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Filmkritik: Mein Nachbar Totoro

© Universum Film GmbH
Story: Der zweite Film aus dem berühmten Studio Ghibli dreht sich ganz um Familie, Natur und Kindheit. Der Mutter von Satsuke und ihrer kleinen Schwester Mei geht es nicht besonders gut, weshalb man in diesem Jahr den Sommer auf dem Land verbringt, ganz in der Nähe jener Klinik, wo die Mutter liegt. Dort hat der Vater, von Beruf her Archäologe, ein kleines Haus mit großem Garten gemietet, wo er schreiben kann und die Kinder Platz haben zum toben. Was keiner ahnt: Das Haus wird von schüchternen, geradezu schreckhaften Aschegeistern heimgesucht. Doch damit nicht genug. Im Wald, der sich nahtlos an den großen Garten anschließt scheinen mysteriöse Gestalten zu leben. Doch weder der Vater noch seine beiden Töchter haben Angst vor den Geistern, und schon bald lässt Totoro sich häufiger blicken. 
© Universum Film GmbH
Kritik: Mit "Mein Nachbar Totoro" begebe ich mich erst zum zweiten Mal auf Ghibli-Gebiet, der erste Ausflug erfolgte mit "Die letzten Glühwürmchen", und der hat mich mit seiner bedrückenden Thematik zunächst tatsächlich abgeschreckt. Doch dieser Totoro, der sah knuffig aus, und so schnappte ich mir den Film, nicht vorbereitet auf das was da folgen würde. Bemühe ich mich sonst immer um einen sachlichen Stil sehe ich hier keine andere Möglichkeit, als mal so richtig persönlich zu werden. Ich hoffe ihr bleibt trotzdem bis zum Ende. 

Als Kind hatte ich eigentlich immer irgendwie einen Wald in der Nähe meiner Wohnorte. Zuhause war es häufig mal stressig, und so verbrachte ich einen guten Teil meiner Kindheit draußen. Baute geheime Höhlen aus Ästen, folgte dem Lauf des kleinen Flusses, entdeckte Tiere und führte ausgiebige Selbstgespräche. Manchmal veränderten sich Dinge, wenn ich ein oder zwei Tage meinen geheimen Verstecken fernblieb, und für mich stand schnell fest: das müssen die Waldgeister sein. Ich machte mir meine eigene kleine Welt, in der die triste Außenwelt nichts zu suchen hatte. 

Und genau dieses Gefühl vermittelt "Totoro" von der ersten Minute an. Sobald die Familie ihr neues Haus betritt wird unbändig entdeckt, jede noch so verstecke Ecke wird erkundet. Schnell tauchen die kleinen Aschegeister auf, und man ist sich einen Moment lang unsicher ob die nun tatsächlich existieren oder sich eingebildet werden. Doch so schnell dieser Gedanke aufkam, so schnell verschwindet er auch wieder. Viel zu spannend ist die Entdeckungsreise. Nach und nach öffnet sich der Spielraum der Kinder, der Garten wird erkundet, nur vor dem Wald hält man noch ehrfürchtigen Abstand. 
© Universum Film GmbH
Doch dann taucht ein kleines Wesen auf, das sich zeitweise unsichtbar machen kann. Die kleine Mei folgt dem putzigen Tierchen, und ehe sie sich versieht führt der Weg durch das Unterholz und in das innerste der Wurzel eines gigantischen Baumes. Und dort schlummert Totoro. Gleichzeitig extrem niedlich und irgendwie auch ein bisschen bedrohlich entpuppt er sich als freundlicher Waldgeist, der nur von Kindern gesehen werden kann. Oft ist er im Film nicht zu sehen, doch wenn er auftaucht weiß er zu begeistern. Schön ist hier auch die Einstellung der Erwachsenen, welche die Kinder in ihrem Glauben an die übernatürlichen Wesen bekräftigen, auch wenn sie selbst nur noch Erinnerungen an ihre eigene Kindheit haben und Totoro selbst nicht richtig wahrnehmen können. Was ihnen bleibt ist der Wind, der durch das Reisfeld weht. 

Vordergründig sind es diese zauberhaften Momente, die den Film dominieren. Doch unter dem, was zunächst als Alltagsbeobachtung zweier Kinder durchgehen würde, liegt so viel mehr vergraben. Miyazaki legt allerdings keinen Wert darauf, die vielen Schichten mit Dialogen zu erläutern. Stattdessen wird der aufmerksame Zuschauer hier und da Hinweise finden. So erfährt man zwar, dass die Mutter im Krankenhaus liegt, doch was sie genau hat wird nicht benannt. Aber es bringt das Leben der restlichen Familie gehörig aus dem Konzept. Der Vater verschusselt Dinge, Mei sucht die Nähe ihrer Familie und Satsuke gibt sich alle Mühe, erwachsen zu sein und sich mit ihren Freundinnen abzulenken. Es ist mehr als die kleinen Mädchen ertragen sollten, doch auf dem Leid wird nie verharrt. Stattdessen fiebern die Mädchen der Genesung der Mutter entgegen. unerschütterlich optimistisch. Totoro wird zum Sinnbild für die eigene, kindliche und unschuldige Phantasie und zu einer Möglichkeit, dem Alltag zu entkommen.

Zum Ende hin gerät dann all dies in Gefahr. Mei rennt davon, will ihre Mutter im Krankenhaus besuchen. In ihren Armen trägt sie einen Maiskolben, denn die freundliche Nachbarin hat ihr erzählt dass ihre Mutter sicher gesund wird, wenn sie frisches Gemüse essen kann und mit Vitaminen versorgt wird. Die kindliche Idylle zerbricht, die Verzweiflung macht sich breit. Wer erinnert sich nicht daran wie hilflos man sich als Kind fühlt, wenn etwas mit den eigenen Eltern nicht in Ordnung ist? Wer hat nicht schon mal versucht ein krankes Familienmitglied mit einem selbstgemalten Bild, einem Strauß gepflückter Blumen oder ähnlichen kleinen, kindlichen Zaubereien zu heilen? Doch außerhalb des sicheren Gartens lauert eine andere Welt, und Mei verschwindet. Panik bricht im Dorf aus, und als ein kleiner Kinderschuh in einem Teich auftaucht scheint alles verloren. 
© Universum Film GmbH
Doch Totoro ist da, wenn man ihn braucht. Wenn man nur stark genug an ihn glaubt, wenn man gute und reine Absichten hat. Weil es für ihn einen Platz in unserer Welt gibt, auch wenn wir ihn nicht sehen können. Er ist da wenn der Wind weht, wenn es abends stürmisch ist und ein Gewitter aufzieht. Aber auch wenn die Sonne scheint. Riesengroß, aber mit kindlicher Naivität ausgestattet. Beinahe schon diebische Freude kommt auf, wenn Totoro im strömenden Regen entdeckt wie witzig Regentropfen klingen wenn sie auf den Regenschirm prasseln. So wird dem Schrecken des Alltags, sei es Krankheit, Armut oder Verlust, stets etwas Positives entgegengesetzt. Die Konfrontation wird somit erträglich gemacht, und das ist dem Film hoch anzurechnen. 

Obwohl "Mein Nachbar Totoro" schon beinahe 20 Jahre alt ist muss er sich nirgends verstecken. Wunderschön gezeichnet und mit lichtdurchfluteten Bildern nimmt Miyazaki uns auf eine Reise mit, von der man eigentlich nicht zurückkehren möchte. Auch der Soundtrack ist toll. Verspielt plätschert er dahin, und der Titelsong frisst sich unweigerlich in den Gehörgang und verschwindet so schnell nicht wieder von dort.

Fazit: Man sagt, dass Bilder mehr sagen als Worte es je könnten. "Mein Nachbar Totoro" bietet Bild für Bild überwältigende Schönheit und eine stimmige Mischung aus kindlicher Unschuld, Naivität und dem bitteren Ernst des Lebens. Die Natur und die Phantasie werden zu den größten Verbündeten welche die Kinder besitzen, und alle Erwachsenen respektieren dies. Groß und Klein dürften von dem plüschigen Totoro begeistert sein, der nicht umsonst zum Maskotten für Studio Ghibli wurde. Und während Kinder vermutlich vorrangig Spaß an der Entdeckungsreise der beiden Mädchen haben tut sich für den aufmerksamen größeren Zuschauer eine ganz andere Welt auf. Eine Reise zurück in die eigene Kindheit, aber auch eine Reise in eine ganz magische Welt, die direkt vor unserer Nase ist. Wir müssen nur genau hinschauen.

Infos zum Film


Originaltitel: Tonari no Totoro
Erscheinungsjahr: 1988
Genre: Animation, Abenteuer, Fantasy
FSK: Ohne Altersfreigabe
Laufzeit: 86 Minuten
Regie: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki
Darsteller: Originale Stimmen: Noriko Hidaka, Chika Sakamoto, Hitoshi Takagi u.a. Deutsche Stimmen: Marea Sedlmeier, Pauline Rümmelein, Gerhard Hilka 



Trailer: 


Filmkritik: Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

© Warner Bros.
Mit "Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche" arbeitet Regisseur Tim Burton bereits zum fünften Mal mit Johnny Depp zusammen. Auch seine damalige Ehefrau Helena Bonham Carter ist hier mit an Bord, ebenso hat Christopher Lee eine kleine Rolle. Der Film, der auf einem alten russischen Folkloremärchen basiert ist darüber hinaus Burtons erste eigene Regiearbeit im Stop-Motion Verfahren. Bei diesem Verfahren, welches seit mehr als 100 Jahren verwendet wird (unter anderem von Georges Méliès), werden Objekte animiert, indem sie für jedes Bild im fertigen Film nur unwesentlich verändert werden. So entsteht der Eindruck, es handle sich um ein tatsächlich bewegtes Bild mit flüssigen Abläufen. Mittlerweile werden auch hier Computer eingesetzt. "A Nightmare before Christmas" wurde zwar von Tim Burton produziert und vor "Corpse Bride" veröffentlicht, allerdings führte er dort nicht Regie. "Corpse Bride" war 2006 in der Kategorie "bester Animationsfilm" für einen Oscar nominiert. Gedreht wurde der Film von Tim Burton und Mike Johnson, wobei Burton zeitgleich mit den Dreharbeiten zu "Charlie und die Schokoladenfabrik" beschäftigt war und hier eher einem persönlichen Hobby nachging.

Story: Im viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts steht der schüchterne, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Victor Van Dort kurz vor der Vermählung mit der reichen und anmutigen Victoria Everglot. Als er jedoch durch Zufall eine geheimnisvolle Leichenbraut zum Leben erweckt und diese sich prompt in ihn verliebt, steht Victor vor einer schweren Wahl. Entweder ein Leben in der grauen und tristen Welt der Lebenden oder ein Dasein voller Spaß und Frohsinn im unerwartet bunten Totenreich. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu Victoria und seiner Treue zur modrigen Leichenbraut Emily, muss Victor letztendlich eine Entscheidung treffen...
© Warner Bros.
Kritik: Auf den ersten Blick klingt "Corpse Bride" nach absolut typischem Burton-Material. Und der Eindruck trügt nicht, denn knappe 70 Minuten gibt es einen grotesken, musikalischen und bunten Ausflug in die Unterwelt. Wer "Nightmare before Christmas" mochte kann theoretisch jetzt aufhören zu lesen, denn er oder sie dürfte auch hier Spaß haben. Egal ob es schräge Gesangsnummern, Stop-Motion Technik in auf den ersten Blick düsterer Kulisse sind, die Parallelen sind vorhanden. Auch der für Burton typische Hund hat eine Rolle. So weit ist alles beim alten im Hause Burton.

Und doch hat sich einiges getan, vor allem im technischen Bereich. Die Effekte sind ausgereifter, die Figuren wirken wunderbar lebendig, auch wenn die meisten von ihnen lange tot sind. So fällt es nicht schwer, sich sofort in die Figuren zu verlieben und mit ihnen mitzufühlen. Leider sind neben Victor, Victoria und der Leichenbraut die Nebencharaktere kaum mit Eigenheiten ausgestattet, weswegen viele von ihnen im Verlauf des Films zu schablonenhaften Karikaturen verkommen. Da wäre mehr drin gewesen. Doch die drei Hauptfiguren sind wirklich gelungen, und man findet sich schnell im gleichen Dilemma wie Victor wieder: welcher der beiden Bräute, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dabei doch so ähnlich sind, wünscht man die Ehe mit dem schusseligen aber gutherzigen Victor? Und ehe man sich versieht fiebert man mit, wünscht sich ein gerechtes Ende für die Protagonisten.

Das liegt zu einem großen Teil auch an den Synchronsprechern. Victor ist auch optisch an Johnny Depp angelehnt, und der beweist ja immer wieder, dass er auch als Synchronsprecher einen wirklich guten Job macht. Wer noch skeptisch ist, der möge sich "Rango" ansehen. Victor kommt schüchtern, aber nuanciert herüber, blüht im Verlauf des Films auf. Helena Bonham Carter ist wie gewohnt souverän, so auch als untote Braut mit unschöner Vergangenheit. In einer Nebenrolle ist Christopher Lee zu hören, dessen Stimme immer eine Wohltat für die Ohren ist. 
© Warner Bros.
In typischer Burton-Manier wird nicht lange bei dem eigentlichen Thema verweilt, stattdessen ist der Zuschauer eingeladen auf Entdeckungsreise zu gehen. Die einzelnen Sets platzen vor Details, die man unmöglich beim ersten Anschauen alle aufnehmen kann. Die blasse viktorianische Oberwelt wirkt kühl und abschreckend, während die Unterwelt eine wahre Farbexplosion bietet. Dementsprechend passt sich die Musik von Danny Elfman an, der die Unterwelt in furiose Jazzklänge tauchen lässt, bei denen man nur schwerlich die Füße ruhighalten kann. Dass hier und da die Logik mal eine kurze Pause macht fällt dann auch weniger auf, denn mit seinen 70 Minuten ist der Film beinahe so schnell vorbei wie er angefangen hat. Durchaus könnte man ab und an den Eindruck bekommen dass Burton mehr mit seinen Bildern anzufangen weiß und Figuren und Geschichte nur Transportmittel sind, um andere an diesen Bildern teilhaben zu lassen. Aber wer würde ihm das vorwerfen wollen, wenn die Bilder so atemberaubend und schön anzusehen sind?

Fazit: "Corpse Bride" versprüht seinen burtonesken Charme und seine Bildgewaltigkeit auf überaus liebenswerte Weise. Die schwarzweisse, triste Welt der Lebenden ist ein krasser Kontrast zur bunten, lauten und enorm fröhlichen Unterwelt. Kleinere und größere Schwächen innerhalb der Erzählung kommen vor und auch die Figuren hätten in ihrer Gesamtheit ein wenig detaillierter ausfallen dürfen. Diese verzeiht man allerdings als Fan von Burtons Arbeit sowieso, denn es gibt unendlich viel zu entdecken. Wer bisher mit dem Trio Infernale aus Burton, Depp und Bonham Carter nichts anfangen konnte, wird allerdings auch hier seine Probleme haben. Dennoch entführt der Film für knappe 70 Minuten in andere Welten und lädt nicht zuletzt auch wegen der facettenreichen Musik von Haus- und Hofkomponist Danny Elfman zum träumen und verweilen ein.

Infos zum Film

Originaltitel: Corpse Bride
Genre: Musical, Fantasy, Animation
FSK: 6
Laufzeit: 77 Minuten
Regie: Tim Burton, Mike Johnson
Darsteller: Johnny Depp,Helena Bonham Carter, Emily Watson, Christopher Lee, Albert Finney
Trailer

Filmkritik: Pixels

© Sony
Adam Sandler ist ja mittlerweile für viele Zuschauer einfach ein tiefdunkelrotes Tuch. Und ich muss direkt zu Anfang wohl gestehen, dass ich mit seinen Filmen bis auf wenige Ausnahmen auch nichts anfangen kann. Manchmal ist sein Humor durchaus irgendwie akzeptabel, und der ein oder andere Film hat das Herz auch am rechten Fleck. Doch zu oft endet alles in wirrem Klamauk, der in alle Richtungen einfach nur beleidigend ist. Aber die Idee von "Pixels", die hat mich dann doch fasziniert. Auch ich habe, wie viele andere auch, als Kind versucht, Pac-Man vor den Geistern zu retten, habe meine komischen Dächlein gegen die Space Invaders verteidigt und so weiter. "Pixels" spricht also einen elementaren Bestandteil meiner Kindheit an, und dieses Retro-Feeling ist ja eigentlich immer eine gute Sache. Und mit Chris Columbus sitzt immerhin der Mensch auf dem Regiestuhl, der die ersten beiden "Harry Potter" Filme gemacht hat. Doch reichen ein halbwegs fähiger Regisseur und eine interessante Grundidee aus, um einen guten Film zu erschaffen? Ich warne vorab, dass die Kritik Spoiler enthalten wird.


Story: Viele Menschen träumen davon, dass wir endlich Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen können. In "Pixels" wird dieser Traum nun Realität. Doch die Aliens haben eine Zeitkapsel entdeckt, die von den Menschen in den 80ern ins All geschossen wurde, und darin waren Aufnahmen zeitgenössischer Videospiele enthalten. Diese missinterpretieren die Aliens als Kriegserklärung, und so wird die Erde angegriffen. Dabei machen sie sich die Attacken aus den Videospielen zu nutzen, und die Regierung muss tatenlos zusehen. Die Rettung kommt in Gestalt einiger Computerspielfans, die in ihrer Jugend in den Spielhallen gegen Pac-Man und Co. angetreten sind. Doch können sie die Erde vor den angriffslustigen Aliens retten?
© Sony
Kritik: Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage kann man nicht deutlich genug mit "nein" beantworten. Mit viel Wohlwollen könnte man dem Film seinen halbwegs gelungenen Soundtrack zu Gute halten, auch die eine oder andere Actionszene ist nett anzusehen. Doch der Pixel-Overkill fühlt sich an wie ein ekelhafter, schleimiger Versuch von "schau hier, sieh mich an, hier bin ich, du MUSST mich cool finden". Der einzige Witz an der ganzen Sache resultiert aus der Tatsache, dass man die eine oder andere Figur erkennt und sagen kann "cool, die Figur kenne ich". Nichts und niemand in diesem Film macht irgendeinen Sinn. Aliens greifen die Erde an? Und beschließen, diesen Angriff wie in rundenbasiertem Arcade-Gaming durchzuführen? Wieso löschen sie nicht den Planeten aus und ersparen uns diesen Film? Cheaten kann man auch, aber niemand interessiert sich dafür, wie das funktioniert, also hat der Zuschauer gefälligst auch kein Interesse zu haben. Aber dann ruft man sich ins Gedächtnis dass in der Welt dieses Film Kevin James der Präsident der USA werden konnte, und die Migräne ist in letzter Sekunde abgewendet. Jedenfalls vorerst. 

Dass wir darüber hinaus in einer Zeit leben, in der "Nerd" und "Geek" keine Schimpfwörter mehr sind und das Bild des leichenblassen Kellerkindes, dass noch bei Mami wohnt und mit Mitte 40 noch Jungfrau ist auch der Vergangenheit angehört, vergisst der Film auch. Was hier als Nerd durchgeht ist nichts weiter als der 0815 "Loser, dem die große Chance damals genommen wurde und der nun seiner Zukunft, die er hätte haben können hinterhertrauert" Stereotyp. Dass sich seit ein paar Jahren Frauen davon befreien, als Trophäe zu enden ist Adam Sandler und den anderen Verursachern dieses Unwerkes ebenfalls entgangen. Jetzt könnte man vielleicht sagen "ja ja, bla bla, Trophäe". Doch darauf läuft es letzten Endes hinaus: Selbst der unsympathischste Kellerbewohner kriegt eine schweigende, leichtbekleidete Dame ab. Serena Williams hat einen kleinen Cameo-Auftritt in dem sie ein, zwei gute Pointen landen kann, doch auch sie endet als Teilnehmerin eines Dreiers mit Peter Dinklages schmierigem Charakter. Die andere Teilnehmerin ist Martha Stewart. Eine der wenigen weiblichen Spielfiguren endet im wahrsten Sinne des Wortes als Trophäe für den Sieg über die Aliens. Dieses Jahr hat bereits bewiesen dass weibliche Figuren im Film besser funktionieren können, aber nein, dafür ist hier kein Platz. Aber wenigstens sind Frauen nicht die einzige Personengruppe, die hier durch den Dreck vom letzten Jahrtausend gezogen wird. Müsste man Sandler beinahe positiv ankreiden, denn er diskriminiert munter in alle Richtungen. So trifft es jeden irgendwann mal, beinahe schon faire Zustände herrschen in dieser verpixelten Welt.
© Sony
Kommen wir auf Peter Dinklage zurück. Ich sehe ein dass er vermutlich mit "Game of Thrones" eine Menge Geld verdient und sich nicht so viele Gedanken bei der Rollenauswahl machen muss. Josh Gad dürfte dank seiner Beteiligung an "Die Eiskönigin" (er spricht Olaf, den Schneemann) ebenfalls ausgesorgt haben. Besitzt Adam Sandler kompromittierende Videoaufnahmen der beiden, oder wie hat er sie dazu gebracht in diesem Film mitzumachen? Theoretisch würden die beiden für ein, zwei Lacher im Film sorgen, in der Praxis gehen sie im Lärm einfach unter. Michelle Monaghan ist mit Abstand die kompetenteste Person im ganzen Film. Zur Belohnung darf Adam Sandler sie im Minutentakt auf gruselige Weise anbaggern, indem er sie beleidigt. Hat ihm niemand beigebracht dass das so nicht funktioniert? Wurde Adam Sandler einfach nur schlecht erzogen? Wir werden es wohl nie erfahren. 

Das größte Verbrechen, dass dieser Film begeht ist das hinterhältige Meucheln der Hoffnung, seine Lieblingsfiguren aus alten Computerspielen angemessen auf der Leinwand umgesetzt zu sehen. Ab einem gewissen Alter dürften die Zuschauer durchaus noch intakte Erinnerungen an Zeiten haben, in denen sie als Kind Pac-Man durch ein Labyrinth geschickt haben, an Donkey Kong verzweifelt sind oder versucht haben, Frogger über die Straße zu bringen. Mit der Erwartung, diese Figuren nun in all ihrer Schönheit auf der großen Kinoleinwand zu sehen geht man also ins Kino, nur um nach dem ersten Auftreten von Pac-Man enttäuscht zu sein. Von Nostalgie keine Spur, selbst Call of Duty wirkt gegen die hier stattfindende Reizüberflutung wie eine Oase der Ruhe. "Pixels" gibt sich keinerlei Mühe, mit seiner Ausgangslage irgendetwas anfangen zu wollen. Nostalgie hervorrufende Aliens tauchen auf, müssen besiegt werden. Der Mann, der sein Leben lang benachteiligt wurde weil er ein "Nerd" ist, darf seine Krise überkommen, die Trophäenfrau mitnehmen und sich seiner selbst erfreuen. Die Invasion hat keine Konsequenzen, der Film hat kein inneres Konzept, folgt keiner Logik, und so mausern sich knapp 100 Minuten (am Ende gibt es noch eine Szene nach dem Abspann, falls ihr das Kino nicht vorher schon fluchtartig verlassen habt. Und nein, sie ist nicht witzig) zu einer beinahe endlos langen Foltersession.
© Sony
Fazit: Einfach Nichts an diesem Film stimmt. Selbst die geringsten Spuren von Logik sucht man vergeblich. Keine einzige Figur ist auch nur ansatzweise irgendwie sympathisch geraten. Die Prämisse, mit den beliebten Videospielen hausieren zu gehen, verkommt zum schlechten Scherz und wird durch das Effektgewitter ekelhaft offensichtlich betrogen. Adam Sandler macht sein allzu typisches Ding, in dem er abwechselnd gelangweilt ist oder wahllos die Figuren in seiner Umgebung beleidigt. Abgerundet wird diese widerliche Brühe durch eine massive Portion Sexismus, die Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zu schweigsamen, gefügigen Trophäen degradiert. Pac-Man und Konsorten mögen auf dem Papier eine nette Idee gewesen sein, doch ihr Auftreten ist durch die Bank weg enttäuschend. Es wirkt, als ob man als Zuschauer dankbar sein müsste, dass die Figuren auftauchen, mehr leisten könnten und wollen sie alle, Mensch wie Pixelwesen, sowieso nicht. Vermutlich bin ich selbst schuld, denn ich habe mich nach dem Trailer auf diesen Film tatsächlich ein wenig gefreut. Stattdessen gibt es ekelhaftes Gewäsch, aus der untersten Niveauschublade. Fäkalhumorig, offensiv gegen Alles und Jeden und dazwischen einfach nur derb langweilig. Die knapp 100 Minuten investiert man besser in einen neuen Tetris-Highscore oder den Versuch, das "Snow Barrel Blast" Level in Donkey Kong Country 1 zu schlagen, danach hat man wenigstens das Gefühl etwas erreicht zu haben.
  
Infos zum Film

Originaltitel: Pixels
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie, Action, Sci-Fi
FSK:6
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Adam Sandler
Darsteller: Adam Sandler, Peter Dinklage, Kevin James, Josh Gad, Michelle Monaghan, Brian Cox, Jane Krakowski, Sean Bean

Trailer

Filmkritik: Paddington

© Studiocanal
Kurz bevor "Paddington" in den britischen Kinos gestartet ist, habe ich für eine kleine Weile in London gelebt. Und ja, der kleine Bär ist dort drüben wirklich eine Art Nationalheld. Entsprungen aus einem Buch, konnte man ihn in den Wochen vor Weihnachten an jeder Ecke in London antreffen. Zahlreiche Promis haben ihre eigenen Skulpuren designed, namhafte Kaufhäuser haben ganze Ecken für Bären-Allerlei eingerichtet. Stofftiere saßen neben Gläsern voller Orangenmarmelade, daneben gab es blaue Mäntel zu kaufen. An der Paddington Station steht permanent eine Skulpur, die an ihren berühmtesten Besucher erinnert. Und nun hat der höfliche Bär aus Peru seinen eigenen Film. Und auch wenn der Trailer irgendwie grell, laut und vor allem nervig wirkt: der Film ist ein richtiges Juwel sowohl für Kinder (schätze ich jetzt mal) als auch für Erwachsene (da bin ich mir sicher) geworden.Nebenbei gibt sich hier das Who is Who des britischen Kinos die Klinke in die Hand. Gefühlt ist die halbe Darstellerriege aus "Harry Potter" anwesend, der aktuelle Doctor hat eine kleine Rolle und Paddington selbst wird in der Originalversion von Ben Whishaw, der aktuell Q bei James Bond spielt, gesprochen. Der Film kommt diese Woche frisch für eure Heimkinosammlung heraus.

Paddington lebt mit seiner Tante und seinem Onkel im dunkelsten Peru. Vor vielen Jahren war dort ein britischer Entdecker zu Besuch, und seitdem sind die Bären große England-Fans. Besagter Entdecker versprach ihnen auch, dass sie jederzeit in London willkommen wären. Nach einem schrecklichen Erdbeben sieht Tante Lucy sich gezwungen, Paddington nach London zu schicken, bevor sie selbst in ein Heim für alte Bären geht. In London wird Paddington von Familie Brown gefunden und zunächst für eine Nacht in deren Haus aufgenommen. Doch die Ereignisse überschlagen sich, und eine Mitarbeiterin des Naturkundemuseums hat es auf Paddington als besonderes Ausstellungsstück abgesehen...

© Studiocanal
Der Anfang von "Paddington" erinnert zunächst stark an Bambi. Wer also von dort noch ein unverarbeitetes Kindheitstrauma herumschleppt sollte sich vorbereiten. Wenn der kleine Bär dann von seiner Tante mit einem Schildchen um den Hals ("Bitte passen Sie auf diesen Bären auf, Danke") nach London geschickt wird, dann ist das offensichtlich an die Massenverschickung der britischen Kinder im Zweiten Weltkrieg angelehnt. Hier bedient der Film sich sehr an der Buchvorlage, später wandelt er sich dann zu einer Art Origin-Geschichte, in der nach und nach die typische Paddington-Kleidung gesammelt wird. Hier wird schon deutlich, dass der Film bei allem Humor durchaus auch einen ersten Unterton aufweist.

Sobald Paddington dann in London angekommen ist, wird er von Familie Brown, wohnhaft im bunt gemischten Stadtteil Notting Hill, aufgenommen. Während Miss Brown dem Bären aufgeschlossen begegnet und die Kinder sich sowieso eher gleichgültig verhalten (sie sind beide schwer damit beschäftigt, ihre Eltern soooo uncool zu finden), ist Mister Brown gar nicht angetan vom neuen Mitbewohner. Als Risikoplaner ist ein Bär im Haus natürlich auch jenseits von gut und böse und schlicht und ergreifend ein unfassbares Risiko. Es wird also beschlossen, ein neues Zuhause für den pelzigen Gast zu finden. Paddington kennt nur den Entdecker, weiß aber dessen Namen nicht. So versucht die Familie also, den Mann zu finden. Schnell wird aber klar, dass der Bär der Familie wirklich gut tut.

Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass der Film unglaublich viel Spaß macht. Paddington selbst ist richtig gut animiert, man merkt wirklich gar nicht, dass es sich um ein Wesen aus dem Computer handelt. Sein Gesicht zeigt eine Menge Emotionen, und er wirkt nicht wie ein Fremdkörper zwischen all den Menschen. Stattdessen fügt er sich einfach in den Film ein, und es steht zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, dass dort ein Bär in London unterwegs ist. Miss Brown stellt das direkt zu Beginn des Films fest, und das Thema ist danach durch. Auch humortechnisch geht es hoch her. Dabei bedient der Film sich nicht nur einer Stilrichtung, sondern geht mal in Richtung liebenswert-niedlich, um dann im nächsten Moment ziemlich krasse Witze zu präsentieren. Paul King, der vor einer ganzen Weile für die grandiose BBC-Produktion "The Mighty Boosh" als Regisseur tätig war, kann sich hier richtig austoben.
© Studiocanal
Auch die Schauspieler haben eine Menge Spaß. Michael Gambon und Imelda Staunton sprechen Paddingtons Onkel und Tante, und auch Julie Walters als Mrs. Bird und Jim Broadbent dürften von Harry-Potter-Fans wiedererkannt werden. Whovians können sich über eine Nebenrolle von Peter Capaldi freuen, der hier den kauzigen Nachbarn raushängen lässt. Sally Hawkins als Miss Brown ist purer Zucker. Hugh Bonneville hat die Ehre, die Wandlung vom zugeknöpften, viel zu ernsten Vater hin zu einem richtigen Helden für seine Kinder durchmachen zu können. Was an sich ja ein schwieriges Thema ist, aber hier funktioniert das wunderbar. Das liegt nicht nur an der schrägen Rückblende, welche uns die Browns vor ihrem Dasein als Eltern zeigt. Es klappt vor allem so gut, weil der Auslöser für die Wandlung erkannt wird und darauf aufgebaut wird. Und überhaupt, die Kinder sind klasse. Beide sind sie ziemlich clever, kein Stück nervig, dafür aber greifbar und nachvollziehbar. Mrs. Bird ist die neutrale Seele im Haus, welche das Geschehen beobachtet und kommentiert. Und Ben Whishaw spricht Paddington im Original einfach herzerweichend. Freundlich, ein bisschen naiv, sehr höflich und arg gutgläubig; spätestens nach 10 Minuten will man diesen besonderen Bären im eigenen Heim willkommen heißen und ihm ein leckeres Marmeladensandwich anbieten. Oder auch zwei. Oder ein ganzes Tablett voll. 

Aber auch darüber hinaus hat der Film einiges zu bieten. So darf eine Karibikband als äußerst unterhaltsamer, griechischer Chor herhalten. Der restliche Soundtrack fügt sich ebenfalls passend ein: irgendwie verspielt, mal fröhlich, mal dramatisch. Und auch im optischen Bereich gibt es einige Leckerbissen. So scheint man sich die ein oder andere Idee bei Wes Anderson geholt zu haben. Das Haus der Browns wird in der Übersicht gerne mal als aufklappbares Puppenhaus präsentiert, komplett mit Innenleben. Als Kulisse für das unvermeidbare Chaos welches entsteht, wenn ein Bär einzieht, ist es jedenfalls perfekt geeignet. Und im Treppenhaus der Browns befindet sich ein an die Wand gemalter Baum. Dieser wechselt das Aussehen, verliert beipielsweise die Blätter, wenn die Stimmung im Haus auf dem Tiefpunkt ankommt. Es sind diese Kleinigkeiten die Paddington so besonders machen.
© Studiocanal
Der einzige Tiefpunkt in der ganzen Geschichte ist dann tatsächlich die Rolle von Nicole Kidman. Vermutlich wurde sie an Bord geholt, um Zuschauerzahlen außerhalb des UK zu ziehen. Doch ihre Rolle ist im besten Fall einfach nur komplett überdreht, im schlimmsten Fall einfach bösartig. Klar, innerhalb des Films hat sie sehr persönliche Gründe für ihr Verhalten, doch ich persönlich empfand das Verlangen, den Bären zu fangen um ihn auszustopfen und in einem Museum zu präsentieren besonders im Hinblick auf ein junges Publikum doch etwas heftig. Vielleicht wäre es besser gewesen, Peter Capaldi als garstigen Nachbarn die zentrale Rolle des Antagonisten einnehmen zu lassen. Stattdessen arbeiten beide teilweise zusammen und sind somit komplett überzogen. Doch dem Film an sich tut das dann doch keinen Abbruch und es ist wirklich Nörgelei auf kleinstmöglicher Ebene.

Was bleibt ist ein zutiefst britischer Film, der sowohl als lustiger Familienfilm und auch als Migrationsparabel für Erwachsene funktioniert. Das große Kunststück, einen Film für wirklich jeden zu machen, gelingt sehr, sehr selten. Aber dieses knuffige Bärchen schafft diesen Spagat ganz leicht. Tatsächlich mal ein Film bei dem man sagen kann: Groß und Klein werden hier ihren Spaß haben. Wie auf dem Schildchen gefordert wurde, sollte sich um den Bären gekümmert werden. Das schafft dieser Film ganz vorzüglich.

Infos zum Film
Originaltitel: Paddington
Genre: Komödie, Familie
FSK: 0
Laufzeit: 95 Minuten
Regisseur: Paul King
Darsteller: Ben Whishaw, Sally Hawkins, Nicole Kidman, Hugh Bonneville, Peter Capaldi, Julie Walters, Jim Broadbent
Trailer

Filmkritik: Baymax

© Disney
Disney befindet sich schon eine ganze Weile auf dem aufsteigenden Ast, wenn es um Animationsfilme geht. Müsste ich schätzen, dann würde ich sagen dass bereits "Bolt" diesen Aufwärtstrend ins Rollen gebracht hat. Während "Ralph reicht's" sich mit den bösen Jungs aus Computerspielen auseinandergesetzt hat, waren "Rapunzel" und "Die Eiskönigin" zwei erfrischende Versuche, das Thema Disney-Prinzessin ein wenig zeitgemäßer zu verpacken. Und auch sonst läuft es gut im Haus mit der Maus. Superhelden hat man mit den "Unglaublichen" ja eigentlich auch schon mit an Bord. Der Nachfolger dazu steht auf meiner "muss ich unbedingt haben" Liste übrigens ganz weit oben. Als Disney dann Marvel gekauft hat, durften sich wohl ein paar Leute durch deren Katalog arbeiten und Comics finden, die man verfilmen könnte. Irgendjemand ist dabei wohl über die vermutlich relativ unbekannte Reihe "Big Hero 6" gestolpert und hat sich gedacht: Das sieht gut aus, da machen wir einen Film draus. Jetzt handelt es sich natürlich oberflächlich betrachtet um nichts weiter als eine weitere, lupenreine Origin-Story um ein paar unfreiwillige Helden. Also sowas wie Avengers oder die Guardians of the Galaxy, nur für eine jüngere Zielgruppe. Macht das trotzdem Spaß? Ich sage: auf jeden Fall!

Hiro lebt in der Metropole San Fransokyo. Er ist zwar ein ziemlich cleverer Junge, aber auf High School hat er trotzdem nicht so viel Lust. Viel lieber bestreitet er in zwielichten Hinterhöfen Roboterkämpfe. Als er dabei erwischt wird, beschließt sein älterer Bruder Tadashi, Hiro mit in die Schule zu nehmen. Dort trifft er eine ganze Reihe Schüler, die ihre Zeit damit verbringen spannendes Zeug zu erfinden. Für Hiro steht fest: dort möchte er auch hin. Zutritt bekommt aber nur, wer etwas wirklich beeindruckendes erfunden hat. Hiro erfindet die so genannten Mikrobots, die sich durch Gedanken steuern lassen. Doch als er nach einem tragischen Unfall beinahe allein dasteht, lässt er alle Hoffnung fallen. Der einzige, der ihm helfen will, ist Baymax, der große, freundliche und extrem kuschelbare Erste-Hilfe-Roboter...

Sooooo kuschelig. © Disney
Vormachen muss man sich da nix: Am Ende ist "Baymax" auch nur Standardware, über weite Teile vorhersehbar und im großen und ganzen nicht immer so originell, wie er gern wäre. Der deutsche Titel (wer denkt sich so Wörter wie "Robuwabohu bitte aus?), liest sich auch erstmal gewöhnungsbedüftig. Wobei auch der Originaltitel "Big Hero 6" nicht sonderlich innovativ klingt. Aber Baymax, der sticht da angenehm heraus. Groß und offensichtlich zum knuddeln ist der knuffige und freundliche Ersthelfer gebaut worden. Man sieht ihn auf der Leinwand, und eigentlich möchte man nur mal kurz testweise gaaaanz vorsichtig mit einem Finger pieksen, um zu schauen wie weich und knuddelig genau er nun ist. Da er vermutlich knuddeliger und weicher und bequemer ist als alles andere, geht es garnicht anders und man fühlt sich gezwungen, zu kuscheln. Ja, so in etwa. Aber ok, ich schweife ab. Zurück zum Thema. Baymax hat also einen hohen Kuschelfaktor. Ansonsten kann er medizinische Hilfe leisten, Leute auf Probleme scannen und suuuper knuddelig sein. Das Roboter es schaffen, ihr Publikum im Griff zu haben, hat vor einigen Jahren ja bereits Wall-E eindrucksvoll gezeigt. Baymax allerdings interagiert mit den Menschen und seiner Umgebung, und das sorgt für einige Lacher. Teilweise ist es ein sehr physischer Humor, weil Baymax eben groß und etwas sperrig ist. Oft sind es aber auch seine Versuche, mit einem Teenager zu kommunizieren, Stichwort "Fistbump". Doch im Ernstfall ist Baymax zur Stelle und weiß genau, was gebraucht wird. In manchen Momenten wirkt das so, als hätte Disney sich bei der Konkurrenz umgeschaut und einen gewissen Wikingerjungen mit seinem Drachen zum Vorbild genommen, immerhin gibt es auch bei "Baymax" eine sehr eindrucksvolle Flugszene und eine ungewöhnliche Freundschaft. Aber Disney drückt diesen beiden Vorgaben dann letztendlich doch einen eigenen Stempel auf.

Baymax bietet neben einem tollen Hauptdarsteller-Duo aber auch eine Menge weitere Feinheiten. So ist die Optik von San Fransokyo wirklich beeindruckend geraten. Alte Cable Cars fahren durch eine Stadt voller futuristischer Wolkenkratzer, die Golden Gate Bridge hat einen eindeutig asiatischen Anstrich bekommen. Das wäre definitiv eine Stadt, von der ich mehr sehen wollen würde. Spaßig aufgezogen sind auch die Roboterkämpfe zu Beginn des Films, auch davon hätte es gerne mehr sein dürfen. Schön, vor allem da es sich ja um einen Film mit der Zielgruppe Kinder handelt, finde ich, dass ohne einen hohen Bodycount ausgekommen wird. Im Marvel-Universum ist das ja durchaus an der Tagesordnung, und auch bei DC werden gerne mal ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht. Auch "Baymax" liefert ordentliche Action, doch ist das simple Umbringen des Gegners niemals das Mittel der Wahl. Erfrischend ist auch, dass keiner der Teenager irgendwelche besonderen Fähigkeiten hat. Es handelt sich einfach um normale, clevere Kids, die Dinge erfinden und ihr Hirn nutzen, um Probleme zu lösen. Ein sehr gelungener Ansatz, den ich gerne häufiger im Film sehen würde. Lobenswert ist weiterhin, dass nicht zwischen Jungs und Mädchen unterschieden wird. Mädchen sind hier einfach ebenso Forscherinnen, sie sind nicht als langweiliger Love-Interest (der im schlimmsten Fall noch gerettet werden muss) im Film vorhanden, sie treten genauso Hinterteile wie die Jungs. Im Vordergrund steht die Freundschaft, und jeder Einzelne bringt etwas für das Team mit. So gefällt das! Eindrucksvoll ist auch, dass alles was Hiro im Verlauf des Films unternimmt, immer seine Begründung im Verlust des Bruder hat. So wird "Baymax" zwar gegen Ende hin immer mehr zum Einheitsbrei-Superheldenfilm, aber die Motivation des Protagonisten bleibt vorhanden und ist auch für den Zuschauer immer nachvollziehbar.
 San Fransokyo © Disney
Zu den deutschen Synchronstimmen kann ich nichts sagen, doch in der Originalversion sind diese stimmig und lassen sich gut voneinander unterscheiden. Die Bewertungsskala, die Baymax seinen Patienten anbietet, erinnert darüber hinaus ein wenig an den Roboter aus "Moon", den Kevin Spacey synchronisiert hat. Und wer Marvel bereits kennt, der weiß schon Bescheid: Nach dem Abspann kommt noch eine Szene, diese bietet einen wirklich gelungenen Cameo-Auftritt. Also unbedingt sitzen bleiben und noch ein wenig den stylischen Soundtrack genießen, der mit einer gelungenen Mischung aus klassischer Musik, unterlegt mit Electro-Klängen ganz wunderbar zum Film passt. "Baymax" ist, ganz Disney-typisch, ein Film an dem jeder etwas finden kann, was ihm gefällt. Vor allem aber macht er eines, nämlich eine ganze Menge Spaß. Bah-la-la-la-la!

Infos zum Film
Originaltitel: Big Hero 6
Genre: Animationsfilm, Superhelden, Komödie, Action, Drama
FSK: 6
Regisseur: Don Hall, Chris Williams
Synchronsprecher: Ryan Potter, Scott Adsit, Jamie Chung, Genesis Rodriguez, T.J. Miller, Damon Wayans Jr., Alan Tudyk
Trailer


Filmkritik: Teenage Mutant Ninja Turtles

© Nickelodeon Movies
Tja, was soll ich sagen. Eigentlich wollte ich den Film meiden, aber mein Trip zur London Film&Comic Con dieses Wochenende hat mich dann doch irgendwie überzeugt. Vielleicht weil die Turtles an jeder Ecke präsent waren (und meine Handtasche nun nach den Turtles-Duftbäumchen riecht, die dort verteilt wurden. Dummerweise riechen die wie diese Fertigsuppen-Brühwürfel, es ist ziemlich verstörend). Als ich noch ein Kind war, gab es kein Wochenende ohne Turtles. Im Sandkasten lebten meine Spielfiguren, und natürlich war Michelangelo mein Lieblingsturtle. Ich bin mir außerdem relativ sicher, dass die Turtles zumindest Schuld daran sind, dass ich Pizza kennengelernt habe. Pizza lieben kommt ja dann automatisch. Entsprechend verängstigt war ich als ich erfuhr, dass Michael Bay sich die Rechte an meinen Lieblingsschildkröten unter den Nagel gerissen hat. Doch soviel sei vorab verraten: Schlecht ist das keinesfalls gewesen. Ohne weitere Worte also hier nun meine Filmkritik zur neusten Version der Ninjaschildkröten. 



Reporterin April O'Neill hat es nicht leicht. Ihr größter Wunsch ist es, als Reporterin endlich ernst genommen zu werden, doch ihr fehlt eine packende Story. Doch eines Abends wird sie am Hafen Zeugin eines seltsames Vorfalls. Der Foot-Clan, der New York im Griff hat, wird von einem scheinbar übermächtigen Wesen aufgehalten. April versucht, Fotos zu schießen, allerdings ohne Erfolg, und so glaubt ihr natürlich niemand diese irrsinnige. Doch nach einem erneuten Zwischenfall schafft sie es endlich, die mysteriösen Wesen zu treffen: Es handelt sich um vier Schildkröten, die mutiert sind und darüber hinaus ziemlich gut in Sachen Martial Arts unterwegs sind. Doch für langes Kennenlernen bleibt wenig Zeit, denn der Shredder hat einen teuflischen Plan, der die ganze Stadt auslöschen könnte. 
© Nickelodeon Movies
Die Sache mit den Turtles scheint mir vor allem ein Problem des Zielpublikums zu sein. Ich kann mir durchaus vorstellen dass Kinder und Teenager an diesem Film ihre Freude haben werden. Und gewissermaßen sind sie ja auch die Zielgruppe, also müsste man eigentlich sagen dass der Film im Bezug auf die Zielgruppe gut gelungen ist, und das Thema wäre erledigt. Leider haben nun die Turtles aber das Pech, seit vielen Jahren schon eine Institution zu sein, und die meisten Erwachsenen mit einem Hang zur Nostalgie finden es nicht gut, wenn jemand mit ihren liebsten Kindheitserinnerungen (aus ihrer Sicht) Schindluder treibt. Und es gibt sicherlich eine Menge zu kritisieren an diesem Film. Für mich war am stressigsten, dass die Turtles ewig brauchen bis sie überhaupt mal auftauchen. Bis dahin darf man sich mit Megan Fox begnügen, die grandios darin ist einen völlig überforderten Gesichtsausdruck zu präsentieren. So stolpert sie also von Szene zu Szene, ihr Charakter ist leider auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Begleitet wird sie von ihrem Kameramann, der irgendwie zwielichtig von Will Arnett gespielt wird und eindeutig zu scharf auf April ist. William Fichtner ist so offensichtlich der Böse in diesem Spiel, da fehlen selbst mir die Worte. Aber wenigstens hat er scheinbar Spaß an der Sache.

Gottseidank tauchen dann irgendwann auch mal die Schildkröten auf. Ziemlich groß sind sie geraten, und man kann sich natürlich in einer Diskussion um ihre Nasen verlieren, wenn man nichts besseres zu tun hat. Ab hier paart sich nun Hochglanz-Action mit mehr oder weniger lustigen Sprüchen der vier Schildkrötengeschwister. Natürlich hat auch der vollkommen überzeichnete Shredder seinen großen Auftritt, und wie so oft endet die ganze Angelegenheit mal wieder auf dem Dach eines Hochhauses. Zwischendrin explodieren allerhand Dinge, zahlreiche Logiklöcher sind auch anzutreffen und man kann den Fokus garnicht offensichtlicher auf die Rückseite von Megan Fox lenken, als es im letzten Teil des Films passiert. Da hat Regisseur Liebesmann gut bei Großmeister Bay gelernt. Leider ist der Shredder zwar groß und hat eine stattliche Anzahl an Klingen dabei, er bleibt ansonsten aber wirklich enorm blass. Und ob es jetzt nötig ist, Aprils Geschichte so mit der unserer Schildkröten zu verknüpfen, ist auch fraglich. Product Placement spielt natürlich auch eine gewichtige Rolle, zumindest in den USA und im UK findet man nun, nach dem Auftritt im Film, jedenfalls auch für jeden Turtle eine Pizza bei Pizza Hut.  
© Nickelodeon Movies
Neben all dieser kleinen und großen Katastrophen macht der Film aber auch einiges richtig. Die Chemie zwischen den Schildkröten stimmt auf jeden Fall, und Meister Splinter ist nicht nur weise, sondern tritt auch ordentlich Rückseiten. Besondere Erwähnung verdient auch der Vorspann des Films, der in wunderschöner Comicoptik daherkommt. Wenn es dann endlich mal rundgeht in Sachen Action, dann sieht das auch wirklich fantastisch aus und macht enorm Laune. Besonders die Szene am schneebedeckten Hügel ist unglaublich rasant und geizt nicht mit ihren visuellen Reizen. Zwischendrin macht der Film also Spaß, der ein oder andere Lacher ist auch drin. Die Turtles sind schick animiert und mit nur 90 Minuten Laufzeit tut der Film wirklich niemandem weh. Ich würde glatt eine Pizza drauf verwetten, dass uns da mindestens zwei Fortsetzungen bevorstehen, und wirklich dramatisch find ich das nun nicht. Teenage Mutant Ninja Turtles mag vollkommen generischer Einheitsbrei sei, aber es ist immerhin Einheitsbrei mit mutierten Ninja-Schildkröten.

Infos zum Film
Originaltitel: Teenage Mutant Ninja Turtles
Genre: Action, Comicverfilmung, Sci-Fi, Comedy
Laufzeit: 102 Minuten
FSK: 12
Regisseur: Jonathan Liebesmann
Darsteller: Megan Fox, Will Arnett, William Fitchner, Whoopi Goldberg, Jeremy Howard, Noel Fisher, Alan Ritchson, Pete Ploszek, Danny Woodburn

Filmkritik: Drachenzähmen leicht gemacht 2

© Dreamworks
Drachenzähmen leicht gemacht flog im Jahr 2010 auf ledrigen Schwingen in die Kinos und schaffte es mit seinen liebenswerten Drachen, der Geschichte in der sich jeder wiederfinden konnte und einem großen Stück Humor schnell in die Herzen der Zuschauer. Vier Jahre später kommt nun die Fortsetzung ins Kino. Und was den ewigen Fluch der Sequels angeht, so wurde hier alles richtig gemacht um ein Desaster zu vermeiden. Der Film müht sich nicht damit ab, den ersten Film noch einmal aufzugreifen zu wollen. Stattdessen springt er direkt mitten ins Geschehen und traut dem Zuschauer zu, intelligent genug zu sein um der Geschichte folgen zu können. Der große Vorteil von Animationsfilmen ist immer gewesen, dass sie das scheinbar Unmögliche möglich machen. Eine Welt, in der Drachen existieren? In der sie mit den Menschen befreundet sind, und in der man auf ihrem Rücken durch die Wolken fliegen kann? Mal ehrlich, eine Insel voller Drachen, wer würde dort nicht wenigstens mal Urlaub machen wollen? Und wenn ein Film mal eben aus dem Stehgreif beinahe 500 Millionen Dollar einspielt, dann ist eine Fortsetzung, besonders im Animationsbereich, beinahe ein Muss. 



Die Geschichte an sich ist schnell erzählt. Einige Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils sind die Drachen ein fester Bestandteil des Lebens auf der Insel Berk geworden. Sie sind Haustiere, helfen bei der Arbeit, sind Spielgefährten für die Wikinger. Hiccup und Toothless sind mittlerweile ein wirklich eingespieltes Team und immer damit beschäftigt, neues Land zu entdecken. Auf einem Ausflug finden sie neben einer mysteriösen Frau namens Valka, die mehr über Hiccup weiß als er selbst auch eine Gruppe von Drachenjägern. Diese fangen wilde Drachen im Auftrag von Drago Bludvist. Dieser möchte die Herrschaft über alle Drachen erlangen, um so auch die Menschen kontrollieren zu können. Das können Hiccup und seine Freunde unmöglich zulassen. Doch sie lösen einen Konflikt aus, der zunächst nicht lösbar scheint. 

© Dreamworks
Da ich den Film in seiner Originalfassung gesehen habe, beziehe ich mich im Folgenden auch auf die Stimmen der Schauspieler, die in der Originalversion sprechen. Gerard Butler macht einen fantastischen Job als Stoick, der sich nicht nur mit seinem widerspenstigen Sohn, sondern auch mit seiner totgeglaubten Frau arrangieren muss. Er wechselt mühelos zwischen laut und ruhig, entschlossen und betroffen hin und her. Cate Blanchett als Valka wirkt gleichzeitig stark wen sie es sein muss und verletzlich wenn sie es sein kann und liefert einen Gegenpart zu Stoick, der sich in seiner Eigenständigkeit nicht verstecken muss. Überhaupt, diese beiden zusammen sind so ganz beiläufig vermutlich eines der schönstes, weil aufrichtigsten und respektvollsten Liebespaare in den letzten 10 Jahren des Kinos. Und das in einem Film, der sich hauptsächlich an Kinder richtet. Man nehme sich bitte für zukünftige Filme ein Beispiel daran. Jay Baruchel spricht erneut Hiccup und schafft es mühelos mit seiner Stimme deutlich zu machen das er zwar erwachsener geworden ist, aber immernoch über ein oder zwei Unsicherheiten verfügt, die ihn im ersten Teil so liebenswert gemacht haben. America Ferrera spricht Hiccups Freundin Astrid. Wie schon bei den Eltern, ist auch die Beziehung dieser beiden von Respekt erfüllt und Astrid ist eine eigenständige Person, die auch allein zurechtkommt und nicht auf ihren Partner angewiesen ist. Beide ergänzen sich aber großartig, und genau das sollte eine gute Beziehung doch auch irgendwo ausmachen. Die weiteren Neuzugänge Kit Harington und Djimon Hounsou schlagen sich wacker, die etablierten Wikinger Craig Ferguson, Kristen Wiig, und Jonah Hill sind liebenswürdig, frech und laut wie eh und jeh.

© Dreamworks
Optisch bewegt sich Drachenzähmen leicht gemacht 2 auf einem ganz eigenen Niveau. Reiche, tiefe und leuchtende Farben helfen dabei, eine Welt zu erschaffen, in der tatsächlich Drachen leben könnten. Spätestens wenn wir inmitten des sicheren Drachenhorts stehen und die zahlreichen Drachen umherfliegen muss sich Dreamworks kein bisschen hinter den atemberaubenden Bildern des Studio Ghibli verstecken. Überhaupt wirkt die ganze Welt des Films unglaublich lebendig. Gleiches gilt für die Drachen, die sowohl über ihre jeweils ganz eigene Optik verfügen und nebenbei unfassbar liebevoll animiert worden sind. Bis auf den großten Alphadrachen, der geradewegs aus Lovecrafts Kopf entsprungen zu sein scheint und es im Alleingang schafft, zu beweisen dass Drachen durchaus furchteinflößend sein können. Dass er nebenbei noch aussieht als hätten Jabbah und der Kraken aus Fluch der Karibik ein Kind gezeugt....ihr könnt es euch denken. Doch für gewöhnlich überwiegt das Schöne. Es gibt einen Moment im Film, in dem Toothless, kurz nachdem er einen schrecklichen Fehler gemacht hat, zeitgleich Schuld, das Verlangen nach Verzeiheihung und Beileid ins Gesicht geschrieben stehen. Unser liebster Drache seit langem wirkt dabei überzeugender als so mancher Schauspieler. Die armen Schafe, die in diesem Film als Spielbälle und Ablenkungsmanöver herhalten müssen, sind ein Garant für Lacher. Und wenn Hiccup mit Toothless in den ruhigeren Momenten, für die der Film sich die notwendige Zeit nimmt, einfach über die Wolken dahingleitet, bleibt einem nicht viel mehr übrig als sich wohlig seufzend in den Kinosessel sinken zu lassen und die wunderschönen Bilder einfach nur zu genießen. John Powell steuert erneut den Soundtrack bei und viele der wunderschönen Themen aus dem ersten Teil finden sich wieder, während eine besondere Flugszene mit der hypnotischen Stimme von Jónsi, dem Sänger der isländischen Band Sigur Rós unterlegt wurde. Gänsehaut ist also garantiert. Nebenbei wird 3D eindrucksvoll genutzt um den Schlachtszenen am Ende Tiefe zu verpassen. Außerdem finden sich im Film immer wieder Momente, in denen im Hintergrund die Drachen Unsinn verbreiten, während sich im Vordergrund die Menschen unterhalten. Aufmerksame Beobachter dürften hier einiges zu lachen bekommen.

Valka und Stoick sind nicht nur eines der besten Paare auf der Leinwand seit langem. In beinahe schon traditioneller Manier für Dreamworks (man denke an Kung Fu Panda, wo eine Ente einen Panda adoptiert) wird sich auch hier beinahe, aber eben nur beinahe nebenbei mit der Beziehung von Eltern und ihren Kindern auseinandergesetzt. Hiccup, der sich in Berk niemals ganz zuhause gefühlt hat und den Erwartungen seines Vater kaum gerecht werden kann, findet in seiner Mutter und ihrer ruhigen, verständnisvollen Art den Grund, weswegen er so anders ist. Die Idee, dass ein Kind immer eine Mischung aus den Persönlichkeiten seiner Eltern ist, selbst wenn diese nicht an der Erziehung beteiligt sind, ist zwar nicht neu, aber hier wird sie allumfassend erzählt. Nicht nur Hiccup lernt etwas über sich und seine Eltern, auch beide Elternteile gewinnen neues Wissen und finden einen Weg, ihre einstmaligen Differenzen zu überwinden. Dass dies in beinahe kitschiger Disneymanier mit einem gemeinsam gesungenen Lied passiert? Verziehen, denn immerhin handelt es sich um ein keltisches Duett mit allerhand Ecken und Kanten, wenn man sich auch für einen glattgebügelten Song hätte entscheiden können. Zeitgleich hat dieser Film keine Angst, auch für den Zuschauer unangenehmen Grund und Boden zu betreten. In einer Welt voller Drachen hat jede Handlung ihre Konsequenzen, das muss auch Hiccup schmerzhaft lernen. 

© Dreamworks
Generell wird die Unbeschwertheit des ersten Films hier nicht wieder in voller Gänze heraufbeschworen. Ging es im ersten Teil noch darum, Freundschaft zu schließen und Vorurteile zu überkommen, steht diesmal deutlich mehr auf dem Spiel. In seinen härteren Momenten ist Drachenzähmen 2 ein Kriegsfilm mit Opfern auf allen Seiten, in seinen ruhigeren Momenten schimmert die Unbeschwertheit und Leichtigkeit hier und da noch zaghaft durch.  Während im ersten Teil der Verlust eines Fußes beziehungsweise einer Schwanzflosse noch den Höhepunkt auf der Grausamkeitsskala darstellte und die Idee der Sterblichkeit nur leise an die Tür klopfte, wird es im zweiten Teil um einiges ernster. Und wenn dann in einem kleinen Nebensatz noch Comic Relief Gobber the Belch bekanntgibt, wieso er niemals geheiratet hat (Die Streitereien und "diese andere Sache"), dann betritt Drachenzähmen durchaus Neuland im Animationsbereich und ermöglicht vielschichtige Interpretationsmöglichkeiten.

Drachenzähmen leicht gemacht 2 zeigt eindrucksvoll, wie Fortsetzungen gemacht werden sollten. Zwar ist der Drang nach größer, besser, lauter bisweilen vorhanden. Doch diese Wikinger und ihre Drachen tragen ihr Herz vor sich her und lassen uns als Zuschauer teilhaben an ihren Abenteuern, ihren Gefühlen und ihrem Leben. Eine packend erzählte Geschichte voller eigenständiger Figuren, denen man gerne seine Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Das ist mehr, als die meisten Filme, geschweige denn ihre Fortsetzungen, heute vorweisen können. Alle Figuren machen während des Films eine Entwicklung durch, stehen am Ende an anderen Orten als zu Beginn. Wo die meisten Filme sich damit begnügen, am Ende genau dort anzukommen wo sie gestartet sind, traut man sich hier, die Protagonisten von einem neuen Standpunkt aus in ihre Zukunft blicken zu lassen. Wenn es machbar ist, dieses Niveau zu halten, würde ich mich über einen weiteren Film mehr als nur freuen. Vermutlich würde ich mich aber auch sonst freuen, einfach weil es unglaublich viel Spaß macht, ein bisschen Zeit mit den Drachen zu verbringen.

© Dreamworks

Infos zum Film:
Originaltitel: How to train your Dragon 2
Laufzeit: 105 Minuten
FSK: 6
Regisseur: Dean DeBlois
Darsteller: Jay Baruchel, Gerard Butler, Cate Blanchett, Jonah Hill, Kit Harington, Djimon Hounsou, Kristen Wiig, America Ferrera, Craig Ferguson

Filmkritik: Lego Movie

© Warner

Lego dürfte bei vielen Menschen ein elementarer Bestandteil der Kindheit gewesen sein. Und nicht wenige machen damit auch im Erwachsenenalter einfach weiter. Die bunten Steinchen erfreuen sich seit Jahrzehnten an einer enormen Beliebtheit. Nun wagt man seitens Lego also den Großangriff auf das Kino. Das ist, und damit habe ich wirklich nicht gerechnet, ziemlich gut geworden. 

© Warner
Story: Emmet ist ein ganz normaler Bauarbeiter. Absolut nichts an ihm ist irgendwie besonders, niemand weiß etwas nettes oder schlechtes über ihn zu sagen. Eines Abends findet er beim verlassen der Baustelle eine mysteriöse, herumschleichende Frau. Ehe er sich versieht, fällt er (buchstäblich) in ein tiefes Loch, an dessen Boden ein seltsames Bauteil liegt, welches fortan an seinem Rücken klebt. Die mysteriöse Frau, die sich selbst Wildstyle nennt, erklärt ihm, dass er ein Meisterbauer sei, und es eine Prophezeiung zu erfüllen gilt. Der böse Lord Business will nämlich die Welt zerstören, und das muss verhindert werden. Und so bricht Emmet auf zur Reise seines Lebens. 

Kritik: So weit, so gut. Klingt nach einer typischen "from zero to hero" Story, wie sie schon tausendmal erzählt wurde. Aber das muss nichts schlechtes sein. Die Macher von Lego Movie haben sich alle Mühe gegeben und holen aus diesem Konzept das Beste heraus. Aber wenn wir ehrlich sind, sind wir doch eh alle nur hier, weil wir die bunten Steinchen in Action sehen wollen. 

Und was soll man sagen? Es gibt Action bis zum Umfallen, und dann noch ein bisschen obendrauf. Mit einem Kasten voller Legosteine kann man sich ganze Welten erschaffen, wenn man ein wenig kreativ ist. Genau dieses Konzept, die Tatsache dass Alles möglich ist, machen sich die Köpfe hinter Lego Movie zu schaffen. Die Protagonisten brauchen ein Motorrad? Sie bauen es aus der Umgebung. Das Motorrad muss auf einmal fliegen können? Kein Problem, es wird einfach umgebaut. Und weil es keinerlei Regeln gibt, an die man sich halten muss, kann eben auch Batman mal den Wilden Westen besuchen. Oder ein Katzeneinhorn (!) mit seinen Aggressionsproblemen kämpfen. Han Solo kann zum feiern vorbeischauen, Gandalf und Dumbledore können Freunde sein. Zwei (!!) Michelangelos machen auch noch mit. Und endlich erfahren wir, was Superman von Green Lantern hält. Wem das alles noch nicht cool genug ist, der kann sich auf Laserhaie (!!!) freuen. Man muss es sich vorstellen wie eine große Box, in die jemand alles, was jemals bei Lego lizensiert war, hineingeworfen hat. Diese Box wurde dann einmal gut durchgeschüttelt, und heraus kommt Lego Movie. Beinahe jedes Spielzeug seit den 80er Jahren findet seinen Weg in den Film, man hat also eine riesige Freude wenn man "sein" Spielzeug entdeckt.
© Warner
Lego Movie ist dabei kein reiner Kinderfilm. Sicherlich werden die Kleinen ihre Freude an den bunten Steinchen haben. Doch die unzähligen Referenzen auf die Popkultur, die dürften ihnen entgehen. Auch kann man bei genauerem Hingucken durchaus die ein oder andere gesellschaftskritische Ader an dem Film entdecken. Und dass ein wahnsinniger Herrscher alles in seinem Staat, von der alltäglichen Routine bis hin zum völlig überzogenen Kaffeepreis, reguliert und kontrolliert und sowieso am liebsten für immer stillstehen lassen will, kann guten Gewissens auch in die Orwellsche Ecke eingeordnet werden. Klar, letztendlich ist auch Lego Movie nichts anderes als eine 100 Minuten lange Werbung für ein Spielzeugprodukt. Aber im Gegensatz zu Vertretern wie Battleship (Schiffe versenken) oder Transformers hat man sich hier wirklich alle erdenkliche Mühe gegeben, und diese Mühe zahlt sich aus. Nicht nur ist der Film unglaublich erfolgreich in den weltweiten Kinos, er ist es, meiner Meinung nach, auch vollkommen zurecht.

Infos zum Film
Originaltitel: Lego Movie
Erscheinungsjahr: 2014
Genre: Abenteuer, Animation, Komödie
FSK: 0
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Phil Lord, Christoph Miller
Drehbuch: Phil Lord, Christoph Miller
Darsteller: Chris Pratt, Will Ferrell, Elizabeth Banks, Morgan Freeman, Liam Neeson, Will Arnett, Nick Offerman, Chaninng Tatum, Cobie Smulders u.a.

Trailer