Filmkritik: Crimson Peak

© Universal
Story: England im 19. Jahrhundert: Die junge Autorin Edith Cushing ist noch nicht lange mit Sir Thomas Sharpe verheiratet, doch schon kommen ihr erste Zweifel, ob ihr so ungemein charmanter Ehemann wirklich der ist, der er zu sein scheint. Edith spürt immer noch die Nachwirkungen einer schrecklichen Familientragödie und sie merkt, dass sie sich immer noch zu ihrem Jugendfreund Dr. Alan McMichael hingezogen fühlt. Durch ihr neues Leben in einem einsamen Landhaus im Norden Englands versucht sie, die Geister der Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen. Doch das Haus auf Crimson Peak – und seine übernatürlichen Bewohner – vergessen nicht so einfach ... denn zwischen Begehren und Finsternis, Geheimnissen und Wahnsinn liegt die Wahrheit unterhalb von Crimson Peak.
Kritik: Guillermo del Toro gehört, das muss vorher festgehalten werden, zu meinen absoluten Lieblingsregisseuren. Er bewegt sich in den fantastischsten, oft selbst erschaffenen Welten als wären sie sein Zuhause, und er erzählt Geschichten die vielleicht nicht immer direkt zugänglich für jeden sind, aber doch immer so viel mehr sagen als man auf den ersten Blick vermuten würde. "Crimson Peak" ist eine Gothic Horror Story, wie sie im Buche steht. Dessen sollten sich die Zuschauer bewusst sein, bevor sie mit völlig falschen Erwartungen an den Film herantreten.
Mia Wasikowska als Edith Cushing © Universal
Mit Tom Hiddleston, Jessica Chastain und auch Mia Wasikowska hat Del Toro Darsteller gefunden, die perfekt in diese altmodisch-gruselige Umgebung passen. Ergänzt werden sie durch einen zurückhaltenden Charlie Hunnam und den wie immer wundervollen Jim Beaver. "Crimson Peak" arbeitet, wie die Klassiker ihrer Zeit, vor allem über die emotionale Schiene. Und hier machen sich die Schauspieler dann bezahlt, denn die Atmosphäre knistert nur so vor versteckten Geheimnissen und Anspannung aller Art. Als Zuschauer spürt man, dass die Geschwister etwas verbergen und man ist gemeinsam mit Edith hilflos in den schier endlosen Gängen von Allerdale Hall verloren.
Jessica Chastain und Tom Hiddleston © Universal
Visuell ist "Crimson Peak" erneut eine gigantische Spielwiese, auf der sich ausgetobt werden kann. Die Kontraste zwischen der Umgebung und dem Aussehen der Darsteller sowie ihren Kostümen lädt zum Staunen und interpretieren ein. Rabenschwarzes Haar auf weißem Schnee, alles umfangende Dunkelheit in Form eines Mantels: "Crimson Peak" geizt nicht mit seiner Bildsprache. Als zentrales Schaustück glänzt das verfallene Haus der Sharpes. Roter Ton trieft wie Blut aus den Wänden, die absolute Isolation von der restlichen Umgebung und die Verschmelzung von Innen und Außen dank des eingefallenen Daches jagt wohlige Schauer über den Rücken. Dort, wo Häuser normalerweise Schutz bieten, dringen die Elemente ungehindert ein. Einige Räume sind verriegelt, und die Suche nach dem passenden Schlüssel wird zur Überlebensangelegenheit. Da viel Zeit darauf verwendet wird, die Architektur des Hauses und die verworrenen Gänge zu erforschen, bleibt im Finale die Orientierung möglich, was die Spannung gut nach oben treibt. Musik und vor allem die Umgebungsgeräusche ziehen die Spannungsschraube ebenfalls kräftig an und lassen "Crimson Peak" zu einem visuellen wie akustischen Meisterwerk werden. Zwischendrin gibt es einige, oftmals unerwartete, Gewaltspitzen zu bestaunen, im Großen und Ganzen jedoch ist dies hier eine liebevolle Hommage an den Glanz vergangener Zeiten, in denen die wahren Monster doch irgendwie humanen Ursprungs waren. Dabei wird sicher das Rad nicht neu erfunden, doch in seiner Opulenz sucht "Crimson Peak" seinesgleichen vergebens.
Allerdale Hall, heimlicher Hauptdarsteller © Universal
Fazit: "Crimson Peak" leidet vor allem unter seinem schlechten Marketing. Die Trailer suggerieren einen Horrorfilm voller Geister, doch hier liegt etwas ganz anderes vor. Würde man ihn richtig einordnen, dann hat man es hier mit einem lupenreinen, klassischen Gothic Horrorfilm zu tun, und der unterscheidet sich vom "normalen" und modernen Horrorfilm. Die Geister sind metaphorisch zu sehen. Guillermo del Toro hat seine Hausaufgaben gemacht und liefert einen Film ab, der von seinen Darstellern und vor allem von den grandiosen Kulissen getragen wird. Natürlich kann man bemängeln dass die Geschichte vorhersehbar ist, aber geht es wirklich darum? Ein Film auf den man sich einlassen muss, aber in seinem Fach ein ganz starker Genrebeitrag, der zum Wiedersehen, zum Träumen und Versinken einlädt.
Infos zum Film

Originaltitel: Crimson Peak
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Horror, Romantik, Fantasy, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 118 Minuten
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Matthew Robbins
Darsteller: Mia Wasikowska, Jessica Chastain, Tom Hiddleston, Charlie Hunnam, Jim Beaver, Doug Jones u.a.
Trailer


Kommentare:

  1. Ich wollte "Crimson Peak" ja schon lange sehen, aber dein Beitrag hat mein Interesse jetzt nochmal von Neuem geweckt. Man merkt beim Lesen, wie begeistert du von dem Film bist, und die Geschichte sowie die Bilder sind ja auch sehr vielversprechend.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Sandra,
    "Crimson Peak" klingt ja wirklich interessant! Danke für deine Rezension, sie hat mich richtig neugierig auf den Film gemacht. Ich mag klassische Gothic Horrorfilme mit einer gesunden Portion Romantik und Drama. Der Trailer gefällt mir jedenfalls schon einmal recht gut :)

    AntwortenLöschen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.