Review: True Detective 2.8: Omega Station

© HBO
Und da wären wir auch schon durch mit der zweiten Staffel "True Detective". Und weil Abschiede ja so schön sind bekommen wir gleich 90 Minuten serviert. Die, soviel kann man direkt festhalten, absolut nicht nötig gewesen wären. Schauen wir zunächst mal, was in der Folge passiert ist und diskutieren dann, ob man dafür wirklich 90 verdammte Minuten gebraucht hätte.

Frank hat nach seinem Ein-Mann-Aufräumkommando der letzten Woche schon vorgesorgt. Mit seinem letzten verbliebenen Angestellten, Nails, will er Jordan schonmal nach Venezuela schicken. Denn die Dame muss in Sicherheit gebracht werden. Letzte Zweifel an Jordans Loyalität werden gemeinsam mit dem Ehering aus dem Fenster geworfen. Jordan ist übrigens auch nicht schwanger, wie man nach der letzte Woche durchaus annehmen konnte. Die Gute bricht also nach Venezuela auf, nachdem sich noch ein bisschen über das erste Treffen (weiße Kleider und rote Rosen, Romantik pur) unterhalten wurde. Sehr süß.

Ray und Ani tauschen derweil postkoitale Geschichten aus, bis sie auf die Idee kommen mal bei Paul anzurufen. Da geht aber Burris ans Telefon und übermittelt die Nachricht von Pauls Ableben. Irgendwie schaffen es die beiden dann, nach diesem Anruf den restlichen Fall zusammenzupuzzeln. Natürlich waren es die beiden Waisenkinder des Raubüberfalls, die sich nun rächen wollen. Aber auf diese Tatsache kommt man nicht mittels anständiger Detektivarbeit, sondern die Erleuchtung kommt einfach so. Man reist also fix zum Haus der Geschwister. Dort finden sie Laura (vorgestellt wurde sie als Erica) an den Kamin angekettet vor. Ihr Bruder Lenny ist schon unterwegs, um den Polizeichef umzubringen. Lenny befindet sich nämlich mitten in seinem eigenen, kleinen Rachefeldzug. Falls ihr euch wundert: die Geschwister waren zuletzt in der dritten Folge zu sehen, ist also eine Weile her. Ani verfrachtet Laura in den nächstbesten Bus, Ray bricht zum Treffpunkt von Lenny und Holloway auf.
© HBO
Am Bahnhof angekommen sieht es zunächst auch ganz gut aus. Wir erfahren dass Casperes Leiche einmal durch die Stadt kutschiert wurde, weil "es lustig war". Wieso man ihm die Augen verätzte und ihn nachträglich kastriert hat? Spielt keine Rolle mehr. Schätze, Lenny war echt wütend. Doch natürlich hält die Ruhe nicht lange an, und am Ende sterben Lenny und Holloway, Burris (der sich irgendwie im Bahnhof aufhielt, Ray aber nicht entdeckt hat) kassiert einen Streifschuss. Ray kann entkommen. Lenny rastet übrigens aus, weil Holloway erzählt dass Laura die uneheliche Tochter von Caspere war.

Nun befinden sich theoretisch alle auf der Flucht. Wie gut und praktisch dass die Barkeeperin in der Stammkneipe nebenbei Menschen aus dem Land schleust. Nachdem wir aus heiterem Himmel ihre Hintergrundgeschichte erfahren sitzt Ani auch schon mit ihr in einem Boot und cruist in den Sonnenuntergang. Vorher ist sie noch bei Doktor Pitlor eingebrochen, um mehr Beweise zu sammeln, aber der Doktor lebt schon nicht mehr. Ohne Frage wurde er ermordet, doch der Mörder lies es nach Selbstmord aussehen. Ray findet ganz ähnliche Verhältnisse in der Villa der Chessanis vor, dort treibt der Bürgermeister tot im Pool umher. Seine verstörte und verwirrte Frau verdächtigt ihren Sohn, der vor fünf Folgen mal kurz durchs Bild gehuscht ist.

Frank und Ray verhindern dann noch eine Geldübergabe, deren genauere Abläufe wir an dieser Stelle nicht hinterfragen wollen. Danach gehen die beiden getrennte Wege. Frank wird auf dem Weg nach Venezuela von einer Bande abgefangen, über deren Herkunft ich jetzt auch nichts weiter zu berichten habe. In der Wüste wird er dann stilecht hingerichtet, geht aber mit seinen Illusionen noch ein wenig in der Wüste spazieren. Hätte er den Anzug mit den Diamanten drin mal besser rausgerückt. Als dann Jordan in ihrem weißen Kleid auftaucht ging das ganze Spiel auch schon ein paar Minuten zu lang, und wir erfahren dass Frank schon eine ganze Weile tot in der Wüste lag. Drama, Baby, Drama.

Ray wird ebenfalls verfolgt, ihm hat sich Burris an die Fersen geheftet. Doch als echter Vater (wie wir später erfahren) verabschiedet er sich noch von seinem Sohn. Jeder aufmerksame Zuschauer weiß spätestens an dieser Stelle, dass Ray die Folge nicht überleben wird. Und so stirbt Ray wenig später im Kugelhagel im Wald. Die letzte Nachricht an seinen Sohn konnte sein Handy nicht mehr hochladen, und die daran anknüpfende Montage zeigt uns, dass die Bösen gewonnen haben. Die Bahnstrecke wird gebaut, Chessani Junior ist Bürgermeister.

Doch irgendwo in Venezuela haben sich Jordan und Ani gefunden. Ani hat aus der kurzen Affäre mit Ray sogar ein Kind als Souvenir mitnehmen dürfen. Und sie hat all ihre gesammelten Dokumente und Beweise gesammelt und dem Journalisten übergeben, den Ray in der ersten Folge zusammengeschlagen hat. Way to go!
© HBO
Und das war es auch schon. Angereichert wurde das Finale mit zahlreichen Hintergrundgeschichten zu Figuren, die bisher kaum zu sehen waren. Zahlreiche angeschnittene Themen wurden unterwegs fallen gelassen wie heisse Kartoffeln. Die Detektivarbeit bestand hauptsächlich daraus, dass Paul auf Akten gestarrt hat, in Zimmern verschwunden ist und so auf Lösungen kam. Oder es erfolgte eine göttliche Eingebung. Jordan und Ani überleben am Ende, und im ersten Moment bin ich durchaus gewillt das als Reaktion auf die Kritik nach Staffel 1 durchgehen zu lassen. Dort kamen die weiblichen Figuren ja deutlich schlechter weg. Und doch missfällt mir, dass Ani einfach so in Sicherheit gebracht wird. Über die ganze Staffel hinweg hat sie gute Leistungen gezeigt, was ist da naheliegender als sie auf ein Schiff zu verfrachten und wegzuschaffen? Davon dass Jordan als Figur völlig verschenktes Potential war will ich gar nicht erst anfangen.

Auch der Fall war am Ende einfach zu verworren. So sehr ich das Neo-Noir Genre schätze, und so sehr ich für eine gute Mystery-Story zu begeistern bin: hier wurde zu dick aufgetragen. Ich setze mich gerne mit einem Film oder einer Serie hin und sammle Versatzstücke, um mir meine eigene Theorie zurecht zu legen. Doch dafür braucht man vor allem Puzzelteile. Und die gab es hier nicht, man musste sie sich in acht mühsamen Folgen aus Nebendialogen zusammensuchen, um am Ende festzustellen dass 3/4 der gesammelten Teile eh wertlos war.

Auch zu den Figuren konnte man eher schlecht eine Bindung aufbauen. Stattfindende Entwicklung wurde mit dem Tod von drei Hauptfiguren unterbrochen, und sind wir mal ehrlich, bis auf Pauls Ableben war nichts davon irgendwie nachvollziehbar. Ray verabschiedet sich, weil er seinen Sohn noch einmal sehen will. Anfängerfehler. Frank stirbt, weil er irgendeine verdammte Bande nicht entschädigt hat. Viel zu konstruiert. Charaktere einfach sterben zu lassen ist immer die Billigstmögliche Effekthascherei, und hier wurde damit übertrieben. Wären die Figuren einem noch irgendwie ans Herz gewachsen, dann hätte man hier noch irgendeine Form von emotionalem Gewicht gespürt. Doch nach acht Folgen in denen jede kleinste Handlung zehn Minuten lang besprochen und erklärt werden musste damit man sie einordnen konnte zieht das nicht.

Dabei ist anzumerken dass es auf keinen Fall an den Schauspielern liegt. Ausnahmslos alle Hauptdarsteller liefern gute bis sehr gute Arbeit ab, aber nur weil man einen Misthaufen vergoldet wird er nicht wertvoll. Die Lovestory zwischen Ani und Ray wirkt konstruiert, und dass die traumatisierte Männerhasserin nur mal geschwängert werden muss und dann zur liebenden Mutter mutiert, die nachträglich den Namen ihrer großen One-Night-Stand Liebe klären will...einfach nein.

Ich könnte jetzt noch ein paar Zeilen über Symbolik in dieser Folge schreiben, darüber dass es um Vergebung und Wiedergutmachung geht, dass viele Figuren so aussehen als wären sie beim letzten Gebet in der Kirche. Aber ehrlich, mir fehlt die Lust dazu. Die Grundaussage der Staffel, dass das politische System hochgradig abartig und zerstört ist, ist sicher lobenswert. Visuell wusste die Staffel ebenfalls zu überzeugen, keine Frage. Doch das Gesamtbild ist dann doch zu matschig, um mich zu begeistern. Ich werde die Staffel sicher ein zweites Mal ansehen und hoffentlich ein bisschen zufriedener sein, aber bis dahin wird es wohl noch eine Weile dauern.

Letzte Notizen bevor die Akte geschlossen wird:
  • Nails zeigt echt Engagement: sicher bezahlen ihn Ani und Jordan so viele Monate später nicht mehr, aber er bleibt trotzdem da. 
  • Paul hat also einen Memorial Highway bekommen. Wie schön. 
  • Asoziale, mobbende Kinder mobben also den Jungen, den sie immer gemobbt haben, auf einmal nicht mehr, weil er eine Polizeimarke mit sich herumträgt?  
  • Bittere Ironie das Holloway am Ende vermutlich nicht stirbt weil Leonard auf ihn eingestochen hat, sondern weil seine eigenen Männer ihm ins Herz geschossen haben. 
  • Am Ende macht auch der Titelsong Sinn, er erzählt quasi Anis Geschichte nach. 
  • Jordan stellt fest, dass Frank ein schrecklicher Schauspieler ist. Meine Theorie, dass Frank also innerhalb seiner Figur den Harten markieren wollte, fühlt sich bestätigt. Geben wir bitte Vince Vaughn einen Award für Awesomeness. 
  • Wie immer an dieser Stelle: vielen Dank dass ihr mitgelesen habt, mitdiskutiert habt oder auch einfach geschwiegen habt. Wir sehen uns hoffentlich in naher Zukunft bei weiteren Recaps. Falls ihr Wünsche habt, welche Serien besprochen werden sollen, teilt euch ruhig mit, vielleicht krieg ich ja dank euch was Neues auf den Schirm :)

1 Kommentar:

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.