Recap: Game of Thrones 6.10: The Winds of Winter

Winter is here. © HBO
Okay, Leute. Tief durchatmen, die Krokodilstränen trocknen und nach vorne schauen. Wir haben eine weitere Staffel "Game of Thrones" durchgestanden, und ohne hier irgendwie voreilig ein Fazit ziehen....ach komm. Beste Staffel ever. There, I said it. Klar, die Euphorie ist groß, das Adrenalin kursiert durchs Blut wie irre, aber sind wir mal ehrlich, das war schon großes Kino. Schauen wir uns also ein letztes Mal für dieses Jahr gemeinsam an, was eigentlich passiert ist. 
Fangen wir aber zunächst mit dem Wichtigstem an: Der Soundtrack für dieses Recap. "Light of the Seven" sticht aus der restlichen Musik zur Serie ohne Ende heraus, ist aber wunderschön komponiert. Spitzt also die Lauscher, während ihr lest.

Haken wir zunächst das ab, was ganz klar am langweiligsten war. Sam, Gilly und das Baby sind endlich in Oldtown angekommen. Und ja, die Citadel ist sehr, sehr eindrucksvoll. Vor allem die Bücherei kann sich sehen lassen. Dementsprechend fällt auch Sams Blick aus.
Jemand ist sehr, sehr zufrieden. © HBO
Und wie das so ist, wenn man etwas wirklich Interessantes gefunden hat: Man lässt alles andere stehen und liegen. Ich hätte ja wenigstens darauf gehofft, dass es ein bisschen mehr bürokratisches Hin und Her mit dem Typen am Empfang gegeben hätte, aber nein. Die drei kommen an, Sam verzieht sich in die Bibliothek und Gilly... joa, keine Ahnung. Wartet vermutlich vor der Tür oder so. Das nächste Mal, wenn die drei auftauchen, hätte ich bitte gerne einen Zeitsprung und Sam ist fertig mit der Ausbildung. Vermutlich ist die Serie bis dahin durch, aber die Geschichte langweilt mich wirklich zu Tode. Machen wir also mit etwas spannenderem weiter.

Dorne zum Beispiel. Ich bin darüber genauso verwundert wie ihr, glaubt mir. Aber Dorne hat es diese Woche echt gebracht. Das lag natürlich nicht an den dort regierenden Grazien, sondern einzig und allein an Lady Olenna. Was haben die Damen eigentlich die ganze Staffel gemacht? Wie soll ich mich auch nur ansatzweise für die interessieren, wenn ich praktisch nichts über sie weiß? Sollte Olenna jemals aus dieser Serie aussteigen, bevor die ganze Sache gelaufen ist, werde ich ausrasten. Ihre permanenten Seitenhiebe sind purer, ungefilterter Spaß. Und sie hat nun nichts mehr, was sie verlieren könnte. Die Anwesenheit von Varys ist natürlich ebenfalls grandios und lässt auf Wortgefechte zwischen Olenna, Tyrion und Varys hoffen. Und ich weiß, dass ihr das genauso gerne sehen wollt wie ich. Dass Olenna nichts mehr zu verlieren hat, liegt natürlich an Cersei. Kritischerweise muss aber auch gesagt werden, dass all die toten Tyrells am Ende nur das Feuer der Rache anheizen. Da hätte mehr drin sein können und müssen, jedenfalls wenn es um die Bedeutung geht.
Effektiv abreißen. Die Baubehörde hat sicherlich ihre Freude. © HBO
All die Andeutungen in Bezug auf das Wildfire unter der Stadt haben sich natürlich als wahr herausgestellt. In gewisser Hinsicht waren Teile des Finales also vorhersehbar, die Ausführung und der Ablauf der Ereignisse ist trotzdem ein Meisterstück. Zu ungewohnten Klängen von Ramin Djawadi sehen wir, wie sich die Schlüsselfiguren auf die Verhandlung von Loras und Cersei vorbereiten. Sie alle ziehen sich an oder lassen sich anziehen. Nach und nach trudeln sie alle in der Kirche ein. Nur Cersei nicht. Und der Mountain hält Tommen davon ab, sein Zimmer zu verlassen. Wir wissen, dass das kein gutes Ende nehmen wird.

In der Kirche zieht der High Sparrow seine Show ab und bringt Loras dazu, all seine Sünden zu gestehen. Und die Ereignisse überschlagen sich. Als Cerseis Fernbleiben nicht länger toleriert wird, wird ein kleiner Trupp um Lancel Lannister losgeschickt, um die Königinmutter zu holen. Maester Pycelle tappt munter in eine Falle von Qyburn und wird von den kleinen Spionen ermordet. Lancel wird ebenfalls in den Katakomben unter der Stadt attackiert. Doch bevor er stirbt findet er den riesigen Vorrat an Wildfire, der jeden Moment in die Luft fliegen wird. Zurück in der Kirche durchschaut Margaery das Spiel, doch der High Sparrow wird von seiner eigenen Arroganz geblendet. Er verspricht, dass niemandem etwas passieren wird. Und sein Blick, kurz bevor er in Flammen aufgeht, ist dann auch voller Reue. Margaery und Loras haben einen kurzen Augenblick zusammen, bevor die grüne Explosion ein riesiges Loch in die Stadtmitte reißt.
Wenigstens ist es warm. © HBO
Cerseis Gesichtsausdruck, so voller Triumph und Freude, ist wohl einer der besten Anblicke in der ganzen Staffel. All ihre Feinde sind ausgelöscht, mit einem einzigen Schlag. Doch es wäre nicht Cersei, wenn sie nicht etwas übersehen hätte. Tommen war zum Zeitpunkt der Explosion ganz allein. Seine Frau, die er wirklich liebte, Teile seiner Familie und sein religiöses Vorbild, sie alle sind mit einem Mal ausgelöscht. Und niemand ist da, um ihn zu trösten. Cersei suhlt sich in Genugtuung, während ihr letztes Kind sich aus dem Fenster stürzt. Eine Szene ohne Worte, so schnell ausgeführt, dass sie alles was davor geschah nur noch unwirklicher erscheinen lässt. Es ist einfach zu absurd, zu ungreifbar, was dort vor sich geht. Lena Headey verdient hier mal wieder allen Applaus der Welt. Als man ihr die Leiche von Tommen zeigt, wird dieser eine Sekundenbruchteil, in dem der letzte Funken Menschlichkeit in ihr stirbt, ohne Worte greifbar.
Long may she reign! © HBO
Cersei war immer eher auf der Seite der Bösen, falls man das hier überhaupt so unterscheiden kann. Aber ihre Rolle als Mutter, die Tatsache, dass sie alles für ihre Kinder getan hätte, hat ihre Handlungen jeweils mit Motivation gespeist. Dass ihr größter Erfolg also auch gleichzeitig ihr größtes Scheitern markiert spricht Bände. Und als Königin ist sie natürlich absolut unberechenbar, denn sie hat nichts zu verlieren. Ich bin extrem gespannt, wie Jaime darauf reagieren wird. Der Blick zwischen den beiden verhieß jedenfalls nichts Gutes. Bis es soweit ist müssen wir wohl mit der Mad Queen leben. Ich würde ihr ein bisschen weise Voraussicht wünschen. Cersei neigt dazu, nicht genauer zu durchdenken, was sie eigentlich tut. Margaery hatte da den Vorteil, doch sie wurde durch pure Gewalt ausgehebelt. Schade drum, ich werde sie vermissen.
Und weg damit! © HBO
Es ist eine Episode voller Umbrüche. Von der Zitadelle aus werden die Weißen Raben in die Lande geschickt. Sie brauchen keine Schriftrolle, denn sie selbst sind das Zeichen: der Winter ist da. Und mit ihm kehrt Arya Stark zurück nach Westeros. Ihre Geschichte bisher war holprig und in meinen Augen gab es zu wenig Payoff dafür, dass wir so lange Langeweile in Braavos durchleben mussten. Aber nun ist Arya wieder zurück, und sie arbeitet ihre kleine, feine Liste ab. Die beiden Söhne von Walder Frey enden als leckere Torte und das "welches fremde Gesicht in der Szene könnte Arya sein?" Spiel beginnt. Und schon davor musste Walder Frey ordentlich einstecken, denn Jaime hat keine Lust mehr auf sein großspuriges Gehabe. Kurzerhand zieht er seine Armee zurück und begibt sich nach Hause. Wenn wir in dieser Staffel eines gelernt haben, dann dass es sich auf lange Sicht nicht immer auszahlt, wenn man sich daneben benimmt.
Jemand verleihe ihr ALLE Orden. MVP der Staffel. © HBO
In Winterfell geht es ebenfalls hoch her. Geschickt verwoben mit dem Staffelabschluss für Bran (Benjen Stark, der mieseste Babysitter der Welt) erfahren wir in einer weiteren Rückblende endlich, was alle schon lange wussten: Jon Stark ist halb Stark, halb Targaryen. Jedenfalls ist er nicht Neds Sohn. Das dürfte vor allem dann spannend werden, wenn Daenerys dann mal ankommt. Ich glaube nicht, dass sie sich gegen Jon stellen würde. Vorausgesetzt natürlich, irgendjemand erfährt früh genug davon. Vielleicht kommt Bran ja auch nach Winterfell zurück und wir können eine Stark-Reunion im großen Stile feiern. Bran bleibt nach seiner Vision irgendwo im weiß-kalten Nirgendwo zurück, aber naja. In Winterfell lernen wir, dass Sansa (leider) keinen Plan hatte, sondern Jon nur nicht alles erzählt hat. Beide beschließen, dass sie weniger Geheimnisse voreinander haben müssen. In einer kleinen Seitenerzählung flippt Ser Davos berechtigterweise wegen Shireen aus. Melisandre gesteht ihren Mord an dem Mädchen, bleibt aber dabei: sie tut das einzig richtige, nämlich was ihr Gott ihr befiehlt. Jon verbannt sie aus dem Norden. Gut für sie, jetzt kann sie der Brotherhood without Banners entgegenreiten. Das dürfte spannend werden.
Ein Mann, ein Plan. © HBO
Littlefinger hat natürlich auch einen Plan, und den gesteht er Sansa. Er will auf dem Iron Throne sitzen, idealerweise mit ihr als Königin an seiner Seite. Ob Sansa deswegen Jon später nicht dazwischen geht? Mit allem, was sie in den vergangenen Staffeln gelernt hat, und ihrem damaligen Wunsch, Königin zu sein, würde sich hier eine Möglichkeit ergeben. Und aus ihrer Perspektive heraus wäre Littlefinger nicht der schlechteste Kandidat. Denn bis die Informationen über die Ereignisse in Kings Landing bis nach Winterfell dringen, wird Zeit vergehen.
Hatten wir so schon mal, ging nicht gut aus. © HBO
Die Flashbacks zum Tower of Joy sind ganz wundervoll mit der Erzählung in Winterfell verbunden. Denn dort wird beratschlagt, wie es weitergehen soll. Erneut erweist sich Lady Mormont als die großartigste Figur in der ganzen Staffel (Widerworte werden nicht akzeptiert), denn die junge Dame wäscht den anwesenden Anführern der Häuser mal so richtig den Kopf. So wird Jon also zum neuen King in the North erklärt. Die Szene erinnert vom Aufbau durchaus an den Moment, in dem Robb damals den gleichen Posten zugeschrieben bekam. Doch Jon ist weiser, erfahrener. Sansa toleriert all das stillschweigend und ich würde eine ganze Menge dafür geben, Littlefingers Gedanken in dieser Szene zu erfahren.
Zwei, die sich verstehen. © HBO
Auch in Meereen läuft es ziemlich gut, denn wir verlassen den verdammten Kontinent. Hoffentlich endgültig. Daenerys hört auf Tyrions Rat und lässt Daario zurück. Der ist damit ganz und gar nicht einverstanden, fügt sich aber seinem Schicksal. Dany und Tyrion zusammen sind ein tolles Gespann. Seine Familie half, große Teile ihrer Familie auszulöschen. Und doch sind die beiden auf der gleichen Seite, wollen beide die Welt besser machen. Wenn sie ihm das Symbol der Hand of the Queen ansteckt ist die Rührung auf seinem Gesicht echt. Er, der so lange um Anerkennung kämpfen musste, und sie doch nie bekommen hat. Bis zu diesem Moment. Der Aufbruch nach Westeros, mit allen Armeen, den unzähligen Schiffen und den drei Drachen, die über der Flotte kreisen, markiert ein erneut fulminantes Ende einer Staffel.
Auf nach Westeros! © HBO
Was bleibt also zu sagen? Für die Starks war es eine außerordentlich gute Staffel, und die Schachfiguren begeben sich nun endgültig auf ihre finalen Positionen. Natürlich blieb dabei einiges auf der Strecke, und es sind nach wie vor zu viele Figuren, um wirklich richtig effizient erzählen zu können. Im Kampf um den besten Höhepunkt ging, zumindest gefühlt, vermutlich das eine oder andere Gespräch verloren. Ihr wisst schon, diese Dialoge, welche die Serie früher so packend gemacht haben? Chaos is a ladder? Stellenweise fühlte sich Staffel 6 wie eine große Checkliste an, die abgearbeitet werden musste. Das ist sicher nicht verkehrt, es ist kurzweilig, toll anzusehen und nach wie vor spannend. Doch für einige Charaktere hätte ich mir mehr gewünscht. Dass Margaery so "entsorgt" wird ist unschön, war sie doch eine der ambitioniertesten Spieler um den Thron. Dass Sansa einfach nur Glück hatte und den Verlauf der Schlacht nicht beeinflusst hat, ist ebenfalls irgendwie bitter. Auch wenn das Ergebnis natürlich trotzdem befriedigend ist. Niemand wird hinterfragen, wie Arya es geschafft hat, zwei Freys umzubringen, in ein Gericht zu verwandeln und dann den Raum für sich zu beanspruchen, um ihren Racheplan auszuführen. Zeit spielt keine Rolle mehr für die Erzählung. Den Figuren scheint alles zuzufallen, ohne dass wir miterleben, wie es dazu kommt. Das Tempo anzuziehen war in meinen Augen eine gute Entscheidung, doch ein bisschen zu viel Gas wurde dann doch gegeben. Warten wir also ab, wie es nächstes Jahr weitergeht. 

Bis dahin bedanke ich mich bei euch fürs lesen, für eure Rückmeldungen, für zahlreiche Diskussionen "hinter den Kulissen" und natürlich für euren Besuch hier. Die Recaps zu GoT haben auch in diesem Jahr, in dem wir nun alle endlich auf fremdem Terrain waren, riesig viel Spaß gemacht. Ich hoffe, ihr seid nächstes Jahr ebenfalls wieder dabei!

Notizen aus dem Goldenen Buch
  • Oldtown war nicht auf der Karte im Intro. Ich find's ja selber doof, wenn ich pingelig bin, aber die könnten ihre Map schon auch mal einem Update unterziehen. Immerhin ist das Bolton-Banner von Winterfell verschwunden. Dort sind nun auch im Intro wieder Wölfe.
  • Varys bekommt ab sofort den Titel des schnellsten Reisenden der Welt. Oder war die zeitliche Abfolge anders, dass er am Ende mit Dany auf dem Schiff stand? Ich komm da noch nicht so ganz mit zurecht. Aber hey, gut für ihn. 
  • Wir verabschieden uns von: Margaery, Loras und Mace Tyrell, Lancel und Kevan Lannister, Tommen Baratheon Lannister, dem High Sparrow und so ziemlich all seinen Anhängern, 287 Statisten in der Kirche, einer unbekannten Anzahl an Einwohnern von Kings Landing, Grand Maester Pycelle, Black Walder, Lothar und Walder Frey. Oh, und hoffentlich Essos. Bitte!
  • Ich glaube, die Figuren werden langsam zu Sprachrohren des Publikums. Tyrion mit seinem "This is actually happening." und Lady Olenna, die sich ums Verrecken nicht die Namen der Sand Snakes merken kann waren kleine Highlights. 
  • Wetten...:WETTEN wir, dass Arya nicht daran denken wird, mal in den Dungeon zu schauen? Ihr armer Onkel wird dort verrotten. 
  • Ob Hot Pie Arya damals ein, zwei Tricks zum Thema "backen" beigebracht hat?
  • Also, wenn die White Walker dank Magie nicht durch die Wall können: Muss das ganze Ding dann zusammenstürzen, oder brauchen die Schiffe? Weil, theoretisch würde da ja eine recht große Flotte bald zumindest auf dem richtigen Kontinent ankommen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.