Veranstaltungstipp: "The World of Tim Burton" in Brühl bei Köln

Das Plakat zur Ausstellung © Max Ernst Museum, Brühl
Am Sonntag wird in Brühl, das liegt zwischen Köln und Bonn, die Ausstellung "The World of Tim Burton" eröffnet. Soweit, so spannend. Ich durfte vorab zur Pressekonferenz und die Ausstellung schon mal besichtigen, und darüber würde ich euch gerne ein wenig erzählen. Außerdem erfahrt ihr, welcher meiner ganz persönlichen Träume an diesem Tag wahr geworden ist. 

Brühl ist ja eher ein beschaulicher Ort. Klar, das Phantasialand ist in der Nähe, und das Schloss ist auch eine recht hübsche Location. Die Innenstadt ist auch klein, aber fein. Doch es gibt ja noch das Max Ernst Museum, und dort wird sich in den kommenden Wochen und Monaten Großes ereignen. 

Vom 16.8.2015 bis zum 3.1.2016 findet im Museum die Ausstellung "The World of Tim Burton" statt. Jetzt sind wir ja hier auf einem Filmblog, die meisten von euch dürften Tim Burton als Regisseur also kennen. So oder so, die Tage wird noch ein Special über ihn online gehen, haltet also die Augen offen. 

Doch Burton ist nicht nur Regisseur, er zeichnet auch sehr gerne. Zahlreiche seiner Werke waren zunächst unter gleichem Namen im Museum of Modern Arts in New York ausgestellt, bevor ausgewählte Stücke dann auf Weltreise gingen. Nach Paris, Prag, Tokyo und Osaka ist nun Brühl an der Reihe. Präsentiert werden dem Besucher etwas mehr als 500 Ausstellungsstücke: Gemälde, Storyboards, Puppen aus Filmen und Zeichnungen auf Notizzetteln und Servietten sind zusammengekommen. 

Die Bandbreite reicht dabei von seinen Filmfiguren über bisher ungezeigtes Material aus seiner kurzen Zeit bei Disney. Auseinandersetzungen mit Feiertagen sind vertreten, und Besucher können einen exklusiven Blick auf die Bücher werfen, die Burton jeweils neben seinen Filmen entwickelt und danach an Cast und Crew verschenkt. Einen 30 Sekunden langen Werbefilm hat das Max Ernst Museum ebenfalls designed: 
© Max Ernst Museum, Brühl

All diese Dinge erfuhr man natürlich auf der Pressekonferenz. Auch über das Rahmenprogramm wurde informiert. So veranstaltet das Filmhauskino in Köln eine Filmreihe mit ausgewählten Werken von Burton, darunter "Beetlejuice" und "Edward mit den Scherenhänden". Für Kindergartengruppen und Schulklassen kann man Workshops buchen, in denen die Kinder (und Erwachsene) lernen wie man einen Stop Motion Film macht oder seine eigene Filmfigur erschafft. Auch Führungen durch die Ausstellung kann man buchen. Überhaupt, man ging kreativ an die Sache heran. Zur Eröffnung der Ausstellung wurden Goldene Tickets verlost, ganz ähnlich wie bei "Charlie und die Schokoladenfabrik".

Aber ich kann euch ja viel erzählen, und sicher wollt ihr wissen wie die Ausstellung überhaupt ist. Leider darf ich euch keine Fotos zeigen, auch keine selbst gemachten, denn das gäbe unter Umständen Probleme mit dem Urheberrecht. Deswegen erzähle ich einfach mal ein bisschen. 

Wie schon gesagt, besteht die Ausstellung hauptsächlich aus Zeichnungen, die Tim Burton in über 40 Jahren selbst angefertigt hat. Zunächst wird man mit einigen Kreaturen konfrontiert, danach lernt man etwas über die Einflüsse von Burton. Im Untergeschoss des Museums wird es dann richtig interessant. 

Einen großen Teil nehmen nicht verwirklichte Projekte ein. In einem kleinen Nebenraum findet man riesige Polaroid-Bilder, bei denen sich genaueres Hinschauen wirklich lohnt. Besonders präsent sind natürlich auch Figuren aus verschiedenen Filmen, die man hier als Modelle, Konzeptzeichnungen oder Skizzen wiedertrifft. Eine zentrale Rolle nimmt hierbei die Figur des missverstandenen Außenseiters ein, die in seinen Filmen immer wieder anzutreffen ist. Erfreulicherweise sind die Bilder nicht mit Infos zugekleistert, stattdessen bekommt man ein kompaktes Heftchen zum Eintritt, in dem sich alle Bilder (mit Nummern versehen) wiederfinden. So kann man sich voll und ganz auf die großen und kleinen Kunstwerke konzentrieren. 
Die Verantwortlichen und Tim Burton bei der Konferenz © Sandra Scholz
Ja, und dann hatte ich ja davon gesprochen, dass sich ein persönlicher Traum für mich erfüllt hat. Ihr seid sicher schon drauf gekommen: Tim Burton war bei der Pressekonferenz anwesend und hat sich tapfer den zahlreichen Fragen der Pressevertreter gestellt. Ich saß in unmittelbarer Nähe zu meinem vermutlich liebsten (lebenden) Regisseur und konnte mein Glück kaum fassen. So erfuhr man, dass sein Lieblingausstellungsstück eindeutig der Ausgang sei. Wie auch der Namensgeber des Museums, Max Ernst, will er sich niemals so richtig selbst finden, stattdessen in Bewegung bleiben und immer Neues entdecken. Monster findet er nicht furchteinflößend, sagt er. Dann schon eher das richtige Leben. Mit der Rolle des missverstandenen Außenseiters kann er sich identifizieren, und auch Hunde scheinen ihm sympathischer als Katzen, die er als "a completely different thing" bezeichnet. 

Aber er findet auch ernste Worte, beispielsweise als er nach Christopher Lee und Vincent Price gefragt wird. Mit beiden verbindet ihn vieles, und er erzählt einige Anekdoten über einen von irgendeinem Kollegen schon vor Jahren als tot erklärten Christopher Lee, der auf wundersame Weise noch "acht Star Wars Filme und neun Herr der Ringe Teile drehte". Oder als er gefragt wird, wie er zu der Ausstellung steht: "Es ist irgendwie erschreckend. So, als würde man seinen Schrank aufmachen und alle Leute sehen deine dreckige Wäsche". Wunderbare, skurrile Wäsche, die in jedem Monster noch eine Spur Menschlichkeit entdeckt. Wenn ihr also bis Ende des Jahres die Gelegenheit habt, besucht die Ausstellung. Sie bietet einen wunderbaren, intimen Eindruck in das Schaffen eines Regisseurs und Künstlers, der das Groteske menschlich macht. Und der, das muss ich jetzt so loswerden, ein verdammt sympathischer Typ zu sein scheint. 

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Infos zur Ausstellung
Eintritt: Erwachsene 9,50€ / ermäßigt 5,50€ (bis 18 Jahre ist der Eintritt frei)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Montags, Heiligabend und 1. Weihnachtstag sind Ruhetage
Anreise: am besten mit der Bahn, Parkplätze sind rar gesät. Der Bahnhof ist nur 2 Minuten Fußweg vom Museum entfernt
Alle Infos findet ihr auch auf der Homepage des Museums.

Kommentare:

  1. Wenn es auch nur ansatzweise so großartig ist, wie die Ausstellung damals in Paris, dann sei sie jedem Filmfreund ans Herz gelegt! Gerade die Konzeptzeichnungen sind so wahnsinnig krass und anziehend. Vielleicht besuche ich die Ausstellung mal. Interessant ist sowas ja allemal. Schöner Bericht, hätte ich mein Glück auch mal versucht... ;)

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    1. Ich war auch ganz hin und weg, und sie zeigen ja echt nur einen Bruchteil der Werke.

      Schade war halt, das Blogger von vornherein nicht als "richtige" Journalisten angesehen wurden, deswegen dürfen keine Fotos verwendet werden. Eigentlich hätte der Artikel viel mehr Bilder haben sollen, aber auf Abmahnungen aus Hollywood kann frau ja dann doch verzichten :D

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  2. schade, dass die Veranstaltung nur in Brühl satt findet. Für mich ist zu weit weg. Ich bin ein großer Tim Burton Fan und für mich wäre die Verunstaltung einfach nur der Himmel auf Erden. Wenn es in Frankfurt statt finden können, dann könnte ich hin, aber nach Brühl kann ich leider nicht. MENNO.

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