gelesen: Armageddon Rock

© Heyne
George R.R. Martin dürfte den meisten durch sein Fantasy-Epos "Das Lied von Eis und Feuer" bzw. "Game of Thrones" bekannt sein. Der gute Mann ist aber auch sonst recht umtriebig. "Armageddon Rock" erschien bereits 1983 unter seinem Originaltitel "Armageddon Rag", der im Kontext des Buches ein klein wenig mehr Sinn macht, aber ich will nicht meckern, die Geschichte rockt nämlich tatsächlich. Schauen wir also mal genauer zwischen die Buchdeckel.


Das steht drin


1971 wird Peter Hobbins, der Sänger der legendären Rockband Nazgûl, während eines Konzerts auf offener Bühne erschossen. Zehn Jahre später gehen die übrigen Bandmitglieder, begleitet von dem abgebrannten Musikjournalisten Sandy Blair, wieder auf Tour. Doch noch während die Nazgûl ein furioses Comeback feiern, geschehen mehrere bestialische Morde. Sandy beginnt Fragen zu stellen, und schnell wird ihm klar, dass es bei den Konzerten der Band nicht mit rechten Dingen zugeht …


Kritik


Fantasy-Fans sollten gewarnt sein, bevor sie hier zugreifen. Denn mit fantastischen Elementen hält Mr. Martin sich hier heftig zurück. Stattdessen gibt es einen Ausflug in die rockenden 60er Jahre. In die Zeit, als Musikjournalismus noch so richtig aufregend war, in der einzelne Bands Heerscharen von Anhängern versammeln konnten. Ein nostalgischer Trip zurück in eine vermeintlich bessere Zeit. Damals, als digitale Uhren am Handgelenk noch futuristisch waren. Mit Sandy Blair wird dem Leser eine Hauptfigur vorgesetzt, die sehnsüchtig und wehmütig auf diese bessere Zeit zurückblickt. Als man noch jung und wild war und nicht im Eigenheim saß und sich fragte, wie es so weit kommen konnte, wo man sich verloren hat.

Das macht "Armageddon Rock" gleich auf zwei Ebenen interessant. Einerseits versteht Mr. Martin es ausgezeichnet, Musik durch Worte zum Leben zu erwecken. Beim Lesen konnte ich mir die einzelnen Stücke, die er beschreibt, fast schon im inneren Ohr anhören. Die gelungene Übersetzung von Peter Robert tut ihr Übrigens zu einem gelungenen Leseabenteuer. Und dann ist da noch die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Kapitalismus vor Idealismus, die Biografien der damals so engagierten Freiheitskämpfer, die spätestens mit der Zäsur des Vietnamkrieges feststellen mussten, dass die Welt sich nicht träumen lässt. Nach und nach erfährt man mehr über die einzelnen Figuren, lernt sie und ihre verblassten Ideale besser kennen.

Und dann ist da noch die Geschichte an sich. Ein Krimi, gepaart mit ein bisschen Mystery. An und für sich ist vieles daran vorhersehbar, oftmals wird recht zügig deutlich, wer nun was ausgeheckt hat und wer hinter all dem steckt. Das ist in diesem Falle allerdings kein bisschen dramatisch, denn die Geschichte bleibt trotzdem faszinierend. Das gezeichnete Portrait einer Generation, die sich so sehr zurücksehnt nach der guten, alten Zeit, ist treffend geschrieben und lässt die Worte, die Songs und die Geschichte spürbar werden. 


Fazit


Mit "Armageddon Rock" erschuf George R.R. Martin eine Hymne an die Musik der 60er und diejenigen, die sie lebten. Packend geschrieben, messerscharf analysiert und zwischenzeitlich herrlich mystisch und auch zynisch lässt er fiktive Musik in die Gehörgänge der Leser los. Das shafft er, weil es wohl kaum ein Autor so gut versteht, seine Texte mit Leben zu erfüllen. Krimifans, Anhänger der guten alten Zeit, Freunde der Rockmusik und all diejenigen, die schon immer fanden, dass früher alles besser war sollten hier unbedingt mal einen Blick riskieren.

Fakten zum Buch


Armageddon Rock von George R.R. Martin | Verlag: Heyne | erschienen am 14. November 2016 | Übersetzer: Peter Robert | Softcover | 576 Seiten | 9,99€