Filmkritik: Ein Mann namens Ove

© Concorde
Story: So einen Nachbarn wie Ove kennt jeder: Schlecht gelaunt, grantig, in die Jahre gekommen. Einer der jeden Morgen seine Kontrollrunde in der Reihenhaussiedlung macht, Falschparker aufschreibt und Mülltonnen auf korrekte Mülltrennung überprüft. Aber hinter seinem Gegrummel verbergen sich ein großes Herz und eine berührende Geschichte. Seit Oves geliebte Frau Sonja gestorben ist, sieht er keinen Sinn mehr im Leben und trifft praktische Vorbereitungen zum Sterben. Doch dann zieht im Reihenhaus nebenan eine junge Familie ein, die als Erstes mal Oves Briefkasten umnietet …

Kritik: Besonders zu Beginn macht Ove einen furchtbar unsympathischen Eindruck. So ziemlich jeder hat irgendwo in seiner Nähe einen dieser Hobby-Polizei-Rentner wohnen. Sie wissen stets über alles Bescheid und haben ihren Fensterplatz (von dem aus sie die Nachbarschaft im Auge behalten) schön fein mit Kissen ausstaffiert. Um genau so einen Zeitgenossen scheint es auch hier zu gehen, doch natürlich steckt mehr dahinter.

In Rückblenden erfährt der Zuschauer, was Ove antreibt. Hier wird es emotional, eine Tatsache, auf die weder Cover noch Klappentext so richtig hinweisen wollen. Wer also eine rein bitterböse Beobachtung erwartet, der wird sicher überrascht. Der Film drückt stellenweise heftig auf die Tränendrüse, immer im steten Wechsel mit der nächsten, zynischen Einlage. Das Thema des Suizides als Aufhänger für die weitere Geschichte zu nehmen scheint da auf den ersten Blick unpassend und vielleicht sogar ein wenig geschmacklos, doch es geht vielmehr um Sehnsucht als solche, nicht unbedingt nur nach dem Tod.
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Rolf Lassgård, den die meisten wohl als Wallander kennen, schafft es dabei mit nuancierter Mimik, Oves Gefühlswelt auch ohne viele Worte nach außen zu tragen. Er rettet so auch den Film davor, permanent auf der Kitschwelle mitzureiten. Natürlich handelt es sich hier am Ende trotzdem um Wohlfühlkino, bei dem es darum geht, Anteil am Schicksal seiner Hauptfigur zu nehmen. Das ist ohne große Ausfälle oder besondere, inszenatorische Meisterleistungen in Szene gesetzt, wird dem Thema an sich aber durch seine Unaufgeregtheit vollkommen gerecht. Und wer weiß, vielleicht betrachtet der eine oder andere Zuschauer den griesgrämigen Oberaufseher der eigenen Straße in Zukunft ja mit anderen Augen. Dass hinter jeder Fassade eine Geschichte steckt, das dürfte dann auch die schönste Botschaft des Filmes sein.

Fazit: Überlasst es den Skandinaviern, in diesem Fall den Schweden, bitterbösen und tiefschwarzen Humor so gekonnt mit einer herzerweichenden Lovestory zu verknüpfen, dass man als Zuschauer permanent zwischen Lachen und Mitweinen schwankt. "Ein Mann namens Ove" ist stellenweise nichts für zarte Gemüter, doch wer auf die Mischung aus herzhaft fiesem Humor und einer guten Dosis Romantik steht, der sollte hier unbedingt einen Blick riskieren.

Die Blu-ray: Die Blu-ray ist seit dem 10. August 2016 im Verleih von Concorde im Handel erhältlich. Die Hülle kommt mit einem Wendecover, als weitere Extras gibt es leider nur ein paar Trailer. Das ist schade, hätte es sich doch gerade bei einer Literaturverfilmung angeboten, in diesem Bereich ein Making-of zu produzieren. Bei den Sprachen kann zwischen dem schwedischen Originalton in DTS-HD MA 5.1 oder einer deutschen Tonspur, entweder in DTS-HD MA 5.1 oder Dolby Digital 2.0 ausgewählt werden. Alle Kanäle verfügen über gut abgemischten Ton, die Dialoge sind jederzeit gut verständlich. Das Bild ist ebenfalls schön ausgewogen, die Kontraste und Schwarzwerte überzeugen.


Infos zum Film

Originaltitel: En man som heter Ove
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Drama
FSK: 12
Laufzeit: 112 Minuten
Regie: Hannes Holm
Drehbuch: Hannes Holm
Darsteller: Rolf Lassgård, Bahar Pars, Filip Berg, Ida Engvoll, Tobias Almborg u.a.

Trailer


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