Recap: Hannibal Season 3.1: Antipasto

Ein überaus langes Jahr Wartezeit liegt hinter uns. Während zumindest gefühlt alle anderen Serien regulär an den Start gingen, mussten wir auf unseren liebsten Kannibalen warten. Und warten. Und noch ein bisschen warten. Doch am Donnerstag Abend war es endlich soweit. Bryan Fullers Version der Geschichte um Hannibal Lecter ging in die dritte Runde, und eines ist klar: wer bisher nichts mit der Serie anfangen konnte, der wird auch hier keinen Einstieg finden. Alle anderen werden mit einer Folge begrüßt, die dem Titel alle Ehre macht. "Antipasto" wirkt wie der verstörende Appetizer zu einer Staffel, von der einiges zu erwarten ist. Legen wir also am Besten direkt mit dem Recap los. Immerhin wäre es sehr unhöflich, seine Gäste warten zu lassen. 

Die Sache mit Cliffhangern ist ja immer die: man will wissen, wie sich alles auflöst. In Zeiten, in denen Netflix ganze Staffeln auf einmal zur Verfügung stellt und man viele Serien direkt staffelweise schauen kann, ohne zwischendurch mal eben ein Jahr rumkriegen zu müssen, ist ein Jahr lang warten schon beinahe Folter. Umso erschreckender ist es, dass sich in der ersten Folge dieser Staffel exklusiv mit Hannibal und Bedelia befasst wird. Bryan Fuller hat zwar schon vor Monaten darauf hingewiesen, wer Staffel 2 alles überlebt hat, doch auf die schockierenden Ereignisse von Staffel 2 wird hier kaum eingegangen. 
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Stattdessen unternehmen wir gemeinsam mit diesem ungleichen Paar zunächst einen Trip nach Paris, bevor sich in Florenz niedergelassen wird. Hannibal übernimmt nach einem doch eher biederen Essen (Leber, fein angebraten und mit Zwiebeln) die Identität von Dr. Fell. Als Experte in Sachen Dante hält er in Florenz Vorträge, doch dabei wird er von einem ehemaligen Studenten Fells entdeckt. Dimmonds Anwesenheit in dieser Staffel ist dabei so angenehm wie sie kurzlebig ist. Theoretisch passiert gar nicht viel mehr, praktisch sieht die Sache aber ganz anders aus. 

So kriegen wir es hier mit unterschiedlichen Zeitlinien zu tun. Hannibal und Bedelia in Florenz sind eine. Dazu gesellt sich in sehr stylischen schwarz-weiß gefärbten Rückblicken die letzte Lebenszeit von Dr. Abel Gideon. Als wir ihn in Staffel 2 zum letzten Mal sahen, genoss er eines seiner eigenen Beine, welches Hannibal scheinbar sehr schmackhaft zubereitet hat. Am Ende dieser Folge fehlen ihm ein weiteres Bein und ein Arm. Doch aus Hannibal's Sicht handelt es sich keineswegs um Kannibalismus. Denn dazu müsste man sich vorher ebenbürtig gewesen sein. Ein glasiertes und geräuchertes Bein und eine Portion fiese Schnecken später wird Abel klar: eigentlich fehlt ihm der Wille, zu flüchten. Also kann man Hannibal's Spiel auch ebenso gut mitspielen. Ich bin gespannt, wie lange er das noch mitmachen kann. 
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Wenden wir uns Bedelia zu. Am Ende von Staffel 2 sah sie noch recht zufrieden aus, doch dieser Eindruck wird mit dieser Episode vollständig zerstört. Bisher nahm ich ja an, dass Hannibals Hilfe mit dem angreifenden Patienten dafür sorgte, dass dieser ins nächste Leben übertreten kann. Doch wie es aussieht hat Bedelia selbst den Patienten umgebracht. Da stellt sich doch glatt die Frage: wie sah Hannibals Hilfe aus? Hat er die Leiche entsorgt? Oder hat er bei Bedelia erfolgreich sein Mindfuck-Programm durchgezogen, welches bei Will Graham und auch bei Abigail nicht ganz so erfolgreich verlief? Wie Hannibal feststellte, sah die Szene gar nicht wirklich nach einem Angriff des Patienten aus. Dass dieser vorher bei ihm in Behandlung war und vermutlich speziell darauf trainiert wurde, Bedelia anzugreifen macht die Sache nicht angenehmer. Hannibal scheint seine Spielchen gerne auf lange Sicht zu planen. Und wie Dr. Gideon bereits feststellte: Hannibal isst ungern allein. Dass er Bedelia, so wie auch Gideon schon, also nur mit geschmacksverfeinernden Lebensmitteln versorgt bereitet allen Grund zur Panik. Doch da es sich nur um Kannibalismus handelt, wenn man sich ebenbürtig ist, wird es wohl noch dauern bis es wirklich zu einem kannibalistischen Akt kommt. Denn wir wissen ja: die einzige Person, die Hannibal ebenbürtig ist, ist Will Graham.

Wieso sie bei Hannibal bleibt ist also vorerst ein Mysterium. Sie hat genug Zeit für sich selbst, und doch erschien ihr Fluchtversuch zum Ende hin mehr als halbherzig. So ist es dann auch nicht das passive beobachten, sondern die aktive Teilnahme ihrerseits, die sie in Dimmonds Mord mit einbezieht. Sie wusste, was passieren würde, doch sie warnt Dimmond nicht. Ist sie neugierig, wie Hannibal sich verhält? Hannibal hat diese Art, Dinge zu verdrehen, siehe den Dialog über "morale" und "morality". An guten Tagen hat Bedelia das Gefühl, die Lage unter Kontrolle zu haben. Doch wie viele gute Tage verbleiben für sie?

Die Folge endet dann mit einem schön gefalteten Origami-Herzchen und einer aufgebahrten, gehäuteten Leiche ohne Arme und Beine in einer Kirche. Sieht ganz so aus, als wäre Hannibal wieder voll in seinem Element. Der Staffelauftakt drehte derweil in Sachen Musik nochmal so richtig auf, auch die Bilder wirkten um einiges surrealer und verstörender als sonst schon. Das Spiel mit der Aspect Ratio für die verschiedenen Rückblenden wusste ebenfalls aufzufallen. Und auch wenn 3/4 der Darstellerriege in dieser Folge fehlten: einen besseren Auftakt für Season 3 hätte ich mir nicht wünschen können.


Wahllose Gedanken zum Schluss: