Recap: Sons of Anarchy Season 7, Episode 1: Black Widower

Unsere liebste Bikergang hat die Maschinen besonders fein rausgeputzt, denn es geht in die finale Staffel. Dass dies kein Grund zur ausgelassenen Party ist, macht die erste Folge mit deutlicher Überlänge im Gepäck direkt mal klar. Also, poliert euer Bike, setzt eure Helme auf und begleitet mich auf dem hoffentlich nicht allzu holprigen Ritt durch diese letzte Staffel Sons of Anarchy.
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Nachdem es am Ende der letzten Staffel alles andere als ein Happy End gab, verbringt diese Folge erfreulich kurze Zeit damit zu zeigen, wo sich die einzelnen Figuren nun befinden. In Serienzeit sind allerdings nur neun Tage vergangen, viel hat sich also nicht getan. Jax sitzt im Gefängnis. Dass der Tod seiner Frau, trotz all der Probleme die dieses Paar hatte, ihn zutiefst mitnimmt wird klar wenn wir ihm dabei zusehen, wie er Hakenkreuze in Menschen ritzt und Zähne zieht, nur um sich mit dem Anführer der lokalen Aryan Brotherhood an einen Tisch setzen zu können. Gemma redet sich weiterhin ein, dass alles was sie tut gut für den Club ist und letzten Endes auch nur dem Club dient, und Juice versteckt sich mit Gemmas Hilfe in Wendys Wohnung vor seinem Club und vermutlich auch vor sich selbst. Wendy kommt allerdings deutlich früher als geplant aus dem Entzug, um sich um die Kinder zu kümmern. Dann ist es auch schon vorbei mit Erklärungen und wir springen direkt ins Geschehen.

Gemma, die im County Jail auf die Entlassung ihres Sohnes wartet, trifft dort auf DA Patterson, die Jax letztendlich aus Mangel an Beweisen gehen lässt. Sie gibt ihm einen letzten Rat mit. Sie selbst weiß, wie stark das Verlangen nach Rache sein kann. Doch sie apelliert an Jax, er möge sich an seine Familie erinnern und daran denken, dass Rache alles nur schlimmer machen wird. Es ist ein guter Rat, den Jax im Verlauf der Folge natürlich nicht beherzigt. Stattdessen kümmert er sich um seinen Club und das, was von seiner Familie übrig ist. Seine Söhne besucht er allerdings in der ganzen Folge nicht, und die Beerdigung seiner Frau fand in seiner Abwesenheit statt. Tara war die einzige Person, die nach Piney und Opie noch übrig war, die einen Weg in eine legale Zukunft für den Club noch offenhielt. Mit ihrem Verschwinden scheint auch ein großes Stück von Jax im Nirgendwo verschollen zu sein. Das erste Gespräch am Tisch mit seinem Club untermauert dies. Er versichert sich der Gefolgschaft aller Mitglieder, im Notfall füreinander zu sterben. Man weiß also, was einen in dieser Staffel erwartet. Für einen Mann, der nie so sein wollte wie Clay, ist Jax ihm in dieser Folge erschreckend ähnlich.
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Die Bemühungen, die Jax unternimmt, werden letzten Endes wohl vergeben sein. Er mag erkennen, dass der Weg seines Vaters für ihn nicht funktioniert. Doch Gemma spielt mit ihrem Sohn, so wie sie mit seinem Vater gespielt hat. Jax bemüht sich, die anderen Clubs auf eine gemeinsame Linie zu bringen, und so riskant es scheint, scheinbar funktioniert es zumindest ansatzweise. Doch Gemma, die fest entschlossen ist ihren Mord zu verheimlichen, bringt dieses filigrane Geflecht aus neuen Bündnissen mit ihrer haltlosen Anschuldigung ordentlich ins Wanken. Gemma steht somit auf der Liste mit dem Titel "Menschen, die grausam sterben werden wenn die Wahrheit ans Licht kommt" unangefochten an erster Stelle. Erste Anzeichen dafür sind auch schon sichtbar. Juice hat in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er eine Schwachstelle für den ganzen Club ist. Dass Gemma außerdem so schnell bereit ist, Wendy zu vertrauen, sollte sowohl Wendy als auch Jax darauf hinweisen, dass irgendwas nicht stimmen kann.

Die kalte Brutalität der Szene im Gefängnis, in der Jax hell ausgeleuchtet dem Verräter der Aryan Brotherhood die Seele aus dem Leib prügelt, findet am Ende der Folge ihr Gegenstück. Gemma hängt den Mord an Tara einem Mitglied von Lins Crew an. Immerhin hat sie vorher sichergestellt, dass er keine Familie hat. Dieser wird in Jax' Haus gebracht und in einer langen Szene für den Mord, den er nicht begangen hat, zur Verantwortung gezogen. Als Zuschauer tut dies in zweierlei Hinsicht weh. Zum einen wissen wir, dass der Mann zumindest an diesem Verbrechen nicht Schuld ist. Zum anderen ist die Szene an sich, bei all der Brutalität die in dieser Serie an der Tagesordnung ist, schwer auszuhalten. Jax legt in aller Ruhe eine Reihe von haushaltsüblichen Werkzeugen aus. Einen Großteil der folgenden Folter bekommen wir nicht zu sehen. Als Zuschauer steigen wir erst wieder ein, wenn Jax beinahe zärtlich mit seinem Opfer spricht, bevor er ihm Salz in die Wunden reibt und ihm dann eine Fleischgabel in den Hinterkopf rammt. Danke an dieser Stelle an die Sounddesigner für das erneute Trauma, Game of Thrones hatte ich ja schon fast wieder verdrängt.

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Nach diesem Staffelauftakt dürfte das große Zittern um das Überleben der Figuren losgehen. Die Chancen, dass niemand am Ende gut aus dieser Situation herauskommt, stehen ziemlich hoch. Die Parallelen zu Shakespeares Hamlet stehen nach wie vor, ganz Neugierige dürften bei der Lektüre die ein oder andere Antwort finden. Besonders die letzte Szene dürfte keine Fragen aufkommen lassen, in welche Richtung es nun gehen wird. Klar ist: es wird dunkel werden. 



Wahllose Gedanken zum Schluss:
  • Chibs zieht seine persönliche Grenze also bei blutverschmierten Zigaretten. 
  • Wer bitte hat Sex und ist selbst dabei noch schwer bewaffnet? 
  • Red Woody Entertainment. Ha ha ha!
  • Im typischen Sons-Style gab es auch den ein oder anderen witzigen Moment. Die Sache mit dem Rollstuhl, der hinter dem Bike hergezogen wird ist zwar falsch auf so vielen Ebenen, aber diese Serie schafft es ohne Probleme, dass ich Freude daran habe.  
  • Marilyn Manson spielt den Anführer der Aryan Brotherhood, Tully. 
  • Das Cover von Bohemian Rapsody passt textlich unglaublich gut zum Geschehen, achtet beim zweiten Mal schauen drauf. Beinahe schon gruselig. 
  • Wenn Patterson erklärt, dass wir alle uns irgendwann mal ausgemalt haben, wie wir uns an jemandem rächen, scheint sie die Zuschauer direkt anzusprechen. In unserer Welt bleibt es allerdings in den meisten Fällen nur beim Gedanken. In der Serie wird der Gedanke Realität, und die Realität trägt Konsequenzen. 
  • Gemma führt jetzt also Gespräche mit Toten. Way to go!
  • Entertainment Weekly hat sich mit Kurt Sutter an einen Tisch gesetzt und ihn ausgefragt. Wer ein paar Ideen haben will, was in dieser Staffel alles passieren wird, darf hier lesen *klick*