Gelesen: Heilige Kuh

© Heyne Verlag

Das steht drin


Was haben Kühe, Popkultur und der Palästinakonflikt miteinander zu tun? Nun, sie sind alle Teil unserer heutigen Welt. Und in dieser Welt macht sich eine junge Kuh namens Elsie auf, etwas an ihrem Schicksal zu ändern. Gemeinsam mit einem zum Judentum konvertierten Schwein und dem wild plappernden Truthahn Tom begibt sie sich auf eine Abenteuerreise, in deren Verlauf der Leser viel Wahres über die Menschen erfährt. 

Kritik


Moment mal, David Duchovny? Ja, so in etwa dachte ich mir das auch beim Stöbern im Sortiment des Heyne Verlages. Denn David kennt man ja eigentlich eher als Schauspieler. Egal ob Agent Fox Mulder bei "Akte X", als Ermittler bei "Aquarius" oder (und da schließt sich der Kreis auch schon) als Schriftsteller Hank Moody in der großartigen Serie "Californication". Umso erstaunter war ich, dass er tatsächlich auch Bücher schreibt, oder zumindest eines veröffentlicht hat. Ein bisschen Recherche ergab dann, dass der gute Mann tatsächlich einen Master-Abschluss in Englischer Literatur besitzt und sogar eine Doktorarbeit angefangen, allerdings niemals beendet hat. Kurzum: Ich war sehr neugierig auf sein Buch.

Das Cover sticht ziemlich ins Auge. Zu sehen ist vor einem schwarzen Hintergrund eine Karikatur der Hauptfigur, Elsie. Ihre Pose wirkt zunächst ungewohnt, denn wann streckt eine Kuh schon mal alle Viere von sich? Aber im Laufe der Geschichte wird recht gut ersichtlich, wieso das Cover genau diese Pose zeigt. Der knallrote Sticker mit dem Verweis auf den deutschen Übersetzer, Timur Vermes, lässt sich leider nicht entfernen. Ich muss gestehen: Ich musste googlen, um herauszufinden, wer er ist. "Er ist wieder da" geht auf seine Kappe, allerdings habe ich weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen. Im Buch wirken einige Übersetzungen stellenweise recht seltsam, wer sich die englischen Gegenstücke nicht zurechtreinem kann, dürfte sich das eine oder andere Mal wundern.

David Duchovny selbst ist überzeugter Veganer, und seine Motivation ist in so ziemlich jeder Seite des kurzweiligen Buches spürbar. Was als witzige Umkehr der gewohnten Verhältnisse beginnt, in der die Tiere darüber sinnieren, wie ihr Leben auf der Farm verläuft, bekommt allerdings schnell härtere Untertöne. Entdeckt Elsie erst einmal, dass ihr Leben nicht sonderlich lang dauern wird, beginnt ein im wahrsten Sinne des Wortes wilder Road Trip. Die drei Tiere erleben Abenteuer in der Welt der Menschen. Dafür muss man die Vorstellungskraft schon mal ein wenig strapazieren. Truthähne betätigen sich als Piloten, und die Tiere laufen in menschlicher Kleidung unerkannt umher. Ein ums andere Mal wirkt die Mahnung, man solle sich um seinen Fleischkonsum doch mal Gedanken machen, ziemlich mit dem Holzhammer reingetrichtert. Andererseits regen kleine Weisheiten wie "Eine Mauer sperrt nicht nur die Menschen darin ein, sondern auch die anderen aus" zum Nachdenken an. Ich denke, Duchovny wollte hier eine Gratwanderung zwischen Moralkeule und Unterhaltung wagen. Diese ist zwischendurch etwas einseitig ausgefallen, insgesamt ist das Konzept jedoch gut durchdacht. Mindestens liefert die Lektüre ein paar Denkansätze, und das ist heutzutage doch schon eine Menge wert.

Fazit


Mit "Heilige Kuh" ist David Duchovny eine kurzweilige Parabel gelungen. Stellenweise ist der Humor etwas arg flach, an anderen Ecken wird dies durch wunderbare Seitenhiebe auf die aktuelle Popkultur aber locker wieder wettgemacht. Der deutschen Übersetzung sind einige Ausflüge in diverse Dialekte geschuldet, was sich stellenweise etwas schwerfällig liest. Und zu guter Letzt sind auch die Appelle an den gesunden Menschenverstand hier und da wirklich mit dem Holzhammer vorgetragen. Das schadet aber nicht, denn wenn dort draußen noch immer Menschen herumlaufen, die von den Schattenseiten unseres Fleischkonsums nichts wissen (wollen), dann muss wohl weiter darauf aufmerksam gemacht werden. Ein bissiges, herrlich schräges, stellenweise überzogenes Debüt, das neugierig auf mehr aus der Feder des Autors macht.

Fakten zum Buch


Heilige Kuh von David Duchovny | Verlag: Heyne | erschienen am 11. Juli2016 | Übersetzer: Timur Vermes | Softcover | 224 Seiten | 9,99€

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