Filmkritik: The Boss

© Universal Pictures
Story: Vom Büro mit Panoramablick direkt hinter schwedische Gardinen: Nachdem die extrem erfolgreiche Unternehmerin Michelle Darnell beim Handeln mit Insiderinformationen erwischt wird, wandert sie direkt ins Gefängnis. Das wiederum ist so gar nicht nach ihrem Geschmack. Wieder auf freiem Fuß, will sie sich der Welt nun als ehrbar und rechtschaffen präsentieren – als die Sünderin, die aus ihren Fehlern gelernt hat… Doch die Chefin steckt noch in ihr und alte Angewohnheiten schwinden nicht einfach so. Außerdem ist nicht jeder, der von Michelle damals aufs Kreuz gelegt wurde, bereit, ohne weiteres zu vergeben und zu vergessen.

Kritik: Komödien sind ein Minenfeld, ich glaube, das kann man gar nicht oft genug sagen. Fast nichts ist so individuell wie Humor. Worüber der eine lachen kann, zeigt sich der nächste entsetzt und schüttelt ungläubig mit dem Kopf. Eine Komödie, in der jeder Witz zündet? Ich persönlich kenne keine. Und doch schau ich mir gern Komödien an, denn wenn sie funktionieren, dann hat man am nächsten Tag Muskelkater im Bauch vor lauter lachen.
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Leider ist "The Boss" keine solche Komödie geworden. Das liegt nicht an den Darstellern, die legen sich hier schon ins Zeug. Melissa McCarthy ist in ihrer gewohnten Art und Weise zu sehen, da muss jeder für sich entscheiden ob er das so mag. Ich finde sie nach wie vor super. Kristen Bell spielt weitestgehend nett-naiv, zeigt aber zwischendurch, dass sie auch anders kann. In Nebenrollen tauchen Peter Dinklage (nach Pixels schon wieder eine extrem fragwürdige Rolle, was ist da los?) und Kathy Bates auf, so richtig zünden will das aber alles nicht. Immerhin die ausgefallenen Kostüme überzeugen und gehen gut als Parodie auf die eine oder andere Prominente Ratgeber-Persönlichkeit durch. Doch der Schuldige für die restliche Misere lässt sich hier zügig finden: es ist das Drehbuch.

Komödien mit Drama zu vermischen ist immer eine gewagte Sache, aber hier geht das einfach mal so richtig in die Hose. Dabei sind die Drama-Anteile an sich durchaus gelungen, die Gegenüberstellung von hart erarbeitetem Reichtum auf der einen Seite, der auf Kosten von Familie und Geborgenheit auf der anderen Seite geht, stimmt zwischendurch nachdenklich und gibt McCarthy Raum, ihre ernste Seite zu zeigen. Und die beherrscht sie dann auch. Doch die derben, stellenweise einfach so gar nicht lustigen Einlagen lenken davon ab und lassen mich ratlos zurück. Klar, hier und da zünden die Gags. Ich bin immer froh, wenn vor allem frauenspezifische Themen humoristisch aufgenommen werden, ich denke jede Frau, die vor einem Date schon mal verzweifelt durch ihre Unterwäschen-Schublade gewildert ist, weil jeder BH entweder 10 Jahre alt ist, komisch aussieht oder eine seltsame Oberweite formt (liebe Männer, richtig passende BHs sind eine komplizierte Wissenschaft, lasst euch das gesagt sein), das funktioniert hier auch sehr gut und sorgte bei mir für die meisten Lacher. Über Erwachsene, die sich in Zeitlupe mit Kindern prügeln, werde ich vermutlich allerdings auch in zehn Jahren nicht lachen können. Aber hey, jedem das seine, und wie gesagt, Humor ist individuell. Hier geht die Rechnung allerdings nicht auf, dafür ist "The Boss" am Ende einfach zu unausgewogen und zu weit über verschiedene Felder verteilt, die so gar nicht zusammenpassen wollen. 
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Fazit: "The Boss" wandelt relativ unsicher irgendwo zwischen Komödie und Drama hin und her. Die Hauptfigur ist die meiste Zeit über herrlich unsympathisch, was einerseits erfrischend ist, andererseits aber stellenweise einfach nur anstrengend ist. Weitestgehend fehlt Gespür und Timing für die Comedy, was natürlich bei einer Komödie fatal ist. Einige gut gestreute Lacher gehen in Absurditäten über, die man mit einem besseren Drehbuch hätte vermeiden können. Dramaanteile werden willkürlich eingestreut und verpuffen deshalb fast gänzlich ohne jede emotionale Reaktion. Und darstellerisch wurde hier mit Kathy Bates, Peter Dinklage und Kristen Bell wirklich Alles verschwendet. Und Melissa hat schon mehrfach bewiesen, dass sie besser spielen kann, als es hier der Fall ist. Eine gute Idee, bestenfalls mittelmäßig umgesetzt, und das auch nur, wenn man gnädig sein will. "The Boss" hätte vermutlich als reines Drama deutlich besser funktioniert.

Infos zum Film

Originaltitel: The Boss
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Drama
FSK: 12
Laufzeit: 99 Minuten
Regie: Ben Falcone
Drehbuch:  Ben Falcone, Melissa McCarthy
Darsteller: Melissa McCarthy, Kristen Bell, Peter Dinklage, Kathy Bates, Ella Anderson u.a.

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