Recap: Game of Thrones 6.5: The Door

Aus jeder guten Tragödie wird mal eine Komödie auf der Bühne © HBO
Ja, ich bin diese Woche etwas später dran, ich weiß. Aber die aktuelle Folge war nur schwer zu verdauen, und ich bin mir beim schreiben dieses Intros auch noch nicht ganz sicher, ob ich überhaupt bis zum Ende komme. Und am Wochenanfang lag ich noch krank im Bett. Optimal gelaufen, würd ich sagen. Wir werden sehen. Auch diese Episode war randvoll mit heftigen Ereignissen, krassen Offenbarungen und jeder Menge Drama. Wie immer geht es mit einem Klick auf "weiterlesen" zum ganzen Text, wir wollen ja niemanden spoilern. 


Gehen wir gemeinsam mit dem Verlauf der Folge die einzelnen Schauplätze ab. Im Norden, genauer in Castle Black, erfährt Sansa, dass Littlefinger sich in Mole's Town herumtreibt und sie gerne treffen will. Gemeinsam mit Brienne bricht sie also auf, um ein paar Worte zu wechseln. Die letzte Staffel trieb mich mit Sansas Vergewaltigung durch Ramsay und den Fokus während der Szene auf Theon in den Wahnsinn (und einen unglaublichen, sehr lange anhaltenden Wutanfall), auch weil sich lange Zeit keinerlei Konsequenzen für Sansa daraus ableiten ließen. Doch man scheint dazugelernt zu haben, und so konfrontiert Sansa Littlefinger mit dem, was er mit zu verantworten hatte. Denn am Ende, und das benennt sie korrekt, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder Littlefinger, der immer über alles informiert ist, hatte keine Ahnung zu was Ramsay fähig ist, dann ist er ein Idiot. Oder er wusste es und hat sie dem wissentlich ausgesetzt, dann ist er einfach ein Arsch.
Fröhliche Familienkonferenz © HBO
Das Gespräch erfüllt auch den wunderbaren Zweck, zu demonstrieren dass ein einschneidendes Erlebnis wie eine Vergewaltigung eben nichts ist, was passiert und dann vergessen wird. Littlefinger tastet sich vorsichtig vorwärts, erkundet sich nach Schlägen, nach Schnittverletzungen. Sansa kontert eiskalt. Nicht mit Schmerzen, die sie in ihrem ach so weichen Herzen spürt, nein. Schmerzen, die sie auch Tage, Wochen später noch in ihrem Körper hat. Sicher, es mag sich hier um Wiedergutmachung für einige Zuschauer handeln, aber die Konsequenzen eines viel zu beliebten Erzählmittels werden viel zu selten benannt. Littlefinger hingegen gibt recht schnell auf und macht sich vom Acker, erzähl Sansa aber vorher, dass ihr Onkel, Brynden "The Blackfish" Tully, seine Armee in Riverrun erneut versammelt hat. Sansa verschweigt später, dass sie diese Information von Littlefinger erhalten hat. Traut sie Jon und den Wildlingen nicht? Ich glaube eher, dass sie zeigen will, dass sie eben nicht von Littlefingers Armee, oder generell von irgendwem, abhängig ist. Sansa definiert sich durch ihre Zugehörigkeit zu Haus Stark, Littlefinger hat versucht ihr diese Identität wegzunehmen. Würde sie den anderen erzählen, dass eine recht große Armee zur Verfügung stehen würde, jeder würde ihr raten, diese Hilfe anzunehmen. Es wäre das strategisch klügste. Es würde aber auch bedeuten, dass Sansa sich erneut einfach in ein fremdbestimmtes Schicksal fügen müsste. Das eröffnet natürlich auch die Möglichkeit, dass Littlefinger zum Zeitpunkt einer militärischen Auseinandersetzung einfach auf dem Schlachtfeld auftaucht und Sansa so indirekt zwingt, ihm zu vergeben. Zutrauen würde ich es ihm.

Littlefinger lenkt das Gespräch auch auf eine vieldiskutierte Tatsache der letzten Episoden (und eigentlich eine der am meisten diskutierten Theorien seit...immer). Er nennt Jon klipp und klar "Halbbruder" und weist auf seine Wurzeln als Bastard hin. Weiß Littlefinger es nicht besser, oder wird hier wieder lustiges Falsche-Fährten-Legen betrieben? In einem sich schließenden Kreis zur ersten Staffel kehrt Sansa jedenfalls zurück zu ihren handwerklichen Künsten und stellt für sich und Jon neue Kleidung her, und auch Jons Rüstung ziert ein prächtiger Wolf. Aber eigentlich beschäftigt uns alle sowieso nur ein Handlungsstrang dort oben, also gibt es hier die aktuelle Zusammenfassung der schönsten, sich anbahnenden Liebesgeschichte aller Zeiten:
 Der arme Kerl in der Mitte... © HBO

Für Arya läuft es in der Ausbildung nach wie vor nicht einfach. Regelmäßig gibt es eine saftige Tracht Prügel, doch Jaqen scheint gewillt, Arya neue Aufgaben zu geben. Sie erhält den Auftrag, eine Schauspielerin zu ermorden. In einem ungeahnten Aufschwung auf die Meta-Ebene wird sie dann Zeugin einer Aufführung des Finales der ersten Staffel von "Game of Thrones". Nur dass der Autor des Stückes eindeutig den Lannisters zugetan ist. Das Stück ist klar als Komödie intendiert, doch für Arya wirkt dies natürlich anders. Trotzdem wirkt sie recht entspannt und schleicht sich auch hinter die Kulissen. Lady Crane, wie die Dame sich nennt, macht dabei einen durch und durch sympathischen Eindruck. Das gibt Arya auch an Jaqen weiter. Der setzt zu einer Lektion darüber an, dass der Tod jeden ereilt und nicht wählerisch ist.
Kerzenlicht macht ALLES schöner © HBO
Überlegen wir aber mal kurz, vor welcher Entscheidung unsere kleine Assassinin jetzt steht. Wenn das Ziel tatsächlich ist, "niemand" zu werden, dann sollte sie die Schauspielerin am Leben lassen. Denn Cersei steht nach wie vor auf ihrer Liste, und die Schauspielerin spielte die Rolle der Cersei auf der Bühne. Andererseits geht es natürlich auch darum, keine Fragen zu stellen und den Auftrag einfach auszuführen. Für mich würde es sich aber richtig anfühlen, wenn Arya diese Meta-Ebene verlässt, ohne einen Mord zu begehen. Für sie steht ja auch eine Menge auf dem Spiel. Sie betont immer wieder, dass sie bereit ist, aber ist sie das wirklich? Könnte die Arya, die wir aktuell in der Serie sehen, im Angesicht ihrer anderen Geschwister die Fassung bewahren? Könnte sie im Zweifelsfall, wenn es hart auf hart kommt, Sansa oder Jon umbringen, wenn es ihr befohlen wird? Ist Arya überhaupt in der Lage, zu dienen?
Lässig chillen in den Bergen © HBO
 Andernorts demonstriert Daenerys mal wieder ihre Macht über einzelne Personen und verpasst Jorah eine verbale Keule. Immer wieder verbannt sie ihn, aber er kommt einfach immer wieder zu ihr zurück. Wie ein ungewollter Bumerang oder so. Und ja, vielleicht ist Ser Jorah irgendwie unterhaltsam in seinen endlosen Versuchen, Dany seine Liebe zu zeigen. Aber es ist auch eine der ganz wenigen Beziehungsgefüge innerhalb der Serie, die wirklich auf Liebe und Respekt vor der Person beruht. Jorah hat keine anderen, politischen Interessen, jedenfalls keine, von denen ich weiß. Insofern kommt seine Offenbarung, die Tatsache dass er an einer unheilbaren Krankheit leidet, genau zum richtigen Zeitpunkt. In einem raren Moment von wirklichem Schauspieltalent bei Emilia Clarke verliert die Königin die Fassung. Dann schickt sie ihn los, um ein Heilmittel zu finden. Innerhalb der Serie geht natürlich jeder davon aus, dass das eine unmögliche Aufgabe ist. Doch auch Shireen litt unter der Greyscale, und bei ihr konnte die Krankheit zumindest aufgehalten werden. Sorgen macht mir hier nur, dass es sich um einen Nebenschauplatz handeln könnte, der dann irgendwann im Sand verläuft. Zu diesem Zeitpunkt weitere, neue Nebenschauplätze einzuführen könnte das Publikum überfordern. Doch vielleicht trifft Jorah auf andere Figuren, die er bisher nicht getroffen hat.

Melisandre Nummer 2 © HBO
Tyrion holt sich in Meereen Unterstützung von den vermutlich genau falschen Leuten. Um dafür zu sorgen, dass Dany auch vom Volk endlich akzeptiert wird, will er sich den religiösen Eifer der Einwohner zu Nutzen machen. Kinvara, die rote Priesterin von Volantis, ist zur Stelle und behauptet, dass Dany die Auserwählte ist. Was ja Sinn macht, von wegen Feuerfestigkeit und so. Trotzdem fühlt sich das alles an wie ein riesengroßer Fehler. Wir konnten lang und breit begutachten, wie Melisandre Stannis in ihrem Irrglauben in immer dümmere Situationen manövrierte. Wir alle können aktuell beobachten, wie sehr Cerseis Plan, sich mit der Faith Militant einzulassen, nach hinten losgegangen ist. Andererseits ist der Plan, den Weg über die Religion zu wählen, natürlich prinzipiell ein guter Plan. Wenigstens ist Varys skeptisch und macht seinen Zweifeln auch Luft. Kinvara hat nun entweder mit seiner Kastration als Kind zu tun gehabt, oder sie verfügt tatsächlich über eine Form der Magie, jedenfalls schüchtert sie Varys ein. Sieht man auch nicht alle Tage. Immerhin, und auch das wissen wir mittlerweile, verfügen diese roten Priester und Priesterinnen über gewisse Kräfte. Andererseits scheitern sie teilweise an den banalsten Prophezeiungen. Magie scheint auch in dieser Welt nicht zu 100 Prozent kontrollierbar zu sein. So oder so, die Frau ist gefährlich.
Läuft nicht so gut bei den beiden. © HBO
Auf den Iron Islands findet das Kingsmoot statt. Für Yara läuft es recht gut, besonders nachdem auch Theon sich für sie ausgesprochen hat. Genau in dem Moment, in dem sowieso klar ist, dass die Langeweile und Eintönigkeit von diesen Inseln niemals verschwinden wird, taucht Euron auf. In einer Parodie, die einem gewissen Irren drüben in den USA würdig wäre, brüstet er sich mit dem Mord an Balon und verspricht, die Inseln wieder zu alter (?) Größe zurückzuführen. Und dabei soll ihm Daenerys helfen. Denn eine Königin braucht natürlich auch einen König, und wer wäre besser geeignet als dieses nach Algen stinkende Großmaul? Ich vermute ganz stark, dass Daenerys andere Pläne haben wird, aber so ein Drache ist ja meistens hungrig, und Euron ist recht groß.
Wenn man das Aufwachen bereut... © HBO
Lautes rumbrüllen und halbleere Versprechungen ziehen bei den stimmberechtigten Bürgern von Pyke allerdings sehr, und so wird Euron zum neuen König der vollgeschissenen Felsen gewählt. Yara und Theon hauen während der Krönung mit einem Großteil der Schiffe ab, und es stellt sich zügig heraus, dass es sich um eine weise Entscheidung gehandelt hat. Die erste Amtshandlung des neuen Königs wäre ansonsten der Mord an den beiden gewesen, und Mord ist, wenn auch in dieser Welt nicht immer, erstmal endgültig. Die Krönung auf den Iron Islands ist ebenfalls eine spaßige Angelegenheit, denn wir erfahren endlich, dass es sich bei "What is dead may never die" um mehr als nur einen hohlen Spruch handelt. Denn Euron wird tatsächlich ertränkt. Nur um dann kurze Zeit später unter den wachsamen Augen des Priesters wieder zu den Lebenden zurückzukehren. Er mag ja wahnsinnig sein, aber irgendwie ist er auch recht zäh. Ich glaube, ich mag ihn.
Hach, blaue Augen, in denen man versinken könnte! © HBO
In unserer liebsten Höhle erfahren wir so nebenbei, wie die White Walker überhaupt entstanden sind. Die Children of the Forest erschufen sie als Schutzmaßnahme vor den Menschen. Quasi die Versinnbildlichung von "sein eigenes Grab schaufeln". Vermutlich wäre diese Offenbarung schon als großes Thema angedacht gewesen, in den folgenden Ereignissen geht sie aber beinahe komplett unter. Hauptsächlich, weil unter anderem alle anwesenden dieser Kinder ihr Leben lassen. Und auch hier gilt: Sobald man weiß, wo das Monster herkommt, verliert es ein bisschen an gruseligem Glanz. Bran beweist derweil erneut seine Ungeduld, und macht sich alleine in die mystischen Baum-Träume auf. Dort sieht er sich mit einer ganzen Armee von Eis-Zombies konfrontiert, durch die er recht ruhig durchmarschiert. Am Ende wartet der Night King auf ihn, und es bestätigt sich, was viele bereits vermutet haben: Die Interaktion mit den Figuren in diesen Warg-Träumen und somit auch mit der Vergangenheit ist möglich. Denn der gehörnte Fiesling packt Bran am Arm und markiert ihn so. Und wie sich das gehört, eskalieren die Dinge im restlichen Verlauf der Folge vollends.
Max von Sydow überlebt kein einziges Franchise. © HBO
Nun geht alles recht schnell. Die eisige Armee schafft es, die Höhle einzunehmen. Die Children of the Forest leisten zwar ein wenig Widerstand, aber mit ihrem kleinen Feuer und den paar Granaten können sie nicht wirklich etwas ausrichten. Meera hingegen darf sich stolz in die Reihen derer begeben, die so einen White Walker getötet haben. Vermutlich war die Spitze ihres Speeres aus Dragonglass, oder die Magie der Walker ist in der Höhle gedämpft. So oder so, einer weniger von diesen Bastarden. Der Aufbau bis zum Finale hin ist dabei nicht sonderlich clever gemacht, es sind banale Motivationen, es folgen hektische Schnitte wenn die Zombiehorden in den Gängen einfallen. Summer opfert sich für sein Herrchen, aber auch dieser Moment zündet nur langsam. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Serie sich nicht Drachen und Wölfe gleichzeitig leisten konnte, und so haben die Wölfe oft zurückgesteckt. Die Bindung zwischen den mächtigen Tieren und ihren jeweiligen Besitzern wurde nie so wirklich herausgearbeitet, auch wenn Summer neben Ghost einer der Wölfe war, der am häufigsten zu sehen war. So flüchten also Bran, Hodor und Meera aus der Höhle, gefolgt von einer fiesen, untoten Armee.
Hodor, damals noch glücklich. © HBO
Ich bin mir nicht sicher, wie sehr die Zeitreise-Thematik bei "Game of Thrones" angebracht ist. Zeitreisen sind meistens problematisch, es gibt einfach zu viele gigantische Logik-Schlaglöcher, denen man ausweichen muss. In "The Door" ist das Opfer dieser Fähigkeit niemand geringeres als Hodor. Hodor, der seit Anfang an mit dabei war, der nur seinen Namen sagen konnte, der erklärte Pazifist der sich stets weigerte, anderen wehzutun. Lieblingsfigur des ganzen Internets, heimlicher Favorit von einigen, die ihn am Ende auf dem Iron Throne sahen. Gibt es überhaupt jemanden, der Hodor wirklich doof findet? Ich glaube nicht. In "The Door" erfahren wir, wieso Hodor Hodor heißt, während wir sehen, wie er stirbt. Und jetzt wird es kompliziert.

Bran und der Dreiäugige Rabe befinden sich in einer Vision, während der Angriff passiert. Der Rabe will so viel Wissen wie möglich an Bran weitergeben, doch die Walker in der Höhle töten ihn. Im Traum bei Bran verwandelt er sich in eine Wolke aus Asche und Staub. Bran bleibt in der Vision, sein Blick fixiert sich auf Wylis, den Stalljungen, der einmal Hodor werden würde. In der Höhle bleibt sein Körper still liegen, Meera übernimmt das Kommando. Bran hört Meera in seiner Vision, sie fleht in an, in Hodor hinein zu wargen. Hodor sitzt bis dahin passiv in der Ecke, sichtlich von Angst erfüllt. Plötzlich werden seine Augen weiß und er fängt an, die Kreaturen in der Höhle auseinanderzunehmen. Die drei machen sich auf den Weg zum Ausgang, und in Brans Vision hat Wylis eine Art epileptischen Anfall. Zurück in der Höhle gelangen die drei zu einem Ausgang und Meera brüllt Hodor an: "Hold the Door!". Hodor bleibt zurück, hält die Tür zu und die Kreaturen somit in der Höhle gefangen, während Meera mit dem immer noch bewusstlosen Bran in die Nacht entkommt. In der Vision fängt Wylis, der Meera ebenfalls hören kann (Bran dient hier vermutlich als eine Art Brücke), ebenfalls an zu schreien: "Hold the Door!". Sein Anfall wird heftiger, die Worte fließen zusammen, bis nur noch "Hodor" übrig bleibt. Zurück zur Höhle, wo Hodor von den Kreaturen zerfetzt wird, während sein junges Ich in der Vision immer wieder seinen "Namen" wiederholt. Und damit endet die Folge.
Mir fällt kein bissiger Kommentar ein. Echt nicht. © HBO
Somit hat die kurze Episode im Tower of Joy hauptsächlich dazu gedient, schon mal anzudeuten, dass Bran in der Lage ist, innerhalb seiner Visionen zu kommunizieren. Eigentlich ein cleverer Trick, haben doch die meisten vor allem darauf angebissen, was nun in dem verdammten Turm passiert ist. Doch die eigentliche Tragik liegt ganz woanders. Denn während die meisten Bewohner der Höhle Brans Unersättlichkeit zum Opfer fallen, ist es bei Hodor irgendwie schlimmer. Wie so oft in der Serie müssen die Kleinen, die Diener, das Gebaren ihrer Herren ausbaden, oft mit tödlichen Konsequenzen. Mag sein, dass Hodor sich wissent- und willentlich in der Gegenwart opfert, um Bran zu beschützen. Doch in der Vergangenheit manipuliert Bran herum, er sorgt dafür dass aus einem unbeteiligten Stalljungen ein lebenslanger Sklave wird, der sein ganzes Leben lang theoretisch nur den einzigen Zweck, zu dem er lebt, vor sich hinmurmelt.

Um in der freundlichen Familie von HBO zu bleiben und "True Detective" heranzuziehen: "Time is a flat circle. Everything we have done or will do we will do over and over and over again- forever." Dies scheint auch für "Game of Thrones" zu gelten, Ereignisse scheinen zeitlich festgelegt und sich immer wieder zu wiederholen. Die Fragen, die sich nun stellen, sind nicht leicht zu beantworten. Wenn alles immer gleichzeitig existiert, hat Bran dann bereits zu einem anderen Zeitpunkt versucht, Hodor in der Vergangenheit zu helfen? Handelt es sich um einen Fixpunkt, der nicht geändert werden kann? Momentan lassen sich all diese Fragen nicht beantworten, denn wir wissen nur, was wir gesehen haben. Eine Erklärung seitens der Serie fehlt bisher. So oder so, eine solche Tat auf Brans Schultern zu legen ist ein harter Schritt, und ich bin gespannt wie er damit umgeht. Prinzipiell hat er eigenhändig Hodor in dem Moment erschaffen, in dem er ihn getötet hat. Damit muss man auch erstmal klarkommen. War übrigens großartig gespielt von Isaac Hempstead-Wright, mit dem ich in dieser Staffel bisher noch nicht so wirklich warm geworden bin. Ich bin jedenfalls gespannt, was das für Auswirkungen auf den Charakter haben wird.
Nochmal Salz in die Wunde reiben, zum Abschied. © HBO
Als jemand, der die Bücher allesamt verschlungen hat, während die erste Staffel lief (meine erste Begegnung mit der Reihe vor mittlerweile 12 Jahre lasse ich mal außen vor, die war unschön), gab es bisher wenige Momente, die so eine emotionale Tragweite besessen haben. Zwar sind einige Dinge innerhalb der Serie anders, doch das Ergebnis ist im Großen und Ganzen immer das gleiche gewesen. Eine erste Abkehr davon zeichnete sich am Ende der fünften Staffel ab, als Shireens Verbrennung mich eiskalt erwischte und ich beinahe der Serie abschwor, weil zu viel Schindluder mit Sansa getrieben wurde. Und nun bewegt sich ein Großteil der einzelnen Episoden in einem für mich unbekannten Territorium. So langsam entwickelt alles seinen eigenen Reiz, und vielleicht kann ich nun anfangen, die Serie so zu genießen, wie es Nicht-Buchkenner bereits seit fünf Staffeln konnten.

Und mit Hodors gleichzeitiger Geburt und seinem Tod gelingt der Serie dieser Twist, auf eine Art und Weise die in den Büchern (behaupte ich jetzt mal) nicht möglich gewesen wäre. Hier unterscheidet sich ein visuelles Medium wie Fernsehen zu gravierend vom rein textlichen, und sehen ist eben doch etwas anderes als nur darüber zu lesen. Sicherlich hilft es auch, einen innerhalb dieser Thematik bereits bewanderten Regisseur mit an Bord zu haben. Jack Bender zeichnet sich vor allem durch seine Arbeit bei "Lost" aus, Episoden wie "The Constant", bei der ja auch bereits eine Tür eine verdammt wichtige Rolle spielte, gehen auf sein Konto. Sozusagen ein Experte in Zuschauer emotional zerstörenden Türszenen, wenn man mich fragt. So ist "The Door" die vermutlich tragischste Folge bisher, sie hält das hohe Niveau der aktuellen Staffel und bereitet dieser einen mehr als würdigen Halbzeit-Akt.

Notizen aus dem Goldenen Buch
  • Völlig entblößte männliche Genitalien an einer Stelle, an der man sie wohl eher nicht erwartet hätte: Ich bin sicher, die Autoren wollen die Zuschauer mal ein bisschen trollen. 
  • Zwei langgezogene Furz-Witze in drei Episoden. Nicht, dass ich sowas mitzählen würde, aber das sind nun mal die Fakten.  
  • Kinvara trägt auch so ein schönes Halsband. Vermutlich ist sie 500 Jahre alt. Mindestens.
  • Wo gehen denn jetzt alle hin? Wo wollen Yara und Theon hin? Wo geht Jorah hin? Es braucht Pläne, Leute. 
  • Hat Euron die Flotte in Meereen angezündet? 
  • “I’m not the lord commander.” ... “Yeah, close the bloody gate.” Dolorous Edd, bestimmt für Große Taten. Und ab sofort das einzige Gesicht in Castle Black, das wir kennen. Wenn er nicht bis zum Ende überlebt, bin ich ernsthaft wütend. 
  • Ich kann mich nur wiederholen: Wehe, Nymeria passiert irgendwas.  
  • Wer sich mehr für diese ganze Zeitwiederholung interessiert, darf sich gerne mit Nietzsches Theorie der Ewigen Wiederkunft befassen.

Ganz besonders flauschige Ecke mit dornischem Wein für Buchleser
  • Hat die letzten paar Male gefehlt (also, einmal oder so), aber ich hab Redebedarf.
  • Leute! BRIENNE IST AUF DEM WEG NACH RIVERRUN! Zeit, die alten Gedanken über Lady Stoneheart wieder auszugraben. Ganz vorsichtig, mit einer Mini-Schaufel.
  • Die ganze Sache mit dem Kingsmoot lief ja auch ein bisschen...äh....zahm ab. Keine Spur von Victarion. Mir ist klar, dass die Serie es dem Zuschauer ein bisschen einfacher machen muss, bei zu vielen Figuren verliert man den Überblick. Aber was nun? Verschmelzen Quentyn und Euron zu einer Figur? Yara und Theon sind ja eindeutig nicht mit Victarions Reise zusammengelegt worden. 
  • Wo wir schon auf Pyke sind: WO IST DAS VERDAMMTE HORN???? Ich will, nein, ich brauche dieses Horn. Wenn Euron ohne Drachenhorn bei Dany auftaucht ist er schneller Toast als er gucken kann.
  • Euron kommt sowieso viel zu nett rüber. Keine Crewmitglieder mit herausgerissenen Zungen. Und was macht er eigentlich, außer wirre Versprechungen? Wo sind die Kisten voller Schätze, mit denen er die Leute überredet, ihm zu folgen? So wirklich schlau scheinen mir die Leute auf diesen Inseln nicht zu sein.
  • Meera kann ja wohl unmöglich diesen fetten Schlitten ziehen. Wo ist eigentlich Benjen Stark abgeblieben? Vielleicht verlässt er seine Jungs-WG, die er vermutlich mit Gendry gegründet hat, und greift in die Geschichte ein?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.