Filmkritik: Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

© Warner Bros.
Mit "Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche" arbeitet Regisseur Tim Burton bereits zum fünften Mal mit Johnny Depp zusammen. Auch seine damalige Ehefrau Helena Bonham Carter ist hier mit an Bord, ebenso hat Christopher Lee eine kleine Rolle. Der Film, der auf einem alten russischen Folkloremärchen basiert ist darüber hinaus Burtons erste eigene Regiearbeit im Stop-Motion Verfahren. Bei diesem Verfahren, welches seit mehr als 100 Jahren verwendet wird (unter anderem von Georges Méliès), werden Objekte animiert, indem sie für jedes Bild im fertigen Film nur unwesentlich verändert werden. So entsteht der Eindruck, es handle sich um ein tatsächlich bewegtes Bild mit flüssigen Abläufen. Mittlerweile werden auch hier Computer eingesetzt. "A Nightmare before Christmas" wurde zwar von Tim Burton produziert und vor "Corpse Bride" veröffentlicht, allerdings führte er dort nicht Regie. "Corpse Bride" war 2006 in der Kategorie "bester Animationsfilm" für einen Oscar nominiert. Gedreht wurde der Film von Tim Burton und Mike Johnson, wobei Burton zeitgleich mit den Dreharbeiten zu "Charlie und die Schokoladenfabrik" beschäftigt war und hier eher einem persönlichen Hobby nachging.

Story: Im viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts steht der schüchterne, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Victor Van Dort kurz vor der Vermählung mit der reichen und anmutigen Victoria Everglot. Als er jedoch durch Zufall eine geheimnisvolle Leichenbraut zum Leben erweckt und diese sich prompt in ihn verliebt, steht Victor vor einer schweren Wahl. Entweder ein Leben in der grauen und tristen Welt der Lebenden oder ein Dasein voller Spaß und Frohsinn im unerwartet bunten Totenreich. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu Victoria und seiner Treue zur modrigen Leichenbraut Emily, muss Victor letztendlich eine Entscheidung treffen...
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Kritik: Auf den ersten Blick klingt "Corpse Bride" nach absolut typischem Burton-Material. Und der Eindruck trügt nicht, denn knappe 70 Minuten gibt es einen grotesken, musikalischen und bunten Ausflug in die Unterwelt. Wer "Nightmare before Christmas" mochte kann theoretisch jetzt aufhören zu lesen, denn er oder sie dürfte auch hier Spaß haben. Egal ob es schräge Gesangsnummern, Stop-Motion Technik in auf den ersten Blick düsterer Kulisse sind, die Parallelen sind vorhanden. Auch der für Burton typische Hund hat eine Rolle. So weit ist alles beim alten im Hause Burton.

Und doch hat sich einiges getan, vor allem im technischen Bereich. Die Effekte sind ausgereifter, die Figuren wirken wunderbar lebendig, auch wenn die meisten von ihnen lange tot sind. So fällt es nicht schwer, sich sofort in die Figuren zu verlieben und mit ihnen mitzufühlen. Leider sind neben Victor, Victoria und der Leichenbraut die Nebencharaktere kaum mit Eigenheiten ausgestattet, weswegen viele von ihnen im Verlauf des Films zu schablonenhaften Karikaturen verkommen. Da wäre mehr drin gewesen. Doch die drei Hauptfiguren sind wirklich gelungen, und man findet sich schnell im gleichen Dilemma wie Victor wieder: welcher der beiden Bräute, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dabei doch so ähnlich sind, wünscht man die Ehe mit dem schusseligen aber gutherzigen Victor? Und ehe man sich versieht fiebert man mit, wünscht sich ein gerechtes Ende für die Protagonisten.

Das liegt zu einem großen Teil auch an den Synchronsprechern. Victor ist auch optisch an Johnny Depp angelehnt, und der beweist ja immer wieder, dass er auch als Synchronsprecher einen wirklich guten Job macht. Wer noch skeptisch ist, der möge sich "Rango" ansehen. Victor kommt schüchtern, aber nuanciert herüber, blüht im Verlauf des Films auf. Helena Bonham Carter ist wie gewohnt souverän, so auch als untote Braut mit unschöner Vergangenheit. In einer Nebenrolle ist Christopher Lee zu hören, dessen Stimme immer eine Wohltat für die Ohren ist. 
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In typischer Burton-Manier wird nicht lange bei dem eigentlichen Thema verweilt, stattdessen ist der Zuschauer eingeladen auf Entdeckungsreise zu gehen. Die einzelnen Sets platzen vor Details, die man unmöglich beim ersten Anschauen alle aufnehmen kann. Die blasse viktorianische Oberwelt wirkt kühl und abschreckend, während die Unterwelt eine wahre Farbexplosion bietet. Dementsprechend passt sich die Musik von Danny Elfman an, der die Unterwelt in furiose Jazzklänge tauchen lässt, bei denen man nur schwerlich die Füße ruhighalten kann. Dass hier und da die Logik mal eine kurze Pause macht fällt dann auch weniger auf, denn mit seinen 70 Minuten ist der Film beinahe so schnell vorbei wie er angefangen hat. Durchaus könnte man ab und an den Eindruck bekommen dass Burton mehr mit seinen Bildern anzufangen weiß und Figuren und Geschichte nur Transportmittel sind, um andere an diesen Bildern teilhaben zu lassen. Aber wer würde ihm das vorwerfen wollen, wenn die Bilder so atemberaubend und schön anzusehen sind?

Fazit: "Corpse Bride" versprüht seinen burtonesken Charme und seine Bildgewaltigkeit auf überaus liebenswerte Weise. Die schwarzweisse, triste Welt der Lebenden ist ein krasser Kontrast zur bunten, lauten und enorm fröhlichen Unterwelt. Kleinere und größere Schwächen innerhalb der Erzählung kommen vor und auch die Figuren hätten in ihrer Gesamtheit ein wenig detaillierter ausfallen dürfen. Diese verzeiht man allerdings als Fan von Burtons Arbeit sowieso, denn es gibt unendlich viel zu entdecken. Wer bisher mit dem Trio Infernale aus Burton, Depp und Bonham Carter nichts anfangen konnte, wird allerdings auch hier seine Probleme haben. Dennoch entführt der Film für knappe 70 Minuten in andere Welten und lädt nicht zuletzt auch wegen der facettenreichen Musik von Haus- und Hofkomponist Danny Elfman zum träumen und verweilen ein.

Infos zum Film

Originaltitel: Corpse Bride
Genre: Musical, Fantasy, Animation
FSK: 6
Laufzeit: 77 Minuten
Regie: Tim Burton, Mike Johnson
Darsteller: Johnny Depp,Helena Bonham Carter, Emily Watson, Christopher Lee, Albert Finney
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