gesehen: A Cure for Wellness

© 20th Century Fox

Story


Ein junger, ehrgeiziger Manager wird beauftragt, den Vorstandsvorsitzenden der Firma von einem idyllischen aber mysteriösen ‚Wellness-Center' zurückzuholen, das sich an einem abgelegenen Ort in den Schweizer Alpen befindet. Schon bald vermutet er, dass die wundersamen Anwendungen des Spas nicht das sind, was sie zu sein scheinen.
Als er beginnt, die erschreckenden Geheimnisse aufzudecken, wird sein Verstand auf eine harte Probe gestellt: bei ihm wird die gleiche seltsame Krankheit diagnostiziert, die alle anderen nach Heilung verlangenden Gäste dort festhält.


Kritik


Gore Verbinski, den Namen verbinden die meisten wohl mit "Fluch der Karibik". Oder auch dem launigen Remake "The Ring", je nachdem wo die eigenen Genrepräferenzen so liegen. Müsste man beide mit einem gemeinsamen Wort beschreiben, wäre dies wohl "massentauglich". Umso erstaunlicher scheint es, dass Verbinski mit "A Cure for Wellness" mal so richtig schön am Rad dreht.

Dabei läuft er vor allem auf der visuellen Ebene zur Höchstform auf. Recht zügig begleiten wir den mit einem herrlich ungesunden Teint gesegneten Dane DeHaan in ein luxuriöses Spa in den Schweizer Alpen. Und dort scheint alles perfekt. Das Personal wirkt freundlich, die Arbeitsuniformen sind stets adrett, das ganze Gebäude ist so sauber, man könnte vermutlich vom Boden essen. Und doch verfolgen die Blicke der Mitarbeiter die Patienten, hier bleibt nichts verborgen. Jason Isaac als Leiter dieser mysteriösen Klinik sieht man den Spaß an seiner Rolle an, diese Mischung aus Fürsorge und Wahnsinn ist zutiefst beunruhigend. Mia Goth wirkt, wie aus einer anderen Welt. Darstellerisch stimmt hier alles.
© 20th Century Fox
Doch zurück zur Optik. Die Sets sind detailliert und abwechslungsreich, wer das Auge schweifen lässt, wird einiges entdecken können. Besonders zum Ende hin wirkt der Film wie die opulenten Gothicstreifen, die heute kaum noch produziert werden. Auch sonst zieht die Farbgebung das Auge auf sich. Alles wirkt entsättigt, blau und grau dominieren das Bild, durchzogen von allerlei Weißtönen, die wirken, als hätte man ihnen einen dünnen, kränklich machenden Schleier übergezogen. Inmitten dieser Szenerie bewegen sich die wenigen Figuren und wirken wie die Grundidee einer Kritik an einem selbst auferlegten System. Lockhart (DeHaan) ist vor allem zu Beginn des Films unerträglich, auf seine Arbeit und seine Karriere fokussiert, er würde über Leichen gehen. Mit fortschreitender Laufzeit und dem sich offenbarenden Horror, der in der Klinik zelebriert wird, schleicht sich zunächst ein fieser Gedanke ein: Verdient ein Typ wie er, was passiert?
© 20th Century Fox

Hier wäre eine Menge Potenzial für kritische Auseinandersetzung vorhanden gewesen, doch es versandet irgendwo zwischen den sorgsam eingestreuten, wirklich ekligen Szenen. Diese wirken wie eine Art Weckruf, denn "A Cure for Wellness" erschafft sich selbst ein Paradoxon. Er ist zeitgleich kurzweilig und zu lang. Im letzten Drittel des Films stellt sich das Gefühl ein, alles bereits gesehen zu haben, die Überraschungen bleiben aus und als Zuschauer stellt sich diese Stimmung ein, in der man von der Handlung abschweift und hinterfragt, was passiert. Hier offenbaren sich dann zahlreiche Logiklücken, die vermutlich sonst nicht aufgefallen wären. Zum Ende hin reißt der Film das Ruder dann nochmal herum und serviert ein herrlich überzogenes Finale. Allein dafür gehört Verbinski Respekt gezollt, denn beschreiben lässt sich das alles schwer. Style over Substance trifft es wohl am ehesten. So genau kann ich am Ende nicht sagen wieso, aber mich hat der Film tatsächlich begeistert.

Fazit


Eines muss man Gore Verbinski lassen: Mit "A Cure for Wellness" schafft er es, zu faszinieren. Kunstvoll erschaffen wirkt die ganze Atmosphäre des Films, die Darsteller überzeugen ebenfalls und zwischendurch macht sich pures Unbehagen beim Zuschauer breit. Wer über die teilweise riesigen Logiklücken hinwegsehen kann, die hier nebenbei serviert werden, der hat mit diesem im positiven Sinne seltsamen Streifen sicher seine Freude.

Infos zum Film


Originaltitel: A Cure for Wellness
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Horror
FSK: 16
Laufzeit: 147 Minuten
Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Gore Verbinski, Justin Haythe
Darsteller: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth, Celia Imrie u.a.
 

Trailer

 

 

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