Filmkritik: Transformers - Age of Extinction

© Paramount Pictures

Ok, bevor wir hier mit dem Review anfangen müssen wir eins klarstellen: Wer schon die ersten drei Filme so richtig unnötig fand, der wird auch diesen Film unnötig finden und sollte sich die 12-15€ sparen oder anderweitig ausgeben. Am Gesamtkonzept hat sich nämlich nichts, oder nur wenig geändert. Nachdem "Dark Side of the Moon" ja in meinen Augen eher eine durchwachsene Angelegenheit war, hat man sich im Hause Bay nun Zeit genommen und ordentlich umsortiert. Heraus kommt eine Art Reboot-Sequel, welches vier Jahre nach dem dritten Teil spielt und unter anderem Shia LaBeouf durch Mark Wahlberg ersetzt. Egal was da noch kommt, vielen Dank dafür!





Vier Jahre, nachdem der Konflikt zwischen Autobots und Decepticons ganz Chicago verwüstet hat, sind die Amerikaner mächtig gestresst. Unerbittlich jagen sie die Transformers, geholfen wird ihnen dabei von Lockdown. Dieser ist ebenfalls ein Transformer, hält sich aber aus dem Konflikt heraus. Einzig Optimus Prime will er für sich und seine Trophäensammlung haben. Und so wird ein Transformer nach dem anderen in seine Einzelteile zerlegt...
In Texas kratzt derweil Witwer Cade Yeager am Existenzminimum. Seine Scheune ist voller Erfindungen, hauptsächlich kleine Roboter, aber Geld bringen die ihm nicht ein. Seine Tochter Tess hätte auch lieber ein bisschen weniger väterliche Kontrolle und vor allem ein bisschen Geld. Als Cade einen völlig heruntergekommenen Truck kauft, um ihn auszuschlachten, staunt er nicht schlecht: Optimus Prime höchstpersönlich ist verwundet in seiner Scheune aufgetaucht. Doch kurze Zeit später steht auch schon die CIA vor seiner Tür und verlangen die Herausgabe des Transformer. Doch Cade weigert sich, und der Stress geht los. Sein Haus wird in die Luft gesprengt, seine Tochter hat schon seit langem einen Freund den sie ihrem Vater verheimlicht, und ganz nebenbei artet der Konflikt zwischen Menschen und Transformers aus. Dass ein Wissenschaftler in seinem Labor die DNA der Transformer geknackt hat und nun seine eigene Variante davon aus den Überresten der Decepticons baut, trägt ebenfalls nicht zur Lösung bei...

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Machen wir uns nichts vor, eine dichte Story war noch nie ein Feature in einem Transformers Film. Immerhin hat es Bay hier aber geschafft, einige der bisher schlimmsten Klischees zu umgehen. Wir dürfen uns von wehenden USA-Flaggen verabschieden und auch die bis zu drei Minuten langen Shots des Hinterns der weiblichen Hauptrolle entfallen. Der überaus nervige Sam Witwicky wurde durch den grundsoliden, auch mal mit anpackenden Cade ersetzt. Peinlichkeiten wie die zugedröhnten Eltern, kleine Hunde und planlos umherstehende Soldaten sind auch ausgemerzt worden. Die einzige Form von auch diesem Film vorgeworfenen Rassismus, die ich entdecken konnte, ist die Tatsache dass anscheinend alle Chinesen mindestens sehr begabt in Sachen Martial Arts sind. Ganz ehrlich, das hätte schlimmer ausfallen können. Oh, und der irische Freund wird als "Lucky Charms" bezeichnet. Ihr wisst schon, Iren bringen Glück, oder so. Überhaupt haben sich die personifizierten Peinlichkeiten entweder komplett aus dem Film gehalten, oder sie verschwinden schnell von allein wieder. Soweit das möglich ist, kommt dieser Transformer um einiges ernster und ruhiger daher. Cades hadern mit seiner Mittellosigkeit, die Probleme mit seiner Tochter, das sind alles Dinge, die nachvollziehbar sind und vor allem gefühlt tausendmal sympathischer daherkommen als die wirklich nicht weltbewegenden Probleme eines Teenagers.

In den ruhigen Zwischensequenzen schafft Transformers es dann sogar zu glänzen. Klar, wenn sich die kleine Menschengruppe im feindlichen Raumschiff befindet kommt das Gefühl auf, man hätte bei Alien und Event Horizon geklaut. Aber hey, lieber gut geklaut als lahm selbst ausgedacht.Und wenn Bay es schafft, beinahe 60 Sekunden ohne einen Schnitt mit der Kamera hinter Mark Wahlberg zu bleiben, während dieser durch die Ruinen der Stadt schleicht...tja, dann ist das im Verhältnis schon eine richtig lange Plansequenz. Auch der Drahtseilakt in der Mitte des Films weiß zu überzeugen und lässt erahnen, dass Bay doch immer noch mehr draufhat als stumpf Dinge explodieren zu lassen. 

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Mit Lockdown hat es sogar ein Gegner in den Film geschafft, der halbwegs spannend wirkt, da er weder auf der Seite der Menschen, noch auf der von Optimus Prime steht, Dass seine Geschichte letzten Endes keine Auflösung des Hintergrundes erfährt, naja. Damit war zu rechnen. Immerhin wird so der Weg für einen möglichen fünften Teil geebnet. Ebenfalls lobenswert sind die Nebendarsteller, allen voran Stanley Tucci. Den andauernden Explosionen setzt er ein ausuferndes Schauspiel entgegen, völlig übertrieben, aber durchaus erfrischend als menschlicher Gegenpol zum roboterhaften Rumgeballer. Er macht konsequent da weiter, wo John Turturro aufgehört hat.

Als negativ empfinde ich nach wie vor das freche Product Placement. Bay weiß immerhin, das Ganze einwandfrei darzustellen, aber es ist doch eine Spur zu weit in den Vordergrund gerückt. Auch die Anbiederung an den asiatischen Markt ist zwar nachvollziehbar (ich mein, wer will nicht noch mehr Geld verdienen?), geht mir in letzter Zeit aber massiv auf die Nerven. Auch wäre es für zukünftige Teile schön, wenn die Autobots weniger Dinge sagen würden, die peinlich sind. Wenn ich John Goodman höre, wie er von sich selbst als Ballerina spricht...nee. Einfach nur nein. Wenn hingegen im Angesicht der verdammt beeindruckenden Dinobots Sätze fallen wie "I expected giant cars", dann kommt schon ein funktionierender Humor durch. Ich wage mal zu behaupten, dass man hier über viele verschiedene Dinge lachen kann, irgendwas wird für jeden schon dabei sein. Der Soundtrack kommt diesmal scheinbar ohne Linkin Park aus, dafür wird man immer wieder mit dem gleichen, nichtssagenden Song gequält. Der restliche Score ist unauffällig, der Sound an sich dafür eindrucksvoll.

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Am Ende bringt sowieso alle Kritik an der Sache nichts. Bay weiß was er macht: eine verdammte Menge Kohle. Ich behaupte mal, dass kein Mensch mit ein bisschen Verstand, der die bisherigen Filme nicht mochte, in diesen gehen wird, nur um danach meckern zu können. Falls doch: mein Beileid. Was bleibt ist eine trotz der zahlreichen Verbesserungen nach wie vor irgendwie seelenlose Effektschlacht, die in ihrer Optik einwandfrei inszeniert ist. Gewürzt mit Figuren, die so etwas wie Motivation für ihr Handeln besitzen und mehr Hintergrundwissen über die Transformer. Die, und das sollten wir nicht vergessen, immernoch in erster Linie ein Spielzeug sind. Wer aber wegen der Optik kommt, der wird hier seine Erwartungen erfüllt sehen. Wenn Transformer auf Transformer trifft, dann ist klar zu unterscheiden, wo der eine anhört und der andere anfängt. Es gibt wunderschöne Explosionen, allerhand technische Spielereien, schicke und zerstörte Landschaften und die Dinobots. Und die, meine Damen und Herren, sind das Highlight des Films. Zwar ist ihre Screentime viel zu kurz, aber sie rocken. Ich hätte zwar gerne mehr darüber gewusst, aber vielleicht bleibt im nächsten Teil Platz dafür. Im Kontext der anderen drei Filme fühlt sich dieser Teil wie ein riesiger Schritt in die richtige Richtung an, der es über beinahe drei Stunden Laufzeit schafft, größtenteils unterhaltsam zu bleiben. Logiklöcher von Mondkraterausmaß werden im Sinne der Story in Kauf genommen, entpuppen sich aber als weniger störend als angenommen. Falls Bay es jemals schaffen sollte, einen Transformers Film ohne diese Logiklöcher zu inszenieren und dabei die positiven Aspekte von Age of Extinction noch weiter ausbessert, es wäre ein wahres Fest. Da heißt es dann wohl, die Hoffnung nicht aufzugeben.

Extrapunkte würde ich noch vergeben für die bei Prometheus geklaute Anfangsszene ( aber nur wegen der niedlichen, kleinen Dinos), dem Rainbow-Dash Cameo und den Dinobots. Denn mal ehrlich, ein Film der riesige Dinobots hat kann so mies nicht sein. Und wer das Review jetzt verwirrend fand: Alles Absicht um das Gefühl des Films wiederzuspiegeln. Wenn ihr hier klarkommt, könnt ihr euch guten Gewissens ins Kino trauen.

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