Filmkritik: 9. April - Angriff auf Dänemark

© Pandastorm
Story: April 1940: Die deutsche Wehrmacht zieht Truppen an der deutsch-dänischen Grenze zusammen. in Dänemark häufen sich die Gerüchte über eine bevorstehende deutsche Mobilmachung, doch die dänische Armee hat den Befehl, passiv zu bleiben, um den großen Nachbarn nicht zu provozieren.
Leutnant Sand ist mit seinem Zug unerfahrener Soldaten 10 Kilometer vor der Grenze stationiert. Seinen Männern musste er erzählen, sie seien auf einer Routineübung. Am Abend des 8. April schickt er sie in voller Kampfmontour ins Bett. Noch in dieser Nacht beginnt die Wehrmacht um 4:15 mit der Invasion. Sand erhält den Auftrag, die deutschen Truppen aufzuhalten bis Verstärkung eintritt. Eine unmögliche Mission...

Kritik: Theoretisch könnte man ja meinen, dass zum Thema Zweiter Weltkrieg so langsam alle Geschichten erzählt wären. Dem ist natürlich nicht so. "9. April", der bei uns gar nicht erst im Kino lief und direkt für das Heimkino veröffentlich wurde, fügt der Erzählung eine bisher ungehörte Perspektive hinzu: die Dänische. Die geht nämlich in der Diskussion um den Zweiten Weltkrieg gerne mal unter, weil die meisten Leute vermutlich einfach annehmen, dass die Dänen sich nicht gegen die ach so friedliche, deutsche Invasion gewehrt haben. Haben sie natürlich, und diese Story bringt und "9. April" näher. Das allein verdient schon Aufmerksamkeit. Erfreulicherweise entpuppt der Film sich dann aber auch noch als richtiges Juwel.
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Betont unepisch kommt er daher, und entfaltet genau deswegen einen bizarren Schrecken beim Ansehen. Eine kalte Atmosphäre macht sich breit und kriecht wie ein bedrohlicher Nebel an einen heran. Das sture Beharren auf Befehlen ist für den Zuschauer natürlich von vornherein der Grundstein für das spätere Debakel, doch was soll man als junger, unerfahrener Soldat machen? Man hört auf denjenigen, der es am besten wissen sollte, also den Vorgesetzten. Die anfängliche Distanz zu den Figuren wird dann auch rasend schnell aufgebrochen.
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Spätestens, wenn die dänischen Jungs mit ihren Fahrrädern dann der deutschen Übermacht tapfer entgegenradeln, ausgestattet mit je 40 Schuss in ihren Maschinengewehren. In verhältnismäßig engen Gassen bricht ein Gefecht aus, dem die dänische Führungsriege natürlich nicht beiwohnt. Völlig kitschbefreit werden die Ereignisse nacherzählt, umso eindrucksvoller prägt sich die Geschichte ein. Dies ist natürlich einerseits darin bedingt, dass "9. April" dem Kriegsfilmgenre tatsächlich eine neue, bisher ungesehene Perspektive hinzufügen kann. Und dann wäre da noch die handwerkliche Komponente. Mit Pilou Asbæk (Game of Thrones) und Lars Mikkelsen (Sherlock) hat man zwei überaus talentierte Zugpferde in den Hauptrollen, die eindrucksvoll demonstrieren, wie gut es um das dänische Kino bestellt ist. Auch die jungen Soldaten überzeugen durch die Bank weg. Da ihnen am Anfang recht viel Zeit gegeben wird, um die Figuren genau vorzustellen, entsteht auch schnell eine Bindung zu ihnen. Abgerundet wird dies durch einen eindrücklichen Soundtrack und sorgfältige und vor allem ruhige Kameraarbeit.

Fazit: "9. April" gelingen gleich mehrere Geniestreiche. Zuerst einmal erzählt er eine Geschichte, die bisher nicht filmisch verarbeitet wurde. Dies auf geerdete Art und Weise, gänzlich kitschbefreit und gerade deswegen umso packender. Grandios aufspielende Darsteller treffen auf eine solide Inszenierung, der man das Langspielfilmdebüt des Regisseurs keinesfalls ansieht. Eine absolute Empfehlung, nicht nur für historisch Interessierte.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Pandastorm (im Handel ab dem 19. August 2016) kommt im Keepcase mit einem Wendecover ohne FSk-Aufkleber ins Haus. Das Sammlerherz freut sich über den Anblick also schon mal. Auf der Disc befinden sich sowohl die deutsch synchronisierte, als auch die dänische Originaltonspur, beide liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Bei beiden Tonspuren ist das Verhältnis von Dialog zu Geräuschen sehr gut ausgewogen, es gibt keine Verständnisprobleme. Richtig eindrucksvoll auf die Ohren gibt es in den Gefechtsszene. Da ziehen die Geschosse eine schön verfolgbare Tonspur durchs Zimmer und prallen gut hörbar von Panzern ab. Einschüsse in den Boden lassen es ebenfalls ordentlich wummern. Hier kann man sich wirklich nicht beklagen. Das Bild ist grobkörnig, dies passt aber wunderbar zur rauen Atmosphäre des Films und darf sicherlich als Stilmittel verstanden werden und nicht als technischer Mangel. Die Farben sind kühl, braun, grün und grau dominieren die Palette und tragen zur beklemmenden Stimmung bei.
Richtig Mühe gegeben hat man sich auch bei den Extras. Wer Pandastorm schon kennt, beispielsweise von ihren beispiellosen "Doctor Who" Veröffentlichung, der weiß, dass ihn hier sicherlich das eine oder andere Schmankerl erwartet. Ein "behind the scenes" Featurette bietet knapp acht Minuten lang Einblicke hinter die Kulissen. Auch die beinahe schon obligatorischen Trailer sind zu finden. Nachhaltig beeindruckend sind die knapp 20 Minuten mit Interviews mit Veteranen des Krieges. Verschiedene Positionen und Einstellungen kommen zu Wort und liefern einen tiefgehenden Eindruck. Und wer es gern musikalisch hat, der findet den kompletten, 35 Minuten langen Soundtrack als Audiospur auf der Scheibe.

Infos zum Film

Originaltitel: 9. April
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Kriegsfilm, Drama, Action
FSK: 16
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Roni Ezra
Drehbuch: Tobias Lindholm
Darsteller: Pilou Asbæk, Lars Mikkelsen, Gustav Dyekjær Giese, Martin Greis, Joachim Fjelstrup, Jannik Lorenzen u.a.

Trailer



Kommentare:

  1. Hab eben das Titelbild in unserer Filmgruppe schon gesehen, aber nicht darüber gelesen. War fest überzeugt, dass das auf dem Titel Michael Shannon ist und dann taucht der hier mit keinem Wort auf xD Komplett verwechselt!

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    1. Da besteht auch eine gewissen Ähnlichkeit. Mich hat es genau gleich mit dem Cover zu "A War" erwischt. War schon verwirrt, wieso da nicht Michael Shannon mit draufstand :D

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