gesehen: Mindhunter Staffel 1

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Story


Ende der 70er Jahre versuchen die beiden FBI Agenten Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany) in Gesprächen mit verschiedenen Serienmördern herauszufinden, was sie zu ihren Taten motivierte, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern.


Kritik


1996 veröffentliche John Douglas ein Buch. Soweit keine besonders große Neuigkeit. Doch "Mindhunter: Inside the FBI's Elite Serial Crime Unit" ist die Aufbereitung seiner jahrelangen Erfahrungen im Umgang mit gefassten Serienkillern. Douglas war einer der ersten Profiler des FBI, und wann immer eine solche Figur uns in einer Krimiserie oder einem Film begegnet können wir relativ sicher sein, dass sie zumindest anteilig auf ihm basiert. "Mindhunter", die Serie, die seit dem 13. Oktober 2017 auf Netflix zu sehen ist, erzählt seine Geschichte, ohne seinen Namen zu nennen. 

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Stattdessen begleiten wir einen jungen Agenten namens Holden Ford, gleichzeitig etwas entrückt, naiv und fest gewillt, das Richtige zu tun. In einer Welt, die zunehmend verwirrender wird, erkennt er, dass Verbrechen nicht immer Schwarz oder Weiß sind, sondern sich im Graubereich abspielen können. Dass man verstehen muss, wie ein Wahnsinniger denkt, wenn man weitere Taten verhindern will. Damit beißt er zunächst auf Granit, erhält dann aber Unterstützung von einem älteren Kollegen. Gemeinsam starten sie ein gewagtes Projekt: Sie treffen sich mit bereits hinter Gittern befindlichen Serienmördern, um sich zu unterhalten und herauszufinden, wie es zu ihren jeweiligen Morden kam. 

Dabei konzentriert die zehnteilige erste Staffel sich voll und ganz auf die Interaktion zwischen den FBI Agenten und den Tätern. Bis auf eine kurze Szene zu Beginn der Staffel und einigen kurz gezeigten Fotos von Tatorten kommt die Serie ohne ausschlachtende Bilder von Opfern und ohne reißerische Rückblenden aus. Stattdessen wird sich auf die Erzählungen der Mörder fokussiert. Das ist ein cleverer Schachzug, denn wenn ein riesiger, irgendwie freundlich aussehender Mann mit Hornbrille und sanfter Stimme davon erzählt, wie er seine Mutter tötete, sie dann köpfte und sich die neu entstandenen Öffnungen zunutze machte, dann treibt es einem als Zuschauer die Gänsehaut über den ganzen Körper. 

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Im Verlauf der zehn Episoden werden mehrere Serienmörder interviewt, parallel dazu lösen die beiden Agenten einige aktuelle Fälle. Hier schrecken die Macher auch vor wirklich keinem Thema zurück und inszenieren die einzelnen Fälle als heftige Schläge in die Magengrube. Dies vor allem, weil die Erklärungen der Täter für ihr jeweiliges Verhalten durchaus rational klingen mögen und man unweigerlich gemeinsam mit Agent Ford in eine Abwärtsspirale aus Abscheu und Faszination hineingesogen wird. Die Erzählungen befeuern die eigene Vorstellungskraft, hier und da unterstreicht ein Foto die Gräueltaten. Ansonsten lebt die Serie nach dem Motto "Tell, don't show", was kontraintuitiv klingen mag, hier aber außerordentlich gut funktioniert, weil das Gesprochene spannendere Einsichten gibt als einfach ein weiterer, matschiger Tatort der in jeder x-beliebigen Folge von "CSI: Wahllose Stadt" vorkommt. 
 
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Dass hier wirklich alle Darsteller zur Höchstform auflaufen und in ihren Rollen voll und ganz überzeugen, hilft ebenfalls. Kulissen und Kostüme überzeugen ebenfalls. Mit Fokus auf die Ernsthaftigkeit der Geschichte wird auf eine knallbunte Inszenierung verzichtet, Grau- und Brauntöne dominieren das Bild und wer sich ein bisschen mit David Finchers Werken auskennt, der erkennt seine Handschrift in den insgesamt vier Folgen, bei denen er Regie führte, ziemlich deutlich. Die Serie strahlt eine gewisse Kälte aus, während in beinahe klinisch sauberer Umgebung über grausamste Taten gesprochen wird. Herrlich gegenläufig dazu ist der Soundtrack, der durch seine auffällige Titelauswahl den heftigen Kontrast zwischen dem, was die FBI-Agenten erwarten und dem, was die Mörder von sich erzählen, deutlich macht. Ordnung und Chaos prallen hier aufeinander und der Wendepunkt vom simplen Mörder zum Serienkiller zeigt sich als abgründige Studie, die einen so schnell nicht loslässt. 

Fazit


"Mindhunter" ist eine ruhige, dafür umso spannendere Serie, die einerseits einen Einblick in die Arbeit des FBI, andererseits aber auch zutiefst verstörende Einsichten in die Gedankenwelt verschiedener Serienkiller liefert. Großartig gespielt und mit fesselnden Dialogen versehen, fällt es schwer, sich der Sogwirkung dieses True-Crime-Juwels zu entziehen.


Infos zur Serie


Originaltitel: Mindhunter
Produktionsjahr: 2017
Genre: Drama, Crime
Regie: David Fincher u.a.
Drehbuch: Joe Penhall
Darsteller: Jonathan Groff, Holt McCallany, Hannah Gross, Anna Torv, Cotter Smith, Cameron Britton u.a.

Trailer

 

 

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