Serien-Recap: Better call Saul Season 1, Episode 2: Mijo

© AMC
So, nachdem nun alle leicht zerbrechlichen Gebäckstangen aus dem Haus entfernt wurden kann ich auch in Ruhe ein Recap schreiben...

Eigentlich hatten wir es in dieser Folge mit zwei Folgen zu tun. Eine beschäftigt sich damit, Jimmy und seine beiden skatenden Bekannten in einem Stück aus der Wüste zu kriegen, die zweite dreht sich um einen Typen, der versucht herauszufinden wer er eigentlich ist. Aber gehen wir der Reihe nach. 

Zu Beginn der Folge machen wir ein paar Schritte zurück. Tucos liebste Abuelita (bedeutet nix anderes als Großmutter, wenn auch in einer verniedlichten Form) wird die beiden Skateboarder einfach nicht los. Die laufen hinter ihr her, wie ein paar kleine Enten hinter der Mutter. Tuco versucht, Ordnung in dieses Chaos zu bringen, und als seine Großmutter beleidigt wird, brennt ihm mindestens eine Sicherung durch. Zeit, das Schauspiel zu loben, denn dieser Moment ist so richtig schön greifbar. Omi wird dann kurzerhand in ihr Zimmerchen abgeschoben, immerhin läuft ihre Lieblingsserie. Zeit für Tuco, sich um die beiden Typen zu kümmern. Kurze Zeit später steht auch schon Jimmy vor der Tür, offensichtlich sehr besorgt um seine Geschäftspartner. Die leben zwar noch, aber das ganze endet in einem sehr unerfreulichen Trip in die Wüste. 

© AMC
Und hier fährt die Episode dann ganz große Geschütze auf. Die Anwesenheit von Tuco ist direkt in mehrfacher Hinsicht interessant. Erstmal kriegen wir hier einen komplett anderen Ansatz an einen schon bekannten Gegner aus Breaking Bad. Jimmy ist in seinen Handlungsweisen ein ganz anderes Kaliber als Walter es je war, und sein Talent für's reden bleibt nicht unerwähnt. Für Walter war Mord immer eine gute Lösung wenn sich nichts anderes anbot, und auch Saul Goodman hätte sicherlich anders gehandelt. Mit dem Setting in der Wüste haben wir dazu noch ein klassisches Szenario aus der Ursprungsserie. Doch die Wüste ist leer, erstreckt sich ewig weit vor sich hin, lässt die wenigen Personen kleiner wirken. Dadurch, das Jimmy dann noch lange Zeit am Boden liegt, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Ich unterstelle da mal Absicht und finde das äußerst gelungen. 

Tuco erweist sich allerdings als zäher Verhandlungspartner. Hilfe von seinen Kollegen will er nicht, und wer sich an Breaking Bad erinnert, der weiß dass man das ernst nehmen sollte. Sein Empfinden für Recht und Ordnung ist allerdings ein wenig aus dem Konzept geraten. Verdammt bin ich froh, dass es nicht zum angedrohten Columbian Necktie gekommen ist... Jedenfalls, es braucht Jimmys ganze Überredungskunst, um Tuco auf zwei gebrochene Beine als Strafe für das Beleidigen seiner Oma herunterhandeln zu können. Und während Saul ohne mit der Wimper zu zucken daneben gestanden hätte, macht Jimmy das Geräusch ganz klar zu schaffen. Er bringt die beiden Jungs sogar in die Notaufnahme, es ist zu vermuten dass er wirklich über ein Gewissen verfügt. 

Die zweite Hälfte der Folge beschäftigt sich sozusagen mit dem Fallout der ersten Hälfte. Jimmy hat ein Date, kriegt aber kaum etwas mit, weil ihn das zerbrechen von Grissinis so an gebrochene Knochen erinnert. Er legt schließlich eine Bruchlandung auf der Couch seines Bruders hin und schläft sich erstmal aus. Chuck sieht sich vor allem mit Jimmys Handy konfrontiert, welches er kurzerhand mit einer Holzzange aufhebt und nach draußen wirft. Ich schätze zur damaligen Zeit waren Handys noch ein wenig robuster. Chuck hat auch die Rechnung der Notaufnahme gefunden, doch Jimmy erklärt ihm, dass es sich dabei um etwas gutes handelt, dass kein Grund zur Sorge besteht. Gleichzeitig versucht er, Chuck dazu zu bringen, sich nicht unter seiner Aludecke zu verstecken. 

Beflügelt vom positiven Verlauf des Wüstentrips nimmt Jimmy seine Arbeit als Strafverteidiger wieder auf, schlägt sich wieder mit dem Parkplatzwächter herum, verteidigt die absurdesten Leute. Doch am Ende des Tages wohnt er trotzdem in seinem kleinen Büro, schläft auf dem Klappsofa und hat kaum Platz um sich einmal um sich selbst zu drehen. Doch dann steht auf einmal Nacho, einer der Begleiter von Tuco, in seinem Büro und kündigt an, Jimmys ursprünglichen Plan in die Tat umzusetzen. Großzügig bietet er Jimmy noch ganze 10% der Beute an, doch der lehnt ab: Er ist ein Anwalt, kein Krimineller. Große und ehrenvolle Worte von jemandem, der sich einige Jahre später damit brüsten wird, das "criminal" in "ciminal lawyer" gebracht zu haben.
© AMC
So verstärkt sich also der Eindruck der ersten Episode. Jimmy ist auf dem Selbstfindungstrip unterwegs, und scheinbar ist er auf eine heiße Spur gestoßen. Dennoch ist da Konfliktpotential vorhanden. Und wie wundervoll war dieser Konflikt bitte inszeniert? Als er in der Bar sitzt, zeigt die Kamera ihn abwechselnd von links und von rechts, ein Mann der einen inneren Konflikt austrägt. Die Kamera ist nah an ihm dran, lässt die Bar enger und voller wirken, als sie tatsächlich ist. Jimmy, das ist eindeutig, hat mit dem Feuer gespielt und nun hat das Licht die fiesen Motten angelockt. Die Szenen in der Wüste, in denen Jimmy mit Tuco verhandelt, ihm versucht das Prinzip von Gerechtigkeit beizubringen wie ein Seiltänzer, der auf einem Lavasee unterwegs ist, vermitteln ein eindringliches, beklemmendes Gefühl, welches über der ganzen Folge zu schweben scheint. Irgendwie ist es am Ende in Ordnung, aber wir wissen alle, sowohl Zuschauer als auch Jimmy, dass das noch nicht das Ende dieser Geschäftsbeziehung war. Auch kameratechnisch waren hier ein paar richtige Leckerbissen zu finden. Symmetrischer Bildaufbau, die schicken Montagen beim Date in der Bar oder auch am Ende im Gerichtssaal, beides hat auf eigene Weise Spaß beim anschauen gemacht.

Dass Jimmy diese Beziehung ablehnt, mag zunächst verwundern. Saul Goodman hätte einen solchen Deal von sich aus in die Wege geleitet. Aber es ist ein smarter Move der Showrunner. Jimmy wäre eben gern ein guter Anwalt, ein guter Mensch. Geschäfte mit Gangstern passen in dieses Bild nicht hinein. Da die nächste Folge "Nacho" heißen wird, lässt sich vermuten dass Nacho für Jimmys Karriereverlauf vielleicht doch noch eine größere Rolle spielen wird.

Die ersten zwei Folgen waren auf jeden Fall höchst unterhaltsames Fernsehen, und ich bin fast ein bisschen traurig, dass es ab jetzt wöchentlich weitergehen wird. Nächste Woche wird Terry McDonough Regie führen. Wieso das relevant ist? Er hat Breaking Bad, Staffel 2, Folge 8 gemacht, und die hieß...genau. Better call Saul. In diesem Sinne: bis zum nächsten Recap :)


Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Der Film der Folge: "All that Jazz". Jimmy motiviert sich selbst mit dem Satz "It's showtime, folks". Ohne zuviel spoilern zu wollen, aber im ursprünglichen Film bringt dieser Satz nicht unbedingt großen Erfolg mit sich. Oder wollte er vielleicht Beetlejuice zitieren?
  • Mai-Tais für jeden, denn Mai-Tais sind großartig.
  • Idiopathic Electromagnetic Hypersensitivity. Ist ne psychosomatische Sache. 
  • Chuck reagiert also überempfindlich auf Handystrahlung. Wieso ist das ein Grund, keine Milch im Haus zu haben? Doktor Google will mir nicht weiterhelfen. Hat Chuck mehrere Krankheiten? Ist er Laktoseintolerant? Oder hat er keinen Kühlschrank, weil Kühlschränke Strahlung absondern? Sondern Kühlschränke Strahlung ab? Hilfe, bitte!
  • Bestechung mit niedlichen Stofftierchen. Ich mag auch niedliche Stofftierchen. Aber nur, wenn sie realistisch aussehen. Rosa Kätzchen? Eher nicht so. 
  • Wenn jetzt die immer hinterhältigen Typen im Hintergrund ihre eigenen Shows kriegen, wie lange lässt HBO mich dann auf "Better send a raven to Baelish" warten? Btw, I call dibbs on that title.
  • Tucos Abuela mag also Clud Soda. Prima Fleckenentferner. Falls euch mal...Salsa auf den Teppich fällt: Kaltes Wasser hilft, bloß kein warmes nehmen! Und gegen Rotwein hilft Salz. 
  • Ist Club Soda jetzt der neue Teppich?
  • Trolle, die unter Brücken leben, sind selten vertrauenswürdige Personen. Wenn es sonst nichts geben würde, was diese Show großartig macht, dann würde ich immernoch wissen wollen, wie Jimmy und Mike zueinander finden.

Kommentare:

  1. Hallö, die Sache mit der Milch ist ganz leicht zu erklären:
    In den USA gibt es keine H-Milch, und ohne Kühlschrank ist die Haltbarkeit von Milch stark beschränkt. (-:

    Grüsse Bogi

    AntwortenLöschen
  2. Chuck hat EHS .... ist auch eine anerkannte Krankheit.

    AntwortenLöschen
  3. man konnte auch erkenne, das dort mehrere Plüsch Tiere waren, d.h. Jimmy hat sich schon öfters bei ihr entschuldigen müssen, glaube ich zumindest

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oder es hat sich rumgesprochen, dass man die Lady so bestechen kann. Ich mag beide Ideen, trau aber irgendwie Jimmy zu, dass er im Alleingang so viele Stofftiere mitgebracht hat. Der Schlingel :D

      Löschen
  4. Auch sehr schön als Verbindung zu Breaking Bad: Die Begleiter von Tuco sind No-Doze und Gonzo, beide werden ja später noch einen fiesen Tod sterben.

    AntwortenLöschen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.