gesehen: Die Mumie (2017)

© Universal

Story


Eine einst mächtige Königin (Sofia Boutella) wird in unserer heutigen Zeit zu neuem Leben erweckt, nachdem sie vor Jahrhunderten in einer Gruft tief unter der Wüste begraben wurde. Zu Unrecht wurde sie damals ihrer Bestimmung beraubt, und nun übersteigen ihre über die Jahre gewachsene Bosheit und ihre zerstörerische Wut jede menschliche Vorstellungskraft.


Kritik


Nun sitzen wir also hier, mit dem launigen ersten Teil eines von Universal angestrebten "Dark Universe", welches sich nach dem Erstkontakt mit dieser falsch aufgewickelten, lumpig bandagierten Titelgeberin wohl eher als waschechte Totgeburt entpuppen dürfte. Denn, und anders lässt sich das nicht formulieren, hier handelt es sich um einen absoluten Schuss in den Ofen.

Nun war ich ja, soviel muss ich gestehen, wirklich gespannt auf den Film. Im Kino habe ich ihn verpasst, weil nach den ersten miesen Kritiken niemand mitgehen wollte. Aber nun sucht die Mumie mein Heimkino heim und Universal köderte mich mit gleich zwei Versprechen. Da wäre einmal das ach so tolle "Dark Universe", in dem sich die Creme de la Creme des Grusels die Klinke in die Hand geben sollte. Mittlerweile hört man davon auch nichts mehr, aber naja. Und dann, und hier wird es spannend, vermarktete man den Film als sehr feministisch. Dies wohl, weil relativ zeitgleich "Wonder Woman" im Kino anlief und doch recht zünftig Ärsche trat. Und wenn ich aus diesem Marketingkniff eines gelernt habe, dann dies: Vertrau Universal nicht, wenn sie von Feminismus reden.
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Ich will mich da auch gar nicht lange mit aufhalten, nur so viel sei gesagt: Es hat keinen Sinn, wenn ein Studio mir seinen Film als ach so feministisch anbieten will, wenn folgende Dinge darin passieren:
  • Es gibt genau zwei Frauen und alles was sie tun, ist sich wegen einem Kerl in den Haaren liegen. Beide definieren sich ausschließlich über ihre bruchstückhafte Beziehung zum Charakter von Tom Cruise, einem ätzenden Typen.
  • Die titelgebende Hauptfigur wird an den Spielfeldrand geschoben und dient letztendlich als Vehikel für den männlichen Hauptdarsteller, auf den sich die meiste Zeit sowieso schon konzentriert wird. 
  • Die vermeintlich feministische Hauptfigur verbringt ihre Zeit damit, entweder gefesselt, wütend oder verführerisch zu sein. All ihre Ziele lassen sich durch Sex im weitesten Sinne des Wortes erreichen. Sie ist eine Aneinanderreihung der blödesten Klischees.
  • Am Ende ist sie trotzdem auf Männer angewiesen, sie kann nicht einmal ihre Sippe allein umbringen, obwohl wir sie zu Beginn des Films mehrmals kämpfend sehen. 
  • Spätestens, wenn deine feministische Protagonistin von einem Typen zuerst so lange verprügelt wird, bis sie endlich still ist, und du ihr dann mit so etwas wie einer verdrehten Form eines Kusses alles Leben aussaugen lässt, stimmt irgendwas mit deiner Herangehensweise nicht. 
In dieser Hinsicht darf Universal also gerne nochmal über die Bücher gehen, denn so funktioniert das einfach nicht. Jetzt wäre es ja schön, wenn "Die Mumie" wenigstens sonst überzeugen würde. Das kann sie aber leider auch nicht. Und das hat zahlreiche Gründe.
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Erst einmal sieht man den halben verdammten Film über so gut wie nichts. Dark Universe scheint mir da ein recht passender Oberbegriff zu sein, immer wieder finden Angriffe zombieähnlicher Mumien in beinahe vollständiger Finsternis statt. Die wenigen Minuten, die der Film tatsächlich in einer Wüste spielt, sehen dafür relativ schön aus. Man muss ja auch loben können. Da hört es dann aber auch fast schon wieder auf. Einzig die mit 107 Minuten für einen Blockbuster recht straff bemessene Laufzeit kann hier noch positiv gewertet werden, denn so ist der Film wenigstens schnell vorbei.

Darstellerisch wird hier ebenfalls kräftig in die matschige Kloake gegriffen. Tom Cruise versucht sich an seiner eigenen Version eines Indiana Jones, scheitert aber dank grenzdebilem Dauergrinsen und lustlos vorgetragenen Dialogen fast schon spektakulär. Annabelle Wallis ist zumindest die ersten paar Minuten des Films noch irgendwie cool, verliert sich dann aber in einer schrägen Mischung aus dämlichem Gesichtsausdruck gepaart mit dämlicher Herumsteherei. Das vom Drehbuch so sehr gewollte Knistern zwischen ihr und Cruise ist jedenfalls nicht vorhanden. Russel Crowe ist irgendwie anwesend und leiert seine Texte demotiviert herunter. Einzig Sofia Boutella gibt sich Mühe und verleiht ihrer Mumie wenigstens ansatzweise so etwas wie nachvollziehbare Motivation. Mal ehrlich, wer hat schon Lust, lebendig begraben oder mit Quecksilber vollgepumpt zu werden? Eben. Retten kann sie dieses Flickwerk damit allerdings auch nicht, dafür hat sie schlicht und ergreifend zu wenig Szenen.
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So dürfen sich unmotivierte Darsteller durch monotone Dialoge und Voice-Over hangeln, während das Drehbuch sich keinerlei Mühe gibt zu verbergen, dass hier einfach die gröbsten Checkpoints für generische Blockbuster abgelaufen werden. Cruise und Wallis stolpern durch Sand, Wasser und Straßen, ab und an fliegt etwas in die Luft, Sand wird aufgewirbelt, eine oder mehrere Mumien tauchen auf, Crowe liefert mehr langatmige Erklärungen, alles beginnt von vorne. Humor lässt sich ebenfalls höchstens mit der Lupe finden, dafür kriegt Tom Cruise eine Nacktszene spendiert und darf der Welt zeigen, dass er genug Zeit hat, sechs Stunden am Tag im Fitnessstudio herumzuhängen. Ein Flugzeugabsturz, den er überlebt, kriegen wir ebenfalls, nur auf eine Verfolgungsjagd auf einem Motorrad müssen wir verzichten, was für Cruis'sche Verhältnisse schon beinahe enttäuschend ist. Ebenfalls verzichtet wird auf jede Form von Grusel, selbst den Camp, den die alten Schwarzweißfilme teilweise liefern konnten, sucht man hier vergeblich. Alles was bleibt ist eine triste, düstere, lustbefreite Einheitsmasse von der Stange.

Fazit 


Ein absoluter Reinfall auf ganzer Linie. Langweilig, belanglos, schlecht geschrieben, schlechter gespielt und so randvoll mit Klischees vollgestopft, dass es einen wie Sand in der Badehose heimsucht. Nein, auf "Die Mumie" hätte man getrost verzichten können und sich stattdessen im Hause Universal besser mal vorher Gedanken gemacht, wie man ein eigenes Franchise auf die Beine stellt. Dann wäre uns allen diese Hochglanz - Totgeburt erspart geblieben. Wenigstens ist der gruselfreie Spuk überdurchschnittlich schnell vorbei.

Infos zum Film


Originaltitel: The Mummy
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Abenteuer, Action
FSK: 12
Laufzeit: 107 Minuten
Regie: Alex Kurtzman
Drehbuch: John Spaiths, Christopher McQuarrie
Darsteller: Tom Cruise, Annabelle Wallis, Sofia Boutella, Russel Crowe, Jake Johnson u.a.
 

Trailer

 

 

1 Kommentar:

  1. Alles klar, kann ich mir also sparen, dafür Zeit zu verschwenden, auch wenn es nur kurze 100 Minuten sind.

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