Serienkritik: Hemlock Grove Staffel 2

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Story: Peter kehrt in die Kleinstadt Hemlock Grove zurück. Währenddessen macht Roman seine Verwandlung in einen Vampir zu schaffen - er gewöhnt sich nur schwer an die veränderten Umstände. Peter leidet derweil erneut unter Visionen, die Schlimmstes prophezeien - die einstigen Freunde müssen alleine und getrennt gegen ihre inneren Dämonen und Biester kämpfen.

Kritik: Die erste Staffel von "Hemlock Grove" entpuppte sich rasend schnell als absolut guilty-pleasure-würdig. An drei Abenden hab ich die 13 Folgen weggesuchtet, schön allein zu Hause, eingekuschelt im Bett. Und was gab es nicht alles zu bewundern: gut aussehende Hauptdarsteller, viel nackte Haut, literweise Blut und eimerweise Gedärme. Yummy! Der Stoff aus dem Träume gemacht werden, oder jedenfalls so ähnlich. Dabei war die erste Staffel bei Weitem nicht frei von Ungereimtheiten. Die Geschichte entwickelte sich extrem langsam, vieles wurde einfach irgendwann links liegen gelassen und Logik war auch eher ein seltener Gast. Aber für Staffel 2 hat man bei der Netflix-Produktion, die von niemand geringerem als Eli Roth mitproduziert wird, auf die Zuschauer gehört und fleißig Fehler korrigiert.

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Da wäre zunächst einmal die Straffung der Episodenanzahl. In 10 Folgen wird eine temporeiche Geschichte erzählt, bei der die Zusammenhänge teilweise erst im Verlauf klar werden. Im Vordergrund stehen nach wie vor Peter und Roman, die beide mit ihren Veränderungen zurechtkommen müssen. Die Freundschaft der beiden war schon in der ersten Staffel das absolute Highlight, nun werden die Dinge komplizierter und als Zuschauer darf man wieder ordentlich mitfiebern. Beide Figuren werden komplexer, und wenn Roman mit seiner Menschlichkeit hadert und Peter dem inneren Biest immer mehr Kontrolle zugesteht wird es durchaus spannend. Romans Abnabelungsprozess von seiner Mutter wird ebenfalls thematisiert, erneut greift die Serie hier also realistische Probleme auf und verpackt sie in ein übernatürliches Setting. 

Ein riesiger Pluspunkt sind auch die weiblichen Rollen. In der ersten Staffel hatte ich mich maßlos darüber aufgeregt: Olivia war ätzend, die Auflösung um den mysteriösen, mordenden Wolf war dämlich und Frauen waren generell nur dazu da um nackt zu sein und zu sterben. Staffel zwei weitet die Rolle von Destiny (Tiio Horn, meine Favoritin aus Staffel 1) aus. Shelley, nun gespielt von Madeleine Martin (man kennt sie wohl am ehesten als Hanks Tochter aus "Californication") nimmt ebenfalls eine größere Rolle ein, und ohne spoilern zu wollen: ihre Geschichte in Staffel zwei geht wirklich zu Herzen. Miranda (Madeline Brewer) ist neu in Hemlock Grove und wird direkt in die Ereignisse reingezogen. Sie hat zwar hier und da Momente die wirklich dämlich sind, macht aber insgesamt einen guten Eindruck. Leider gibt es nicht so wirklich ein Wiedersehen mit Peters Mutter. Die anwesenden Damen haben aber im Schnitt keine Zeit für Bullshit, und das ist erfreulich. Frauen können eben auch in Hemlock Grove mehr sein als nur ein leichtbekleideter Plot Device. 

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Hier und da verliert "Hemlock Grove" sich in seiner eigenen Geschichte, einige Nebenschauplätze werden aufgegriffen und dann nie wieder besucht. Der Fokus auf die Hauptfiguren ist aber ungemein schärfer als noch in der ersten Staffel. Die Dialoge triefen teilweise vor Kitsch, nur um im nächsten Moment scharfzüngig die Situation zu analysieren. So ganz ausgewogen ist das alles noch nicht, aber die Verbesserungen sind überdeutlich spürbar. Weiterhin auf hohem Niveau ist die Optik. Die Werwolfverwandlungen sind wirklich ekelerregend gut in Szene gesetzt. Die Kulissen sehen verträumt und immer ein bisschen gruselig aus. Nach den zehn Folgen steht fest: "Hemlock Grove" erneut zu besuchen war kein Fehler, das verschlafene Städtchen hat sich zwischen zwei Staffeln enorm gemausert. So macht Wiedersehen wirklich Freude. Da verzeiht man auch das etwas holprige Ende der Staffel.

Fazit: Offensichtlich hat man bei Netflix auf die Zuschauer gehört. Zahlreiche Mängel der ersten Staffel wurden ausgemerzt, die Straffung bei der Anzahl der Folgen ist ebenfalls erfreulich. Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf, einige Handlungsorte verlaufen zwar im Sande, im Großen und Ganzen macht die zweite Staffel aber in jeder Hinsicht Laune. Der Appetit auf die finale dritte Staffel ist in jedem Fall geweckt. 

Die Blu-ray: Die wichtigste News zuerst: alle 10 Folgen liegen auf der Blu-ray von Concorde ungeschnitten vor. Wer Wert auf die Optik im Regal liegt freut sich über ein Wendecover, leider gibt es aber sonst keine Extras. Das Bild ist kristallklar, die Farben sind satt und die Kontraste fallen messerscharf aus. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Erfreulich: Dialoge und Musik sowie Hintergrundgeräusche sind sauber abgemischt und man muss nicht dauernd Angst haben dass die Nachbar wegen plötzlich einsetzender Lautstärkedifferenzen an die Tür klopfen.

Infos zur Serie

Originaltitel: Hemlock Grove
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Horror, Mystery
FSK: 16
Laufzeit: ~ 505 Minuten verteilt auf 10 Episoden
Regie: Spencer Susser, Vincenzo Natali, Peter Cornwell u.a.
Drehbuch: Evan Dunsky, Jennifer Haley, Peter Blake u.a.
Darsteller: Landon Liboiron, Bill Skarsgård, Famke Janssen, Madeleine Martin, Madeline Brewer, Joel de la Fuente, Dougray Scott, Tiio Horn u.a.

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