gesehen: Es (2017)

© Warner Bros. Ent.

Story


In der Stadt Derry in Maine verschwinden immer wieder Kinder. Eine Gruppe von Kids wird mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontiert, als sie dem bösen Clown Pennywise gegenüberstehen, der seit Jahrhunderten eine Spur von Mord und Gewalt hinter sich herzieht.



Kritik


Wenige Situationen im Leben sind gruseliger, als die Kindheit. Wenn ein Schriftsteller dies begriffen hat, dann Stephen King. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich "Es" zum ersten Mal gelesen habe und mit Georgie mitgelitten habe, als er die Kellertreppe nicht heruntergehen wollte. Mir wurde beim Lesen richtig mulmig und am Ende der Stelle im Buch hatte ich mich fast komplett unter meiner Bettdecke verkrochen. Nur noch Kopf, Hände und das Buch guckten oben heraus.

Wieso ich das erzähle? Weil ich diese Szene in nahezu perfekter Umsetzung in der Neuverfilmung von "Es" gesehen habe. Ja, der Clown ist gruselig und hier und da gibt es Jump Scares und auch ein paar matschige Momente, die wirklich unter die Haut gehen. Doch diese Szene, gleich zu Beginn des Films, zeigt, was "Es" in seiner 2017er Version so unfassbar gut macht: Die Angst, eigentlich die ganze Gefühlswelt der Kinder wird nahezu perfekt abgebildet. Dass dies nun 27 Jahre nach der ersten Verfilmung passiert, wo doch "Es" ebenfalls alle 27 Jahre erscheint, um die Kleinstadt Derry heimzusuchen, ist entweder ein herrlicher Zufall, oder extrem gewolltes Marketing. So oder so, ein cleverer Schachzug.

Der Losers Club © Warner Bros. Ent.
Überhaupt hat der Film seine Stärken genau dann, wenn er sich mit den Kindern beschäftigt. Statt auf farblose, langweilige oder gar nervige Kinderdarsteller zu setzen, wurde sich beim Casting Mühe gegeben. Jaeden Lieberher, der bereits in "Midnight Special" überzeugen konnte, übernimmt dabei sozusagen die Rolle des Anführers. Sein kleiner Bruder ist verschwunden und er setzt alles daran, ihn wiederzufinden. Ein weiterer Coup ist das Casting von Finn Wolfhard, der bereits in der ersten Staffel von "Stranger Things" sein Talent für 80er-Jahre-Übernatürliches unter Beweis stellen konnte. Ein paar weniger wirklich gemeine Witze hätten seiner Figur gutgetan, ansonsten sorgt vor allem er für eine durchaus komödiantische Auflockerung zwischen den wirklich gruseligen Stellen. Sophia Lillis als Beverly ist eine Neuentdeckung und sicherlich eine, von der wir noch viel sehen werden. Auch die restlichen Kids sind sympathisch und nachvollziehbar geschrieben und gespielt. Wer Vergleiche mit anderen King-Verfilmungen anstellen will, der wird in Bezug auf die Kids früher oder später bei "Stand by Me" landen. Auch hier ist dieses unbeschwerte Sommergefühl präsent, der Zeitraum in dem die Kinder Spaß haben sollten, dann aber mit etwas konfrontiert werden, das zu schnell zu bitterem Ernst wird.

Möchtest du einen Ballon? © Warner Bros. Ent.
Die Bedrohlichkeiten resultieren dabei nicht in erster Linie aus Pennywise. Mobbende, ältere Mitschüler, misshandelnde Eltern, unerklärliche Unfälle und Verluste sind die Bildfläche, auf der Pennywise sich später austoben kann. Die Ängste, von denen er sich ernährt, fußen alle in der unschönen Realität, in der die Kids mit Dingen klarkommen müssen, für die sie eigentlich noch viel zu jung sind. Hier gehen teilweise die Special Effects einen recht eigenwilligen Weg. Während der Pressevorführung machte sich ein Kollege neben mir über das schlechte, billige Aussehen einiger der Kreaturen lustig, welche den Kindern Angst einjagen. Ich schätze, er hat nicht bedacht, dass diese aus Kinderperspektive umgesetzt wurden und deswegen hier und da etwas überzogen wirken. Lässt man sich darauf ein, Horror aus kindlicher Perspektive zu erleben, dann sind die Effekte großartig in Szene gesetzt und verfehlen keinesfalls ihr Ziel, Unwohlsein zu erschaffen.

Pennywise in all seiner Pracht. © Warner Bros. Ent.
Und dann ist da Bill Skarsgard als Pennywise. Man stelle sich vor, Tim Currys Pennywise aus den 90ern und Heath Ledgers Joker hätten ein Kind großgezogen. Dieser Pennywise wäre wohl das Ergebnis. Statt auf Klamauk setzt er vollkommen auf bedrohliche Ruhe und es hat exakt die erste Begegnung mit ihm gebraucht, damit ich während der restlichen zwei Stunden im Kino permanent eine eiskalte Gänsehaut an den Beinen hatte, wenn er irgendwo aufgetaucht ist. Wer jedenfalls bisher keine Angst vor Clowns hatte, wird sich das nach dieser Begegnung wohl anders überlegen. Allein die erste Szene mit ihm, in der er auf Georgie trifft, ist so spannend inszeniert, dass man den Atem selbst dann anhält, wenn man bereits weiß, wie sie ausgehen wird. Raffiniert gesetzte Schnitte setzen dem Suspense dann die Krone auf.

Jeder mag Clowns, oder etwa nicht? © Warner Bros. Ent.
Der Fokus liegt in dieser Verfilmung, anders als bei der Version aus den 90ern, auch gänzlich auf den Kindern. Das erspart stressige Zeitsprünge und gibt den einzelnen Geschichten mehr Raum, um sich zu entfalten. Erwähnenswert ist auch das Setdesign. Die Einrichtung der Kinderzimmer sowie der weiteren Räume und auch der Straßen weckt dieses ungewisse Gefühl, in der richtigen Zeit angesiedelt zu sein. Nichts davon fühlt sich erzwungen an, doch bei genauem Hinsehen ist klar, dass hier Arbeit investiert wurde. Dies zahlt sich aus, verwurzelt es den Film doch fest in der Zeit, in der er spielen soll. Wünschenswert wäre vielleicht noch gewesen, auf Themen wie Rassismus, die Mikes Geschichte ja eigentlich begleiten sollen, stärker einzugehen. Hier erweist "Es" sich als etwas zahnlos. Ein zweiter Teil ist indes bereits angekündigt. Sollte das rare Kunststück gelingen, den zweiten Teil mindestens so gut werden zu lassen wie diesen Auftakt, dann wird "Es" in dieser Fassung zu Recht als Klassiker des Genres gelten.

Fazit


"Es" präsentiert sich als eine äußerst gelungene Mischung aus handfestem Horror und Coming of Age Geschichte. Durch die Bank weg grandios besetzt gehen einem vor allem die Geschichten der einzelnen Kinder nahe, während die wohldosierten Schockmomente abwechslungsreich mal gruselig, mal ins Gesicht springend inszeniert sind. Bill Skarsgards Pennywise ist zudem auf ruhige Art bedrohlich, was für Gänsehaut im Publikum sorgen dürfte.

Infos zum Film


Originaltitel: It
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Horror, Abenteuer, Coming of Age
FSK: 16
Laufzeit: 135 Minuten
Regie: Andy Muschietti
Drehbuch: Chase Palmer, Cary Fukunaga, Gary Dauberman, Stephen King
Darsteller: Bill Skarsgard, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard, Sophia Lillis, Chosen Jacobs, Jack Dylan Grazer, Jeremy Ray Taylor, Wyatt Olef u.a.
 

Trailer

 

Kommentare:

  1. Wenn da nicht meine Abneigung gegenüber Clowns wäre, die der Curry-Pennywise damals ein Stück weit mit beeinflusst hat. Geh ich oder geh ich nicht ins Kino? Das ist die Frage...

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    1. Du könntest es als Therapiemaßnahme handhaben. Ich find diesen Clown hier allerdings ein gutes Stück gruseliger als den aus den 90ern, aber da sind die Erinnerungen auch recht verblasst.

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