Serienkritik: Kommissarin Lund Staffel 1

© Edel Germany GmbH
Story: Ein brutaler Mord erschüttert Kopenhagen. Wer hat Nanna Birk Larsen getötet? Im Verlauf von insgesamt 10 fesselnden Episoden verfolgen Sarah Lund und ihr Team den Mörder des Mädchens. Für die Eltern ist ein Albtraum wahr geworden. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Sie wollen Rache, sie wollen Gerechtigkeit. Die Fahndung beginnt. Diverse Verzweigungen bei der Aufklärung des abscheulichen Verbrechens scheinen sich durch ganz Kopenhagen und alle gesellschaftlichen Milieus zu ziehen. In der Familie und der Politik, bei Lehrern und Mitschülern – immer neue Abgründe tun sich vor den Augen der jungen Kommissarin auf.

Kritik: Ich glaube, ich kann gar nicht häufig genug betonen, wie sehr ich skandinavische Krimis mag. Diese Mischung aus düster angehauchter Story, kühlen Bildern und verwobener Erzählung nimmt mich immer wieder voll in ihren Bann. Aktuelles Objekt meiner Schwärmerei ist "Kommissarin Lund". Und ja, ich weiß, dass die Serie schon etwas älter ist. Doch Ende September kommen alle drei Staffeln des dänischen Erfolges in einer Komplettbox auf den Markt, und ich stelle euch heute die erste Staffel vor und erkläre euch, wieso ihr einen Blick riskieren solltet.
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In insgesamt 1000 Minuten wird hier ein einziger Mordfall aufgeklärt. Das spannende daran ist, dass sich, ausgehend von diesem Mord an der 19 Jahre alten Schülerin Nanna Birk Larsen, auf drei Ebenen konzentriert wird. Da wären einmal die Ermittlungen, die Sarah Lund gemeinsam mit ihrem Nachfolger durchführt. Daneben wird sich ungewöhnlich ausgiebig mit der hinterbliebenen Familie des Mordopfers auseinandergesetzt. Und dann ist da noch die politische Ebene. Durch die lange Laufzeit schafft die erste Staffel es wirklich gut, richtig ins Detail zu gehen. Selbst Nebenfiguren bekommen hier eine Menge Raum zugeteilt, so entsteht ein dichtes Netz, und man rätselt schnell mit, wer denn nun den Mord begangen haben könnte. Zuviel will ich gar nicht verraten, jeder kleine Spoiler wäre hier einer zu viel.

Richtig Laune machen auch die Darsteller. Vor allem Sofie Gråbøl als Sarah Lund liefert eine großartige Leistung. Sie ist verbissen wenn es drauf ankommt, kann aber durchaus auch einfühlsam sein. Auch die restlichen Beteiligten schaffen es, gemeinsam ein tiefgehendes Bild zu zeichnen. Es geht nicht nur um die Aufklärung des Mordes, sondern eben auch um den Umgang auf der zwischenmenschlichen Ebene. Wie arrangiert man sich mit einem solchen Verlust? Wie schafft man es, bei einem solchen Mordfall als Ermittler nicht aus der Fassung zu geraten? Was zählt mehr, die eigenen Ideale, oder doch das große Ganze? "Kommissarin Lund" lädt mit solchen, großen Fragen auch zur Auseinandersetzung mit sich selbst ein. Gewohnt qualitativ hochwertig sind auch die Kulissen und die Requisiten, die Locations sind stimmig und es fällt leicht, sich auf die Geschichte einzulassen. Minimale Abstriche in Sachen Logik könnte man machen, wenn man Rosinen picken wollen würde. Klar wäre die Arbeit leichter, wenn die Polizisten mehr miteinander kommunizieren würden. Und natürlich wird erstmal jeder irgendwie verdächtigt, bevor der Täter dann identifiziert werden kann. Dinge, die eigentlich jede Krimiserie so mit sich bringt, die hier aufgrund der langen Auseinandersetzung mit einem Fall aber vielleicht ein wenig mehr ins Auge fallen. Doch im Angesicht der konsequenten und gut erzählten Geschichte lässt sich leicht über solche kleinen Makel hinwegschauen.
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Fazit: Krimifans, besonders diejenigen, die auf skandinavisches Material stehen, sollten hier unbedingt einen Blick riskieren, so dies noch nicht geschehen ist. Eine dicht verwobene Story erstreckt sich auf mehreren Ebenen, und die Macher nehmen sich alle Zeit der Welt, das Geschehen aus zahlreichen Blickwinkeln zu beleuchten. Abgerundet wird das durch richtig gut aufgelegte Darsteller, die in ihren Figuren voll aufgehen. Hier stimmt beinahe alles, und kleinere Makel verblassen rasch im Angesicht all der Dinge, die "Kommissarin Lund" richtig, richtig gut macht.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Edel (erschien am 22. Oktober 2015 erstmals) liefert ein gelungenes Komplettpaket. Auf insgesamt 5 Discs verteilen sich die zehn Episoden mit je 100 Minuten Laufzeit. Im Gegensatz zur Ausstrahlung im ZDF liegen die Folgen hier auch ungeschnitten vor. Wer sich auf dänischen Originalton gefreut hat (so wie ich, dänisch ist eine wundervolle Sprache), der schaut hier allerdings in die Röhre. Einzig die, wenn auch wirklich gut gemachte, deutsche Synchronfassung sowohl in Dolby Digital 2.0 als auch DTS-HD 2.0 hat es auf die Blu-ray geschafft. Wie sowas heutzutage noch möglich ist, kann ich mir absolut nicht erklären. Das Bild ist scharf, die kühlen Farben kommen gut zur Geltung. Als Extras gibt es ein spannendes Making-of, ein paar Szenen vom Casting und einige Interviews zu bestaunen. Ein Wendecover liegt leider nicht bei.

Infos zur Serie

Originaltitel: Forbrydelsen
Erscheinungsjahr: 2007 (Dänemark) / 2008 (deutsche Erstausstrahlung)
Genre: Krimi
FSK: 16
Laufzeit: ~ 1000 (10 Folgen mit je 100 Minuten Laufzeit)
Regie: Kristoffer Nyholm, Henrik Ruben Genz, Hans Fabian Wullenweber, Birger Larsen
Drehbuch: Søren Sveistrup
Darsteller:  Sofie Gråbøl, Bjarne Henriksen, Ann Eleonora Jørgensen, Søren Malling, Lars Mikkelsen u.a.

Trailer



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