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Filmkritik: Sing Street

© Studiocanal GmbH Filmverleih
Story: Irland in den 1980er Jahren. Vor dem Hintergrund von Rezession und Arbeitslosigkeit wächst der jugendliche Conor in Dublin auf. Als Außenseiter in der Schule gebrandmarkt, flieht er in die Welt der Popmusik und träumt nebenbei von der unerreichbaren, schönen Raphina, die mit auffälligem Make-up, extravaganter Frisur und einer guten Portion eigener Meinungen und Träume bezaubert. Seine Idee: Er lädt Raphina ein, im Musikvideo seiner Band aufzutreten. Sein Problem: Er hat gar keine Band. Doch das hält ihn nicht auf, und er gründet mit ein paar Jungs aus der Schule kurzerhand seine eigene Gruppe und schreibt seine ersten Songs.

Kritik: Wohlfühlkino. Spätestens, seit in regelmäßigen Abständen völlig inhaltsloses Zeug (viel Romantik, bisschen Sexismus, bisschen Rassismus, unbekannte Darsteller und generischer Soundtrack sind das Grundrezept) in viel zu heller Belichtung den Kinomarkt überflutet, will man diesen Begriff eigentlich ja vermeiden. Wohlfühlkino scheint synonym zu sein für Inhaltsleere, und wer schaut sich schon gerne völlig inhaltsloses Zeug an? Also, außer mir, wenn es um irgendwelchen Low Budget Horror geht, versteht sich von selbst. "Sing Street" schickt sich an, dem in Mitleidenschaft gezogenen Begriff wieder zu einer Daseinsberechtigung zu verhelfen. Denn, und das kann man selten so festhalten, hier stimmt einfach Alles.
© Studiocanal GmbH Filmverleih
Das fängt bei den Darstellern an. Mit einer Mischung aus bekannten Gesichtern (Aidan Gillen aus "Game of Thrones", Maria Doyle Kennedy aus "The Tudors") und neuen Darstellern punktet "Sing Street". Besonders Ferdia Walsh-Peelo als Conor schafft es, den Film auf seinen noch jungen Schultern zu tragen. Und das in einer Debütrolle. Ferdia hat aber nicht nur tolle Ausstrahlung und eine vielseitige Mimik, sondern auch eine tolle, angenehme Stimme, wenn es ums singen geht. Ebenfalls toll geschrieben ist die Rolle von Conors älterem Bruder, gespielt von Jack Reynor. In den 80er lief es in Irland wirtschaftlich mal so gar nicht gut, und der Film nimmt sich viel Zeit, die Auswirkungen der finanziellen Krise auf der Familienebene aufzuzeigen. Jedes Familienmitglied geht anders mit der Situation um, alle Figuren bleiben aber nachvollziehbar. John Carney schafft es, jederzeit Ruhe in seiner Geschichte zu verankern, so kriegen emotionale Treffer den vollen Wirkungsfreiraum. "Sing Street" geht so in seinen kleinsten Momenten richtig ans Herz. Kinder der 80er werden außerdem eine Menge Freude an den herrlichen Retro-Eskapaden haben. Das damalige Wunder der ersten Musikvideos, der Stil verschiedener Bands, das Wochenendritual, bei dem alle gemeinsam "Top of the Pops" schauen, all dies sind Erinnerungen, die ab einem gewissen Alter der Zuschauer automatisch vorhanden sind, Erfahrungen, die beinahe jeder gemacht hat.
© Studiocanal GmbH Filmverleih
In erster Linie ist es aber ein Film für und über Träumer. Konfrontiert mit der harschen Außenwelt, in der die Mitschüler größtenteils mobbende Idioten und die Lehrer brutale Ignoranten sind, und in der die eigene Familie langsam, aber unaufhaltsam an sich selbst zerbricht, versucht Conor, auszusteigen. Und hier offenbart sich die größte Stärke des Films: er blickt nicht auf diese Figuren herab. Wie leicht ist es doch, sich über heranwachsende Teenager lustig zu machen. Wie oft hört man, wenn man aufwächst, dass man sich nicht so anstellen soll, dass der eigene Weltschmerz lächerlich ist? Viele scheinen zu vergessen, wie unsicher man sich damals fühlte, was für Träume man hatte. "Sing Street" nimmt seine jungen Figuren ernst, lässt ihnen Raum, sich zu entfalten. Da wird es dann auch möglich, eine Band zu starten ohne wirklich Ahnung von Musik zu haben. Oder das unerreichbare Mädchen anzuquatschen. Oder im toxischen Umfeld der Schule seinen eigenen Selbstfindungstrip durchzuziehen. Angeleitet von seinem älteren Bruder, der sich in seine Plattensammlung flüchtet, entdeckt Conor nach und nach prägende Bands, die ihm helfen, herauszufinden, wer er selbst ist. Musik wird in vielerlei Hinsicht zur Ausdrucksplattform, und die Szenen, in denen er gemeinsam mit einem anderen jungen Songs schreibt, sind einfach pure Schönheit. Das wunderbar umgesetzte Feeling eines Irlands, das sich tief in der Krise befindet und von seinen Einwohnern in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Scharen verlassen wird, verdient ebenfalls Lob. Wer kann, sollte hier ganz klar zur Originalversion greifen, dort wird stimmungsmäßig nochmal eine Schippe draufgelegt.
© Studiocanal GmbH Filmverleih
Doch auch Träume können scheitern, und so bleibt ein Anker zur Realität immer vorhanden. Die erste Liebe, Ablehnung, Probleme in der Schule, nicht ernstgenommen werden, die Ungewissheit die mit dem Erwachsenwerden zusammenhängt, all das sind Themen, die angeschnitten werden. Doch dem stehen Freundschaft und Vertrauen gegenüber, die Sicherheit, die einem Familie geben kann. Und die Gewissheit, dass Träume wahr werden können, wenn man sich nur im richtigen Moment traut, nach den Sternen zu greifen. Selten traf die Bezeichnung "richtig was fürs Herz" so zu wie auf diesen Film.

Fazit: "Sing Street" entpuppt sich als eine der Überraschungen des Jahres. Voller Liebe und Respekt für seine Figuren und ihre Träume, randvoll mit tollen Darstellern und einem Soundtrack, der sich mit seiner Mischung aus Eigenkompositionen und bekannten Songs ganz fest im Gehörgang einnistet. Wohlfühlkino, ganz so wie es sein sollte und eine klare Empfehlung für alle Träumer, Musikliebhaber und Irlandfans.  

Infos zum Film

Originaltitel: Sing Street
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Coming of Age, Drama, Musikfilm
FSK: 6
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: John Carney
Drehbuch: John Carney
Darsteller: Ferdia Walsh-Peelo, Lucy Boynton, Aidan Gillen, Maria Doyle Kennedy, Jack Reynor u.a.

Trailer


Filmkritik: The Model

© Koch Media
Story: Die junge und wunderschöne Dänin Emma (Maria Palm) kämpft um ihren Einstieg ins hart umkämpfte internationale Model-Business. Als sie in Paris auf den charismatischen Fotografen Shane (Ed Skrein) trifft, ist das der Beginn einer gefährlichen Obsession, in deren Folge Emma zum Opfer von Ehrgeiz und einer skrupellosen Industrie zu werden droht.

Kritik: 2016 scheint das Jahr der Models zu sein. Erst lieferte Nicolas Winding Refn mit "The Neon Demon" einen brettharten Horrortrip in die Abgründe der Schönheit, nun liefert Mads Matthiesen für das Heimkino die dänisch-französische Variante. Und doch sollten Vergleiche zwischen beiden Werken an dieser Stelle auch schon aufhören, denn das war es mit Gemeinsamkeiten auch schon. "The Model", das wird schnell klar, schafft es ganz gut, auf eigenen Beinen zu stehen.
© Koch Media
Mit Maria Palm konnte ein richtiges Model für die Hauptrolle gewonnen werden, und sie meistert ihren ersten Schauspieljob dann auch sehr souverän. Ed Skrein, der sich mittlerweile häufiger in kleineren Produktionen sehen lässt, aber durchaus auch im Blockbustersegment (zuletzt beispielsweise in "Deadpool") sehen lässt, darf hier mal eine ruhigere, dafür aber umso hinterlistigere Rolle spielen. Steht ihm ebenfalls gut zu Gesicht. Auch die weiteren Nebenrollen sind passend besetzt. Inszenatorisch ist die Kameraführung an einigen Stellen beinahe schon betörend ruhig, so wird ganz wundervoll ein falsches Gefühl der Sicherheit erzeugt, bevor dann der nächste Knaller in diesem heftig umkämpften Business geboten wird.
© Koch Media
Ein bisschen mehr Drama hätte es hier und da durchaus sein dürfen, denn "The Model" nimmt sich am Ende etwas zuviel Zeit, um seine Figuren einzuführen und lange bei ihnen zu verharren. Das wäre in Ordnung, wenn diese dann wirklich tiefgründig wären und die ihnen gebotene Fläche ausfüllen könnten. Doch das Modelgeschäft ist ein oberflächliches, und allzu viel lernen wir über Emma am Ende doch nicht. Wenn es dann am Ende aber zur Sache geht, dann so richtig. Hier schöpft "The Model", ohne zuviel verraten zu wollen, seine Möglichkeiten optimal aus und liefert einen Einblick in eine Szene, den man vielleicht lieber nicht gehabt hätte. Jedenfalls, wenn man gerne Model-Castingshows anschaut oder selbst von einem eigenen Platz in dieser schillernden Welt träumt. Denn unter all dem Glitzer und Glamour steckt eben doch eine hässliche Fratze.

Fazit: In kühlen Farbtönen wird hier eine alternative Version der "Naivität vom Lande verirrt sich in die Stadt, um Karriere zu machen" Geschichte erzählt. Darstellerisch ist das überzeugend gelungen, und die Prämisse ist ebenfalls hochspannend. Doch bis der Film in Fahrt kommt, vergeht ein klein wenig zu viel Zeit. Dafür knallt es dann am Ende umso mehr. Der Blick auf die Modelwelt ist ungeschönt, und wer sich dafür interessiert, der kann hier bedenkenlos zugreifen.

Die Blu-ray: "The Model" befindet sich im Vertrieb von Koch Media und ist seit dem 25. August 2016 für das Heimkino zu haben.Bei den Tonspuren kann zwischen Deutsch, Englisch und Dänisch gewählt werden, alle kommen in gut abgemischtem DTS-HD MA 5.1 Sound daher, die Dialoge sind gut verständlich. Das Bild ist kontrastreich, an den Kanten sind stellenweise leichte Unschärfen auszumachen, das zentrale Bildgeschehen ist aber scharf gehalten. Die Farben wirken ein wenig entsättigt, dies passt aber gut zum kühlen Feeling des Filmes. Als Extras gibt es nur ein paar Trailer. Die Blu-ray selbst kommt mit einem Slipcover ins Haus, von dem sich der FSK-Aufkleber entfernen lässt. Wer sich lieber nur die Plastikhülle ins Regal stellt, wird darüber hinaus noch mit einem Wendecover versorgt, was wirklich vorbildlich ist.

Infos zum Film

Originaltitel: The Model
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 101 Minuten
Regie: Mads Matthiesen
Drehbuch: 
Darsteller: Maria Palm, Ed Skrein u.a.

Trailer


Filmkritik: Ein Mann namens Ove

© Concorde
Story: So einen Nachbarn wie Ove kennt jeder: Schlecht gelaunt, grantig, in die Jahre gekommen. Einer der jeden Morgen seine Kontrollrunde in der Reihenhaussiedlung macht, Falschparker aufschreibt und Mülltonnen auf korrekte Mülltrennung überprüft. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich ein großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja gestorben ist, sieht er keinen Sinn mehr im Leben und trifft praktische Vorbereitungen zum Sterben. Doch dann zieht im Reihenhaus nebenan eine junge Familie ein, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet …

Kritik: Besonders zu Beginn macht Ove einen furchtbar unsympathischen Eindruck. So ziemlich jeder hat irgendwo in seiner Nähe einen dieser Hobby-Polizei-Rentner wohnen. Sie wissen stets über alles Bescheid und haben ihren Fensterplatz (von dem aus sie die Nachbarschaft im Auge behalten) schön fein mit Kissen ausstaffiert. Um genau so einen Zeitgenossen scheint es auch hier zu gehen, doch natürlich steckt mehr dahinter.

In Rückblenden erfährt der Zuschauer, was Ove antreibt. Hier wird es emotional, eine Tatsache, auf die weder Cover noch Klappentext so richtig hinweisen wollen. Wer also eine rein bitterböse Beobachtung erwartet, der wird sicher überrascht. Der Film drückt stellenweise heftig auf die Tränendrüse, immer im steten Wechsel mit der nächsten, zynischen Einlage. Das Thema des Suizides als Aufhänger für die weitere Geschichte zu nehmen scheint da auf den ersten Blick unpassend und vielleicht sogar ein wenig geschmacklos, doch es geht vielmehr um Sehnsucht als solche, nicht unbedingt nur nach dem Tod.
© Concorde
Rolf Lassgård, den die meisten wohl als Wallander kennen, schafft es dabei mit nuancierter Mimik, Oves Gefühlswelt auch ohne viele Worte nach außen zu tragen. Er rettet so auch den Film davor, permanent auf der Kitschwelle mitzureiten. Natürlich handelt es sich hier am Ende trotzdem um Wohlfühlkino, bei dem es darum geht, Anteil am Schicksal seiner Hauptfigur zu nehmen. Das ist ohne große Ausfälle oder besondere, inszenatorische Meisterleistungen in Szene gesetzt, wird dem Thema an sich aber durch seine Unaufgeregtheit vollkommen gerecht. Und wer weiß, vielleicht betrachtet der eine oder andere Zuschauer den griesgrämigen Oberaufseher der eigenen Straße in Zukunft ja mit anderen Augen. Dass hinter jeder Fassade eine Geschichte steckt, das dürfte dann auch die schönste Botschaft des Filmes sein.

Fazit: Überlasst es den Skandinaviern, in diesem Fall den Schweden, bitterbösen und tiefschwarzen Humor so gekonnt mit einer herzerweichenden Lovestory zu verknüpfen, dass man als Zuschauer permanent zwischen Lachen und Mitweinen schwankt. "Ein Mann namens Ove" ist stellenweise nichts für zarte Gemüter, doch wer auf die Mischung aus herzhaft fiesem Humor und einer guten Dosis Romantik steht, der sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

Die Blu-ray: Die Blu-ray ist seit dem 10. August 2016 im Verleih von Concorde im Handel erhältlich. Die Hülle kommt mit einem Wendecover, als weitere Extras gibt es leider nur ein paar Trailer. Das ist schade, hätte es sich doch gerade bei einer Literaturverfilmung angeboten, in diesem Bereich ein Making-of zu produzieren. Bei den Sprachen kann zwischen dem schwedischen Originalton in DTS-HD MA 5.1 oder einer deutschen Tonspur, entweder in DTS-HD MA 5.1 oder Dolby Digital 2.0 ausgewählt werden. Alle Kanäle verfügen über gut abgemischten Ton, die Dialoge sind jederzeit gut verständlich. Das Bild ist ebenfalls schön ausgewogen, die Kontraste und Schwarzwerte überzeugen.


Infos zum Film

Originaltitel: En man som heter Ove
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Drama
FSK: 12
Laufzeit: 112 Minuten
Regie: Hannes Holm
Drehbuch: Hannes Holm
Darsteller: Rolf Lassgård, Bahar Pars, Filip Berg, Ida Engvoll, Tobias Almborg u.a.

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Filmkritik: The Boss

© Universal Pictures
Story: Vom Büro mit Panoramablick direkt hinter schwedische Gardinen: Nachdem die extrem erfolgreiche Unternehmerin Michelle Darnell beim Handeln mit Insiderinformationen erwischt wird, wandert sie direkt ins Gefängnis. Das wiederum ist so gar nicht nach ihrem Geschmack. Wieder auf freiem Fuß, will sie sich der Welt nun als ehrbar und rechtschaffen präsentieren – als die Sünderin, die aus ihren Fehlern gelernt hat… Doch die Chefin steckt noch in ihr und alte Angewohnheiten schwinden nicht einfach so. Außerdem ist nicht jeder, der von Michelle damals aufs Kreuz gelegt wurde, bereit, ohne weiteres zu vergeben und zu vergessen.

Kritik: Komödien sind ein Minenfeld, ich glaube, das kann man gar nicht oft genug sagen. Fast nichts ist so individuell wie Humor. Worüber der eine lachen kann, zeigt sich der nächste entsetzt und schüttelt ungläubig mit dem Kopf. Eine Komödie, in der jeder Witz zündet? Ich persönlich kenne keine. Und doch schau ich mir gern Komödien an, denn wenn sie funktionieren, dann hat man am nächsten Tag Muskelkater im Bauch vor lauter lachen.
© Universal Pictures
Leider ist "The Boss" keine solche Komödie geworden. Das liegt nicht an den Darstellern, die legen sich hier schon ins Zeug. Melissa McCarthy ist in ihrer gewohnten Art und Weise zu sehen, da muss jeder für sich entscheiden ob er das so mag. Ich finde sie nach wie vor super. Kristen Bell spielt weitestgehend nett-naiv, zeigt aber zwischendurch, dass sie auch anders kann. In Nebenrollen tauchen Peter Dinklage (nach Pixels schon wieder eine extrem fragwürdige Rolle, was ist da los?) und Kathy Bates auf, so richtig zünden will das aber alles nicht. Immerhin die ausgefallenen Kostüme überzeugen und gehen gut als Parodie auf die eine oder andere Prominente Ratgeber-Persönlichkeit durch. Doch der Schuldige für die restliche Misere lässt sich hier zügig finden: es ist das Drehbuch.

Komödien mit Drama zu vermischen ist immer eine gewagte Sache, aber hier geht das einfach mal so richtig in die Hose. Dabei sind die Drama-Anteile an sich durchaus gelungen, die Gegenüberstellung von hart erarbeitetem Reichtum auf der einen Seite, der auf Kosten von Familie und Geborgenheit auf der anderen Seite geht, stimmt zwischendurch nachdenklich und gibt McCarthy Raum, ihre ernste Seite zu zeigen. Und die beherrscht sie dann auch. Doch die derben, stellenweise einfach so gar nicht lustigen Einlagen lenken davon ab und lassen mich ratlos zurück. Klar, hier und da zünden die Gags. Ich bin immer froh, wenn vor allem frauenspezifische Themen humoristisch aufgenommen werden, ich denke jede Frau, die vor einem Date schon mal verzweifelt durch ihre Unterwäschen-Schublade gewildert ist, weil jeder BH entweder 10 Jahre alt ist, komisch aussieht oder eine seltsame Oberweite formt (liebe Männer, richtig passende BHs sind eine komplizierte Wissenschaft, lasst euch das gesagt sein), das funktioniert hier auch sehr gut und sorgte bei mir für die meisten Lacher. Über Erwachsene, die sich in Zeitlupe mit Kindern prügeln, werde ich vermutlich allerdings auch in zehn Jahren nicht lachen können. Aber hey, jedem das seine, und wie gesagt, Humor ist individuell. Hier geht die Rechnung allerdings nicht auf, dafür ist "The Boss" am Ende einfach zu unausgewogen und zu weit über verschiedene Felder verteilt, die so gar nicht zusammenpassen wollen. 
© Universal Pictures
Fazit: "The Boss" wandelt relativ unsicher irgendwo zwischen Komödie und Drama hin und her. Die Hauptfigur ist die meiste Zeit über herrlich unsympathisch, was einerseits erfrischend ist, andererseits aber stellenweise einfach nur anstrengend ist. Weitestgehend fehlt Gespür und Timing für die Comedy, was natürlich bei einer Komödie fatal ist. Einige gut gestreute Lacher gehen in Absurditäten über, die man mit einem besseren Drehbuch hätte vermeiden können. Dramaanteile werden willkürlich eingestreut und verpuffen deshalb fast gänzlich ohne jede emotionale Reaktion. Und darstellerisch wurde hier mit Kathy Bates, Peter Dinklage und Kristen Bell wirklich Alles verschwendet. Und Melissa hat schon mehrfach bewiesen, dass sie besser spielen kann, als es hier der Fall ist. Eine gute Idee, bestenfalls mittelmäßig umgesetzt, und das auch nur, wenn man gnädig sein will. "The Boss" hätte vermutlich als reines Drama deutlich besser funktioniert.

Infos zum Film

Originaltitel: The Boss
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Drama
FSK: 12
Laufzeit: 99 Minuten
Regie: Ben Falcone
Drehbuch:  Ben Falcone, Melissa McCarthy
Darsteller: Melissa McCarthy, Kristen Bell, Peter Dinklage, Kathy Bates, Ella Anderson u.a.

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Filmkritik: 9. April - Angriff auf Dänemark

© Pandastorm
Story: April 1940: Die deutsche Wehrmacht zieht Truppen an der deutsch-dänischen Grenze zusammen. in Dänemark häufen sich die Gerüchte über eine bevorstehende deutsche Mobilmachung, doch die dänische Armee hat den Befehl, passiv zu bleiben, um den großen Nachbarn nicht zu provozieren.
Leutnant Sand ist mit seinem Zug unerfahrener Soldaten 10 Kilometer vor der Grenze stationiert. Seinen Männern musste er erzählen, sie seien auf einer Routineübung. Am Abend des 8. April schickt er sie in voller Kampfmontour ins Bett. Noch in dieser Nacht beginnt die Wehrmacht um 4:15 mit der Invasion. Sand erhält den Auftrag, die deutschen Truppen aufzuhalten bis Verstärkung eintritt. Eine unmögliche Mission...

Kritik: Theoretisch könnte man ja meinen, dass zum Thema Zweiter Weltkrieg so langsam alle Geschichten erzählt wären. Dem ist natürlich nicht so. "9. April", der bei uns gar nicht erst im Kino lief und direkt für das Heimkino veröffentlich wurde, fügt der Erzählung eine bisher ungehörte Perspektive hinzu: die Dänische. Die geht nämlich in der Diskussion um den Zweiten Weltkrieg gerne mal unter, weil die meisten Leute vermutlich einfach annehmen, dass die Dänen sich nicht gegen die ach so friedliche, deutsche Invasion gewehrt haben. Haben sie natürlich, und diese Story bringt und "9. April" näher. Das allein verdient schon Aufmerksamkeit. Erfreulicherweise entpuppt der Film sich dann aber auch noch als richtiges Juwel.
© Pandastorm
Betont unepisch kommt er daher, und entfaltet genau deswegen einen bizarren Schrecken beim Ansehen. Eine kalte Atmosphäre macht sich breit und kriecht wie ein bedrohlicher Nebel an einen heran. Das sture Beharren auf Befehlen ist für den Zuschauer natürlich von vornherein der Grundstein für das spätere Debakel, doch was soll man als junger, unerfahrener Soldat machen? Man hört auf denjenigen, der es am besten wissen sollte, also den Vorgesetzten. Die anfängliche Distanz zu den Figuren wird dann auch rasend schnell aufgebrochen.
© Pandastorm
Spätestens, wenn die dänischen Jungs mit ihren Fahrrädern dann der deutschen Übermacht tapfer entgegenradeln, ausgestattet mit je 40 Schuss in ihren Maschinengewehren. In verhältnismäßig engen Gassen bricht ein Gefecht aus, dem die dänische Führungsriege natürlich nicht beiwohnt. Völlig kitschbefreit werden die Ereignisse nacherzählt, umso eindrucksvoller prägt sich die Geschichte ein. Dies ist natürlich einerseits darin bedingt, dass "9. April" dem Kriegsfilmgenre tatsächlich eine neue, bisher ungesehene Perspektive hinzufügen kann. Und dann wäre da noch die handwerkliche Komponente. Mit Pilou Asbæk (Game of Thrones) und Lars Mikkelsen (Sherlock) hat man zwei überaus talentierte Zugpferde in den Hauptrollen, die eindrucksvoll demonstrieren, wie gut es um das dänische Kino bestellt ist. Auch die jungen Soldaten überzeugen durch die Bank weg. Da ihnen am Anfang recht viel Zeit gegeben wird, um die Figuren genau vorzustellen, entsteht auch schnell eine Bindung zu ihnen. Abgerundet wird dies durch einen eindrücklichen Soundtrack und sorgfältige und vor allem ruhige Kameraarbeit.

Fazit: "9. April" gelingen gleich mehrere Geniestreiche. Zuerst einmal erzählt er eine Geschichte, die bisher nicht filmisch verarbeitet wurde. Dies auf geerdete Art und Weise, gänzlich kitschbefreit und gerade deswegen umso packender. Grandios aufspielende Darsteller treffen auf eine solide Inszenierung, der man das Langspielfilmdebüt des Regisseurs keinesfalls ansieht. Eine absolute Empfehlung, nicht nur für historisch Interessierte.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Pandastorm (im Handel ab dem 19. August 2016) kommt im Keepcase mit einem Wendecover ohne FSk-Aufkleber ins Haus. Das Sammlerherz freut sich über den Anblick also schon mal. Auf der Disc befinden sich sowohl die deutsch synchronisierte, als auch die dänische Originaltonspur, beide liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Bei beiden Tonspuren ist das Verhältnis von Dialog zu Geräuschen sehr gut ausgewogen, es gibt keine Verständnisprobleme. Richtig eindrucksvoll auf die Ohren gibt es in den Gefechtsszene. Da ziehen die Geschosse eine schön verfolgbare Tonspur durchs Zimmer und prallen gut hörbar von Panzern ab. Einschüsse in den Boden lassen es ebenfalls ordentlich wummern. Hier kann man sich wirklich nicht beklagen. Das Bild ist grobkörnig, dies passt aber wunderbar zur rauen Atmosphäre des Films und darf sicherlich als Stilmittel verstanden werden und nicht als technischer Mangel. Die Farben sind kühl, braun, grün und grau dominieren die Palette und tragen zur beklemmenden Stimmung bei.
Richtig Mühe gegeben hat man sich auch bei den Extras. Wer Pandastorm schon kennt, beispielsweise von ihren beispiellosen "Doctor Who" Veröffentlichung, der weiß, dass ihn hier sicherlich das eine oder andere Schmankerl erwartet. Ein "behind the scenes" Featurette bietet knapp acht Minuten lang Einblicke hinter die Kulissen. Auch die beinahe schon obligatorischen Trailer sind zu finden. Nachhaltig beeindruckend sind die knapp 20 Minuten mit Interviews mit Veteranen des Krieges. Verschiedene Positionen und Einstellungen kommen zu Wort und liefern einen tiefgehenden Eindruck. Und wer es gern musikalisch hat, der findet den kompletten, 35 Minuten langen Soundtrack als Audiospur auf der Scheibe.

Infos zum Film

Originaltitel: 9. April
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Kriegsfilm, Drama, Action
FSK: 16
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Roni Ezra
Drehbuch: Tobias Lindholm
Darsteller: Pilou Asbæk, Lars Mikkelsen, Gustav Dyekjær Giese, Martin Greis, Joachim Fjelstrup, Jannik Lorenzen u.a.

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Filmkritik: Spotlight

© Paramount

Story: Im Jahr 2001 erhält Walter „Robby“ Robinson, der Leiter des Investigativ-Teams des Boston Globe, einen besonderen Auftrag. Der neue Chefredakteur Marty Baron setzt ihn auf die Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche an, von denen schon lange hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Doch als Robby und seine Kollegen Michael Rezendes, Sacha Pfeiffer, Matt Carroll und Ben Bradlee jr. die ersten Opfer interviewen, decken sie Schicht um Schicht einen viel größeren Skandal auf: Seit Jahrzehnten wurden in der Erzdiözese Boston immer wieder Kinder von Priestern missbraucht – und die Taten von höchsten Würdenträgern gedeckt und vertuscht. Die Spuren führen direkt zum Kardinal, doch die Reporter stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Die Opfer schweigen aus Angst, hochbezahlte Anwälte spielen auf Zeit. Die kostspielige Recherche der Zeitung droht zu scheitern.

Kritik: Ich spreche da jetzt mal nur für mich, aber: Ich arbeite als Journalist, in der Lokalpresse. Meine tagtäglichen Highlights sind Vereinsmeldungen, Spatenstiche und Tiere im Tierheim, die ein Zuhause suchen. In erster Linie gebe ich Informationen weiter, filtere ein Zuviel an Eigenwerbung heraus, stelle Informationen leicht aufbereitet zur Verfügung. Hauptsächlich digital, Print ist zu einer Art Best-of verkommen, nicht mehr aktuell ab dem Zeitpunkt, ab dem die Nachricht zum Druck freigegeben wurde. Die Art und Weise, wie wir Nachrichten konsumieren verändert sich, und so ändert sich auch die Art und Weise, wie sie produziert werden. Kommt etwas Neues rein, wird es erst einmal schnell weiterverarbeitet, man könnte die Meldung ja vor allen anderen bringen, die meisten Leser an Bord holen. Korrigieren lässt sich später immernoch. "Spotlight" bringt uns also zurück in eine Zeit, in der für große Geschichten noch ausgiebig recherchiert wurde. Ihr wisst schon, die Art von Geschichte, die heute kaum noch jemand liest, weil alle nach der Überschrift wieder aussteigen um sich weiter unten im Kommentarfeld die Beleidigungen in Form von Buchstaben um die Ohren zu hauen. Aber auch eine Geschichte, deren Ausgang wir alle kennen, wenn wir nicht die letzten zehn Jahre unter einem Stein gehaust haben. Dass sie als Film funktioniert liegt einerseits an dem großartigen Drehbuch, andererseits an den Darstellern, die sich nicht in den Vordergrund spielen, sondern diese dramatische Geschichte mit allem unterstützen, was sie haben.
© Paramount
"Spotlight" bringt mit minimalistischer Charakterisierung seine Figuren in die Geschichte. Als Zuschauer erfahren wir beinahe nur Kleinigkeiten über die einzelnen Journalisten, die Kirchenmänner, die Anwälte und auch die Opfer. Diesen fehlen teilweise die Worte um überhaupt zu beschreiben, was ihnen angetan wurde. Doch diese Herangehensweise funktioniert, denn das wenige, was gesagt wird, spricht Bände. Einzelne Darsteller hier besonders zu loben wäre grundfalsch, denn sie alle tragen ihren Teil zum Gelingen bei. Auch hier sind es die kleinen Gesten, subtile Wandlungen, die alles greifbar machen und einen Konflikt von so unvorstellbarem Ausmaß auf den Boden der Tatsachen holen. Im wahrsten Sinne des Wortes wird hier eine Geschichte erzählt, fügen sich die einzelnen Puzzlestücke zu einem großen Ganzen zusammen. In einem besonderen Geniestreich schafft "Spotlight" es, die Trennung zwischen Glauben und Kirche zu zementieren, den Konflikt zwischen "an Gott glauben" und dem teilweise desaströsen "Bodenpersonal" auszuarbeiten. Dies, ohne respektlos zu werden, während all die richtigen Fragen gestellt werden. Wie kann es angehen, dass die Priester sich alle gegenseitig decken? Wie kann es sein, dass die Kirche als Institution davon weiß und trotzdem ihr Personal deckt? Wie geht es an, dass die missbrauchenden Priester besonders dort zum Einsatz kommen, wo die Lage für Kinder prekär ist, wo es an Vaterfiguren mangelt? Wieso gibt es Anwälte, die Druck auf die Opfer ausüben und sich diese Drecksarbeit auch noch von der Kirche entlohnen lassen? Wie wenig Gewissen haben einige Menschen in Schlüsselpositionen?

Der Erzählton bleibt dabei fast durchgehend ruhig. Die Journalisten fungieren als Ermittler, als Zuhörer, als Anlaufstelle, während sie selbst ihre Wandlungen durchmachen. Obwohl man weiß, wie die Geschichte ausgehen wird, baut sich unterschwellig Spannung auf. Es kommen Zweifel auf: Werden die Journalisten es schaffen, dass ihre Story gedruckt wird? Wer wird ihnen Steine in den Weg legen? Was bringt es, eine solche Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen? Im Abspann wartet eine Liste mit allen Städten, in denen ähnliche Skandale passiert sind. Vermutlich noch immer passieren. "Spotlight" schafft, was viele Filme nicht vollbringen können: er schärft das Bewusstsein für ein Unrecht von gigantischem Ausmaß, das mitten unter uns passierte und passiert. Er zerrt den Horror, den die Opfer durchlebten und durchleben, in den Fokus, ohne sie auszuschlachten. Man könnte dem Film sicher vorwerfen, er wäre emotionslos, doch vielleicht ist gerade diese Nüchternheit die Stärke von "Spotlight".

Fazit: "Spotlight" erzählt ruhig und unaufgeregt, aber dafür umso eindrucksvoller, wie die Geschichte um einen der größten Missbrauchsskandale der Kirche aufgedeckt wurde. Eindringliche, ruhige Leistungen aller Darsteller geben dieser wichtigen Geschichte Raum, sich zu entfalten. "Spotlight" zeigt darüber hinaus, zu welchen wichtigen Leistungen guter Journalisus jenseits von Boulevardpresse und unhinterfragt kopierten Meldungen möglich ist. Ein Film, der all die richtigen Fragen auf genau die richtige Art und Weise stellt.

Infos zum Film

Originaltitel: Spotlight
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Thriller
FSK: 0
Laufzeit: 129 Minuten
Regie: Tom McCarthy
Drehbuch: Tom McCarthy, Josh Singer
Darsteller: Rachel McAdams, Mark Ruffalo, Michael Keaton, Liev Schreiber u.a.

Trailer

Filmkritik: Whiskey Tango Foxtrot

© Paramount
Story: TV-Reporterin Kim Baker (Tina Fey) sucht nach einer neuen Herausforderung in ihrem Leben: Thunfischsalat im Großraumbüro und Beziehungsweichei an ihrer Seite können doch nicht alles gewesen sein. Als der Kabelsender, für den sie arbeitet, unter den unverheirateten, kinderlosen Mitarbeitern kamerataugliches Kanonenfutter für die Berichterstattung von der afghanischen Reporter-Front sucht, meldet sie sich kurzerhand freiwillig. Völlig überfordert von sich und Kabul, erlebt die Journalistin, dass es irgendwann keinen Unterschied mehr macht, ob man den Presseausweis um den Hals oder auf der Kevlar-Weste trägt. Fest entschlossen, die beste Story zu finden, lässt sich Kim auf die neuen Regeln ein.

Kritik: Manchmal sitzt man vor einem Film und weiß einfach nicht, was man davon halten soll. "Whiskey Tango Foxtrot" ist so ein Fall. Denn sein Potenzial ist beinahe unerschöpflich. Tina Fey beweist mit jedem Auftritt, was für ein grandioses Gespür für Comedy sie hat. Martin Freeman habe ich bisher auch in keiner schlechten Rolle gesehen, Margot Robbie aktuell nicht in einem Film zu haben scheint auch wie ein Verbrechen. Kriegsfilme erfreuen sich aktuell auch großer Beliebtheit, und ein Film über Journalisten hat zuletzt den Oscar gewonnen. Dieser hier beruht dann auch noch auf einem Buch ("The Taliban Shuffle"), man könnte also meinen, hier kann nur ein wenigstens guter Film herauskommen.
Erst mal schön alle in Gefahr bringen. © Paramount
Dem ist leider nicht so. Stattdessen entwickelt sich "Whiskey Tango Foxtrot" bereits in den ersten Minuten zu einem abstrusen Selbstfindungstrip einer Frau in ihren Vierzigern. Kinderlos und Unverheiratet, der Freund ist ebenfalls häufig unterwegs und sowieso nicht wirklich vertrauenswürdig. Wie geschaffen also für einen dreimonatigen Aufenthalt in Afghanistan. Jetzt ist Afghanistan an sich bereits ein schwieriges Pflaster in Sachen Filme, denn mittlerweile sind andere Schauplätze im Bewusstsein der Allgemeinheit relevanter. Immerhin ist New Mexico ein schöner Kulissenersatz, das war es dann aber auch schon. Denn statt sich mit den sicherlich spannenden Problemen einer Reporterin im Nahen Osten zu befassen, geht der Film den einfachen Weg. Und der führt über dämliche Klischees, jede Menge Anzüglichkeiten, aber keinesfalls über irgendeine Form von Charakterentwicklung. Positiv könnte man höchstens anrechnen, dass wirklich jeder hier auf nervig-dümmliche Art sein Fett wegkriegt. Sobald Figuren hier sprechen dürfen, geben sie flachen Unsinn von sich. Wenn Kim in Kabul ankommt und von einer verschleierten Frau angebrüllt wird, sie solle sich doch bitte verhüllen, sie Hure, dann soll das vermutlich witzig sein, irritiert allerdings in höchstem Maße. Alfred Molinas Charakter fällt ohne weitere Umschweife in das "alle muslimischen Männer sind wilde Tiere, die nur vögeln wollen und sich dabei dumm benehmen" Klischee. Davon, dass die beiden afghanischen männlichen Sprechrollen mit weißen Darstellern besetzt wurden, will ich eigentlich gar nicht erst anfangen. Scheinbar reicht es, sich einen langen Bart wachsen zu lassen, ein bisschen afghanische Kleidung (was auch immer das sein soll) anzuziehen und drei bis vier dicke Schichten Bronzer aufzutragen, um zu überzeugen.
Eine 15, weil sie weiß ist. © Paramount
Das wirklich ätzende ist allerdings, dass ich mich tatsächlich mies fühle, diesen Film auseinanderzunehmen. Das beruhen auf wahren Tatsachen, auf der Autobiografie einer tatsächlichen Journalistin, macht es schwierig, mit dem Thema umzugehen. Das Buch habe ich bisher nicht gelesen, doch diverse Besprechungen im Internet deuten auf eine Lektüre, die voller Selbstbewusstsein für das eigene Privileg steckt. Auf eine kluge Frau, die mit messerscharfem Verstand ihre Umgebung und ihr Wirken darin versteht. Nun vertragen sich Buch und Film nicht immer, vieles geht verloren. Aber wäre es wirklich so schwer gewesen, nicht permanent die Fickbarkeit (sorry, not sorry) der beiden weißen Frauen in diesem Film zu thematisieren? Ist es zu viel verlangt, nicht permanent hören zu müssen, dass Tina Fey "fast eine 10 ist", weil um sie herum nur vollverschleierte und somit scheinbar automatisch hässliche Frauen sind? Muss betont werden, dass nur weiße Frauen wirklich schön sein können, dass es eine Art geografische Grenze für etwas subjektives wie Schönheit gibt? Ist es wirklich notwendig permanent zu wiederholen, dass die beiden Journalistinnen die Finger von ALLEN Männern im ganzen Land lassen sollen? Braucht es automatisch Rom-Com Elemente, nur weil die Hauptfigur eine Frau ist? Ist das die Message, die wir an junge Frauen senden wollen? Hey, du kannst sicherlich eine Reporterin in einem Krisengebiet sein, es wird dich fickbarer machen als du es zuhause je warst! Dass die einzige andere Frau im Film dann auch gleich zur beruflichen Konkurrenz wird ist da nur logisch, denn jeder weiß ja, dass Frauen nicht gemeinsam arbeiten können, weil sie einfach gemeine Biester sind, die sich nur gegenseitig ausstechen wollen. Für die anwesenden Männer sind die beiden ja sowieso keine Konkurrenz, sondern nur niedliche kleine Mädchen, die sich auch mal an einem Job für richtig harte Jungs versuchen wollen.
Doctor Watson ist wieder in Afghanistan. © Paramount
Richtig bitter wird diese Mischung, weil an anderen Ecken, wenigstens in ein, zwei Augenblicken, durchaus sowas wie Spaß hervorblitzt. Allerdings kommen die Witze, die wirklich zünden, hauptsächlich von Missverständnissen, egal ob in sprachlicher oder kultureller Hinsicht. Abgesehen von den zahlreichen Problemfeldern, die der Film erfolglos beackert, liefern die Darsteller durch die Bank weg gute Leistungen. Billy Bob Thornton ist herrlich emotionslos, Martin Freeman darf mal so richtig frech sein. Natürlich verliebt Frau sich dann ausgerechnet in das Arschloch, aber hey, wir Mädchen können halt einfach nicht anders. Doch die Mischung aus Kriegsfilm, Drama und Romanze sowie Komödie erweist sich als unmöglich. Die wenigen Actionsequenzen sind unterirdisch schlecht gemacht. Die Drama-Elemente werden wahllos eingestreut, während das Timing in Sachen Comedy an eine Katastrophe grenzt. Der Film sorgt nicht einmal dafür, dass man am Ende mehr über den Afghanistankonflikt wissen will. Und das ist vielleicht das schlimmste daran: bei all den negativen Aspekten, die hier zutage kommen, ist er einfach nur vergessenswert.

Fazit: Nichts anderes als "Eat Pray Love" vor Kriegskulisse, setzt sich "Whiskey Tango Foxtrot" einfach selbst in den Sand. Eine Bindung zu den Figuren will so gar nicht gelingen, mit einer Ausnahme, nämlich dem Fahrer von Kim. Dämliche Klischees werden munter in jede erdenkliche Richtung reproduziert, es gibt keinerlei Grundlagen für die Handlungen der Figuren. Eine Frau in der Hauptrolle bedeutet scheinbar immer noch, dass der Film automatisch zu einer Romanze werden muss. Dass es scheinbar auch keine Nicht-Weißen Darsteller für afghanische Sprechrollen gab verkommt da schon fast zum Nebenschauplatz, denn hier stimmt auch sonst schon einfach nichts. Möglicher Alternativtitel: Foxtrot.Uniform.Bravo.Alfa.Romeo. 

Infos zum Film

Originaltitel: Whiskey.Tango.Foxtrot
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Biopic, Drama, Kriegsfilm, Romanze
FSK: 12
Laufzeit: 112 Minuten
Regie: Glen Ficarra, John Requa
Drehbuch: Robert Carlock.
Darsteller: Tina Fey, Margot Robbie, Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Christopher Abbott, Alfred Molina u.a.

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Filmkritik: Conjuring 2

© Warner Bros.
Story: Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson), die beiden Geisterjäger, werden von der Kirche nach London beordert. Dort gehen im Haus der Familie Hodgson seltsame Dinge vor sich. Vor allem die elf Jahre alte Janet (Madison Wolfe) steht im Zentrum der Aufmerksamkeit eines fiesen Geistes. Können die Warrens helfen, oder täuscht die Familie die Heimsuchungen vielleicht nur vor, um aus dem alten Haus ausziehen zu können?

Kritik: "Conjuring" wurde weitläufig wohlwollend aufgenommen, und so war es vermutlich eine Frage der Zeit, bis Regisseur James Wan das hungrige Publikum mit einer Fortsetzung beglücken würde. Mir persönlich gefiel "Conjuring" wirklich gut, James Wan hat diese Eigenart, eigentlich abgenutzte Tricks und Spielereien in seinen Filmen zu verwenden, die dann aber so sauber ausgeführt werden, dass sie funktionieren. Nun bin ich, das muss vorher klargestellt werden, sowieso ein äußerst schreckhafter Mensch, und ich schaue schon seit einigen Jahren keine Horrorfilme mehr im Kino. Ich warte brav, bis ich mich in der sicheren Umgebung meines Bettes, Bettdecke stets griffbereit, terrorisieren lassen kann. Für "Conjuring 2" habe ich eine Ausnahme gemacht und mich ins Kino begeben, vermutlich hat das zum überaus positiven Eindruck ein wenig beigetragen. Denn Grusel funktioniert anders, wenn andere Menschen mit im Raum sind. Doch ist "Conjuring 2" wirklich gruselig, oder einfach nur ein weiterer Fall für die Akte "langweilige Fortsetzung"?
© Warner Bros.
Man muss sicher festhalten, dass James Wan das Horrorgenre nicht neu erfindet. Muss er aber auch gar nicht, denn was er hier abliefert ist hochgradig unterhaltsam. Mit 134 Minuten Laufzeit erschaffen sich alle Beteiligten hier eine gigantische Spielwiese in heimgesuchten Häusern. In dieser Fortsetzung werden beispielsweise die Ereignisse in Amityville ebenfalls zum Thema, doch sie dienen nur zur Eröffnung der eigentlichen Handlung. Das gibt einerseits James Wan die Möglichkeit, den wohl bekanntesten Fall von Besessenheit kurz abzuarbeiten, er setzt damit aber auch den Ton für den restlichen Film, denn Lorraine hat hier eine Vision, die sie später noch einmal einholen wird. Kurze Zeit später geht es dann auch schon nach London, wo sich der berühmt-berüchtigte Enfield Poltergeist in einer Familie einnistet.

Zunächst fällt auf, wie viel Mühe und Arbeit in das Setdesign gefallen sein muss. Die etwas offensichtliche Wahl von "London Calling" als Soundtrack entlockt ein Grinsen, verankert gemeinsam mit ein paar wenigen Aufnahmen und einem Blick auf die Kostüme die ganze Angelegenheit aber sicher und vor allem effizient in den 70ern. Das Motto "Show, don't tell" wird hier sehr ernst genommen. Wir lernen die Familie kennen, die später durch die Hölle gehen wird. Eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern. Viel erfährt man nicht über sie: eine Tochter möchte vor ihren Freundinnen als cool dastehen, einer der beiden Jungs wird gemobbt weil er stottert. Doch die Kinder halten zusammen, die Mutter gibt sich Mühe, ihre Panik vor dem Nachwuchs zu verbergen. Eine sympathische Familie, der man nichts Schlechtes wünscht. Aber das Böse hat natürlich andere Pläne. Und wie könnte man nicht mitfühlen, wenn das Ziel des Dämonen, ein elf Jahre altes Mädchen, sich im Gespräch Lorraine anvertraut? Sie fühlt sich alleine, sie weiß nicht was mit ihr passiert, sie hat Angst vor dem Unbekannten, die anderen haben Angst vor ihr. Mit niemandem kann sie reden und sie hat das Gefühl, mit ihrem Problem allein auf der Welt zu sein. Das lässt sich einwandfrei auf all die Ängste übertragen, die jeder von uns in diesem Alter durchmacht, es verankert den übernatürlichen Horror simpel und effektiv in etwas, das jeder von uns durchgemacht hat.

© Warner Bros.
Über die Handlung an sich möchte ich gar nicht so viel reden. Aufmerksame Zuschauer werden gegen Ende hin kaum überrascht, doch da Wan sich eine Menge Zeit nimmt, um das Finale aufzubauen, geht das voll in Ordnung. Die verhältnismäßig lange Laufzeit sorgt dafür, dass eine große Anzahl verschiedener Sets besucht werden kann, und sie alle tragen ihren Teil zum Aufbau der Geschichte weiter. Mit den Gruselmomenten werden aber auch kurze, teilweise sehr private Gespräche unter den Figuren verknüpft. Das grenzt manchmal hart an der Kitschgrenze, doch die Darsteller machen ihren Job gut, wirken sympathisch und man nimmt ihnen ihre Handlungen jederzeit ab. Vor allem Madison Wolfe legt hier eine Leistung aufs Parkett, die mich wirklich neugierig macht, wie man so junge Darsteller in Horrorfilmen so überzeugend einsetzen kann. Die Vermischung des Horrors, dem sich alle Figuren ausgesetzt sehen, und der immer wieder aufkommenden Romantik zwischen den Warrens funktioniert ebenfalls ausgezeichnet. In Szenen, die mit anderen Darstellern wohl unerträglich schleimig gewesen wären, wird mit kleinen Gesten deutlich, wieso die Beziehung dieser beiden auch einer Horde fieser Dämonen trotzen kann. Und eben weil so viel Zeit mit den Figuren verbracht wird, sitzt jede Gruselsequenz umso besser.

© Warner Bros.
Und wenn es gruselig wird, dann aber so richtig. In vielerlei Hinsicht ist "Conjuring 2" die Perfektion dessen, was James Wan bisher schon immer geliefert hat. Gemeinsam mit seinem Kameramann Don Burgess wühlt er sich durch die Trickkiste und fährt ein sattes Gruselkabinett auf. Lange, ununterbrochene Kamerafahrten mit den Figuren durch die Räume des Hauses bauen Spannung auf. Raumdetails verändern sich, während die Kamera an den Gesichtern der Beteiligten klebt. Man erlaubt sich, den Grusel unscharf im Hintergrund passieren zu lassen, während die Kamera im Vordergrund auf einen der Geisterjäger fokussiert. Angereichert wird all das durch die üblichen Verdächtigen, die sich in einem Gruselhaus so aufhalten: Wehende Vorhänge, sich von selbst bewegende Objekte, knarrende Türen. Zwischenzeitlich werden die beliebtesten Argumente von Anti-Gruselhaus-Fans entkräftet, so kann die Familie Hodgeson nicht einfach umziehen, da sie in einem staatlichen Haus leben und "mein Haus ist von Geistern besessen" bei Ämtern und Behörden schon in den 70ern keinen Eindruck macht. Wan erlaubt sich auch den Luxus, uns einen wirklich guten Eindruck von den Räumlichkeiten zu geben. Der Aufbau des Hauses wird schnell deutlich, die Wege bleiben nachvollziehbar. Das wird im Finale wichtig, und all die investierte Zeit in kleine Details macht sich dann bezahlt. Mag es in der Machart auch an "Poltergeist" erinnern, mit "Conjuring 2" beweist James Wan, dass er das Spiel auf der Gruselklaviatur perfektioniert hat.

Fazit: James Wan hat sein Publikum fest im Griff. Wirklich etwas Neues liefert er mit "Conjuring 2" nicht ab. Der sorgfältige Aufbau, die liebevoll ausgestatteten Kulissen, großartig aufgelegte Darsteller und miteinander verwobene, emotional nachvollziehbare Geschichten liefern gemeinsam mit meisterhaft umgesetzten Gruselmomenten das Fundament für einen der effektivsten Haunted House - Filme seit Langem.

Infos zum Film

Originaltitel: Conjuring 2
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 134 Minuten
Regie: James Wan
Drehbuch:  James Wan u.a.
Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Frances O'Connor, Madison Wolfe, Simon McBurney, Franka Potente u.a.

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Filmkritik: Stolz und Vorurteil und Zombies

© Square One Entertainment / Universum
Story: England, 1811. Das Land ist im Begriff, von einer neuen Zombie-Welle überrannt zu werden. Für Mrs. Bennet besteht jedoch das größere Problem darin, ihre fünf heiratsfähigen Töchter unter die Haube zu bringen. Eine davon ist Liz (Lily James), die wie der Rest ihrer Schwestern die Kampfkunst der Shaolin beherrscht und eine leidenschaftliche Kämpferin ist. Neben den Zombies ist ihre größte Herausforderung wiederum, der seltsamen Anziehung zu dem Kämpfer Mr. Darcy (Sam Riley) und dem Charme des manipulativen Mr. Wickham (Jack Huston) zu widerstehen. Liz und Darcy müssen erst persönliche Vorurteile überwinden, bevor sie im Kampf gegen die Zombies die wahre Liebe füreinander entdecken...

Kritik: Leicht ist es vermutlich nicht, einer so oft verfilmten und erzählten Geschichte wie "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen noch etwas Neues hinzuzufügen. Da muss schon tief in die Trickkiste gegriffen werden. Dachte sich auch ein findiger Autor und fügte der ganzen Sache kurzerhand ein paar Untote hinzu. Das klappte seinerzeit bei "Abraham Lincoln, Vampire Hunter" nur leidlich gut, doch hier macht man sich den übernatürlichen Gegner gut zu Nutze. 
© Square One Entertainment / Universum
Die Grundprämisse des Romans bleibt dabei erfreulich unberührt. Trotz der Zombies handelt es sich in erster Linie um eine weitere Adaption von Austens Gesellschafts- und Beziehungsdrama. Auch hier geht es in erster Linie darum, die zahlreichen Bennett-Töchter möglichst aussichtsreich zu verheiraten. Doch die anhaltende Zombieplage zwingt alle zu besonderen Maßnahmen, und so können die jungen Frauen gut auf sich selbst aufpassen. Es ist auch eine willkommene Umkehr der angestammten Rollen, die Frauen behaupten sich gegen die Untoten und die männlich geprägte Gesellschaft gleichermaßen. Dies irritiert natürlich die Männer das eine oder andere Mal, aber es wird als Normalität akzeptiert. Hier wartet jedenfalls keine hilflose Maid auf Rettung. 

Lily James stattet ihre Version der Liz Bennett mit einem kühlen Eifer aus. Schlagfertig in jeder Hinsicht, vor allem in den (Wort-)Gefechten mit Sam Rileys Mr. Darcy. Alle Darsteller gehen mit einer gehörigen Portion Ernst an die Sache, was dem Film ebenfalls gut tut. Niemand wirkt dabei ungewollt unsympathisch, selbst der Mutter nimmt man die aufrechte Sorge um die Zukunft ihrer Töchter als Motivation ab. Einzig Lena Headey ist ein bisschen verschenkt in ihrer Rolle, von ihr hätte ich gerne mehr gesehen. Doch der Fokus liegt woanders. So sind dann auch die Zombies mehr als nur ekliges Schauwerk. Sie zeigen uns den Umgang einer Gesellschaft mit dem Anderen, dem Fremden. Sie funktionieren aber auch als permanente, unterschwellige Bedrohung in alltäglichen Situationen. Ein spannender Twist, wenn man sich darauf einlassen kann. 
© Square One Entertainment / Universum
Die schönen Kulissen und die wundervollen, detailreichen Kostüme machen es jedenfalls leicht, in diese Welt einzutauchen. Es ist vermutlich der Umsichtigkeit des Regisseurs und einer gewissen Harmonie unter den Darstellern zu verdanken, dass dieses Experiment (und sind wir ehrlich, die Ausgangslage ist irgendwie dreist) nicht nur nicht scheitert, sondern stellenweise wirklich unterhaltsam ist, der Geschichte etwas neues hinzufügen kann und eine ziemlich gelungene Adaption von "Stolz und Vorurteil" ist. Wenn man Zombies allerdings nicht ausstehen kann, dann sollte man wohl einen Bogen um die ganze Angelegenheit machen, denn wenn sie auftauchen, dann sind sie wirklich fies anzusehen.

Fazit: Lily James und vor allem Sam Riley glänzen in dieser eigenwilligen Adaption des Kultromans von Jane Austen. Überraschend dialogtreu am Originalwerk gibt es allerhand fiese Zombiebrut zu eliminieren. Matt Smith sorgt für ein paar willkommene Lacher zwischendurch, andere Darsteller sind vom Potenzial her arg verschenkt. Doch falls hier keine hochtragende Literaturverfilmung erwartet wird, sondern eben wunderschön ausgestattetes 18. Jahrhundert, gepaart mit Ärsche tretenden Protagonistinnen und ein oder zwei Liebschaften, so macht "Stolz und Vorurteil und Zombies" sicherlich glücklich. Näher an Austens Vorlage als an einem richtigen Gruselstück kommt den Zombies hier die besondere Aufgabe zuteil, anderweitig für Horror zu sorgen. Ihre unterschwellige Bedrohung zieht sich dann auch durch den ganzen Film und ergänzt die eigentliche Aussage des ursprünglichen Werkes treffend. 

Die DVD: Die DVD im Vertrieb von Square One Entertainment / Universum Film ist seit dem 28. Oktober 2016 im Handel erhältlich.  Neben der deutschen Tonspur befindet sich auch die englische Originaltonspur mit auf der Scheibe. Beide kommen in einem guten Klangverhältnis daher, wobei die synchronisierte Fassung ein leicht besseres Verhältnis von Dialogen zu Geräuschen aufweisen kann. Insgesamt ist der Ton bei beiden Dolby Digital 5.1 Spuren aber gut ausbalanciert. Das Bild ist dem Format entsprechend scharf und auch farblich stimmig. Die Kontraste sowie Schwarzwerte überzeugen. Als Extras gibt es ein paar entfallene Szenen, einige Featurettes die sich mit den Hintergründen der Produktion auseinandersetzen sowie ein paar Interviews mit den Darstellern und der restlichen Crew.

Infos zum Film

Originaltitel: Pride and Prejudice and Zombies
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Drama, Komödie
FSK: 16
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Burr Steers
Drehbuch:  Burr Steers
Darsteller: Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Matt Smith, Charles Dance, Lena Headey, Bella Heathcote u.a.

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Filmkritik: The Witch

© Universal
Story: Neuengland, 1630. Farmer William (Ralph Ineson) findet, gemeinsam mit Frau Katherine (Kate Dickie) und den fünf Kindern, ein neues Zuhause auf einem abgelegenen Stück Land, nahe eines düsteren Waldes.
Bald kommt es zu beunruhigenden Vorfällen: Tiere verhalten sich aggressiv, eines der Kinder verschwindet, während ein anderes von einer dunklen Macht besessen zu sein scheint. Misstrauen und Paranoia wachsen und die älteste Tochter Thomasin (Anya Taylor-Joy) wird der Hexerei beschuldigt. Als sich die Lage immer weiter zuspitzt, werden Glaube, Loyalität und Liebe jedes einzelnen Familienmitgliedes auf eine schreckliche Probe gestellt …

Kritik: Wenn ich mir die Liste mit Schlagworten rechts in der Leiste neben diesem Beitrag anschaue, dann rangiert "Horror" mit über 30 Beiträgen recht weit oben. Und tatsächlich bin ich diesem Genre sehr zugetan. Vielleicht, weil ich besonders schreckhaft bin. Vielleicht, weil ich eine doch recht beflügelte Fantasie habe und Horrorszenarien bei mir so gleich auf doppelt fruchtbaren Boden fallen. Der nächste große Hype in Sachen Horrorfilm ist für das laufende Jahr 2016 der beim Sundance Festival bereits ausgezeichnete "The Witch", das Regiedebüt von Robert Eggers, der gleichzeitig auch das Drehbuch verfasste. Als unkonventionell gilt der Film, gelobt wird er für seine Andersartigkeit so wie zuletzt beispielsweise der österreichische Genrebeitrag "Ich seh, ich seh". Aber was ist dran am Hype?
© Universal
Gleich in den ersten Minuten wird klar: zumindest das Setting kann auf voller Länge punkten. Mit einer Liebe für das Detail, die ihresgleichen sucht, eröffnen sich eindrucksvolle Kulissen und wunderschöne Kostüme (von Linda Muir), so dass es leicht fällt, sich in die Zeit einzufinden. Immersion ist überhaupt ein gutes Stichwort. Die Dialoge scheinen, besonders im Originalton (zur deutschen Fassung kann ich keine Angaben machen) geradewegs aus dem 17. Jahrhundert herausgezaubert. Das ist nicht immer leicht zu verstehen, trägt aber ebenfalls zur Stimmung bei. Auch dank der sattelfesten Kameraarbeit verdichtet sich die Atmosphäre enorm, jede Einstellung, in der Wald zu sehen ist, wirkt auf ihre Weise bedrohlich und zutiefst beunruhigend. Der stellenweise brutal kratzige, atonale Soundtrack von Marc Korven liefert den Rest und lässt "The Witch" stellenweise zur richtigen Folter für den Gehörgang werden.  

Auch die Darsteller spielen nahe an der Perfektion. Ralph Ineson und Kate Dickie, die den Zuschauern von "Game of Thrones" bestens bekannt sein dürften, zerreiben sich als tiefgläubige Eltern aneinander, an der Umgebung und an den Umständen, die draußen in der Einsamkeit unweigerlich entstehen. Hilflosigkeit, die Unfähigkeit die eigenen Kinder schützen zu können und das Unverständnis über die Sache an sich stürzen die Elternfiguren in einen tiefen Konflikt. Ausgebadet wird dieser von den Kindern. Neben einem herrlich gruseligen, kleinen Geschwisterpaar sind es vor allem Harvey Scrimshaw und Anya Taylor-Joy, die hier die Grundsteine für hoffentlich lange, erfolgreiche Karrieren legen. Das Spiel der beiden ist intensiv, und spätestens ab der zweiten Hälfte des Films stellt sich die Frage, wie einige Szenen mit so jungen Darstellern überhaupt gedreht werden konnten.
© Universal
Wer allerdings bei "The Witch", und der Trailer leistet in dieser Hinsicht mal wieder ganze Arbeit, einen lupenreinen Horrorfilm im aktuellen Sinne erwartet, der wird sicher enttäuscht. Blut und Gedärme fließen, wenn überhaupt, dann sehr verhalten. Jumpscares sind zwar hier und da eingestreut, fügen sich aber so harmonisch in das Geschehen ein, dass sie nicht negativ auffallen. Der Horror kommt für heutige Sehgehwohnheiten wohl eher banal daher. Ein Hase und ein Ziegenbock spielen wiederkehrende Rollen, beide sorgen für eine Menge Unbehagen. Auch im Alltag der Familie auf der kleinen Farm passieren Dinge, die sich dort niemand erklären kann, Dinge, die im zeitlichen Kontext die absolute Hölle gewesen sein müssen. Darauf muss man sich als Zuschauer einlassen, sonst funktioniert der Film schlicht nicht. Und doch gibt es vereinzelt auch ganz klassische Horrormomente zu entdecken.

Seine volle Kraft entfaltet "The Witch" dann in den Teilen der Geschichte, die sich eher dem Drama als dem Horrorfilm zuordnen lassen. Beinahe schon nebenbei erforscht Robert Eggers hier die Geschichte eines jungen Mädchens, welches langsam zur Frau wird. Die aufkommende Sexualität darf natürlich wegen der religiösen Umstände nicht thematisiert werden. Eine Spur mehr als heute noch ist die Religion der Familie durch Männer geprägt, es gilt, das Weibliche zu unterdrücken, zu kontrollieren. Und immer dort, wo etwas nicht verstanden wird, sind die Menschen so schnell mit dem Wort "Hexe". Diese Anschuldigung löst in Thomasin etwas aus. Wie kann und soll sie ihre Unschuld beweisen? Wie soll sie damit umgehen, dass die Welt so anders ist, als es stets vom Vater gepredigt wurde? Hier manifestiert sich der wahre Horror dieses Films. Die Religion und der strenge Glaube ist maßgeblich am Zerfall dieser Familie beteiligt, und zu keinem Zeitpunkt wird (und das ist erfreulich) Thomasin die Schuld an der Misere gegeben. Für jeden Zuschauer sollte klar sein, dass sie am wenigsten für all das kann, was passiert. "The Witch" bleibt dabei konsequent nah an seinen Figuren und verbreitet so Unruhe, denn wer will schon so tief in die Privatsphäre einer solchen Familie eindringen? Die Rolle des Voyeurs, welche der Zuschauer einnimmt, ist hier stärker herausgearbeitet und deutlich unbequemer einzunehmen.
© Universal

Fazit: "The Witch" ist kein Horrorfilm im herkömmlichen Sinne. Großartig gelungen ist er trotzdem, vielleicht gerade deswegen. Das intime Portrait einer Familie, die an ihrem eigenen Glauben zugrunde geht, die sich aus Hilflosigkeit gegen die eigene Tochter stellt und tiefer in den Glauben flüchtet als es gesund wäre, zieht unweigerlich in seinen Bann. Regisseur und Autor Robert Eggers spricht ein paar spannende Themen an, liefert in erster Linie aber ein atmosphärisch dichtes Portrait einer Zeit an, die einerseits längst vergangen, andererseits in manchen Teilen der Gesellschaft auch heute noch aktuell ist. Zutiefst beunruhigend, grandios geschauspielert und eine klare Empfehlung für all diejenigen, die bereit sind, sich auf einen Horrorfilm der etwas anderen Art einzulassen. 

Infos zum Film

Originaltitel: The Witch
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 87 Minuten
Regie: Robert Eggers
Drehbuch: Robert Eggers
Darsteller: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw u.a.

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Filmkritik: Jane got a Gun

© Universum Film
Story: Der Traum von einem freien und sorglosen neuen Leben in New Mexico währt für Jane (Natalie Portman) nur kurz. Sieben Jahre nachdem sie mit ihrem Mann Bill „Ham“ Hammond (Noah Emmerich) aus den Fängen der ruchlosen Verbrecherbande der „Bishop Boys“ floh und eine Familie fernab der Zivilisation gründete, holen die alten Dämonen sie wieder ein. Die gefürchtete Bande rund um ihren brutalen Anführer John Bishop (Ewan McGregor) hat das Paar aufgespürt und sinnt auf Vergeltung, denn Ham war einst selbst einer von ihnen. Doch Jane ist fest entschlossen, ihr neues Leben und ihre Tochter mit allen Mitteln zu verteidigen und mit den „Bishop Boys“ abzurechnen. 

Kritik: "Jane got a Gun" hat vor allem eines hinter sich: eine bewegte Produktionsgeschichte. Der Austausch fast aller Darsteller (Aus Michael Fassbender wurde ein immernoch guter Joel Edgerton, Ewan McGregors Rolle gehörte mal Jude Law und dann Bradley Cooper), nur Natalie Portman war von Anfang an mit an Bord. Dann ging das Studio pleite, und eine ganze Weile lag der Film einfach in der Schublade herum. Auch der Kinostart Ende 2015 war mäßig erfolgreich, vermutlich hauptsächlich weil kaum ein Kino den Film zeigte. Ich erinnere mich jedenfalls daran kein Kino in meiner damaligen Nähe gefunden zu haben. Nun gibt es das Western-Drama als für das Heimkino. Und so ziemlich alles daran klingt vielversprechend. Natalie Portman? Geht immer. Western? An sich ja nicht schwer zu inszenieren. Der Titel verspricht dann noch eine Titelheldin, die ordentlich austeilen kann. Oder wofür braucht sie sonst die Waffe?
© Universum Film
Soviel steht fest: Zum Schießen mal sicher nicht. Oder nur kaum. Jane ist, was so ziemlich jede andere Frau in fast jedem Western (Ausnahmen schreibt ihr bitte in die Kommentare, danke) ist: völlig hilflos und aufgeschmissen, wenn kein Mann in der Nähe ist. Als ihr Mann angeschossen und fast tot nach Hause kommt und von der völlig farblosen (ok, McGregor hat die Haare gefärbt) Bishop Boys - Bande redet, macht Jane, was frau eben so macht. Statt ihre Tochter zu schnappen und das Land zu verlassen reitet sie zu ihrem Exfreund. Den schleppt zu ihrem noch immer nicht toten Mann ins Haus, damit alle gemeinsam darauf warten können, von der illustren Bande Banditen gemeuchelt zu werden. Denn wir alle wissen: es gibt nichts Ehrenvolleres und Besseres, als mit einem sinkenden Schiff gemeinsam unterzugehen. Wieso eine blühende, weil lebendige Zukunft für sich und das eigene Kind sicherstellen, wenn man stattdessen einfach sterben kann?

Zwischendrin gibt es Flashbacks, in denen die Beziehung zwischen Jane und ihrem Ex erläutert wird. Also, seine Geschichte. Sein Wille zu helfen wird dadurch ausgelöst, dass Jane Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Und natürlich ist noch eine gute Portion Zwangsprostitution untergebracht, denn Frauen im Western können ja nicht außerhalb des Bordells existieren. In einigen Momenten des Films scheint Jane explizit dieses Thema anzusprechen, wenn sie ihren Ex darauf hinweist dass es nicht immer nur um ihn geht, dass andere Menschen neben ihm auch eine Rolle spielen. Im Gegenzug geht es ihm vordergründig um den Besitz. Also, seinem Besitzanspruch über Jane. Den musste er aufgeben, als er Jane mit einem anderen Mann und einem anderen Kind sah. Denn wir alle wissen, wie sexy es ist, wenn jemand einen so besitzen will. Nicht. In dieser Hinsicht lockt der Film mit dem Versprechen einer starken, unabhängigen Protagonistin, aber er macht sich keinerlei Mühe, dieses suggerierte Versprechen auch nur ansatzweise einzuhalten. 
© Universum Film
Leider ist "Jane got a Gun" aber auch sonst eher im Mittelfeld anzusiedeln. Die Geschichte kommt durch die ständigen Flashbacks beinahe komplett zum Erliegen. Die Figuren sind flach geschrieben, und wenn es nach mehr als 80 Minuten dann doch mal zur Sache geht, dann ist das irgendwie auch egal. Denn vorher fand nichts statt, was die Figuren irgendwie sympathisch oder besonders hassenswert gemacht hat. Visuell ist der Film hingegen schön gelungen, es gibt ein paar tolle Landschaftsaufnahmen und Panoramen. Die Musik bleibt nicht im Ohr hängen, geht aber auch nicht auf die Nerven. Sie ist einfach da, angenehm zurückhaltend. Die Kostüme sind ebenfalls schick, auch wenn mir jemand dringend erklären muss wie Jane es schafft, so weit draußen im Staub sauber und sexy zu bleiben, während alle um sie herum verdreckt sind. Da scheint es dann auch passend, dass sich im schmucken Westerngewand am Ende nichts weiter als eine Liebesgeschichte versteckt, wie sie schon hundert Male erzählt wurde.

Fazit: "Jane got a Gun" lockt mit einem absolut irreführenden Titel. Statt krasser, arschtretender Protagonistin gibt es eine langatmige Liebesschnulze mit hilfloser Natalie Portman im Westerngewand. Das ist nett anzusehen, die Darsteller machen auch durch die Bank weg einen guten Job. Leider bremst der Film sich mit seinen zahlreichen, sonnendurchfluteten Rückblenden aber immer wieder selbst aus, bis er dann vollkommen zum Erliegen kommt. Der Eindruck verbessert sich durch das relativ bleilastige Finale auch nur minimal. Fans des Genres können sicher einen Blick riskieren, denn nach wie vor kommen zu wenige Beiträge in Sachen Western. Ein Paradebeispiel für einen spannenden, gelungenen Film sollte man aber nicht erwarten.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Universum Film (VÖ: 13.5.16) kommt im Amaray-Case mit Wendecover daher. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in sattem, raumfüllendem DTS-HD MA 5.1 vor. Die Abmischung ist gut, die englische Tonspur bevorzugt zwischenzeitlich die Hintergrundgeräusche ein wenig zu sehr, dies bleibt aber noch im Rahmen. Untertitel liegen ebenfalls vor, leider aber nur auf Deutsch. Das Bild ist dem Format Blu-ray angemessen, die Farben kommen gut zur Geltung, die Schwarztöne sind sehr satt, hier flimmert auch in dunklen Szenen nichts.



Infos zum Film

Originaltitel: Jane got a Gun
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 98 Minuten
Regie: Gavin O'Connor
Drehbuch: Joel Edgerton, Brian Duffield, Anthony Tambakis
Darsteller: Natalie Portman, Joel Edgerton, Ewan McGregor u.a.

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Filmkritik: The Dressmaker

© Ascot Elite
Story: Nach Jahren als Schneiderin für die exklusivsten Modehäuser von London, Mailand und Paris kehrt die stilsichere Schönheit Myrtle „Tilly“ Dunnage (Kate Winslet) in ihre australische Heimat zurück, aus der sie als Jugendliche einst vertrieben wurde. Willkommen im Städtchen Dungatar – irgendwo im Nirgendwo. Mit einer Nähmaschine bewaffnet, räumt das glamouröse Ausnahmetalent mit ihrer Vergangenheit auf und begibt sich auf einen süssen Rachefeldzug. Schlagfertig legt sie den alten Zwist mit ihrer Mutter „Mad“ Molly (Judy Davis) beiseite, gewinnt durch ihre Handwerkskunst die Gunst der misstrauischen Dorfbewohner – und scheint bei Teddy (Liam Hemsworth), einem Adonis von Mann, weiche Knie zu bekommen.

Kritik: Mit "The Dressmaker" kehrt Regisseurin Jocelyn Moorhouse nach beinahe 20 Jahren Abstinenz wieder auf den Regiestuhl zurück. Und das mit einer Buchadaption, in diesem Falle nach dem gleichnamigen Roman von Rosalie Ham aus dem Jahr 2000. Und die Voraussetzungen sind fantastisch. Kate Winslet geht sowieso immer und erst Recht, wenn sie auf Rache aus ist, Liam Hemsworth wächst als Darsteller auch konstant weiter, Hugo Weaving ist routiniert wie eh und je, und Judy Davis als Mutter überzeugt in ihren Szenen ebenfalls. Doch die Bühne hier gehört klar Kate Winslet. Bereits ihre ersten Worte, "I'm back, you bastards", während sie fast schon lasziv an der Kippe zieht, versprechen Aufregung im kleinen Kuhdorf, irgendwo im australischen Outback. Stellenweise nimmt das schon fast klassische Westernzüge an, zumindest die Prämisse der Rückkehr um sich zu rächen, sowie das kleine Dorf würden in jedem Western eine gute Figur machen. 
© Ascot Elite
Und in diesem Dorf geht es ordentlich zur Sache. Da wird keine Gelegenheit ausgelassen, um zu zeigen wie verkommen die Dorfbewohner sind. Da gibt es den Ehemann, der seine Frau zu jeder Gelegenheit betrügt, und sie zwischendurch mit Drogen ruhigstellt, um sich dann an ihr zu vergehen wenn sie bewusstlos ist. Es gibt die lästernde Damenschaft und zwischendrin steckt Hugo Weaving als crossdressender Polizist, der zwar für Ordnung sorgt und irgendwie auf Tillys Seite ist, aber eben doch nicht aus der Konformität des Dorfes ausbrechen kann. Tillys Mutter hingegen, Molly, lebt einsam und allein und kann sich scheinbar nicht immer an ihre Tochter erinnern. Sie ist fast die spannendste Figur, da ihre Motivation lange im Unklaren bleibt. Und dann ist da noch Teddy, der nichts auf die Gerüchte gibt, die besagen, dass Tilly in der Schule einen Mitschüler umgebracht hat.  All diese Handlungsfäden warten auf ihre Aufklärung.

Heimlicher Star sind allerdings die Kostüme. Was hier an Liebe und Detailreichtum in leuchtende Farben und fließende Stoffe fabriziert wurde, ist atemberaubend schön. Die Optik lenkt dann auch klar davon ab, dass vor allem ab der zweiten Hälfte des Filmes der Fokus irgendwie abhandenkommt. Zwischen der Aufklärung der Vergangenheit, der Versöhnung mit der Mutter, der Liebesgeschichte und dem Rachefeldzug an den restlichen Dorfbewohnern springt das Script munter hin und her. Das sorgt für einige, im wahrsten Sinne des Wortes, zündende Momente, und vollendete Rache ist natürlich auch hier vollauf befriedigend. Und die Darsteller tragen jede noch so wirre Szene mit Würde auf ihren Schultern. So ganz schlau wird man allerdings am Ende nicht aus der Angelegenheit, auch wenn alle Handlungsfäden schickt versäumt und vernäht werden, um bei der Schneidersprache zu bleiben. Dafür wird einfach zu vieles in einen Topf geworfen und die disharmonischen Töne sind stellenweise zu laut. 
© Ascot Elite
Fazit: "The Dressmaker" zeigt Darsteller in Bestform, allen voran Kate Winslet, die sowieso alles spielen könnte und dabei eine wundervolle Figur machen würde. Inhaltlich kann die Geschichte sich nicht ganz mit sich selbst einig werden. So werden Rachethriller, Familiendrama, Liebesgeschichte und skurriles Dorfleben zu einer Mischung, die nicht immer ganz rund ist. Wunderschön anzusehen ist das aber allemal, für Fans von Kate führt kein Weg an der Sache vorbei und alle anderen dürfen bei diesem skurrilen kleinen Film ruhig einen Blick riskieren.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite (Veröffentlichung am 29. April 2016) kommt im eleganten Pappschuber ins Haus. Auf dem ist ein FSK-Aufkleber aufgedruckt, das Amaray Case kommt aber mit Wendecover daher. Deutsche und englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Die englische Tonspur leidet stellenweise unter etwas zu lauter Musik im Vergleich zu den Dialogen, ansonsten ist der Ton aber klar. Untertitel gibt es ebenfalls, allerdings leider nur auf Deutsch. Neben den Trailern zum Film und einigen weiteren Trailern zu aktuellen Veröffentlichungen von Ascot Elite gibt es noch ein paar kurze Featurettes, eine B-Roll und Interviews zu bestaunen.


Infos zum Film

Originaltitel: The Dressmaker
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie
FSK: 12
Laufzeit: 119 Minuten
Regie: Jocelyn Moorhouse
Drehbuch: Jocelyn Moorhouse, P.J. Hogan
Darsteller: Liam Hemsworth, Kate Winslet, Hugo Weaving, Sarah Snook u.a.

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