Filmkritik: Dating Queen

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Amy Schumer arbeitet schon eine ganze Weile als Comedienne, und seit einer Weile ist ihre Serie "Inside Amy Schumer", die in den USA auf Comedy Central läuft, einfach überall bekannt. Mit bissigem Humor nimmt sie Klischees auf die Schippe, ist dabei immer sehr direkt, aber niemals so plump wie gewisse andere Individuen, die sich Comedian schimpfen dürfen. Mit ihrer Art folgt sie wundervollen weiblichen Comedians wie Amy Poehler und Tina Fey, und sie hat keine Angst auch unangenehme Themen anzusprechen. Oder Unsicherheiten, welche die meisten von uns begleiten. Das allein reichte aus um mich in helle Aufregung zu versetzen als es hieß, dass sie das Drehbuch zu "Trainwreck" geschrieben hat und selbst die Hauptrolle übernehmen würde. Als dann Judd Apatow als Regisseur zum Projekt kam stieg die Vorfreude nochmal an. Zwar hat Apatow die seltsame Angelegenheit, am Ende immer die Bekehrung zur Familie als Lösung zu präsentieren, aber in Kombination mit Amy Schumer versprach ich mir dann doch eine ganze Menge mehr als die typische 08/15 RomCom mit Zuckerguss - Happy End und langweiligen, stereotypen, flachen und dümmlichen Charakteren. Ob meine Erwartungen getroffen wurden?

Story: Amys Leben läuft ziemlich gut. Sie arbeitet für S'nuff, ein Männermagazin, hat eine tolle Wohnung und jede Menge Zeit zu feiern und Männer abzuschleppen. Als ihre Chefin ihr ein Portrait über einen Sport-Chirurgen aufzwingt bricht eine Krise aus. Denn Amy verabscheut Sport. Doch Aaaron Conners fasziniert sie, und die beiden kommen sich näher. Doch Amys Vater, der mittlerweile im Altenheim lebt, hat ihr vom Kindesalter an eingebläut dass monogame Beziehungen nicht funktionieren. Amy ist gezwungen, Neuland zu betreten.
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Kritik: Judd Apatow ist mittlerweile ein fester Bestandteil in Sachen Komödien. Besonders sympathisch machte ihn bisher seine Liebe zu den eigenen Figuren, auch wenn man durchaus anmerken kann dass die Lösung aller Probleme stets in der monogamen Beziehung (am besten mit Kindern) endet. Nun überlies er Amy Schumer die Zügel beim Drehbuch und agiert nur hinter der Kamera. Dies passiert wie gewohnt souverän, verlieren wir also keine weiteren Worte darüber. Reden wir stattdessen über Amy Schumer. Sie liefert eine wirklich überzeugende Darstellung mit einer ganz persönlichen Note. Sie strahlt richtig, überstrahlt aber zu keinem Zeitpunkt die anderen Darsteller. Bill Hader als von Grund auf ehrlicher Sportarzt ist souverän und ergänzt sich mit Amy sehr harmonisch. Richtig grandios wird es dann in den Nebenrollen. Ohne zuviel verraten zu wollen: es lohnt sich Ausschau nach Tilda Swinton, John Cena und Lebron James zu halten, die allesamt ein richtig gutes Gespür für Comedy an den Tag legen. 

Dass die Gags hier in den meisten Fällen sitzen ist erfreulich. Wer keinen Spaß an doch eher derbem Humor hat sollte sich den Kinobesuch allerdings überlegen. Besonders Amy Schumers todernste Art, Punchlines zu liefern ist ein Garant für Lacher. Doch bei allem Sinn für Scherze schwingen auch immer wieder ernste Töne mit. So ist der Einfluss der Eltern auf die jungen Kinder durchaus ein Thema, auch die Absurdität von Männermagazinen (und indirekt auch Frauenzeitschriften) wird demonstriert. Besonders trifft aber der Umgang von jeweils Amy und ihrer Schwester mit dem Vater, der zwei extreme Möglichkeiten aufzeigt. Und natürlich ist auch die Angst vor einer Beziehung und die Sabotage, der man sich selbst unterzieht um nicht verletzt zu werden ein Thema. So werden die komödiantischen Töne oftmals ganz heruntergedreht, um dem Drama eine Bühne zu geben, doch da die Figuren sympathisch sind fühlt man gerne mit. 

Erfreulich ist größtenteils auch der Umgang mit den Figuren. Skut-Shaming im direkten Sinne wird nicht betrieben, und sowohl Amy als auch beispielsweise ihre Chefin sind unabhängige Frauen, die ihr Ding durchziehen und sich nicht reinreden lassen. Auch das Umdrehen der Dynamik sonstiger RomComs ist erfreulich. Dies wirkt niemals affektiert oder gibt die Figuren der Lächerlichkeit preis. Es zeigt im Gegenteil zutiefst menschliche Figuren auf. Im letzten Drittel wird sich dann allerdings doch arg am langweiligen 0815-Muster bedient. 
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Auch fühlen einige Szenen sich schlichtweg deplaziert an. Die Sache zwischen Amy und dem Praktikanten verwundert höchstens. Das liegt keinesfalls an Ezra Miller, der wie immer liebenswürdig ist. Vielmehr fehlt schlicht und ergreifend der Zusammenhang, zu sehr fühlt es sich wie ein notwendiger Twist für die weitere Handlung an. Wo wir beim Twist sind: wäre es wirklich notwendig gewesen, Amys Verhalten im Nachinein permanent mit ihrer Vergangenheit zu erklären? Sicher, niemand zeigt mit dem Finger auf sie und stellt fest, dass sie eine Schlampe ist. Doch wie so oft liegt auch hier das einzige Glück in der Beziehung zu einem anderen Menschen. Niemand würde als "gesunder" Mensch freiwillig keine Beziehung führen, darauf läuft es am Ende hinaus. Geschädigt durch das Verhalten des Vaters, der seinen kleinen Töchtern die Trennung der Eltern mit "Monogamie ist keine Lösung" nahebringt, liegt die Erlösung klar im Finden der Liebe. Da es sich irgendwo um ein Drama mit hohem Comedyanteil handelt mag das im großen Ganzen sinnvoll sein, doch ein negativer Beigeschmack bleibt.

Fazit: Was als Wirbelsturm des scharfzüngigen Humors beginnt, verkommt gegen Ende zu einem lauen Lüftchen vor der typischen RomCom Kulisse. Konsequenteres Durchhaltevermögen wäre wünschenswert gewesen, keine Frage. Und doch macht Trainwreck (dessen deutscher Titel "Dating Queen" durchaus als Verbrechen am Kinogänger gewertet werden darf) mit seinen dramatischen Einschlägen zwischen all den humoristischen Einlagen über weite Teile und vor allem in der ersten Hälfte wirklich Spaß. Man bringe in diese Rechnung noch einen Haufen Darsteller, die sowohl in Haupt- als auch Nebenrollen brillieren und das Gesamtpaket ist fertig geschnürt: unterhaltsam, mitreissend dank liebenswerter Figuren, am Ende ein wenig zu sehr nach Schema F. Doch da es sich hier um das erste Drehbuch Schumers für einen Film handelt darf man gespannt sein, was in Zukunft aus ihrer Ecke noch auf uns zukommen wird.

Infos zum Film

Originaltitel: Trainwreck
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie, Lovestory
FSK: 12
Laufzeit: 130 Minuten
Regie: Judd Apatow
Drehbuch: Amy Schumer
Darsteller: Amy Schumer, Bill Hader, Tilda Swinton, Brie Larson, John Cena, Ezra Miller, Daniel Radcliffe, Marisa Tomei, Randall Park, LeBron James, Matthew Broderick

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