Filmkritik: The Dressmaker

© Ascot Elite
Story: Nach Jahren als Schneiderin für die exklusivsten Modehäuser von London, Mailand und Paris kehrt die stilsichere Schönheit Myrtle „Tilly“ Dunnage (Kate Winslet) in ihre australische Heimat zurück, aus der sie als Jugendliche einst vertrieben wurde. Willkommen im Städtchen Dungatar – irgendwo im Nirgendwo. Mit einer Nähmaschine bewaffnet, räumt das glamouröse Ausnahmetalent mit ihrer Vergangenheit auf und begibt sich auf einen süssen Rachefeldzug. Schlagfertig legt sie den alten Zwist mit ihrer Mutter „Mad“ Molly (Judy Davis) beiseite, gewinnt durch ihre Handwerkskunst die Gunst der misstrauischen Dorfbewohner – und scheint bei Teddy (Liam Hemsworth), einem Adonis von Mann, weiche Knie zu bekommen.

Kritik: Mit "The Dressmaker" kehrt Regisseurin Jocelyn Moorhouse nach beinahe 20 Jahren Abstinenz wieder auf den Regiestuhl zurück. Und das mit einer Buchadaption, in diesem Falle nach dem gleichnamigen Roman von Rosalie Ham aus dem Jahr 2000. Und die Voraussetzungen sind fantastisch. Kate Winslet geht sowieso immer und erst Recht, wenn sie auf Rache aus ist, Liam Hemsworth wächst als Darsteller auch konstant weiter, Hugo Weaving ist routiniert wie eh und je, und Judy Davis als Mutter überzeugt in ihren Szenen ebenfalls. Doch die Bühne hier gehört klar Kate Winslet. Bereits ihre ersten Worte, "I'm back, you bastards", während sie fast schon lasziv an der Kippe zieht, versprechen Aufregung im kleinen Kuhdorf, irgendwo im australischen Outback. Stellenweise nimmt das schon fast klassische Westernzüge an, zumindest die Prämisse der Rückkehr um sich zu rächen, sowie das kleine Dorf würden in jedem Western eine gute Figur machen. 
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Und in diesem Dorf geht es ordentlich zur Sache. Da wird keine Gelegenheit ausgelassen, um zu zeigen wie verkommen die Dorfbewohner sind. Da gibt es den Ehemann, der seine Frau zu jeder Gelegenheit betrügt, und sie zwischendurch mit Drogen ruhigstellt, um sich dann an ihr zu vergehen wenn sie bewusstlos ist. Es gibt die lästernde Damenschaft und zwischendrin steckt Hugo Weaving als crossdressender Polizist, der zwar für Ordnung sorgt und irgendwie auf Tillys Seite ist, aber eben doch nicht aus der Konformität des Dorfes ausbrechen kann. Tillys Mutter hingegen, Molly, lebt einsam und allein und kann sich scheinbar nicht immer an ihre Tochter erinnern. Sie ist fast die spannendste Figur, da ihre Motivation lange im Unklaren bleibt. Und dann ist da noch Teddy, der nichts auf die Gerüchte gibt, die besagen, dass Tilly in der Schule einen Mitschüler umgebracht hat.  All diese Handlungsfäden warten auf ihre Aufklärung.

Heimlicher Star sind allerdings die Kostüme. Was hier an Liebe und Detailreichtum in leuchtende Farben und fließende Stoffe fabriziert wurde, ist atemberaubend schön. Die Optik lenkt dann auch klar davon ab, dass vor allem ab der zweiten Hälfte des Filmes der Fokus irgendwie abhandenkommt. Zwischen der Aufklärung der Vergangenheit, der Versöhnung mit der Mutter, der Liebesgeschichte und dem Rachefeldzug an den restlichen Dorfbewohnern springt das Script munter hin und her. Das sorgt für einige, im wahrsten Sinne des Wortes, zündende Momente, und vollendete Rache ist natürlich auch hier vollauf befriedigend. Und die Darsteller tragen jede noch so wirre Szene mit Würde auf ihren Schultern. So ganz schlau wird man allerdings am Ende nicht aus der Angelegenheit, auch wenn alle Handlungsfäden schickt versäumt und vernäht werden, um bei der Schneidersprache zu bleiben. Dafür wird einfach zu vieles in einen Topf geworfen und die disharmonischen Töne sind stellenweise zu laut. 
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Fazit: "The Dressmaker" zeigt Darsteller in Bestform, allen voran Kate Winslet, die sowieso alles spielen könnte und dabei eine wundervolle Figur machen würde. Inhaltlich kann die Geschichte sich nicht ganz mit sich selbst einig werden. So werden Rachethriller, Familiendrama, Liebesgeschichte und skurriles Dorfleben zu einer Mischung, die nicht immer ganz rund ist. Wunderschön anzusehen ist das aber allemal, für Fans von Kate führt kein Weg an der Sache vorbei und alle anderen dürfen bei diesem skurrilen kleinen Film ruhig einen Blick riskieren.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite (Veröffentlichung am 29. April 2016) kommt im eleganten Pappschuber ins Haus. Auf dem ist ein FSK-Aufkleber aufgedruckt, das Amaray Case kommt aber mit Wendecover daher. Deutsche und englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Die englische Tonspur leidet stellenweise unter etwas zu lauter Musik im Vergleich zu den Dialogen, ansonsten ist der Ton aber klar. Untertitel gibt es ebenfalls, allerdings leider nur auf Deutsch. Neben den Trailern zum Film und einigen weiteren Trailern zu aktuellen Veröffentlichungen von Ascot Elite gibt es noch ein paar kurze Featurettes, eine B-Roll und Interviews zu bestaunen.


Infos zum Film

Originaltitel: The Dressmaker
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie
FSK: 12
Laufzeit: 119 Minuten
Regie: Jocelyn Moorhouse
Drehbuch: Jocelyn Moorhouse, P.J. Hogan
Darsteller: Liam Hemsworth, Kate Winslet, Hugo Weaving, Sarah Snook u.a.

Trailer


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