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gesehen: Pirates of the Caribbean: Salazars Rache

© The Walt Disney Company Switzerland GmbH

Story


Als der grausame Captain Salazar (Javier Bardem) mit seiner untoten Besatzung aus dem Teufelsdreieck entkommt, sinnt er auf Rache und schwört, alle noch lebenden Piraten auf See zu töten – allen voran Captain Jack Sparrow (Johnny Depp). Hilfe kommt aus unerwarteter Richtung.

gesehen: Vaiana

© Walt Disney

Story


Die temperamentvolle und eigenwillige Vaiana ist von Geburt an mit einer einzigartigen Verbindung zum Ozean gesegnet. Mutig setzt sie die Segel und macht sich zusammen mit dem selbstverliebten Halbgott Maui auf die Suche nach den Geheimnissen ihrer Vorfahren. Ihr Weg birgt jede Menge aufregende Erlebnisse und Begegnungen mit den verrücktesten Kreaturen und führt Vaiana letztlich nicht nur auf die Spur ihrer Ahnen, sondern auch zu sich selbst!

Filmkritik: Alles steht Kopf

© Pixar
Jedes Mal wenn ein neuer Film von Pixar erscheint toben sich die meisten Zuschauer aus und ordnen ihre Rangfolge der besten Filme vom Studio mit der Lampe neu an. Und während Pixarfilme, die sich tatsächlich um Menschen drehen, wie beispielsweise "Merida", immer noch sehr schön anzuschauen sind brilliert das Studio vor allem dann, wenn es uns die Sicht auf etwas anderes ermöglicht. Was wäre, wenn Spielzeug Gefühle hätte? Was wäre, wenn Autos sprechen könnten, wenn Fische nicht nur stumm im Meer unterwegs sind? Eine der größten Stärken des Studios ist es dann auch, sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen anzusprechen. Dass man formal Disney untersteht schimmert ebenfalls durch, dennoch lässt sich sicher sagen: Pixar ist weitaus mutiger als das Haus mit der Maus es vorgeben würde. Da wird dem Publikum auch gerne mal ein kleiner Roboter vorgesetzt und gut 50 Minuten kein Wort auf der Leinwand verloren. Da ist die Vorgeschichte zum eigentlichen Film, in dem ein Paar sich kennenlernt und viele Jahrzehnte später feststellen muss dass es zu spät für all die geplanten Abenteuer ist, dermaßen ergreifend dass die Durchschnittlichkeit des restlichen Films komplett von den ersten 15 Minuten überschatten wird. Und nun folgt mit "Alles steht Kopf" der neueste Geniestreich und, wenn ich das mal so vorwegnehmen darf, der in meinen Augen beste Film, den Pixar bisher produziert hat. Wieso das so ist? Lest weiter und findet es heraus. 

Story: Im Kopf der elfjährigen Riley geht es turbulent zu. Fünf Emotionen, verkörpert durch kleine Figuren, versuchen sie durch ihren Alltag zu leiten. Freude möchte, dass es ihr immer gut geht. Ekel bewahrt Riley vor körperlichen und mentalen Vergiftungen, Angst passt auf dass es nicht zu gefährlich wird, und Wut ist vor allem auf Gerechtigkeit aus. Nur Kummer weiß nicht so recht, was ihre Aufgabe ist, und die anderen Emotionen halten sie so oft es geht vom Kontrollpult fern. Als Riley mit ihren Eltern umziehen muss und Freude und Kummer durch ein Unglück mit ein paar wichtigen Erinnerungen verschwinden beginnt eine Reise durch die Gefühlswelt, von der vieles abhängt. Die Kernerinnerungen müssen zurückgebracht werden, die Emotionen müssen lernen im Team zu arbeiten um Riley zu helfen und aus den abgelegenen Winkels ihres Gehirns, wie beispielsweise dem Langzeitgedächtnis, zu entkommen.
Die Emotionen in der Schaltzentrale © Pixar
Kritik: Vorrangig wird der Film durch die Trailer als Komödie verkauft. Das ist, in meinen Augen, eine der größten Fehlleitungen der letzten Jahre. Sicher, "Alles steht Kopf" ist für ein paar Lacher gut. Kleine Kinder die keinen Broccoli essen wollen und dann nur durch ein "Flugzeug" wieder beruhigt werden können, kennen wir alles schon. Der für Pixar typische Humor der sowohl kleine Kinder, Jugendliche und Erwachsene, oft gleichzeitig durch vielschichte Szenen, anspricht, ist vorhanden. Und doch schimmert auch hier schon durch, was dann später immer deutlicher wird: "Alles steht Kopf" zapft im großen Stil die Erinnerungen an, die so ziemlich jeder Zuschauer an seine eigene Kindheit hat. Wir hatten imaginäre Freunde, wir haben uns die abgedrehtesten Sachen einfallen lassen und Spielzeuge mit Leben erfüllt. Aber es gab auch schwierige Zeiten. Wenn man umziehen musste, dann wurde man aus seinem Umfeld gerissen. Freundschaften zerbrachen, man war allein, fühlte sich isoliert, man hat Heimweh. Darüber mit den eigenen Eltern zu reden war schwierig, weil man nicht wusste was man beschreiben soll. Und viele Eltern sind ebenfalls nicht in der Lage ihren Kindern verständlich zu machen, wieso manche Dinge eben passieren. Es ist als ob eine Barriere zwischen beiden wäre, und am Ende bleiben leere, tröstende Worte. Eine ganz alltägliche Situation, die so jeden Tag irgendwo auf der Welt vorkommt, und die so banal erscheint dass man denken würde, man müsse nicht darüber reden. Und genau hier setzt "Alles steht Kopf" an. 

Wenig erfreuliches Abendessen mit der Familie © Pixar
Schauen wir nochmal "Oben" an, der übrigens vom gleichen Regisseur wie dieser Film hier stammt. Die ersten 15 Minuten des Films hinterließen einen enormen Eindruck beim Publikum, denn sie reduzierten eine langjährige Ehe auf wenige Schlüsselmomente. Schlüsselmomente, die unser weiteres Leben definieren, die unsere Entscheidungen beeinflussen und uns formen. "Alles steht Kopf" nimmt sich dieser Prämisse an, fokussiert sich aber auf einen ganz entscheidenden Moment im Leben: den Übertritt von der Kindheit in die Jugend. Es ist ein aufwühlender Prozess, einer an den man sich erinnert, einer von dem die Eltern einem Jahren später noch erzählen, denn man war schrecklich. Stimmungsschwankungen die man nicht erklären kann, eine Miniversion einer manisch-depressiven Phase die über Jahre immer wiederkommt. Pubertät ist das reinste Chaos, und eigentlich bleibt am Ende nicht viel mehr als das ganze auszusitzen. Riley befindet sich in dieser Phase, und weil das allein nicht stressig genug ist kämpft sie mit den Folgen des Umzugs in die Großstadt. Die Eltern sind ihr keine Hilfe, denn niemand im Film weiß, wie man diese Dinge bespricht. Es ist eine bedrückende Hilflosigkeit, die sich auf beiden Seiten wiederfindet, hier ist jeder mit jedem und vor allem mit den ungewohnten Emotionen, die empfunden werden, überfordert.

Dabei hat man es hier mit zwei Welten zu tun. Während bei Pixar oft abstraktes im Vordergrund steht geht es hier sehr figurativ zu. Die Außenwelt, in der Riley sich bewegt, entpricht exakt unserer eigenen. Hier passiert nichts, was nicht absolut alltäglich wäre. Und auch in Rileys Kopf sind die Figuren, die Landschaften, die einzelnen Bestandteile letztlich Repräsentationen von Gefühlen jeder Art. Seien es die tatsächlichen Emotionen, die als antropomorphe Wesen für Ordnung sorgen wollen, oder ein Wald aus Broccoli, den man lieber nicht betreten will: all diese Faktoren lassen "Alles steht Kopf" außergewöhnlich wirken. Weniger wie einen Abenteuerfilm, sondern mehr wie eine Art Traum, den man nur schwer greifen kann. Ein Traum, der sich permanent verändert und wächst, bei dem ganze Teile plötzlich verschwinden können und wo längst vergessenes wieder an die Oberfläche treten kann. Am Ende geht es darum, dass keine Emotion für sich allein stehen kann, dass es in Ordnung ist nicht immer fröhlich zu sein. Es wird betont, dass eine einzige Erinnerung Platz für mehr als nur Trauer oder Freude bieten kann und sollte, und dass nichts daran falsch ist diesen Emotionen freien Lauf zu lassen. 

Freude unterwegs im Langzeitgedächtnis © Pixar
Und hier verbirgt sich dann auch die größte und wichtigste Botschaft, die dieser Film übermittelt. Uns wird für gewöhnlich in Ratgebern und von anderen Leuten eingetrichtert, dass wir unsere Gefühle jederzeit kontrollieren können, dass es nur an uns und unserer Willenskraft liegt und wir uns nur entscheiden müssen, glücklich zu sein. "Reiß dich zusammen, wenn dich jemand beleidigt dann vergib ihm und du wirst zufrieden sein". Vielleicht haben wir keine Kontrolle über unsere Gefühle, aber wir können entscheiden, wie wir mit unseren Emotionen umgehen wollen. "Alles steht Kopf" verzichtet auf diese frustrierenden Ratschläge. Der Film akzeptiert die Tatsache, dass seine Protagonistin zutiefst traurig und vor allem einsam ist. So wie einige Erinnerungen in einem tiefen Abgrund gefangen sind, so ist Riley in ihrem eigenen, traurigen Tal gefangen. Und wir alle wissen: da gibt es keinen magischen Knopf den man drücken kann um auf einen Schlag glücklich zu sein. Das herauskämpfen aus einer Depression ist ätzend, es dauert, es gibt Rückschläge, es ist alles andere als einfach. In diesem Film wird Rileys Angst und Einsamkeit niemals als lächerlich abgestempelt, es wird sich niemals darauf berufen dass sie ja "nur" ein Kind ist. Indem sich, anders als beispielsweise bei Disney, wo die weiblichen Protagonisten im Allgemeinen damit beschäftigt sind über irgendwelche Prinzen nachzudenken, mit einer jüngeren Hauptfigur beschäftigt wird ist es möglich sich auf etwas anderes als die ausgelutschte "erste große Liebe" Nummer zu konzentrieren. Riley ist keine Prinzessin, keine Heldin, sie ist ein ganz normales Mädchen und bietet damit eine Menge Identifikationsfläche.

Dass in ihrem Kopf die Freude permanent versucht, Kummer zurückzuhalten spiegelt die Einstellung der Gesellschaft, nur glückliche Menschen sehen zu wollen. Es erfüllt Menschen mit Verwirrung und Ablehnung, wenn jemand offen betrübt ist. Man weiß nicht wie man damit umgehen soll, und sowohl Menschen als auch Freude in Rileys Kopf versuchen, Kummer auszusperren und zu unterdrücken. Der Betroffenen wird so die Möglichkeit genommen, alle Gefühle zuzulassen, es kann faktisch keine Auseinandersetzung mit dem Trauma geschehen. Am Ende wird allen Beteiligten, sowohl in Rileys Kopf als auch ihrer Umwelt, klar dass es so nicht funktioniert. Kummer als Emotion wusste um ihre eigene Wichtigkeit und brach sich kathartisch den Weg an die Oberfläche. Ein emotional gesunder Mensch hat, ganz grob vereinfacht, seine Gefühle in Einklang miteinander gebracht, lässt die richtigen Emotionen zum richtigen Zeitpunkt dominant sein. Alles was Riley gefehlt hat war das Zulassen von Trauer. Trauer ist ein elementarer, gesunder Bestandteil der Psyche, und wenn man nur eine Sache aus diesem Film mitnehmen will, dann doch bitte dass es in Ordnung, manchmal sogar notwendig, ist, traurig zu sein.
Die Inseln mit wichtigen Erinnerungen © Pixar
Visuell ist "Alles steht Kopf" ein wundervoller Abenteuerspielplatz. Der Ideenreichtum, die Vielseitigkeit und die Kreativität die in die Erschaffung der Gedankenwelt geflossen sind, sind unfassbar. Es gibt für die Kernerinnerungen Inseln, und eine Szene später im Film, die diese Inseln beinhaltet, ist so dermaßen verstörend und ergreifend dass man automatisch zum Taschentuch greift. Es gibt surrealistische und kubistische Elemente, eine Art Müllhalde für unwichtige Erinnerungen wie Telefonnummern, eine imaginäre Jugendliebe, einen Drehort für Träume (an dem allgemeine Träume via Poster als Blockbusterkino beworben werden) und generell ist der Aufbau des Gehirns, auf den sich hier konzentriert wird, einfach nur bombastisch. Wer sich generell gerne mit Animationsfilmen beschäftigt dürfte hier ordentlich zu knabbern haben, denn Pixar verneigt sich vor so vielen verschiedenen Stilen dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Mittendrin ist Bing Bong unterwegs, eine der vermutlich tragischsten Figuren jemals in einem Film. Ich will gar nicht zu viel über ihn verraten, aber so viel sei gesagt: danach möchte man sein Lieblingskuscheltier wiederfinden und ganz fest an sich drücken. Was hier erschaffen wurde ist eine wundervolle Welt und man kann den Film problemlos mehrfach ansehen, nur um alles zu entdecken. Michael Giacchinos Soundtrack verleiht den Bildern eine emotionale Tiefe die kaum noch greifbar ist.

Fazit: Mit "Alles steht Kopf" ist Pixar etwas wirklich Außergewöhnliches gelungen. Überbordend kreativ und ideenreich wird hier die Welt eines jungen Mädchens unter die Lupe genommen. Der Fokus auf ein aus Erwachsenensicht vielleicht banales Ereignis wird zum Anlass genommen eine wichtige Botschaft zu übermitteln. Es ist in Ordnung, auch mal etwas anderes als Freude zu empfinden. Visuell ist das, wie man von Pixar gewohnt ist, atemberaubend schön und abwechslungsreich. Jeder, der eine Kindheit hatte, egal ob gut oder schlecht, jeder der sich schon mal gefragt hat ob es in Ordnung ist auch mal Trauer zuzulassen, kurzum: einfach jeder kann aus diesem Film etwas mitnehmen. Mit Abstand der beste Film, den Pixar bisher veröffentlicht hat, und für mich persönlich sicher unter den Top 3 des laufenden Jahres.

Infos zum Film

Originaltitel: Inside Out
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Animationsfilm, Drama, Komödie
FSK: 0
Laufzeit: 95 Minuten
Regie:Pete Docter, Ronaldo del Carmen
Drehbuch: Pete Docter, Josh Cooley, Meg LeFauve
Darsteller: Engl.: Amy Poehler, Phyllis Smith, Bill Hader, Mindy Kaling, Lewis Black, Kaitlyn Dias, Richard Kind, Diane Lane, Kyle MacLachlan. Dt.: Nana Spier, Philine Peters-Arnolds, Hans-Joachim Heist, Olaf Schubert, Tanya Kahana, Vivien Gilbert, Bettina Zimmermann, Kai Wiesinger

Trailer: 


Filmkritik: Ant-Man

© Marvel
Marvel baut sein Cinematic Universe stetig aus, und nachdem zunächst natürlich die ganzen "Großen" wie Iron Man und Captain America ihre Auftritte hatten, kommen nun auch die Helden zum Zug, die bisher nicht so im Rampenlicht standen. Letztes Jahr hat uns das mit "Guardians of the Galaxy" einen der charmantesten Einträge des MCU überhaupt gebracht. Und dieses Jahr ist nach dem großen Spektakel "Avengers: Age of Ultron" nun erneut ein kleinerer Held an der Reihe. Und das gleich im doppelten Wortsinn, denn Ant-Man kann sich schrumpfen. Außerdem kommuniziert er telepathisch mit Ameisen. Viel Aufheben wurde im Vorfeld um den Film gemacht, denn Edgar Wright, der Regie hätte führen soll und nun wenigstens noch für das Drehbuch mitverantwortlich war, verließ das Projekt mitten in den Vorbereitungen. Oder anders gesagt: man warf ihn nach den berühmten kreativen Differenzen raus. Nachdem sich schon Joss Whedon mit den Vorgängen rund um "Age of Ultron" nicht erfreut zeigte und auch Alan Taylor mitteilte, dass die Arbeit an "Thor 2" nicht sehr erfreulich war, galt es also das Schlimmste zu befürchten. Doch die Credits am Ende, und vor allem der Film an sich beweisen: seine eigenwillige Handschrift verteilt sich über den ganzen Film. Lest also nun die Kritik zu Marvels neuester Charme-Offensive, diesmal mit Ameisen statt Waschbären.
                                                                                                                                                                 

Story: Scott Lang (Paul Rudd) hat es nicht einfach. Wegen Einbruch saß er im Gefängnis, doch bei seiner Entlassung steht fest: die kriminellen Tage liegen hinter ihm. Denn seine Exfrau Maggie (Judy Greer) verweigert ihm den Kontakt zu seiner kleinen Tochter Cassie (Abby Ryder Fortson). Und ihr neuer Freund Paxton (Bobby Cannavale) hat ein besonderes Auge auf Scott geworfen, denn er ist Polizist. Doch die guten Vorsätze halten nicht lang. Dadurch wird Doktor Hank Pym auf Scott aufmerksam. Um seine Firma vor dem durchgedrehten Darren Cross (Corey Stoll) zu retten sieht Pym nur eine Möglichkeit: er muss seine Vergangenheit wieder aufleben lassen. Und dann ist da noch Pyms Tochter, Hope (Evangeline Lilly), die ebenfalls ihre eigenen Pläne verfolgt...
© Marvel
Kritik: Mit "Ant-Man" schickt Marvel sich an, den weirdness-Faktor um einiges nach oben zu schrauben. Immerhin handelt es sich um einen Helden, der auf Ameisengröße schrumpft, dabei seine Kraft behält und darüber hinaus telepathisch mit Ameisen kommuniziert, um ihnen Befehle zu erteilen. Doch scheinbar war man sich dessen vorher bewusst, und so wird sich überraschend viel Zeit genommen, um die Figuren einzuführen und die Geschichte vorzubereiten. Auch die obligatorische Einbettung in das MCU findet statt. Die üblichen Verdächtigen in Gestalt von Agent Carter, Howard Stark, Hydra und Shield tauchen kurz auf oder werden erwähnt, und einen witzigen Cameo gibt es ebenfalls (also, neben dem von Stan Lee natürlich). Nach wie vor bietet es sich also an, die anderen Filme ebenfalls zu kennen, um das Gesamtbild zu verstehen. Aber auch die Seitenhiebe auf den teilweise durchschimmernden Größenwahn der anderen Filme bleiben nicht aus, und sie fühlen sich durchaus berechtigt an. Neulinge im MCU sollten sich aber keinesfalls abschrecken lassen, denn die vielen Seitenhiebe sind zwar witzig für Kenner, aber elementar für diese Geschichte sind sie weniger bis gar nicht.

Nicht wenige dürften wohl auch bei der Besetzung von Paul Rudd ihre Zweifel gehabt haben. Zwar hat er schon rund 90 Filme und Serien in seinem Lebenslauf stehen, doch zur richtigen A-Liga gehörte er wohl bisher eher nicht. Dies ändert sich nun hoffentlich, denn er macht seinen Job hier wirklich fantastisch. Sympathisch bis zum Gehtnichtmehr, mit einem Humor der sich schwerlich beschreiben lässt, aber irgendwo zwischen todernst abgeliefert und albern hin und her pendelt. Auch den Konflikt mit seiner Exfrau und seine Motivation in Form seiner Tochter nimmt man ihm ab. Auch Michael Douglas überzeugt in der Rolle als Mentor und ehemaliger Ant-Man. Evangeline Lilly wirkt zu Beginn des Films arg distanziert, der Grund dafür klärt sich aber im Verlauf der Geschichte. Vor allem zwischen ihrer Figur Hope und Scott stimmt die Chemie. Corey Stoll ist mit der etwas undankbaren Rolle des typischen Marvel-Bösewichts betraut worden und meistert diese durchaus gut. Freundlicherweise wird auf sentimentale Flashbacks verzichtet, die uns erklären wollen wie aus einem anständigen Menschen ein Wahnsinniger wurde. Die notwendigen Infos finden in Gesprächen ihren Weg zum Zuschauer, passend eingebettet in den restlichen Film. Auch die obligatorische Trainingsszene ist überraschend unterhaltsam geworden, unter anderem beinhaltet sie Schlüssellöcher und Ameisen, die Zuckerwürfel transportieren.
© Marvel
Spaß machen vor allem aber auch die Nebenrollen, besonders die Knast-Freunde von Scott haben die Lacher auf ihrer Seite, ohne sich dabei der Lächerlichkeit preiszugeben. Die übersichtliche Anzahl der Darsteller betont ebenfalls den persönlicheren Touch des Films. Statt die Welt zu retten geht es vor allem um die gestörten Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Und spätestens hier triumphiert das Casting unter der fähigen Hand von Regisseur Peyton Reed, denn die inneren Sorgen, die intrinsische Motivation die Beziehung zum eigenen Kind zu verbessern, die nimmt man sowohl Rudd als auch Douglas ab ohne mit der Wimper zu zucken.

Auch die Effekte stimmen. Da es sich wohl um den persönlichsten Marvel-Film seit langem handelt und der Protagonist ziemlich klein werden kann, fallen auch die Actionszenen angepasst aus. Nach dem destruktiven Overkill des letzten Avengers-Ausflugs ist es geradezu erfrischend wenn Ant-Man beispielsweise durch eine Modellstadt läuft, in einem Serverraum Chaos stiftet oder ein Showdown in einem Kinderzimmer stattfindet. Die verschiedenen Perspektiven wissen ebenfalls zu gefallen und der stetige Wechsel zwischen lebensbedrohlicher Epik und banalen Dingen wie umfallenden Bauklötzchen sorgt wieder und wieder für herzliches Lachen. Dem passt sich der Soundtrack an, und auch hier sind einige Lacher zu finden, man achte beispielsweise auf Songs wie "Disintegration" von The Cure, wenn der Antagonist androht, jemanden im wahrsten Sinne des Wortes zu disintegrieren. Überhaupt, der Humor! Schwer zu beschreiben ist er, aber es gibt einige Szenen im Film die auf herrlich verrückte Weise so übertrieben sind, dass man nicht anders kann als zu lachen. Bevor es im kommenden Jahr mit dem "Civil War" also wieder todernst wird kommt dieser Beitrag hier gerade recht zur Entspannung. 

Die obligatorischen Post-Credit Szenen sind auch dieses Mal wieder zu finden. Ohne zuviel verraten zu wollen lässt sich sagen: besonders die erste dieser beiden Szenen dürfte einem Großteil des Publikums ein "hell yeah" entlocken, und auch auf der Meta-Ebene kommt man zu einer absolut richtigen und wichtigen Aussage. Die zweite Szene erfreute dann das Fangirl-Herz zutiefst und schließt den Bogen zum MCU, sitzen bleiben lohnt also auf alle Fälle. 

Zu bemängeln gibt es eigentlich nur, dass die einzelnen Charaktere trotz aller Sympathie dürftig gezeichnet sind. Sie wirken schablonenhaft, wenig detailliert und bisweilen sehr stereotyp. Dies wird vor allem durch die Leistung der Darsteller und die schmissigen Dialoge abgefedert, ins Auge fällt es aber trotzdem. 
© Marvel
Fazit: So langsam überrascht mich wirklich nichts mehr, was aus dem Hause Marvel kommt. Nachdem man den Zuschauern äußerst erfolgreich einen sprechenden Waschbären präsentierte war es eigentlich keine Frage, dass auch ein Typ, der Ameisen kontrolliert, irgendwie funktionieren würde. Doch "Ant-Man" ist bei weitem kein langweiliger Einschub, der auf die hinterletzte Bank abgeschoben gehört. Stattdessen ist der Film die pure Charme-Offensive. Das liegt weniger an den doch eher schablonenhaft geschriebenen Figuren als an den großartig aufgelegten Darstellern, allen voran Paul Rudd. Auch die Regie und das Script, die wohl größten Garanten für Sorgen seitens der Fans von Edgar Wright, sind wasserdicht. Der Humor ist erfreulich anders, als es sonst bei Marvel der Fall ist, und auch das Weglassen von außerirdischen Bedrohungen tut dem Film gut. Mit Sicherheit der bisher persönlichste Eintrag ins MCU, ist "Ant-Man" fest in dessen Mitte verankert. Zwei Post-Credit Szenen, von denen eine so dermaßen Meta ist dass der halbe Kinosaal vor Freude jubelte, gibt es ebenfalls. Es zeigt sich hier erneut wieso Marvel die Zügel in Sachen Comicverfilmungen bisher fest in der Hand hält.


Infos zum Film

Originaltitel: Ant-Man
Genre: Action, Abenteuer, Comicverfilmung
FSK: 12
Laufzeit: 117 Minuten
Regie: Peyton Reed
Darsteller: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Michael Douglas, Michael Peña, Bobby Cannavale, Judy Greer
Trailer

Die Comic-Con kommt nach Deutschland!


Geht es euch in diesen Tagen auch so wie mir? In San Diego steht schon wieder die Comic Con auf dem Plan, und wie jedes Jahr blicke ich sehnsüchtig über den großen Teich und verspreche mir: nächstes Jahr, da fliegst du endlich mal rüber. Für gewöhnlich nehme ich mir dann vor, ganz viel zu sparen, aber bisher ist da nie was draus geworden. 

Doch die Rettung naht, und sie naht bereits im kommenden Jahr. Denn die Comic Con bekommt einen Ableger in Deutschland. In Stuttgart werden vom 25. bis zum 26. Juni 2016 auf dem Messegelände Stars aus Film und Fernsehen, Comiczeichner und zahlreiche andere Highlights anzutreffen sein. Die ersten drei Gäste sind bereits bestätigt, insgesamt sollen um die 30 Stargäste anwesend sein: 
James Marsters, bekannt aus "Buffy"
Nicole de Boer, bekannt aus "Star Trek: Deep Space 9"
Robert Picardo, bekannt aus "Stargate Atlantis"

(nein, ich bin beim Gedanken, James Marsters persönlich gegenübertreten zu können absolut nicht ausgeflippt, auf keinen Fall. Die Nachbarn mussten sich nicht erkundigen ob alles in Ordnung ist!)

Auch die Cosplayer werden voll auf ihre Kosten kommen, es wird Wettbewerbe geben, ein Cosplay-Village wird eingerichtet und am Samstag wird eine große Parade stattfinden. Persönlich finde ich Cosplayer ja immer ganz besonders toll, die Mühe, Arbeit und Detailverliebtheit, mit der viele da zu Gange sind ist echt der Wahnsinn. Ich nehme ja jede Convention mit, die machbar ist, und die Cosplayer sind immer wieder mein absolutes Highlight.

Panini wird mit Comics und Aktionen scheinbar der Hauptvertreter in diesem Bereich sein, macht ja auch Sinn, ist der Verlag doch ein Stuttgarter Urgestein. Messe-exklusive Publikationen, Zeichner und viele verschiedene Aktivitäten locken. Darüber hinaus werden wohl die für Conventions typischen Merchandise-Stände (ich fang besser schonmal mit dem sparen an...), Autogrammstunden, Panels, Ausstellungen und Walking Acts vorhanden sein. 
Immer ein Highlight: Cosplayer
Noch einige persönliche Worte zum Veranstalter: das gleiche Team ist in Deutschland bereits für Events wie die Fed*Con oder auch die Ring*Con verantwortlich, bringt also Erfahrung mit. Als Ring*Con Besucherin der ersten Stunde freue ich mich darüber ganz besonders, denn wenn jemand weiß, wie man ein solches Event auf die Beine stellt, dann ist es dieses Team.

Ja, wenn ihr mehr Infos braucht, dann besucht doch die Homepage: www.comiccon.de. Tickets könnt ihr dort auch schon kaufen, außerdem gibt es natürlich regelmäßige Updates. 

Freut ihr euch auf die Comic Con, und werdet ihr dafür nach Stuttgart fahren? Hinterlasst doch einen Kommentar :)

Filmkritik: Baymax

© Disney
Disney befindet sich schon eine ganze Weile auf dem aufsteigenden Ast, wenn es um Animationsfilme geht. Müsste ich schätzen, dann würde ich sagen dass bereits "Bolt" diesen Aufwärtstrend ins Rollen gebracht hat. Während "Ralph reicht's" sich mit den bösen Jungs aus Computerspielen auseinandergesetzt hat, waren "Rapunzel" und "Die Eiskönigin" zwei erfrischende Versuche, das Thema Disney-Prinzessin ein wenig zeitgemäßer zu verpacken. Und auch sonst läuft es gut im Haus mit der Maus. Superhelden hat man mit den "Unglaublichen" ja eigentlich auch schon mit an Bord. Der Nachfolger dazu steht auf meiner "muss ich unbedingt haben" Liste übrigens ganz weit oben. Als Disney dann Marvel gekauft hat, durften sich wohl ein paar Leute durch deren Katalog arbeiten und Comics finden, die man verfilmen könnte. Irgendjemand ist dabei wohl über die vermutlich relativ unbekannte Reihe "Big Hero 6" gestolpert und hat sich gedacht: Das sieht gut aus, da machen wir einen Film draus. Jetzt handelt es sich natürlich oberflächlich betrachtet um nichts weiter als eine weitere, lupenreine Origin-Story um ein paar unfreiwillige Helden. Also sowas wie Avengers oder die Guardians of the Galaxy, nur für eine jüngere Zielgruppe. Macht das trotzdem Spaß? Ich sage: auf jeden Fall!

Hiro lebt in der Metropole San Fransokyo. Er ist zwar ein ziemlich cleverer Junge, aber auf High School hat er trotzdem nicht so viel Lust. Viel lieber bestreitet er in zwielichten Hinterhöfen Roboterkämpfe. Als er dabei erwischt wird, beschließt sein älterer Bruder Tadashi, Hiro mit in die Schule zu nehmen. Dort trifft er eine ganze Reihe Schüler, die ihre Zeit damit verbringen spannendes Zeug zu erfinden. Für Hiro steht fest: dort möchte er auch hin. Zutritt bekommt aber nur, wer etwas wirklich beeindruckendes erfunden hat. Hiro erfindet die so genannten Mikrobots, die sich durch Gedanken steuern lassen. Doch als er nach einem tragischen Unfall beinahe allein dasteht, lässt er alle Hoffnung fallen. Der einzige, der ihm helfen will, ist Baymax, der große, freundliche und extrem kuschelbare Erste-Hilfe-Roboter...

Sooooo kuschelig. © Disney
Vormachen muss man sich da nix: Am Ende ist "Baymax" auch nur Standardware, über weite Teile vorhersehbar und im großen und ganzen nicht immer so originell, wie er gern wäre. Der deutsche Titel (wer denkt sich so Wörter wie "Robuwabohu bitte aus?), liest sich auch erstmal gewöhnungsbedüftig. Wobei auch der Originaltitel "Big Hero 6" nicht sonderlich innovativ klingt. Aber Baymax, der sticht da angenehm heraus. Groß und offensichtlich zum knuddeln ist der knuffige und freundliche Ersthelfer gebaut worden. Man sieht ihn auf der Leinwand, und eigentlich möchte man nur mal kurz testweise gaaaanz vorsichtig mit einem Finger pieksen, um zu schauen wie weich und knuddelig genau er nun ist. Da er vermutlich knuddeliger und weicher und bequemer ist als alles andere, geht es garnicht anders und man fühlt sich gezwungen, zu kuscheln. Ja, so in etwa. Aber ok, ich schweife ab. Zurück zum Thema. Baymax hat also einen hohen Kuschelfaktor. Ansonsten kann er medizinische Hilfe leisten, Leute auf Probleme scannen und suuuper knuddelig sein. Das Roboter es schaffen, ihr Publikum im Griff zu haben, hat vor einigen Jahren ja bereits Wall-E eindrucksvoll gezeigt. Baymax allerdings interagiert mit den Menschen und seiner Umgebung, und das sorgt für einige Lacher. Teilweise ist es ein sehr physischer Humor, weil Baymax eben groß und etwas sperrig ist. Oft sind es aber auch seine Versuche, mit einem Teenager zu kommunizieren, Stichwort "Fistbump". Doch im Ernstfall ist Baymax zur Stelle und weiß genau, was gebraucht wird. In manchen Momenten wirkt das so, als hätte Disney sich bei der Konkurrenz umgeschaut und einen gewissen Wikingerjungen mit seinem Drachen zum Vorbild genommen, immerhin gibt es auch bei "Baymax" eine sehr eindrucksvolle Flugszene und eine ungewöhnliche Freundschaft. Aber Disney drückt diesen beiden Vorgaben dann letztendlich doch einen eigenen Stempel auf.

Baymax bietet neben einem tollen Hauptdarsteller-Duo aber auch eine Menge weitere Feinheiten. So ist die Optik von San Fransokyo wirklich beeindruckend geraten. Alte Cable Cars fahren durch eine Stadt voller futuristischer Wolkenkratzer, die Golden Gate Bridge hat einen eindeutig asiatischen Anstrich bekommen. Das wäre definitiv eine Stadt, von der ich mehr sehen wollen würde. Spaßig aufgezogen sind auch die Roboterkämpfe zu Beginn des Films, auch davon hätte es gerne mehr sein dürfen. Schön, vor allem da es sich ja um einen Film mit der Zielgruppe Kinder handelt, finde ich, dass ohne einen hohen Bodycount ausgekommen wird. Im Marvel-Universum ist das ja durchaus an der Tagesordnung, und auch bei DC werden gerne mal ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht. Auch "Baymax" liefert ordentliche Action, doch ist das simple Umbringen des Gegners niemals das Mittel der Wahl. Erfrischend ist auch, dass keiner der Teenager irgendwelche besonderen Fähigkeiten hat. Es handelt sich einfach um normale, clevere Kids, die Dinge erfinden und ihr Hirn nutzen, um Probleme zu lösen. Ein sehr gelungener Ansatz, den ich gerne häufiger im Film sehen würde. Lobenswert ist weiterhin, dass nicht zwischen Jungs und Mädchen unterschieden wird. Mädchen sind hier einfach ebenso Forscherinnen, sie sind nicht als langweiliger Love-Interest (der im schlimmsten Fall noch gerettet werden muss) im Film vorhanden, sie treten genauso Hinterteile wie die Jungs. Im Vordergrund steht die Freundschaft, und jeder Einzelne bringt etwas für das Team mit. So gefällt das! Eindrucksvoll ist auch, dass alles was Hiro im Verlauf des Films unternimmt, immer seine Begründung im Verlust des Bruder hat. So wird "Baymax" zwar gegen Ende hin immer mehr zum Einheitsbrei-Superheldenfilm, aber die Motivation des Protagonisten bleibt vorhanden und ist auch für den Zuschauer immer nachvollziehbar.
 San Fransokyo © Disney
Zu den deutschen Synchronstimmen kann ich nichts sagen, doch in der Originalversion sind diese stimmig und lassen sich gut voneinander unterscheiden. Die Bewertungsskala, die Baymax seinen Patienten anbietet, erinnert darüber hinaus ein wenig an den Roboter aus "Moon", den Kevin Spacey synchronisiert hat. Und wer Marvel bereits kennt, der weiß schon Bescheid: Nach dem Abspann kommt noch eine Szene, diese bietet einen wirklich gelungenen Cameo-Auftritt. Also unbedingt sitzen bleiben und noch ein wenig den stylischen Soundtrack genießen, der mit einer gelungenen Mischung aus klassischer Musik, unterlegt mit Electro-Klängen ganz wunderbar zum Film passt. "Baymax" ist, ganz Disney-typisch, ein Film an dem jeder etwas finden kann, was ihm gefällt. Vor allem aber macht er eines, nämlich eine ganze Menge Spaß. Bah-la-la-la-la!

Infos zum Film
Originaltitel: Big Hero 6
Genre: Animationsfilm, Superhelden, Komödie, Action, Drama
FSK: 6
Regisseur: Don Hall, Chris Williams
Synchronsprecher: Ryan Potter, Scott Adsit, Jamie Chung, Genesis Rodriguez, T.J. Miller, Damon Wayans Jr., Alan Tudyk
Trailer


Filmkritik: Guardians of the Galaxy

©Marvel
Die Guardians of the Galaxy sind wohl im Hause Marvel, zumindest wenn man von der Firma ausgeht, die uns jährlich mit gefühlten zehn Filmen überschüttet, sowas wie die Underdogs. Mich versetzte bereits der Trailer in helle Vorfreude mit seinem 80er Touch und diesen Helden, die scheinbar keine Lust darauf haben, Helden zu sein. Aber hey, es ist Marvel, also müssen das Helden sein, und vermutlich wird am Ende auch die Welt, oder in diesem Fall eben die Galaxie, gerettet. Womit ich nicht gerechnet habe, ist dass der Film mich fast durchgängig zum lachen bringen würde und nebenbei soviel Herz besitzt wie die restlichen Marvelfilme zusammen nicht aufbringen können. Das zusammen mit der Tatsache, dass die Guardians scheinbar nur aus perfekten Einzelteilen zu einem großen Ganzen zusammengebaut wurden, hat mir überraschenderweise meinen Film des Jahres 2014 beschert, ganz egal was da noch kommen wird. Wieso das so ist, das dürft ihr nun hier nachlesen. 



Peter Quill, der sich selbst Star Lord nennt, befindet sich auf Beutezug und schafft es, einen mysteriösen Orb zu ergattern. Diesen will er eigentlich nur verkaufen, doch dann kommt alles anders. Gleichzeitig wird er von einer Assassine namens Gamora und einem Kopfgeldjägerteam, bestehend aus dem genmanipulierten Waschbär Rocket und dem Baumwesen Groot, angegriffen. Kurzerhand landen die vier im Gefängnis, wo sie auf Drax treffen. Gleichzeitig will auch Ronan, ein rachsüchtiger Kree, diese Kugel in seinem Besitz haben, um damit Planeten zu zerstören. Und dann ist da auch noch Thanos, der in bisherigen Marvelfilmen eher unterrepräsentiert war, aber die größte Bedrohung zu sein scheint. Die Einzelgänger sind gezwungen ein Team zu bilden, um die Zerstörung ihrer Heimat zu verhindern. Allerdings hat zunächst niemand wirklich Lust, Teil eines Teams zu werden...

©Marvel
Wieso ist niemand vorher auf die Idee gekommen, Chris Pratt eine Hauptrolle in einem großen Film zu geben? Als selbsternannter Star Lord trägt er den Film mit einer unfassbaren Leichtigkeit. Wer zum Zeitpunkt der Einblendung des Filmtitels nichts mit Star Lord anfangen kann, der wird wohl auch danach seine Probleme haben, alle anderen werden ihre Freude haben. Am besten beschreiben lässt er sich wohl als der freche kleine Cousin, den Han Solo und Indiana Jones niemals hatten. Doch Chris Pratt muss den Film garnicht alleine tragen. Ihm zur Seite steht Zoe Saldana, die mittlerweile auf beachtliche Erfahrung im Alien-Bereich zurückblicken kann. Als lebendige Waffe schließt sie sich wiederwillig dem Team an um Ronan und Thanos aufzuhalten. Dave Bautista, dessen Körperbau alleine ein eindrucksvoller Special Effect zu sein scheint, spielt Drax the Destroyer. Ronan hat seine Familie vernichtet und er will sich rächen. Dabei drückt er sich scheinbar eloquent aus, es wird aber schnell klar dass seine größte Stärke nicht seine Denkleistung ist. Und dann sind da noch Rocket und Groot. Rocket ist ein genmanipulierter Waschbär mit einem großen Faible für Schusswaffen, Bomben und alle Dinge, die anständig in die Luft fliegen können. Eine kleptomanische Ader hat er auch. Und ein so loses Mundwerk dass es an ein Wunder grenzt, dass seine kleine Schnauze noch niemand eingeschlagen hat. Begleitet wird er von Groot, einem ziemlich großen Baumwesen, dass leider nur ein begrenztes Vokabular hat. Während Rocket im Original von Bradley Cooper gesprochen wird, liefert Vin Diesel als Groot die heimliche Meisterleistung ab. Mit nur einem Satz schafft er es, immer wieder etwas anderes auszudrücken. In einem Film, der mit faszinierenden Figuren vollgepackt ist, schafft er es das ein oder andere Mal, dem Rest die Szene zu stehlen. Kaum zu erkennen als Ronan ist Lee Pace, der sich zuletzt vor allem als Ebenkönig im Hobbit bemerkbar machte und seinem Ronan hier durchaus eine bedrohliche Präsenz verpassen kann. Benicio del Toro spielt erneut den Collector, Josh Brolin spricht mit seiner markanten Stimme das Überwesen Thanos. Glenn Close als Nova Prime gibt eine solide Anführerin ab, und John C. Reilly ist liebenswert wie eh und jeh. Schauspieltechnisch macht dieser Film einfach alles richtig.

Guardians of the Galaxy beschreitet für Marvel-Verhältnisse unkonventionelle Wege. Mit James Gunn, der sowohl für Regie als auch Drehbuch verantwortlich ist, hat man sich einen Regisseur ins Boot geholt, der bisher eher mit kleinerem Budget hantierte. Doch eine bessere Wahl scheint im Nachinein nicht möglich. Mit der von Herzen kommenden Begeisterung eines Kindes, welches sich in einem riesigen Spielzeugladen alles aussuchen darf, ohne bezahlen zu müssen, geht er ans Werk. Und man merkt von der ersten Sekunde an, dass er seine Figuren wirklich mag. Hineingemischt in diese kindliche Begeisterung für das Große ist ein Humor, der sich bisweilen gefährlich nah an der Gürtellinie herumtreibt und ein oder zwei Male auch darunter rutscht. Familienfreundlich bleibt es trotzdem. Irgendwie. Gunn konnte zeitgleich auch an einem Projekt arbeiten, dessen Ergebnis nicht so extrem vorbelastet war. Bereits bevor Iron Man und Konsorten es auf die Kinoleinwand schafften, waren sie schon halbwegs bekannt, selbst bei Nicht-Comic-Lesern. Die Guardians sind eher unbekannt, und so lastete weitaus weniger Druck und Erwartung auf dem ganzen Projekt. Gleichzeitig spricht es für Marvel als Studio, auch den Underdogs eine Chance zu geben. Schaut man sich nun auf dem internationalen Markt um, dann scheint sich diese Chance voll und ganz gelohnt zu haben, denn die Guardians räumen ab, was abzuräumen ist.Dass dabei beinahe komplett auf Einführung verzichtet wurde und der Film trotzdem funktioniert, spricht für die gewählte Vorgehensweise. Zwar gibt es für Peter Quill noch eine sehr menschliche Einführung, diese wechselt aber nach nichtmal fünf Minuten ohne ein weiteres Wort auf die Weltraum-Ebene. Über die restlichen Figuren erfahren wir wenig bis garnichts, und auch sonst hält der Film sich nicht mit Erklärungen auf. Wer sich von Marvel bisher ferngehalten hat, der dürfte über den ein oder anderen Namen erstaunt sein. Freunde des großen Ganzen bekommen weitere Häppchen der Infinity Gems - Storyline vorgesetzt, und diese sind äußerst schmackhaft. Ich bin zumindest arg gespannt, wann und wie es an dieser Stelle so richtig krachen wird.
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Bereits im Trailer fiel die ungewöhnliche Musikauswahl ins Ohr. Und wer sich deswegen Sorgen gemacht hat: Ja, alle Songs aus den Trailern haben es in den Film geschafft. Und ja, sie passen perfekt. Für den nächsten Teil hoffe ich auf Queen, Thin Lizzy und noch ein paar weitere. Ernsthaft, wer es schafft David Bowie mit "Moonage Daydream" in einem Film, der im Weltraum spielt, unterzubringen, verdient Respekt. Respekt, geliefert in sehr großen Eimern, sollte auch an das CGI-Team gehen. Mit Groot und Rocket wurden direkt zwei komplett digitale Charaktere in den Film integriert, die so lebendig wirken dass ich mich mehrmals gefragt habe, wo man so einen Waschbären bekommen kann. Da wir in einer Welt leben, die nach Star Wars und Star Trek stattfindet, ist es verhältnismäßig schwer, noch Weltraumdinge zu erschaffen, die sich neu anfühlen. Auch das ist hier gelungen. Manche Sets wirken erfreulich düster und bedrohlich, andere sind dafür lichtdurchflutet und wunderschön anzusehen. Ronan schwächelt vielleicht als Bad Guy ein wenig, aber beeindruckend sieht er allemal aus. Heimlicher Favorit bei den Bösen ist Karen Gillan als Nebula. Wie selbstverständlich nimmt sie vor allem gegen Ende die Dinge in die Hand und erweist sich als würdiger Gegner. Und wenn das sorgsame Einstreuen von Thanos der Weg ist, diesen Charakter in das Marvel Cinematic Universe einzubringen, dann nur weiter so. Optisch überzeugt der Film auf allen Ebenen.

Storytechnisch darf man hier nichts allzu Großes erwarten. Wie schon erwähnt wird die Geschichte um die Infinity Gems vorangetrieben. In den Grundzügen haben wir es hier mit dem klassischen "Die Guten gegen die Bösen" Spielchen zu tun. Eigentlich ist das aber auch egal, denn im Vordergrund steht ganz klar das Zusammenfinden der Guardians als Team. Und das sind sie. Wo die Avengers hingehen und eigentlich nicht viel mehr sind als eine Gruppe zusammengeworfener Egomanen, sind sind die Guardians ein wirkliches Team, eine kleine Familie. Zusammengehalten von der Tatsache, dass sie sonst niemanden haben, arrangieren sie sich im Verlauf des Films miteinander, lernen sich besser kennen. Kritisieren lässt sich vielleicht noch die Tatsache, dass Marvel in letzter Zeit zur Wiederholung neigt. Bereits beim Winter Soldier bestand der ultimative Konflikt aus einer Schlacht knapp über einer Stadt. Bereits bei Thor: The Dark World gab es durch ein Infinity Gem ausgelöstes Gewirbel, auch wenn es aufgrund der roten Farbe des Äthers farblich anders gestaltet war. Ein wenig mehr Abwechslung wäre schön. Glücklicherweise schafft Gunn es aber, den Film vor dem Ende wieder in die richtige Bahn zu lenken, deswegen lässt sich über das Element der Wiederholung auch großzügig hinwegblicken. 

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Großzügig wird sich auch bei allem bedient, was das Genre in den letzten Jahren produziert hat. Total Recall, Star Wars, Firefly, Back to the Future, sie alle finden ihren Einfluss. Und der Film bedient sich offensichtlich, wer Spaß daran hat kann sich hier wunderbar damit beschäftigen, Referenzen zu finden. Doch fällt das alles so charmant aus, dass man den Guardians kaum einen Vorwurf machen kann. Wer auf 80er Jahre Sci-Fi steht wird sich hier sofort zuhause fühlen und vermutlich nie wieder wegwollen. Wie gut, dass ein zweiter Teil bereits bestätigt wurde. Die Guardians als Feelgood-Movie für den Sommer zu bezeichen würde ihnen keine Gerechtigkeit liefern. Denn Spaß macht dieser Film garantiert auch bei Minusgraden und Schnee. Fürs erste aber ist der Film wie eine gigantische Box voller Pralinen. Alle sind unterschiedlich, aber total lecker. Und auch wenn es total unvernünftig ist direkt die ganze Box auf einmal zu essen, man macht es trotzdem. Am Ende ist man vollgefressen, zufrieden und nimmt sich vor, irgendwann in nächster Zeit nochmal so unvernünftig zu sein, denn irgendwie hat es ja Spaß gemacht. Genau so ist Guardians of the Galaxy.  Hochgradig unvernüftig, mit einer unverschämt großen Klappe, aber charmant und mit dem Herzen am rechten Fleck. In einem Sommer, in dem das Kino kaum mit Überraschungen um die Ecke kommt, sind die Guardians mit Leichtigkeit die größte Überraschung der letzten Jahre.


Infos zum Film
Originaltitel: Guardians of the Galaxy
Genre: Action, Comicverfilmung, Sci-Fi
Laufzeit: 121 Minuten
FSK: 12
Regisseur: James Gunn
Darsteller:  Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Bradley Cooper, Vin Diesel, Lee Pace, Benicio del Toro, Glenn Close, John C. Reilly

Filmkritik: Maleficent

Böse Zungen könnten behaupten, Disney würden die Ideen ausgehen. Die Geschichte der Bösen Fee aus dem Klassiker "Dornröschen" neu aufzulegen, dürfte aber bei vielen Menschen auf Interesse gestoßen haben. Angelina Jolie in der Hauptrolle zu besetzen erschien in meinen Augen schon vor Sichtung des Films als eine tolle Idee. Ob der Film letzten Endes überzeugen kann? In meinen Augen kann er das durchaus. Lest nun, wieso das so ist.



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