Recap: Game of Thrones 5.2: The House of Black and White

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Willkommen zurück zu den Recaps zu "Game of Thrones". Auch in dieser Woche führt Michael Slovis Regie, und er legt erneut einen eindrucksvollen Job hin. Die Entscheidung, die Regisseure jeweils zwei Folgen hintereinander machen zu lassen, erweist sich in diesem Fall als gute Wahl und ich bin schon gespannt wie es im Verlauf dieser Staffel weitergeht. In dieser Folge geht das setzen der Spielsteine allerdings vorerst weiter und wir besuchen die Figuren, die in der ersten Folge noch durch Abwesenheit glänzten. Das mag sich bisweilen ein bisschen in die Länge ziehen, doch gleichzeitig hat man das gute Gefühl, dass auch diese Investition sich später lohnen wird. Schauen wir zunächst schnell, was die Figuren in dieser Woche getrieben haben, bevor das Geschehen dann genauer besprochen wird. Wie auch in der letzten Woche findet ihr am Ende Spekulationen zu Buchinhalten, aus dem restlichen Recap halte ich diese jedoch nach bestem Gewissen heraus.

Arya ist nach einer langen Reise endlich in Braavos angekommen. Der Captain bringt sie zu einem Haus, das abseits auf seiner eigenen kleinen Insel steht. Nach mehrmaligem Klopfen öffnet ein älterer Mann. Der erklärt direkt, dass niemand mit dem Namen Jaqen H'ghar hier lebt. Arya wäre aber nicht Arya, wenn sie nicht trotzdem bleiben würde. Eine ganze Weile sitzt sie bei Wind und Wetter vor dem Tempel und geht ihre berühmte Liste wieder und wieder durch. Doch irgendwann siegt der Hunger, und sie geht auf Taubenjagd. Dabei wird sie von drei älteren Jungs bedroht, diese widerrum fühlen sich enorm bedroht als der seltsame Mann aus dem Tempel auftaucht und Arya mitnimmt. Bei dem schwer verdächtig aussehenden Mann handelt es sich dann tatsächlich um Jaqen, der allerdings direkt anfügt, dass er "niemand" ist, und dass auch Arya "niemand" werden muss. Der Zutritt zum Tempel ist ihr danach jedenfalls erlaubt. 
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Brienne und Pod treffen in einem Gasthaus endlich auf Littlefinger und Sansa. Letztere ist allerdings nicht sonderlich begeistert vom Angebot der Lady, auf sie aufzupassen. Und Littlefinger, charmant wie immer, hat auch schon den passenden Mordplan ausgeheckt. Aber Brienne wäre nicht Brienne, wenn sie nicht vorbereitet gewesen wäre. So sorgt sie dann auch, gemeinsam mit Podrick und ein paar eher nicht so geschickten Rittern, für ein bisschen Action. Littlefinger hat darüber hinaus auch Hochzeitspläne, auf die zunächst nicht genauer eingegangen wird. Wenn ich mir seine letzte Ehe so anschaue, dann kann das aber eigentlich nichts gutes bedeuten. 

Dann ist es auch endlich Zeit, einen Blick nach Dorne zu werfen. Ellaria hat schwer mit dem frühzeitigen Ableben ihres Gefährten zu kämpfen. Doch Oberyns Bruder, Prinz Doran will nicht in einen Krieg ziehen, für den es keinen Auslöser gab. Denn so ein trial by combat ist immernoch eine freiwillige Sache. Ellaria würde gerne Myrcella, die ja mit dem jungen Prinzen von Dorne vermählt werden soll (die beiden kommen scheinbar auch sehr gut zurecht), zu ihrer Mutter zurückschicken. Also, zerlegt in Einzelteile. Aber auch hierfür hat Doran kein Verständnis, in Dorne werden keine kleinen Mädchen geschlachtet. 

Cersei hat derweil zuhause eine nicht so nette Botschaft aus Dorne erhalten. Jemand hat ihr eine Schlangenstatue geschickt, mit Myrcellas ganz eigener Lannister-Kette im Maul. Mama Lannister hat das einzige Gegenstück, und ist dementsprechend aufgebracht. Jaime meldet sich also kurzerhand freiwillig, um die gemeinsame Nachkommenschaft aus Dorne zu retten. Und weil er das alleine vermutlich nicht auf die Reihe bekommen wird, nimmt er eben Bronn mit. Der bereitet sich zwar auf eine entspannte Zeit mit seiner Zukünftigen vor, geht dann aber doch lieber auf Abenteuerreise. Zumal Jaime ihm direkt offenbart, dass besagte Frau mit einem anderen verheiratet werden wird. Wir merken uns: Verträge mit Cersei sind einen feuchten Dreck wert. In einem weiteren Versuch, ihre eigene Wichtigkeit zu untermauern, nimmt sie an einem Treffen des Kleinen Rates teil und spricht dort für ihren Sohn, der scheinbar mit regieren beschäftigt ist. Die Zusammensetzung des Rates hat sich allerdings verändert. Qyburn ist aus seinem zwielichtigen Kellerabteil an die Oberfläche gestiegen um die Position von Varys zu übernehmen. Mace Tyrell ist ab sofort für die Finanzen zuständig und scheint sich aufrichtig über diesen Posten zu freuen. Und dann ist da noch Neuzugang Kevan Lannister, der jüngere Bruder von Tywin. Der hat auch die gleiche Akzeptanzschwelle für Bullshit wie sein Bruder, also gar keine. Entsprechend harsch weist er Cersei in ihre Schranken und verlässt den Tisch.

Tyrion und Varys sitzen derweil gemeinsam in einer etwas größeren Box fest, sehr zum Missfallen beider. Doch wenn man bedenkt, dass Cersei sich die Köpfe von Zwergen direkt an den Tisch liefern lässt, ist das reisen in der Box vermutlich die bessere Wahl. Qyburn hat übrigens entschieden zuviel Freude an abgetrennten Körperteilen für die im Keller befindlichen Überreste des Mountains.
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Jon Snow darf sich mit den Konsequenzen seiner Sterbehilfe für Mance auseinandersetzen: ihm winkt die Beförderung in die Adelskreise. Stannis bietet ihm an, ihn zu einem richtigen Stark zu machen, denn er braucht den Norden hinter sich. Der Norden schreibt momentan nämlich lieber fiese Briefe an Stannis. Doch Jon lehnt das Angebot ab. Doch soviel Ehrenhaftigkeit wird scheinbar belohnt, denn die Wahl des neuen Kommandanten steht an. Mit einer Stimme Vorsprung macht Jon sich den Posten klar und wir dürfen gespannt sein, ob er den Laden in den Griff bekommt.

Daenerys hat, wieder einmal, Probleme in Meereen. Ein Mitglied der Sons of the Harpy wurde gefangen, und sie will ihm eine faire Verhandlung gewähren. Eines ihrer Ratsmitglieder hat dazu eine andere Meinung und bringt den Kerl in seiner Zelle um. An ihm soll nun ein Exempel statuiert werden, und er wird öffentlich hingerichtet. Dies zieht den Hass der befreiten Sklaven nach sich, die Daenerys mit Zischgeräuschen und geworfenen Steinen in ihre Pyramide zurückjagen. Wenigstens taucht Drogon am Ende kurz auf, um nach dem Rechten zu sehen. Doch so schnell, wie er kam, ging er dann auch wieder. 

Endlich bekommen wir Dorne zu sehen! Wer dort übrigens Urlaub machen will: Sevilla in Spanien ist eure Adresse. Ellaria ist aufgebracht wegen Oberyns Tod, doch Doran reagiert ruhig. Zu ruhig für die temperamentvolle Dame. Hier prallen Welten aufeinander. Ellaria ist scheinbar ein großer Anhänger der "Auge um Auge"-Bewegung, Doran verspürt sicherlich auch Trauer wegen seines Bruders Ableben, sinnt aber nicht nach Rache. Jedenfalls will er keine kleinen Mädchen zerstückelt mit der Post verschicken, was in dieser Welt schonmal sehr sympathisch ist. Man darf davon ausgehen, dass die Schlange mit der Löwenkette von Ellaria verschickt worden ist, oder vielleicht von einer von Oberyns Töchtern. Die wir noch kennenlernen werden, und ich bin schon verdammt gespannt darauf. Hier entsteht eine Dynamik, die sicherlich in dieser Staffel noch für Zündstoff sorgen wird. Und es ist prima, Alexander Siddig mal wieder in einer Serie zu sehen.

Wenden wir uns dem übergeordneten Thema für diese Folge zu. Was wird jetzt Briennes Aufgabe, wenn auch Sansa ihre Hilfe nicht will? Ohne Ziel wird klar, dass die Person, die bisher ihr Ziel darin fand, anderen zu dienen, sich um sich selbst kümmern muss. es ist Zeit für Brienne, sich eine neue Identität zu schaffen. Idetität als Thema zieht sich weiter durch diese Folge. Shireen wird durch ihre Krankheit von außen definiert. Gilly wird von außen darauf reduziert, ein Wildling zu sein. Beide sehen sich selbst anders, doch gegen die Zuschreibung von außerhalb kommen sie nicht an. Als Zuschauer wissen wir, was sich in Renlys Zelt zugetragen hat. Andere Figuren haben bereits Magie erlebt, doch für die meisten wirken Briennes Erklärungsversuche dann doch eine Spur zu abgedreht. Und so leidet auch sie unter diesen Zuschreibungen. Diese Selbstfindung, so esoterisch angehaucht das Ganze auch klingen mag, wird zum zentralen Bestandteil. 

Auch Arya muss diese Frage für sich lösen. Sie hat bereits viel erlebt, hatte viele Identitäten. Doch gerade wo sie dabei ist, herauszufinden wer Arya Stark wirklich ist, soll sie "niemand" werden? Und auch Jon geht einen ähnlichen Weg. Hin und her gerissen zwischen dem Bedürfnis, seinen gewünschten Familiennamen annehmen zu können und seinem Eid der Nachtwache gegenüber, entschließt er sich für letztere und wird am Ende zum Anführer gewählt. Aber wenigstens bekommt man als Zuschauer einmal das Gefühl, dass Jons Verhalten sich wirklich gelohnt hat, dass jemand seine guten Taten anerkennt. Also, jemand neben Stannis, versteht sich. Die Dynamik zwischen diesen beiden gefällt mir außerordentlich gut. Sicher, beide verfolgen ihre eigenen Ziele, aber sie respektieren sich. Und Stannis ist momentan die einzige Figur, die wirklich bemüht darum ist diese ganze Ungerechtigkeit, die seit der ersten Staffel herrscht, zu bekämpfen.

Die Frage nach der Identität stellt sich auch für Cersei und Jaime. Cersei wird von Kevan schnell als "Queen Mother" abgespeist, er sieht keinen Grund ihr zu trauen. Vermutlich hat er damit auch Recht, doch er bricht es zu banal einfach darauf herunter, dass es sich bei Cersei um eine Frau handelt. Kein Wunder ist sie wütend auf die Männer in ihrer Umgebung. Jaime wiederrum kann seiner Vaterrolle nicht nachkommen, da er nicht zu seinen Kindern stehen kann.
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Und natürlich hat auch Daenereys in dieser Woche wieder mit ihrer anhaltenden Krise als Herrscherin, die niemand wirklich will und die auch keinen richtigen Plan hat, zu kämpfen. Dazu kommt neues Wissen über ihren Vater und seinen Wahnsinn und die Frage, ob dieser Wahnsinn auch in ihr lauert. Doch betrachtet man dies aus einer anderen Perspektive, so herrscht sie über eine Stadt, die sich erst neu definieren muss. Nachdem alle alten Muster aufgebrochen wurden, müssen die Bürger von Meereen sich erst neu organisieren, einen Weg finden wie sie gemeinsam leben können. Es ist die gleiche Identitätskrise wie bei den anderen Figuren, nur auf einer viel, viel größeren Skala. Dany's Wiedersehen mit Drogon, dessen Anwsenheit sie spürt, bevor sie ihn zu sehen bekommt, macht dann klar, dass der Ankerpunkt ihrer Identität wohl eher nicht in der Herrschaft über Meereen liegt. Doch diese Idee fliegt mit weit gespannten, schwarzen Flügeln so schnell zurück in die Nacht, wie sie aufgetaucht ist.


Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Jetzt ist offensichtlich die Zeit gekommen, Dorne auch in die Opening Credits zu packen.
  • Tyrions Oneliner der Woche fasst die bisherige Show zusammen: “Every pile of shit on the side of every road has someone’s banner hanging from it.”
  • Reden wir über den modischen Höhepunkt dieser Folge: Jaimes Jacke. Wie schick und vor allem stylisch sah die bitte aus? Bronn hingegen begleitet seinen sozialen Aufstieg mit ziemlich ausgefallener Kleidung, sieht darin aber irgendwie doch arg deplaziert aus.
  • Ser Janos Slynt sollte lernen, wann man besser die Klappe hält. Die Person dumm von der Seite anmachen, die einen während der Belagerung in der Speisekammer gefunden hat? Dumme Idee. Das ganze vor versammelter Mannschaft machen? Hat der Typ kein Hirn mehr in seinem fiesen Schädel? Burn, Baby, Burn!
  • Podrick: Nicht nur kein Knappe, sondern auch nicht besonders gut im Werfen von Steinen. 
  • Drogon ist ganz schön groß geworden, aber er sitzt ja auch nicht angekettet im Keller. Dementsprechend hegt er auch keinen Groll gegen Daenerys. Ein Abend zuhause mit der Familie scheint dann aber doch nicht so sein Ding zu sein. Teenager eben. 
  • Tyrion wundert sich, ob Cersei nun alle Zwerge in Westeros töten lassen wird. Schnitt zu dem an Tyrion erinnernden Kopf, der aus dem Sack kullert. Man merkt, hier sind Leute beteiligt, die vorher bei Breaking Bad waren. 
  • Mace Tyrell ist entweder der größte Idiot unter der Sonne, wie die Queen of Thorns bereits andeutete. Oder er ist schlau wie sonstwas und spielt den Trottel nur, um sich seinen eigenen Weg nach oben zu bahnen.
  • Arya, die zuerst nicht in das Haus gelassen wurde, erinnerte mich kurz an die Rekruten bei "Fight Club".
  • Brienne hätte Sansa ruhig mal mitteilen können, dass ihre kleine Schwester noch lebt. Nicht, dass Sansa dann tatsächlich irgendwas tun könnte, aber es wäre ja doch beruhigend zu wissen gewesen. 
  • Littlefingers Truppe ist unfähig wie schon in Staffel 1, als Bronn diesen Ritter der Schwerkraft überlies.

Mehr Gedanken, aber mit Spoilern aus den Büchern. Dies umfasst alle Bücher bis einschließlich "A Dance with Dragons".
  • Erinnert ihr euch an den schrägen Trick von Littlefinger, wo er eine Freundin von Sansa als Arya Stark ausgibt und sie mit Ramsay Bolton verheiratet, um die Ansprüche an den Norden zu sichern? Ich hab ein mieses Gefühl dass sich hier niemand als Arya ausgeben wird. Winterfell wäre darüber hinaus ein prima Ort, um Sansa vor Cersei zu verstecken. Hoffen wir, Littlefinger hat einen anderen Plan. 
  • Das Vorstellen neuer, fremder Orte mit Hilfe von bereits bekannten Charakteren finde ich extrem angenehm. Nicht nur sorgt es dafür, dass Jaime und Bronn gemeinsam auf Road Trip gehen dürfen (Road Trips bei GoT sind die Besten) und Ellaria weiterhin eine Rolle spielen wird. Nein, wir kriegen auch ein Wiedersehen mit Jaqen H'ghar. Wer auch immer sich diese Änderung einfallen ließ, sei sich meines Dankes gewiss :D
  • Wo bleibt Aurane Waters? 
  • Shireen hat in dieser Folge für eine riesige Diskussion um Greyscale gesorgt. Im Buch gibt es dazu noch immer keine wirkliche Lösung, keine Erklärung, kein nix. Scheint, als wäre die Show da ein bisschen anders drauf. Bin mal gespannt, was sie draus machen werden.

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