Filmkritik: Hyena Road

© Ascot Elite
Story: Hyena Road erzählt das Schicksal dreier Männer in Afghanistan. Ein Nachrichtenoffizier der kanadischen Armee wird in eine Verschwörung verstrickt, die ihn mit dem Tod und dem Töten konfrontiert. Ein emotionsloser kanadischer Scharfschütze stellt zum ersten Mal eine emotionale Verbindung zu einem seiner Opfer her. Und ein Mudschaheddin, der dem Kampf abgeschworen hat, wird unfreiwillig in den Mittelpunkt des Krieges gegen die Taliban gezogen. Nicht nur überkreuzen sich die Geschichten der Männer, zusätzlich will ein kanadischer General eine Straße durch Afghanistan errichten, um die Taliban endgültig zu zerschlagen. Doch das Vorhaben steht unter keinem guten Stern.

Kritik: Afghanistan ist nach wie vor ein aktuelles Thema, auch wenn zeitweise andere Konfliktpunkte in den Mittelpunkt gerückt sind. Aber rein von der Absicht, das ist deutlich erkennbar, hebt sich "Hyena Road" von den meisten anderen (Anti-)Kriegsfilmen ab. Während zu häufig für nur eine Seite Partei ergriffen wird, um dann das abgenudelte Klischee der heroischen Soldaten, die gegen die barbarischen Gegner ranmüssen, präsentiert "Hyena Road" wenigstens in Ansätzen einen anderen Weg. Eventuell liegt das an der kanadischen Herkunft, jedenfalls sucht man weitestgehend vergeblich nach der sonst üblichen Überdosis Patriotismus. Die ich zwar lang nicht so störend finde, wie viele andere, aber es ist trotzdem auch mal angenehm, wenn es runterreguliert wird. 
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Handwerklich ist "Hyena Road" dabei solide. Es wird zwar deutlich, dass nicht unbegrenztes Budget zur Verfügung stand, doch die Sets sind schön gestaltet und auch die Action vermag zu überzeugen, genau wie die Darsteller. Allerdings liegt der Fokus klar auf den einzelnen Figuren. Und hier offenbart sich dann die große Schwäche. Denn am Anfang ist die Figurenkonstellation noch spannend. Routinierte Soldaten treffen auf hoffnungsvolle Neulinge, und auch die Afghanen werden nicht dämonisiert, sondern haben ihre eigenen, nachvollziehbaren Beweggründe. Über keine der beiden Seiten wird geurteilt. Doch diese Distanz entpuppt sich als Fallstrick. So richtig will der Funke nicht überspringen, und die Figuren lassen einen dann auch eher kalt. Zu allem Überfluss musste unbedingt noch eine an den Haaren herbeigezogene Liebesgeschichte mit reingezimmert werden. Die hätte es wirklich nicht gebraucht. 

Diese Leere zwischen den Figuren wird dann ihrerseits von Kameramann Karim Hussein wunderbar eingefangen. Die Landschaft ist karg, und oftmals herrscht im Lager der Soldaten tödliche Langeweile. Auch wird mehr als deutlich, dass der komplette Plan, Afghanistan zu befreien, nicht zu Ende gedacht wurde. Für den Moment, in dem der Konflikt kocht, steht alles auf dem Film. Doch sobald das Gefecht vorbei ist, stellt sich die Frage nach dem "warum". Eine Antwort darauf hat bis heute wohl niemand so richtig gefunden, und diese Essenz fängt "Hyena Road" dann auch ein. So unterhalten sich die Figuren miteinander, gefangen in ihrer militärischen Sprache, aber unfähig, wirklich zu erklären oder auch nur zu verstehen, in was sie da hineingeraten sind. Die Geschichte an sich ist dann vorhersehbar, doch die größere Perspektive, die ist stimmig und wird sonst viel zu selten thematisiert.
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Fazit: Die Absicht von "Hyena Road", den Afghanistan-Konflikt aus einer anderen Perspektive zu beleuchten, ist löblich, und in ihren Ansätzen auch gut gelungen. Die Action kann sich ebenfalls sehen lassen und die Kameraarbeit ergänzt die Geschichte auf visueller Ebene äußerst gelungen. Leider funkt es zwischen den Figuren nicht so richtig, die Geschichte ist am Ende doch arg vorhersehbar, und so verfliegt das Interesse zum Ende hin. Für solide Heimkino-Unterhaltung reicht dies aber allemal, und wer sich für das Thema interessiert, wird "Hyena Road" sicher einiges abgewinnen können.

Die Blu-ray: Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite (VÖ: 22.April) kommt im Pappschuber ins Haus. Auf dem ist ein FSK-Aufkleber fest aufgedruckt, das Amaray-Case besitzt aber ein Wendecover. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in sauber abgemischtem DTS-HD MA 5.1 Sound vor. Besonders in den Actionsequenzen überzeugt der satte Sound. Ansonsten ist der Balanceakt zwischen Dialogen und Sound gut gelungen. Untertitel liegen ebenfalls vor, allerdings nur in deutsch. Auch ein paar Extras haben es auf die Scheibe geschafft. Neben dem Trailer-Pflichtprogramm (Originaltrailer zum Film, deutsch synchronisierter Trailer, Teaser, Trailer von anderen, aktuellen Veröffentlichungen von Ascot Elite) gibt es noch drei kurze Featurettes, die Einblick in die Entstehungsgeschichte und Produktion von "Hyena Road" bieten.

Infos zum Film

Originaltitel: Hyena Road
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Kriegsfilm
FSK: 16
Laufzeit: 120 Minuten
Regie: Paul Gross
Drehbuch: Üaul Gross
Darsteller: Rossif Sutherland, Paul Gross, Clark Johnson u.a.

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