Recap: Penny Dreadful 2.3: The Nightcomers

Bereits in der ersten Staffel "Penny Dreadful" hatten wir eine ganze Episode voller wundervollem, verzauberndem Vanessa-Flashback. Und damit wir in dieser Staffel nicht so lange warten müssen, gibt es bereits mit der dritten Folge einen großen, saftigen Happen Hintergrund zum Thema "Hexen". Flashback wäre vermutlich nicht das richtige Wort, denn obwohl auch Evelyn und ihr kleiner, feiner Kult auftauchen ist Vanessa sich dessen nicht bewusst. So ist es eher eine Erzählung innerhalb der Geschichte. Und auch wenn auf altbekannte Stereotypen (der weise alte Mentor mit Sprachfehler) zurückgegriffen wird, so eröffnet sich eine großartige Geschichtsstunde, die von dem nahezu unbeschreiblichen Talent ihrer Darstellerinnen lebt. Ernsthaft, nominiert Eva Green für einen Emmy und Patti LuPone für einen Gastdarsteller-Emmy oder so. Am besten einfach gleich für alle Emmys. Aber schauen wir uns an, was in dieser Folge passierte.

Die Problematik bei einer solchen Folge ist ja offensichtlich: die restliche Staffel kommt zu einem vollständigen Halt, alle anderen Figuren sind in dieser Episode faktisch nicht anwesend. Oder kommen zumindest nur am Rand vor. Hier gefiel mir vor allem der Einstieg: Ethan sieht, dass es Vanessa nicht gut geht, er fragt nach, und sie weist ihn zunächst ab. Doch er bleibt bei ihr, zeigt einfach Anwesenheit, wartet dass sie anfängt zu reden. Weder drängt er sie, noch ist es ihm egal. Dieser Respekt, diese Verbundenheit miteinander ist, was die Kerntruppe ausmacht. Es tut gut, auch so etwas wieder mal in einer Serie zu sehen: Figuren, die sich umeinander kümmern. Nicht mit flapsigen Sprüchen oder Ablenkung, sondern mit ehrlicher Aufmerksamkeit.
© Showtime
So erzählt Vanessa Ethan also eine Geschichte. Wie weit zurück in der Zeit wir mit ihr zusammen gehen wird nicht deutlich, doch Vanessa weiß bereits, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung ist. Auf der Suche nach Hilfe wendet sie sich an Joan Clayton, die auch als Cut-Wife bekannt ist. Sie lebt einsam in einem Haus im Moor, und die Bevölkerung wendet sich mit allerlei Notfällen an sie. Doch Joan befasst sich auch mit den arkanen Künsten, und sie erkennt sofort, was mit Vanessa los ist.

Vanessa begibt sich darauf in eine Art Hexenlehre bei Joan. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich Respekt und auch Freundschaft. Doch Joan wird von ihrer Schwester heimgesucht, und es handelt sich um niemand geringeren als Evelyn Poole. Schon vor vielen Jahren war sie also hinter Vanessa her, und sie nutzt ihre Macht, um an ihr Ziel zu gelangen. Ein paar tote Kühe und einen ausgepeitschten Landbesitzer später versammelt sich ein Mob, um Joan für ihre Hexerei zur Rechenschaft zu ziehen. Diese erträgt ihr unschönes Schicksal mit Würde, und Vanessa kann entkommen.

Wie schon gesagt, die anderen Figuren machen in dieser Woche Pause. Man konzentriert sich voll auf Vanessa und liefert uns ein paar saftige Puzzlestücke für ihre Vergangenheit. So müssen wir nun auch die Seance in der ersten Staffel mit anderen Augen betrachten. Bisher ging ich davon aus, dass Vanessa eben zufällig anwesend war. Doch nachdem nun klar ist, dass Evelyn sich schon vorher für sie interessierte, muss ich dies überdenken.Wollte sie testen, was wirklich mit Vanessa los ist?

Auch der Fokus auf die weiblichen Figuren gefiel mir ausgesprochen gut. Joan macht immer wieder deutlich, wie zwiespältig ihre Lage ist. Einerseits sind die Frauen (und auch die Männer!) im Dorf auf sie angewiesen, andererseits ist sie der ganzen Bevölkerung zutiefst suspekt. Wenn am Ende das junge Mädchen, dem sie zu Beginn der Episode noch geholfen hat, die Fackel trägt, ist das ein unweigerlicher Stich ins Herz. Egal wie sehr du jemandem hilfst, es ist so viel leichter sich dem Pöbel anzuschließen. Joan betont immer wieder, dass die Menschen veränstigt sind, weil sie es mit einer Frau zu tun haben, die Macht ausübt. Dies galt damals, und auch heute noch haben genug Menschen damit ein Problem.
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So entsteht nicht nur eine innige Beziehung zwischen Joan und Vanessa, es handelt sich auch um eine sehr anschauliche Darstellung des weiblichen Lebens in dieser Zeit. So sind auch die bösen Hexen aus zunächst oberflächlichen Gründen im Dienst des Teufels unterwegs: Schönheit, Macht und Jugend. Doch zumindest öffentlich waren dies die Merkmale, die eine Frau in der Gesellschaft herausstechen ließen. Und während die bisherigen Folgen sich hauptsächlich mit dem übernatürlichen Horror beschäftigt haben, bietet sich hier erneut (nach dem Cholera-Lager) eine Manifestation des allzu irdischen. Sicher, wir haben den Horror schon in Form von Vampiren erlebt, und wir haben nun die Hexen. Doch sie alle sind nur Handlanger. Bisher wird Lucifer selbst streng unter Verschluss gehalten, und so wird er zu einer bedrohlichen, immer anwesenden Präsenz innerhalb der Serie. Es ist ein geschicktes Vorgehen, welches Logan an den Tag legt, und ich bin wirklich gespannt ob wir ihn überhaupt zu sehen bekommen.

Doch die Bedrohung in dieser Folge kam in Form ganz normaler Menschen. Schön und schrecklich sah es aus, als sie mit ihren Fackeln durch das vernebelte Moor kamen, und Joans Blick, als sie mit Pech überschüttet wurde ging durch Mark und Bein. Eine eindrucksvolle Episode, voller Schönheit und Schrecken zugleich. Für die nächste Folge wünsche ich mir die Rückkehr der anderen Figuren, um die Story voranzubringen. Doch ganz ehrlich, wenn Eva Green den Bildschirm so beherrscht wie in dieser Folge, dann bin ich mir ziemlich sicher dass ich zumindest in diesem Moment gar nichts anderes sehen will.

Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Hab ich diese Woche eigentlich keine. Aber das Mädchen, welches sich an Joan wandte und am Ende die Fackel trug sah verdächtig aus wie Gilly aus "Game of Thrones". Ob es wohl eine Doppelgängerin war?
  • Ah, doch. Evelyn als Domina ist kein ungewöhnlicher Anblick. Während die viktorianische Ära oberflächlich sehr züchtig war, brodelte es unter der Oberfläche. Wer sich dafür interessiert findet hier einen (englischsprachigen) Blogbeitrag dazu.