Serienkritik: The Killing - Die komplette Serie

© 20th Century Fox / Studiocanal / Pandastorm
Wäre man gemein, dann würde man sagen: Die Amerikaner können mit fremdsprachigen Filmen und Serien nichts anfangen und produzieren deswegen laufend Remakes. Oft reichen diese Remakes in keinster Weise an ihr Original heran. Im Falle der Serie "The Killing", die auf der dänischen Serie "Förbrydelsen" (im deutschen Raum: "Kommissarin Lund") beruht, sieht das ein wenig anders aus. Nun gibt es alle vier Staffeln in einer schicken Box zu kaufen. Grund genug, euch die Serie mal näher vorzustellen. 

Story: Die ersten beiden Staffeln drehen sich um den Mordfall an der jungen Rosie Larsen. Detective Sarah Linden und Stephen Holder müssen den Fall gemeinsam aufklären. Dreh- und Angelpunkte sind einerseits die Auflösung des Falls, dann die zerschlagene Familie des Mordopfers sowie der Wahlkampf um das Bürgermeisteramt von Seattle, der durch den Mord ins Stocken gerät. In der dritten Staffel ermittelt Holder in einem Fall, der erschreckende Parallelen zu einem bereits abgeschlossenen Fall von Linden aufweist. Doch der Täter wurde damals gefunden und verurteilt. Wurde ein Fehler gemacht? Die vierte Staffel behandelt den Mord an einer Familie.
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Kritik: Um "The Killing" gab es eine ganze Reihe Probleme. Der Sender AMC produzierte die ersten beiden Staffeln und setzte die Show danach ab. Fox Television mischte sich ein und suchte nach einem Produktionspartner. Den fand man dann in Netflix, und eine dritte Staffel wurde ausgestrahlt. Danach setzte AMC die Serie erneut ab, Netflix gab nach 2 Monaten bekannt, dass sie eine vierte und letzte Staffel mit sechs Folgen produzieren würden. In Deutschland fristete die Serie ein Nischendasein auf dem Pay-TV Sender RTL Crime, die Staffeln 3 und 4 wurden von Netflix gezeigt. Es ist also nicht besonders verwunderlich, dass kaum jemand "The Killing" wirklich auf dem Radar hatte.

Mit der Komplettbox kann sich dies nun ändern. Wie schon beim dänischen Original gilt: Das Suchtpotenzial ist ziemlich hoch. Vor allem die ersten beiden Staffeln, die in insgesamt 26 Episoden einen einzigen Mordfall auflösen, wissen zu fesseln. Ich bin ja vor allem, wenn es draußen auf Herbst und Winter zugeht, immer für Krimis zu begeistern, aber wenn mir jede Folge ein neuer Fall vorgesetzt wird fühlt sich das oft zu überhastet an. Hier konnte ich kaum schnell genug die nächste Folge auswählen. Besonders faszinierend ist auch, dass die Spannung sich kontinuierlich aufbaut. Am Anfang wirkt das düstere, dauerverregnete Setting in Seattle vielleicht noch etwas abschreckend, doch man wird schnell in diesen Sog hineingerissen. Es geht dann auch weniger um den Mord an sich, sondern vielmehr darum, welche Auswirkungen dieser hat: Auf die Polizei, die Familie, die Politik.
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Klar, über vier Staffeln hinweg und insgesamt drei aufzuklärende Morde kann "The Killing" nicht alle Stolperfallen des Genres umgehen. Irgendwann wird jeder mal verdächtigt, und als Zuschauer rätselt man munter mit, muss sich aber gedulden bis es zur Auflösung kommt. Jeder Funken Kritik wird aber locker dadurch aufgewogen, dass die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren unglaublich stimmig ist. Mireille Enos und Joel Kinnaman liefern tiefgehende Portraits ihrer Figuren ab. Vor allem Sarah Linden ist eine faszinierende Figur. Sie spricht nur, wenn es unbedingt etwas zu sagen gibt, sie ist das ruhige Zentrum in einem Sturm, den kaum jemand bändigen kann. Der Fokus auf die wenigen Fälle sorgt auch dafür, dass man als Zuschauer nicht mit banalen Nebenschauplätzen belästigt wird, die effektiv nur dazu da wären, um Zeit totzuschlagen. Alles, was hier passiert, trägt zur Geschichte bei und ist wichtig.

Staffel 3 bringt nicht nur eine Nebenrolle für Jewel Staite (Kaylee aus "Firefly" und somit mein persönliches, kleines Highlight in der Staffel) und einen umwerfenden Auftritt vom ewig unterschätzten Peter Saarsgard, sondern auch einen neuen Mordfall. Und einen Subplot über Kinderprostitution, der er tatsächlich schafft, dass man sich aufrichtig für die Kids interessiert. Der Fokus liegt nun auf einem Serienkiller, was zwar eine Abwendung von der willkommenen Abwechslung der ersten beiden Staffeln darstellt, aber immer noch faszinierend geschrieben ist. So wird die Serie ein bisschen konventioneller, ohne dabei langweilig zu wirken.
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Die vierte Staffel bringt dann in knackigen sechs Episoden die ganze Serie zu einem würdigen Abschluss. Zu viel kann ich ja nicht darüber schreiben, besonders bei Krimis will man ja niemandem die Spannung verderben. Offene Fragen werden beantwortet, ab und an scheint sogar mal die Sonne. So ganz rund ist der Abgang nicht geworden, dafür sind sechs Folgen auch irgendwie zu wenig. Die Verbindung des Mordfalles mit dem Innenleben der beiden liebgewonnenen Ermittler ist ebenfalls lückenhaft. Andererseits ist es wohl auch ziemlich schwierig, eine so komplexe Serie in so kurzer Zeit zu Ende zu bringen. Für das Gesamtpaket ist die finale Staffel unerlässlich, auch wenn sie mit Abstand die schwächste der vier ist. Wer sich trösten will kann ja aber nun jederzeit die anderen drei Staffeln ansehen und dort in trist-trüb-grauer Erinnerung schwelgen.

Fazit: Krimifans, die nicht jede Woche einen neuen Fall vorgesetzt bekommen wollen, sollten hier unbedingt zugreifen. Aber auch Freunde des herkömmlichen Krimis dürfen mutig sein und sich auf die komplexe Geschichte von "The Killing" einlassen. Mit genug Änderungen dem dänischen Original gegenüber kommen auch Kenner der ursprünglichen Story noch auf ihre Kosten. Vor allem die beiden Hauptdarsteller wissen zu begeistern und trösten über kleinere Längen in der Laufzeit ganz leicht hinweg. Wegen akuter Suchtgefahr sollte man vielleicht allerdings am besten an einem Freitagnachmittag mit dem Anschauen beginnen, denn selten lud eine Serie so dazu ein, gleich mehrere Folgen am Stück wegzuschauen.

Die Blu-rays: Pandastorm veröffentlicht die Komplettbox (seit dem 15. September 2016 im Handel erhältlich) im schicken Pappschuber ohne FSK-Aufkleber. Wer lieber die Keepcases einzeln im Regal stehen haben möchte, findet in allen vier Hüllen jeweils Wendecover vor. Jede Staffel kommt mit einem kleinen Falt-Booklet daher, in dem sich jeweils ein Episodenguide befindet, damit die Übersicht nicht verloren geht. Insgesamt befinden sich 11 Discs in der Box, die Gesamtlaufzeit beträgt stattliche 1948 Minuten.

Alle vier Staffeln können sowohl in der englischen Originalversion als auch in der deutschen Synchronfassung angesehen werden. Beide Tonspuren liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Die Abmischung ist sauber, die Dialoge sind jederzeit gut verständlich und auch sonst ist der Ton schön räumlich und satt. Untertitel sind in Deutsch und Englisch ansehbar. Das Bild ist kontrastreich, trotz der recht düsteren Farbgebung der Serie werden keine Bildelemente verschluckt. Auch die Schärfe ist gut gesetzt.

Eine ganze Menge Bonusmaterial findet sich ebenfalls in den einzelnen Staffelboxen. Es gibt neben den Episodenguides in den Booklets noch eine Extended Episode 13 aus Staffel 1 sowie einen Audiokommentar zu Episode 1 und 13 der ersten Staffel. Die zweite Staffel bringt zwei Featurettes mit: Rosie’s letzter Video Blog und eine Autopsie von The Killing. Dazu gibt es noch ein paar Deleted Scenes. Staffeln eins und zwei haben darüber hinaus noch eine Bildergalerie mit an Bord.   

Infos zur Serie

Originaltitel: The Killing
Erscheinungsjahr: 2011 - 2014
Genre: Krimi
FSK: 16
Laufzeit: ~ 1948 Minuten (44 Episoden insgesamt, Staffel 1–3: 45 Minuten, Staffel 4: 60 Minuten pro Folge)
Regie:Ed Bianchi, Nicole Kassell, Phil Abraham u.a.
Drehbuch: Veena Sud, Dan Nowak, Dawn Prestwich u.a.
Darsteller: Mireille Enos, Joel Kinnaman, Billy Campbell, Michelle Forbes, Brent Sexton, Kristin Lehman, Eric Ladin, Jamie Anne Allman, Joan Allen u.a.

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