gesehen: Hellraiser

© Studiocanal

Story


Frank Cotton verschwindet unter mysteriösen Umständen aus seinem Haus, als er versucht einen geheimnisvollen Würfel zu öffnen. Jahre später ziehen sein Bruder Larry und dessen Frau ausgerechnet in dieses Haus. Frank gelingt es in Gestalt eines schrecklichen Wesens zurückzukehren. Um sich den Mächten der Finsternis endgültig zu entziehen, benötigt er die Hilfe seiner einstigen Geliebten Julia, die ihm nach wie vor hörig ist. Hilfe bedeutet für ihn Menschenblut, viel Menschenblut, um sein früheres Äußeres wiederherzustellen.


Kritik


Ikonen des Horrorfilms gibt es viele. Leatherface, Freddy, Jason ... gefühlt immer ein kleines bisschen im Hintergrund ist da aber noch Pinhead aus der "Hellraiser" Reihe. Sie basiert auf der Novelle "Hellbound Heart" von Clive Barker, der beim ersten Teil aufgrund vorheriger schlechter Erfahrungen mit Verfilmungen seiner Werke gleich selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm.

Was er 1987 erschuf, ist ein absurd-brutaler Mix aus abgründigem Terror, Lust und Schmerz und düsterer Fantasie. Die Entwicklung von Pinhead zu einer der ikonischsten Horrorfiguren würde man vermutlich nach dem ersten Teil nicht vermuten, denn es handelt sich viel eher um einen Vertreter der Kategorie "heimgesuchtes Haus" als einen simplen, matschigen Höllentrip. Sicher, die Effekte sind, besonders für das beinahe lachhaft kleine Budget von rund 1,5 Millionen Dollar, grandios geworden. Sie wirken realistisch, ekelhaft, haben diese Mischung aus saftig und glitschig an sich und können zu Magenverstimmungen führen. Doch hinter "Hellraiser" steckt mehr als nur das.

Denn die Cenobiten sind keine stumpfen Monster. Sie selbst sehen sich als Engel für die einen, Dämonen für die anderen. Durch Qualen wurden sie so aus der Welt entrückt, dass sie die Verbindung von Lust und Schmerz zum Exzess treiben. Als solche sind sie durchaus auch verhandlungsbereit und so sondern sie sich von den restlichen, oftmals stumpf metzelnden Filmmonstern doch drastisch ab. Gratulieren muss man dem Film auch zu seiner Ernsthaftigkeit. Statt seine Figuren, egal ob menschlich oder dämonisch, der Lächerlichkeit preiszugeben, findet sich unter dem Gekröse ein handfestes Familiendrama.

Auch die spärlichen Auftritte der Cenobiten sind eine ernste Angelegenheit. Vermutlich sorgt auch das für die Sonderstellung, die Pinhead als Vertreter der "Hellraiser" Reihe innerhalb der großen Figuren des 80er Jahre Horrors hat. Freddy, Jason, Leatherface und Michael Myers machen alle irgendwie noch Spaß und scheinen sich an Teenager zu richten. Pinhead zieht seine Sache bierernst durch und Themen wie das Verlangen nach außerehelichen Abenteuern und gescheiterte Familienstrukturen sind vielleicht nicht unbedingt ansprechend für ein jüngeres Publikum. Vor allem Julias Konflikt, die Abscheu vor dem eigenen Mann und die Bereitschaft, für eine Affäre wirklich alles zu tun und zu opfern, macht "Hellraiser" zu einer erwachsenen Angelegenheit. Ihren Abstieg in die Hölle kann man als Zuschauer gebannt mitverfolgen und sich permanent fragen, wie weit sie noch gehen will. Dementsprechend verliert der Film doch heftig an Spannung und Drive, sobald die Tochter im Teenageralter auf einmal im Mittelpunkt steht, denn sie ist mit Abstand die langweiligste Figur im ganzen Film.

Fast schon ironischerweise entfesselt "Hellraiser" seine gruseligsten Momente dann, wenn man nichts zu sehen bekommt. Hier und da sind Szenen eingestreut, in denen vor dem Blutbad schnell die Tür geschlossen wird, als Zuschauer bleibt man mit seiner Fantasie allein. Dazu treibt der großartige Soundtrack von Christopher Young einem den Angstschweiß auf die Stirn. Bedrohlich im einen Moment, beinahe schon absurd fröhlich im nächsten: Auch die Ohren bekommen hier ihren ganz eigenen Trip in die Hölle spendiert. 

Eine Anmerkung noch zum Schluss: Ich habe mir für meine Besprechung die Hellraiser-Box von Arrow, welche die ersten drei Teile beinhaltet, aus England zugelegt. Wer auf eine deutsche Veröffentlichung hofft, der darf sich den 18. Dezember 2017 im Kalender anstreichen. Turbine Medien bringt dann die ersten drei Teile ungeschnitten (bisher fehlende Szenen wurden nachsynchronisiert) und mit zahlreichen Extras ausgestattet in einer limitierten Box auf den Markt.  

Fazit


"Hellraiser" hat sich seinen Platz im Olymp der Horrorfilme redlich verdient. Neben fiesen Effekten und einem furchteinflößenden Pinhead überzeugen vor allem die Figuren mit ihrer Vielschichtigkeit. Wer sich ernsthaft mit Horror beschäftigen will, der kommt hier nicht dran vorbei. Und wieso sollte man das auch wollen, wo die Cenobiten einem doch so viele schöne, schreckliche Dinge zeigen können? 

Infos zum Film


Originaltitel: Hellraiser
Erscheinungsjahr: 1987
Genre: Horror
FSK: 16/18
Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Clive Barker
Drehbuch: Clive Barker
Darsteller: Sean Chapman, Clare Higgins, Andrew Robinson, Ashley Laurence, Doug Bradley u.a.
 

Trailer




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.