Filmkritik: Legend

© Studiocanal
Story: Reggie Kray (Tom Hardy) hat die Unterwelt im Londoner East End fest im Griff. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Ron (ebenfalls Tom Hardy), den er kürzlich aus der Psychiatrie holen konnte, erpressen die beiden Schutzgelder, schmieden Allianzen und zwingen jeden ihrer Gegner in die Knie. Schnell florieren die Geschäfte; Politiker und Prominente gehen in den Clubs der Krays ein und aus. Obendrein findet Reggie in Francis (Emily Browning) die Liebe seines Lebens. Doch als er für sechs Monate im Gefängnis einsitzt, treibt Ron die Bars und das eigene Casino in den Ruin. Und während Ron immer mehr außer Kontrolle gerät, sieht Francis bald nur noch einen Ausweg, um ihrem Leben als vernachlässigte Ehefrau zu entfliehen. Das Imperium der Kray-Zwillinge droht zu zerbrechen und Reggie setzt alles daran, um ihren Niedergang abzuwenden.

Kritik: Es wird recht schnell klar dass Brian Helgeland (L.A. Confidential) hier seine eigene Version der Geschichte um die berühmt-berüchtigten Kray-Zwillinge erzählen will. Deswegen ist ein wenig unverständlich, wieso er sich so sehr an den offensichtlichen Vorbildern entlanghangelt. Oder anders gesagt: wenn man nicht Martin Scorsese ist, dann sollte man nicht versuchen so zu tun als wäre man verdammt nochmal Martin Scorsese, das kann nämlich nur nach hinten losgehen. Legenden und Geschichten um die Krays gibt es wahrlich zur Genüge und vermutlich wäre man besser bedient gewesen, hätte man sich auf eine Art von Filmgenre konzentriert, statt so ein wirres Potpourri abzuliefern. Aber fangen wir von vorne an. Denn besonders der Anfang von "Legend" weiß zu unterhalten. 

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Das liegt natürlich in erster Linie an Tom Hardy, den man hier gleich im Doppelpack bekommt. Über das Talent dieses Darstellers muss man sicher wohl kaum noch Worte verlieren, er schafft es beide Zwillinge als völlig eigenständige Persönlichkeiten rüberzubringen. Die Maske hilft ihm dabei, so wirkt Ron deutlich massiger als sein Bruder. Emily Browning ist ebenfalls überzeugend in der Rolle die sie verkörpern soll, am meisten Spaß machen aber mit Abstand die Nebenrollen. Paul Bettany taucht kurz auf um für maximales Chaos zu sorgen, David Thewlis kämpft als Stimme der Vernunft gegen Windmühlen und Christopher Eccleston ist generell immer eine Wohltat für die Augen. Nein, beim Casting hat man ganz und gar nichts falsch gemacht. Auch die ausgewählte Musik ist stimmig und hilft ungemein, das London der 50er und 60er zum Leben zu erwecken. London sieht ebenfalls klasse aus und die Kulissen sind gelungen. So macht es zu Beginn Spaß die beiden grundverschiedenen Brüder auf ihren Streifzügen zu beobachten. Schräger Humor mischt sich mit exzessiven Gewalteinlagen, immer eingebettet in die glamouröse Version des Gangsterlebens.

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Der Untergang wird eingeläutet sobald die Figur der Frances mehr Fläche bekommt. Gleich zu Beginn wird der fatale Fehler begangen ihr die Bürde des Narrativs aufzuzwängen, und niemand, wirklich niemand braucht 2016 noch eine Geschichte um eine Frau, die sich in einen Gangster verliebt um dann festzustellen dass sie mit dem Gangster-Leben nicht klarkommt. So trägt ihre Stimme den Zuschauer durch das Geschehen und es ist einfach nicht leicht sich mit einer Person zu identifizieren die über keinerlei Charaktereigenschaften verfügt. Frances ist so dermaßen flach und belanglos geschrieben dass man sich nicht für sie interessieren will. Ihre Voiceover-Erzählungen sind im besten Falle lächerlich, im schlimmsten Falle so dermaßen pathetisch-triefend dass es einem die Zehnägel hochrollt. Leider nimmt sie eine immer größere Rolle ein und so wechselt "Legend" vom lässigen Gangsterfilmchen hin zu einer stressigen Romanze, um die niemand gebeten hat. Dazu gesellen sich weitere Schwachstellen. Viele Szenen wirken als hätte man sie nicht zu Ende durchgeplant, es sind Kleinigkeiten die sich über den Verlauf hinweg summieren. Helgeland begeht aber irgendwann den Fehler Tom Hardy nicht genug Freiraum zu geben. Die Szenen in denen die beiden Brüder gemeinsam zu sehen sind zünden meistens nicht richtig, weil ihnen deutlich anzusehen ist wie technisch vorgegangen wurde. Es ist zu offensichtlich dass die Szenen jeweils zweimal gedreht wurden und so sind sie zwar nett anzusehen, sie funktionieren aber nicht und reißen den Zuschauer häufiger aus dem Geschehen heraus. Der kleine Taschenspielertrick am Ende ist fragwürdig, fühlt sich billig an und muss sich gefallen lassen dass man wegen ihm am Ende die Frage stellt, wieso dieser Film überhaupt gemacht wurde.

Fazit: "Legend" besticht durch seine vielversprechende Prämisse und die exzellente Wahl der Darsteller. Leider krankt das Drehbuch an allen Ecken und Enden, die Talente werden hoffnungslos verbraten und auch ein doppelter Tom Hardy kann nicht darüber hinwegtäuschen dass einen hier letztendlich nur der hunderste lauwarme Aufguss einer banalen Liebesgeschichte präsentiert wird, die sich keinerlei Mühe gibt den Zuschauer irgendwie zu umgarnen. Eine lieblose, aber nett anzusehende Angelegenheit.  

Infos zum Film

Originaltitel: Legend
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Gangster, Drama, Thriller
FSK: 16
Laufzeit: 131 Minuten
Regie: Brian Helgeland
Drehbuch: Brian Helgeland
Darsteller: Tom Hardy, Emily Browning, David Thewlis, Christopher Eccleston, Taron Egerton, Paul Bettany u.a.

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