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Filmkritik: Jane got a Gun

© Universum Film
Story: Der Traum von einem freien und sorglosen neuen Leben in New Mexico währt für Jane (Natalie Portman) nur kurz. Sieben Jahre nachdem sie mit ihrem Mann Bill „Ham“ Hammond (Noah Emmerich) aus den Fängen der ruchlosen Verbrecherbande der „Bishop Boys“ floh und eine Familie fernab der Zivilisation gründete, holen die alten Dämonen sie wieder ein. Die gefürchtete Bande rund um ihren brutalen Anführer John Bishop (Ewan McGregor) hat das Paar aufgespürt und sinnt auf Vergeltung, denn Ham war einst selbst einer von ihnen. Doch Jane ist fest entschlossen, ihr neues Leben und ihre Tochter mit allen Mitteln zu verteidigen und mit den „Bishop Boys“ abzurechnen. 

Kritik: "Jane got a Gun" hat vor allem eines hinter sich: eine bewegte Produktionsgeschichte. Der Austausch fast aller Darsteller (Aus Michael Fassbender wurde ein immernoch guter Joel Edgerton, Ewan McGregors Rolle gehörte mal Jude Law und dann Bradley Cooper), nur Natalie Portman war von Anfang an mit an Bord. Dann ging das Studio pleite, und eine ganze Weile lag der Film einfach in der Schublade herum. Auch der Kinostart Ende 2015 war mäßig erfolgreich, vermutlich hauptsächlich weil kaum ein Kino den Film zeigte. Ich erinnere mich jedenfalls daran kein Kino in meiner damaligen Nähe gefunden zu haben. Nun gibt es das Western-Drama als für das Heimkino. Und so ziemlich alles daran klingt vielversprechend. Natalie Portman? Geht immer. Western? An sich ja nicht schwer zu inszenieren. Der Titel verspricht dann noch eine Titelheldin, die ordentlich austeilen kann. Oder wofür braucht sie sonst die Waffe?
© Universum Film
Soviel steht fest: Zum Schießen mal sicher nicht. Oder nur kaum. Jane ist, was so ziemlich jede andere Frau in fast jedem Western (Ausnahmen schreibt ihr bitte in die Kommentare, danke) ist: völlig hilflos und aufgeschmissen, wenn kein Mann in der Nähe ist. Als ihr Mann angeschossen und fast tot nach Hause kommt und von der völlig farblosen (ok, McGregor hat die Haare gefärbt) Bishop Boys - Bande redet, macht Jane, was frau eben so macht. Statt ihre Tochter zu schnappen und das Land zu verlassen reitet sie zu ihrem Exfreund. Den schleppt zu ihrem noch immer nicht toten Mann ins Haus, damit alle gemeinsam darauf warten können, von der illustren Bande Banditen gemeuchelt zu werden. Denn wir alle wissen: es gibt nichts Ehrenvolleres und Besseres, als mit einem sinkenden Schiff gemeinsam unterzugehen. Wieso eine blühende, weil lebendige Zukunft für sich und das eigene Kind sicherstellen, wenn man stattdessen einfach sterben kann?

Zwischendrin gibt es Flashbacks, in denen die Beziehung zwischen Jane und ihrem Ex erläutert wird. Also, seine Geschichte. Sein Wille zu helfen wird dadurch ausgelöst, dass Jane Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Und natürlich ist noch eine gute Portion Zwangsprostitution untergebracht, denn Frauen im Western können ja nicht außerhalb des Bordells existieren. In einigen Momenten des Films scheint Jane explizit dieses Thema anzusprechen, wenn sie ihren Ex darauf hinweist dass es nicht immer nur um ihn geht, dass andere Menschen neben ihm auch eine Rolle spielen. Im Gegenzug geht es ihm vordergründig um den Besitz. Also, seinem Besitzanspruch über Jane. Den musste er aufgeben, als er Jane mit einem anderen Mann und einem anderen Kind sah. Denn wir alle wissen, wie sexy es ist, wenn jemand einen so besitzen will. Nicht. In dieser Hinsicht lockt der Film mit dem Versprechen einer starken, unabhängigen Protagonistin, aber er macht sich keinerlei Mühe, dieses suggerierte Versprechen auch nur ansatzweise einzuhalten. 
© Universum Film
Leider ist "Jane got a Gun" aber auch sonst eher im Mittelfeld anzusiedeln. Die Geschichte kommt durch die ständigen Flashbacks beinahe komplett zum Erliegen. Die Figuren sind flach geschrieben, und wenn es nach mehr als 80 Minuten dann doch mal zur Sache geht, dann ist das irgendwie auch egal. Denn vorher fand nichts statt, was die Figuren irgendwie sympathisch oder besonders hassenswert gemacht hat. Visuell ist der Film hingegen schön gelungen, es gibt ein paar tolle Landschaftsaufnahmen und Panoramen. Die Musik bleibt nicht im Ohr hängen, geht aber auch nicht auf die Nerven. Sie ist einfach da, angenehm zurückhaltend. Die Kostüme sind ebenfalls schick, auch wenn mir jemand dringend erklären muss wie Jane es schafft, so weit draußen im Staub sauber und sexy zu bleiben, während alle um sie herum verdreckt sind. Da scheint es dann auch passend, dass sich im schmucken Westerngewand am Ende nichts weiter als eine Liebesgeschichte versteckt, wie sie schon hundert Male erzählt wurde.

Fazit: "Jane got a Gun" lockt mit einem absolut irreführenden Titel. Statt krasser, arschtretender Protagonistin gibt es eine langatmige Liebesschnulze mit hilfloser Natalie Portman im Westerngewand. Das ist nett anzusehen, die Darsteller machen auch durch die Bank weg einen guten Job. Leider bremst der Film sich mit seinen zahlreichen, sonnendurchfluteten Rückblenden aber immer wieder selbst aus, bis er dann vollkommen zum Erliegen kommt. Der Eindruck verbessert sich durch das relativ bleilastige Finale auch nur minimal. Fans des Genres können sicher einen Blick riskieren, denn nach wie vor kommen zu wenige Beiträge in Sachen Western. Ein Paradebeispiel für einen spannenden, gelungenen Film sollte man aber nicht erwarten.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Universum Film (VÖ: 13.5.16) kommt im Amaray-Case mit Wendecover daher. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in sattem, raumfüllendem DTS-HD MA 5.1 vor. Die Abmischung ist gut, die englische Tonspur bevorzugt zwischenzeitlich die Hintergrundgeräusche ein wenig zu sehr, dies bleibt aber noch im Rahmen. Untertitel liegen ebenfalls vor, leider aber nur auf Deutsch. Das Bild ist dem Format Blu-ray angemessen, die Farben kommen gut zur Geltung, die Schwarztöne sind sehr satt, hier flimmert auch in dunklen Szenen nichts.



Infos zum Film

Originaltitel: Jane got a Gun
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 98 Minuten
Regie: Gavin O'Connor
Drehbuch: Joel Edgerton, Brian Duffield, Anthony Tambakis
Darsteller: Natalie Portman, Joel Edgerton, Ewan McGregor u.a.

Trailer


Filmkritik: Hyena Road

© Ascot Elite
Story: Hyena Road erzählt das Schicksal dreier Männer in Afghanistan. Ein Nachrichtenoffizier der kanadischen Armee wird in eine Verschwörung verstrickt, die ihn mit dem Tod und dem Töten konfrontiert. Ein emotionsloser kanadischer Scharfschütze stellt zum ersten Mal eine emotionale Verbindung zu einem seiner Opfer her. Und ein Mudschaheddin, der dem Kampf abgeschworen hat, wird unfreiwillig in den Mittelpunkt des Krieges gegen die Taliban gezogen. Nicht nur überkreuzen sich die Geschichten der Männer, zusätzlich will ein kanadischer General eine Straße durch Afghanistan errichten, um die Taliban endgültig zu zerschlagen. Doch das Vorhaben steht unter keinem guten Stern.

Kritik: Afghanistan ist nach wie vor ein aktuelles Thema, auch wenn zeitweise andere Konfliktpunkte in den Mittelpunkt gerückt sind. Aber rein von der Absicht, das ist deutlich erkennbar, hebt sich "Hyena Road" von den meisten anderen (Anti-)Kriegsfilmen ab. Während zu häufig für nur eine Seite Partei ergriffen wird, um dann das abgenudelte Klischee der heroischen Soldaten, die gegen die barbarischen Gegner ranmüssen, präsentiert "Hyena Road" wenigstens in Ansätzen einen anderen Weg. Eventuell liegt das an der kanadischen Herkunft, jedenfalls sucht man weitestgehend vergeblich nach der sonst üblichen Überdosis Patriotismus. Die ich zwar lang nicht so störend finde, wie viele andere, aber es ist trotzdem auch mal angenehm, wenn es runterreguliert wird. 
© Ascot Elite
Handwerklich ist "Hyena Road" dabei solide. Es wird zwar deutlich, dass nicht unbegrenztes Budget zur Verfügung stand, doch die Sets sind schön gestaltet und auch die Action vermag zu überzeugen, genau wie die Darsteller. Allerdings liegt der Fokus klar auf den einzelnen Figuren. Und hier offenbart sich dann die große Schwäche. Denn am Anfang ist die Figurenkonstellation noch spannend. Routinierte Soldaten treffen auf hoffnungsvolle Neulinge, und auch die Afghanen werden nicht dämonisiert, sondern haben ihre eigenen, nachvollziehbaren Beweggründe. Über keine der beiden Seiten wird geurteilt. Doch diese Distanz entpuppt sich als Fallstrick. So richtig will der Funke nicht überspringen, und die Figuren lassen einen dann auch eher kalt. Zu allem Überfluss musste unbedingt noch eine an den Haaren herbeigezogene Liebesgeschichte mit reingezimmert werden. Die hätte es wirklich nicht gebraucht. 

Diese Leere zwischen den Figuren wird dann ihrerseits von Kameramann Karim Hussein wunderbar eingefangen. Die Landschaft ist karg, und oftmals herrscht im Lager der Soldaten tödliche Langeweile. Auch wird mehr als deutlich, dass der komplette Plan, Afghanistan zu befreien, nicht zu Ende gedacht wurde. Für den Moment, in dem der Konflikt kocht, steht alles auf dem Film. Doch sobald das Gefecht vorbei ist, stellt sich die Frage nach dem "warum". Eine Antwort darauf hat bis heute wohl niemand so richtig gefunden, und diese Essenz fängt "Hyena Road" dann auch ein. So unterhalten sich die Figuren miteinander, gefangen in ihrer militärischen Sprache, aber unfähig, wirklich zu erklären oder auch nur zu verstehen, in was sie da hineingeraten sind. Die Geschichte an sich ist dann vorhersehbar, doch die größere Perspektive, die ist stimmig und wird sonst viel zu selten thematisiert.
© Ascot Elite
Fazit: Die Absicht von "Hyena Road", den Afghanistan-Konflikt aus einer anderen Perspektive zu beleuchten, ist löblich, und in ihren Ansätzen auch gut gelungen. Die Action kann sich ebenfalls sehen lassen und die Kameraarbeit ergänzt die Geschichte auf visueller Ebene äußerst gelungen. Leider funkt es zwischen den Figuren nicht so richtig, die Geschichte ist am Ende doch arg vorhersehbar, und so verfliegt das Interesse zum Ende hin. Für solide Heimkino-Unterhaltung reicht dies aber allemal, und wer sich für das Thema interessiert, wird "Hyena Road" sicher einiges abgewinnen können.

Die Blu-ray: Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite (VÖ: 22.April) kommt im Pappschuber ins Haus. Auf dem ist ein FSK-Aufkleber fest aufgedruckt, das Amaray-Case besitzt aber ein Wendecover. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in sauber abgemischtem DTS-HD MA 5.1 Sound vor. Besonders in den Actionsequenzen überzeugt der satte Sound. Ansonsten ist der Balanceakt zwischen Dialogen und Sound gut gelungen. Untertitel liegen ebenfalls vor, allerdings nur in deutsch. Auch ein paar Extras haben es auf die Scheibe geschafft. Neben dem Trailer-Pflichtprogramm (Originaltrailer zum Film, deutsch synchronisierter Trailer, Teaser, Trailer von anderen, aktuellen Veröffentlichungen von Ascot Elite) gibt es noch drei kurze Featurettes, die Einblick in die Entstehungsgeschichte und Produktion von "Hyena Road" bieten.

Infos zum Film

Originaltitel: Hyena Road
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Kriegsfilm
FSK: 16
Laufzeit: 120 Minuten
Regie: Paul Gross
Drehbuch: Üaul Gross
Darsteller: Rossif Sutherland, Paul Gross, Clark Johnson u.a.

Trailer


Filmkritik: Gods of Egypt

© Ascot Elite
von Philipp M.

Ganz besonders viel Medienaufmerksamkeit konnte Gods of Egypt bereits bei der Veröffentlichung seiner ersten Trailer im November 2015 generieren. Allerdings handelte es sich dabei nicht unbedingt um jene Art von Aufmerksamkeit, die sich Studio und Vertrieb dringend gewünscht hätte: das Projekt wurde unrühmlicherweise mit dem – spätestens jetzt allseits bekannten – Begriff des „Whitewashings“ in Verbindung gebracht. Dass sich Regisseur Alex Proyas nach anfänglicher (und meiner Meinung nach durchaus ehrlich gemeinter) Entschuldigung für dieses „Whitewashing“ nun doch für einen etwas impulsiven Rundumschlag gegen alle Filmkritiker entschieden hat, wird die Ausgangslage des Films für weitere Kritiken nicht verbessert haben.
Trotz dieser ungünstigen Faktoren möchte ich möglichst objektiv an "Gods of Egypt" herangehen und zuerst kurz die vieldiskutierte „Whitewashing“-Thematik ansprechen, denn dabei handelt es sich meiner Meinung nach durchaus um eine problematische Tendenz. Ridley Scott musste für "Exodus: Gods and Kings" (2014) schon ganz ähnliche Kritik einstecken. Dabei hat er zurecht angemerkt, dass häufig auch finanzielle Prozesse des Hollywoodsystems mitverantwortlich sind, die sich massgeblich auf Castingentscheidungen auswirken. Über Sinn und Unsinn solcher Rechtfertigungen lässt sich natürlich streiten. Wo letztlich die Veränderung beginnen muss, bei den Studios oder bei den Castingverantwortlichen, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Eine umfassende Analyse des Problems ist im Rahmen einer Filmkritik kaum möglich, auch wenn dies gerade im Fall von "Gods of Egypt" oft und vergeblicherweise versucht wurde.

Story: Horus (Nikolaj Coster-Waldau), Gott der Luft und des Himmes, soll die Herrschaft über das Land Ägypten von seinem Vater Osiris (Bryan Brown) übernehmen. Am Tag der Krönungszeremonie will jedoch Seth (Gerard Butler), Gott der Wüste, dies vereiteln. Kurzerhand marschiert er mit seiner Armee auf, tötet seinen eigenen Bruder Osiris und entreisst seinem Neffen Horus die frischerlangte Macht sowie beide Augen. Diese sind gerade für Horus speziell wichtig, da ein Grossteil seiner göttlichen Macht in ihnen begründet liegt und er sie unter anderem für die Transformation in seine geflügelte göttliche Mythengestalt benötigt.
Gleichzeitig wird auch die Geschichte des jungen menschlichen Pärchens Zaya (Courtney Eaton) und Bek (Brenton Thwaites) eingeführt. Diese konnten bis anhin glücklich unter der Herrschaft von Osiris leben, was sich jedoch durch Seths Machtergreifung gründlich verändert hat. Götter und Menschen müssen sich dessen neuem grausamem Regime fügen, und so geschieht es, dass Zaya zur Sklavin von Seths menschlichem Chefarchitekten Urshu (Rufus Sewell) wird, während Bek – eigentlich wie schon zuvor – als geschickter und unbemerkter Dieb über die Runden kommt. So gelingt es Letzterem auch, eines von Horus Augen aus Seths Schatzkammer zu entwenden. Aber wie sieht Seths endgültiger Plan aus und kann Horus aus dem Exil zurückkehren und den Frieden in seinem entrissenen Königreich wiederherstellen?
© Ascot Elite
Kritik: Ohne gross abzuschweifen, möchte ich zuallererst die Verwendung und Qualität von computergeneriertern Bildern ansprechen. Bereits mit der Veröffentlichung erster Promobilder und Trailer im letzten Jahr wurde eines unmissverständlich klargestellt: "Gods of Egypt" sollte ganz klar ein visuell betonter und CGI-lastiger Streifen werden. Diese Entscheidung mutet etwas seltsam an, denn gerade noch hat "Star Wars: Episode VII - The Force Awakens" (2015) damit von sich Reden gemacht, dass CGI nur dort eingesetzt wurde, wo es unumgänglich war (zugegebenermassen im Falle von Star Wars immer noch recht häufig). Im Allgemeinen wurde eine solche Rückbesinnung von Fans und Kritikern positiv aufgenommen. Demgegenüber stehen CGI-Feste wie "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (2002), "Clash of the Titans" (2010) oder "Jupiter Ascending" (2015), die unter anderem wegen dem unvernünftigen Ausmass (und der teilweise unzureichenden Qualität) von CGI harsch kritisiert wurden.
In diesem Kontext muss angemerkt werden, dass es bei Gods of Egypt nicht nur Schlechtes zu berichten gibt. Lässt man sich erst einmal auf den 3D-CGI-Klamauk ein, gibt es einige schöne Sequenzen zu bewundern. Seths Pyramide der Sande wurde visuell ebenso hochwertig umgesetzt wie Thoths Bibliothek. Und so übertrieben der allnächtliche Kampf von Ra (Geoffrey Rush) gegen den Dämonen Apophis im Weltall auf der dunklen Seite der flachen Erdscheibe auch erscheinen mag, ich mochte die Szene dennoch.
Tatsächlich scheint der Film aber eine gewisse qualitative Konsistenz des CGIs, die bei einem solchen Unterfangen absolut notwendig wäre, nicht wirklich zu erreichen. Viele Effekte sind – wie bereits erwähnt – durchaus qualitativ in Ordnung, einige sogar hochwertig. Das Problem kommt aber genau dann ins Spiel, wenn einige andere Effekte die Immersion des Zuschauers brechen. Insbesondere empfand ich die Bewegungsanimation der Götterwesen, in die sich die beispielsweise Horus und Seth verwandeln, als holprig. Wohlgemerkt meine ich damit nicht ihre Textur oder den doch recht eindrücklichen Detailreichtum, mit dem sie designt wurden, sondern simpel und einfach ihre Animation, und darunter insbesondere die Sprung- und Flugbewegungen. Da die bedeutendsten Actionsequenzen des Films solche Götterwesen beinhalten, wird das Problem nur allzu deutlich sichtbar.
© Ascot Elite
Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt, nämlich der Story. Wie bei solchen spektakelgeladenen Filmen üblich, tritt sie meist in den Hintergrund und ist eher ein Vehikel, das die Protagonisten von einer Actionszene zur nächsten bringt. So ist es dann auch unumgänglich, dass deren Charakterentwicklung eher unzureichend bleibt. Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass es sich hier um reines Actionkino handelt, weshalb ich auch nicht versuche, diesen Umstand als absolutes No-Go-Kriterium gegen den Film anzuführen.  Generell wurde die Story jedoch über eine viel zu lange Laufzeit hinweggestreckt (127 Minuten), wodurch sich bei mir gewisse Ermüdungserscheinungen ergaben. Die schiere Anzahl an Actionsequenzen (und teilweise auch deren Länge) wirken extrem forciert. Man fragt sich beispielsweise, welchen Zweck die Szene mit den überdimensionalen, feuerspeienden Kobras erfüllen sollte. Sie zeigt meiner Meinung nach gut die Prämisse des Films auf: Eine wahrheitsgetreue Abbildung ägpyptischer Mythologie war nicht nur nie beabsichtigt (falls das dem Zuschauer nach der Einführung der vier Meter grossen, gestaltwandelnden Götter mit goldenem Blut noch nicht aufgefallen war), sondern sollte einer stark überhöhten und auf Hollywood-Actionkino heruntergebrochenen Repräsentation dieser Mythenwelt weichen. Grundsätzlich also genau das, was "Clash of the Titans" zuvor mit griechischer Mythologie versucht hatte. 
Aber kommen wir  noch einmal auf die Figuren und damit auch auf die Schauspieler zurück. Falls so etwas wie eine Charakterentwicklung im Film stattfindet, dann wäre sie bei Horus zu suchen. Dieser ist zwar von Beginn an auf der guten Seite angesiedelt, muss jedoch im Verlauf des Filmes seine Arroganz und sein Überlegenheitsgefühl gegenüber seinem Volk ablegen. Ein Schelm wer in dieser Entwicklung Parallelen zu Coster-Waldaus Rolle des Jaime Lannister aus HBOs "Game of Thrones" sieht. Goldene Rüstungen, fehlende Körperteile (ob nun Augen oder Hände) und Coster-Waldaus Schauspiel stellen sicher, dass man die Ähnlichkeiten nicht übersehen kann. Für mich persönlich hatte dies den merkwürdigen Effekt, dass ich die Figur von Horus besser nachvollziehen konnte, da er für mich effektiv fast zu Jaime Lannister wurde. Es bleibt jedoch höchst fraglich ob dieser Effekt nun als positiv oder negativ zu bewerten ist. Gerard Butler, Courtney Eaton und Brenton Thwaites machen ihre Sache grundsätzlich solide. Dass ihre Figuren eindimensional bleiben ist wohl eher dem Drehbuch als ihrem schauspielerischen Können anzulasten. Was den Humor anbelangt, so wurde die Inkonsistenz des CGIs hier nahtlos weitergeführt. Einige Sprüche brachten mich wirklich zum schmunzeln, andere waren eher grenzwertig oder klischiert.
© Ascot Elite
Fazit: Die Kritik wirkt abschliessend sicherlich etwas unversöhnlich. Ich will jedoch "Gods of Egypt" nicht als durchwegs schlechten Film einordnen. Wen ab und zu ein überwältigendes Bedürfnis nach Action und visuellen Effekten überkommt, das auch mal mehr als zwei Stunden anhalten kann, der wird dem Film sicherlich positive Seiten abgewinnen können. Man sieht durchaus, wo die 140 Millionen Dollar hingeflossen sind, auch wenn das CGI teilweise Schwachstellen aufweist. Die 3D-Umsetzung empfand ich als gelungener als bei den meisten vergleichbaren Filmen. Während ich bei "Clash of the Titans" diesbezüglich nicht viel mehr als ungläubig den Kopf schütteln konnte,  wirkte das 3D hier deutlich angenehmer. Wenn man ohne grosse Erwartungen an "Gods of Egypt" herantritt, kann man sich den Film durchaus zu Gemüte führen, denn es gibt definitiv schlechtere Beispiele aus dem Bereich der Mythologie-Action-CGI-Kracher.


Infos zum Film:

Originaltitel: Gods of Egypt
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Action, Abenteuer
FSK: 12

Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Alex Proyas

Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Darsteller: Brenton Thwaites, Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Geoffrey Rush, Courtney Eaton, Elodie Yung, Chadwick Boseman u.a.



Trailer

Filmkritik: Out of Inferno

© Edel:Motion
Story: Die Brüder Dajun (Sean Lau) und Qiang (Louis Koo) sind seit vier Jahren zerstritten. Ursprünglich arbeiteten beide bei der Feuerwehr. Doch dann stieg Qiang aus und gründete eine Brandschutz-Firma. Durch Zufall trifft er Dajuns schwangere Frau Sile (Sinje Lee) wieder, die im selben Gebäude, in dem er arbeitet, einen Arzttermin hat. Wegen einer defekten Klimaanlage und dem schwülsten Tag seit langem bricht in dem Hochhaus plötzlich ein Feuer aus, welches sich rasend schnell ausbreitet. Bis die Feuerwehr eintrifft, steht fast das gesamte Hochhaus in Flammen. Qiang und Sile sind in den oberen Etagen gefangen. Sie versuchen zu einer der Rettungsleitern der Feuerwehr zu gelangen. Das erweist sich aber als gefährlicher als zunächst angenommen. Dajun trifft derweil ebenfalls am Unglücksort ein und versucht seine Familie zu retten. Steht der familiäre Konflikt der Brüder dabei im Wege und verschärft die lebensbedrohliche Situation für alle Beteiligten?

Kritik: Katastrophenfilme üben ja auf viele Zuschauer einen ganz besonderen Reiz aus. Ich kann mich da keinesfalls als Ausnahme bezeichnen, irgendwie erfüllt es mich mit wirklicher Freude wenn Dinge auf der Leinwand möglichst eindrucksvoll kaputtgehen. In welcher Form die Katastrophe auftritt ist mir dabei auch erst einmal egal, Hauptsache es geht gut rund im Karton. "Out of Inferno" verspricht flammende Action aus China. Mit den Pang-Brüdern auf dem Regiestuhl macht man ja prinzipiell auch nichts verkehrt. "The Eye" oder "Messenger" sind durchaus solide Kinokunst gewesen. Die letzten zehn Jahre war es aber relativ still um die beiden. Nun gibt es also "Out of Inferno" aus dem Jahr 2013 bei uns zu kaufen.
© Edel:Motion
Und so richtig zünden (man verzeihe mir das Wortspiel bitte) will der Film dann am Ende nicht. Die Ausgangslage erinnert schon sehr an "Flammendes Inferno" (immerhin von 1974), im direkten Vergleich schwächelt "Out of Inferno" aber doch ein wenig. Grundsätzlich positiv ist, dass es zahlreiche Figuren im Film gibt. Man hat so zunächst die Qual der Wahl, was die Identifikationsfläche angeht. Allerdings bleiben fast alle Figuren flach, tauchen auf und verschwinden irgendwann sang- und klanglos wieder. Füllermaterial für Flammenaction, wenn man so will. Die beiden Hauptfiguren sind dafür recht anständig ausgeformt und der Konflikt zwischen den beiden Brüdern ist sorgsam herausgearbeitet. Ihre Handlungsmotive bleiben nachvollziehbar, hier ist dann auch der durchaus emotionale Kern verankert. Dazu gesellt sich dann stellenweise auch wirklich fulminante Action. Da wird fleißig geklettert, zwischendurch wird abgestürzt und der Atem kommt da auch vor der Flimmerkiste gerne mal ins Stocken.

Doch wo die Hauptfiguren und einige ausgewählte Actionszenen punkten können versagt der restliche Film leider mehr oder weniger spektakulär. Ich finde es ja schon immer ein wenig kritisch wenn man sich zu sehr an der Optik aufhängt, aber hier scheinen zwischendurch ein paar Pixel beim CGI-Feuerchen unterschlagen worden zu sein. So unpassend, dass es beinahe schon wieder komisch ist, wirkt der Soundtrack. Der könnte glatt für einen deutlich epischeren Film komponiert worden sein und zieht hier einige Szenen knietief in die Lächerlichkeit. Das lässt "Out of Inferno" leider doch massiv in Richtung Mittelmäßigkeit abrutschen.
Fazit: Klare Stärken sind einige ausgewählte Actionszenen und die gut geschriebenen Hauptfiguren, die sich hier gegen die Gefahren der Feuersbrunst behaupten müssen. Leider sind die Nebenfiguren mehr oder weniger zu Zündmaterial degradiert worden. Die Effekte sind durchwachsen und der Soundtrack hat durchaus Potential, den Zuschauer ein ums andere Mal aus der Bahn zu werfen. "Out of Inferno" ist bei weitem kein schlechter Film, aber über anständiges Mittelmaß kommt er ebenfalls nicht hinaus.

Die Blu-ray: Die Blu-ray aus dem Hause Edel:Motion (Erscheinungstermin: 25.3.16) kommt im HD Keep Case daher. Ein Wendecover liegt leider nicht bei. Sowohl die deutsche als auch die chinesische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Der Klang ist in Ordnung, vorhandene Boxen werden gut genutzt. Vor allem wenn das Inferno auf dem Bildschirm tobt knistert es fein aus allen Ecken. Das Bild ist bei schnellen Kameraschwenks stellenweise kurz unscharf, ansonsten aber knackig gelungen. Als Extra gibt es ein kurzes Making-of zu sehen.




Infos zum Film

Originaltitel: Tao Chu Sheng Tian
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Action
FSK: 12
Laufzeit: 107 Minuten
Regie: Danny Pang, Oxide Pang Chun
Drehbuch: Danny Pang, Oxide Pang Chun u.a.
Darsteller: Sean Lau, Ching Wan Lau, Louis Koo, Angelica Lee, Sicheng Chen u.a.

Trailer


Filmkritik: Navy Seals vs. Zombies


© Ascot Elite

Story: Ein Team erfahrener Navy Seals wird in Baton Rouge abgesetzt, um den Vizepräsidenten dort herauszuholen. Denn blutrünstige Horden durchstreifen plötzlich die freundliche Südstaaten-Metropole und greifen jeden an, der ihnen über den Weg läuft. Erst vor Ort erleben die Männer, dass ihre Gegner übermenschlich starke Kreaturen mit unstillbarem Hunger nach Menschenfleisch sind. Ein Virus hat die Bewohner verwandelt. Rasend schnell greift die Infektion um sich. Kann es überhaupt einen Ausweg geben, wenn sich eine ganze Stadt voller Zombies gegen ein paar Elitesoldaten stellt?

Kritik: Von einem Film der "Navy Seals vs. Zombies" muss nun wirklich niemand, aber auch gar niemand, irgendwas hochkarätiges erwarten. Aber, und das haben diese "vs." Paarungen so an sich, der geneigte Zuschauer verspricht sich Action. Wenn ich also mit dem schönen Versprechen, ein paar Soldaten beim Aufräumen einer Horde Untoter zuschauen zu dürfen, angelockt werde, dann will ich auch saftiges Geschnetzeltes bekommen. Dazu handelt es sich um den ersten Film mit 80er Legende Michael Dudikoff. In freudiger Erwartung schmiss ich also die Scheibe in den Player und fing an, mich durch meine Auswahl an Snacks zu futtern.
© Ascot Elite
Allerdings stellt sich hier bald Ernüchterung ein. Es dauert gute 30 Minuten bis die Seals mal ihr Ausbildungscamp verlassen. Eine pathetische Rede vom Neuzugang muss man auch noch ertragen, aber dann geht es endlich rund in Baton Rouge. Oder halt auch nicht. Endlose Aufnahmen von Kommandozentralen (hat Michael Bay seine Finger im Spiel?) werden vermischt mit einer Stadt, die verdächtig leer ist. Also dafür, dass Horden von Zombies dort unterwegs sein sollen. Aber egal, die Seals haben nicht umsonst trainiert und dürfen jetzt endlich mal ran an den Speck die Zombies. Scheinbar war aber nicht so viel Budget da, denn insgesamt sind vielleicht 12 Zombies im Film zu sehen, und nicht alle wurden wirklich überzeugend bearbeitet. Für ein oder zwei gruselige Nahaufnahmen der überraschend schnell laufenden Zeitgenossen reicht es dann aber doch. Irritierender ist definitiv, dass im Kampf meist nur die Soldaten zu sehen sind. Da wird dann munter ins Nichts geballert. Digitale Effekte aus der Grabbelkiste schmerzen beim Anschauen. Kein Geld für Feuer, kein Geld für Fake-Munition und kein Geld für richtig coole Explosionen (Michael Bay hat wohl doch nichts damit zu tun). Auch die Farbgebung ist gewöhnungsbedürftig, denn der Film kann sich nicht entscheiden ob er kühle Blautöne oder doch lieber irgendwas in Richtung Grün liefern will. Das Cover wirbt mit richtigen Navy Seals, geborene Schauspieler sind da allerdings eher nicht dabei. Die Zivilisten stressen aber deutlich mehr.

"Navy Seals vs. Zombies" macht aber auch ein paar Dinge richtig. Der Kameramann hat sich sichtlich Mühe gegeben und findet ein paar ziemlich gute Perspektiven. Es wird sich Zeit genommen um zu ergründen wieso das Zombievirus ausgebrochen ist und die Eigenheiten der Zombies werden ebenfalls erläutert. Das Drehbuch an sich ist schön straff. Man verzichtet auch darauf, Baton Rouge durch generische Hinterhöfe zu ersetzen, und zumindest was die Kulissen angeht kann sich das hier schon sehen lassen. Letztendlich nimmt der Film sich aber schrecklich ernst, was gerade angesichts der sichtbaren finanziellen Mängel ein Problem ist.

Fazit: Bei der Vielzahl an Zombiefilmen, die durch alle Preissegmente hindurch erscheint ist "Navy Seals vs. Zombies" nun wahrlich kein Hochkaräter. Der Film nimmt sich viel zu ernst, macht zwar ein paar Dinge richtig und hat immerhin für knapp 5 Minuten Michael Dudikoff an Bord, das war es dann aber auch schon. Hier und da blitzt das Potential durch, das diese Geschichte gehabt hätte wenn ein bisschen mehr Geld, bessere Darsteller und Sinn für Humor involviert gewesen wären. Doch der fertige Film ist dann doch eher ärgerlich, selbst wenn man mit niedrigen Erwartungen an die Sache herangeht.

Die Blu-ray: Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite kommt im Pappschuber mit aufgedrucktem FSK-Aufkleber ins Haus. Die Hülle selbst hat dann ein Wendecover. Sowohl die Deutsche als auch die Englische Tonspur liegen in DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Da die Zombies meist aus dem Off agieren liefern bei entsprechendem Boxeneinsatz die Seiten angenehm matschige Zombiegräusche. Das Bild ist zu Beginn noch recht sauber und kontrastreich, sobald die Seals aber im Einsatz sind verschwimmt es gerne mal. Untertitel liegen in Deutsch vor, neben ein paar Trailern hat es noch ein kurzes Behind the Scenes Featurette auf die Scheibe geschafft. Im Handel ist der Streifen ab dem 18.3.16 erhältlich.

Infos zum Film

Originaltitel: Navy Seals vs. Zombies
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action
FSK16
Laufzeit: 97 Minuten
Regie:Stanton Barrett
Drehbuch: Matthew Carpenter
Darsteller: Stephanie Honore, Michal Dudikoff, Ed Quinn, Rick Fox u.a.

Trailer

Filmkritik: Deadpool

© 20th Century Fox
Story: Bei Wade Wilson (Ryan Reynolds) läuft es eigentlich gut. Der Söldner verdient sein Geld auf leichte Art und Weise und dann lernt er mit Vanessa (Morena Baccarin) die Liebe seines Lebens kennen. Doch dann wird bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert. Er entschließt sich zur Teilnahme an einem geheimen Programm, welches Heilung verspricht. Doch stattdessen mutiert er unter der Behandlung von Ajax (Ed Skrein) und verfügt ab sofort über rasend schnelle Selbstheilungsfähigkeiten. Es ist also Zeit für einen Rachefeldzug, denn Ajax verfolgt ziemlich finstere Pläne.

Kritik: Lange mussten die Fans des Söldners mit der großen Klappe auf einen eigenen Kinofilm warten. Der missglückte Auftritt in "X-Men Origins: Wolverine" entpuppte sich vor Jahren als Debakel. Wie gut, dass Ryan Reynolds an der Sache dran geblieben ist und beinahe 10 Jahre damit verbracht hat, für eine Umsetzung des derben Comicmaterials zu sorgen. Ein paar Minuten geleaktes Testmaterial, unzählige Trailer und Videokampagnen später strömten die Fans nur so ins Kino. Bereits einen Monat nach Kinostart blickte der Film mit der hohen Altersfreigabe (ab 16 bei uns, R-Rating in den USA) bereits auf fast 670 Millionen Dollar Umsatz. Es scheint also einiges richtig zu laufen für 20th Century Fox. Da Deadpool theoretisch zu den X-Men gehört liegen die Rechte an dieser Marvel-Figur nämlich bei Fox. Das hindert Deadpool allerdings nichts daran, Seitenhiebe in alle möglichen Richtungen auszuteilen. Aber gehen wir der Reihe nach.
Fassungslos: Deadpool © 20th Century Fox
Die grobe Marschrichtung wird gleich in den ersten Minuten des Films klar. Zu oberkitschiger Musik gibt es die Eröffnungsszene in Zeitlupe. Statt den Namen der Beteiligten bekommen wir locker flockige Beschreibungen ihrer Arbeit zu lesen. Eine Zeitschrift mit Ryan Reynolds und dem Vermerk "Sexiest Man Alive" fliegt durch das Bild. Und ehe wir uns versehen sind wir mittendrin im Geschehen und begleiten Deadpool auf seinem Rachefeldzug. Zwischenzeitlich wird in Rückblenden aufgearbeitet wie es zur aktuellen Lage kam. "Deadpool" macht dabei eine Menge richtig. Der Soundtrack von Junkie XL (der auch bei "Fury Road" schon für erfreute Lauscher sorgte) fetzt. Die restliche Auswahl an Songs ist eigenwillig, aber eindrücklich. Die ersten Überraschungen lassen auch nicht lange auf sich warten. Wer hätte innerhalb eines solchen Filmes schon eine der angenehmsten Liebesgeschichten der letzten Zeit erwartet? Wade und Vanessa pokern mit ihrer traumatischen Kindheit um Mitleid, leben eine völlig entspannte Beziehung in jeder Hinsicht und verstehen sich blendend. "Your crazy matches my crazy" hält als Erklärung her, und wenn wir mal ehrlich sind: aus viel mehr besteht das Geheimrezept für eine funktionierende Beziehung doch nun wirklich nicht. Man findet jemanden der zu einem passt, der einen akzeptiert und im besten Fall gleich bescheuert ist. Bingo, Bahn frei für ein Happy End. Dass der Film darüber hinaus die Beziehung der beiden in einer schrägen Montage aus Sexszenen, angepasst an verschiedene Feiertage im Jahr, präsentiert, ist erfrischend: endlich ist Sex in einem Film mal nichts, was sich unter Bettdecken und Tonnen von Scham zu verstecken hat.

Beste Lovestory ever! © 20th Century Fox
Natürlich kommt vor allem der Spaß hier wirklich nicht zu kurz. Der eine oder andere wirklich infantile Witz hat sich eingeschlichen, keine Frage. Vor allem die unendlich vielen popkulturellen Referenzen zünden aber. Da darf man sich auch schon mal fragen ob die Eltern aus "Taken" 1-3 nicht einfach die miesesten Eltern überhaupt sind, wenn jeden Film jemand aus der Sippe entführt wird. Auf Deadpools Beziehung zu den X-Men wird ebenfalls eingegangen. Colossus (gesprochen von Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (benannt nach einem Song von Monster Magnet, gespielt von Brianna Hildebrand) vertreten die restlichen Mutanten. Colossus würde Deadpool wirklich gerne für die X-Men rekrutieren, Negasonic Teenage Warhead ist eigentlich einfach nur eine gelangweilte Teenagerin. Die Darsteller gehen allesamt in ihren Rollen auf und es tut gut, Leuten zuzusehen die Spaß an ihrer Arbeit haben. Wer im dritten Akt aufpasst bekommt noch ein, zwei mächtige Seitenhiebe aufs Marvel Cinematic Universe mit auf den Weg, und eine Szene nach dem Abspann darf natürlich auch nicht fehlen. Beim freizügigen Einsatz von derbem Humor lässt Deadpool es sich natürlich nicht nehmen, regelmäßig mit dem Publikum zu sprechen. Auch bekannt als das Durchbrechen der vierten Wand (im Theater die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum), wird effektiv jede Distanz zum Film weggebrochen, die Sache ist direkt persönlich. Das sorgt natürlich für weitere Gags. Die mögen nicht immer alle sitzen, aber eine Komödie mit so hoher Gagdichte, bei der jeder Witz tatsächlich zündet muss auch erst noch gedreht werden.

Zwei weitere Dinge sind ebenfalls angenehm. Zum einen verzichtet "Deadpool" auf den Bombast, den die meisten anderen Comicverfilmungen mittlerweile mit sich herumschleppen. Hier geht es nicht darum die Welt zu retten. Es geht darum dem Typen eins reinzuwürgen, der dein Leben über den Haufen geworfen hat. Keine Aliens, keine Superwaffe, keine sonstige Art von massiver Bedrohung. Und während sich darüber lustig gemacht wird wie missglückt Deadpool nach seiner Transformation aussieht ist es doch relativ vielsagend dass ein Großteil seiner Krise daraus resultiert dass er denkt, er wäre nicht länger gut aussehend genug für seine Freundin. Vielleicht ist es zu viel Interpretation für eine Comicverfilmung, aber mir gefällt diese Idee ausgesprochen gut. 


Lustlose Teenager © 20th Century Fox
Ganz rund läuft bei "Deadpool" dann aber doch nicht alles. So fesselnd die Geschichte ist, am Ende haben wir es doch nur mit einer weiteren Origin-Story zu tun. Innerhalb dieser Geschichte ist die Handlung dann auch recht schmal: Typ verliebt sich in tolle Frau, wird mit Krebs diagnostiziert, wird zum Mutanten und kämpft, um seine Frau zu beschützen. Mit Ajax, gespielt von Ed Skrein (bei dem ich mir nicht sicher bin ob er neuerdings undeutlicher redet oder sein britischer Akzent als Witz so dermaßen übertrieben ist dass man ihn teilweise nicht versteht) reiht sich dann noch der nächste, recht farblose und generische Bösewicht in den Reigen der Comicverfilmungen ein. Der Typ schiebt sich einen Film, weil jemand seinen richtigen Namen erfahren hat? Ich schätze, Leute sind schon wegen unbedeutenderer Dinge ausgeflippt. Das sind aber letzten Endes Kleinigkeiten, die man "Deadpool" nicht wirklich zur Last legen kann, denn Spaß macht der Film allemal.


Fazit: "Deadpool" ist laut, hat ein freches und extrem loses Mundwerk, sitzt mit dem Finger viel zu schnell am Abzug und teilt 100 Minuten kräftig in alle Richtungen aus. Fans des Comics kommen also voll auf ihre Kosten. Wer den bisherigen, doch eher kuscheligen Kurs den die X-Men gefahren sind schon als zu hart empfindet, der wird hier Probleme kriegen. Alle anderen bekommen zwar in ihren Grundzügen nur eine weitere, dafür aber extrem kurzweilige Superhelden-Origin-Story, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Inwieweit da jetzt der Hype um einen Publikumsliebling, das clevere Marketing oder die Altersfreigabe dran schuld ist? Völlig nebensächlich wenn das fertige Produkt so viel Laune macht.

Infos zum Film
Originaltitel: Deadpool
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Comicverfilmung, Action, Komödie
FSK:16
Laufzeit:109
Regie: Tim Miller
Drehbuch: Paul Wernick, Rhett Reese
Darsteller: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, Gina Carano, T.J. Miller, Brianna Hildebrand, Stefan Kapicic u.a.

Trailer

Filmkritik: Mission: Impossible 5 - Rogue Nation

© Paramount
Story: Nachdem das Pentagon die IMF (Impossible Mission Force) aufgelöst hat, ist Ethan Hunt ohne jegliche Unterstützung der Regierung dem geheimnisvollen „Syndikat“ auf der Spur. Dieses erweist sich bald als sein bislang mächtigster Gegner. Oberstes Ziel der Untergrundorganisation aus hochqualifizierten Spezialagenten ist es, die ehemaligen Mitglieder der IMF auszulöschen und durch skrupellose Anschläge eine neue Weltordnung zu schaffen. Um das „Syndikat“ aufzuhalten, muss Hunt sein einzigartiges Team erneut versammeln.

Kritik: Tom Cruise. Entweder man hasst ihn, oder man liebt ihn. Egal zu welcher Gruppe man sich zählt, es ist kaum zu bestreiten dass der Mann für seine Filme alles gibt. Motorrad fahren, auf Hochhäuser klettern, sich an Flugzeuge hängen: Kein Thema für Cruise. Der "Mission Impossible" Reihe tut das ziemlich gut, weil man sich kaum fragen muss wie die Actionszenen nun zustande kamen, man hat zu keiner Zeit diese nervigen "und das haben jetzt 20 Stuntmen für ihn machen müssen" Gedanken. Und mit "Rogue Nation" wird natürlich wieder bewiesen, was Cruise alles kann. Es handelt sich aber keinesfalls um eine One-Man-Show, und auch das ist erfreulich. 

© Paramount
Die Story ist dabei natürlich irgendwie nebensächlich. Eine große Organisation taucht auf, niemand glaub Ethan Hunt und ehe er sich versieht ist der IMF aufgelöst, er ist staatenlos und wird gesucht. Aber Tom Cruise lässt sich nicht so einfach fangen. Bei seiner eigenen Mission trifft er auf Ilsa Faust, mit viel Raffinesse von Rebecca Ferguson gespielt. Sie ist ein perfektes Ebenbild für Ethan Hund, ähnlich vielseitig begabt wie er. Zu Beginn spielt die Oper "Turandot" eine wichtige Rolle, und die Musik daraus wird im weiteren Soundtrack immer wieder verwendet. Eine schöne Idee, die das Verhältnis der beiden Figuren gut wiederspiegelt. Überhaupt, die Oper. Bereits der unterschätzte "Ein Quantum Trost" nutzte das Opern-Setting gekonnt für sich aus, und auch hier wird der Opernbesuch zur nervenzerfetzenden, sekundengenau getakteten Angelegenheit. Regisseur McQuarrie hat verstanden wie man eine Kulisse wirklich gut nutzt und es macht verdammt viel Spaß zuzuschauen. Hier wurde auch schon bei der Werbung clever gehandelt. Die Flugzeugszene aus dem Trailer eröffnet den Film und sie ist natürlich einfach nur da um zu zeigen dass Tom Cruise nicht nur an Wolkenkratzern hochklettern kann, sondern eben auch an einem Flugzeug hängen kann. Man behält in den Actionszenen einen guten Überblick, selbst wenn es in ein Gefecht mit Messern geht weiß man jederzeit wo man gerade ist. Die Schnitte sind schnell, aber nicht zu hektisch, und man fiebert mit, hat aber nicht dieses ätzende Gefühl gleich vom Stuhl zu kippen weil die Hektik sich mal wieder unkontrolliert ausbreitet. Für möglichst spektakuläre Kulissen wird natürlich wieder um die halbe Welt gereist, was eigentlich ja totale Nebensache ist. Aber wenn man schon die Chance hat eine spektakuläre Verfolgungsjagd in Casablanca zu inszenieren, wieso sollte man dann woanders hingehen? Eben.

© Paramount
Natürlich dreht sich aber nicht alles um Cruise. Sein Team braucht zwar einen Moment bis es vollzählig um ihn herum versammelt ist, das Zusammenspiel stimmt dann aber. Simon Pegg darf als Benji auch mal ins Feld. Jeremy Renner ergänzt sich vor allem mit Alec Baldwin sehr gut und legt einen herrlich trockenen Humor an den Tag. Ving Rhames ist irgendwie anwesend, seine Rolle bleibt ein wenig schwammig. Sean Harris ist ein aalglatter Gegenspieler, der einem durch seine schleimige Art die Haare zu Berge stehen lässt. Besonders schön ist das allen Beteiligten bewusst ist was für ein Drahtseilakt Agentenfilme sind. Mit den kunstvollen Portraits die Hunt in zehn Sekunden von seinen Gegnern anfertigen kann, den Masken, den Gadgets und der Tatsache dass Cruise nicht der größte aller Menschen ist (also, rein auf die Körpergröße bezogen, niemals würde ich mich trauen Tom Cruise irgendwie zu beleidigen. Der Mann hängt sich an Flugzeuge, verdammt!) wird eine ganze Armada an potentiell lächerlichen Begebenheiten aufgefahren. Aber genau wie die Figuren im Film nimmt man die meisten Sachen einfach als gegeben hin, immerhin ist Ethan Hunt seit 20 Jahren im Geschäft und vermutlich kann er mittlerweile wirklich alles. Ich bin mir nicht sicher ob irgendein anderer Schauspieler diese Rolle übernehmen könnte und sie glaubwürdig rüberbringen könnte. Hier und da wird dann auch eine etwas schräge Schiene von Humor bedient, so wird die ganze Sache dann zu einer recht lockeren Angelegenheit, bei der man entweder mit der großartigen Action mitfiebert oder wirklich mal was zu lachen bekommt. Ein Sommerblockbuster durch und durch, da verzeiht man auch gerne dass zum Finale hin die Luft ein wenig fehlt und die Action sich teilweise zu wiederholen droht.

Fazit: "Mission Impossible: Rogue Nation" fährt große Geschütze auf. Die Action ist stimmig inszeniert, Cruise macht seine Stunts wie gewohnt selbst. Sein Team harmoniert wunderbar mit ihm und sorgt dafür dass aus "Rogue Nation" keine Ein-Mann-Show wird. Neuzugang Rebecca Ferguson überzeugt ebenfalls, der Gegenspieler ist zwar austauschbar, das wird aber durch einige durchaus pointierte Aussagen, die der Film machen will, gut wettgemacht. Nein, um die unmöglichen Missionen muss man sich wirklich keine Sorgen machen, hier wird viel geboten und etwaige Schwächen werden gekonnt einfach ignoriert. Spaß macht die Sache auch noch, was will man mehr?

Die Blu-ray: Die englische Tonspur kommt in DTS-HD MA 5.1 Ton daher, die deutsche (und zahlreiche weitere) Tonspuren liegen in Dolby Digital 5.1 vor. Beide Tonspuren sind aber klangstark gelungen und nutzen alle gegebenenfalls vorhandenen Boxen raumfüllend aus. Die Abmischung ist ebenfalls gut gelungen und die Dialoge sind klar verständlich und werden kaum von der Musik übertönt. Untertitel gibt es in zehn verschiedenen Sprachen. Das Bild ist schön scharf, die Farben sehr kontrastreich, auch die Schwarztöne sind satt und dunkel gelungen und flimmern vor allem nicht. Auch mit Extras wird nicht gegeizt. Mehr als 45 Minuten Bonusmaterial warten darauf, entdeckt zu werden. Es gibt Audiokommentare von Tom Cruise und Regisseur Christopher McQuarrie, besonders sehenswert sind aber die zahlreichen Featurettes die sich unter anderem mit den verschiedenen Stunts des Films beschäftigen. Für Sammler liegt darüber hinaus ein Wendecover bei.


Infos zum Film

Originaltitel: Mission: Impossible 5 - Rogue Nation
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Abenteuer, Thriller
FSK: 12
Laufzeit: 132 Minuten
Regie: Christopher McQuarrie
Drehbuch: Christopher McQuarrie, Bruce Geller
Darsteller: Tom Cruise, Simon Pegg, Jeremy Renner, Rebecca Ferguson, Ving Rhames, Alec Baldwin, Sean Harris

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Filmkritik: Sicario

© StudioCanal

Story: Der Drogenkrieg beherrscht seit Jahren den Grenzbereich zwischen Arizona und Mexiko. Nachdem die idealistische FBI-Agentin Kate im Geheimversteck eines Drogenkartells einen grausamen Fund macht, meldet sie sich zu einer internationalen Task-Force um Jagd auf die Drahtzieher zu machen. Ihr erster Einsatz führt Kate direkt in das umkämpfte Grenzgebiet, wo sich ein routinierter Gefangenentransfer innerhalb von Sekunden als gefährlicher Hinterhalt entpuppt. Nur durch die Hilfe des ebenso skrupellosen wie kampferprobten Söldners Alejandro kann sie entkommen. Bei der nächsten Geheimoperation trifft sie Alejandro wieder, der wie sie Bestandteil einer Spezialeinheit ist. Doch bald wird klar, dass er zusammen mit anderen Mitstreitern eigene Pläne verfolgt. Kates moralische Überzeugungen werden einer harten Prüfung unterzogen, als die Grenzen zwischen Gut und Böse im Laufe der Operation zusehends verschwimmen…

Kritik: Denis Villeneuve mausert sich zum Garanten für Thriller, die immer ein wenig an die Werke von David Fincher erinnern, aber durchaus einen eigenen Stempel aufgedrückt haben. Nun beglückt er sein williges Publikum mit "Sicario" und schwimmt damit ganz oben auf der diesjährigen Welle um den Drogenkrieg an der mexikanischen Grenze mit. Egal ob Pablo Escobar im eher mittelmäßigen "Paradise Lost" oder in der bombenstarken Netflix-Serie "Narcos" seine Drogen unters Volk bringt oder wir uns mit "Gomorrha" nach Italien begeben, das Publikum scheint Interesse am Thema zu haben. Nach "Prisoners" arbeitet Villeneuve hier erneut mit Kameramann Roger Deakins zusammen, die beiden mausern sich langsam aber sicher zu einem meiner ganz persönlichen Dreamteams. Und "Sicario" ist dann auch ein filmgewordener Alptraum, der einen recht schnell packt und dann gnadenlos mit in den Abgrund reisst.

© StudioCanal
"Sicario" ist dabei unfassbar frustrierend anzusehen. Nicht nur ist das Thema ein äußerst unschönes, der Film hat auch eine sehr spezielle Art mit seiner Protagonistin umzugehen. Wer hier mit der Annahme herangeht es mit einer weiteren, toughen weiblichen Hauptrolle zu tun zu haben dürfte bitter enttäuscht werden. Kate, unverschämt gut von Emily Blunt gespielt, mag vielleicht zu Beginn des Films noch die Kontrolle über die Dinge haben. Doch das sieht spätestens am Ende ganz anders aus, wenn sie überhaupt nur noch zwei Möglichkeiten hat aus der ganzen Sache herauszukommen. Den ganzen Film über wird sie belogen und benutzt, und als Zuschauer lehnt man sich mit der gleichen Unwilligkeit auf die auch Kate an den Tag legt. Aber es ist vergeblich. Sie gerät beinahe zur Randfigur, und ihrem Kollegen Reggie (Daniel Kaluuya) geht es nicht anders. Und doch bleibt man fasziniert, was neben Blunts toller Leistung vor allem an Josh Brolin und Benicio del Toro liegt. Ersterer ist so dermaßen mysteriös und gleichzeitig wichtig dass er in geheimen Meetings mit Flipflops aufkreuzen kann ohne dass es jemanden stört. Del Toro ist größtenteils schweigsam und seine Rolle wird erst im Verlauf des Films klarer. Darstellertechnisch, das wird ganz schnell klar, wird hier absolut auf die richtigen Zugpferde gesetzt. Kate ist lange nicht klar wer eigentlich das sagen hat oder für wen sie nun arbeitet, und ihre Verwirrung überträgt sich auf den Zuschauer. Das ist ebenfalls frustrierend, sorgt aber auch dafür dass man sich der magnetischen Sogwirkung des Films nur schwer entziehen kann.

© StudioCanal
"Sicario" kommt allerdings nicht ganz ohne Schwächen aus. Besonders im Mittelzeit zieht sich die Geschichte ein wenig, wirkt der Soundtrack von Jóhann Jóhannsson stellenweise ein bisschen zu dick aufgetragen. Auch an den Luftaufnahmen hat man sich irgendwann satt gesehen. Doch das ist alles nur das Luftholen zwischen zwei Gewitterfronten. Denn "Sicario" zeigt gleich zu Beginn wie der Hase läuft. Bereits der erste Ausflug über die mexikanische Grenze ist pures Adrenalin. Wir befinden uns in einer Welt in der andere Gesetze gelten, in einer Welt in der Leichen am Straßenrand aufgehängt werden, als Mahnmale. Die Fahrt im Auto wird zur nervlichen Zerreissprobe, der Stau, in den die Gruppe auf dem Rückweg gerät, zu einem einzigen Alptraum. Gegen Ende des Films, wenn sich so langsam das ungute Gefühl einstellt dass man die ganze Zeit auf der völlig falschen Spur unterwegs war packt Kameramann Roger Deakins noch einmal ganz tief in die Trickkiste. Nachtsichtgeräte durchdringen kaum die Dunkelheit. Und es handelt sich auch nicht um diese seltsame Form von beleuchteter Dunkelheit, die einem so oft im Film begegnet. Ab und ab sieht man die Umrisse einer Figur vor dem nächtlichen Himmel, oft wird man aber alleingelassen. Und am Ende steht eigentlich nur eine Frage: wieviel Sinn macht es, sich an einem Krieg zu beteiligen der niemals enden wird, den man niemals gewinnen oder verlieren kann? Spätestens hier macht es auch Sinn dass die vermeintliche Hauptfigur eine Frau ist, gewinnt die Frage so doch eine beinahe hämische Doppeldeutigkeit. Denis Villeneuve verpackt diese Frage in packende Bilder, die einen so schnell nicht mehr loslassen werden.

Fazit: "Sicario" ist alles andere als leicht bekömmlich. Eine deprimierende Geschichte die den Zuschauer gemeinsam mit der Hauptfigur im Dunkeln tappen lässt breitet sich hier zu einem Flickenteppich des Horrors aus. Die Grenzen könnten nicht unklarer sein, die Einsätze sind hoch, so wie sie es seit Jahren sind. Man wird hineingeworfen in einen Krieg, besucht diesen an Kleinstschauplätzen, kann sich der Sache nicht entziehen. Unangenehmes Kino, grandios geschauspielert und noch großartiger inszeniert. Ganz klar einer dieser Filme von 2015, den man gesehen haben sollte.

Infos zum Film

Originaltitel: Sicario
Erscheinungsjahr: 205
Genre: Thriller, Drama, Action
FSK: 16
Laufzeit: 122 Minuten
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Taylor Sheridan
Darsteller: Emily Blunt, Josh Brolin, Benicio del Toro, Daniel Kaluuya, Jon Bernthal, Jeffrey Donovan, Victor Garber, Raoul Trujillo, Maximiliano Hernández

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Filmkritik: Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2

© Lionsgate
"Tribute von Panem" schickte sich seinerzeit an Vorreiter einer ganzen Welle von Jugendbuchverfilmungen zu werden. Es folgten Filme wie "Chroniken der Unterwelt - City of Bones", "Divergent - Die Bestimmung" oder "Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth". Doch so recht wollte keiner dieser Filme an den Erfolg des großen Vorbildes herankommen. Bereits in der Kritik zum ersten Teil fragte ich mich, ob eine Zweiteilung des Materials Sinn macht. Und während die Antwort auf diese Frage nach Teil eins noch "auf jeden Fall" lautete, muss dies wohl nach "Mockingjay Teil 2" neu diskutiert werden. Ob der Abschluss der Reihe rund um die von Jennifer Lawrence verkörperte Katniss Everdeen und ihre Revolution gegen das Capitol gut gelungen ist oder doch zu viele Schwachstellen aufweist könnt ihr in der Kritik nachlesen.

Story: Katniss Everdeen setzt als Marketing-Gesicht für die Revolution der Distrikte gegen das Capitol und Präsident Snow zum finalen Schlag an. Es geht um nicht weniger als das freie Leben für die Bewohner der 13 Distrikte, frei von Herrschaft und Hungerspielen zur Belustigung der wenigen Reichen. Mit einer letzten Mission soll dem Regime ein Ende gesetzt werden, doch Katniss muss schon bald feststellen dass der Feind nicht immer so offensichtlich ist wie man ihr das glauben machen möchte. Wird sie die richtigen Entscheidungen treffen?
© Lionsgate
Kritik: Nach über zwei Stunden Laufzeit bleibt bei "Mockingjay Teil 2" vor allem ein gemischtes Gefühl übrig. Es gibt Dinge an diesem Film die stimmig sind, die gut inszeniert sind und düsterer sind als man es von einem FSK 12 Film erwarten würde. Es gibt aber auch Elemente in diesem Film die schlichtweg zum Haare raufen sind. Wer den zweiten Teil anschaut sollte sich vorher unbedingt den ersten noch einmal zu Gemüte führen, denn beide Filme fügen sich nahtlos zusammen. Andererseits beschäftigt sich auch Teil zwei für eine halbe Stunde erst einmal damit das bisher Geschehene noch einmal zusammenzufassen. Dann geht eine Menge Zeit für eine Art Einsatzbesprechung drauf. Bevor es endlich an das Einnehmen der Stadt geht verstreicht beinahe eine ganze Stunde. Zeit, in der nur gesprochen wird, in der man absolut nichts Neues erfährt. Und schon hier fällt unangenehm auf dass viele Darsteller absolut unmotiviert an die ganze Angelegenheit herangehen. Einzig Josh Hutcherson gibt sich Mühe die posttraumatische Belastungsstörung seiner Figur Peeta irgendwie weiter zu ergründen. Das gipfelt allerdings ab der Mitte des Films zu einem sich wiederholenden Szenario, in dem Peeta andere Gruppenmitglieder anbettelt ihn endlich zu töten. Ein Gefallen den ihm natürlich niemand erfüllen will. Dass ihn dann ein zaghafter Kuss der Angebeteten aus seiner Lethargie reißt und alles wieder in Ordnung bringt ist dann irgendwie auch mehr als halbherzig. 
Mit dem Einzug ins Capitol sollte dann Spannung aufkommen, doch aus Sicherheitsgründen hängen Katniss und ihr Team hinter den anderen Soldaten hinterher. Ab und an sollen weitere Propagandavideos gedreht werden, natürlich aber in halbwegs sicheren Zonen. Da die ganze Stadt von den Spieldesignern aber mit Fallen versehen wurde gibt es keine sicheren Zonen. Doch auch hier begeht der Film einen fatalen Fehler, denn er erzählt, statt einfach zu zeigen. So gibt es zwar eine bedrohlich inszenierte Überschwemmung mit einer Art schwarzem Öl und einen unterirdischen Angriff von zombieähnlichen Kreaturen, doch diese werden schnell abgehandelt und dienen dann wieder nur dazu die Figuren einerseits zu dezimieren und die Überlebenden noch einmal über ihr Trauma reden zu lassen. Das wirkt nicht nur wenig ausbalanciert, es bringt die Handlung auch immer wieder zum vollständigen Anhalten. Dass Katniss im Verlauf von zwei Stunden drei Male im Krankenhaus landet und von dort aus wieder neu anfangen darf tut sein Übriges dazu. Schnell entsteht der fade Beigeschmack dass solche Momente nur dazu dienen das Publikum vor dem Einschlafen zu bewahren. Immerhin wird man aber beinahe angenehm zurückhaltend mit der Dreiecksbeziehung der jugendlichen Protagonisten belästigt. Schlussendlich sind es dann auch Gale und Peeta die das Ganze ausdiskutieren und zur Erkenntnis gelangen dass es für diese Art Beziehung so gut wie keine Grundlage gibt, denn Katniss hat besseres zu tun. Spielball für alle anderen sein, beispielsweise.

© Lionsgate
Hier kommen dann die Darsteller ins Spiel. Mit dem finalen Teil der Saga stellt sich einmal mehr heraus dass Donald Sutherland als Präsident Snow mit Abstand die wertvollste Leistung der ganzen Reihe liefert. Er ist herrlich süffisant, unterschwellig bedrohlich und ein überaus charismatischer Protagonist. Ihm steht Julianne Moore als Alma Coin gegenüber, mindestens so hinterhältig und falsch wie Snow selbst. Beide sind wie ein Abziehbild des jeweils anderen, nur dass sie auf verschiedenen Seiten stehen. Moore erfüllt ihre Figur mit einer zynischen Selbstherrlichkeit die einen oft hinterfragen lässt ob sie die richtige Person für den Job des Präsidenten ist. Jena Malone schafft es in wenigen Minuten mit ihrer zynischen Art dem Film dringend benötigte Frische zu liefern. Leider fallen hinter diesen Leistungen die anderen Darsteller teilweise komplett ab. Stanley Tucci und Elizabeth Banks bleiben, ähnlich wie Woody Harrelson, völlig unterfordert und unterrepräsentiert. Interessante Charakterwandlungen werden höchstens angedeutet, bevor man sich wieder dem Leiden der Hauptfiguren zuwendet. Philip Seymour Hoffman wurde aus zahlreichen Szenen aufgrund seines vorzeitigen Ablebens entfernt, und doch machen diese wenigen Szenen klar mit welchem Verlust wir es hier zu tun haben. Dass nun ausgerechnet dies sein letzter Film ist wirkt dann gleich doppelt enttäuschend. Jennifer Lawrence wirkt stellenweise arg unmotiviert, hier stellt sich aber auch die Frage ob ihr nicht bewusst ist dass sie mittlerweile dank ihrer wundervollen Arbeit an anderen Filmen aus dieser Jugendbuchverfilmung einfach herausgewachsen ist. Josh Hutcherson gibt sich Mühe gegen das schwache Drehbuch anzuspielen, Liam Hemsworth ist, wie die meisten anderen Darsteller, anwesend. Mehr dann aber auch eben nicht. Die versammelte Damenmannschaft aus "Game of Thrones", Nathalie Dormer und Gwendoline Christie sind ebenfalls mit zu wenig Spielzeit in den Hintergrund verdammt, dabei wäre besonders Cressida wirklich eine Figur über die man mehr sehen will, denn im Gegensatz zu Katniss ist sie nicht in irgendwelchen belanglosen Liebschaften gefangen. Überhaupt sind hier eigentlich fast alle weiblichen Figuren interessanter als Katniss, die einzige Ausnahme stellt nach wie vor Prim da, die nun endgültig zum McGuffin, also zum Auslöser für Ereignisse, degradiert wird. Da kann auch der wirklich eindrucksvolle Soundtrack von James Newton Howard nicht mehr viel retten. 

Nun wäre mangelnde Action ja überhaupt kein Problem, wenn stattdessen wirklich wichtige Themen erforscht werden würden. Aber hier scheitert der Film, ganz ähnlich so wie das dritte Buch einen insgesamt seltsam wirkenden Abschluss für die Reihe lieferte. Ja, die Action unterhält nicht und ist in ihrer Gesamtheit fragwürdig, wenn wo grenzen wir uns von dem lüsternen Publikum aus den nobleren Distrikten ab wenn wir nur ins Kino gehen um zu sehen wie Kinder und Jugendliche um ihr Leben kämpfen? Doch die Gegenstimmen dazu, die entgegengesetzte Perspektive der Sinnlosigkeit wird zu wenig ergründet. Es ist sinnlos ein Übel durch ein anderes ersetzen zu wollen und es ist am Ende sinnlos sich aufbäumen zu wollen, etwas ändern zu wollen. Die Figuren sind am Ende desillusioniert und erkennen wie wenig zielführend und vor allem selbstbestimmt ihr Verhalten war, doch "Mockingjay Teil 2" nimmt sich niemals die Zeit dies näher zu ergründen. Die Idee dass es zielführend wäre den bösen Anführer einfach auszuschalten und durch den nächsten, vermutlich ebenso bösartigen Typus Leitfigur zu ersetzen wird angeschnitten, mehr aber auch nicht. Die Tatsache dass Katniss nur ein willenloser Spielball ist, dessen Eigenwilligkeit sofort abgestraft wird ist unterschwellig vorhanden, wird aber dann zugunsten leerer Worthülsen oder dem nächsten unmotivierten Tod einer Nebenfigur zur Seite geschoben. Hier zeigt sich dann auch eine ärgerliche Parallele zu unserer Welt und zur Lust am Geldverdienen der Studios auf, denn ob es diesen zweiten Film gebraucht hätte ist fraglich. So wird auf der Leinwand scheinbar die Arbeiterklasse befreit, alle kämpfen für etwas Nobles, nur der Zuschauer, der darf für inhaltsloses Geschwafel gleich doppelt zur Kasse treten.

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Am Ende steht dann aber doch das Wohlfühlen an erster Stelle. Knapp 25 Minuten vor Schluss verabschiedet sich der Film still und leise von den meisten Figuren, die dann einfach nicht mehr auftauchen. Dies führte nicht nur zum Zusammenbruch einer jugendlichen Besucherin auf dem Damenklo nach dem Film ("wie konnten sie nur Gale einfach so verschwinden lassen???"), es sorgt auch für ein langgezogenes Ende welches gerne "Die Rückkehr des Königs" imitieren würde, dabei aber kläglich scheitert. Da werden Emotionen im Schnelldurchlauf durchlebt und die löbliche Idee des Buches, dass Katniss am Ende allein gar nicht mehr lebensfähig ist und sich an das klammert was ihr noch geblieben ist wird einfach fallen gelassen. Sicher, was dort geliefert wird ist kein Happy End, bei weitem nicht. Erneut wird betont wie sinnlos alles ist, dass der Terror niemals enden wird. Erschreckend aktuelle Töne die hier angeschlagen werden, doch unter dem kollektiven Weichzeichner und auf ganz viel sonnendurchfluteter Wiese lässt es sich, abgeschieden von allen anderen, dann doch gut aushalten. Die Revolution hat niemals eine Rolle gespielt, die anderen waren immer egal, man verändert sowieso nichts am jetzigen Zustand. Eine blanke Aussage, eine trostlose Zukunft ist das, die doch niemals so richtig zur Geltung kommt, immer mit dem Gedanken an die verträumte Zielgruppe, die nur für einen kurzen Moment dem langweiligen Alltag entfliehen möchte. Doch wer nach diesem Finale noch eine Vorbildfunktion in Katniss sehen will, der muss wahrlich blind sein.

Fazit: "Mockingjay 2" zeigt ziemlich eindrucksvoll wie man das mit der Zweiteilung eines dritten Buches nicht macht. Spannung kommt kaum auf, immer wieder wird Katniss, die hier endgültig zum passiven Spielball diverser Fraktionen verkommt, an den Nullpunkt zurückgesetzt. Szenen die eigentlich emotional sitzen müssen werden verschenkt und das Finale sorgt, nicht zuletzt durch grottenschlechte Hochglanz - Alterungseffekte höchstens für das Setup einer Horrorfilmreihe mit einer traumatisierten Mutter. Zwischendurch darf man sich langweilen, der kaum vorhandenen Geschichte folgen, sich wundern wer da nun wieder gestorben ist und sich dann noch ein bisschen langweilen. Nein, die Zweiteilung hätte es auf keinen Fall gebraucht, und wo "Mockingjay 1" noch etwas zu sagen hatte herrscht hier beklemmendes Schweigen. Die zwei oder drei Actionszenen können überzeugen, täuschen über die sonstige Leere ebenfalls nicht hinweg. Einige Darsteller tauchen für zehn Sekunden auf um ihren Scheck abzuholen und verschwinden schneller wieder als man "Avox" sagen kann. Diese eigentlich vielversprechende Reihe hätte man deutlich besser abschließen können.Ob das nun dem ebenfalls eher durchwachsenen Buch geschuldet ist tut da auch nichts zur Sache, denn eine Buchverfilmung sollte sich durchaus auch die Freiheit nehmen Wesentliches zum Besseren zu verändern. Doch hier weigerte man sich, und so bleibt ein leb- und liebloses Finale, dessen einziger Zweck das Abkassieren des Publikums ist.


Infos zum Film

Originaltitel: The Hunger Games: Mockingjay - Part 2
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Abenteuer, Action, Sci-Fi, Drama
FSK: 12
Laufzeit: 137 Minuten
Regie: Francis Lawrence
Drehbuch: Danny Strong, Peter Craig
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Donald Sutherland, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Sam Claflin, Nathalie Dormer, Julianne Moore, Philip Seymour Hoffman, Jena Malon u.a.


Trailer

Filmkritik: Terminator Genisys

© Paramount
Ich muss ja zugeben, ich hatte mich nach der Ankündigung auf "Terminator Genisys" echt gefreut. Schlimmer als Teil 3 oder der missratene Versuch mit Christian Bale (der wenigstens einen akzeptablen John Connor abgab, und die ersten 2/3 des Films haben sich wenigstens Mühe gegeben) konnte es ja sicher nicht werden. Doch dann kamen die ersten Charakterposter. Während der "Game of Thrones" Fan in mir sich auf Emilia Clarke freute musste der Rest von mir beim Anblick der ersten Poster lachen. Alle stehen sie da, in ihren generischen Posen und gucken so böse dass es lächerlich ist. Dass Jai Courtney mitspielt (welches Franchise hat dieses Stück menschliche Pappe eigentlich noch nicht verunstaltet?) war ebenfalls ein Dämpfer. Dafür gefiel mir dann der erste Trailer wieder. Also, so lange bis ich den zweiten Trailer sah, der die unglaubliche Dreistigkeit besitzt einen massiven Twist in der Geschichte zu spoilern. Dass damit dann selbst der Regisseur unzufrieden war hat es nicht besser gemacht. Und zu allem Überfluss gab es dann noch eine FSK 12. Nun bin ich in letzter Zeit ja immer wieder überrascht wie leger man mit der FSK 12 umgeht, aber trotzdem: Terminator für Kinder? Das Poster zum Film ist ebenfalls unglücklich geraten, und ich muss sicher nicht erwähnen dass all diese Makel dafür gesorgt haben dass ich schlicht und ergreifend nicht ins Kino gegangen bin. Doch für das Heimkino wollte ich dem Film dann doch eine Chance geben. Ob sich das gelohnt hat erfahrt ihr in der spoilerfreien Kritik.Ihr könnt auch den Trailer bedenkenlos anschauen, ich habe darauf geachtet kein Bild- und Videomaterial mit Spoilern unterzubringen.

Story: Die Erde im Jahr 2029: John Connor (Jason Clarke), Anführer der Rebellion des menschlichen Widerstands, führt einen erbitterten Krieg gegen das übermächtige Maschinen-Imperium von Skynet. Um seine Mutter Sarah Connor (Emilia Clarke) vor einem Killer-Cyborg zu schützen und damit seine eigene Existenz sowie die Zukunft der Menschheit zu retten, schickt John seinen loyalen Freund und Mitstreiter Kyle Reese (Jai Courtney) zurück ins Jahr 1984. Auf das, was ihn im Los Angeles der Vergangenheit erwartet, ist dieser jedoch nicht im Geringsten vorbereitet: Ein unvorhergesehenes Ereignis hat alles verändert und die Zeit, in die er von Connor zurückgeschickt wurde, existiert nicht mehr. Der Kampf zwischen Mensch und Maschine, Gut und Böse steht unaufhaltsam bevor – kann er mithilfe eines unverhofften Verbündeten (Arnold Schwarzenegger) den Tag der Abrechnung verhindern?
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Kritik: Entwarnung kann man eigentlich sofort geben: Genisys ist bei Weitem nicht das Desaster das einige Kritiker und Zuschauer in dem Film erkennen wollen. Sicher, der Film schwächelt an einigen Stellen. Persönlich war ich von "Jurassic World", der ja etwa zeitgleich im Kino lief und sich zu einem finanziellen Hit entwickelte deutlich enttäuschter. Klar, "Genisys" hat Jai Courtney an Bord und ich werde in diesem Leben nicht mehr verstehen wieso dieser Kerl Rollen in Filmen bekommt. Völlig emotions- und teilnahmslos stapft er durch den Film, und wie sich eine Frau wie Sarah Connor jemals in diese Version von Kyle Reese verlieben kann ist mir ernsthaft ein Rätsel. Dafür gibt sich Emilia Clarke wirklich Mühe und ist damit größtenteils auch erfolgreich. In manchen Momenten sieht sie Linda Hamilton sogar ein wenig ähnlich, doch in dieser alternativen Zeitlinie ist Sarah Connor von Anfang an eine selbstbewusste, schlagkräftige Frau die auch in Krisensituationen ruhig bleibt. Auch ihr Spiel ist zwischenzeitlich ein wenig hölzern und sie wirkt stellenweise deutlich zu jung für die Figur, doch insgesamt überzeugt sie in der ikonischen Rolle die auch schon ihre "Game of Thrones" Kollegin Lena Headey in der oft vernachlässigten Terminator-Serie spielte. Die meisten Punkte bei den Fans sammelte man aber vermutlich durch den erneuten Auftritt von Arnold Schwarzenegger. 

Schwarzenegger muss man dann auch zwiespältig betrachtet. Wer drauf steht das alte One-Liner bis zum abwinken durchzitiert werden darf sich hier auf ein Feuerwerk gefasst machen. Ansonsten ist der etwas in die Jahre gekommene Terminator nicht müde stetig zu betonen dass er zwar alt, aber nicht überflüssig ist. Das hat fast schon Meta-Züge an sich, und diese gipfeln auch gleich zu Beginn wenn Arnie gegen eine jüngere Version von sich selbst antreten muss. Alteingesessene Fans werden sich ebenfalls vor allem zu Beginn des Films über einen erneuten Besuch im Jahr 1984 freuen. Hier wird schnell deutlich dass man sich mit den alten Filmen durchaus beschäftigt hat und sogar der T-1000 findet, inklusive Polizeiuniform, mit Byung-hun Lee einen mehr als würdigen Vertreter. Leider ist seine Screentime sehr begrenzt, weniger beeindruckend macht sie das aber nicht. J.K. Simmons dient als Mischung zwischen Comic Relief und Publikumsvertreter, der für den Zuschauer erklärt was eigentlich gerade los ist. Damit ist er zwar gnadenlos unterfordert, aber ich werde den Teufel tun und mich über einen Auftritt von Simmons zu beschweren. Der Mann wertet jeden Film auf. Jason Clarke bietet einen charismatischen John Connor dem man sowohl den Widerstandskämpfer als auch seine spätere Rolle abnimmt. Fans von "Doctor Who" dürfen sich auf einen kleinen, dafür aber elementaren Auftritt von Matt Smith freuen. Nein, an den Darstellern kann man bis auf eine Ausnahme wirklich nicht meckern. 
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Auch die Action sitzt. Klar, "Genisys" wird im Leben nicht an "Terminator 2" herankommen, aber mit dieser Erwartung sollte man an keinen Film aus dem Franchise herangehen, denn sind wir mal ehrlich, "Terminator 2" ist ein Meilenstein der Kinogeschichte. "Genisys" erfindet das Rad nicht neu, aber die Action ist sauber inszeniert. Vor allem der Future War zu Beginn ist beeindruckend und macht Lust auf mehr. Und auch später im Film bleiben die Actionszenen durchweg gut inszeniert. Wo "Genisys" kränkelt ist höchstens die teilweise etwas seltsame Herangehensweise an Probleme. Sämtliche Probleme die mit Zeitreisen auftreten werden entweder gekonnt ignoriert oder der T-800 aka "Pops" (ja, er hat jetzt einen Namen) hat sich im Vorfeld darum gekümmert. Das macht stellenweise den Eindruck von fauler Schreiberei. Auch in Sachen Ausstattung und Kostüme hätte man sich mehr Mühe geben dürfen, und wenn nur um die verschiedenen Jahre optisch ein bisschen mehr voneinander abzugrenzen.

Dafür bringt der Film durchaus seine Szenen mit bei denen ich mir gewünscht hätte mehr zu erfahren. Die Idee dass der Terminator Sarah Connor schon als Kind trifft und sie ausbildet ist spannend, genau wie das umgedrehte Verhältnis, in dem ein junges Mädchen einer Maschine Menschlichkeit beibringt. Die Figur des John Connor hätte ebenfalls, besonders in der zweiten Hälfte des Films, mehr Aufmerksamkeit vertragen, so bleibt diese Version von John immer ein wenig zu blass. Vom Future War hätte ich gerne noch mehr Szenen gesehen, denn er machte hier wirklich einen soliden Eindruck. Auch wird die Herkunft von Skynet umgeändert und an unsere Zeit angepasst. Dadurch erklärt sich auch der etwas holprige Name des Films. Genisys ist ein Betriebssystem welches die Geräte aller Bewohner miteinander verknüpfen soll. Das ist Technologiekritik mit dem Holzhammer, aber passt thematisch durchaus in diese Zeit. Und wo wir beim Thema Zeit sind: ja, die Regeln für Zeitreisen sind hier anders als in den Vorgängern, und sie sind nicht immer schlüssig. In den ersten beiden Filmen war Zeit eine einzige Linie, auf der man reisen konnte. Das verändert sich hier, und wir kriegen eine alternative Zeitlinie vorgesetzt. Was dort passiert beeinflusst andere Zeitlinien nicht, die ersten Filme bleiben also unangetastet. "Genisys" schreibt die Geschichte nicht neu, er bietet eine Alternative.  Das macht es irgendwo auch schwerer den Film einfach als Reboot oder Sequel zu bezeichnen. Ähnlich verhielt es sich 2009 bereits mit "Star Trek" von J.J. Abrams. So lassen sich auch die Erinnerungen von Kyle erklären, die er nach seinem Trip Richtung 1984 hat. Dort handelt es sich ebenfalls um eine für ihn alternative Zeitlinie die möglich wird weil Sarah Connor und der T-800 bereits in der Vergangenheit daran gearbeitet haben die Zukunft zu ändern. Und ja, das liest sich verwirrend, und ja, es ist am besten dies gar nicht erst zu hinterfragen. Wer sich trotzdem gerne mal den Kopf zerbrechen will und des englischen mächtig ist darf sich beim Esquire austoben gehen. 
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Positiv anrechnen muss man "Genisys" auch dass er für sich allein stehen könnte. Sicher, es gibt eine Mid-Credit Szene die weitere Filme in Bewegung setzen kann. Und der Film selbst bietet an der einen oder anderen Ecke die Möglichkeit weitere Geschichten zu erzählen. Aber es handelt sich nicht um zwei Stunden reinen Aufbau für eine komplett neue Trilogie, man bekommt eine weitestgehend abgeschlossene Geschichte. Fast noch wichtiger: man kriegt wenigstens in Ansätzen die Vorgeschichte für den ersten Film und man erfährt die genauen Umstände unter denen Kyle überhaupt erst in die Vergangenheit geschickt wurde. "Genisys" bewegt sich zwischenzeitlich auch in dunkleren Gefilden und zögert nicht wenigstens anzureißen dass es eine ziemlich verrückte Idee ist seinen eigenen Vater in die Vergangenheit zu schicken um sicherzustellen dass man überhaupt erst geboren wird.

Außerdem, und das muss man mal so festhalten, reden wir viel zu wenig über den Soundtrack von Lorne Balfe. Das originale Terminator-Theme rangiert in meinen persönlichen Top 10 recht weit vorne, und wer einmal dieses metallische Geräusch gehört hat wird es vermutlich in Erinnerung behalten. Balfe gibt hier sein Debüt im Blockbuster Bereich, und was für ein Einstand! Hier schafft der Soundtrack den Spagat zwischen alt und neu, und als das erste Mal das klassische Theme in einer minimal anderen Version zu hören war muss ich gestehen dass der Film mich für sich vereinnahmt hat. Die leicht geupdatete Version, die Vermischung von elektronischer und orchestraler Musik ist toll gelungen und weiß welche Knöpfe sie drücken muss um Emotionen rauszukitzeln. Das alte Theme kommt vor, wird aber nicht, wie beispielsweise bei "Jurassic World" total überstrapaziert.

Fazit:"Terminator: Genisys" reicht nicht an die ersten beiden Filme heran, schlägt sich aber im Vergleich mit Teil 3 und vor allem "Salvation" wirklich wacker. Saubere Actionszenen, größtenteils gut aufgelegte Darsteller und eine Geschichte die sich gleichzeitig vor den alten Filmen verbeugt und etwas eigenständiges erschafft sorgen für einen kurzweiligen Action-Spaß. Der Wechsel zwischen Leichtigkeit und absolutem Ernst ist nicht immer ganz geglückt, aber insgesamt war ich hier doch positiv überrascht und hatte durchgängig Spaß mit "Terminator Genisys".

Die Blu-ray: Das Bild ist sauber, die Farben wirken sehr satt. Die englische Tonspur kommt in klangstarkem Dolby Atmos daher, welches Dolby 7.1 True HD kompatibel ist. Wer die nötige Ausstattung hat kann es hier also richtig knallen lassen. Knapp 5 weitere Sprachen, darunter natürlich auch Deutsch, kann man sich im ebenfalls gut klingenden 5.1 Surround Dolby Digital auf die Ohren prasseln lassen.  Auch Extras gibt es zu entdecken. Drei Featurettes klären über die Special Effects, die Familiendynamik und Infiltration sowie Termination auf. Ein Wendecover liegt ebenfalls bei.

Infos zum Film

Originaltitel: Terminator Genisys
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Sci-Fi, Action
FSK: 12
Laufzeit: 126 Minuten
Regie: Alan Taylor
Drehbuch: Gale Anne Hurd, Patrick Lussier, Laeta Kalogridis
Darsteller: Emilia Clarke, Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke, Byung-hun Lee, Jai Courtney, Matt Smith, J.K. Simmons

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