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gesehen: Hellraiser

© Studiocanal

Story


Frank Cotton verschwindet unter mysteriösen Umständen aus seinem Haus, als er versucht einen geheimnisvollen Würfel zu öffnen. Jahre später ziehen sein Bruder Larry und dessen Frau ausgerechnet in dieses Haus. Frank gelingt es in Gestalt eines schrecklichen Wesens zurückzukehren. Um sich den Mächten der Finsternis endgültig zu entziehen, benötigt er die Hilfe seiner einstigen Geliebten Julia, die ihm nach wie vor hörig ist. Hilfe bedeutet für ihn Menschenblut, viel Menschenblut, um sein früheres Äußeres wiederherzustellen.

The House of #Horrorctober


Die beste Zeit im Jahr steht wieder vor der Tür. Nein, ich meine nicht Weihnachten, sondern natürlich Halloween. Und wieso ist das die beste Zeit? Na, weil der #Horrorctober seine nebligen, fiesen Fingerchen nach uns ausstreckt und es wieder heißt: Horrorfilme satt! 13 Stück, um genau zu sein, die bis Ende Oktober geguckt werden wollen.

Horrorctober 2016


Falls ihr keine Horrorfilme mögt, dann wird der Oktober ein ganz harter Monat für euch, liebe Leser. Denn wer letztes Jahr schon mitgelesen hat, der weiß was nun kommt: Horrorfilme satt, den ganzen Monat lang. Es ist wieder Zeit für den Horrorctober! Das Team der CineCouch hat euch auch in diesem Jahr wieder eine viel bessere Erklärung, als ich sie machen könnte, bereitgestellt. Außerdem findet ihr unter deren Beitrag auch alle anderen Teilnehmer. Scheut euch also nicht, auf Entdeckungstour zu gehen.

Naja, vielleicht finde ich zwischenzeitlich auch Zeit für etwas anderes. Aber wenn ihr mal einen Blick drüben in die Tag-Liste werft, dann taucht "Horror" dort ziemlich weit oben auf. Ich warte insgeheim immer noch darauf, diesem Genre irgendwann mal zu entwachsen, aber bisher bleibt dieser Schritt aus. Dementsprechend ist es über die Jahre hinweg schwieriger geworden, noch Filme zu finden, die ich noch nicht gesehen habe. So ist die Auswahl dieses Jahr vielleicht nicht zu 100% lupenreiner Horror, ich freue mich aber trotzdem auf jedes einzelne Werk. Und das sind die Schätze für die diesjährige Ausgabe:

© Concorde, Kinowelt, Wild Bunch, Universal, Senator, RapidEye Movies, UIP, Warner Bros., Lionsgate, ifc Films, Constructovision
  • Frankenstein (1931) von James Whale
  • Der weiße Hai (1975) von Steven Spielberg
  • The Lost Boys (1987) von Joel Schuhmacher
  • Funny Games (1997) von Michael Haneke
  • The Devil's Backbone (2001) von Guillermo del Toro
  • Slither (2006) von James Gunn
  • Bug (2006) von William Friedkin
  • Martyrs (2008) von Pascal Laugier 
  • The House of the Devil (2009) von Ti West 
  • Let me In (2010) von Matt Reeves
  • Kill List (2011) von Ben Wheatley
  • Berberian Sound Studio (2012) von Peter Strickland
  • The Lords of Salem (2012) von Rob Zombie
An "richtigen" Klassikern ist dieses Mal nur "Frankenstein" mit dabei, auf den bin ich dafür schon so richtig gespannt. Das Buch gehört zu meinen Favoriten! Ansonsten sind dieses Mal überraschend viele neuere Filme mit an Bord. Dies hauptsächlich, weil ich unzählige "die besten Horrorfilme aller Zeiten!" - Listen durchgegangen bin und bei so ziemlich jedem Eintrag nur sagte "kenn ich schon". Mit "The Lords of Salem" hole ich den aktuell einzigen noch unbekannten, aber bereits im Handel erhältlichen Rob Zombie nach, "The House of the Devil" wird mein zweiter Ti West, nachdem ich letztes Jahr sehr viel Freude an "The Innkeepers" hatte. Und mit "Let me In" wage ich mich an das Remake zu einem meiner liebsten Vampirfilme, "So finster die Nacht". Wie mir "The Devil's Backbone" bisher komplett entgehen konnte, bei meiner Liebe für Guillermo del Toro...reden wir besser nicht drüber, es wäre nur peinlich.
Eine erste Auswahl der Filme für dieses Jahr ist schon eingetroffen.
Natürlich werde ich auch in diesem Jahr versuchen, euch den Monat mit ein paar informativen Specials zu versüßen. Lasst euch also überraschen, und genießt den gruseligsten Monat des Jahres in vollen Zügen! Vielleicht macht ihr ja auch selbst mit? In dem Fall lasst doch Links in den Kommentaren, damit man eure Listen finden kann.

#Horrorctober 2015 - Ein Resümee

Und da ist er auch schon wieder vorbei, der Oktober. Und mit ihm auch der Horrorctober,an dem ich in diesem Jahr zum ersten Mal teilgenommen habe. Dementsprechend gibt es heute eine kleine Zusammenfassung, einen Rückblick wenn man so will. Ich werde kurz über die Filme berichten die ich mir angeschaut habe, packe euch noch einmal alle Specials in den Beitrag, gebe den Gewinner des "Altar" Gewinnspiels bekannt und ziehe so generell ein Fazit. Also, schnappt euch eure Süßigkeiten und blickt gemeinsam mit mir zurück. 

Meine Filme für den Horrorctober

© Deutsches Institut für Filmkunde

Horrorctober, da musste ich schon kurz überlegen bevor ich mich zur Teilnahme entschied. Als Jugendliche hab ich Horrorfilme verschlungen, zu groß war der Reiz des Verbotenen. Später nahm dieses Interesse dann ab und eine Weile konnte ich Horror wirklich gar nichts abgewinnen. Erst als ich lernte dass hinter Horrorfilmen viel mehr stecken kann als nur der kurze Kick für den Augenblick wuchs das Interesse wieder. Für den Horrorctober wollte ich mir also eine ausgewogene Mischung aus Klassikern und neuen Filmen zusammenstellen. Und das war meine Liste: 
  • "Das Cabinett des Doktor Caligari", 1920, Regie: Robert Wiene 
  • "Nosferatu", 1922, Regie: F.W. Murnau
  • "Evil Dead 2", 1987, Regie: Sam Raimi
  • "House of Wax", 1953, Regie: André de Toth
  • "House of Usher", 1960, Regie: Roger Corman
  • "Suspiria", 1977, Regie: Dario Argento
  • "Aliens", 1986, Regie: James Cameron
  • "Dawn of the Dead", 1978, Regie: George A. Romero
  • "The Fly", 1986, Regie: David Cronenberg
  • "Orphan", 2009, Regie: Jaume Collet-Serra
  • "You're next", 2011, Regie Adam Wingard
  • "The Innkeepers", 2011, Regie: Ti West
  • "Under the Skin", 2013, Regie: Jonathan Glazer
 Zu "Suspiria" und "Under the Skin" findet ihr die Kritiken schon verlinkt, wenn ich Zeit finde folgen sicher noch ein oder zwei weitere. Für Cronenbergs "The Fly" hat es diesen Monat nicht gereicht, den werde ich aber zeitnah nachholen. Und "Dawn of the Dead" hab ich in der völlig gewaltbefreiten 2 1/2 Stunden langen Fassung erwischt, die mich nach knapp 30 Minuten ernsthaft zum einschlafen brachte. Auch hier wird nachgeholt sobald ich eine weniger verstümmelte Version zu fassen kriege, denn das hat der Film nun wirklich nicht verdient. 

Die größte Überraschung im Horrorctober war vermutlich "Das Cabinet des Doktor Caligari". Den gab ich mir stilecht im Double Feature zusammen mit "Nosferatu", und ich war begeistert. Der Film hat ja beinahe 100 Jahre auf dem Buckel, hebt sich aber durch seine Erzählweise, die surrealistische Optik und vor allem das Ende wirklich aus der Mssse ab. Stummfilme sind generell eine Sache zu der ich erst in diesem Jahr so richtig Zugang fand, dementsprechend bin ich froh dass ich jetzt zwei richtige Klassiker unter "gesehen" verbuchen kann. 

Ein erfreuliches Wiedersehen gab es mit "Aliens" von James Cameron. Ellen Ripley gehört noch immer zu meinen großen filmischen Vorbildern und der Film ist von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend. Ein bisschen an Glanz verloren hat hingegen "Evil Dead 2", da hab ich gemerkt dass mir die ernsten Töne des ersten Teils doch mehr zusagen als das eher komödienhafte Flair von Teil 2. Das Ash aber trotzdem Kult bleibt ist ja klar. 

"House of Usher" und "House of Wax" waren meine ersten Begegnungen mit Vincent Price, und was soll ich sagen? Ich bin ihm hoffnungslos verfallen. Besonders "House of Usher" ist eine visuelle Pracht gewesen! Visuell stark ging es dann auch mit "Suspiria" weiter, dem ich eine eigene Kritik gewidmet hab. Argentos Meisterwerk ist auch frisch vom Index runter, es lohnt sich also die Augen offen zu halten. Lasst nur die Finger von der normalen Blu-ray weg, die ist nach wie vor geschnitten. Was hier aufgefahren wird ist nicht weniger als die perfekte Symbiose von Bild und Ton zu einem wahrlich verstörenden Alptraum. Hat mich begeistert und wird sicher nicht das letzte Mal im Player gelandet sein. Wer gerne mal in die verstörend-geniale Musik von Goblin reinhören will darf hier auf "play" drücken: 


Neuere Filme waren natürlich auch vertreten. "Orphan" überzeugte mit einer wahnsinnigen und wahnsinnig guten Kinderdarstellerin und einer erfrischenden Direktheit. "You're Next" entpuppte sich als clevere Home Invasion die mich mitfiebern ließ. Ti West's "The Innkeepers" war über weite Teile sehr ruhig, wusste dann aber wie man das Publikum so richtig verstört. Ich denke den werden viele langweilig finden, ich fand ihn sehr überzeugend. Definitiv war das nicht meine letzte Begegnung mit West. Mein ganz persönlicher Favorit war dann aber, und das hat mich selbst überrascht, "Under the Skin". Was hier geboten wird ist überragend, so vielseitig und klug gemacht und herausragend gespielt. Da hat's mich echt vom Hocker gehauen. Anders lässt sich die knapp 2500 Wörter lange Analyse des Films, die ich danach geschrieben hab, wohl auch kaum erklären.  

Und zu guter Letzt habe ich mir im Oktober auch eine thematisch passende Serie herausgesucht. Wer sich meine ausführliche Kritik zur ersten Staffel "Hemlock Grove" durchlesen will kann dies bei Moviebreak tun. Alle anderen können sich auf eine Serie freuen, bei der man entweder nach 2 Folgen genervt abschaltet weil es zäh vorwärts geht, oder man bis zum Ende durchsuchtet weil es so verdammt atmosphärisch ist. Als weiteren Bonus gibt es zwei tolle männliche Hauptdarsteller und eine wundervoll biestige Famke Janssen obendrauf. Das innere Fangirl ist jedenfalls sehr beglückt dank "Hemlock Grove".

Specials

© Edel Germany GmbH

Jeweils zu den Wochenenden gab es Specials, die sich mit verschiedenen Aspekten des Horrorfilms beschäftigt haben. Ich habe mir die schlimmsten Frauenklischees im Horrorgenre angeschaut und man muss kein Hellseher sein um zu erraten dass es da nicht besonders gut drum bestellt ist. In der Folgewoche stellte ich die recht plakative Frage "Ist der Horrorfilm am Ende?",worauf die Antwort natürlich "nein" lautet. Aber ich denke ich konnte doch ein, zwei Schwachstellen aufdecken und benennen, die momentan überhand nehmen. Besonders freu ich mich, dass der Artikel auch bei Moviepilot veröffentlicht wurde und dort ein breites und überwiegend positives Echo hervorrief. In der dritten Woche schaute ich mir dann unter dem Titel "Menschen, Monster, Misanthropen" an, wie der Mensch als Mörder im Horrorfilm dargestellt wird. Und zum Abschluss stellte ich mir die Frage "Warum schauen wir eigentlich Horrorfilme?". Dazu ging ich zurück bis in die Antike, schaute mir an was Wissenschaftler dazu zu sagen haben und wollte auch von euch wissen, wieso ihr euch gern vor dem TV gruselt. Eine Blu-ray gab es auch zu gewinnen, ich gratuliere an dieser Stelle "Jacker", den ich heute morgen bei einer guten Tasse Kaffee aus dem Lostopf gezogen habe. Der Umschlag wandert nachher in den Briefkasten und sollte dann zum Wochenanfang ankommen.  

Fazit

Ja, falls euch diese ganze Horrorsache enorm genervt hat heißt es an dieser Stelle: tief durchatmen, denn der Horrorctober ist vorbei. Ich hab viele tolle neue Leute auf Twitter kennengelernt, konnte vielleicht den einen oder anderen Leser dazu animieren sich mit einem sonst doch eher vernachlässigten Genre zu befassen. Ich habe ein paar tolle Filme kennengelernt, endlich mal ein paar Klassiker nachgeholt und viel über Horror gelernt. Ein dickes Danke geht auch an das Team der CineCouch, die den Horrorctober nun schon zum dritten Mal veranstaltet haben. Ich hoffe man sieht sich im kommenden Jahr wieder!

Horrorctober Special #4: Warum schauen wir Horrorfilme? Mit Gewinnspiel!

Wir nähern uns mit Siebenmeilenstiefeln Halloween, der #Horrorctober läuft in vollem Gange, ich hänge gnadenlos mit meinen Filmen hinterher und draußen fallen die Blätter von den Bäumen. Ein ganz normaler Oktober also. Nachdem wir uns in der letzten Woche gemeinsam angeschaut haben was eigentlich normale Menschen im Horrorfilm so alles anstellen bleiben wir auch diese Woche mehr oder weniger beim Thema Mensch. Was ich letzte Woche schon beim Text zu "Cabin in the Woods" angemerkt habe, nämlich unsere Schaulust, soll dieses Mal im Zentrum stehen. 

Wieso schauen wir uns Horrorfilme an? Was fasziniert uns an Mördern, übernatürlichen Phänomenen, an Folterpornos und an durchgedrehten Tieren? Wieso schauen wir uns an, wenn in Zeitlupe die Gedärme fliegen und das Blut in meterhohen Fontänen aus der Halsschlagader pocht? Sind wir eigentlich noch ganz dicht, haben wir noch all unsere Frösche im Teich und Latten am Zaun? Warum haben wir so einen Spaß daran, Angst zu haben? Ist das nicht eigentlich total paradox? Schauen wir uns doch diese Woche mal an, was die Medien, die Philosophie, die Psychologie und die Zuschauer selber dazu sagen. Im Text findet ihr ein paar Hinweise auf lesenswerte Bücher und die ein oder andere Studie, wer sich also auch über den Text hinaus bilden will findet hier ein paar Wegweiser.Alle anderen bekommen nützliche Informationen, verpackt in einen hoffentlich kurzweiligen Text. Am Ende findet ihr dann noch ein Gewinnspiel, dranbleiben lohnt sich also diese Woche ganz besonders.
Szene aus "Hostel", 2005 © Sony

Eine Frage der Angst?

Siegbert A. Warwitz schrieb 2006 in "Vom Sinn des Wagens. Warum Menschen sich gefährlichen Herausforderungen stellen." über eine Art positive Angst, die wir erfahren wenn wir uns einer Gefahrensituation stellen und als Gewinner daraus hervorgehen. Ab dem Moment wo man die Angst besiegt hat fühlt man sich besser und mutiger und auch selbstsicherer. Das lässt sich relativ leicht auch auf Horrorfilme umdenken. Ich erinnere mich immernoch lebhaft an "Paranormal Activity 2" im Kino, wo der ganze, randvolle Saal still wurde, sobald es im Film dunkel war, und die Anspannung merklich gelöst wurde wenn es wieder Tag wurde. Eine Art Gemeinschaftsgefühl stellte sich ein, alle wussten: wenn es wieder Tag wird haben wir eine weitere Nacht geschafft, ohne dass etwas passiert ist. Ein simples, aber effektives Muster. Die "Paranormal Activity" Reihe nutzte diesen Effekt bereits in der Werbung für den ersten Teil der Reihe. Ich habe euch den Trailer für den Film herausgesucht. In diesem sieht man nur wenige Szenen des Films, dafür wurde ein Testpublikum beim sehen des Films aufgenommen. Beobachtet also das Publikum mal genau: 

Dass Horrorfilme in der Gesellschaft anderer so effektiv funktionieren hat auch einen anderen Grund. Neben einer Vielzahl von körperlichen Reaktionen wie höherer Blutdruck, angespannte Muskulatur, empfindlichere Nerven und vielleicht auch unkontrollierbares zittern produziert der menschliche Körper bei Angstzuständen Pheromone, die andere Menschen ebenfalls wahrnehmen. Kurz gesagt: wenn einer Angst hat merken alle anderen das auch und bekommen auch Angst. Es ist also nicht verwunderlich dass wir im Kino nicht nur dann unweigerlich zusammenzucken wenn der Sitznachbar vor lauter Schreck laut schreit. Wir fühlen uns auch so im Verlauf des Films immer angespannter. Wenn wir einen Horrorfilm schauen, dann befinden wir uns in Alarmbereitschaft. Wir wissen dass das Gesehene nicht echt ist, aber manchmal lässt sich unser Gehirn dann eben doch austricksen, kriegt den Unterschied zwischen Film und Realität nicht mit und eskaliert im Angesicht von Blut und Gedärmen auf der Leinwand. Und je mehr wir uns gruseln, je spürbarer unsere körperliche Reaktion auf den Film war, desto besser finden wir ihn am Ende. In gewisser Hinsicht sind Horrorfilme eine Art Mutprobe, und wer will vor seinen Freunden nicht gern mutig sein? Man hat sich nahezu unvorstellbares auf der Leinwand oder im TV angesehen, und dann kann man hingehen und damit prahlen. Damals auf dem Schulhof gehörte man zu den ganz Harten, wenn man bestimmte Filme schon gesehen hatte. Natürlich viel zu früh und natürlich heimlich, ohne dass die Eltern etwas davon mitbekommen. Dass man damit kaum reflektiert umgehen konnte? Völlig uninteressant, denn man gehörte dazu! In einem noch die Eltern ein bisschen mitprovozieren? Aber immer gerne, nur her damit! Mit den teilweise desaströsen Effekten von Horrorfilmen auf Kinder und auch Jugendliche hat sich dann beispielsweise Joanne Cantor in ""Mommy, I'm scared": How TV and Movies Frighten Children and what we can do to protect them" befasst, ein Buch das generell sehr lesenswert ist.
Szene aus "Es", 1990 © Warner Bros. Television
Faszinierend ist dabei dass es durchaus Studien gibt, die sich mit den Reaktionen innerhalb des Gehirns beim Konsum von Horrorfilmen befassen. An der Uni Jena gab es beispielsweise Versuche zum Thema, wer sich gerne einlesen will kann hier das Abstract finden. Dabei kam heraus dass wir nicht unbedingt wirklich mit Angst auf die gezeigten Bilder reagieren. Vielmehr reagieren die Teile des Gehirns die für die Verarbeitung von visuellen Prozessen, das Selbstbewusstsein und das Lösen von Problemen zuständig sind. Horrorfilme fordern uns also, aber anders als man zunächst vermutlich denken würde. 


Was sagt eigentlich Aristoteles dazu?

Schauen wir doch mal was Aristoteles zum Thema zu sagen hat. Der hat sich zwar sicher keine Horrorfilme angeschaut, aber er hat sich zum Thema Gruselgeschichten geäußert. Hier kommt der Begriff der Katharsis ins Spiel. Aristoteles ging davon aus dass die Leute sich in gruselige und dramatische Geschichten flüchten um mit negativen Gefühlen klarzukommen. Wenden wir das auf Horrorfilme an, dann schauen wir Horrorfilme, hören aggressive Musik und spielen gerne Shooter, damit wir Aggressionen abbauen. Dumm nur für den guten Aristoteles dass die Forschung sich mittlerweile einig ist, dass es sich bei dieser Theorie um Unfug handelt. Sogar das Gegenteil scheint der Fall, brutales macht die meisten Nutzer nur noch wütender. Da sich aber in regelmäßigen Abständen scheinbar sämtliche Forscher uneinig darüber sind ob deswegen nun mehr Gewalttaten begangen werden oder die Spiele und Filme doch als Ventil gelten, und ich nun für beides zahlreiche Studien anführen könnte, belasse ich es erstmal bei der reinen Feststellung. 

Schlagen wir nochmal den Bogen zum Anfang zurück. Dort war die Rede davon, dass wir uns vor allem im Jugendalter Horrorfilme ansehen, um "dazu zu gehören". Bereits 1909 formulierte der Kulturwissenschaftler Arnold von Gennep den Begriff der so genannten "rites de passage", also Übergangsriten. Gennep forschte an indigenen Völkern, doch das Konzept lässt sich auch heute noch auf unsere Gesellschaft anwenden. So gibt es bestimmte Riten, die eingehalten werden. Dinge, zu "zum Erwachsenwerden" dazu gehören, Riten die den Übertritt in eine andere Form der Gesellschaft begleiten. Religiöse Hintergründe sind ebenfalls möglich, so gehören Kommunion, Konfirmation und so weiter zu den Übergangsriten. Zillman, Weaver, Mundorf und Aust führten dies in der so genannte "gender socialisation theory" fort und untersuchten in diesem Zusammenhang schon 1996 auch den Einfluss von Horrorfilmen. Dazu brachten sie jeweils einen männlichen und einen weiblichen Versuchsteilnehmer, in diesem Fall junge Studenten, zusammen und ließen die so entstandenen Paare Horrorfilme schauen. Ziel des Versuchs war es herauszufinden, wann Horrorfilme am meisten Spaß machen. Und zur Überraschung von vermutlich niemandem hatten die Männer am meisten Spaß am Horrorfilm, wenn ihre Partnerin sich angstvoll an sie kuschelte. Die Theorie wird deswegen auch gerne Kuscheltheorie genannt. Im Gegenzug dazu hatten die Frauen am wenigsten Spaß an der ganzen Sache, wenn die Männer deutlich zeigten, dass ihnen das Gesehene Angst bereitet. Ebenfalls hatten die Männer weniger Freude am Film wenn die Frau sich entspannt, nicht verängstigt und überhaupt der Situation gewachsen zeigte. Daraus könnte man nun schließen dass auch Horrorfilme gerne als eine Art Übergangsritus gelten, zumindest wenn man noch etwas jünger ist und sich und einer potentiellen Partnerin etwas beweisen will. 
Szene aus "Die Nacht der Lebenden Toten", 1968 © Cinema Service

Horrorfilme als Spiegel der Geschichte?

Einen weiteren Grund für das Konsumieren von Horrorfilmen könnte das soziale Umfeld bieten. Hierzu ist ein kleiner Geschichtsexkurs notwendig, aber ich verspreche, ich halte mich kurz. Schauen wir uns die 50er Jahre an. Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sorgten weltweit für Angst und Misstrauen. Im Horrorgenre häuften sich in dieser Zeit Filme mit Mutanten und anderen deformierten Monstern. Sie spiegelten die Angst der Bevölkerung vor dem, was nach den Bomben folgen könnte. Die 60er waren dominiert vom traumatischen Vietnamkrieg und im Horrorfilm tauchten die ersten Zombies auf. Der unter US-Präsident Nixon gelaufene Watergate-Skandal der 70er brachte ein tiefes Misstrauen gegenüber Autoritätspersonen mit sich. Das reflektierte sich in Filmen wie "Nightmare on Elm Street". Und in den frühen 2000ern griff die Angst vor globalen Pandemien und biologischer Kriegsführung um sich, und die Zombies wurden wieder populär. Die Welt nach 9/11 muss mit mehr Filmen aus dem Torture Porn Genre zurechtkommen, denn scheinbar interessieren sich seitdem vermehr Menschen für die Grenzen des menschlichen Körpers und deren systematische Überschreitung. 

Nun muss man anmerken dass es gefühlt hunderte Horror-Richtungen gibt die nicht in dieses Muster passen, aber der Gedanke lässt sich durchaus auch gut an den genannten Beispielen nachvollziehen. Besonders Filmemacher wie Wes Craven verstanden es meisterhaft, in ihren Horrorfilmen auch politische Kommentare unterzubringen. All diese Richtungen verbindet eine Art archetypischer Angst, der sich mittels Horrorfilmen gestellt werden kann. All die oben genannten Monster entziehen sich größtenteils unserem alltäglichen Verständnis und bedrohen uns auf eine Weise, mit der wir nur schlecht umgehen können. Mittels der Filme können wir uns also auch unserer eigenen, oft nicht näher definierbaren Angst stellen. Wir können "was wäre, wenn" Szenarien durchspielen, das Handeln der Protagonisten bewerten und mit unserem eigenen, hypothetischen Verhalten im Ernstfall abgleichen. Wir können in einem sicheren Umfeld eine Gefahrensituation in Ruhe wieder und wieder durchspielen.
Szene aus "Hügel der Blutigen Augen", 1977© United Artists

Doch wohin führt uns das jetzt? All diese Theorien bieten nur fragmentierte Erklärungen für höchstens einzelne Grüppchen, und oft bleibt es nur bei einem halbherzigen Erklärungsversuch. Doch eine Gruppe wurde noch nicht so wirklich näher beleuchtet, und dass sind die Zuschauer selber, ohne dass ein Forscherteam da irgendwas untersucht. Und deswegen folgt nun, um ein bisschen Anreiz bei euch zu schaffen, das erste Gewinnspiel auf meinem Blog. 

Gewinnspiel
Nun lest ihr schon seit vier Wochen immer wieder über Horrorfilme, und da dachte ich es wär doch mal eine Maßnahme, einen solchen zu verlosen. Gesponsort wird das Ganze von niemandem, deswegen geh ich direkt mal zur Inhaltsangabe über: 

Die Renovierung eines altehrwürdigen viktorianischen Hauses veranlasst Meg Hamilton (Olivia Williams), mit ihrem Mann Alec (Matthew Modine) und den beiden Kindern vorübergehend auch hier einzuziehen. Allerdings zeigt sich bald, dass das Misstrauen der Nachbarn und merkwürdige Geschehnisse ganz reale Wurzeln zu haben scheinen. Mit jedem geheimen Raum, jedem unerklärlichen Geräusch und jeder geisterhaften Erscheinung wird deutlicher, dass das Haus eine unheilvolle Geschichte und ein mörderisches Eigenleben birgt.

Wer lieber kurze Trailer schaut findet hier den englischen Trailer, der mit nur 30 Sekunden ausnahmsweise mal nicht den ganzen Film schon verrät:


So, was müsst ihr nun dafür tun? Ich fass euch das mal übersichtlich und mit allen Teilnahmebedingungen zusammen: 

Schreibt mir einen Kommentar: wieso und wie schaut ihr gerne Horrorfilme? Lieber allein oder in der Gruppe, wollt ihr euch gruseln oder mal so richtig mitfiebern? Oder sind es vielleicht ganz andere Gründe?

Teilnahmebedingungen:

Die Verlosung startet SOFORT und endet pünktlich zu Halloween am 31.10.2015, 22.00 Uhr

Folgender Preis wird verlost:
1x die Blu-ray zu "Altar - Das Portal zur Hölle"



- Der Preis wird sofort nach Ende des Gewinnspiels ausgelost.
- Es ist kein Muss, aber ich würde mich tierisch freuen wenn ihr meiner Seite bei Facebook folgt, dann lassen sich in Zukunft vielleicht auch mal häufiger Gewinnspiele veranstalten ;)
- Bitte nehmt nur einmal an der Verlosung teil ;)
- Bitte beantwortet die Frage, falls nur eine Antwort im Stil von "bin gerne dabei" oder so erfolgt landet ihr nicht im Lostopf.
- Teilnehmen darf jeder ab 18 Jahren und mit Wohnsitz in Deutschland
- Ihr dürfte gerne auch anonym teilnehmen. Gebt aber bitte eine gültige Mailadresse oder irgendeine Möglichkeit der Kontaktaufnahme an, damit ich euch kontaktieren kann falls ihr gewinnt.
- Eure persönlichen Daten sammel ich nicht, die Angabe einer Mailadresse oder sonstigen Kontaktmöglichkeit (Links zu euren eigenen Blogs etc.) erfolgt nur damit ich euch im Gewinnfall benachrichtigen kann. Eure Daten werden keinesfalls weitergegeben, von mir gesammelt oder sonstwie verwendet!
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und die Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
- Die Verlosung steht in keinem Zusammenhang zu Facebook.
- Ich behalte es mir vor, dass Gewinnspiel anzupassen, zu ändern oder abzubrechen, falls die Notwendigkeit besteht.



Horrorctober Special #3: Menschen, Monster, Misanthropen

Zungenbrecher direkt in der Überschrift, fängt ja schonmal gut an, oder? Willkommen zur dritten Runde der Horrorctober-Wochenend-Specials. Diese Woche feiern wir Bergfest, denn bei ganzen fünf Samstagen in diesem Monat tun wir jetzt mal so als handle es sich um fünf vollwertige Wochenenden. Und am 1.10. ist ja eh für die meisten von uns frei, also: Willkommen zur Halbzeit. 

In dieser Woche richte ich meinen Blick auf ein ganz besonderes Monster. Eines das so grausam und schrecklich ist, dass einem fast die Worte dafür fehlen. Eins das auch aus reinem Spaß an der Freude quält und mordet, das undurchsichtiger sein kann als feinste Kürbissuppe im Herbst. Die Rede ist natürlich vom Menschen. Sicher, oft haben wir es im Horrorfilm mit Geistern, Dämonen, überaus großen Tieren, Mutanten oder sonstigen Figuren zu tun. Und das macht ja auch irgendwo Spaß, da muss man sich nicht groß mit auseinandersetzen. Aber sobald der Killer ein normaler Mensch ist sind wir Zuschauer gezwungen, uns damit zu befassen. Wir überlegen: wie konnte es dazu kommen? Was treibt einen Menschen an? Ein John Doe, wie er in David Finchers "Sieben" vorkommt könnte theoretisch unser Nachbar sein, wir würden über sein Doppelleben vermutlich nichts wissen. Deswegen werfen wir nun gemeinsam einen Blick auf ein paar ikonische Monster, die durch ihr Dasein als Mensch faszinieren. Danach werden wir uns Filme anschauen, in denen die Gesellschaft das wahre Monster darstellt. 

Menschen als Monster

Für diesen Artikel habe ich euch nur wirklich menschliche Monster und Mörder herausgesucht. So gerne also sicher Damien, Regan oder Dracula einen Platz hier ergattert hätten, ihre Nicht-Menschlichkeit oder ihre zeitweise Besessenheit macht ihnen da einen Strich durch die Rechnung. Schauen wir uns also ein paar der ikonischsten und gefährlichsten handelsüblichen Menschen im Horrorfilm an. Ich könnte sie unmöglich alle in eine Art Reihenfolge bringen, deswegen stellt die nachfolgende Liste keine Top 10 oder so dar. Stattdessen machen wir es uns einfach und gehen chronologisch vor.

Norman Bates - Psycho (Alfred Hitchcock, 1960)

Kein anderer hat den Eröffnungsplatz auf dieser Liste mehr verdient. Bevor "Psycho" 1960 erschien gab es im Horrorfilm größtenteils einfach nur Monster in Form von Vampiren oder riesigen Tieren, äußerlich hässlich, abstoßend und generell einfach unwirklich. Hitchcock drehte dieses etablierte Spiel um und verbannte das Monster des Films in den Kopf eines unscheinbaren Mannes. Wenn Norman seine Mutter durchs Haus trägt ist er die Versinnbildlichung der "wir tragen unsere Probleme mit uns herum" Redensart. Alles in seinem Haus erweckt den Anschein der Anwesenheit einer weiteren Person, und die Elemente des klassischen, terrorhaften Gothic Horror sind überaus dominant vorhanden und ziehen sich bis in die Erzählweise des Films. 
© Paramount
Hitchcock besaß nicht nur die für damalige Zeit beinahe undenkbare Dreistigkeit, die vermeintliche Heldin zu ermorden, er ging einen Schritt weiter. In einer Welt die von zwei großen Kriegen gebeutelt war, die den Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und den Holocaust erlebt hatte sah er keinen Bedarf mehr für fiktive Monster. Wieder und wieder hatten Menschen unter Beweis gestellt dass sie grausamer waren als jedes Monster, welches man darstellen könnte. Jeder Horrorfilm der danach entstand, jeder Horrorfilm der einen Killer wie Michael Myers oder Jason Vorhees zeigt, zieht seine Kraft aus dieser Quelle. "Freitag der 13." dreht die Mutter-Sohn Beziehung ins absolute Gegenteil. Jamie Lee Curtis, welche die Hauptrolle in "Halloween" trägt, ist die Tochter von Janet Leigh. Ob in ihrer Effizienz auch nur einer dieser Filme, die durchaus ebenfalls als Meisterwerke auf ihrem Gebiet durchgehen, an "Psycho" herankommt ist fraglich. 1960 markierte die Geburtsstunde des Menschenterrors, oder vielmehr des Terrors, der Angst vor dem Menschen im Kino. Und auch wenn wir uns alle sicher sind, dass es nur Schokoladensirup ist, der am Ende in der Dusche verschwindet: die Angst vor dem alltäglichen ist danach beim Zuschauer fest verankert.

Leatherface - The Texas Chainsaw Massacre (Tobe Hooper, 1974)

Vor wenigen Tagen lief "Blutgericht in Texas" zum ersten Mal ungeschnitten im Deutschen Fernsehen. Tobe Hoopers Film von 1974 brachte uns einen der ersten Slasher und einen wirklich abgefahrenen Killer. "Texas Chainsaw Massacre" basiert auf der schauerlichen Mordserie des Ed Gein, der nicht nur mindestens zwei Frauen entführte und ermordete, sondern auch Leichen auf Friedhöfen ausgrub und in seinem Haus verstümmelte. Leatherface trägt Masken aus Menschenhaut und wie der Titel schon nahelegt ist seine Lieblingswaffe eine Kettensäge. In den zahlreichen Filmen, die Prequels, Sequels und Remakes enthalten, geht er hauptsächlich auf Teenager und Polizisten los, die seinem abstoßenden Haus zu nahe kommen. Dieses Haus ist mit der Figur fest verbunden. Denn egal wie krass ein Maske tragender Typ mit Kettensäge auch sein mag, in seinem Haus lauert der Schrecken hinter buchstäblich jeder Tür, und vermutlich würde niemand von uns dort je einen Fuß reinsetzen wollen.
© Drop-out Cinema eG

Michael Myers - Halloween (John Carpenter, 1978)

Michael Myers beweist eine enorme Standfestigkeit. Seit 1978 treibt er sein Unwesen, und er unterscheidet sich gravierend von fast allen anderen Killern. Denn er zeigt keinerlei Emotionen. Er ist einfach da, und er mordet. Über seine Persönlichkeit erfahren wir so gut wie nichts. In zahlreichen Filmen wurde auch er mit einer Hintergrundgeschichte versehen, und so wissen wir dass er seine Kindheit in der geschlossenen Anstalt verbrachte nachdem er seine Schwester ermordete. So drehen sich dann auch viele Filme um seine diversen Ausbrüche aus verschiedenen Institutionen. Am liebsten verfolgt er Laurie Strode, in den alten Filmen gespielt von Jamie Curtis. Ihre Rolle legte den Grundstein für den Stereotyp des Final Girl, der ja vor zwei Wochen schon hier besprochen wurde. Rob Zombie fügte seine eigene Version der Geschichte hinzu, in dieser ist Laurie die Schwester von Myers. Der erste der beiden Filme von ihm wird generell noch als holprig angesehen, doch Zombies "Halloween II" ist durchaus sehenswert und bietet zahlreiche interessante Aspekte. 
© Warner-Columbia

Jason Vorhees - Freitag der 13. (Sean S. Cunningham, 1980)

Jason ist eine Art Sonderfall, denn in seinem ersten eigenen Film taucht er nicht mal auf. Der überaus große Mann mit Hockeymaske und Machete treibt sein Unwesen am Crystal Lake. Oder so ähnlich, denn eigentlich ist Jason von Anfang an tot und kehrt erst aus dem Grab zurück als seine geliebte Mutter stirbt. Jasons einzige Aufgabe im Leben ist es, dämliche und möglichst leicht bekleidete Teenager zu meucheln, und darin ist er ziemlich gut und auch kreativ. Ganz ähnlich wie Michael Myers scheint er nicht tot zu kriegen zu sein, und so haben ihn seine zahlreichen Abenteuer unter anderem in "Jason X" schon in den Weltraum geführt. Nach ganzen 12 Filmen innerhalb der Serie plant der Sender The CW momentan eine Serie, die eher in der Realität verankert sein soll.
© Paramount

Hannibal Lecter - Das Schweigen der Lämmer (Jonathan Demme, 1991)

Keine solche Liste wäre vollständig wenn unser aller Liebster Kannibale fehlen würde. Nachdem Michael Mann 1986 Brian Cox in der Rolle des Hannibal in "Manhunter" auftreten ließ war es Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer", der den Zuschauer gleichermaßen faszinierte und ihn das Fürchten lehrte. Charismatisch bis zum Anschlag und überaus intelligent ist sein Hannibal Lecter ohne jeden Zweifel der Böse in allen Filmen, in denen er mitspielt. Und doch ist er bei den Zuschauern beliebt, und immerhin tötet er ja für gewöhnlich nur diejenigen, die es auch verdient haben. Irgendwie. Dazu kommt seine wahrlich Gentleman-ähnliche Art im Umgang mit Clarice Starling. Wir alle wissen um die Gefahr, die von Serienmördern ausgeht, und normalerweise halten wir Abstand, weil wir vernünftig sind. Die Figur des Hannibal verringert diesen Abstand, denn ob man will oder nicht: seine Cleverness, seine ganze Art ist faszinierend. In der kürzlich abgesetzten Serie "Hannibal", die in immerhin drei Staffeln die Vorgeschichte von Hannibal Lecter ausbaute zieht der dänische Darsteller Mads Mikkelsen das Publikum ebenso in seinen Bann. Es scheint fast, als ob manche Dinge uns immer wieder ergreifen können. Dieser Kannibale gehört definitiv dazu.
© Columbia

Die Gesellschaft als Monster

Nun vergrößern wir das Feld ein wenig. Statt uns auf individuelle Mörder zu konzentrieren schauen wir uns ein paar Filme an, in denen man am Ende gerne alles auf die verkommene Gesellschaft schieben kann. Wie auch schon oben handelt es sich hier nur um eine kleine Auswahl, ihr seid wie immer herzlich eingeladen weitere Filme in den Kommentaren zu hinterlassen.

 
So Finster die Nacht - Tomas Alfredson, 2008

Zu dem Film hab ich sogar eine lustige Geschichte parat, denn als ich schwedisch in der Uni gelernt habe sollten wir als Hausaufgabe einen Film aussuchen, auf Schwedisch anschauen und ein Referat darüber halten. Zwischen zahlreichen Kinderfilmen starrte mich das Cover von "So finster die Nacht" an. Ich nahm ihn mit, erwartete einen Vampirfilm und wurde so richtig überrascht. Statt eines banalen Films mit einem Vampirkind bekam ich eine wundervolle Geschichte über Freundschaft präsentiert. Oscar, der Menschenjunge, wird in der Schule ziemlich hart gemobbt, und Eli, das Vampirmädchen, freundet sich mit ihm an. Als sie mitbekommt wie es ihm in der Schule ergeht greift sie ein. Doch an sich lebt die Geschichte von der Freundschaft der beiden, die auch nicht aufhört als Oscar erfährt, was Eli wirklich ist. Oscars Umfeld ist ein einziger Alptraum. Mobbing in der Schule, die Erwachsenen ignorieren ihn oder sind sowieso den ganzen Tag entweder betrunken oder mit sich selbst beschäftigt.
© MFA+
Er ist völlig allein, bis er auf Eli trifft, der es ähnlich geht. Geschickt werden hier Coming of Age Elemente mit eingebunden und wir kriegen einen sehr intensiven Blick auf die Probleme, denen sich auch junge Schüler schon stellen müssen. Ob man sich als Erwachsener automatisch nicht mehr an das eigene Mobbing in der Schulzeit erinnert? Ob die ganze Sache zum Erwachsenwerden dazu gehört, denn "früher hat mir das ja auch nicht geschadet und deswegen ist es in Ordnung?". Hier werden viele Fragen gestellt, und sie alle treffen ins Schwarze, wenn man bereit ist zuzuhören und genau hinzuschauen. Wer will kann sich auch das amerikanische Remake anschauen, mit dem Titel "Let me In". Für ein Remake ist es erstaunlich gut gelungen, doch die dichte Atmosphäre des Originals trägt wesentlich zu dessen Genialität bei.


The Cabin in the Woods - Drew Goddard 2011

 "Cabin in the Woods" wird vorrangig wegen seiner ziemlich schicken Meta-Ebene gefeiert. Die gängigsten Konventionen des Horrorfilms werden hier auf den Kopf gestellt und der Film macht da auch kein Geheimnis draus. Um die Zuschauer draußen zu unterhalten wird eine Gruppe junger Leute den Film hindurch am erfolgreich sein gehindert. Denn im Gegensatz zu den meisten jungen Leuten in Horrorfilmen sind bei "Cabin in the Woods" die Kids ganz und gar nicht dämlich. Da braucht es dann schon besonders hinterhältige Tricks um die Teenager im Wald zum Vögeln zu bringen. Der Schrei nach immer mehr und immer härterer Unterhaltung seitens des Publikums, also uns, wird hier erfolgreich vorgeführt. Auch die Drahtzieher innerhalb des Films müssen, ganz wie auch Regisseure die sich im Horrorgenre versuchen, immer mehr und immer härteres Zeug bieten, damit wir noch zufrieden sind. "Cabin in the Woods" ist auf viele Arten Meta, aber diese ist durchaus die interessanteste, denn sie sagt eine Menge über uns, die wir zuschauen wollen, aus.
© Universum

28 Days Later - Danny Boyle 2002

Wer hier schon ein bisschen länger mitliest dürfte mitbekommen haben wie sehr ich Danny Boyle mag. Alle anderen finden hier ein kleines Special über ihn. Mit "28 Days Later" zeigt Boyle nicht nur effektiv den Horror der mit dem Ausbruch eines tödlichen und hochgradig ansteckenden Virus einhergeht. Wir sind auch in der ersten Reihe dabei wenn es darum geht dass die Menschen mal wieder ihre feinste Seite zeigen. Major Henry West hat sich seine eigene Militärblockade aufgebaut, und was zunächst Sicherheit verspricht offenbart sich rasend schnell als die wirklich hässlichste Seite des gesellschaftlichen Zerfalls. Männer werden ohne mit der Wimper zu zucken exekutiert. Frauen dienen als sexuelle Sklaven für die ausgehungerten Soldaten, denn irgendwie müssen die ja bei Laune gehalten werden.
© 20th Century Fox
Sicher, die Infizierten sind gruselig. Aber der Missbrauch einer Machtposition ist der wahre Schrecken innerhalb dieses Films. Dazu gesellt sich die im Film portraitierte Unterdrückung von Minderheiten. Der Film spielt in England, alle Hauptfiguren sind aber Außenseiter die außerhalb von London leben. Drei der vier Hauptfiguren sind leicht als Iren auszumachen, die vierte (Selena) ist farbig. Der Zombie, der zu Forschungszwecken auf der Terrasse angekettet ist (wobei vorher im Film schon deutlich wird dass er allein der Unterhaltung dient) ist ebenfalls farbig, und West redet ausführlich über seinen nicht mehr vorhandenen Wert, da er kein Teil der arbeitenden, wertvollen Gesellschaft mehr sein kann. "28 Days Later" lädt also zum Nachdenken ein und lässt sich auf viele verschiedene Arten "lesen", doch sie alle streifen irgendwann die Gesellschaft in ihrem Verhalten und ihren Auswirkungen.

Frankenstein - James Whale 1931

Die Kreatur, die Viktor Frankenstein erschafft ist in vielerlei Hinsicht ein Erzeugnis ihrer Umgebung. Da wäre zunächst die Erschaffung selbst durch den neugierigen Frankenstein. Dieser versteht dann seine Kreatur auch gleich völlig falsch, und dann wäre da noch Fritz. Der geht gerne mal mit Feuer auf das Wesen los und erschreckt es bei jeder Gelegenheit. In gewisser Hinsicht ist er wie ein Vater, der sein Kind sträflich vernachlässigt. Statt sich um das Wesen zu kümmern und ihm Dinge beizubringen verstößt er es. Dass die Leute im Dorf dann ebenfalls auf die Kreatur losgehen ist auch nicht hilfreich. Bereits in Mary Shelleys Roman werden diese Tendenzen aufgegriffen. Zuletzt hat sich vor allem die Serie "Penny Dreadful" eingehend mit der Frankenstein-Thematik beschäftigt. Auch hier vernachlässigt Viktor seine erste Kreatur sträflich, diese zieht hinaus in die Welt und muss sich selbt beibringen, wie man lebt und überlebt. Auch hier kommt der Wunsch nach Rache auf, und seine Unfähigkeit wird immer mehr zum Problem für Dr. Frankenstein. In allen Versionen der Geschichte verbirgt sich ähnliche Kritik. Frankenstein verstößt seine Kreatur, auch weil er ihren Anblick nicht ertragen kann. Diese Oberflächlichkeit begegnet uns auch heute noch viel zu oft. Auch das fehlende Mitgefühl für die Kreatur, die ihrerseits ja zunächst auch anderen hilft (und dafür nur Ablehnung erfährt) erweist sich als Problem. Frankenstein ist nicht in der Lage das Wesen zu lieben, welches er selbst erschaffen hat. Die Ablehnung und Demütigung durch andere erschafft ein Monster und sichert Frankenstein selbst den höchsten Fall: von einem der alles hatte zu einer Person, die alles verloren hat.
© Universal


Und jetzt seid ihr dran: welchen menschlichen Killer findet ihr besonders furchteinflößend? Welche Filme in diese Richtung könnt ihr empfehlen, was habt ihr hinzuzufügen? Was hat euch gefallen, was eher nicht? Die Kommentare sind in jedem Fall der richtige Ort für euch :)

Horrorctober Special #2: Ist der Horrorfilm am Ende?

Ja ok, die Überschrift mag ein bisschen polemisch gewählt sein. Denn wenn man sich umguckt, dann erscheinen ja doch sehr viele Horrorfilme. Manche schaffen es ins Kino, viele landen direkt im Heimkino, aber für gewöhnlich hat man eine doch recht große Auswahl. Diese Woche möchte ich ihm Rahmen des Horrorctober einen Blick auf all die Dinge werfen, die im Horrorfilm meiner Meinung nach falsch laufen. Geht mal kurz in euch und überlegt: wann hat euch ein Film das letzte Mal so richtig schockiert? Wann habt ihr euch zum letzten Mal so richtig gegruselt und wolltet zum Schlafen das Licht anlassen? Wann habt ihr in einer Gruppe im Kino so eine richtig heftige Mini-Massenpanik erlebt? 

Bei mir ist das schon eine Weile her. Ich hab mich letztes Jahr im Kino beim "Babadook" mit der Gruppe gegruselt, und das letzte Mal so richtig erschreckt habe ich mich Anfang des Jahres bei John Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt". Klar, wie die meisten falle ich gern auf Jumpscares rein, aber sind wir mal ehrlich: Nur weil die Musik plötzlich bis zum Anschlag aufgedreht ist und irgendeine hässliche Geisterfratze in die Kamera springt bedeutet das noch lange nicht dass man es mit qualitativ hochwertigem Horror zu tun hat. In diesem Special schauen wir uns gemeinsam an, was im Genre momentan so alles schief läuft. Dazu gibt es dieses Mal jede Menge Videos zur Veranschaulichung, aber Vorsicht: sie sind alle gruselig.

Jumpscares

Und da wären wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt an den meisten modernen Horrorfilmen. Die verdammten Jumpscares. Ehrlich, nichts, nicht mal 50 Liter Kunstblut in einer durchtrennten Halsschlagader sind so dermaßen faul und überstrapaziert wie Jumpscares. Nichts daran ist gruselig, man erschreckt sich nur. Man erschreckt sich aber für gewöhnlich nicht weil etwas besonders schlimmes passiert, sondern weil das Schema immer gleich abläuft: Es wird still, der Protagonist begibt sich in eine vorhersehbare Situation, und während die Musik in Sekundenbruchteilen irre laut wird taucht irgendwo ein Geist auf und grinst in die Kamera. Ist der Filmemacher besonders faul gibt es nicht mal einen Geist zu sehen, sondern es war nur ein Kind/Hund/Katze/Vogel. Das Herz schlägt kurz schneller, aber man hat schneller vergessen was passiert ist als man "Candyman" sagen kann. 
Großartiger Film, aber vor Jumpscares nicht sicher: "Evil Dead" © Sony
Das soll natürlich nicht bedeuten dass Jumpscares immer schlecht sind, keinesfalls. Vielleicht habe ich im Absatz vorher ein bisschen übertrieben. Es gibt reihenweise gut ausgeführte Jumpscares, die nachhaltig Eindruck hinterlassen. Aber sie sind super selten. David Fincher zeigt in "Sieben", wie man es richtig macht: Die Szene baut sich langsam auf, man wird in falscher Sicherheit gewogen, so dass der Schock umso tiefer sitzt. Offensichtlich besteht Spoilergefahr, aber hier könnt ihr euch die Szene ansehen: 

Wer gerne nach einem neueren Beispiel suchen will wird im ersten Teil der "Insidious" Reihe fündig. Ein Klick auf den Link bringt euch jeweils zum Video bei Youtube. Die Szene am Esstisch funktioniert so enorm gut, weil die Unterhaltung so lange läuft dass man nicht mehr davon ausgeht, dass nun noch ein Schocker folgt. Außerdem sieht der Dämon einfach verdammt gruselig aus. Auch Martin Scorsese beweist in "Shutter Island" wie man es richtig macht. Als Zuschauer hat man genug Zeit die Spannung aufzubauen, und ein gut ausgeführter Jumpscare lässt diese Anspannung niemals komplett weichen, sondern hält den Adrenalinlevel des Zuschauers erhöht. Erst am Ende des Films kann man sich nach einem letzten, großen Schocker erholen. Zu viele Jumpscares sorgen dafür dass die Zuschauer nach einer Weile abstumpfen und sich irgendwann gar nicht mehr erschrecken. Im schlimmsten Fall verlieren sie das Interesse am Film. Mir ging es zuletzt bei "Die Frau in Schwarz 2" so. Der erste Teil gefiel mir außerordentlich gut, er war atmosphärisch und auch angemessen gruselig. Doch Teil 2 lebt das Motto "laut, lauter, am lautesten" und hält dem Zuschauer alle drei Minuten unter zu lauter Musik eine Geisterfratze ins Gesicht. Um Sherlock zu zitieren: Langweilig!

Mieses Marketing

Machen wir weiter mit Horrorfilmen die ich verdammt gut fand, die aber von vielen anderen Zuschauer mit Enttäuschung aufgenommen wurden. Schauen wir uns schnell den Trailer für "Der Babadook" von 2014 an. Eure Aufgabe: denkt beim Anschauen des Trailers darüber nach, was ihr von dem so beworbenen Film erwartet:


"Der Babadook" wurde, wenn man sich so auf einschlägigen Seiten umschaut, von vielen Zuschauern so nicht erwartet. Über verschenkte Lebenszeit wird gemeckert, der Film ist nicht brutal und blutig genug und sowieso kein Horrorfilm, und die Protagonisten sind unsympathisch. Außerdem gibt es ja gar kein richtiges Monster. Und da offenbart sich das Problem von miesem Marketing. Sei es "der Babadook", Shyamalans "The Village" oder "Oculus" von 2014, all diese Filme wurden in der Werbung als Horrorfilme beworben, in denen mindestens ein Monster vorkommt. Dass "The Village" eher eine Liebesgeschichte ist, dass "Oculus" ganz wunderbar zeigt wie Kinder damit umgehen dass die Eltern komplett durchdrehen (statt den Spiegel einfach munter morden zu lassen) und dass "Der Babadook" ebenso ein psychologisches Portrait einer alleinerziehenden Mutter ist: völlig egal, denn das Publikum kam, um Monstergemetzel zu sehen. 

Weitergeführt wird diese Unart eigentlich nur dann, wenn man im Trailer schon den ganzen Film zu sehen bekommt. Ich gehe mal davon aus dass die Regisseure keinen oder wenig Einfluss darauf haben, was im Trailer zu sehen sein wird. Aber wenn der Trailer mir schon die halbe Geschichte verrät, oder in anderen Fällen sogar schon den Twist eines Films in seinen 2 Minuten unterbringt, wieso sollte ich mir dann überhaupt noch einen Film ansehen? Hier handelt es sich nicht mal um ein Problem, welches exklusiv für Horrorfilme besteht. 

Alternativ kommt es immer wieder vor, dass sich im Trailer Szenen befinden, die absolut ikonisch sind. Im fertigen Film sucht man danach vergeblich. Schauen wir uns den RedBand Trailer, also das explizitere Material, zum Remake von "Evil Dead" an. 

Damit da ja kein Zweifel aufkommt: ich liebe das Remake, es liefert wunderbare neue Ansätze, transportiert das Thema gut in die Neuzeit und es ist verdammt brutal. Doch ein paar Szenen haben es nicht in den Film geschafft, den man sich heute ansehen kann. Mias gruseliges "We're gonna get you" Gesinge fehlt, die Szene in der ihr Bruder mit der Kettensäge losmetzelt ist ebenfalls nicht im Film. Aus ihrem "cut it, cut it!" wurde im Film "Don't cut it". Kleinigkeiten, die spätestens mit dem Extended Cut der aus Versehen im UK lief behoben wurden, doch kaufen kann man den bis heute nicht. Wer sich näher für die satten 4:50 Minuten mehr interessiert darf sich gerne bei Schnittberichte umschauen. 

Zu viel, zu schlechte CGI

© United International Pictures GmbH
Ich will keinesfalls gegen CGI generell wettern. Ich bin im Allgemeinen froh über die technischen Möglichkeiten die dafür sorgen dass ich Dinge wie "Pacific Rim" im Kino erleben darf. Doch CGI kann auch ganz furchtbar daneben gehen. Zuletzt durfte sich beispielsweise Peter Jackson massive Schelte für seine "Hobbit" Reihe anhören, in der zu viele Dinge einfach zu künstlich aussahen. Und auch im Horrorfilm ist das ein Problem. Solang du nicht mit dem durchschnittlichen Budget für einen Porno arbeitest und Filme wie "Piranha 3D" machst, an denen jeder Spaß hat weil sie so besonders trashig sind, lass die Finger von zu viel Computerkram. Niemand braucht das x-te farblich entsättigte, gruselige kleine Mädchen mit langen schwarzen Haaren. Niemand braucht deinen absolut unrealistisch aussehenden Geist, der so abstrus konstruiert ist dass er nur billig wirken kann. Fast niemand braucht deine abertausend Liter blödes Kunstblut. Natürlich muss man hier auch einen Blick auf die Entstehungszeit des Films werfen. Filmen wie "Anaconda" von 1997 eine schlecht aussehende Schlange vorzuwerfen klappt nur bedingt, denn in den letzten 20 Jahren hat die Technik sich einfach enorm weiterentwickelt. Aber schon für die extrem billig aussehenden Viecher in "I am Legend" gibt es keine Entschuldigung mehr. Und 2013 brachte uns "Mama" ein weiteres Filmmonster, das die meisten Zuschauer vermutlich lieber aus ihrem Gedächtnis löschen würden. In den letzten Jahren sind die Möglichkeiten schier unermesslich groß geworden, und scheinbar fühlt sich nun jeder dazu berufen seine eigenen Alpträume am Computer entstehen zu lassen um dann die Zuschauer mit einer grafisch unterwältigenden Vision zu terrorisieren. Bereits "Alien" zeigte 1979 wie gruselig ein Xenomorph sein kann wenn ein Mensch in einem Kostüm steckt, und gegen den Terror den dieses eine, wirkliche Alien inspiriert kommen auch hunderte Aliens aus dem PC in den "Alien VS. Predator" Filmchen nicht an.

Schlagen wir den Bogen zurück zum "Evil Dead" Remake. Groß war die Angst, dass man sich in einem Effektgewitter wiederfinden würde. Und ja, "Evil Dead" ist voller Special Effects. Doch Regisseur Fede Alvarez wurde nie müde zu betonen, dass es sich nicht um computergenerierte Effekte handelt. Stattdessen arbeitete man mit Masken, mit allen möglichen Tricks. Wer sich dafür interessiert darf gerne hier einen Blick riskieren. Nun gibt es keine Garantie dass nicht doch irgendwo CGI im Film vorhanden ist, doch das kurze Video zeigt eindrucksvoll, was man alles ohne Computereffekte auf die Leinwand zaubern kann. 

Und 1982 zeigte John Carpenter eindrucksvoll mit "Das Ding aus einer anderen Welt", wie man ganz ohne Computereinsatz Kreaturen erschafft, die auch heute noch dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen:
Lecker! Carpenters "Das Ding aus einer anderen Welt" © UIP
Kein Wunder dass Rob Bottin, damals erst 23 Jahre jung, nach über einem Jahr Arbeit an den Monstern im Film erstmal eine Pause machte. Vielleicht mögen die Effekte auf CGI-verwöhnte Zuschauer seltsam wirken, ein bisschen zu feucht und zu offensichtlich als cleveren kleine Maschinchen, die sie nun mal sind. Doch es sind handgemachte Effekte, und als solche sind sie eindrucksvoller als alles, was ein Computer erschaffen könnte. 

Auch sonst gibt es natürlich Horrorfilme, die heutzutage produziert wurden und nicht auf Effekte setzen. Zu Recht über alle Maßen gelobt wurde dieses Jahr "It Follows", der nicht nur im Horrorgewand eine ganz wunderbare, angsterfüllte Coming of Age Geschichte erzählt, sondern auch mit minimalem Einsatz einer konkret greifbaren Monstrosität arbeitet. Was uns zum Abschluss des Artikels bringt, denn: 

"Wir sind hier nicht in Vietnam. Es gibt Regeln."

Kann nicht machen was es will: Das Monster in: "It Follows"© Weltkino
Bleiben wir bei "It Follows". Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen, die ihr großes böses Monster bis zum Ende aufsparen kriegen wir hier schon sehr früh einen Einblick in die Art und Weise wie das Monster funktioniert. Wir lernen schnell wie es übertragen wird, wir wissen was es kann und was es nicht kann. Selbst wenn wir es nicht wollen würden, wir fiebern automatisch mit, überlegen ob die Protagonisten in einer Situation sicher sind und können das sofort abgleichen. Im Gegensatz dazu gibt es zu viele Filme die ihrem Antagonisten einfach keinerlei Regeln auflegen. Monster, die im wahrsten Sinne des Wortes Alles können sind langweilig. Man rechnet permanent mit ihnen, und zu oft resultiert die ganze Chose dann wieder in Jumpscares oder mutmaßlichen Last-Minute-Schockern. Gleichzeitig ist es enorm cool wenn man ein Monster den ganzen Film über beobachten kann, statt es bis zum Ende aufzusparen. Es bietet die Möglichkeit, kreativ zu werden und mit der Prämisse zu spielen, und wenn Horror als Genre eines vertragen kann, dann Kreativität. 

Und wie soll es weitergehen?

Tja, gute Frage. Wünschenswert wären natürlich mehr innovative Horrorfilme. Horrorfilme die nicht nur aus lauter Musik und Geisterfratzen bestehen, die in die Kamera springen. Horrorfilme die mit Sinn und Verstand die Aspekte des Lebens betrachten, die wirklich gruselig sind. Denn kaum ein Genre ist so vielseitig wie Horror, und doch werden gerade hier immer und immer wieder Chancen so richtig in den Sand gesetzt. Doch natürlich kann keine Rede davon sein, dass der Horrorfilm am Ende ist, denn hin und wieder erscheinen ja doch Filme, die innovativ sind, die uns das fürchten lehren und die das Genre mit neuen Impulsen versorgen.

Und jetzt seid ihr dran: Was nervt euch am meisten an Horrorfilmen? Welche Filme umschiffen die größten Fehler des Genres weitläufig und sind so richtig, richtig gruselig? Welchen Aspekt des Genres würdet ihr nächste Woche gerne lesen? Schreibt es in die Kommentare!

Horrorctober Special: Frauen im Horrorfilm

Kreischen, rennen, sterben? Frauenbilder im Horrorfilm

Besonders im englischen Sprachgebrauch ist der Begriff der Trope mittlerweile nicht mehr nur für Literatur, sondern auch für klischeebehaftete, wiederkehrende Rollen in Film und TV geläufig. Sozusagen ein anderes Wort für Stereotyp. Die meisten, wenn nicht alle Film- und Serienfiguren lassen sich in mindestens ein Schema pressen. Sei es der kernige Actionheld, der nur in Einzeilern kommuniziert oder der Komapatient, der nach einer Epidemie im Krankenhaus aufwacht: sie alle kommen in ihrem Grundprinzip aus einem Baukasten, und je nach Kreativität des Schreibers hinter der Figuren erwachen sie mehr oder weniger überzeugend zum Leben.

Nun ist es ja nicht so, dass Männer und ihre vielseitigen Tropen mich nicht interessieren. Aber wenn man nur einen ganz groben Blick über Horrorfilme wirft, dann könnte man schnell mal auf die Idee kommen dass weibliche Figuren nicht besonders gut wegkommen. Entweder rennen sie halbnackt vor einem Killer davon oder sie sind besessen. Welche Möglichkeiten außer Kettensägenfutter und außer Kontrolle geratener Dämonenhülle gibt es für Frauen im Horrorfilm? Nachfolgend stelle ich euch drei der gängigsten Klischees vor, untermauert mit zahlreichen Beispielen. Am Ende widme ich der Mutterrolle im Horrorfilm noch ein oder zwei Absätze, denn die hat sich eine gesonderte Betrachtung durchaus verdient. 

Das "final girl"

  Laurie aus "Halloween" ©Warner-Columbia
Jeder von uns kennt diesen einen Horrorfilm. Eine Gruppe Teenager wird von irgendeinem Killer heimgesucht. Die meisten stellen sich nicht besonders klug an, und das fröhliche Metzeln kann beginnen. Doch am Ende bleibt "sie" übrig. Oft ist sie dunkelhaarig, und sie ist auf jeden Fall klüger als der Rest der Gruppe, wie sich im Verlauf des Films herausstellen wird. Höchstwahrscheinlich ist sie auch moralisch über den Rest der Gruppe erhaben. Sie trinkt nicht, raucht nicht, und im Idealfall ist sie Jungfrau. Jungfräulichkeit ist ein begehrenswertes Attribut im Horrorfilm, denn Killer (meistens männlich) haben unwissentlich irgendwie Respekt davor. Das final girl lehnt sich dann am Ende gegen den Killer auf, konvertiert kurzzeitig vielleicht sogar zur Actionheldin und macht dem messerschwingenden Grobian den Gar aus.

Zum ersten Mal verwendet wurde der Begriff von Carol J. Clover in ihrem 1992 erschienenen Buch "Men, Women, And Chain Saws: Gender In The Modern Horror Film". Gibt es ein Sequel, dann hat das final girl aus dem Vorgänger eine recht hohe Chance darin umzukommen. Das final girl ist eine komplizierte Angelegenheit, denn man kann trefflich darüber streiten ob es sich nun um eine emanzipierte Figur handelt oder um eine männlich geprägte Wunschvorstellung. Abstinenz, Jungfräulichkeit, Bescheidenheit: all das sind Qualitäten die, so macht es zumindest den Anschein, gesellschaftlich geschätzter sind. Andererseits lässt sich nicht leugnen dass man geschärftere Sinne hat, wenn man nicht mit 2 Promille in der Ecke liegt. Indem man der weiblichen Figur Attribute wie Intelligenz und Wachsamkeit, also ganz traditionell männliche Attribute, zuschreibt, findet auch eine gewisse De-Sexualisierung statt.

  Mia aus "Evil Dead" © Sony
Das final girl ist bei genauerer Betrachtung außerdem eine Mischung aus verschiedenen anderen Stereotypen. Sie besitzt Anteile der Heldenfigur, wenn sie sich am Ende gegen den Killer stellt. Sie geht als das niedliche Mitglied der Gruppe durch, das sich oft mit prä-pubertären Themen beschäftigt. Gewissermaßen ist sie stellenweise auch die Jungfrau in Nöten, die am Ende ihre Rettung einfach selbst in die Hand nimmt. 

Komplizierter wird es da schon wenn man das Publikum betrachtet. Aus diversen Gründen scheint man immer noch davon auszugehen dass das Publikum für Horrorfilme größtenteils männlich ist, dementsprechend wird produziert. Nun kann man annehmen dass es dem größtenteils männlichen Publikum absolut nicht zuzumuten ist einen männlichen Mann in einer Gefahrensituation in Panik geraten zu sehen. Panik ist einfach so unmännlich, und Männer wollen dies nicht auf der Leinwand sehen. Andererseits forciert das final girl den Zuschauer, auch den männlichen, sich in eine angsterfüllte Frau hineinzuversetzen und den Terror aus ihrer Perspektive zu erleben. Inwieweit sich in diesem Fall aber vom so genannten "männlichen Blick", dem die Frau sich im Film zu unterwerfen hat, losgelöst wird ist fraglich. Denn das voyeuristische, oftmals unterstützt durch wenig/freizügige Bekleidung der Protagonistin, wird nach wie vor bedient.

 

Das "final girl" im Film

Direkt vorweg: da es sich um eine Klischeefigur handelt die am Ende des Films vorkommt lassen sich in diese Abschnitt Spoiler nicht vermeiden. Ihr wurdet hiermit gewarnt.
Stellt das Genre auf den Kopf: "Buffy" © The WB
Es gibt mehrere Möglichkeiten für ein final girl. "Halloween" und seine zahlreichen Fortsetzungen beherbergen fast immer ein final girl, Jamie Lee Curtis überlebt in der Rolle der Laurie ziemlich viele Teile. In "House of Wax" entkommt Carly am Ende. "Alien" ist eine Art Sonderfall, denn die Figuren wurden neutral geschrieben, Ripley hätte ebenso gut ein Mann sein können. Im Remake von "Evil Dead" überlebt am Ende Mia dort, wo im Original Ash (Bruce Campbell) die Flucht gelingt. "Buffy" hingegen ist eine lupenreine Subversion des Klischees. Auch wenn sie über gewisse Kräfte verfügt ist sie blond (Killer lieben blonde Frauen!), geht feiern, hat Sex, ist durchaus auch mal mädchenhaft und attraktiv. In der gleichen Serie passt Willow recht gut in die Schablone des klassischen Final Girls. Ebenfalls als Subversion geht "Hostel 2" durch, dort wird die tugendhafte Jungfrau spezifisch wegen dieser Eigenschaften als erste ermordet, während das final girl sich als ebenso skrupellos wie die anderen Killer herausstellt. Tja, der Hölle Rache kocht wohl in so manchem Herzen. Amanda aus der "Saw" Reihe fällt ebenfalls unter die Subversionen.

Der dämonische Wirt

Ein Spezialfall für besonders eifrige Exorzisten. Wie jeder weiß sind Dämonen ganz schön faule Zeitgenossen, die es sich gerne einfach machen. Wie gut dass es das schwache Geschlecht, also Frauen, gibt. Frauen haben scheinbar nicht die gleiche Disziplin und Willenskraft wie viele Männer, deswegen sind sie leichte Beute. Oder könnt ihr spontan eine Handvoll Exorzismusfilmchen aufzählen, in denen die besessene Person männlich ist? Gut, ich nämlich auch nicht, aber falls ihr welche kennt: packt sie bitte in die Kommentare, denn ich bin neugierig. Manche Frauen sind aber nicht nur mal eben so von Dämonen besessen, sondern dürfen auch noch als Brutkasten herhalten und die dämonische Nachkommenschaft austragen. Da wird aus der oftmals seelisch so wie körperlich sowieso schon fordernden Schwangerschaft schnell mal der pure Horror.

Devil's Due © 20th Century Fox
Während es in Sachen Feminismus also deutlich in die Richtung der freien Frau ging schlug eine gewisse Horrorsparte die gegenteilige Richtung ein. Die schwache, zur Hysterie neigende Weiblichkeit öffnet Tür und Tor und somit den Körper für böse Mächte, ist gierig, kopuliert mit Dämonen, bringt Schande über die Sippe und weiß der Geier. Besser, man treibt das fiese Höllengetier schnell mal aus dem Weibe aus. Was seinerzeit die Kirche übernahm ging dann später nahtlos in den Teil der Wissenschaft über, die sich mit der Hysterie auseinandersetzte. Bereits in der Antike nahm man vielerorts an, dass die Gebärmutter bei zu wenig Kontakt mit Sperma Amok läuft, sich auf den Weg durch den Körper macht und schließlich am Gehirn kleben bleibt, wo sie ihre Trägerin in den Wahnsinn treibt. Und nein, es handelt sich bei diesem Satz nicht um einen bösen Scherz. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein verheiratete man junge, hysterische Frauen, um sie zu kurieren. War frau schon unter der Haube, so kümmerte sich ein Arzt darum sie manuell zum Orgasmus zu bringen, damit sie sich entspannt. Da dies bald anstrengend wurde erfand man Hilfswerkzeuge wie Vibratoren. Dass damals kein Konzept des weiblichen Orgasmus bekannt war, oder zumindest medizinisch anerkannt war dürfte nicht verwundern. Nun ließe sich trefflich darüber debattieren inwieweit Frauen dies begrüßten oder sich mit der oft aufgezwungenen Behandlung unwohl fühlten.

 

Der "dämonische Wirt" im Film

Hier kann man eigentlich jeden Film aufzählen in dem ein Exorzismus an einer Frau oder einem Mädchen durchgeführt wird. "Der Exorzist", "Der letzte Exorzismus", "Der Exorzismus der Emily Rose"... ihr merkt worauf ich hinaus will. Filme wie "Das Omen" oder "Rosemary's Baby" präsentieren eindrucksvoll wie Frauenkörper von dämonischen Mächten oder gleich dem Satan persönlich benutzt werden, um fiese, übernatürliche Kinder auszutragen. Im Gegensatz zum final girl, bei dem man wenigstens noch darüber diskutieren kann ob es sich um ein irgendwie feministisch interpretierbares Klischee handelt ist der dämonische Wirt einfach nur ätzend.
"Der Exorzist" © Warner Bros.
Scheinbar reizt der immer wiederkehrende Dämon, der ein möglichst junges und unschuldiges Mädchen für sich in Anspruch nimmt aber entweder das Publikum, oder die Drehbuchautoren haben Freude an dieser immer wiederkehrenden Erzählung. Das Muster in diesen Filmen ist dabei stets das gleiche. Ein junges Mädchen wird in Besitz genommen. Es finden unnatürliche Verrenkungen statt, auf die jeder langjährige Yoga-Praktizierende neidisch blicken darf. Die Sprache wird vulgärer, oft kommt ein überhöhter Sexualtrieb zum Vorschein. Wir alle erinnern uns lebhaft an die Szene aus "Der Exorzist", in dem das Mädchen sich wiederholt ein Kreuz in die Scheide rammt. Ein unschuldiges Mädchen, welches zu abscheulichen Dingen gezwungen wird. Könnte auch die Beschreibung eines Pornos sein. Am Ende wartet die Erlösung von dem Bösen oftmals durch die fachkundige Hand eines Mannes. 

Die "böse, dämonische Verführerin"

  "Jennifer's Body" © 20th Century Fox
Wir alle kennen sie. Sie taucht in einem beliebigen Film auf, und verdammt, die Lady ist heiß! Endlos lange Beine, die Lippen sind leicht geöffnet, sie geht ein bisschen langsamer und jeder ihrer Schritte sagt dir: pass auf, ich bin gefährlich, aber ich will dich! Was man in der normalen Welt als Femme Fatale kategorisieren würde wird in der Welt des Übernatürlichen zur "dämonischen Verführerin". Sei es ein Vampir, ein Cyborg, ein Alien, völlig egal, das Muster ist immer gleich. Sie nutzt gezielt ihre weiblichen Attribute um Männer um den Finger zu wickeln, sie zu benutzen, und meistens endet das für den Mann tödlich. Jetzt werden vermutlich einige sagen "Ja, und? Ist doch cool, die Dame nimmt sich, was sie will, und wenn der Typ so doof ist, selber schuld!". Was ist also an der weiblichen Sexualität als Waffe so gefährlich? Leider ist der Anteil der Zuschauer, die Gesehenes im Film nicht ausreichend reflektieren recht hoch. Schaut man nun in die einschlägigen Boulevardblättchen findet man häufig Geschichte um beliebige Damen, die so dreist sind von ihrem Exmann Unterhalt zu fordern, die eine Stelle nur bekommen haben weil sie Brüste mit sich herumtragen, und so weiter. Frauen werden auf ihre sexuellen Reize reduziert, und die dienen nur dazu Männer zu manipulieren. Mit dieser Klischeerolle schlägt man also gleich zwei Fliegen. Der Zuschauer bekommt eine hübsche Frau, die er begaffen kann. Gleichzeitig kann er sich über sie ärgern, denn sie ist ja so wie alle Frauen in ihrem Inneren sind: manipulativ, verdorben, nur auf ihren Vorteil aus. Auch für weibliche, leicht beeinflussbare Zuschauer tun sich an dieser Stelle Probleme auf, denn wenn man aus allen Ecken eingetrichtert bekommt dass die eigene Sexualität nur als manipulativ wahrgenommen wird könnte man durchaus zu Komplexen gelangen. Denn keine der Figuren, die in dieses Klischee fallen hat Sex aus Spaß an der Sache. Und vom Einfluss der Gesellschaft können sich vermutlich die wenigsten von uns völlig freisprechen. Der häufig bei irgendwelchen Sexskandalen geäußerte Vorwurf der "honeytrap" untermauert dies.
  "Bram Stokers Dracula" © Columbia Tristar

Die "böse, dämonische Verführerin" im Film

In der jüngsten Filmgeschichte dürfte da vor allem Megan Fox in "Jennifer's Body" auffallen.1995 trieb Natasha Henstridge ihr Unwesen in "Species", wo sie das Verhalten der Frauen um sich herum kopierte. Keanu Reeves fällt in "Bram Stokers Dracula" den Bräuten des Vampirfürsten zum Opfer. Selbst bei "Buffy" ist man vor der dämonischen Verführerin nicht sicher, Xander trifft es sogar mehrmals. Immerhin bemerkt er das aber selbst und kann es zynisch kommentieren. Doch auch außerhalb des Horrorfilms kommt diese Figur vor. Die Meerjungfrauen in "Fluch der Karibik 4", aber manchmal auch Mystique aus den "X-Men" Filmen fallen in dieses Schema. 

Eine Sonderrolle - Die Mutter im Horrorfilm

"Carrie" © Sony
Eine ganz eigene, sehr diverse Rolle spielen Mütter im Horrorfilm. Wie auch sonst so oft in der Gesellschaft werden sie meistens extra gezählt, denn für die bisherigen Stereotypen kategorisiert man sie einfach als zu alt ein. Über die Unfairness dahinter könnte man trefflich einen eigenen Artikel füllen. Konzentrieren wir uns also auf den Horrorfilm. Von der alles überschattenden Mutterpräsenz in "Psycho" bis hin zum absoluten Wahnsinn den die Mutter von "Carrie" verkörpert, auch hier finden sich stereotyp angelegte Figuren. Pamela Vorhees beweist in "Freitag der 13." wie man als Mutter mal so richtig ausflippt. Als Beispiel für eine heldenhafte Mutter könnte man Wendy aus "The Shining" heranziehen, eine Mutter die zuerst ihre Kinder in Sicherheit bringt um sich dann dem Bösen zu stellen. Ihr merkt schon, das sind jeweils sehr einseitige Bilder, die entweder stark positiv oder eben sehr stark negativ gefärbt sind. Heldin oder Böse, dazwischen scheint es für Mütter nicht viel zu geben.

Ein komplexeres Bild der Mutterschaft zeichnet Jennifer Kent in "The Babadook". Während heutzutage oftmals von Frauen in der Mutterrolle absolute Perfektion erwartet wird sehen wir hier eine Mutter, die mit dieser Rolle einfach überfordert ist. Anfang des Jahres trendete das Hashtag #RegrettingMotherhood, und zahlreiche Mütter äußerten sich und gaben zu, dass Muttersein eben nicht immer nur zauberhaft und toll und einfach ist. Einige stellten fest dass sie vom heutigen Standpunkt aus keine Kinder mehr haben wollen würden. Der Aufschrei war entsprechend groß, aber wer sind wir, dass wir Müttern vorschreiben wollen wie sie sich zu fühlen haben? 

"The Babadook" © Capelight
Zurück zum Babadook. Mit dem Unfalltod ihres Mannes, der auf den gleichen Tag wie die Geburt ihres Sohnes fällt, hat Amelia schon vor den übernatürlichen Ereignissen rund um ihren Sohn eine Abneigung gegen eben diesen entwickelt. Sam ist darüber hinaus, wie vermutlich die meisten Kinder, nicht rund um die Uhr freundlich, friedlich und leise. Das ist keinesfalls verwerflich, Kinder haben oft eine blühende Fantasie und müssen ein Gespür für das Ticken der Erwachsenenwelt auch erst einmal lernen. "The Babadook" scheut sich nicht, diese Diskrepanz aufzuzeigen, und als Zuschauer ist man zwischen Mutter und Sohn hin und her gerissen, denn man fühlt mit beiden mit. Und eine gute Portion des Horrors, der diesen Film ausmacht kommt von einer Mutterrolle, die so nachvollziehbar ist, uns Zuschauer aber mit unserer überhöhten Erwartung an die Mutterfunktion konfrontiert. Wir erwarten, dass Mütter ihre Kinder bedingungslos lieben, egal wie stressig sie sind, egal wie laut und nervig sie sind, egal was sie anstellen. Hier wird diese Erwartung gebrochen, wird gezeigt dass auch Mütter in erster Linie Menschen sind.

Kennt ihr weitere Klischeerollen in Horrorfilmen? 

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