingt wie eine, man verzeihe das Wortspiel, todsichere Angelegenheit. Der Originaltitel schreckt dann auch nicht davor zurück den Zuschauer darauf hinzuweisen dass hier ein Mädchen stirbt. Doch Krebsdramen mit Jugendlichen sind angesagt und Filme wie "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" sind beim entsprechenden Publikum beliebt. In diese Kerbe haut nun auch "Ich und Earl und das Mädchen". Allerdings ist das statt einer sicheren Hausnummer eher ein mittelschwerer Fehlschlag. Schauen wir uns genauer an was hier alles nicht stimmt.

Da wäre beispielsweise die Tatsache dass Greg mit Abstand eine der unsympathischsten Figuren in einem Film seit langem ist. Er ist völlig auf sich selbst bezogen, distanziert sich von allen anderen und hat für jede Situation einen dämlichen Spruch auf Lager der unterstreichen soll wie egal ihm alles ist. Falls Teenager momentan sich so verhalten bin ich ehrlich froh diesem Alter seit ein paar Jahren entwachsen zu sein. Greg hat keine Lust mit Rachel Zeit zu verbringen, aber seine Mutter ist fest davon überzeugt dass es das richtige wäre. Rachel hat ebenfalls keine Lust Zeit mit Greg zu verbringen, aber Greg erklärt ihr auf recht uncharmante Weise dass sie sich bitte nicht so anstellen soll weil er nicht mit leeren Händen zu seiner Mutter zurückwill. Denn, und das weiß ja jeder, es ist die Verpflichtung jedes Krebskranken, dafür zu sorgen dass andere Leute ein unbeschwertes Leben führen können. Vor allem wenn sie einem total fremd sind, denn Greg und Rachel haben in der Schule nichts miteinander zu tun. Später wird Greg ihr versuchen vorzuschreiben wie sie ihre Therapie anzugehen hat, denn was fällt dem Mädchen denn auch ein selbst entscheiden zu wollen wie ihr Leben weitergeht? Hat sie nicht genug Filme gesehen? Weiß sie denn nicht dass man als Person mit tödlicher Krankheit verpflichtet ist eine Quelle der Inspiration und Lebensfreude für das Umfeld zu werden? 
© 20th Century Fox
"Ich und Earl und das Mädchen" kümmert sich dabei auch kein bisschen um seine Charaktere. Klar, Greg lernt im Verlauf des Films dass man nicht damit durchkommt wenn man sich nur um sich selbst kümmert. Aber mal ehrlich, Greg ist mit weitem Abstand die uninteressanteste Figur in diesem Film. Man erfährt kaum etwas über Rachel. Was macht sie gern, was sind ihre Hobbies? Später wird klar dass sie eine künstlerische Ader hat, aber der Film interessiert sich nicht dafür. Es ist viel interessanter sich mit Greg und seinen selbstgedrehten Filmchen zu beschäftigen. Die sind dann auch ganz klar das Highlight des Films und zeigen dass sich wenigstens in eine Richtung Mühe gegeben wurde. Wenn Greg seinen Antrag fürs College in einer astreinen Imitation von Werner Herzog vorträgt entsteht etwas reales, etwas greifbares über das man wirklich lachen kann. Da ist es dann auch nur wieder gerecht dass Rachel ihre letzten Tage damit verbringt Greg ein gutes Gefühl über seinen künstlerischen Output zu geben. Denn, falls ihr das bis hierhin nicht mitbekommen habt, dazu ist man gut wenn man sterbenskrank ist. Es geht immer um die Anderen. 

Und die Anderen sind hier nicht mal wirklich erwähnenswert. Nick Offerman spielt Gregs Vater und ist irgendwie interessant in seiner seltsamen Art. Dann rennt noch eine Freundin von Rachel herum, die gut aussieht und deswegen ja nur ein Monster sein kann und wieso um alles in der Welt ist sie nett zu Greg? Er weiß doch dass er bei ihr keine Chance hat, also ist sie ein mieses Miststück, was dann immer wieder durch eine komische Animation eines Elches, der ein Eichhörnchen zertrampelt, klar gemacht wird. Denn wir wissen: hübsche Frauen die nicht mit dir in die Kiste wollen sind die Ausgeburt der Hölle und du hast verdammt nochmal ein Recht auf wenigstens fummeln wenn sie mit dir gesprochen hat! Rachels Mutter ist alleinerziehend, nie ohne Drink in der Hand unterwegs und sie gräbt mit Vorliebe Teenager an. Urgs. Den Vogel abgeschossen hat allerdings Earl, gespielt von RJ Cyler. Earl strotzt nur so vor lahmen Klischees. Er ist schwarz, also muss er in einem heruntergekommenen Haus in einem richtig miesen Viertel wohnen. Sein Bruder ist natürlich irgendwie gewalttätig und natürlich hat er einen Pitbull als Haustier. Eltern sind natürlich irgendwie nicht so richtig vorhanden. Earl spricht natürlich in lupenreinem Slang, und Earl interessiert sich vorrangig dafür ob Greg schon eine Chance hatte Rachels Brüste zu erkunden. Bis zu dem Moment wo Earl auf einmal all seine (vermutlich auf der Straße) gesammelte Weisheit auspackt und Greg mal so richtig den Kopf wäscht. "Ich, Earl und das Mädchen" kann scheinbar nicht anders, er fährt Klischee um Klischee auf nur um den Zuschauer dann mit einem fetten Augenzwinkern darauf hinzuweisen dass er dieses Klischee nun bricht. Aber das reicht nicht. Hier wird versucht eine bodenständige, ehrliche Geschichte zu erzählen, aber alles basiert auf einer gigantischen Lüge.
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Fazit: "Ich und Earl und das Mädchen" (wieso eigentlich der deutlich harmlosere deutsche Titel?) präsentiert dem Zuschauer einen absoluten selbstzentrierten und unsympathischen Hauptcharakter. Er schreibt der kranken Mitschülerin vor wie sie mit ihrer Krankheit umzugehen hat damit es ihm besser geht, er interessiert sich nicht sonderlich für sein Umfeld. Sein einziges emotionales Gewicht bezieht der Film dann auch daraus dass er den Zuschauer über weite Teile schlicht und einfach belügt. Zwischendurch wird dann das cineastisch veranlagte Publikum mit Referenzen an Filmklassiker verwöhnt, und auch der generische Indie-Sound darf nicht fehlen. Nein, hier stimmt kaum etwas, und ich frage mich wirklich wie dieser Film beim Sundance Festival sowohl Jury als auch Publikum so überzeugen konnte. Dass der Film sich seiner billigen Klischees bewusst ist und diese augenzwinkernd vorher schon ankündigt und so nach der Zustimmung des Publikums heischt wie ein Golden Retriever beim Apportieren will setzt dem ganzen dann die Krone auf.


Infos zum Film

Originaltitel: Me and Earl and the dying Girl
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Komödie
FSK:6
Laufzeit: 104 Minuten
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Drehbuch: Jesse Andrews
Darsteller: Olivia Cooke, Thomas Mann, RJ Cyler, Nick Offerman, Connie Britton, Molly Shannon, Jon Bernthal


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Serienkritik: South Park Staffel 18

"South Park" läuft aktuell mit der bereits 19. Staffel, und wie bei allen Serien die auf so eine lange Laufzeit zurückblicken können stellt sich häufig mal Routine ein. "South Park" umgeht dieses Problem zwar weitestgehend mit nahezu tagesaktueller Umsetzung aktueller Themen, doch wir alle wissen wie gerne Fans meckern. So gehört es mittlerweile zum guten Ton bestimmte Serien ab einer gewissen Staffel als merklich schlechter abzustempeln, prominentes Beispiel hierfür sind die "Simpsons". Die werden nach einstimmiger Meinung des Internets seit Staffel zehn nämlich immer schlechter. Nun will ich gar nicht bestreiten dass manche Konzepte sich über die Zeit abnutzen. Die gute Nachricht ist aber: wem es mit "South Park" in den letzten Staffeln so oder so ähnlich ging, der dürfte Staffel 18 mögen. Nicht nur wagt man sich hier nämlich an neue Konzepte, man findet auch wieder die perfekte Mischung aus absolut flachem Humor und punktgenauer Satire, welche die Serie so beliebt gemacht hat. Aber lest selbst:
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Story: Diesmal stecken Cartman, Kenny, Stan und Kyle in einer virtuellen Welt fest, gehen im Keller piephahnmagischen Aktivitäten nach, lüften das schockierende Geheimnis eines Superstars und erreichen Trends­Gender­Status durch Cartmans Internet­Persona.

Disc 1:
01 Leckt euch Selbst
02 Glutenfreies Ebola
03 Die Cissy
04 Handicar
05 Der Magische Busch

Disc 2:
06 Freemium gibt's nicht umsonst
07 Die Hausarrest-Schleife
08 Piep-Hahn-Magic
09 #Hashtag "Aufwärmen"
10 #Fröhliche Hologramme 

Kritik: Besonders zu Beginn der Staffel müssen sich Fans wohl erstmal ein wenig umorientieren. Kontinuität war bisher selten ein Thema bei "South Park", höchstens Kennys Tod in Staffel 5 und ein paar Folgen die inhaltlich lose zusammenhingen gab es bisher. Doch nun gibt es ein übergreifendes Thema und Handlungsstränge die sich durch die ganze Staffel ziehen. Das ist neu, aber auch ziemlich erfrischend. Besonders die Geschichte um Lorde setzt hier neue Maßstäbe, greift sie doch verschiedenste Themen auf. Auch gibt es zwischendurch Episoden die für sich alleine stehen können, es bleibt also abwechslungsreich. Löblich ist auch dass es zwar ein übergreifendes Thema gibt, dieses aber nicht so dominant ist das themenfremde Zuschauer abgeschreckt werden.

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Fans von Randy kommen in dieser Staffel auch auf ihre Kosten. Es ist ja immer toll zu beobachten wie Figuren sich entwickeln, und Randy ist von einer absoluten Nebenfigur zum garantierten Humor-Lieferanten geworden. Auch Butters sorgt mit seiner stetigen Anwesenheit wieder für Lacher. Aber auch in Sachen Gaststars überzeugt die Staffel. Scheinbar ist die Zeit gekommen in der man sich über Michael Jackson wieder amüsieren darf. Wer sich im amerikanischen Alltagsgeschehen auskennt dürfte seine Freude am Umgang mit den Washington Redskins gehabt haben. Wie Cartman mit deren Besitzer, Dan Snyder, umgeht und dabei die gleiche, also nicht existente, Form von Respekt aufweist die das Team den amerikanischen Ureinwohnern entgegenbringt ist herrlich skurril. Auch der Umgang der Polizei mit farbigen Mitbürgern kriegt sein Fett ab. Hier zeigt sich auch wieder wie effektiv es ist dass die Serie so zeitnah produziert wird, manche Themen sind beinahe tagesaktuell in ihrer Verarbeitung.

Die Folgen einzeln durchzukritisieren würde der Serie als solche vermutlich nicht gerecht werden. "Handicar" fällt im Gesamtvergleich vermutlich ein wenig ab, "Die Cissy" gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten der Staffel. Der zweifache Fokus auf Cartman, der in der Schule den Protest gegen die Toiletten für Jungs auf eine ganz neue Ebene hebt und auf Randy, dessen Lorde-Storybogen hier voll zum Tragen kommt und es schafft die Gender-Thematik wirklich effektiv auszuleuchten funktioniert wirklich wunderbar. "Die Hausarrest-Schleife" geht die Virtual-Reality Thematik an und im Finale sind es beinahe schon die ruhigeren Töne, wie die Tatsache dass Kyle mit seinem Bruder Ike Computerspiele spielen will statt irgendwelchen Let's Plays zuzusehen, die so richtig in schwarze treffen. Wie bei allen anderen Serien auch war die Qualität also nicht immer gleichbleibend hoch, doch im Gesamtvergleich sind hier 9 von 10 Folgen mindestens überdurchschnittlich gut gewesen. Muss man auch erst mal schaffen.

Fazit: Mit Staffel 18 geht "South Park" neue Wege und lässt die Folgen staffelübergreifend zusammenhängen. Das Konzept geht trotz ein paar Handlungssträngen, die sich irgendwann verlieren, auf und weiß zu begeistern. Mit der bissigen Kritik an sozialen Medien, Freemium-Games und dem Internet generell legen Parker und Stone in gewohnter Manier erneut den Finger in die Wunde. Wer bisher den Eindruck hatte das die Serie an Qualität verloren hatte darf sich hier über einen erneuten Aufschwung freuen, für alle anderen wird nochmals eine Schippe draufgelegt. So macht "South Park" wirklich Spaß.


Die DVD: Die Doppel-DVD kommt im schicken Digipack daher, welches in einem stabilen Pappschuber sitzt. Auf mattem Hintergrund sind die einzelnen Figuren glänzend durch Prägung hervorgehoben. Sieht auf jeden Fall schick aus und macht im Regal gut was her! Im Inneren befinden sich jeweils an den Seiten kurze Inhaltsangaben zu den jeweils fünf Folgen, die auf eine DVD gepackt wurden. Besonders gut gelungen ist das Bild, die Farben sind satt und kommen selbst auf DVD prima zur Geltung. Der englische Ton kommt in 5.1 daher, die deutsche Tonspur in 2.0. Es gibt zahlreiche Untertitel und ein paar Extras, die das Gesamtpaket schön abrunden. So kann man sich die teilweise herrlich bissigen Audiokommentare von den Serienschöpfern Matt Stone und Trey Parker zu allen Folgen anhören und es gibt ein paar deftige entfernte Szenen. 



Infos zur Serie

Originaltitel: South Park
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Animation, Komödie, Satire
FSK: 16
Laufzeit: ~ 214 Minuten
Regie:Trey Parker, Matt Stone
Drehbuch: Trey Parker, Matt Stone
Darsteller:Trey Parker, Matt Stone, Isaac Hayes, Spril Stewart, Mona Marshall

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Special + Gewinnspiel: Otto - 50 Jahre Jubiläumsbox

Otto Waalkes, das ist ein Name den man den wenigsten erklären muss. Seit 50 Jahren steht der Comedian aus dem hohen Norden auf diversen Bühnen und tobt sich auf zahlreichen kreativen Wegen aus. Ohne ihn aufzuwachsen war zumindest in meiner Kindheit und Jugend schlicht nicht möglich, und ich erinnere mich heute noch daran wie wir mit der Familie auf der Rückfahrt aus dem Holland-Urlaub unbedingt über Emden fahren mussten, damit wir Kinder das Otto-Haus besichtigen konnten und so lange quengelten bis wir je einen eigenen Ottifanten mitnehmen durften. Dieses Jahr wurde Otto dann, passend zum Jubiläum, mit einem Bambi in der Kategorie Comedy ausgezeichnet. Grund genug zum halben Jahrhundert auf der Bühne ein Special zu veröffentlichen. Aber wie um Himmels Willen packt man fünf Jahrzehnte Kunst und Comedy in eine DVD-Box? Eigentlich handelt es sich da um eine von vornherein unlösbare Aufgabe, aber im Hause Edel:Motion schreckte man davor nicht zurück. Insgesamt werden am 13.11.2015 ganze drei Editionen im Handel erhältlich sein. Ich werde euch alle drei Boxen vorstellen, und am Ende könnt ihr die, ich nenn sie mal Einsteigervariante, gewinnen. Wenn das mal nix ist, dann weiß ich auch nicht. Legen wir also los. 


Die Standard-Edition:"50 Jahre Otto" als Doppel-DVD

 

Auf den beiden DVDs warten insgesamt knapp 214 Minuten Entertainment. Man entschied sich für eine chronologische Vorgehensweise, was Sinn macht. Denn wenn man so einen Berg von Material vor sich hat muss man ja irgendwie durchkommen. Leider wurde an einem Booklet gespart, man findet aber wenigstens eine grobe Einteilung auf der Rückseite der Verpackung. Hier gibt es pro DVD je drei Themengebiete, von denen fünf jeweils ein Jahrzehnt abdecken. Da wären "Die Otto Shows" aus den 70ern, die mit knapp 20 Minuten Laufzeit einen Einblick in Ottos erste Serie geben. Insgesamt gab es im Jahr 1973 davon sechs Folgen und die bekanntesten Klassiker sind hier vertreten.

Dann geht es weiter in die 80er. Hier gibt es knapp zehn Minuten "Hilfe, Otto kommt!", "Ein neues Programm von und mit Otto Waalkes" mit elf Minuten Laufzeit. Abgeschlossen werden die 80er mit rund 18 Minuten aus "Ronny's Pop Show". Hier handelt es sich um eine Art Musiksendung, in der Otto verschiedene Affen synchronisierte. Die 90er sind mit der ersten, 23 Minuten langen Folge von Ottos eigener "Ottifanten" Serie vertreten. Davon gab es insgesamt 13 Episoden, ausgestrahlt wurde die Serie 1993.

DVD Nummer zwei führt den Zuschauer dann ins aktuelle Jahrtausend. Neben einem halbstündigen Rundgang durch die Otto-Ausstellung, in der auch Freunde des Künstlers zu Wort kommen und eine doch eher unbekannte Seite lebendig werden lassen wird es auch sonst etwas privater. In einem beinahe 40 Minuten langen Special mit dem Titel "Otto - Mein Ostfriesland und Mehr" lernen wir viel über Otto als Privatperson, auch wenn das Ganze natürlich nicht ohne Humor und Einsatz verschiedener Kunstfiguren präsentiert wird. Seine Band "Otto und die Friesenjungs" wird in einem Konzertmitschnitt gewürdigt und mit "Geboren um zu Blödeln" gibt es ganze 45 Minuten Bühnenprogramm satt. 

Die Kunst-Box mit Jutebeutel und Kunstdrucken


Falls man sich mit Otto als Maler näher befassen will oder dies bereits getan hat sollte man zur Kunst-Box greifen. Neben der normalen DVD gibt es eine hübsche Schachtel aus Pappe zum aufbewahren. Dazu kommt noch eine Kalender-Box, in der man 12 Fotos und Gemälde findet. Auch ein Bild namens "Nachteule" mit Passepartout-Rahmen liegt bei. Als besonderes Highlight gibt es sechs Kunstdrucke, je drei auf Leinen und Foto, und einen bedruckten Jutebeutel. Wer also den Zugang zu Otto über die Kunst suchen will, der wird hier sicherlich glücklich. Besonders schön finde ich persönlich den Jutebeutel, ich habe mittlerweile auch eine kleine Sammlung an Einkaufstaschen damit ich nicht dauernd auf Plastiktüten angewiesen bin. Mit dem Kalender wird man dann auch gleich durchs ganze Jahr begleitet und Kunstdrucke sind immer eine schöne Deko-Idee für die eigene Wohnung. Als besonderes Extra gibt es einen persönlichen Brief von Otto obendrauf dazu. Der Preis wird vermutlich bei rund 70€ liegen. 

Die Deluxe Version im Koffer inklusive handsigniertem Acrylglasbild 


Wer gerne so richtig schweres Geschütz auffährt wird mit der Deluxe Version sicherlich einen guten Fang machen. Wie schon in der Kunst-Box sind auch hier der Kalender sowie der persönliche Brief enthalten. Aber schon bei der Verpackung gibt es Unterschiede, denn Deluxe bedeutet in diesem Fall dass ihr einen ganzen Koffer euer Eigen nennen dürft. Am Anfang des Artikels findet ihr ein Bild von Otto mit dem Koffer, der gar nicht mal so klein ausfällt. Im Koffer findet ihr dann ein signiertes und nummeriertes (da auf 1000 Stück limitiertes) Acrylglasbild von 20x30cm Größe, eine flauschige und knallrote Kuscheldecke, einen niedlichen Plüsch-Ottifanten und eine Tasse für Tee oder Kaffee (oder heiße Schokolade!). Neben der normalen DVD gibt es als Extra noch "Otto - der Film". Eine nette Idee, auch wenn richtige Sammler den sicher schon lange ihr eigen nennen dürften. Voraussichtlich ist man mit rund 200€ im Rennen um diese Edition.

 

Fazit

50 Jahre kreatives Schaffen in etwas mehr als drei Stunden abzuhandeln ist natürlich unmöglich machbar. Doch die Zusammenstellung der DVD liefert einen guten Überblick über die verschiedenen kreativen Outlets eines unheimlich vielseitigen Künstlers. Als Einstieg in das Gesamtwerk ist die DVD sicher prima geeignet, der Hardcore-Fan wird aber auf wenig Neues treffen. Doch das ist auch gar nicht der Sinn der Sache, und die Essenz, das Wesentliche was Otto ausmacht wurde hier wirklich gut eingefangen. Ganz überzeugte Fans werden dann sicherlich die beiden Sondereditionen interessant finden. Für eine kleine und vor allem extrem kurzweilige Reise ist die DVD aber wirklich sehr bedacht zusammengestellt, und der ein oder andere wird sicher neue Facetten von Otto kennenlernen. Ein schöner Versuch eines Überblicks, der überraschend gut gelungen ist. 

 

Das Gewinnspiel

 

Die Teilnahme ist ganz einfach. Hinterlasst mir einen Kommentar mit eurem liebsten Otto-Moment. Das kann ein Film sein, eine Erinnerung an einen Sketch, vielleicht wart ihr auch mal im Otto-Huus in Emden oder habt eine Herde Ottifanten zuhause? Vergesst nicht irgendeine Art der Kontaktmöglichkeit mit anzugeben über das Kommentar-Formular. 


Und hier noch mal euer Gewinn


Und die Teilnahmebedingungen

- Die Verlosung startet sofort und endet am 12.11.2015 um 20:00. Der Gewinner wird sofort nach Auslosung kontaktiert, ich verschicke die DVD sobald ich eine Adresse erfahren habe.
- verlost wird 1x die DVD "Otto - 50 Jahre: Eine Zeitreise durch die Otto-Welt".
- bitte hinterlasst einen "richtigen" Kommentar, Beiträge im Stil von "sehr gerne dabei" nehmen nicht an der Verlosung teil.
- Teilnehmen darf jeder ab 18 Jahren und mit Wohnsitz in Deutschland.
- bitte gebt irgendeine Art der Kontaktmöglichkeit bei eurer Antwort an!
- Eure persönlichen Daten sammele ich nicht, die Angabe einer Mailadresse oder sonstigen Kontaktmöglichkeit (Links zu euren eigenen Blogs etc.) erfolgt nur damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen kann. Eure Daten werden niemals von mir weitergegeben, verkauft, gesammelt oder anderweitig verwendet!
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und die Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
- Ich behalte es mir vor, dass Gewinnspiel anzupassen, zu ändern oder abzubrechen, falls die Notwendigkeit besteht.

Das wäre es auch schon. Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Teilnahme!

Alle Bilder © Edel:Motion

Filmkritik: American Ultra


© Concorde
Neue Dinge haben es für gewöhnlich am Anfang immer ein wenig schwer. Die Zielgruppe ziert sich vielleicht, das Geld liegt nicht auf der Straße, die meisten arbeiten hart um sich ein bisschen Luxus zu gönnen. Kinofilme beispielsweise, die sind durchaus irgendwo Luxus. Man macht sich vorher schick, man zahlt eine Menge Geld für sein Ticket, vielleicht will man noch etwas zu Essen und was Trinkbares kaufen. In manchen Kinos gibt es ja Taschenkontrollen, und je länger die Laufzeit, desto trockener wird der Hals. So ist es also nicht verwunderlich, wenn das Publikum auch bei neuen Filmen erstmal vorsichtig ist. "American Ultra" war in den USA kein besonders erfolgreicher Start vergönnt. Das rief prompt den Drehbuchautor Max Landis auf den Plan, respektive auf Twitter. Da wurde sich lauthals beschwert, dass Publikum wolle ja nur doofe Fortsetzungen oder ein Reboot. Sicherlich sind das Aussagen in denen ein Funken Wahrheit steckt. Aber machen die im konkreten Bezug auf "American Ultra" Sinn? Oder anders gesagt: lohnt sich für euch der Gang ins Kino oder die Videothek eures Vertrauens? 


Story: Mike und Phoebe leben zusammen in einer beschaulichen Kleinstadt. Ihre Jobs sind langweilig und auch sonst ist nicht viel los. Man vertreibt sich die Zeit also mit massig viel Gras und dem ineinander verliebt sein. Als Mike entschließt seiner Angebeteten einen Heiratsantrag zu machen geht alles schief. Er ist ein Schläfer-Agent der amerikanischen Regierung, und die will nach und nach ihre Schläfer auslöschen. Als Mikes Fähigkeiten aktiviert werden setzt er sich zur Wehr um sich, seine Freundin und das gemeinsame Leben zurück zu bekommen.
© Concorde
Kritik: Konzentrieren wir uns doch zunächst auf die Dinge, die an diesem Film funktionieren. Jesse Eisenberg und Kristen Stewart harmonieren großartig miteinander, und die innige Liebesgeschichte zwischen den beiden Figuren hält den Film über weite Teile im Alleingang oben. Beide begeistern sich vielleicht ein bisschen zu sehr für die halluzinogenen Gaben von Mutter Natur, und auch auf der Karriereleiter läuft es nicht besonders. Um nicht zu sagen: gar nicht. Aber das macht nichts, denn die beiden sind miteinander glücklich. Phoebe akzeptiert Mikes Panikattacken und seine konstante Unsicherheit, und er vergöttert sie, scheitert aber permanent daran den richtigen Augenblick für einen Heiratsantrag zu erwischen. Hätte man sich an dieser Stelle entschieden es bei einer reinen Lovestory zu belassen, ich bin mir sicher sie wäre einfach nur schön geworden. Für mich persönlich ist Stewart auch das absolute Highlight des Films. Ich sah sie zuletzt vor Ewigkeiten in der Twilight-Reihe und bin begeistert von ihrem Talent. 

Doch in Liman, so der Name der beschaulichen Kleinstadt, bleibt es nicht lange ruhig. Vermutlich in Anlehnung an Doug Liman's "Bourne Verschwörung" tauchen bald Geheimagenten auf, die ihre Rechnung ohne Mike gemacht haben. Dessen aktivierte Fähigkeiten sorgen für Blutbad um Blutbad. Wer Jesse Eisenberg jemals in einer anderen Rolle gesehen hat, der dürfte Probleme haben ihm den sympathischen Trottel abzunehmen. Connie Britton ist stylisch, geht aber gnadenlos unter. Topher Grace demonstriert wie Schauspiel nicht funktioniert und gibt einen Bösen, den man eigentlich nicht ernst nehmen kann. John Leguizamo und Bill Pullman (was macht der eigentlich sonst so?) sind jeweils keine zwei Minuten zu sehen. Einzig Walton Goggins drückt seinem Charakter seinen eigenen Stempel auf und bleibt im Gedächtnis, allerdings auch nicht positiv. Eher wirkt er wie die blasse Kopie einer schlechten Imitation eines höchstens mittelmäßigen Jokers. Nach den 15 Minuten, die man mit Mike und Phoebe verbringen durfte geht es für Mike also ums Überleben. Dem Zuschauer wird hier jedoch die Chance genommen mitzufiebern, denn der Film beginnt mit Mike, schwer verletzt, im Verhörzimmer der CIA. Ob man hier darauf gesetzt hat dass das Publikum diese Szene zur Mitte des Films hin schon wieder vergessen hat?
© Concorde
Überhaupt, stellenweise wirkt "American Ultra" wie ein schlechter Trip. Gewalt an allen Ecken und Enden, immer unkommentiert. Mike kriegt eine Krise nach der nächsten, weil er nicht gewalttätig sein will, nur um den nächsten Angreifer möglichst kreativ und blutig umzubringen. Er verzweifelt daran sichtlich, aber das Drehbuch hat kein Interesse daran dieses Dilemma zu ergründen. Seine Panikattacken sind ein Nebeneffekt der Gehirnwäsche, aber auch daran hat niemand im Film Interesse. Der nächste, blutige Kill wartet nämlich schon. Phoebe verkommt zum Abziehbild der Idealprojektion jedes hilflosen und faulen Mannes dieser Welt: Mutter, Freundin, Chef, Retterin in einem. Es sind durchaus interessante Ansätze, aber sie alle werden im Kollektiv aufgegeben um sich der nächsten knallbunten Kulisse zuzuwenden, in der man ein paar vertrottelte Stoner in schreckliche Situationen fallen lässt, um daraus ein oder zwei Lacher zu generieren. Das endet nur zu oft in einem Schnittgewitter der übelsten Sorte, unterlegt mit einem Soundtrack den man direkt zurück in die 90er verbannen sollte. Der Grad der Gewalt ist dem restlichen Understatement des Films so diametral entgegengesetzt dass es absolut nicht zusammenpassen will.

Fazit: Im Endeffekt hat man es also mit drei Filmen zu tun. Eine süße und gelungene Liebesgeschichte, einer teilweise gut sitzenden Stoner-Komödie und einem überdreht brutalen Actionfilm. Jeder für sich wäre mindestens erträglich, stellenweise vermutlich sogar richtig gut geworden. Besonders die erste Hälfte erinnert doch stark an "Pineapple Express", aber der war in seiner Gesamtheit deutlich stimmiger. Hier konnte man sich nicht entscheiden, und im Endeffekt leiden alle Teile des stark fragmentierten Films darunter. Die Schuld der Darsteller ist dies auf keinen Fall, und sie machen diesen filmischen Wirrwarr auch noch irgendwo sehenswert. Alles andere fühlt sich leider wie eine Geschichte an, die man schon zu oft und vor allem besser erzählt woanders genießen durfte.

Die Blu-ray:  Sowohl die Deutsche als auch die Englische Tonspur der Blu-ray im Vertrieb von Concorde kommen in klangstarkem DTS-HD MA 5.1daher. Die Deutsche Tonspur ist gut ausbalanciert, wer im Original schaut muss damit leben dass ab und an Dialoge von der Musik oder Hintergrundgeräuschen verdrängt werden. Ansonsten ist der Sound aber durchweg klar. Untertitel liegen in Deutsch vor. Das Bild ist bis auf ganz wenige Ausnahmen angenehm scharf. Stellenweise ist es allerdings ein wenig dunkel geraten. Filmkorn sucht man erfreulicherweise vergeblich, die Kontraste sind dafür schön ausgeglichen. Insgesamt gibt es 45 Minuten voller in HD gedrehter Extras. Ein Audiokommentar des Regisseurs ist ebenso vorhanden wie zahlreiche Featurettes (unter anderem ein herrlich schräges Gag-Reel voller Outtakes) und eine Trailershow. Sammler bekommen noch ein Wendecover spendiert.



Infos zum Film
Originaltitel: American Ultra
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Komödie
FSK: 16
Laufzeit: 96 Minuten
Regie: Nima Nourizadeh
Drehbuch: Max Landis
Darsteller: Kristen Stewart, Jesse Eisenberg, Topher Grace, Connie Britton, Walton Goggins, John Leguizamo, Bill Pullman

Trailer: 


Filmkritik: Alles steht Kopf

© Pixar
Jedes Mal wenn ein neuer Film von Pixar erscheint toben sich die meisten Zuschauer aus und ordnen ihre Rangfolge der besten Filme vom Studio mit der Lampe neu an. Und während Pixarfilme, die sich tatsächlich um Menschen drehen, wie beispielsweise "Merida", immer noch sehr schön anzuschauen sind brilliert das Studio vor allem dann, wenn es uns die Sicht auf etwas anderes ermöglicht. Was wäre, wenn Spielzeug Gefühle hätte? Was wäre, wenn Autos sprechen könnten, wenn Fische nicht nur stumm im Meer unterwegs sind? Eine der größten Stärken des Studios ist es dann auch, sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen anzusprechen. Dass man formal Disney untersteht schimmert ebenfalls durch, dennoch lässt sich sicher sagen: Pixar ist weitaus mutiger als das Haus mit der Maus es vorgeben würde. Da wird dem Publikum auch gerne mal ein kleiner Roboter vorgesetzt und gut 50 Minuten kein Wort auf der Leinwand verloren. Da ist die Vorgeschichte zum eigentlichen Film, in dem ein Paar sich kennenlernt und viele Jahrzehnte später feststellen muss dass es zu spät für all die geplanten Abenteuer ist, dermaßen ergreifend dass die Durchschnittlichkeit des restlichen Films komplett von den ersten 15 Minuten überschatten wird. Und nun folgt mit "Alles steht Kopf" der neueste Geniestreich und, wenn ich das mal so vorwegnehmen darf, der in meinen Augen beste Film, den Pixar bisher produziert hat. Wieso das so ist? Lest weiter und findet es heraus. 

Story: Im Kopf der elfjährigen Riley geht es turbulent zu. Fünf Emotionen, verkörpert durch kleine Figuren, versuchen sie durch ihren Alltag zu leiten. Freude möchte, dass es ihr immer gut geht. Ekel bewahrt Riley vor körperlichen und mentalen Vergiftungen, Angst passt auf dass es nicht zu gefährlich wird, und Wut ist vor allem auf Gerechtigkeit aus. Nur Kummer weiß nicht so recht, was ihre Aufgabe ist, und die anderen Emotionen halten sie so oft es geht vom Kontrollpult fern. Als Riley mit ihren Eltern umziehen muss und Freude und Kummer durch ein Unglück mit ein paar wichtigen Erinnerungen verschwinden beginnt eine Reise durch die Gefühlswelt, von der vieles abhängt. Die Kernerinnerungen müssen zurückgebracht werden, die Emotionen müssen lernen im Team zu arbeiten um Riley zu helfen und aus den abgelegenen Winkels ihres Gehirns, wie beispielsweise dem Langzeitgedächtnis, zu entkommen.
Die Emotionen in der Schaltzentrale © Pixar
Kritik: Vorrangig wird der Film durch die Trailer als Komödie verkauft. Das ist, in meinen Augen, eine der größten Fehlleitungen der letzten Jahre. Sicher, "Alles steht Kopf" ist für ein paar Lacher gut. Kleine Kinder die keinen Broccoli essen wollen und dann nur durch ein "Flugzeug" wieder beruhigt werden können, kennen wir alles schon. Der für Pixar typische Humor der sowohl kleine Kinder, Jugendliche und Erwachsene, oft gleichzeitig durch vielschichte Szenen, anspricht, ist vorhanden. Und doch schimmert auch hier schon durch, was dann später immer deutlicher wird: "Alles steht Kopf" zapft im großen Stil die Erinnerungen an, die so ziemlich jeder Zuschauer an seine eigene Kindheit hat. Wir hatten imaginäre Freunde, wir haben uns die abgedrehtesten Sachen einfallen lassen und Spielzeuge mit Leben erfüllt. Aber es gab auch schwierige Zeiten. Wenn man umziehen musste, dann wurde man aus seinem Umfeld gerissen. Freundschaften zerbrachen, man war allein, fühlte sich isoliert, man hat Heimweh. Darüber mit den eigenen Eltern zu reden war schwierig, weil man nicht wusste was man beschreiben soll. Und viele Eltern sind ebenfalls nicht in der Lage ihren Kindern verständlich zu machen, wieso manche Dinge eben passieren. Es ist als ob eine Barriere zwischen beiden wäre, und am Ende bleiben leere, tröstende Worte. Eine ganz alltägliche Situation, die so jeden Tag irgendwo auf der Welt vorkommt, und die so banal erscheint dass man denken würde, man müsse nicht darüber reden. Und genau hier setzt "Alles steht Kopf" an. 

Wenig erfreuliches Abendessen mit der Familie © Pixar
Schauen wir nochmal "Oben" an, der übrigens vom gleichen Regisseur wie dieser Film hier stammt. Die ersten 15 Minuten des Films hinterließen einen enormen Eindruck beim Publikum, denn sie reduzierten eine langjährige Ehe auf wenige Schlüsselmomente. Schlüsselmomente, die unser weiteres Leben definieren, die unsere Entscheidungen beeinflussen und uns formen. "Alles steht Kopf" nimmt sich dieser Prämisse an, fokussiert sich aber auf einen ganz entscheidenden Moment im Leben: den Übertritt von der Kindheit in die Jugend. Es ist ein aufwühlender Prozess, einer an den man sich erinnert, einer von dem die Eltern einem Jahren später noch erzählen, denn man war schrecklich. Stimmungsschwankungen die man nicht erklären kann, eine Miniversion einer manisch-depressiven Phase die über Jahre immer wiederkommt. Pubertät ist das reinste Chaos, und eigentlich bleibt am Ende nicht viel mehr als das ganze auszusitzen. Riley befindet sich in dieser Phase, und weil das allein nicht stressig genug ist kämpft sie mit den Folgen des Umzugs in die Großstadt. Die Eltern sind ihr keine Hilfe, denn niemand im Film weiß, wie man diese Dinge bespricht. Es ist eine bedrückende Hilflosigkeit, die sich auf beiden Seiten wiederfindet, hier ist jeder mit jedem und vor allem mit den ungewohnten Emotionen, die empfunden werden, überfordert.

Dabei hat man es hier mit zwei Welten zu tun. Während bei Pixar oft abstraktes im Vordergrund steht geht es hier sehr figurativ zu. Die Außenwelt, in der Riley sich bewegt, entpricht exakt unserer eigenen. Hier passiert nichts, was nicht absolut alltäglich wäre. Und auch in Rileys Kopf sind die Figuren, die Landschaften, die einzelnen Bestandteile letztlich Repräsentationen von Gefühlen jeder Art. Seien es die tatsächlichen Emotionen, die als antropomorphe Wesen für Ordnung sorgen wollen, oder ein Wald aus Broccoli, den man lieber nicht betreten will: all diese Faktoren lassen "Alles steht Kopf" außergewöhnlich wirken. Weniger wie einen Abenteuerfilm, sondern mehr wie eine Art Traum, den man nur schwer greifen kann. Ein Traum, der sich permanent verändert und wächst, bei dem ganze Teile plötzlich verschwinden können und wo längst vergessenes wieder an die Oberfläche treten kann. Am Ende geht es darum, dass keine Emotion für sich allein stehen kann, dass es in Ordnung ist nicht immer fröhlich zu sein. Es wird betont, dass eine einzige Erinnerung Platz für mehr als nur Trauer oder Freude bieten kann und sollte, und dass nichts daran falsch ist diesen Emotionen freien Lauf zu lassen. 

Freude unterwegs im Langzeitgedächtnis © Pixar
Und hier verbirgt sich dann auch die größte und wichtigste Botschaft, die dieser Film übermittelt. Uns wird für gewöhnlich in Ratgebern und von anderen Leuten eingetrichtert, dass wir unsere Gefühle jederzeit kontrollieren können, dass es nur an uns und unserer Willenskraft liegt und wir uns nur entscheiden müssen, glücklich zu sein. "Reiß dich zusammen, wenn dich jemand beleidigt dann vergib ihm und du wirst zufrieden sein". Vielleicht haben wir keine Kontrolle über unsere Gefühle, aber wir können entscheiden, wie wir mit unseren Emotionen umgehen wollen. "Alles steht Kopf" verzichtet auf diese frustrierenden Ratschläge. Der Film akzeptiert die Tatsache, dass seine Protagonistin zutiefst traurig und vor allem einsam ist. So wie einige Erinnerungen in einem tiefen Abgrund gefangen sind, so ist Riley in ihrem eigenen, traurigen Tal gefangen. Und wir alle wissen: da gibt es keinen magischen Knopf den man drücken kann um auf einen Schlag glücklich zu sein. Das herauskämpfen aus einer Depression ist ätzend, es dauert, es gibt Rückschläge, es ist alles andere als einfach. In diesem Film wird Rileys Angst und Einsamkeit niemals als lächerlich abgestempelt, es wird sich niemals darauf berufen dass sie ja "nur" ein Kind ist. Indem sich, anders als beispielsweise bei Disney, wo die weiblichen Protagonisten im Allgemeinen damit beschäftigt sind über irgendwelche Prinzen nachzudenken, mit einer jüngeren Hauptfigur beschäftigt wird ist es möglich sich auf etwas anderes als die ausgelutschte "erste große Liebe" Nummer zu konzentrieren. Riley ist keine Prinzessin, keine Heldin, sie ist ein ganz normales Mädchen und bietet damit eine Menge Identifikationsfläche.

Dass in ihrem Kopf die Freude permanent versucht, Kummer zurückzuhalten spiegelt die Einstellung der Gesellschaft, nur glückliche Menschen sehen zu wollen. Es erfüllt Menschen mit Verwirrung und Ablehnung, wenn jemand offen betrübt ist. Man weiß nicht wie man damit umgehen soll, und sowohl Menschen als auch Freude in Rileys Kopf versuchen, Kummer auszusperren und zu unterdrücken. Der Betroffenen wird so die Möglichkeit genommen, alle Gefühle zuzulassen, es kann faktisch keine Auseinandersetzung mit dem Trauma geschehen. Am Ende wird allen Beteiligten, sowohl in Rileys Kopf als auch ihrer Umwelt, klar dass es so nicht funktioniert. Kummer als Emotion wusste um ihre eigene Wichtigkeit und brach sich kathartisch den Weg an die Oberfläche. Ein emotional gesunder Mensch hat, ganz grob vereinfacht, seine Gefühle in Einklang miteinander gebracht, lässt die richtigen Emotionen zum richtigen Zeitpunkt dominant sein. Alles was Riley gefehlt hat war das Zulassen von Trauer. Trauer ist ein elementarer, gesunder Bestandteil der Psyche, und wenn man nur eine Sache aus diesem Film mitnehmen will, dann doch bitte dass es in Ordnung, manchmal sogar notwendig, ist, traurig zu sein.
Die Inseln mit wichtigen Erinnerungen © Pixar
Visuell ist "Alles steht Kopf" ein wundervoller Abenteuerspielplatz. Der Ideenreichtum, die Vielseitigkeit und die Kreativität die in die Erschaffung der Gedankenwelt geflossen sind, sind unfassbar. Es gibt für die Kernerinnerungen Inseln, und eine Szene später im Film, die diese Inseln beinhaltet, ist so dermaßen verstörend und ergreifend dass man automatisch zum Taschentuch greift. Es gibt surrealistische und kubistische Elemente, eine Art Müllhalde für unwichtige Erinnerungen wie Telefonnummern, eine imaginäre Jugendliebe, einen Drehort für Träume (an dem allgemeine Träume via Poster als Blockbusterkino beworben werden) und generell ist der Aufbau des Gehirns, auf den sich hier konzentriert wird, einfach nur bombastisch. Wer sich generell gerne mit Animationsfilmen beschäftigt dürfte hier ordentlich zu knabbern haben, denn Pixar verneigt sich vor so vielen verschiedenen Stilen dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Mittendrin ist Bing Bong unterwegs, eine der vermutlich tragischsten Figuren jemals in einem Film. Ich will gar nicht zu viel über ihn verraten, aber so viel sei gesagt: danach möchte man sein Lieblingskuscheltier wiederfinden und ganz fest an sich drücken. Was hier erschaffen wurde ist eine wundervolle Welt und man kann den Film problemlos mehrfach ansehen, nur um alles zu entdecken. Michael Giacchinos Soundtrack verleiht den Bildern eine emotionale Tiefe die kaum noch greifbar ist.

Fazit: Mit "Alles steht Kopf" ist Pixar etwas wirklich Außergewöhnliches gelungen. Überbordend kreativ und ideenreich wird hier die Welt eines jungen Mädchens unter die Lupe genommen. Der Fokus auf ein aus Erwachsenensicht vielleicht banales Ereignis wird zum Anlass genommen eine wichtige Botschaft zu übermitteln. Es ist in Ordnung, auch mal etwas anderes als Freude zu empfinden. Visuell ist das, wie man von Pixar gewohnt ist, atemberaubend schön und abwechslungsreich. Jeder, der eine Kindheit hatte, egal ob gut oder schlecht, jeder der sich schon mal gefragt hat ob es in Ordnung ist auch mal Trauer zuzulassen, kurzum: einfach jeder kann aus diesem Film etwas mitnehmen. Mit Abstand der beste Film, den Pixar bisher veröffentlicht hat, und für mich persönlich sicher unter den Top 3 des laufenden Jahres.

Infos zum Film

Originaltitel: Inside Out
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Animationsfilm, Drama, Komödie
FSK: 0
Laufzeit: 95 Minuten
Regie:Pete Docter, Ronaldo del Carmen
Drehbuch: Pete Docter, Josh Cooley, Meg LeFauve
Darsteller: Engl.: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Mindy Kaling, Lewis Black, Kaitlyn Dias, Richard Kind, Diane Lane, Kyle MacLachlan. Dt.: Nana Spier, Philine Peters-Arnolds, Hans-Joachim Heist, Olaf Schubert, Tanya Kahana, Vivien Gilbert, Bettina Zimmermann, Kai Wiesinger

Trailer: