Filmkritik: Pixels

© Sony
Adam Sandler ist ja mittlerweile für viele Zuschauer einfach ein tiefdunkelrotes Tuch. Und ich muss direkt zu Anfang wohl gestehen, dass ich mit seinen Filmen bis auf wenige Ausnahmen auch nichts anfangen kann. Manchmal ist sein Humor durchaus irgendwie akzeptabel, und der ein oder andere Film hat das Herz auch am rechten Fleck. Doch zu oft endet alles in wirrem Klamauk, der in alle Richtungen einfach nur beleidigend ist. Aber die Idee von "Pixels", die hat mich dann doch fasziniert. Auch ich habe, wie viele andere auch, als Kind versucht, Pac-Man vor den Geistern zu retten, habe meine komischen Dächlein gegen die Space Invaders verteidigt und so weiter. "Pixels" spricht also einen elementaren Bestandteil meiner Kindheit an, und dieses Retro-Feeling ist ja eigentlich immer eine gute Sache. Und mit Chris Columbus sitzt immerhin der Mensch auf dem Regiestuhl, der die ersten beiden "Harry Potter" Filme gemacht hat. Doch reichen ein halbwegs fähiger Regisseur und eine interessante Grundidee aus, um einen guten Film zu erschaffen? Ich warne vorab, dass die Kritik Spoiler enthalten wird.


Story: Viele Menschen träumen davon, dass wir endlich Kontakt mit Außerirdischen aufnehmen können. In "Pixels" wird dieser Traum nun Realität. Doch die Aliens haben eine Zeitkapsel entdeckt, die von den Menschen in den 80ern ins All geschossen wurde, und darin waren Aufnahmen zeitgenössischer Videospiele enthalten. Diese missinterpretieren die Aliens als Kriegserklärung, und so wird die Erde angegriffen. Dabei machen sie sich die Attacken aus den Videospielen zu nutzen, und die Regierung muss tatenlos zusehen. Die Rettung kommt in Gestalt einiger Computerspielfans, die in ihrer Jugend in den Spielhallen gegen Pac-Man und Co. angetreten sind. Doch können sie die Erde vor den angriffslustigen Aliens retten?
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Kritik: Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage kann man nicht deutlich genug mit "nein" beantworten. Mit viel Wohlwollen könnte man dem Film seinen halbwegs gelungenen Soundtrack zu Gute halten, auch die eine oder andere Actionszene ist nett anzusehen. Doch der Pixel-Overkill fühlt sich an wie ein ekelhafter, schleimiger Versuch von "schau hier, sieh mich an, hier bin ich, du MUSST mich cool finden". Der einzige Witz an der ganzen Sache resultiert aus der Tatsache, dass man die eine oder andere Figur erkennt und sagen kann "cool, die Figur kenne ich". Nichts und niemand in diesem Film macht irgendeinen Sinn. Aliens greifen die Erde an? Und beschließen, diesen Angriff wie in rundenbasiertem Arcade-Gaming durchzuführen? Wieso löschen sie nicht den Planeten aus und ersparen uns diesen Film? Cheaten kann man auch, aber niemand interessiert sich dafür, wie das funktioniert, also hat der Zuschauer gefälligst auch kein Interesse zu haben. Aber dann ruft man sich ins Gedächtnis dass in der Welt dieses Film Kevin James der Präsident der USA werden konnte, und die Migräne ist in letzter Sekunde abgewendet. Jedenfalls vorerst. 

Dass wir darüber hinaus in einer Zeit leben, in der "Nerd" und "Geek" keine Schimpfwörter mehr sind und das Bild des leichenblassen Kellerkindes, dass noch bei Mami wohnt und mit Mitte 40 noch Jungfrau ist auch der Vergangenheit angehört, vergisst der Film auch. Was hier als Nerd durchgeht ist nichts weiter als der 0815 "Loser, dem die große Chance damals genommen wurde und der nun seiner Zukunft, die er hätte haben können hinterhertrauert" Stereotyp. Dass sich seit ein paar Jahren Frauen davon befreien, als Trophäe zu enden ist Adam Sandler und den anderen Verursachern dieses Unwerkes ebenfalls entgangen. Jetzt könnte man vielleicht sagen "ja ja, bla bla, Trophäe". Doch darauf läuft es letzten Endes hinaus: Selbst der unsympathischste Kellerbewohner kriegt eine schweigende, leichtbekleidete Dame ab. Serena Williams hat einen kleinen Cameo-Auftritt in dem sie ein, zwei gute Pointen landen kann, doch auch sie endet als Teilnehmerin eines Dreiers mit Peter Dinklages schmierigem Charakter. Die andere Teilnehmerin ist Martha Stewart. Eine der wenigen weiblichen Spielfiguren endet im wahrsten Sinne des Wortes als Trophäe für den Sieg über die Aliens. Dieses Jahr hat bereits bewiesen dass weibliche Figuren im Film besser funktionieren können, aber nein, dafür ist hier kein Platz. Aber wenigstens sind Frauen nicht die einzige Personengruppe, die hier durch den Dreck vom letzten Jahrtausend gezogen wird. Müsste man Sandler beinahe positiv ankreiden, denn er diskriminiert munter in alle Richtungen. So trifft es jeden irgendwann mal, beinahe schon faire Zustände herrschen in dieser verpixelten Welt.
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Kommen wir auf Peter Dinklage zurück. Ich sehe ein dass er vermutlich mit "Game of Thrones" eine Menge Geld verdient und sich nicht so viele Gedanken bei der Rollenauswahl machen muss. Josh Gad dürfte dank seiner Beteiligung an "Die Eiskönigin" (er spricht Olaf, den Schneemann) ebenfalls ausgesorgt haben. Besitzt Adam Sandler kompromittierende Videoaufnahmen der beiden, oder wie hat er sie dazu gebracht in diesem Film mitzumachen? Theoretisch würden die beiden für ein, zwei Lacher im Film sorgen, in der Praxis gehen sie im Lärm einfach unter. Michelle Monaghan ist mit Abstand die kompetenteste Person im ganzen Film. Zur Belohnung darf Adam Sandler sie im Minutentakt auf gruselige Weise anbaggern, indem er sie beleidigt. Hat ihm niemand beigebracht dass das so nicht funktioniert? Wurde Adam Sandler einfach nur schlecht erzogen? Wir werden es wohl nie erfahren. 

Das größte Verbrechen, dass dieser Film begeht ist das hinterhältige Meucheln der Hoffnung, seine Lieblingsfiguren aus alten Computerspielen angemessen auf der Leinwand umgesetzt zu sehen. Ab einem gewissen Alter dürften die Zuschauer durchaus noch intakte Erinnerungen an Zeiten haben, in denen sie als Kind Pac-Man durch ein Labyrinth geschickt haben, an Donkey Kong verzweifelt sind oder versucht haben, Frogger über die Straße zu bringen. Mit der Erwartung, diese Figuren nun in all ihrer Schönheit auf der großen Kinoleinwand zu sehen geht man also ins Kino, nur um nach dem ersten Auftreten von Pac-Man enttäuscht zu sein. Von Nostalgie keine Spur, selbst Call of Duty wirkt gegen die hier stattfindende Reizüberflutung wie eine Oase der Ruhe. "Pixels" gibt sich keinerlei Mühe, mit seiner Ausgangslage irgendetwas anfangen zu wollen. Nostalgie hervorrufende Aliens tauchen auf, müssen besiegt werden. Der Mann, der sein Leben lang benachteiligt wurde weil er ein "Nerd" ist, darf seine Krise überkommen, die Trophäenfrau mitnehmen und sich seiner selbst erfreuen. Die Invasion hat keine Konsequenzen, der Film hat kein inneres Konzept, folgt keiner Logik, und so mausern sich knapp 100 Minuten (am Ende gibt es noch eine Szene nach dem Abspann, falls ihr das Kino nicht vorher schon fluchtartig verlassen habt. Und nein, sie ist nicht witzig) zu einer beinahe endlos langen Foltersession.
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Fazit: Einfach Nichts an diesem Film stimmt. Selbst die geringsten Spuren von Logik sucht man vergeblich. Keine einzige Figur ist auch nur ansatzweise irgendwie sympathisch geraten. Die Prämisse, mit den beliebten Videospielen hausieren zu gehen, verkommt zum schlechten Scherz und wird durch das Effektgewitter ekelhaft offensichtlich betrogen. Adam Sandler macht sein allzu typisches Ding, in dem er abwechselnd gelangweilt ist oder wahllos die Figuren in seiner Umgebung beleidigt. Abgerundet wird diese widerliche Brühe durch eine massive Portion Sexismus, die Frauen im wahrsten Sinne des Wortes zu schweigsamen, gefügigen Trophäen degradiert. Pac-Man und Konsorten mögen auf dem Papier eine nette Idee gewesen sein, doch ihr Auftreten ist durch die Bank weg enttäuschend. Es wirkt, als ob man als Zuschauer dankbar sein müsste, dass die Figuren auftauchen, mehr leisten könnten und wollen sie alle, Mensch wie Pixelwesen, sowieso nicht. Vermutlich bin ich selbst schuld, denn ich habe mich nach dem Trailer auf diesen Film tatsächlich ein wenig gefreut. Stattdessen gibt es ekelhaftes Gewäsch, aus der untersten Niveauschublade. Fäkalhumorig, offensiv gegen Alles und Jeden und dazwischen einfach nur derb langweilig. Die knapp 100 Minuten investiert man besser in einen neuen Tetris-Highscore oder den Versuch, das "Snow Barrel Blast" Level in Donkey Kong Country 1 zu schlagen, danach hat man wenigstens das Gefühl etwas erreicht zu haben.
  
Infos zum Film

Originaltitel: Pixels
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie, Action, Sci-Fi
FSK:6
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Adam Sandler
Darsteller: Adam Sandler, Peter Dinklage, Kevin James, Josh Gad, Michelle Monaghan, Brian Cox, Jane Krakowski, Sean Bean

Trailer

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