gesehen: Your Name - Gestern, Heute und für Immer

© Universum Film

Story


Mitsuha lebt gemeinsam mit ihrer kleinen Schwester Yotsuha bei ihrer Großmutter in einer ländlichen Kleinstadt Japans. Insgeheim beklagt sie ihr abgeschiedenes Dasein in der Provinz und wünscht sich ein aufregendes Leben in der Großstadt. Taki würde sich freuen, so beschaulich aufzuwachsen, denn er wohnt in der Millionen-Metropole Tokio, verbringt viel Zeit mit seinen Freunden und jobbt neben der Schule in einem italienischen Restaurant. Eines Tages scheint Mitsuha einen Traum zu haben, in dem sie sich als Junge in Tokio wiederfindet. Parallel macht Taki eine ähnliche Erfahrung: Er findet sich als Mädchen in einer Kleinstadt in den Bergen wieder, wo er noch nie zuvor war. Doch wie kommt es zu dieser schicksalhaften Verstrickung und welches Geheimnis verbirgt sich wirklich hinter den Träumen der beiden Teenager?

Kritik


Eigentlich, so könnte man meinen, hat das Körpertausch-Genre seinen Zenit irgendwo in den späten 80ern bereits überschritten gehabt. Hier und da kommt das Thema zwar alle Jubeljahre mal auf, dient allerdings meistens nur als Grundlage für Komödien, die recht schnell wieder aus dem Gedächtnis des Zuschauers verschwinden. Hier tritt Makoto Shinkai mit "Your Name" auf den Plan. Über die Superlative, die der Film bereits erreichte, sollte man zumindest kurz sprechen. In Japan erschien er bereits 2016 und avancierte dort zum einspielstärksten Film des Jahres, weltweit überholte er "Chihiros Reise ins Zauberland" als erfolgreichster Anime der Welt.

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In Deutschland und Österreich scheint das Vertrauen in Anime, mal abseits vom Output des Studio Ghibli, weniger groß zu sein. Gerade einmal zwei Kinotermine sind angedacht gewesen, mittlerweile wurden weitere Termine hinzugefügt. In der Schweiz sitzt man derweil komplett auf dem Trockenen und darf sich freuen, wenn man in Grenznähe zu den deutschsprachigen Nachbarn lebt. Oder eben auf den für später im Jahr angedachten Heimkinorelease warten. Ganz ungeduldige schnappen sich, so wie ich, den bereits erhältlichen UK-Release. Hier dürfte sich wirklich noch etwas tun, um Anime endlich aus seiner Nische, in die das Genre schon lange nicht mehr gehört, zu befreien. Aber zurück zum Film.

Was bei "Your Name" als erstes ins Auge fällt, sind die traumhaft schönen Bilder. Animiert wurden sie am PC und Tablet, doch vor allem die Hintergründe sehen aus, wie von Hand gezeichnet. Die Kontraste zwischen der pulsierenden Großstadt Tokio und dem kleinen, beschaulichen Dorf Itomori mit seinen verschlungenen Pfaden könnten nicht größer sein und es fällt leicht, sich in den Bildern zu verlieren, auf Detailsuche zu gehen und immer wieder Neues zu entdecken. Faszinierenderweise wirken die Kulissen gleichzeitig irgendwie magisch, beinahe schon entrückt aus der regulären Welt, und gleichzeitig aber familiär, überzeugend, so als ob die Wirklichkeit abgebildet wird. Beide Schauplätze, Stadt und Land, haben dabei ihre Vorzüge und Schönheiten, wenn man es schafft, genau hinzusehen. Hier ist nicht das eine besser als das andere.

"Your Name" kann aber natürlich mehr, als nur gut auszusehen. Was als durchaus witzige, niemals in billige Klischees abdriftende Tauschkomödie beginnt, entwickelt sich bald in ganz viele verschiedene Richtungen. Die beiden Hauptfiguren könnten keine unterschiedlicheren Lebensmodelle verfolgen. Mitsuhas Leben ist von dörflichen Traditionen geprägt, Taki muss schauen, wie er sich in der Großstadt über Wasser halten kann. Als die beiden bemerken, dass sie immer wieder die Körper tauschen, entwickelt sich eine innige Beziehung. Statt Klamauk bekommen wir Figuren, die sich gegenseitig helfen und unterstützen. Über sämtliche Grenzen hinweg arbeiten sie zusammen und erleben den Alltag des anderen. Dem anfänglichen Horror über den Tausch folgt bald die Neugierde und das Bedürfnis, alles zu entdecken. Sicherlich kann dies als Metapher für die Pubertät gelesen werden. Muss aber nicht, "Your Name" macht sowohl zum reinen Anschauen als auch als Quell für Interpretationen eine Menge Freude.

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So wird eine Weile das Leben der beiden erkundet, bevor der Kontakt plötzlich abbricht. Ab hier entwickelt "Your Name" sich in eine völlig andere Richtung, die ich hier gar nicht näher erläutern will. Soviel sei gesagt: Wunderschöne Bilder werden durch eine tragische Geschichte angereichert, bei der sicherlich die eine oder andere Träne fließen wird. Trotz allem schafft der Anime es, niemals in Verzweiflung überzukippen, stattdessen bleibt ein nicht so recht definierbares, wohlig-warmes Gefühl zurück. Fast so, als hätte man im Traum ein wundervolles Abenteuer erlebt, dessen letzte Gedankenfetzen wie sanfter Nebel am frühen Morgen noch umherziehen.

Fazit

"Your Name" überzeugt mit einer wandelbaren Geschichte, die den Zuschauer stets bei Laune hält. Dazu kommen Protagonisten, die durch die Bank weg sympathisch sind und mit denen man gerne auf diese wunderschön in Szene gesetzte, liebevoll animierte Reise geht. Besonders ab der zweiten Hälfte wird es dann noch emotional, so dass man gut bedient ist, wenn man sich ein paar Taschentücher bereit legt, um die unvermeidlichen Tränen zu trocknen, die ganz sicher fließen werden.

Infos zum Film


Originaltitel: Kimi no na wa
Erscheinungsjahr: 201
Genre: Anime, Abenteuer, Komödie, Drama
FSK: 6
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Makoto Shinkai
Drehbuch: Makoto Shinkai
Sprecher: japanische Originalversion: Ryunosuke Kamiki, Mone Kamishiraishi, Masami Nagasawa, Etsuko Ichihara, u.a.; deutsche Synchronfassung: Maximilian Belle, Laura Jenni, Vanessa Eckart u.a.
 

Trailer

 




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