Filmkritik: Maleficent

Böse Zungen könnten behaupten, Disney würden die Ideen ausgehen. Die Geschichte der Bösen Fee aus dem Klassiker "Dornröschen" neu aufzulegen, dürfte aber bei vielen Menschen auf Interesse gestoßen haben. Angelina Jolie in der Hauptrolle zu besetzen erschien in meinen Augen schon vor Sichtung des Films als eine tolle Idee. Ob der Film letzten Endes überzeugen kann? In meinen Augen kann er das durchaus. Lest nun, wieso das so ist.



 Ich denke ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte das beinahe jeder die Geschichte von Dornröschen kennt. Kurz nach der Geburt von der bösen Fee Malefiz/Maleficent verflucht, fällt sie trotz aller Vorkehrungen an ihrem 16. Geburtstag in ein Koma, aus dem sie nur der wahren Liebe Erster Kuss aufwecken kann. So weit, so gut. Maleficent erzählt diese Geschichte aus der Sicht der besagten Fee. Diese wächst als kleine Fee im Waldkönigreich auf und freundet sich mit Stefan, einem Menschenjungen an. Als beide älter werden, kommen sie sich näher. Aber Stefans größter Wunsch ist es, König zu werden. Als der alte König gegen Maleficents  geliebten Wald in den Krieg zieht und schwer verletzt wird, ernennt er denjenigen zum König, der die böse Fee besiegt. Maleficent wird betrogen. Hass und Verzweiflung treiben sie dazu, die neugeborene Tochter des jetzigen Königs, Aurora, mit einem unauflösbaren Fluch zu belegen. Doch über die Jahre hinweg wacht sie aus dem Schatten heraus über das Mädchen und muss sich schon bald eingestehen, dass sie einen Fehler begangen hat.

Man darf sicherlich nicht den Fehler begehen und hier großes und vor allem anderes Kino erwarten als Disney sonst auch produzieren würde. Maleficent mag in den Grundtönen der Geschichte dunkler sein als viele bisherige Filme, aber es bleibt ein Disneyfilm. Getragen wird dieser so gut wie im Alleingang von seiner phänomenalen Hauptdarstellerin. Ich könnte mir keine Schauspielerin vorstellen, die gleichzeitig die Royalität, aber auch die Verletzlichkeit von Maleficent so auf den Punkt bringen könnte. Doch so richtig dreht Angelina Jolie auf wenn sie böse sein darf. Unterstützt wird dies durch wunderschöne Kostüme und eindrucksvolle Maske. Hervorzuheben ist auch die traumhafte Kulisse, für die echter Wald mit CGI verknüpft wurde und so ein bezauberndes Waldkönigreich lebendig werden lässt. Auch der Soundtrack fügt sich gut ins Geschehen ein. An den wichtigsten Stellen untermalt er auf passende Weise, ansonsten fällt er nicht weiter auf, was ja nichts Schlechtes sein muss. Im Abspann gibt es dann noch den Klassiker aus Dornröschen, neu interpretiert von Lana del Rey, die dem Lied eine ergreifend düstere Seite verpasst.

© Walt Disney
 Was man Maleficent ansieht, ist die Ehrfurcht vor dem Original. Ikonische Szenen aus Dornröschen finden sich ebenfalls in Maleficent wieder. Als Beispiel sei die Szene im Thronsaal genannt, in welcher Maleficent Aurora verflucht. Teilweise sieht es aus, als hätte man den Zeichentrickfilm einfach exakt nachgespielt. In anderen Momenten bekommt die Geschichte aber durch Maleficents Blickwinkel eine ganz neue Wendung. Es ist also nicht einfach eine Nacherzählung, sondern wirklich eine eigenständige Geschichte. Und diese ist bisweilen wirklich düster. Wenn Maleficent sowohl körperlich als auch seelisch verkrüppelt wird und auf Rache sinnt, wenn eindrucksvolle Waldkreaturen in den Krieg ziehen und geflucht wird, dass die Burg erzittert, dann ist Maleficent alles andere als ein Film für Kinder. Auch gegen Ende wird es für Disney ungewohnt brutal und furchteinflößend. Die Freigabe ab sechs kann ich jedenfalls kein Stück nachvollziehen.

Wo viel Licht ist, ist bekanntlicherweise auch Schatten. Davon bleibt auch Maleficent nicht verschont. So viel Zeit und Mühe auch investiert wurde, um uns die dunkle Fee näher zu bringen, es wäre wünschenswert gewesen wenn man sich ebenso um die anderen Figuren im Film gekümmert hätte. Aurora ist zwar ein irgendwie niedliches, liebenswertes kleines Mädchen, aber kein Stück mehr. König Stefan bleibt völlig blass. Ok, er ist schon als Kind ehrgeizig, aber dass das Motivation genug ist, ein geliebtes Wesen auf so grausame Weise zu verletzten? Damit kann man sich vielleicht noch arrangieren. Eine bodenlose Frechheit sind allerdings die drei Feen, die Aurora im Wald großziehen. Permanent damit beschäftigt, sich gegenseitig Streiche zu spielen oder zu streiten, vernachlässigen sie das Kind. Würde sich nicht wenigstens Diaval, der Rabe, um das Baby kümmern, es wäre vermutlich nach einer Woche verhungert. Auch wenn Aurora sich später immer wieder für lange Zeit von zuhause wegschleicht scheint das nicht aufzufallen, jedenfalls wird nie etwas dazu gesagt. Solche Unfähigkeit ist unfassbar und wird den resoluten Feen aus der Originalgeschichte kein bisschen gerecht. Der Rabe allerdings macht einen tollen Job als Ersatzvater, dass muss man ihm lassen.

Maleficent macht also ein paar Dinge falsch, aber dafür auch sehr viele Sachen richtig. In seinen besten Momenten weiß er durchaus zu verzaubern und zu begeistern. Und die Sache mit dem Kuss ist auch wunderbar gelöst worden und weiß zu gefallen. Wer Disney mag, wird auch Maleficent mögen. Wer allerdings Disney sowieso schon wenig bis nichts abgewinnen kann, wird wohl auch hier keine Freude dran haben.

© Walt Disney