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Filmkritik: Jurassic World

© Universal
Vor 22 Jahren gelang Steven Spielberg etwas wahrhaft magisches. Mit "Jurassic Park" erschuf er einen Film, der die Begeisterung für Dinosaurier bei vielen Menschen nachhaltig prägte. Darüber hinaus ist "Jurassic Park" bis heute ein Film, der unglaublich gut gealtert ist und sich auch heute noch sehen kann. Es folgten zwei Fortsetzungen, die nicht an den ersten Teil herankamen. Aber ok, dass Fortsetzungen so gut sind wie ihr Vorgänger ist eh ein seltener Fall. Und nun folgt mit "Jurassic World" der vierte Eintrag in die Geschichte des Franchise. Allerdings entschied man sich, die beiden Fortsetzungen zu ignorieren. Unter der Regie von Colin Trevorrow, der bisher eher durch Mitarbeit bei Serien und einer kleinen Komödie auffiel, versammeln sich 14 Jahre nach dem letzten Teil zahlreiche namhafte Darsteller unter der Leitung von Chris Pratt, um dem Dinopark Leben einzuhauchen. Doch ob das wirklich so eine gute Idee war?




Story: Einige Jahre nach den unerfreulichen Ereignissen auf der Isla Nublar ist John Hammond's Traum wahr geworden: Jurassic World ist ein Freizeitpark, zu dem die Besucher in Scharen reisen um Dinosaurier anzusehen. Doch der Ermüdungseffekt tritt schnell ein, denn: kennst du einen Dino, kennst du alle Dinos. Doch die Wissenschaftler im Park arbeiten stetig daran, den Wow-Faktor zu erhöhen. Und so erschafft das Labor den Indominus Rex. Doch das Tier will seinen Platz in der Nahrungskette finden und lässt sich nicht lang gefangen halten. 
© Universal
Kritik: Man könnte sicher hingehen und "Jurassic World" eine große Portion Cleverness unterstellen. Wenn der gigantische Mosasaurus aus seinem Becken springt um einen kompletten weißen Hai zu verputzen, dann liegt es nahe dass auf die Weiterentwicklung des Blockbusters seit Steven Spielberg's "Der Weiße Hai" angespielt wird. Wenn der Besitzer des Parks (Irrfan Khan) davon überzeugt ist dass das Publikum sich nur für "noch größer, noch lauter, noch mehr Zähne" interessiert, dann ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Sehgewohnheiten der Zuschauer. Auch das extreme Sponsoring von Firmen findet sein Ebenbild wenn ein Mitarbeiter vorschlägt, die Dinos in "Pepsisaurus" umzubenennen und eine neue Attraktion "von Verizon Wireless präsentiert" wird. Das Blockbusterkino ist gezwungen, alle paar Monate zu eskalieren, sonst verliert der Zuschauer das Interesse und schaut lieber auf sein Handy, während der T-Rex die Ziege frisst.

Doch leider ergeht "Jurassic World" sich für die restliche Laufzeit in all den Dingen, die zu Beginn angeprangert werden. So ziemlich jede Firma, egal ob Starbucks, Samsung oder Imax, bekommt ein eigenes Gebäude im Park, welches im Verlauf des Films von Dinos zerstört wird. Der Film will größer und besser sein, verkommt aber zu einem absoluten Overkill aus schlecht geschriebenen Figuren, einem sterbenslangweiligen und voraussehbaren Drehbuch und einer Regie, die zwar handwerklich sicher agiert, ihre größten Momente aber dann erlebt wenn schamlos von anderen Regisseuren geklaut wird. 

Sicher, gut geklaut ist schlecht selbstgemacht vorzuziehen. Und Colin Trevorrow weiß, wo er sich bedienen muss um eindrucksvolle Setpieces auf die Beine zu stellen. Der Beginn des Films fühlt sich dann auch an wie eine Hommage an Spielberg, und der erste Helikopteranflug auf die Insel transportiert einen auf direktem Weg zum dem Moment, in dem man Jurassic Park zum ersten Mal gesehen hat. Zu einem späteren Zeitpunkt fühlt man sich zurückversetzt in Hitchcocks "Die Vögel", und zum Ende hin mutiert der Film dann zu einer Art FSK12-Predator. Doch die Gewalt steht dabei selten im Vordergrund, und so sterben zwar einige Leute im Film, doch blutige Nahaufnahmen bleiben dem Zuschauer erspart. Seit "Jurassic Park 2" wurde auch in Sachen Schnitt dazugelernt, und so hat man hier immer einen guten Überblick, weiß wo man sich befindet und es gibt klar abgeschlossene Szenen. Doch am Ende des Tages fühlt es sich an wie ein weiterer Regisseur aus dem Indie-Bereich, der sich im Blockbusterkino ausprobieren will, dem Studio das Gefühl vermittelt frische Impulse liefern zu können und dabei verbraten wird.
© Universal
Nun könnte man argumentieren, dass die Auswahl der Schauspieler eigentlich kugelsicher sein müsste. Chris Pratt ergeht sich (vollkommen zu Recht) momentan in einer überdimensionalen Welle der Beliebtheit. Vincent D'Onofrio begeistert seit Jahren in eigentlich allem, was er macht. Bryce Dallas Howard geht ebenfalls in Ordnung. Die obligatorischen, nervigen Kinder die im Verlauf des Films in Gefahr geraten sind ebenfalls so, wie man erwarten würde, nämlich nervig. Und obwohl sich die Darsteller Mühe geben, scheitern sie im Kollektiv an dem langweiligen Drehbuch und der nicht einmal eindimensionalen Charakterzeichnung.Jede Figur in diesem Film hat ihre Vorlage in dieser sterbenslangweiligen 0815-Stereotypen-Schublade, die seit Jahren immer und immer wieder geöffnet wird. Chris Pratt gibt den kernigen Ex-Soldaten Owen, der mit seiner ungeduschten Männlichkeit alle in seinen Bann ziehen kann und darüber hinaus noch ein richtiger Naturbursche ist (er wohnt draußen in einem alten Wohnwagen und kleidet sich, als ob er nach dem Dreh direkt zum Set von "Indiana Jones" abhauen würde). Opfer seiner markanten Männlichkeit wird Claire, gespielt von Bryce Dallas Howard. Ihre Frisur ähnelt einem Helm, und wenn sie nicht damit beschäftigt ist auswendig zu lernen, was sie den Sponsoren vorplappern darf, wird sie von allen Seiten fertig gemacht. Owen disst sie weil sie kein zweites Date wollte, weil sie die Firma (ja verdammt, sie leitet den ganzen Park!) zu rigoros führt, weil sie unmögliche Schuhe trägt (die das Drehbuch ihr vermutlich vorher aufgezwungen hat, nur um diesen Witz machen zu können). Ihre Schwester attackiert sie hintenrum, weil sie keine eigenen Kinder hat und deswegen natürlich auch keine Mutterinstinkte, was sie zu einem miesen Babysitter für zwei nervige Kinder macht die ihr von außen aufgedrängt wurden. 

Besagte Kinder sind nämlich kurzfristig im Park, weil sich mal wieder ein Elternpaar scheiden lassen will (vermutlich werden sie das aber nicht durchziehen, denn die innigen und tiefen Gefühle die aufkommen, wenn die eigenen Kids fasst vom I-Rex gefressen werden schweißen jede noch so zerstrittene Sippe wieder zusammen!). Gray ist der jüngere der beiden, absolut bessessen von Dinos und emotional noch nicht ganz so gefestigt. Was ok ist, weil er erst 12 (oder so) ist. Zach ist 17 und totaaal cool. So cool dass er sich zu Tode für seinen kleinen Bruder schämt, wenn fremde Mädchen zu ihm rüberschauen. So cool dass er den halben Film unter seinen Beats-Kopfhörern versauert. Ihr merkt, er ist sehr cool. Fast so cool wie die Eltern, die ihre Kinder im Streichelzoo (einer der wirklich cooleren Aspekte des Films) parken, während sie bei Starbucks auftanken. Vincent D'Onofrio hat ebenfalls eine undankbare Rolle. Er spielt Hoskins, eine Witzfigur aus dem Militär, welche die gezähmten Raptoren von Owen benutzen möchte, um Kriege auf der ganzen Welt zu gewinnen. So plappert er den ganzen Film irgendwelche Floskeln daher, die geradewegs aus dem "wie schreibe ich einen flachen Charakter mit militärischem Hintergrund?"-Handbuch geklaut wurden. Irgendwann haben wir alle mal festgestellt dass Bösewichte, die ihre ganze Motivation und ihren Plan ausführlich darlegen, am Ende möglichst unschön das Zeitliche segnen. Da stellt sich die Frage, wieso dieses Klischee nicht mit allen anderen, die in diesem Film vorkommen, schon vor 15 Jahren den unwiderruflichen Weg in die Hölle gefunden hat? So mutiert InGen in Kombination mit dem eigentlichen Eigentümer Masrani Corporation hier zu einem Weyland-Yutani Verschnitt, nur dass man eben gerne noch Dinos entweder als Waffen nutzen will oder sie ausrotten will, wenn sie nicht so funktionieren, wie mensch sich das wünscht.
© Universal
Für mich persönlich einer der traurigsten Aspekte ist dann auch der fehlende Respekt, der den Dinos entgegen gebracht wird. Sicher, Owen betont dass nur Respekt möglich macht, die Raptoren halbwegs zu zähmen. Und die vermutlich einzige Szene, in der ein animatronischer Dino zum Einsatz kommt ist gleichzeitig die einzige, die das Publikum so mitnehmen dürfte wie die Figuren. Doch dass verschleiert unzureichend, dass die Dinos ihren Posten als Wesen, die bewundert werden sollen, längst verloren haben. Die Parkbesucher interessieren sich nicht für die Attraktionen. Der Indominus Rex ist von vornherein dazu auserkoren, bösartig zu sein. Er kann übrigens seine zahlreichen Fähigkeiten auch nur in begrenztem Maße nutzen. So wird sich zu Beginn noch munter getarnt, und Wärmespuren kann er auch lesen. Doch diese Fähigkeiten verschwinden mit zahlreichen anderen Aspekten und Figuren ab der Mitte des Films im Nirgendwo. Und doch schaffen es selbst die vereinten Dinosaurier gemeinsam nicht, dass wirklich ein bedrohliches Gefühl aufkommt. Der Vergleich mit dem ersten Teil mag ermüdend sein. Aber dem Team hinter diesem Film gelingt trotz aller Technik, aller CGI und dem gigantischen Budget nicht, was Spielberg mit einem einzigen animatronischen T-Rex im Regen gelang. Die Dinos hier sind da, sie sind so zahlreich wie nie, sie wollen eindrucksvoll sein, aber es gelingt einfach nicht. Hier beißt sich der Mosasaurus selbst in den Schwanz: in einer Blockbusterwelt, in der alles bereits da gewesen ist, reicht "größer, lauter, mehr Zähne" eben nicht aus.

Über dieses halbgare und lieblose Unterfangen wird dann noch der von John Williams entwendete Signatur-Soundtrack unter wirklich jede Szene gelegt. Was zu Beginn noch Freude bereitet, entwickelt sich schnell zu einem der abgegriffensten Soundtracks der letzten Jahre. Seine größten Momente hat der Film dann auch, wenn er Referenzen zum ersten Teil liefert. So hatte ich den größten Spaß mit einem alten T-Shirt, einer roten Leuchtfackel und einem Stück Banner.Zu viele Dinos sollte man auch nicht erwarten, hauptsächlich gibt es eben den I-Rex, ein paar Raptoren und die üblichen Verdächtigen huschen kurz mal durch das Bild. Erst am Ende kulminiert alles in einem Finale, dass man entweder feiern kann, oder strunzdoof finden wird. Beruhigenderweise wurden auch sämtliche Money-Shots bereits in den Trailern verbraten, der Film macht also kein Geheimnis daraus sein Pulver schon verschossen zu haben, bevor er überhaupt im Kino anläuft.

Fazit:John Hammond würde sich wohl im Grabe umdrehen. Sinnierte er im ersten Teil noch darüber wie greifbar sein Flohzirkus war, weil wirklich etwas vorhanden war, hat man all diese Gedanken nun das Blockbuster-Klo runtergespült. Was bleibt ist ein generischer Sommerfilm mit Dinos, dem Seele und Biss fehlen. Sicher, der ein oder andere wird seinen Spaß damit haben, und wenn man es schafft all die negativen Aspekte auszublenden, dann kann der Film auch unterhalten. Aber sind wir wirklich schon so weit, dass großes Kino an uns Zuschauer die einzige Erwartung stellt, dass wir unser Hirn am Eingang abgeben? Schließen wir mit den weisen Worten von Ian Malcolm: Ihr Filmemacher wart so sehr damit beschäftigt ob ihr den Film machen könnt oder nicht, dass ihr nicht eine Sekunde innehalten wolltet um darüber nachzudenken ob ihr den Film machen solltet.



Infos zum Film
Originaltitel:Jurassic World
Genre: Action, Abenteuer
FSK: 12
Laufzeit: 125 Minuten
Regisseur: Colin Trevorrow
Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D'Onofrio, BD Wong, Ty Simpkins, Nick Robinson, Irrfan Khan, Jake Johnson, Judy Greer
 
 
 
Trailer
 
 

Recap: Parks and Recreation Finale: One last Ride

© NBC
Nun ist es also soweit: die Waffeln sind gegessen, hier liegen ein paar Taschentücher herum und meine Augen sind ganz seltsam rot innendrin. Tut irgendwie auch ein bisschen weh im Hals. Natürlich weiß ich ganz rational darum, dass die Serie niemals ganz verschwinden wird. Die letzten Wochen habe ich abends damit verbracht, mit meinem Freund, der zum ersten Mal Parks geschaut hat, viele Folgen nochmal zu sehen. Und es war wundervoll, wir haben viel gelacht, konnten den Figuren oft zustimmen, und zumindest bei mir ist auch beim zweiten Mal schauen die ein oder andere Träne geflossen. Weil "Parks" eben nicht nur irgendeine Comedyserie ist. Es ist eine Show, klar. Aber gefüllt mir Figuren, mit denen man sich identifizieren kann. Nicht auf diese "ich wär heimlich auch gerne Iron Man"-Weise, nein. Jede Figur war in erster Linie zutiefst menschlich, das hat sie besonders gemacht. Wir haben sieben Staffeln lang Höhen und Tiefen durchgemacht, haben mitgefiebert, mitgelacht, mitgelitten. Und weil es sich grad richtig anfühlt, kann man ja auch ruhig mal persönlich werden: Parks and Recreation hat mir viele Dinge gezeigt. Viele der Figuren tragen Charakterzüge, die ich in mir wiedererkenne. Vor allem April war für mich immer die Person, mit der ich mich am meisten identifizieren konnte. Und so hat ihr Weg in der siebten Staffel mich oft zum nachdenken gebracht. Ich sehe nun vieles gelassener, mache mir weniger Gedanken. Geichzeitig bin ich weniger besessen von dem Gedanken, niemals etwas fertig zu stellen, damit alles irgendwie "cool" bleibt. April, und auch Leslie, haben mir gezeigt wie wichtig es ist, Ziele zu haben. Wie wichtig es ist, diese zu verfolgen, und dass man sich dabei nicht komplett umkrempeln muss. Und ja, das ist mega kitschig und peinlich, aber es passt so wunderbar und zeigt, wieviel mehr als nur "Comedy" diese Show ist. Und so ist dies ein Abschied, der wehtut. Aber es ist auch ein versöhnlicher Abschied, und "Parks" verlässt uns auf dem absoluten Höhepunkt. Vielleicht mit zu wenigen Lachern wenn man die Tatsache, dass es sich um eine Comedyshow handelt, mit einbezieht. Aber auf jeden Fall mit dieser leckeren, viel zu süßen Extraportion Sahne auf dem großen Stapel voller "Trost-Waffeln", die erst so richtig zufrieden macht. Und vielleicht noch ein bisschen Puderzucker oben drüber, wenn wir schonmal dabei sind. Kommt also mit auf eine letzte Reise nach Pawnee, und lest ein letztes Recap zu einer Show, die sicher nicht nur mich sehr oft sehr glücklich gemacht hat. 
© NBC
Am Ende der Folge können wir Pawnee mit ruhigem Gewissen verlassen. Gab es zum Beginn der Staffel noch einen verhältnismäßig kleinen Zeitsprung von drei Jahren, gehen wir nun bis ins Jahr 2048, um zu sehen wo alle Figuren Jahre später stehen. Und es überrascht kaum, aber alle sind glücklich, zufrieden und führen das Leben, das sie haben wollten. Donna und Joe leben in Seattle. Sie ist erfolgreiche Maklerin, er ist noch immer Lehrer. Als sein Unterrichtsfach, Mathe, abgeschafft wird (ich will bitte in diesem Jahr und in Seattle leben!!!), erkennt Donna, dass ihr Leben auch mit ein bisschen weniger Luxus auskommt. Sie ruft also Satan's Nichte an, und April hilft ihr, eine Non-Profit aufzuziehen: Teach Yo-Self. Tom findet das zwar alles wenig cool, muss aber zugeben dass Donna sich trotzdem noch teure, diamantbesetzte Uhren leisten kann. Er selbst ist immernoch mit Lucy zusammen, doch seine Pläne, sein Bistro zu einem Franchise zu machen, wurden von der Wirtschaft torpediert. Doch Tom wäre nicht Tom, wenn er nicht auch daraus noch eine rettende Idee ziehen würde. Und so ist er in der Zukunft ein gefeierter Schriftsteller, der sein scheitern zum Erfolg macht. Was übrigens mehr Leute thematisieren sollten, scheitern ist ein enorm wichtiger Prozess in der Weiterentwicklung, wird aber häufig genug tabuisiert. 

Andy und April befinden sich in ihrer Zukunft zunächst in der Misere. Andy will unbedingt Kinder, April sträubt sich aber dagegen. Nicht falsch verstehen, die körperlichen Aspekte wie Schwangerschaftsstreifen und alle anderen Arten von Horror, die damit einhergehen, findet sie klasse. Nur das Endergebnis, also das Baby, ist zunächst nicht so ansprechend. Sie spricht mit Leslie darüber, und ein Jahr später bringt sie, als Zombie verkleidet, zu Halloween und begleitet von der Musik aus "Monster Mash" ihr erstes Kind zur Welt: Burt Snakehole Ludgate Karate Dracula Macklin Demon Jack O’Lantern Dwyer, oder einfach nur: Jack. Und etwas später ist ein zweites Mitglied für Team Ludgate-Dwyer schon unterwegs. Leslie hat ihr dabei keinesfalls die Entscheidung abgenommen, die hat April allein getätigt. 

Garry wird nach seiner Zeit als Aushilfsbürgermeister tatsächlich zum Bürgermeister gewählt. Brandi Maxxx, immernoch im Geschäft der Erwachsenenfilme und nun auch Vorsitzende des Stadtrates von Pawnee (das nenn ich mal erfolgreiche Kopie von Leslie, sogar überholt hat sie sie), nimmt seinen Eid bei der vierten Amtszeit in Folge ab. Garry stirbt im Alter von 101 Jahren, immernoch Bürgermeister. Gayle ist keinen Tag gealtert, die Familie ist um zahlreiche Enkelkinder gewachsen, und die Vereinigung der Notare von Indiana ist bei seiner Beerdigung für den Salut zuständig. 

Jean Ralphio und seine Schwester sind auch im Jahre 2022 noch immer irgendwie nicht so ganz zurechnungsfähig, aber wenigstens erfahren wir, dass Jean Ralphio immer nur Leslie geliebt hat. Da dieser Traum aber unerfüllt bleibt, täuscht er seinen eigenen Tod vor um mit dem Geld von der Versicherung ein Casino in Tadjikistan zu eröffnen. Wieso auch nicht. 
 
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Craig und Typhoon kommen nun auch endlich in der Zukunft zusammen. Ron ist bei der Hochzeit Trauzeuge, den Verlust seines ersten Friseurs hat er also wohl überwunden. Die beiden haben ein erfülltes Leben und Typhoon kommt wunderbar mit Craigs gelegentlichen emotionalen Ausbrüchen zurecht.  Und wo wir schon bei Ron sind: seine Firma hat die Krise, der Toms Business zum Opfer gefallen ist, gut überstanden. Das nimmt Ron zum Anlass, zu kündigen. Aber ich bin mir recht sicher, dass einer seiner Brüder einen wunderbaren Job als Nachfolger machen wird. Ron sucht nun Rat bei Leslie, und die verspricht alles daran zu setzen, einen neuen Job für ihn zu finden. Ron hat zwischenzeitlich sogar auf Ben's Rat gehört und sein Portfolio erweitert: ihm gehören nun 51% der Lagavulin-Distillery. Falls ihr übrigens gerne Whisky mögt und überlegt, ob Lagaulin was für euch ist: 16 Jahre alter Lagavulin ist sehr rauchig, den für den schottischen Whisky typischen Torf schmeckt man auch klar heraus, aber es handelt sich da um einen wirklich feinen Tropfen. Nichts für schwache Kehlen, aber sehr, sehr fein. 

Leslie findet natürlich auch den perfekten Job für Ron: er darf in Zukunft den neuen Nationalpark in Pawnee überwachen. Ein paar Ranger arbeiten für ihn, und sein Job ist es, allein durch den Park zu gehen, aufzupassen dass niemand diesem wunderbaren Stück Land Schaden zufügt, und gelegentlich mit Bären zu sprechen. Rons Lächeln, als er in seinem Kanu auf den See paddelt, ist sicherlich einer der schönsten Momente des Finales. Und ich würde ein großes Steak-to-Go darauf verwetten, dass Nick Offerman dieses Kanu selbst gebaut hat. 

Leslie und Ben haben sich in Washington sehr gut eingelebt und sind reguläre Gäste bei Joe Bidens Parties. Auf einer dieser Parties werden beide separat von einander darauf angesprochen, dass der Governor von Indiana nicht nochmal kandidieren wird, und dass sie jeweils eine Kampagne starten sollten. Beide beschließen, dass sie darüber erstmal nachdenken wollen, nachdem selbst eine Sammlung von Pro und Contra auf einem Flipchart keine Lösung bringt. Hier kommt es dann zum Wiedersehen mit allen Freunden im Jahr 2025. Und wirklich alle sind da, sogar Chris und Anne. Zahlreiche Kinder sind ebenfalls vorhanden und freunden sich untereinander an, sehr zur Freude der Eltern. Als die beiden dann ankündigen wollen, dass einer von ihnen eine Kampagne machen wird, kommt Ben seiner Frau zuvor und kündigt an, dass Leslie um den Posten als Governor ins Rennen gehen wird. Und wie genial war dieser kurze Moment bitte? Es war immer irgendwie absehbar, dass die beiden irgendwann aufeinandertreffen würden. Doch Leslie legt ihre Verbissenheit ab, will das Ganze dem Zufall überlassen. Und Ben reagiert, in dem er ihr bei ihrem Traum zur Seite steht. Die beiden sind ein wundervolles Paar, ergänzen sich, lieben sich, mögen sich und respektieren sich. Jahre später sehen wir Leslie, die Ehrendoktorin der Indiana University wird, und sogar eine Bibliothek wird nach ihr benannt. Für einen kurzen Moment hatte ich Panik, dass eine aufgebracht Tammy erscheinen wird, aber das blieb uns erspart. Und als Garry beerdigt wird, sind Leslie und Ben da, umgeben von einer ganzen Meute Secret Service - Agenten. Hat sich am Ende Leslies Traum der Präsidentschaft erfüllt? 

So endet für unsere liebgewonnene Mannschaft also alles gut, jeder Einzelne erreicht seine Ziele. Ist das so absolut realistisch? Wer weiß das schon. Ist das ein verträgliches und schönes Ende? Auf jeden Fall. Über die Staffeln hinweg hat man die Figuren lieb gewonnen, und es erscheint mir äußerst befriedigend nicht nur zu wissen, dass es ihnen in der Zukunft gut geht, sondern diese Zukunft auch zu sehen. Viele der Figuren haben ihren Kreis geschlossen und haben sich so sehr weiterentwickelt. Wer hätte je gedacht, dass Ron erkennt, dass es mehr gibt als seinen Code, dass er erkennt dass es keine Schande ist, Freunde zu haben und diese um Hilfe zu bitten? Wer hätte gedacht das Leslie sich von der nervigen Person, die sie in Staffel 1 war, zu einer solchen Ikone entwickeln wird? "Parks" schafft es dabei auch ganz wunderbar, seine Figuren nichtmal in sehr kitschigen Momenten der Lächerlichkeit preis zu geben. Garry hat sein erfülltes Leben mit seiner Familie, und man freut sich ehrlich und aufrichtig mit ihm. Zu viele Sendungen machen sich über ihre Figuren irgendwie lustig und verlieren den Respekt vor ihnen. Das ist hier niemals der Fall gewesen, und es ist einer von vielen Gründen, aus denen heraus ich diese Show so sehr schätze. 

Am Ende der Folge gab es dann noch ein tragisches In Memoriam. Harry Wittels, bekannt als eine Hälfte des Animal Control Teams, Schreiber und Co-Executive Producer von Parks and Recreation, verstarb am 19.2. mit nur 30 Jahren. Wie die wenigsten von uns habe ich Harry Wittels persönlich gekannt, und Beleidsbekundungen sind nicht grad meine Stärke. Doch ich möchte diese Stelle kurz nutzen, um "danke" zu sagen. Danke für dein Talent, deinen Humor und die Wärme, die du vielen Menschen mit dieser Serie gebracht hast. Aziz Ansari hat einen ganz wundervollen Nachruf geschrieben, ihr könnt ihn hier lesen, wenn ihr mögt. 

So, und nun werden tausend Gedanken zum Schluss folgen, damit ich nicht aufhören muss, dieses Recap zu schreiben. Es ist selten, dass Fiktion sich so real anfühlt wie es hier der Fall ist, und ich bin mir sicher dass es an all der Liebe und dem Herzblut steckt, welches die Beteiligten in ihr Projekt haben fließen lassen. Bye bye, Parks and Recreation, miss you in the saddest fashion...

Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Jean Ralphio wurde von Leslie gehansoloed: "I love you". "I know".
  • Cones of Dunshire: Winds of Tremorrah ist "punishingly intricate" und das neunbest-verkaufte Multiplayer Figuren-basierte Strategie-Fantasy Sequel-Spiel in der Geschichte. So langsam will ich das auch spielen.
  • Donna war Teil der Band "En Vogue" und hat, technisch gesehen, alle anderen Mitglieder rausgeworfen. Donna wurde außerdem Neunte in der Show "Italy's got Talent", war DJ auf einer Bootsparty in Venezuela, war Teil einer NASCAR Pit-Crew und hat eigenhändig den Türknauf-Ohrring Trend gestartet. 
  • Amerika hatte eine Wirtschaftskrise und es gibt kein Fleisch mehr. Armer Ron. 
  • Der Typ, der zu Beginn der Folge Hilfe mit der Schaukel wollte, ist bereits in der allerersten Folge aufgetaucht. Damals hat Leslie ihn von der Rutsche vertrieben, man sieht das in dieser Episode auch kurz in einer Rückblende. Da hat sich eindeutig jemand weiterentwickelt. 
  • Shauna Malwae-Tweep taucht auch kurz auf, um die Story mit der Schaukel abzudecken. Und natürlich schlägt Leslie ihr Schlagzeilen vor. 
  • Chris Traeger, literally keinen Tag gealtert. Und Ann, die wundervolle Prinzessin. Irgendwie hab ich die beiden ja doch vermisst. Außerdem beweist April ganz wunderbar, dass man nicht automatisch beste Freunde wird, nur weil man Mutter ist. 
  • Kyle, der einzige Mensch auf den sogar Garry herunterschauen kann, taucht auch nochmal auf. 
  • Sgt. Thunderfist, M.D. 
  • Wie entsetzt Tom war, als Ben zugegeben hat dass er den Persönlichkeitstest in Toms Buch gemacht hat, und da einmal bei herauskam, dass auch er ein Tom ist. Ich hätte bitte gerne diesen Test.
  • Chip Traeger. Oh Andy...

Ein letztes Schmankerl hab ich noch: Ich war am Wochenende in Galway, und dort gibt es ein kleines Claddagh-Museum. Jetzt fragt ihr euch: was ist das? Es handelt sich um sehr schöne Ringe, die Liebe, Freundschaft und Loyalität symbolisieren sollen. Über dem Eingang hing ein Schild mit einem Spruch, und der hat mich sehr an Ron Swanson erinnert. Ich möchte euch das also nicht vorenthalten. Und hiermit bedanke ich mich dann auch bei euch für's lesen. Ich hoffe, wir sehen uns bei einer anderen Show wieder, und ich hoffe ihr hattet Gefallen an den Recaps, auch wenn NBC die letzte Staffel echt stiefmütterlich behandelt hat. Also, vielen Dank an euch :)

© S. Scholz







 


Recap: Parks and Recreation Season 7 Episode 10/11: The Johnny Karate Super Awesome Musical Explosion Show / Two Funerals

© NBC

Da muss ich mir doch glatt die flüssig gewordenen Gefühle aus den Augen wischen... ja verdammt, ich hasse es wenn gute Dinge enden müssen :(

Wir nähern uns dem Ende, und ich will verdammt sein wenn diese Show nicht die wildeste und beste Abschlussstaffel überhaupt hat. Ich meine, John Cena und Bill Fucking Murray, anyone?  Aber gehen wir der Reihe nach, auch wenn zumindest die erste der beiden Folgen eher ein absolutes Durcheinander war. Fast so, als ob man für 20 Minuten in Andys Kopf geschaut hätte.

"The Johnny Karate Super Awesome Musical Explosion Show" war genau das, was der Titel verspricht, inklusive verändertem Intro zur Show. Als Abschiedsgeschichte für Andy war die Folge wunderbar, aber auch sonst verbargen sich hier einige Highlights. Angefangen bei Aprils Teil der Show, in der sie Tiere vorstellt (ich mag keine Spinnen, dementsprechend bin ich hier erstmal ausgeflippt) die dann gerne auch mal im Studio verschwinden, bis hin zum Wassertank, in dem Stargast John Cena am Ende mit der entlaufenen Spinne konfrontiert wurde, bevor es ins Wasser ging. Und wer hätte gedacht dass John Cena ein Talent für Comedy hat? Garry hat einen sicherlich wundervollen Brief verfasst, der von Karate Chops unterbrochen wurde. Ron ist für handwerkliche Dinge zuständig (nein, Kirschholz schmeckt nicht nach Kirschen und nein, man sollte nicht alles ablecken, bevor man es probiert) und Leslie ist in der Show, um neue Dinge auszuprobieren. Und nicht nur war das alles wirklich witzig. Da befindet sich ein zumindest im Ansatz wirklich gutes Konzept für eine Kindersendung. Lernen, neues ausprobieren, freundlich sein, aber eben auch Karate im Herzen behalten. 

© NBC
Ein weiterer Handlungsstrang war April's schlechtes Gewissen. Während der ganzen Show fühlt sie sich deutlich unwohl, und am Ende erfahren wir auch, wieso. Andy liebt diese Show und hat sie aus allem erschaffen, was er mag, und sie hat das Gefühl dass sie ihm das Einzige wegnimmt, woran er wirklich Spaß hat, und das tut ihr weh. Doch Andy reagiert verständnisvoll: Er ist zufrieden, egal wo und womit, solange April bei ihm ist. Hab ich schonmal erwähnt dass ich finde, dass die beiden das absolut süßeste und beste Paar sind, das jemals im Fernsehn zu sehen war? Die beiden sind gleichzeitig die besten Freunde, die sich blind verstehen, obwohl sie unterschiedlich sind, und ein richtig aufrichtig liebevolles Paar. 

Ein weiteres Highlight waren die Werbespots, angekündigt von niemand geringerem als Perd Hapley. Coiny der Wolf, die Indianer die sich ihr Geld Münze für Münze zurückholen? "Hire Very Good Construction for all your building needs. Or do not, I am not a beggar." Paunch Burger und Verizon/Exxon/Chipotle, eine von 8 Firmen im Jahr 2017? Aber auch sonst war einiges los: Burt Tyrannosaurus Macklin? John Cena, der dachte dass die Show von einem Kind gehostet wird? Die Rückkehr von Lord Edgar Covington, der Andy zum Ritter schlägt? Ben, der auch gerne ein Ritter wäre? Und diesen Wunsch auch erfüllt bekommt, weil Lord Covington "So reich ist, dass die Queen ihn machen lässt, was er will"? Und wie süß war es bitte, als er während der "Zeremonie" vor sich hinflüstert "Winter is Coming" und danach auf seine Hände schaut, als ob die jetzt magische Fähigkeiten besitzen würden? Oh, und natürlich die sofort einsetzende Langeweile, mit der Covington das Schwert danach einfach wegwirft, und sein Diener, der sich so sehr beeilt es wieder aufzuheben. Und hab ich erwähnt, dass auch Champion noch lebt?

Die zweite Folge der Nacht, "Two Funerals" hat mich ja vorher ein wenig in Angst versetzt. Ganz einfach weil ich nicht wusste, wer sterben würde. Doch es trifft glücklicherweise niemanden aus der Truppe. Stattdessen stirbt Mayor Gunderson, hauptsächlich berühmt geworden durch seinen Hund. Im Sarg liegt dann niemand geringeres als Bill Murray, mit dem wunderschönsten Grinsen welches je eine Leiche im Gesicht hatte. Teile der etwas schrägen Abschiedsrede werden von Ethel Beavers gehalten, die sich letztendlich mit den wundervollen Worten "Good Night, you animal" verabschiedet. Ron erfährt währenddessen, dass sein Friseur gestorben ist. Das stürzt ihn natürlich in eine direkte Krise. Jeden ersten Dienstag im Monat hat er seinen Friseur besucht, acht Dollar gezahlt und sich dann über Nichts unterhalten. Mit der Angst, in wenigen Tagen auszusehen wie ein Rockstar mit langen Haaren, lässt es sich für Ron nur schwer leben. Und dann taucht auch noch Eagleton Ron auf, um seine esoterischen Weisheiten und die Tatsache, dass sein Haar sich von selbst abwirft, wenn seine Zeit gekommen ist, um Salz in Rons Wunden zu reiben. Doch Donna kennt die Lösung, und sie heißt Typhoon. Was auf den ersten Blick so klingt, als wäre es zum scheitern verurteilt, erweist sich als Ideallösung. Denn Typhoon und Ron haben eines gemeinsam: sie verabscheuen Europa und Fahrräder.  
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Die Suche nach einem Ersatzbürgermeister führt zu einem recht unterhaltsamen Casting. Da der Kandidat ein paar Auflagen erfüllen muss, beispielsweise älter sein muss als 30, fällt Joan Calamezzo leider aus, denn sie ist erst 27. Bobby Newport hätte zwar Spaß an der Sache, aber andere Sachen machen auch so viel Spaß! Mister Saperstein scheint auch nicht der Richtige zu sein, Mona Lisa will wieder einmal nur Geld. Und der Douche wäre zwar an sich sehr qualifiziert für den Job, verscherzt es sich aber dann doch. April drängt Ben, die Sache selbst zu übernehmen, damit er endlich das Ice Town Debakel hinter sich lassen kann. Doch Ben hat eine bessere Idee, und so sehen wir, was wohl niemand vermutet hätte: Garry Gergich wird Bürgermeister von Pawnee, wenn auch zunächst nur befristet. 

Tom ist auch wieder zurück, scheinbar war er in New York. Geschenke hat er auch mitgebracht, auch wenn niemand etwas damit anfangen kann und er sie am Ende lieber gleich behält. Aber hey, der Gedanke zählt, richtig? Seine Aufgabe für die Episode ist dann schon etwas schöner: Er will Lucy einen Heiratsantrag machen. Leslie hilft natürlich wo sie nur kann, und die beiden drehen kurzerhand einen actiongeladenen Kurzfilm. Hier gibt es dann ein Wiedersehen mit Jean Ralphio, dessen Namen ich in meinem Kopf nurnoch singen kann... Jean Ral-phioooo! Wir erfahren außerdem später dass er so seltsam ist, weil er zu viele Pillen bekommen hat. Mister Saperstein hat das mit der Kindererziehung irgendwie nicht so ganz raus, wie mir scheint. Doch Tom hat im letzten Moment einen Sinneswandel und legt sein ganzes Gehabe für einen kurzen Moment auf Seite. Den Antrag macht er mit einer Blume, einem Teller Pfannkuchen und einem Kartentrick, und es ist soooo süß! Natürlich sagt Lucy auch "Ja", und das Happy End ist perfekt. 

Nächste Woche ist dann also Schluss mit Parks and Recreation. Taschentücher und ein Stapel Comfort Waffles stehen auf meiner Einkaufsliste für Dienstag ganz oben. Und ich kann nicht oft genug betonen wie froh ich bin, dass diese Serie auf diesem hohen Niveau von uns gehen wird. Bereitet ihr euch auch schon auf das Ende vor, oder habt ihr vielleicht sogar extra gewartet, um nächste Woche die komplette Staffel durchzusehen? Was natürlich auf keinen Fall genau das ist, was ich nächsten Mittwoch tun werde...das wäre ja vollkommen verrückt.

  • Wer gerne die komplette Dokumentation über MouseRat sehen möchte, kann dies hier auf der Homepage der NBC machen. Wer nicht auf die Seite zugreifen kann, weil die NBC ihr Zeug nur Amerikanern zur Verfügung stellt, sollte Youtube im Auge behalten. Youtube bietet auch die Producer's Cut-Folgen, die sehr sehenswert sind. Wer beispielsweise gerne noch mehr davon sehen will, wie Leslie Ron ausfragt, der wird hier fündig. Amy Poehlers Version von Robert de Niro in "Taxi Driver" ist ziemlich gut :D
  • Der Legal Disclaimer für die Karate Show kann bei Twitter angesehen werden: Ein User namens Mike Tunison hat sich die Mühe gemacht.Wer lieber bei Reddit lesen möchte: Hierlang, bitte. Es ist die Zeit sowas von wert.
  • Andy lernt schnell: "Was he killed by a younger, stronger barber?"
  • Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie sehr Ron sein Gegenstück aus Eagleton verabscheut.
  • Mich beruhigt, dass Shia LaBeouf wirklich einen guten Job gefunden hat mit seinem Dasein als Designer. 
  • April Ludgate-Karate-Dwyer.
  • Ach, Garry. Ich freue mich aufrichtig darüber, dass er am Ende mal ein bisschen Liebe bekommen hat, auch wenn selbst da wieder geschnitten wurde. Sieben Staffeln lang wurde er abgewürgt und fertig gemacht, und immer hat er das Ganze mit Humor genommen, auch wenn teilweise wirklich fiese Dinge dabei waren. Seine Ernennung zum Bürgermeister macht mich persönlich glücklich. 
  • Star Lord und Ant-Man in einer Folge. Mein Marvel-Fanherz ist zufrieden.




Serien-Recap: Parks and Recreation Season 7 Episode 8/9: Ms. Ludgate-Dwyer goes to Washington / Pie-Mary

© NBC
Leute, so langsam macht sich hier Panik breit. Es sind nurnoch zwei Wochen, und dann ist Schluss mit meiner Lieblingsbehörde! Wie ich damit klarkommen soll weiß ich jetzt noch nicht, aber ich hab das Gefühl das Waffeln helfen könnten...

Tom durfte in beiden Folgen aussetzen, ich hoffe das bleibt nicht dauerhaft so. Er ist jetzt nicht unbedingt mein Lieblingscharakter, aber er gehört halt doch dazu. Ansonsten gab es diese Woche zwei Folgen, die nicht inhaltlich miteinander verwoben waren. Während "Ms. Ludgate-Dwyer goes to Washington" sich mit April und der Suche nach ihrem Traumberuf beschäftigt, kümmert "Pie-Mary" sich um die absurden Erwartungen, mit denen Frauen in Wahlkämpfen konfrontiert werden. Aber gehen wir der Reihe nach. 

April und Leslie begeben sich auf einen Ausflug nach Washington (die Stadt, die gefüllt ist mit Politikern, deswegen haben unzählige davon einen Cameo in der Folge), und spannenderweise wird die Folge aus April's Sicht erzählt. Nicht nur bietet das Einblicke in die Gefühlswelt der einen Hälfte meines liebsten Paares in einer Show ever. Nein, wir bekommen auch einen detaillierten Eindruck davon, wie stressig Leslie manchmal sein kann. Nicht falsch verstehen, ich liebe Leslie und sie ist wundervoll, enthusiastisch, lieb, zielstrebig...ich könnt ewig weitermachen. Aber mit ihr befreundet zu sein kann auch wirklich Arbeit bedeuten. Erinnern wir uns nur mal an die Folge, wo Ben und Ann ein Waffeleisen jagen müssen. So hatte April in dieser Folge wirklich Angst davor, mit Leslie zu reden, was mir unheimlich Leid getan hat. 
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Als sie dann doch ihren Mut zusammennimmt, reagiert Leslie zunächst völlig über, kriegt sich aber im Verlauf der Folge wieder ein und eilt April natürlich auch zur Hilfe. Mit Erfolg, denn April hat am Ende einen Job, der besser nicht sein könnte: Sie kann Leuten sagen, was sie tun sollen und sie dann weit, weit weg schicken. 

In Pawnee versuchen Ben, Ron und Andy derweil ebenfalls, einen Job für April zu finden. Ron würde sie gerne in einem Handwerksbetrieb unterbringen, Ben hat eine bessere Idee. Auftritt Barney von Tilton&Randomski Accounting. Der ist zwar wieder begeistert von Ben's nicht ganz so witzigen Wortspielen, ziert sich aber zunächst weil April nicht die nötigen Qualifikationen mitbringt. Und obwohl Andy sein bestes gibt (Feuerwerk, Feuerwerk!) bekommt April am Ende eine Chance. Die sie, natürlich durch Ben, absagt. So langsam tut mir diese Firma wirklich und aufrichtig Leid. 

"Pie-Mary" kümmert sich dann um ein ganz anderes Thema. Die Ehefrauen von Senatskandidaten treten jeweils bei einem Backwettbewerb an. Und so gerne Leslie auch in der Küche steht und wunderschöne Kekse und Torten zaubert, so sehr widerstrebt ihr dieser Wettbewerb. Jen, die mittlerweile gelernt hat und im Haus der beiden nurnoch mit einem Plastikponcho unterwegs ist, steht mit Rat und Tat zur Seite, verpufft aber ungehört. Doch Ben sieht seine Chance: es ist an der Zeit, die Calzone zurückzubringen. Niemand macht so gute Calzone wie er, und wenn man ehrlich ist, dann geht auch Calzone als Kuchen durch. Ist auch nur gefüllter Teig. Also geht es auf den "Highway to the Calzone...Zone" und zum Wettbewerb. Leslie wird vorher noch von einer Organisation für Frauenrechte abgefangen und unterschwellig bedroht. Beim Wettbewerb selbst ist es aber eine Organisation für Männerrechte, die Stress macht. Der einzig sinnvolle Ort, um diese Debatte auszutragen, ist natürlich eine Fernsehshow. Hier gibt es ein Wiedersehen mit Marcia und Marshall, den beiden schrägen, irgendwo im Mittelalter hängen gebliebenen...was machen die beiden eigentlich genau??? Dazu gesellen sich verschiedene Gruppierungen: Feministen, Feministen-hassende-Frauen und Männer, die für mehr Rechte für Männer kämpfen und schrecklich genervt sind, wenn die Feministen-hassenden-Frauen ihnen zustimmen, weil sie dann wieder unterdrückt werden. Klingt kompliziert? Ist es auch. 

Eine anschließende Pressekonferenz, bei der sich die beiden entschuldigen sollen, wir dann auch gleich dazu genutzt, der Presse mal die Meinung zu geigen. Hier leistet Parks sich dann einen Rundumschlag, der sich gewaschen hat. Ich bin mir relativ sicher, dass nicht alle Zuschauer ihre Freude daran hatten, aber die Nachricht hat gestimmt. Und Ben bekommt am Ende den schicken "Woman of the Year" Award, sehr zum Leidwesen von Leslie. Erst Ron, nun Ben. Doppelt bitter da sie die Dankesrede in ihrer Tasche mit sich herumträgt. 
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In der restlichen Folge kriegen wir einen genaueren Einblick in Garrys Leben. Der hat mal wieder seinen Ehering verloren, und Donna schaut sich genüsslich an, wie er versucht, ihn wiederzubekommen. Gayle mag anscheinend garnicht, wenn Garry seinen Ring verliert. Auf Beleidigungen wie "Mister Forgetful" oder (Gott bewahre!) "Bozo" reagiert Garry nämlich sehr empfindlich. Da bleibt Donna auch nicht mehr übrig, als festzustellen dass die beiden sehr unterschiedliche Leben führen. Sie bestellt dann trotzdem Essen für die beiden und bringt Garry am nächsten Tag seine Sachen aus dem Abwasserkanal nach Hause. 

April bekommt die Gelegenheit, sich von Ron zu verabschieden. Dieser Abschied fällt zunächst etwas harsch aus, und Ron fordert seinen Schlüssel zurück. Den hat er April nämlich gegeben, vor vielen Jahren. April hat den Schlüssel allerdings sehr gut vor sich selbst versteckt und macht Ron damit indirekt das beste Abschiedsgeschenk: Eine Schnitzeljagd, die unlösbar erscheint. Natürlich wird sie am Ende gelöst, und die Verbindung zwischen den beiden wird noch einmal so richtig schön herausgearbeitet, April hat den Schlüssel nämlich unter einem Baum vergraben, der sie an Ron erinnert. Ron hat unter dem gleichen Baum außerdem Gold vergraben...oder hat er das tatsächlich? Dass der Schlüssel an sich wertlos war, weil Ron alle 16 Tage die Schlösser in seinem Haus austauscht? Nebensache.

Damit wären effektiv nur noch vier Folgen vor uns, Vielleicht sollte ich mich um einen Termin bei Doktor Nygard bemühen. Wie gefällt euch die finale Staffel bisher?

Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Nick Offermans Bruder, Matt Offerman, spielt Rons Bruder Don. Er hat ja nur einen. Sorry, Lon und Bob. Das beinahe enttäuschte seufzen, als die anderen Brüder aus dem Bild schleichen war grandios.
  • Team Voldemort!!!
  • “I do not compare people to Mary J. Blige lightly.” Oh Craig, du wunderschöner wilder Sonnenfisch. 
  • Mike Patterson's Show "No, you're wrong" ist auf so vielen Ebenen falsch, und auf so vielen Ebenen ein Spiegel für Medien, wie sie aktuell zumindest teilweise funktionieren. 
  • Brandi Maxxx, heute in "69 Jump Street" und "50 Shaved old Gays". 
  • Ex Animal Control in der Form von Brett und Harris lebt jetzt also im Keller und glaubt, von Ghostbustern besessen zu sein. 
  • Andy's erster Arbeitsplatz, der Shoe Shine Stand, steht jetzt im Büro von Councilman Milton. Der auch irgendwo im letzten oder vorletzten Jahrhundert hängen geblieben ist.
  • 2017-Facts: Nicht nur das Star Wars Episode 7 bereits existiert, Twin Peaks ist auch bereits fortgesetzt. 
  • "Creativity is for people with glasses who like to lie."
  • Andy, ab sofort Count Chocula, möchte gerne einen Mathepreis für das lösen einer komplizierten Gleichung: x=y. 
  • Wie sich alle, inklusive Andy, darüber lustig machen dass April sich vor 8 Jahren in ihn verliebt hat. Andy, du bist einfach zu naiv für diese Welt :D
  • Ich möchte ein Ron Swanson Spin-Off vorschlagen. Diese AMAs auf Reddit sind nicht annähernd ausreichend. 
  • Aprils Lebenslauf in schicker .pdf-Form, bevor ihre Freunde optimiert haben: Lebenslauf 
  • Wenn ihr es hinkriegt euch Videos auf der Parks-Homepage von NBC anzuschauen, haltet Ausschau nach den Producer's Cut-Videos.

Filmkritik: Guardians of the Galaxy

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Die Guardians of the Galaxy sind wohl im Hause Marvel, zumindest wenn man von der Firma ausgeht, die uns jährlich mit gefühlten zehn Filmen überschüttet, sowas wie die Underdogs. Mich versetzte bereits der Trailer in helle Vorfreude mit seinem 80er Touch und diesen Helden, die scheinbar keine Lust darauf haben, Helden zu sein. Aber hey, es ist Marvel, also müssen das Helden sein, und vermutlich wird am Ende auch die Welt, oder in diesem Fall eben die Galaxie, gerettet. Womit ich nicht gerechnet habe, ist dass der Film mich fast durchgängig zum lachen bringen würde und nebenbei soviel Herz besitzt wie die restlichen Marvelfilme zusammen nicht aufbringen können. Das zusammen mit der Tatsache, dass die Guardians scheinbar nur aus perfekten Einzelteilen zu einem großen Ganzen zusammengebaut wurden, hat mir überraschenderweise meinen Film des Jahres 2014 beschert, ganz egal was da noch kommen wird. Wieso das so ist, das dürft ihr nun hier nachlesen. 



Peter Quill, der sich selbst Star Lord nennt, befindet sich auf Beutezug und schafft es, einen mysteriösen Orb zu ergattern. Diesen will er eigentlich nur verkaufen, doch dann kommt alles anders. Gleichzeitig wird er von einer Assassine namens Gamora und einem Kopfgeldjägerteam, bestehend aus dem genmanipulierten Waschbär Rocket und dem Baumwesen Groot, angegriffen. Kurzerhand landen die vier im Gefängnis, wo sie auf Drax treffen. Gleichzeitig will auch Ronan, ein rachsüchtiger Kree, diese Kugel in seinem Besitz haben, um damit Planeten zu zerstören. Und dann ist da auch noch Thanos, der in bisherigen Marvelfilmen eher unterrepräsentiert war, aber die größte Bedrohung zu sein scheint. Die Einzelgänger sind gezwungen ein Team zu bilden, um die Zerstörung ihrer Heimat zu verhindern. Allerdings hat zunächst niemand wirklich Lust, Teil eines Teams zu werden...

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Wieso ist niemand vorher auf die Idee gekommen, Chris Pratt eine Hauptrolle in einem großen Film zu geben? Als selbsternannter Star Lord trägt er den Film mit einer unfassbaren Leichtigkeit. Wer zum Zeitpunkt der Einblendung des Filmtitels nichts mit Star Lord anfangen kann, der wird wohl auch danach seine Probleme haben, alle anderen werden ihre Freude haben. Am besten beschreiben lässt er sich wohl als der freche kleine Cousin, den Han Solo und Indiana Jones niemals hatten. Doch Chris Pratt muss den Film garnicht alleine tragen. Ihm zur Seite steht Zoe Saldana, die mittlerweile auf beachtliche Erfahrung im Alien-Bereich zurückblicken kann. Als lebendige Waffe schließt sie sich wiederwillig dem Team an um Ronan und Thanos aufzuhalten. Dave Bautista, dessen Körperbau alleine ein eindrucksvoller Special Effect zu sein scheint, spielt Drax the Destroyer. Ronan hat seine Familie vernichtet und er will sich rächen. Dabei drückt er sich scheinbar eloquent aus, es wird aber schnell klar dass seine größte Stärke nicht seine Denkleistung ist. Und dann sind da noch Rocket und Groot. Rocket ist ein genmanipulierter Waschbär mit einem großen Faible für Schusswaffen, Bomben und alle Dinge, die anständig in die Luft fliegen können. Eine kleptomanische Ader hat er auch. Und ein so loses Mundwerk dass es an ein Wunder grenzt, dass seine kleine Schnauze noch niemand eingeschlagen hat. Begleitet wird er von Groot, einem ziemlich großen Baumwesen, dass leider nur ein begrenztes Vokabular hat. Während Rocket im Original von Bradley Cooper gesprochen wird, liefert Vin Diesel als Groot die heimliche Meisterleistung ab. Mit nur einem Satz schafft er es, immer wieder etwas anderes auszudrücken. In einem Film, der mit faszinierenden Figuren vollgepackt ist, schafft er es das ein oder andere Mal, dem Rest die Szene zu stehlen. Kaum zu erkennen als Ronan ist Lee Pace, der sich zuletzt vor allem als Ebenkönig im Hobbit bemerkbar machte und seinem Ronan hier durchaus eine bedrohliche Präsenz verpassen kann. Benicio del Toro spielt erneut den Collector, Josh Brolin spricht mit seiner markanten Stimme das Überwesen Thanos. Glenn Close als Nova Prime gibt eine solide Anführerin ab, und John C. Reilly ist liebenswert wie eh und jeh. Schauspieltechnisch macht dieser Film einfach alles richtig.

Guardians of the Galaxy beschreitet für Marvel-Verhältnisse unkonventionelle Wege. Mit James Gunn, der sowohl für Regie als auch Drehbuch verantwortlich ist, hat man sich einen Regisseur ins Boot geholt, der bisher eher mit kleinerem Budget hantierte. Doch eine bessere Wahl scheint im Nachinein nicht möglich. Mit der von Herzen kommenden Begeisterung eines Kindes, welches sich in einem riesigen Spielzeugladen alles aussuchen darf, ohne bezahlen zu müssen, geht er ans Werk. Und man merkt von der ersten Sekunde an, dass er seine Figuren wirklich mag. Hineingemischt in diese kindliche Begeisterung für das Große ist ein Humor, der sich bisweilen gefährlich nah an der Gürtellinie herumtreibt und ein oder zwei Male auch darunter rutscht. Familienfreundlich bleibt es trotzdem. Irgendwie. Gunn konnte zeitgleich auch an einem Projekt arbeiten, dessen Ergebnis nicht so extrem vorbelastet war. Bereits bevor Iron Man und Konsorten es auf die Kinoleinwand schafften, waren sie schon halbwegs bekannt, selbst bei Nicht-Comic-Lesern. Die Guardians sind eher unbekannt, und so lastete weitaus weniger Druck und Erwartung auf dem ganzen Projekt. Gleichzeitig spricht es für Marvel als Studio, auch den Underdogs eine Chance zu geben. Schaut man sich nun auf dem internationalen Markt um, dann scheint sich diese Chance voll und ganz gelohnt zu haben, denn die Guardians räumen ab, was abzuräumen ist.Dass dabei beinahe komplett auf Einführung verzichtet wurde und der Film trotzdem funktioniert, spricht für die gewählte Vorgehensweise. Zwar gibt es für Peter Quill noch eine sehr menschliche Einführung, diese wechselt aber nach nichtmal fünf Minuten ohne ein weiteres Wort auf die Weltraum-Ebene. Über die restlichen Figuren erfahren wir wenig bis garnichts, und auch sonst hält der Film sich nicht mit Erklärungen auf. Wer sich von Marvel bisher ferngehalten hat, der dürfte über den ein oder anderen Namen erstaunt sein. Freunde des großen Ganzen bekommen weitere Häppchen der Infinity Gems - Storyline vorgesetzt, und diese sind äußerst schmackhaft. Ich bin zumindest arg gespannt, wann und wie es an dieser Stelle so richtig krachen wird.
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Bereits im Trailer fiel die ungewöhnliche Musikauswahl ins Ohr. Und wer sich deswegen Sorgen gemacht hat: Ja, alle Songs aus den Trailern haben es in den Film geschafft. Und ja, sie passen perfekt. Für den nächsten Teil hoffe ich auf Queen, Thin Lizzy und noch ein paar weitere. Ernsthaft, wer es schafft David Bowie mit "Moonage Daydream" in einem Film, der im Weltraum spielt, unterzubringen, verdient Respekt. Respekt, geliefert in sehr großen Eimern, sollte auch an das CGI-Team gehen. Mit Groot und Rocket wurden direkt zwei komplett digitale Charaktere in den Film integriert, die so lebendig wirken dass ich mich mehrmals gefragt habe, wo man so einen Waschbären bekommen kann. Da wir in einer Welt leben, die nach Star Wars und Star Trek stattfindet, ist es verhältnismäßig schwer, noch Weltraumdinge zu erschaffen, die sich neu anfühlen. Auch das ist hier gelungen. Manche Sets wirken erfreulich düster und bedrohlich, andere sind dafür lichtdurchflutet und wunderschön anzusehen. Ronan schwächelt vielleicht als Bad Guy ein wenig, aber beeindruckend sieht er allemal aus. Heimlicher Favorit bei den Bösen ist Karen Gillan als Nebula. Wie selbstverständlich nimmt sie vor allem gegen Ende die Dinge in die Hand und erweist sich als würdiger Gegner. Und wenn das sorgsame Einstreuen von Thanos der Weg ist, diesen Charakter in das Marvel Cinematic Universe einzubringen, dann nur weiter so. Optisch überzeugt der Film auf allen Ebenen.

Storytechnisch darf man hier nichts allzu Großes erwarten. Wie schon erwähnt wird die Geschichte um die Infinity Gems vorangetrieben. In den Grundzügen haben wir es hier mit dem klassischen "Die Guten gegen die Bösen" Spielchen zu tun. Eigentlich ist das aber auch egal, denn im Vordergrund steht ganz klar das Zusammenfinden der Guardians als Team. Und das sind sie. Wo die Avengers hingehen und eigentlich nicht viel mehr sind als eine Gruppe zusammengeworfener Egomanen, sind sind die Guardians ein wirkliches Team, eine kleine Familie. Zusammengehalten von der Tatsache, dass sie sonst niemanden haben, arrangieren sie sich im Verlauf des Films miteinander, lernen sich besser kennen. Kritisieren lässt sich vielleicht noch die Tatsache, dass Marvel in letzter Zeit zur Wiederholung neigt. Bereits beim Winter Soldier bestand der ultimative Konflikt aus einer Schlacht knapp über einer Stadt. Bereits bei Thor: The Dark World gab es durch ein Infinity Gem ausgelöstes Gewirbel, auch wenn es aufgrund der roten Farbe des Äthers farblich anders gestaltet war. Ein wenig mehr Abwechslung wäre schön. Glücklicherweise schafft Gunn es aber, den Film vor dem Ende wieder in die richtige Bahn zu lenken, deswegen lässt sich über das Element der Wiederholung auch großzügig hinwegblicken. 

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Großzügig wird sich auch bei allem bedient, was das Genre in den letzten Jahren produziert hat. Total Recall, Star Wars, Firefly, Back to the Future, sie alle finden ihren Einfluss. Und der Film bedient sich offensichtlich, wer Spaß daran hat kann sich hier wunderbar damit beschäftigen, Referenzen zu finden. Doch fällt das alles so charmant aus, dass man den Guardians kaum einen Vorwurf machen kann. Wer auf 80er Jahre Sci-Fi steht wird sich hier sofort zuhause fühlen und vermutlich nie wieder wegwollen. Wie gut, dass ein zweiter Teil bereits bestätigt wurde. Die Guardians als Feelgood-Movie für den Sommer zu bezeichen würde ihnen keine Gerechtigkeit liefern. Denn Spaß macht dieser Film garantiert auch bei Minusgraden und Schnee. Fürs erste aber ist der Film wie eine gigantische Box voller Pralinen. Alle sind unterschiedlich, aber total lecker. Und auch wenn es total unvernünftig ist direkt die ganze Box auf einmal zu essen, man macht es trotzdem. Am Ende ist man vollgefressen, zufrieden und nimmt sich vor, irgendwann in nächster Zeit nochmal so unvernünftig zu sein, denn irgendwie hat es ja Spaß gemacht. Genau so ist Guardians of the Galaxy.  Hochgradig unvernüftig, mit einer unverschämt großen Klappe, aber charmant und mit dem Herzen am rechten Fleck. In einem Sommer, in dem das Kino kaum mit Überraschungen um die Ecke kommt, sind die Guardians mit Leichtigkeit die größte Überraschung der letzten Jahre.


Infos zum Film
Originaltitel: Guardians of the Galaxy
Genre: Action, Comicverfilmung, Sci-Fi
Laufzeit: 121 Minuten
FSK: 12
Regisseur: James Gunn
Darsteller:  Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Bradley Cooper, Vin Diesel, Lee Pace, Benicio del Toro, Glenn Close, John C. Reilly