Filmkritik: Kill your Friends

© Ascot Elite
Story: Steven Stelfox ist der Auserwählte! Sein Wille macht aus unbekannten Musikern Bands mit Plattenvertrag. Dabei interessiert sich Steven gar nicht für Musik. Sein einziger Gott ist der Profit. Das Ziel ist immer der nächste große Hit, der die Kassen seines Musiklabels füllt.
Und Steven Stelfox ist ein Riesen-Arschloch! Skrupellos, krank vor Ehrgeiz und zynisch bis zum Abwinken kokst und vögelt sich der junge A&R-Manager durch die Britpop-Szene der 90er Jahre. Aber der Erfolgsdruck steigt. Als Stelfox bei einer Beförderung übergangen wird, greift er zu extremen Maßnahmen und erledigt seinen Rivalen für immer. Zunächst mit Erfolg. Doch neue Hindernisse fordern drastische Maßnahmen und die Blutspuren auf Stevens Karriereleiter werden immer größer…

Kritik: Als "American Psycho" für die aktuelle Generation wird "Kill your Friends" angepriesen. Das ist natürlich ein gewagter Vergleich, und es wundert auch nicht, dass der Film dem großen Vorbild letztendlich nicht standhalten kann. Da dieses Kunststück, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach, aber bisher keinem anderen Film gelungen ist besteht keinerlei Grund, sich zu schämen. Einzig die Erwartungen sollten in Anbetracht dieser Lobpreisungen ein klein wenig heruntergeschraubt werden. Denn dann macht "Kill your Friends" richtig Laune. 
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John Niven adaptierte hier gleich sein eigenes Buch als Drehbuch. Dabei bliebt leider einiges auf der Strecke, vielleicht wollte man das Publikum auch nicht zu sehr schocken. Das große Vorbild von Bret Easton Ellis litt in der Verfilmung an der gleichen Thematik und auch "Drecksau" mit einem herrlich derangierten James McAvoy in der Hauptrolle kam auf der Leinwand deutlich zahmer daher als es im Buch der Fall war. Irgendwo scheint eine Grenze zu bestehen, wie viel man dem Zuschauer zumuten will. Nicolas Hoult, der sich seit seinem Auftritt als schräges Kind in "About a Boy" richtig gemacht hat und zuletzt in "Mad Max" begeisterte, nimmt hier die Bühne ganz für sich ein. Die vierte Wand wird gleich zu Beginn niedergerissen und wir dürfen direkt teilhaben am Kampf unter den Haien um das saftigste Stück Fleisch, also den Sessel in der Chefetage. Dass im Musikbusiness beinahe nur Menschen arbeiten die nicht wirklich Interesse an Musik, sondern nur am Profit haben, dürfte keinen Newswert haben. Der Einblick in die Szene, in der John Niven selbst eine Weile gearbeitet hat, ist dann aber doch stellenweise ein wenig unangenehm. Die meisten von uns wollen da doch daran glauben, dass Musik zumindest ein paar Beteiligten Freude bereitet, hier wirken die Künstler aber mehr wie ausnehmbare Lämmer auf der Schlachtbank. 
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So kokst, vögelt und mordet sich Steven Stelfox also durch den Film. Sympathie kommt für ihn keine auf, der Typ ist einfach durch und durch ein zynisches, Frauen hassendes (außer er findet sie fickbar), Menschen verabscheuendes Arschloch. Er fällt, steht wieder auf, fällt wieder hin und rappelt sich erneut auf, um zum Gegenschlag auszuholen. Mitfiebern fällt schwer, Regisseur Owen Harris, der hier nach zahlreichen Ausflügen im TV sein Kinodebüt gibt, lässt die Kamera eine sichere Distanz zwischen Steven und dem Publikum wahren, auch wenn er permanent mit uns spricht. Angereichert wird all dies mit einem schicken Soundtrack, der einerseits die 90er mit Songs von Oasis, Radiohead oder Blur zelebriert, auf der anderen Seite dann aber einen eigenständigen Score von Junkie XL mitbringt. Der sorgte zuletzt für die musikalische Untermalung bei "Deadpool" und "Mad Max" und schafft es auch hier, der Sache seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Zur Musik gesellen sich zahlreiche Anspielungen auf die 90er, die einem jüngeren Publikum wohl wenig sagen dürften, für diejenigen die in dieser Zeit aufgewachsen sind aber den ein oder anderen Lacher bereithalten dürften. Die 90er waren auch das letzte große Aufbäumen einer klassischen Musikindustrie, in der aufstrebende Künstler zwangsläufig von der Gnade eines ihnen wohlgesonnenen Labels abhängig waren. Gewissermaßen ist es ein Abschied, eine ewige, dekandete Party, die hier zelebriert wird. Man weiß nie, wann das Ende kommt, aber dass es kommt ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ab der zweiten Hälfte tritt "Kill your Friends" dann auf der Stelle und will mit ein paar Witzen über Aids, Homosexualität und Pädophilie auf zu kindische Art provozieren. Das Musikbusiness der 90er bleibt ein reiner Jungsclub, brutal und infantil gleichermaßen. Der Film kommt an seine offensichtlichen Vorbilder nie so ganz ran, aber für einen unterhaltsamen Abend mit einem Menschen hassendem Psychopathen taugt "Kill your Friends" allemal. Auch wenn der Titel wirklich irreführend ist, denn Freude hat Steven Stelfox nun wirklich keine.

Fazit: Neben dem Soundtrack und der tollen Leistung von Nicolas Hoult überzeugt vor allem der Auftakt von "Kill you Friends". Zynisch, bitterböse und skrupellos zeigt sich der Einblick in die Musikindustrie. Im weiteren Verlauf tritt der Film dann ein wenig auf der Stelle, bleibt aber bis zum Ende hin unterhaltsam. Ein bisschen mehr Exzess hätte es gerne sein dürfen, aber wer gerne zu entspannter Musik aus den 90ern 100 unterhaltsame Minuten mit einem richtig unsympathischen Arschloch verbringen will, der ist hier goldrichtig.

Die Blu-ray: Die Blu-ray von Ascot Elite kommt im schicken Pappschuber nach Hause. Auf dem lässt sich das FSK-Logo leider nicht entfernen, das Blu-ray-Case selbst hat dann aber ein Wendecover. Die deutsche und englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor, das Mischverhältnis von Dialogen zur Musik ist stellenweise arg unausbalanciert. Wer Nachts schaut, sollte die Fernbedienung griffbereit haben. Ansonsten sind die Dialoge aber klar und deutlich und der Sound tönt kristallklar aus den Boxen. Untertitel gibt es nur in Deutsch. Das Bild ist gestochen scharf und wirkt stellenweise wie durch einen Filter aufgenommen, der aber den 90s-Eindruck verstärkt und das Ganze recht atmosphärisch wirken lässt. Als Extras gibt es neben ein paar Trailern noch einige Interviews, eine B-Roll und Aufnahmen von der Filmpremiere am Zürich Film Festival.  

Infos zum Film

Originaltitel: Kill Your Friends
Erscheinungsjahr: 2015
Genre:Komödie, Thriller, Komödie
FSK:16
Laufzeit: 100 Minuten
Regie: Owen Harris
Drehbuch: John Niven
Darsteller: Nicolas Hoult, James Corden, Tom Riley, Craig Roberts, Georgia King, Joseph Mawle, Moritz Bleibtreu u.a.

Trailer

Kommentare:

  1. Ich habe so das Gefühl das die aktuellen Filme einfach richtig nachlassen.. Trotzdem ein guter Beitrag von dir! Liebe Grüße Michelle

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  2. Hallöchen

    Eine sehr schöne Seite die du hier aufgebaut hast. Ich habe bis jetzt noch keinen Blog mir Filmen kennen gelernt. Der kommt gleich mal auf meine Liste

    Liebe Grüße Moni´s Bloghütte
    (Leider habe ich den 3. Blogger Comment Day gestern nicht geschafft darum hole ich das jetzt nach)

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  3. Das klingt doch nach einem Film, der wie für mich gemacht ist. ;)

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