Wir müssen reden #2: Guilty Pleasures

Auch für "My little Pony" sollte man sich nicht schämen müssen. © Tobis
Willkommen zu einer neuen Runde "Wir müssen reden", diesmal mit einem Thema, welches mir doch sehr am Herzen liegt. Es geht um den Begriff des Guilty Pleasure, und wieso er mich nervt.


Klären wir doch zuerst einmal die Frage, was ein "Guilty Pleasure" überhaupt ist. Die einfache Übersetzung gibt ja schon einen guten Hinweis, ein Vergnügen, das mit Schuldgefühlen verbunden ist. Wieso aber sollte man so empfinden? Hier kommt die Allgemeinheit ins Spiel, der Diskurs, in dem festgelegt wird, was in Ordnung ist, und was nicht. Wir alle nehmen daran teil, bilden mit unseren Meinungen einen kleinen Teil des großen Ganzen. Filme, Serien und auch Musik werden oft in diese Kategorie einsortiert. Jemand kann beispielsweise sagen, "Transformers", "Taylor Swift" oder irgendeine Reality-TV Sendung sind seine oder ihre Guilty Pleasures.

Aber wieso nervt mich dieser Begriff so enorm? Wieso würde ich ihn gerne aus dem allgemeinen Wortgebraucht verschwinden sehen? Nun, dafür gibt es ein paar Gründe. Zeit für eine Liste.

1. Es ist abwertend

Eines meiner größten Probleme mit dem Begriff guilty pleasure ist die Tatsache, dass wir uns mit seiner Verwendung herausnehmen, etwas einen allgemeinen Wert zuzuschreiben. Der Begriff impliziert, dass sich für das Mögen eines Films, einer Musikrichtung oder einer Serie geschämt werden sollte. Shonda Rhimes, die Erschafferin von Serien wie "Greys Anatomy" oder "Scandal" hat es in einem Interview ganz treffend formuliert. Eine Show "guilty pleasure" zu nennen sei, als ob man sagen würde "sie ist Müll, aber ich kann nicht aufhören, sie anzuschauen". Das sei kein Kompliment und in einem solchen Falle solle man doch einfach aufhören, zuzuschauen.

1.1 Das Problem mit jungen Mädchen und guilty pleasures

Ganz besonders ärgerlich finde ich persönlich, dass relativ oft die Interessen von Mädchen im Teenager-Alter in diese Kategorie gezogen werden. Oftmals handelt es sich bei guilty pleasures um Erzeugnisse, die für einen breiten Geschmack gemacht werden. Ganz egal ob es die neue Platte von Taylor Swift oder eine romantische Komödie ist, die Zielgruppe dieser Produkte ist oft jung und weiblich. Gleichzeitig fallen extrem viele guilty pleasures in diese Gruppe und die Häme, die sich darüber ergießt, ist oftmals über alle Maße vorhanden. Muss das sein? Teenager sind schon unsicher genug, Pubertät ist, kurz gesagt, einfach ein Scheisszustand und wir als Erwachsene müssen da nicht noch bei jeder Gelegenheit nachtreten. Erinnern wir uns doch mal kurz an unsere eigene Jugend zurück und den permanenten Kampf mit der Tatsache, dass wir alle keine Ahnung von gar nichts hatten und verzweifelt versucht haben, herauszufinden, wer wir eigentlich sind, während wir gleichzeitig unbedingt irgendeiner seltsamen Idee von Coolness folgen wollten. War eine blöde Zeit, so im Rückblick, oder?

Harry Styles, ehemaliges Mitglied der Boyband One Direction und Interpret einer meiner liebsten Alben 2017, fasst es in einem Interview mit dem Rolling Stone wunderbar zusammen. Folgendes hat er zu sagen: "Who's to say that young girls who like pop music – short for popular, right? – have worse musical taste than a 30-year-old hipster guy? That's not up to you to say. Music is something that's always changing. There's no goal posts. Young girls like the Beatles. You gonna tell me they're not serious? How can you say young girls don't get it? They're our future. Our future doctors, lawyers, mothers, presidents, they kind of keep the world going. Teenage-girl fans – they don't lie. If they like you, they're there. They don't act 'too cool.' They like you, and they tell you." Kurz gefasst: Wer kann sich schon herausnehmen zu behaupten, Teenager hätten schlechteren Geschmack als ein 30 Jahre alter Hipstertyp? Wenn Teenager etwas mögen, dann lügen sie nicht, sie tun nicht so, als ob sie irgendwas ironisch mögen (ein Trend, der meinetwegen auch grad direkt wieder verschwinden kann), sie zeigen, dass sie etwas mögen. Davon, finde ich, könnten wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Was mich nahtlos zum nächsten Punkt bringt.

2. Steh doch bitte zu dir und deinem Geschmack

Jeder, aber auch wirklich jeder, schämt sich manchmal. Aber niemand sollte sich für seinen Geschmack schämen müssen. Guilty pleasures wirken oft wie eine Ausrede, wenn man etwas wirklich mag, das aber vor anderen nicht zugeben kann oder will. Und das finde ich persönlich bitter. Denkt doch nur mal an all die Zeit, in der ihr Dinge einfach aufrichtig lieben könntet, stattdessen aber lieber sagt, dass ihr etwas nur ironisch schaut, oder das Gefühl habt, etwas, das ihr wirklich mögt, als guilty pleasure abtun zu müssen. Menschen sind unterschiedlich, niemand sollte sich schlecht fühlen für etwas, das er mag. Wer mir das nun nicht glauben will, der kann sich Punkt 5 dieser Buzzfeed-Liste zu Gemüte führen. Wenn selbst Dave Grohl diese ganze Sache mit den guilty pleasures so richtig scheiße findet, dann muss da wohl etwas dran sein. Wenn wir alle aufhören würden, uns an die Definition von "cool" einer anderen Person anzupassen und Dinge einfach für das lieben würden, was sie sind, dann würde die Welt vielleicht ein kleines bisschen besser werden. Ausprobieren könnte man es ja mal.

3. Wir alle verdienen es, Spaß zu haben

Die 25. Figur eines Comichelden zu kaufen und ins Regal zu stellen, der Shoppingtrip ins nächste Einkaufszentrum oder der Binge-Marathon, wenn die neue Staffel "My little Pony" endlich vollständig da ist: Alles Dinge, von denen man behaupten könnte, sie wären ein guilty pleasure. Aber, und das ist, was eigentlich zählen sollte: In dem Moment hatte man Spaß damit. Und nun soll man sich dafür schämen? Es ist ja nun nicht so, dass man irgendwie eine Bank überfallen hätte oder jemanden mit seinen Aktivitäten beleidigt hätte. Alles, was passiert ist, ist, dass man Spaß mit etwas hatte. Und verdammt nochmal, wir alle verdienen ein bisschen Spaß in unserem Leben. Da draußen passieren tagtäglich genug schreckliche Dinge, sich davon mal abzulenken kann auch eine Form von Selbstpflege sein. Und das, meine lieben Leser, darf nie, nie, niemals etwas sein, wofür man sich schämen sollte.  

Wie seht ihr das? Sollte man sich wirklich für Dinge, die man gerne mag, schämen? Habt ihr Guilty Pleasures, die euch einen schlechten Tag retten können?

Hier übrigens noch Beitrag #1 mit dem Thema "Ich hasse Kino"