Filmkritik: X-Men: Apocalypse

© 20th Century Fox

Story: Seit Anbeginn der Menschheit wurde er als Gott verehrt: En Sabah Nur, genannt Apocalypse, der erste und mächtigste Mutant des Marvel X-Men Universums, vereint die Kräfte vieler verschiedener Mutanten und ist dadurch unsterblich und unbesiegbar. Nachdem Apocalypse nach tausenden von Jahren erwacht, ist er desillusioniert von der Entwicklung der Welt und rekrutiert ein Team von mächtigen Mutanten – unter ihnen der entmutigte Magneto (Michael Fassbender) – um die Menschheit zu reinigen, eine neue Weltordnung zu erschaffen und über alles zu herrschen. Als das Schicksal der Erde in der Schwebe ist, muss Raven (Jennifer Lawrence) mit Hilfe von Prof. X (James McAvoy) ein Team junger Mutanten anführen, um ihren größten Erzfeind aufzuhalten und die Auslöschung der Menschheit zu verhindern.

Kritik: Und da sind sie wieder, unsere liebsten Mutanten. Dieses Mal geht es zurück ins Alte Ägypten, wo Oscar Isaac in Gottgestalt über die Erde herrschen will. Doch wer große Ziele hat, der macht sich auch Feinde, und so geht der Übermutant erst einmal verschütt. Zeit für einen Auftritt der X-Men. Die haben sich nach den Ereignissen aus "Days of Future Past" aufgeteilt. Raven sucht nach anderen Mutanten, Charles bildet junge Mutanten aus, und Eric lebt zurückgezogen und als normaler Mensch getarnt mit seiner Familie in Polen. In ihren jeweiligen Einführungsszenen wird dann auch schnell klar, dass diese Darsteller selbst die dünnste Geschichte mühelos schultern könnten, denn sie sind allesamt fast schon gespenstisch überzeugend. Besonders Michael Fassbender liefert eine Gänsehautperformance ab. Dazu ist der selbst in 3D überzeugende Film herrlich bunt und geht in seinen Comicwurzeln voll auf.
© 20th Century Fox
Doch auch die Neuzugänge schlagen sich wacker. Sophie Turner als junge Jean Grey sticht besonders heraus, aber auch der Rest muss sich nicht verstecken. Der heimliche Favorit aus dem letzten Teil, Evan Peters als Quicksilver, bekommt eine gesteigerte Version seiner coolen Zeitlupensequenz spendiert. Das mag ultimativer Fanservice sein (wie er an einigen Stellen im Film passiert, mit bestem Gewissen wird stellenweise auf die Kontinuität innerhalb der Reihe geschissen), aber es macht eben auch Spaß, zuzusehen. Letztendlich liegen die Probleme des Films, und die hat er eindeutig, an anderer Stelle.

Denn nach mittlerweile 14 Jahren kommt das Franchise nicht mehr vom Fleck. Bereits zu Beginn wurde prinzipiell immer der gleiche Konflikt neu aufgerollt: Einige Menschen sind anders, verstecken sich, werden an die Hand genommen und ermutigt und stehen dann für sich (und die Menschheit) ein. Ein löblicher Ansatz, der gewiss auch so schnell nicht an gesellschaftlicher Relevanz verlieren wird. Doch das immer gleiche Thema wird auf Dauer eben auch langweilig. Bestes Beispiel hierfür ist die Figur des Magneto. Brillant gespielt, keine Frage. Doch wie oft muss man als Zuschauer noch mit ansehen wie Magneto gute Ziele hat, von irgendwem davon abgebracht wird, sich auf einen ausgiebigen Rachetrip begibt um dann am Ende doch wieder klare Gedanken zu fassen? "Apocalypse" bringt diese Redundanz auf ein ganz neues Level, wenn Gespräche zwischen Magneto und Professor X aus den beiden vorherigen Filmen zusammengeschnitten werden und im ersten Moment gar nicht klar wird, dass es sich um verschiedene Filme handelt.
© 20th Century Fox
Auch die Figur des Apocalypse selbst ist viel zu generisch geraten. Vom Talent des Oscar Isaac merkt man unter all der Maske so gut wie gar nichts, dazu kommt eine teilweise fies übertriebene Stimmverzerrung. Eine Rolle, die eigentlich auch jeder Statist aus der zweiten Reihe hätte übernehmen können. Dafür haut der alte Gott dann wenigstens ordentlich auf den Putz wenn es darum geht, die Menschheit zu bestrafen, bringt aber auch dabei nicht mehr als lahme Plattitüden heraus. Als Adaption der Comics wird ein einziger Film, zumal er so vollgepackt mit Figuren ist, dem Charakter sowieso niemals gerecht werden, und es stellt sich die Frage, wie viel Bösewicht man von einem knapp zweistündigen, in sich abgeschlossenen Werk man als Zuschauer überhaupt erwarten darf.

Diese Austauschbarkeit zieht sich durch den restlichen Film, denn die meisten Szenen sind so in sich abgeschlossen, dass man sie alle zusammen in den Mixer stecken könnte und nach kräftigem Durchschütteln immer noch einen funktionierenden Film hätte. Die persönlichen Momente funktionieren dabei tatsächlich am besten, denn der Rest ist zwar nett anzusehen, aber selbst für einen solchen Film am Ende zu viel. Das Ausmaß der Zerstörung ist so groß, so umfassend, dass unweigerlich die Frage im Raum steht, wie die Welt jemals wieder zur Normalität zurückkehren soll. Dieser Gedankengang wird vermutlich irgendwie in Vergessenheit geraten, spätestens mit dem nächsten Teil der Reihe. Doch es stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit, wenn immer wieder die gleiche Geschichte erzählt wird, ohne dass jemals Konsequenzen daraus folgen.
© 20th Century Fox
Fazit:  "X-Men: Apocalypse" erfindet das Superheldengenre nicht neu. Muss er tatsächlich aber auch nicht, denn mittlerweile ist die Reihe so etabliert, dass Fans eh auf ihre Kosten kommen. Visuell ist "Apocalypse" ein Spektakel, auch die Darsteller überzeugen. Sie sorgen auch für die stärksten Momente im Film: Die, in denen es persönlich wird. Denn Apocalypse als Bösewicht bleibt trotz blauer Farbe schrecklich blass. Und auch die Mutanten leider unter der im Superheldengenre weit verbreiteten Krankheit der Konsequenzlosigkeit. Denn hier hat wirklich fast nichts Auswirkungen auf irgendwas, und das macht "Apocalypse" am Ende nett anzusehen, aber eben auch ein wenig zu irrelevant, um innerhalb der Hauptgeschichte wirklich mitreißen zu können.


Infos zum Film

Originaltitel: X-Men: Apocalypse
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 145 Minuten
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg
Darsteller: Michael Fassbender, James McAvoy, Oscar Isaac, Sophie Turner, Jennifer Lawrence u.a.

Trailer


Kommentare:

  1. Als ich den Film gesehen habe, konnte ich nicht so genau festnageln, was mich stört. (Außer der fürchterlich klischeehaften Storyline zu Magneto.) Du hast es sehr treffend in Worte gefasst: Konsequenzlosigkeit. Der Film heißt Apocalypse, aber das Gefühl von Weltende kommt nie wirklich auf. Großer Pluspunkt aber mal wieder für Quicksilver. Für so was gehe ich ins Kino.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Magneto hat für mich tatsächlich funktioniert, weil Fassbender so unverschämt gut spielt. Glaube, bei den meisten anderen Darstellern wäre es auch für mich kitschig gewesen :) Und ja, Quicksilver war das klare Highlight. Das sind so Szenen, da *muss* es einfach eine große Leinwand mit guter Soundanlage sein, zuhause klappen solche Szenen nicht so gut.

      Löschen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.