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gelesen: Dunbar und seine Töchter

© Knaus

Das steht drin


Sein ganzes Leben lang hat Henry Dunbar auf nichts und niemanden Rücksicht genommen, besessen von der Vision, seinen kleinen Zeitungsverlag zu einem Medienkonzern auszubauen. Auf dem Zenit seiner Macht hat nur noch einen einzigen, aber mächtigen Feind: das Alter. Dunbar weiß, er muss sein Reich in die Hände seiner Töchter legen. Nur zwei der Kinder hält er für geeignet. Doch das Leben erteilt ihm eine bittere Lektion.

Gelesen: Harry Potter and the Cursed Child Parts I + II

© Little, Brown Book Group

Story: Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden. Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet.

Kritik: Alternativ hätte man das Script zum Theaterstück, um das es sich hier handelt, auch "Das beinahe völlige Verschwinden der Magie" nennen können. Denn eines ist sicher: mit den ursprünglichen Büchern hat "Harry Potter and the cursed Child" beinahe nichts mehr zu tun. Die deutsche Fassung erscheint übrigens am 24. September und wird den Titel "Harry Potter und das verwunschene Kind" tragen. Das Englisch in diesem Buch ist aber sehr einfach gehalten, bedingt natürlich auch durch die Drehbuchform. Wer also nicht warten will und halbwegs fit ist, kann sich hier ruhig dran versuchen.
Die erste Seite ist immer das aufregendste, oder?
Das sich so eine Lücke zu den anderen Büchern auftut, liegt einerseits natürlich an der Form. Es handelt sich um die niedergeschriebenen Dialoge zum entsprechenden Theaterstück. Einige werden die Form vermutlich aus zahlreichen Schullektüren kennen. Sie ist nicht jedermanns Favorit, ich finde es ziemlich entspannt zum lesen. Es ist auf das Wesentliche reduziert und man kann sich viel mehr Dinge einfach vorstellen. Bühnenanweisungen sind ebenfalls enthalten. Wer die liebevollen Details der ersten sieben Bücher großartig fand, wird hier vermutlich schwere Zeiten vor sich haben J.K. Rowling hat das Buch nicht geschrieben, sondern nur die Idee zur Verfügung gestellt. John Tiffany und Jack Thorne zeigen sich in weiten Teilen für die Ausformung der Geschichte verantwortlich. Falls ihr übrigens Tickets für die Aufführung am Londoner Westend ergattern wollt: viel Erfolg, nach aktuellem Stand ist es bis in den kommenden Sommer ausverkauft.

Und dann sind natürlich die Figuren aus den ersten sieben Büchern nun erwachsen. Und wie das so ist, wenn man erwachsen wird: vieles wird langweiliger. Harry Potter hat, genau wie Hermine, einen Job im Magisterium, nach wie vor sind alle miteinander verheiratet, neu sind die Kinder. Und um die geht es in erster Linie. Albus Severus Potter ist in etwa so weit von dem entfernt, was man sich unter einem Potter vorstellt, wie es nur möglich ist. Harry kann die Enttäuschung darüber oft nicht verbergen, und das Verhältnis zwischen Vater und Sohn erweist sich zügig als angeknackst. Im Hause Malfoy sieht es ganz ähnlich aus, und so freunden sich die beiden Jungs an. Hätte ich übrigens nie gedacht, aber das Skript schafft es, Draco Malfoy auf ein ganz neues Level an Sympathie zu heben. Dafür erleben wir aber auch ganz neue Ausmaße einer trotteligen Version von Ron, die unerträglich zu lesen ist. Älter werden bedeutet nicht immer automatisch, dass man unausstehlich wird. Aber zumindest mit den Kindern hätten sich unendlich viele Möglichkeiten für spannende Geschichten rund um Freundschaft und Abenteuer ergeben.
Ein schöner Rücken kann ja auch entzücken.
Stattdessen gibt es eine kurzweilige Story, die oberflächlich betrachtet eigentlich recht gut ist. Zeitreisen, der Dunkle Lord, die Vergangenheit, alternative Zeitlinien: alles kommt irgendwie vor. Doch statt neue Figuren einzuführen werden der Reihe nach alte Bekannte abgeklappert. Was weniger schlimm wäre, wenn nicht viele von ihnen plötzlich ganz andere Wesenszüge aufweisen würden, als es in den sieben anderen Büchern der Fall war. Ohne jetzt hier spoilern zu wollen, aber hier passieren Dinge, die selbst für schlechte Fanfiction noch undenkbar wären. Dinge, die auf so großer Ebene relevant sind, dass mir unbegreiflich ist, wie das als Buch durchgehen kann, und dann noch quasi offizieller Kanon ist. Wenn ich auf einem 300 Seiten kurzen Buch alle 30 Seiten innehalten muss, um mich zu fragen was zur Hölle ich da eben gelesen habe, dann stimmt irgendetwas nicht. Wenn ich eine fortlaufende Geschichte schreibe, dann muss ich doch darauf achten, dass es sowas wie Kontinuität gibt, dass sich an von mir selbst aufgestellte Regeln gehalten wird. Dies ist hier leider nicht der Fall.

Fazit: Für einen kurzen, oberflächlichen Trip in die Nostalgie-Schublade mag das Buch sich bestimmt gut eignen. Doch die liebgewonnenen Figuren, die mich durch das Erwachsenwerden hindurch begleitet haben, sind hier nur noch Schatten ihrer selbst. Aufgestellte Regeln für das Potter-Universum gelten auf einmal nicht mehr. Die Geschichte steckt voller Logiklöcher, über die nicht mal mit viel Wohlwollen hinweggesehen werden kann. Widersprüche zu den anderen sieben Büchern machen sich überall bemerkbar. Nein, da kann man gut und gerne drauf verzichten, bei Bedarf findet man sicherlich im Internet besser (und sinnvoller!) geschriebene Fanfiction.