gesehen: Fullmetal Alchemist: Brotherhood

Edward Elric © KSM

Story


Edward und Alphonse Elric lernen bereits als kleine Kinder den Umgang mit der Alchemie. Als ihr Vater, Van Hohenheim, eines Tages die Familie verlässt und kurze Zeit später ihre Mutter Trisha stirbt, wagen die verzweifelten Kinder aus Trauer und Einsamkeit heraus das Unaussprechliche: Mittels Transmutation wollen sie ihre Mutter zurück ins Leben holen. Doch die beiden bezahlen einen hohen Preis für ihr gescheitertes Vorhaben. Fortan sind sie unterwegs, um ihre Körper wiederherzustellen. Dabei decken sie nach und nach eine Verschwörung unvorstellbaren Ausmaßes auf.


Kritik


Zu "Fullmetal Alchemist: Brotherhood" muss man zunächst ein wenig erklären. Bei der 64 Folgen umfassenden Serie handelt es sich nämlich um ein Remake. Bereits im Jahr 2003 gab es insgesamt 51 Folgen "Fullmetal Alchemist". Der Manga, auf dem der Anime basiert, war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht abgeschlossen, so dass die Macher der Serie sich gezwungen sahen, die Geschichte eigenhändig weiterzuführen. Erst 2010 war der Manga abgeschlossen, und im Jahr 2009 entschloss sich das Studio Bones, ein Remake des Animes in Angriff zu nehmen. So entstand "Fullmetal Alchemist: Brotherhood", welches sich sehr nah am Manga orientiert. Auf Empfehlung verschiedener Freunde hin wagte ich mit "Brotherhood" also den Einstieg in ein Universum, in dem man sich gut und gerne mal verlieren kann, weil es so verdammt faszinierend ist.

Alphone Elric © KSM
Wo fängt man also bei einer Serie, die 64 Folgen umfasst, mit der Besprechung an? Am besten wohl mit den Figuren. Mit Edward und Alphone Elric sind zwei extrem unterschiedliche Hauptfiguren mit an Bord, die beide auf so tragische Weise miteinander verbunden sind. Wo bei Ed oftmals die Wut über die Situation die Oberhand ergreift, ist Al ruhiger. Doch beide haben ihre ganz eigene Motivation, folgen ihren Wegen und halten trotzdem zusammen. In Flashbacks wird immer wieder ihre Vergangenheit aufgegriffen und in die fortlaufende Handlung integriert, so dass man als Zuschauer jederzeit Bescheid weiß. Beide entwickeln sich innerhalb der Geschichte stets logisch weiter und erleben im Verlauf der Serie eine abgeschlossene, ausgefeilte und vor allem immer mitreißende Charakterentwicklung. Grob entsprechen die Abläufe der klassischen Heldenreise.

Roy Mustang © KSM
Neben den beiden Brüdern gibt es zahlreiche weitere Figuren. Und hier schafft die Serie es wirklich, Großes zu vollbringen. Denn alle Nebenfiguren sind fantastisch geschrieben. Ihre Motivationen sind klar ausformuliert und werden nachvollziehbar abgehandelt. Niemand ist eindimensional geschrieben und es kam häufig vor, dass ich mein erstes Urteil über eine Figur komplett revidieren musste, weil neue Informationen hinzukamen und sie auf einmal in völlig anderem Licht erschienen ließ. Auch die Bandbreite an Motivationen ist überraschend vielfältig. Einige wollen zunächst einfach nur Rache oder streben nach Macht, andere haben die Zukunft ihres Landes vor Augen. Jede und jeder hat eigenen Antrieb und es fällt nicht schwer, mit ihnen allen mitzufühlen. Dies gilt sowohl für die als "gut" wahrgenommenen Figuren, als auch für die Antagonisten. Oftmals sind die Grenzen verschwommen und ich erwischte mich ein oder zwei Mal dabei, wie mir die Gegner der Brüder leidtaten, als ihr Antrieb für ihr Handeln ersichtlich wurde.

Winry Rockbell © KSM
In einer Serie, in der es um Alchemie/Magie und Krieg geht, gibt es natürlich auch eine Menge Action. Hier nimmt "Fullmetal Alchemist: Brotherhood" viel Zeit in Anspruch, um die zahlreichen Facetten von sowohl kleineren Kämpfen als auch großen Kriegen zu portraitieren. Es wird auch nicht davor zurückgeschreckt, die Schrecken des Krieges und die Brutalität, die sich Menschen gegenseitig zufügen können, zu zeigen. Im Verlauf der Episoden gibt es zahlreiche Gefechte zu sehen, die wirklich mitreißend in Szene gesetzt sind. Wann immer beispielsweise Roy Mustang seine Flammenalchemie nutzen kann oder Anführer Bradley mit seinem Schwert ans Werk geht, ist Staunen angesagt. Und natürlich sind generell die vielen verschiedenen Formen der Alchemie auf ihre Weise spektakulär. Oftmals erwischte ich mich, wie ich staunend vor dem TV saß.

Izumi Curtis und Edward Elric © KSM
Auch in ruhigeren Momenten, wo sich Konflikte zwischen einzelnen Figuren entfalten, wartet die Serie mit einigen schmerzhaften Tritten in die Magengrube auf. Oft wird die Frage gestellt, was Leben und das Menschsein eigentlich bedeuten. Der Akt des Klonens wird häufig und kritisch thematisiert, ebenso wie die Rolle des Militärs. Hier scheut die Serie nicht vor Themen wie Kindersoldaten und Deportationen zurück und allen Episoden liegt eine dringliche Ernsthaftigkeit zugrunde. Diese wird immer wieder durch humorvolle Momente aufgelockert, und am Ende wird immer wieder deutlich, wie wertvoll das Leben eigentlich ist. Einige Figuren schaffen es nicht bis zum Ende der Serie, und jeder einzelne Tod hat Gewicht und Einfluss auf das Verhalten der anderen Figuren. Bei all diesen bedrückenden Themen trotzdem eine positive Note aufrecht erhalten zu können, ist vielleicht die größte Leistung, welche diese Serie vollbringt.

Die Rockbells und die Elrics. © KSM
Generell lassen sich zahlreiche kritische Untertöne feststellen. Das Land Amestris, in dem die Geschichte zu großen Teilen spielt, entspricht wohl am ehesten einer westlich geprägten Kultur. Daneben gibt es zwei weitere Reiche, die eine Rolle einnehmen: Ishval und Xing. Amestris sieht sich ihnen gegenüber als überlegen an, oft zu dessen Nachteil. Dieser westliche Imperialismus wird innerhalb der Serie an diesen fiktiven Ländern deutlich kritisiert. Auch der Konflikt zwischen Alchemie als Wissenschaft und Religion auf der anderen Seite wird thematisiert. Während hier die Religion zwar besonders zu Beginn ihr Fett wegbekommt, wird schnell deutlich, dass unter dem Deckmantel der Wissenschaft schreckliche Dinge geschehen und teilweise verbotene Experimente durchgeführt werden. In beiden Aspekten lassen sich historisch inspirierte Momente aus dem Beginn des 20. Jahrhundert wiederfinden.

Olivier Armstrong und Sloth © KSM
Visuell ist der Anime eine Augenweide. Die Figuren sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und es gibt keine Ungereimtheiten in ihrem Erscheinungsbild. Auch auf Kleinigkeiten wird geachtet, so wird sich beispielsweise beim Reisen in kältere oder wärmere Gebiete entsprechend angezogen. Für die humorvollen Momente wird ein prägnant anderer Zeichenstil verwendet, der mich häufig so richtig zum Lachen brachte. Wie bereits erwähnt sind die Kämpfe und auch der Einsatz von Alchemie besonders eindrucksvoll in Szene gesetzt. Aber auch die unterschiedlichen Landschaften sind vereinnahmend und es ist verlockend, zwischendurch zu pausieren, um die Bilder besser auf sich wirken zu lassen. Es gibt unter anderem große und kleine Städte, Dörfer im Grünen, eine Eislandschaft und eine Wüste zu bestaunen. Nichts davon wirkt steril, oft hauchen beispielsweise kleine Tiere dem Geschehen im Hintergrund Leben ein.

Edward Elric und Buccaneer © KSM
Ergänzt wird all das durch einen rundum gelungenen Soundtrack. Bestimmte Themen werden immer wieder gespielt, der Wiedererkennungsfaktor ist entsprechend hoch. Sowohl die Intros als auch Outros wechseln relativ häufig und sind von Grund auf unterschiedlich, jedoch alle stimmig innerhalb der Serie. Nach einem Wechsel werden die nun nicht mehr verwendeten Songs aber ab und an in der Serie nochmals angespielt. Alles in allem ist der Soundtrack erinnerungswürdig und nach ein paar Folgen verbindet man bestimmte Stücke automatisch mit den ihnen zugewiesenen Figuren.

Scar und Alex Louis Armstrong © KSM
Ein paar abschließende Worte noch zur Synchronisation. Sowohl das japanische Original, als auch die englische und insbesondere die deutsche Version sind packend gesprochen. Wer bereits die Version von 2003 kennt, der darf sich auf ein Wiederhören mit den meisten Sprechern freuen. Neben David Turba, der Edward Elric spricht und in meinen Ohren vor allem dessen plötzliche Wutanfälle sowie gelegentliche Flüche besonders gut rüberbringt, gehört David Nathan als Roy Mustang zu meinen Favoriten bei der deutschen Synchronisation.

Anschauen könnt ihr "Fullmetal Alchemist: Brotherhood" auf Netflix, oder im Vertrieb von KSM käuflich erwerben.

Fazit


"Fullmetal Alchemist: Brotherhood" kommt ohne jeden Makel daher. Eine faszinierende, in sich geschlossene Welt, spannende und vielschichtige Figuren und eine Geschichte, die das Wort episch ausnahmsweise einmal wirklich verdient hat, ergeben eine der besten Serien, die ich bisher zu sehen bekommen habe. Würde ich eine einzige Serie mit auf eine einsame Insel nehmen dürfen, dann wäre es wohl diese hier.


Infos zur Serie


Originaltitel: Hagane no renkinjutsushi 
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Anime
FSK: 16
Laufzeit: 64 Folgen mit je 24 Minuten
Regie: Yasuhiro Irie


Trailer