Filmkritik: Gods of Egypt

© Ascot Elite
von Philipp M.

Ganz besonders viel Medienaufmerksamkeit konnte Gods of Egypt bereits bei der Veröffentlichung seiner ersten Trailer im November 2015 generieren. Allerdings handelte es sich dabei nicht unbedingt um jene Art von Aufmerksamkeit, die sich Studio und Vertrieb dringend gewünscht hätte: das Projekt wurde unrühmlicherweise mit dem – spätestens jetzt allseits bekannten – Begriff des „Whitewashings“ in Verbindung gebracht. Dass sich Regisseur Alex Proyas nach anfänglicher (und meiner Meinung nach durchaus ehrlich gemeinter) Entschuldigung für dieses „Whitewashing“ nun doch für einen etwas impulsiven Rundumschlag gegen alle Filmkritiker entschieden hat, wird die Ausgangslage des Films für weitere Kritiken nicht verbessert haben.
Trotz dieser ungünstigen Faktoren möchte ich möglichst objektiv an "Gods of Egypt" herangehen und zuerst kurz die vieldiskutierte „Whitewashing“-Thematik ansprechen, denn dabei handelt es sich meiner Meinung nach durchaus um eine problematische Tendenz. Ridley Scott musste für "Exodus: Gods and Kings" (2014) schon ganz ähnliche Kritik einstecken. Dabei hat er zurecht angemerkt, dass häufig auch finanzielle Prozesse des Hollywoodsystems mitverantwortlich sind, die sich massgeblich auf Castingentscheidungen auswirken. Über Sinn und Unsinn solcher Rechtfertigungen lässt sich natürlich streiten. Wo letztlich die Veränderung beginnen muss, bei den Studios oder bei den Castingverantwortlichen, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Eine umfassende Analyse des Problems ist im Rahmen einer Filmkritik kaum möglich, auch wenn dies gerade im Fall von "Gods of Egypt" oft und vergeblicherweise versucht wurde.

Story: Horus (Nikolaj Coster-Waldau), Gott der Luft und des Himmes, soll die Herrschaft über das Land Ägypten von seinem Vater Osiris (Bryan Brown) übernehmen. Am Tag der Krönungszeremonie will jedoch Seth (Gerard Butler), Gott der Wüste, dies vereiteln. Kurzerhand marschiert er mit seiner Armee auf, tötet seinen eigenen Bruder Osiris und entreisst seinem Neffen Horus die frischerlangte Macht sowie beide Augen. Diese sind gerade für Horus speziell wichtig, da ein Grossteil seiner göttlichen Macht in ihnen begründet liegt und er sie unter anderem für die Transformation in seine geflügelte göttliche Mythengestalt benötigt.
Gleichzeitig wird auch die Geschichte des jungen menschlichen Pärchens Zaya (Courtney Eaton) und Bek (Brenton Thwaites) eingeführt. Diese konnten bis anhin glücklich unter der Herrschaft von Osiris leben, was sich jedoch durch Seths Machtergreifung gründlich verändert hat. Götter und Menschen müssen sich dessen neuem grausamem Regime fügen, und so geschieht es, dass Zaya zur Sklavin von Seths menschlichem Chefarchitekten Urshu (Rufus Sewell) wird, während Bek – eigentlich wie schon zuvor – als geschickter und unbemerkter Dieb über die Runden kommt. So gelingt es Letzterem auch, eines von Horus Augen aus Seths Schatzkammer zu entwenden. Aber wie sieht Seths endgültiger Plan aus und kann Horus aus dem Exil zurückkehren und den Frieden in seinem entrissenen Königreich wiederherstellen?
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Kritik: Ohne gross abzuschweifen, möchte ich zuallererst die Verwendung und Qualität von computergeneriertern Bildern ansprechen. Bereits mit der Veröffentlichung erster Promobilder und Trailer im letzten Jahr wurde eines unmissverständlich klargestellt: "Gods of Egypt" sollte ganz klar ein visuell betonter und CGI-lastiger Streifen werden. Diese Entscheidung mutet etwas seltsam an, denn gerade noch hat "Star Wars: Episode VII - The Force Awakens" (2015) damit von sich Reden gemacht, dass CGI nur dort eingesetzt wurde, wo es unumgänglich war (zugegebenermassen im Falle von Star Wars immer noch recht häufig). Im Allgemeinen wurde eine solche Rückbesinnung von Fans und Kritikern positiv aufgenommen. Demgegenüber stehen CGI-Feste wie "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (2002), "Clash of the Titans" (2010) oder "Jupiter Ascending" (2015), die unter anderem wegen dem unvernünftigen Ausmass (und der teilweise unzureichenden Qualität) von CGI harsch kritisiert wurden.
In diesem Kontext muss angemerkt werden, dass es bei Gods of Egypt nicht nur Schlechtes zu berichten gibt. Lässt man sich erst einmal auf den 3D-CGI-Klamauk ein, gibt es einige schöne Sequenzen zu bewundern. Seths Pyramide der Sande wurde visuell ebenso hochwertig umgesetzt wie Thoths Bibliothek. Und so übertrieben der allnächtliche Kampf von Ra (Geoffrey Rush) gegen den Dämonen Apophis im Weltall auf der dunklen Seite der flachen Erdscheibe auch erscheinen mag, ich mochte die Szene dennoch.
Tatsächlich scheint der Film aber eine gewisse qualitative Konsistenz des CGIs, die bei einem solchen Unterfangen absolut notwendig wäre, nicht wirklich zu erreichen. Viele Effekte sind – wie bereits erwähnt – durchaus qualitativ in Ordnung, einige sogar hochwertig. Das Problem kommt aber genau dann ins Spiel, wenn einige andere Effekte die Immersion des Zuschauers brechen. Insbesondere empfand ich die Bewegungsanimation der Götterwesen, in die sich die beispielsweise Horus und Seth verwandeln, als holprig. Wohlgemerkt meine ich damit nicht ihre Textur oder den doch recht eindrücklichen Detailreichtum, mit dem sie designt wurden, sondern simpel und einfach ihre Animation, und darunter insbesondere die Sprung- und Flugbewegungen. Da die bedeutendsten Actionsequenzen des Films solche Götterwesen beinhalten, wird das Problem nur allzu deutlich sichtbar.
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Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt, nämlich der Story. Wie bei solchen spektakelgeladenen Filmen üblich, tritt sie meist in den Hintergrund und ist eher ein Vehikel, das die Protagonisten von einer Actionszene zur nächsten bringt. So ist es dann auch unumgänglich, dass deren Charakterentwicklung eher unzureichend bleibt. Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass es sich hier um reines Actionkino handelt, weshalb ich auch nicht versuche, diesen Umstand als absolutes No-Go-Kriterium gegen den Film anzuführen.  Generell wurde die Story jedoch über eine viel zu lange Laufzeit hinweggestreckt (127 Minuten), wodurch sich bei mir gewisse Ermüdungserscheinungen ergaben. Die schiere Anzahl an Actionsequenzen (und teilweise auch deren Länge) wirken extrem forciert. Man fragt sich beispielsweise, welchen Zweck die Szene mit den überdimensionalen, feuerspeienden Kobras erfüllen sollte. Sie zeigt meiner Meinung nach gut die Prämisse des Films auf: Eine wahrheitsgetreue Abbildung ägpyptischer Mythologie war nicht nur nie beabsichtigt (falls das dem Zuschauer nach der Einführung der vier Meter grossen, gestaltwandelnden Götter mit goldenem Blut noch nicht aufgefallen war), sondern sollte einer stark überhöhten und auf Hollywood-Actionkino heruntergebrochenen Repräsentation dieser Mythenwelt weichen. Grundsätzlich also genau das, was "Clash of the Titans" zuvor mit griechischer Mythologie versucht hatte. 
Aber kommen wir  noch einmal auf die Figuren und damit auch auf die Schauspieler zurück. Falls so etwas wie eine Charakterentwicklung im Film stattfindet, dann wäre sie bei Horus zu suchen. Dieser ist zwar von Beginn an auf der guten Seite angesiedelt, muss jedoch im Verlauf des Filmes seine Arroganz und sein Überlegenheitsgefühl gegenüber seinem Volk ablegen. Ein Schelm wer in dieser Entwicklung Parallelen zu Coster-Waldaus Rolle des Jaime Lannister aus HBOs "Game of Thrones" sieht. Goldene Rüstungen, fehlende Körperteile (ob nun Augen oder Hände) und Coster-Waldaus Schauspiel stellen sicher, dass man die Ähnlichkeiten nicht übersehen kann. Für mich persönlich hatte dies den merkwürdigen Effekt, dass ich die Figur von Horus besser nachvollziehen konnte, da er für mich effektiv fast zu Jaime Lannister wurde. Es bleibt jedoch höchst fraglich ob dieser Effekt nun als positiv oder negativ zu bewerten ist. Gerard Butler, Courtney Eaton und Brenton Thwaites machen ihre Sache grundsätzlich solide. Dass ihre Figuren eindimensional bleiben ist wohl eher dem Drehbuch als ihrem schauspielerischen Können anzulasten. Was den Humor anbelangt, so wurde die Inkonsistenz des CGIs hier nahtlos weitergeführt. Einige Sprüche brachten mich wirklich zum schmunzeln, andere waren eher grenzwertig oder klischiert.
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Fazit: Die Kritik wirkt abschliessend sicherlich etwas unversöhnlich. Ich will jedoch "Gods of Egypt" nicht als durchwegs schlechten Film einordnen. Wen ab und zu ein überwältigendes Bedürfnis nach Action und visuellen Effekten überkommt, das auch mal mehr als zwei Stunden anhalten kann, der wird dem Film sicherlich positive Seiten abgewinnen können. Man sieht durchaus, wo die 140 Millionen Dollar hingeflossen sind, auch wenn das CGI teilweise Schwachstellen aufweist. Die 3D-Umsetzung empfand ich als gelungener als bei den meisten vergleichbaren Filmen. Während ich bei "Clash of the Titans" diesbezüglich nicht viel mehr als ungläubig den Kopf schütteln konnte,  wirkte das 3D hier deutlich angenehmer. Wenn man ohne grosse Erwartungen an "Gods of Egypt" herantritt, kann man sich den Film durchaus zu Gemüte führen, denn es gibt definitiv schlechtere Beispiele aus dem Bereich der Mythologie-Action-CGI-Kracher.


Infos zum Film:

Originaltitel: Gods of Egypt
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Action, Abenteuer
FSK: 12

Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Alex Proyas

Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Darsteller: Brenton Thwaites, Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Geoffrey Rush, Courtney Eaton, Elodie Yung, Chadwick Boseman u.a.



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